Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Entstehungsgeschichte 4
2.1. Hintergrund 4
2.2. Die HJ vor der Machtergreifung Hitlers 5
2.3. Die HJ nach 1933 6
3. Charakteristika der Hitlerjugend 8
3.1. Funktion und Aufgaben 8
3.2. Organisationsform 9
3.3. Handlungsformen 10
3.4. Die weibliche Jugend und ihre geschlechtsspezifische Rolle 12
4. Fazit 14
Quellenangaben 16
Literatur: 16
Bildquellen: 16
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1. Einleitung
Die Hitlerjugend (HJ) war die erste deutsche Staatsjugendkultur. Neben der sehr kritisch zu betrachtenden ideologischen Erziehung im Sinne des Nationalsozialismus bot die HJ den Jugendlichen des Dritten Reichs vor allem ein bislang nicht da gewesenes Gruppengefühl. Das war auch dringend notwendig, denn durch den verlorenen Ersten Weltkrieg und seine Folgen war Deutschland in eine tiefe Rezession gerutscht. Deutschland musste die Kriegsschuld anerkennen und hohe Reparationsforderungen ableisten. Massenarbeitslosigkeit und Verelendung waren die Folgen. Die Hyperinflation von 1923 und die Weltwirtschaftskrise von 1929 verstärkten diese Effekte. Die Menschen waren desillusioniert, sie hatten keine Perspektiven. Dem Weimarer Staat wurde daran die Mitschuld gegeben, sodass es zu einem erstarken der radikalen Parteien kam - sowohl der linken als auch rechten. Unter diesen Umständen war es für die damaligen Jugendlichen sehr schwer eine starke Identität zu entwickeln. Umso verlockender wirkte dadurch das Angebot der HJ, welche anstatt einer starken Persönlichkeitsbildung ein starkes „Wir-Gefühl“ bot und durch eine militärisch straff geführte Hierarchie jedem Einzelnen seinen Platz zuwies. Die Nationalsozialisten beseitigten somit die Statusunsicherheit der Jugendlichen.
Adolf Hitler selbst hat einmal in einer Rede deutlich gemacht, auf welche Weise ein jedes Kind den NS-Apparat durchläuft, um das nationalsozialistische Denken in ihnen zu verankern: „…wenn diese Knaben mit 10 Jahren in unsere Organisation hineinkommen und dort oft zum ersten Male überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, dort behalten wir sie wieder vier Jahre, und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unserer alten Klassen- und Standeserzeuger…“. Und weiter heißt es: „…und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben“ (Giesecke 1981, S.203; zit. n. Fest, S.311 f.). In dieser Arbeit werde ich der Frage nachgehen, warum die HJ zu einer solch großen Massenorganisation werden konnte. Auf den folgenden Seiten werde ich einen geschichtlichen Abriss über die Zeit des Nationalsozialismus geben und dann auf die Entstehungsgeschichte der HJ eingehen. Anschließend erörtere ich die Charakteristika der HJ und kläre als letztes die Rolle der Frauen.
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2. Entstehungsgeschichte
2.1. Hintergrund
Um 1900 herum entwickelte sich erstmals ein Bewusstsein für die Jugend. Der Wandervogel, die erste deutsche Jugendbewegung, gab bürgerlichen Jugendlichen aus den Städten die Möglichkeit, nach einem selbst gewählten Lebensstil ihre Freizeit zu verbringen. Dies half ihnen dabei, einen eigenen Weg der Identitätsfindung zu gehen - und den mussten sie auch gehen: Die vom Vater übernommenen Werte und der geerbte Beruf gab es vor allem auf dem Land, im Stadtleben funktionierte dies nicht. Hier kam es auf die Leistung des Einzelnen an, somit auch auf seine individuellen Fähigkeiten. Es fehlten Vorbilder, an denen man sich hätte orientieren können, Vorbilder, die den offenen Lebenshorizonten eine Gestalt hätten geben können. Die vorher durch Identifikation gewonnene Identität musste jetzt durch eigene Leistungen erlangt werden (vgl. Giesecke 1981, S.32).
Der Wandervogel schaffte einen gesellschaftlich akzeptierten Freiraum für Jugendliche. Auf gemeinsamen Fahrten hatten sie Kontakt zu Gleichaltrigen, die mit den gleichen Problemen der Adoleszenz zu kämpfen hatten. Vom Wandervogel wurde primär die bürgerliche Jugend angesprochen, denn die Jugendlichen der Arbeiterschicht übten nach nur kurzer Schullaufbahn schnell einen eigenen Beruf aus und mussten Verantwortung für sich selbst übernehmen. Hier gab es diese offenen Lebenshorizonte nicht. Dazu kam, dass die Arbeitsbedingungen für Jugendliche um die Jahrhundertwende nicht sehr viel Freizeit vorsahen, die für Fahrten hätten genutzt werden können. Bis zum ersten Weltkrieg hatte es eine Vielzahl neuer bzw. neu strukturierter Jugendorganisationen gegeben, die oftmals Parteien und Gewerkschaften nahe standen und in denen natürlich versucht wurde, die Jugendlichen im eigenen Sinne zu beeinflussen. Alle warben um Mitglieder, denn „wer die Jugend hat, hat die Zukunft“ (vgl. Giesecke 1981, S.87).
Nachdem der erste Weltkrieg verloren war, ging es mit dem Deutschen Reich bergab. Hohe Reparationszahlungen mussten an die Siegermächte gezahlt werden. Die Industrieanlagen wurden demontiert, 1923 wurde das Ruhrgebiet besetzt. Dem Staat wurde vorgeworfen, den Problemen machtlos gegenüber zu
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stehen. Die Loyalität gegenüber der jungen Weimarer Republik wurde immer geringer. Die Verzweiflung entlud sich oft in Form von Aggressionen, die Bereitschaft zu Gewalttaten nahm immer weiter zu. Das zeigte sich auch im Wachstum der radikalen Parteien KPD & NSDAP und im gleichzeitigen Rückgang der bürgerlichen Parteien (vgl. Giesecke 1981, S.169).
In dieser Zeit war es wichtig, politisch Stellung zu beziehen. Für den Wandervogel, der dies unterließ, war es bald das Ende. Die Mitgliederzahlen sanken immer weiter ab, andere gewannen an Macht und Einfluss - unter ihnen die Bündische Jugend, die mit zentralen Begriffen wie Disziplin, Führen und Folgen den Zeitgeist traf. Vor wie nach dem Krieg fehlten den Jugendlichen Orientierungshilfen und Perspektiven. Doch während die Wandervögel romantische Ideale verfolgten und sich in der Gruppe als gleichberechtigt ansahen, war die „neue Jugend“ emotional kühl, mit einer antiintellektuellen Haltung. Während sich der Wandervogel von der Stadt abwandte und die Naturnähe suchte, herrschte jetzt ein Interesse an Technik und Massenmedien vor. Das Gefühl der Einsamkeit wurde kompensiert, indem man sich an etwas Größeres band - Vielen war auch egal an wen oder was, hauptsache es wurde eine Veränderung der gesellschaftlichen Umstände in Aussicht gestellt (vgl. Giesecke 1981, S.169ff.).
2.2. Die HJ vor der Machtergreifung Hitlers
Die Nationalsozialisten präsentierten sich als Gruppierung, die das „Alte“ bekämpfte, d.h. neben den Parteien auch die Weimarer Republik. Gerade Hitlers totalitärer Führungsanspruch hatte große Anziehungskraft auf die Massen: Eine charismatische Führungspersönlichkeit, die Besserung versprach, gab den Menschen natürlich Hoffnung (vgl. Giesecke 1981, S.181). Die erste nationalsozialistische Jugendorganisation wurde bereit 1922 in München gegründet. Diese war unterteilt in die „Jungmannschaften“ (14-16-jährige) und den „Jungsturm Adolf Hitler“ (16-18-jährige). Nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 wurden die NSDAP sowie deren Jugendorganisation verboten. Unter Decknamen konnten einige Ortsgruppen weiter bestehen, die sich 1926 unter dem Namen „Großdeutsche Jugendbewegung“ (GDJB) zusammenschlossen. Nach der Haftentlassung Adolf Hitlers und der Neugründung der NSDAP konkurrierten der GDJB und die „Schilljugend“ um
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die Zustimmung durch die NSDAP. Die GDJB setzte sich letztendlich durch, was auch daran lag, dass die Schilljugend sich selbst als elitäre Organisation betrachtete und dessen Führer eigene Wege gehen wollte. Auf dem ersten Parteitag der NSDAP im Juli 1926 wurde die GDJB umbenannt in „Hitler-Jugend, Bund deutscher Arbeiterjugend“. Zusätzlich wurde der HJ zugestanden, als Jugendorganisation der NSDAP aufzutreten (vgl. Brandenburg 1968, S.22ff.). Im gleichen Zeitraum entstanden der „Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund“ (1926) und der NS-Schülerbund (1929), die mit der gymnasialen bzw. studentischen Zielgruppe nicht nur Proletarier, sondern auch „verstandesbegabtere“ Jugendliche ansprechen wollten (vgl. Brandenburg 1968, S.46ff.). Ab 1931 war Baldur von Schirach zuständig für alle drei Jugendverbände der NSDAP: Die HJ, den NS-Studentenbund und den NS-Schülerbund. Mit ihm bekam die HJ einen bürokratischen Apparat, der von seiner Komplexität und Ausdehnung Millionen von HJ-Mitgliedern hätte verwalten können (vgl. Brandenburg 1968, S. 115). Tatsächlich war man bis Anfang 1933 davon noch weit entfernt - lediglich 108.000 Gefährten, 1% der Jugendlichen, zählte zur HJ (vgl. Miller-Kipp 2001, S.47). Die geringe Mitgliederzahl lag nach von Schirachs eigener Aussage an der bis dato „schlecht geleiteten und mäßig disziplinierten Organisation“ (zit. nach Brandenburg, 1968, S. 114). 1932 verbot Hindenburg die SS und SA (damit auch die ihr untergeordnete HJ). Reichskanzler von Papen hob das Verbot zwei Monate später wieder auf. Das Verbot wurde erteilt, weil der Reichswehrminister einen Wehrsportverband für alle Jugendlichen aufbauen wollte. Damit hoffte er den Straßenkampf zwischen nationalsozialistischen und kommunistischen Jugendgruppen beenden zu können (vgl. Brandenburg 1968, S.120).
2.3. Die HJ nach 1933
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und nach dem Erlass der Ermächtigungsgesetze im März 1933 war Hitlers Machtergreifung besiegelt (vgl. Wickert, S.177). Somit war auch der Weg zur Staatsjugend geebnet.
Die Nationalsozialisten traten mit dem Ziel auf, die innere Einheit des Volkes wieder herzustellen. Von dieser Position aus konnte die HJ andere Jugendorganisationen angreifen, die nur zur Zerrissenheit des Volkes beitrugen (vgl.
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Giesecke 1981, S.181). Im Sommer 1933 wurde damit begonnen, alle anderen Jugendorganisationen gleichzuschalten und dadurch andere zu verbieten bzw. der HJ einzugliedern. Im Juli 1933 wurde der „Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände“, dem viele Jugendverbände angehörten, aufgelöst (vgl. Giesecke 1981, S.184).
Ab dem 1. Juli 1933 galt die folgende Gliederung der HJ:
Ende 1933 zählte die Hitlerjugend bereits 2,3 Millionen Mitglieder. Bis April 1939 waren 8,7 Millionen Jugendliche der HJ beigetreten (vgl. Miller-Kipp 2001, S.47). Ab 1939 war die Mitgliedschaft in der HJ für alle 10-18jährigen Deutschen endgültig Pflicht (vgl. Schuber-Weller 1993, S.155). Somit wurde die „Staatsjugend zur Zwangsjugend“ (Brandenburg 1968, S.184).
Nach dem Kriegsausbruch 1939 hatte alle Arbeit der HJ nunmehr allein der Kriegsführung zu dienen. Dies ermöglichte die Jugenddienstordnung von 1939. Zu den Aufgaben gehörten: Sammelaktionen, Erntehilfe, Kurierdienste, Helfer auf Behörden; für Mädchen vor allem hauswirtschaftliche Dienste und Aufgaben im Gesundheitswesen. Gegen Ende des Krieges gab es auch Einsätze an der FLAK oder im Rahmen des Volkssturms gegen Truppen (vgl. Giesecke 1981, S.197).
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3. Charakteristika der Hitlerjugend
3.1. Funktion und Aufgaben
Wie schon bereits in der Einleitung angedeutet, war die HJ ein Instrument, um den Kindern und Jugendlichen die Ideologie der Nationalsozialisten nahe zu bringen. Adolf Hitler: „Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes, als deutsch denken, deutsch handeln...“ (Giesecke 1981, S.203; zit. n. Fest, S.311 f.). Die Zielgruppe war in den ersten Jahren die proletarische Jugend, wobei die HJ durch ihre spätere Stellung als Einheitsjugendorganisation quasi ein Monopol auf die organisierten Freizeitaktivitäten der Jugendlichen hatte. Somit hatte man auch auf die Jugendlichen aller Stände Zugriff. Einige Gesetze, die einen Pflichtdienst in der HJ einführten, bekräftigten dies noch. Man verstand sich als eigenständigen Erziehungsbereich neben Schule und Eltern und machte diesen Anspruch auch geltend (vgl. Giesecke 1981, S.200).
Bis 1933 achtete die HJ bei ihren Aktionen nicht immer auf die Rechtmäßigkeit einzelner Handlungen. So kam es zu Straßenschlägereien und Verfolgungen anders orientierter jugendlicher Gruppen, vor allem derjenigen der kommunistischen Parteijugend (vgl. Giesecke 1981, S.189).
Ansonsten präsentierte sich die HJ als sozial engagiert und diszipliniert. Sie wirkte in der Jugendpflege mit, setzte sich für Interessen jugendlicher Arbeiter und Lehrlinge ein, beteiligte sich am Winterhilfswerk, kümmerte sich um verarmte Jugendliche und sorgte für die Einhaltung der Urlaubsregelungen in Betrieben.
Diese Leistungen kamen aber nicht allen zugute, „denn die Fürsorge galt dem einzelnen nur, insofern er als nützliches und notwendiges Glied der „Volksgemeinschaft" gelten konnte. Wer einer solchen Erwartung nicht gerecht werden konnte, z. B. weil er behindert war, der traf auch nicht auf das fürsorgerische Interesse der HJ.“ (Giesecke, 1981, S.206). Auch der Eigennutz mancher Taten ist nicht außer Acht zu lassen. So war es z.B. wichtig, dass die jugendlichen Arbeitnehmer Urlaub hatten, damit diese die Zeltlager der HJ besuchen konnten. Im Jahr 1936 gab es knapp 2000 Lager mit 560.000 Kindern und Jugendlichen, allerdings nur für Jungen, da Mädchen in Jugendherbergen übernachteten. Von diesen 560.000 waren 62% berufstätig (vgl. Giesecke 1981, S.194).
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Die Nationalsozialisten zielten nicht darauf ab, die Jugendlichen zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten heranzuziehen. Sie brauchten eine treue und gefolgsame Jugend, über die sie verfügen konnten. Damit trafen sie den Nerv der Zeit: Viele wollten sich an etwas Großes binden und integrieren. Sie fragten nicht nach einem Sinn. Das Gefühl der emotionalen und sozialen Integration war für die Jugendlichen ausschlaggebend: „Spektakuläre Ereignisse und Aktivitäten und der Rausch der zahlenmäßigen Erfolge ersetzten substantielles Nachdenken über den Sinn der Sache.“ (Giesecke, 1981, S. 200)
3.2. Organisationsform
Die HJ war streng militärisch organisiert. Dies zeigt sich besonders deutlich an den Abzeichen der verschiedenen „Ränge“ innerhalb der Organisation.
Abb.1: Ränge in der HJ, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend,
abgerufen am 10.Juni 2006.
Mit zehn Jahren wurde man Mitglied des Deutschen Jungvolkes (DJ), bzw. als Mädchen Mitglied der Deutschen Jungmädel. Mit 14 Jahren verließ man die Gruppe und kam in die eigentliche Hitlerjugend bzw. in den Bund Deutscher Mädel. In der Regel verließ man mit 18 Jahren die HJ bzw. den BDM, wobei ab
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Ende 1927 erlaubt wurde, dass fähige Mitglieder zu Organisationszwecken einbehalten wurden (vgl. Giesecke 1981, S.177). Während man in vorher existierenden Jugendorganisationen nie das Problem mit den älter gewordenen Gefährten lösen konnte, gab es im NS-Regime die an die HJ-Zeit anschließende Wehrpflicht, auf die schon die ganze HJ-Zeit mit ihrem militärischen Drill hinarbeitete. Außerdem konnte man ebenfalls Verbänden wie der SS oder der SA beitreten (vgl. Giesecke 1981, S.203).
Die HJ war streng hierarchisch gegliedert. Die niedrigste Ebene war die Kameradschaft, die aus ca. 15 Teilnehmern bestand. Drei dieser Kameradschaften bildeten eine Schar, drei Scharen eine Gefolgschaft. Die weiteren Einheiten waren: Unterbann, Bann, Oberbann, Gebiet und Obergebiet. Das Obergebiet bildete mit fast 400.000 Mitgliedern die größte Einheit in der Organisation. Ähnliche Strukturen gab es für DJ und BDM. Die Abzeichen (s. o.) entsprechen den jeweiligen Führungsrängen der verschiedenen Einheiten. „Dem Führer des Stabes der Reichsjugendführung“ unterstanden alle, er stand an der Spitze der pyramidenförmig organisierten HJ (vgl. Miller-Kipp 2001, S.29f.). Die HJ betrieb auch Sonderformationen wie Flieger-HJ, Marine-HJ oder Nachrichten-HJ. Einerseits sollten so die speziellen Interessen der Jugendlichen angesprochen werden, zum anderen konnte der Kriegsapparat auf diese Weise fähige und schon gut vorgebildete Jugendliche rekrutieren. Zum BDM gehörte die Sonderformation „Glaube und Schönheit“, die für 17-21jährige Jugendliche zur Verfügung stand und den Frauen die Ästhetik noch näher bringen sollte (vgl. Miller-Kipp 2001, S.298).
Um das Verbundenheitsgefühl mit der Gruppe zu fördern gab es Aktivitäten wie: Fahrten, Zeltlager, Aufmärsche an Parteitagen und
Heimabende. Dort wurden Lieder gesungen, Rituale
absolviert und spezielle Symbole getragen wie die
am 10.Juni 2006. Rangabzeichen oder die eigene Flagge der
Hitlerjugend. Sehr bedeutsam war in diesem Zusammenhang auch die von allen getragene Uniform. Während der ersten Jahre trugen die Mitglieder der HJ die gleichen Uniformen wie die der SA, womit sie optisch nicht als eigenständi-
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ge Organisation wahrgenommen werden konnten. In der späteren Entwicklung erhielt die HJ ihre eigenen Uniformen. Unterorganisationen wie z.B. die Flieger-HJ trugen Abwandlungen der Uniform. Die Uniform unterstrich zum einen den militärischen Charakter der HJ, zum anderen förderte sie das Gemeinschaftsgefühl. Wenn alle die gleiche Kleidung tragen, gibt es auch keine erkennbaren Ständeunterschiede. In der Uniform war das Proletarierkind nicht vom Kind einer großbürgerlichen Familie zu unterscheiden (vgl. Giesecke 1981, S.184).
Fahrten waren seit der Zeit der Wandervogelbewegung eine beliebte Freizeitaktivität. Während es bei den Wandervögeln aber um die Rückbesinnung auf Romantik und Naturbezogenheit ging, standen bei der HJ das Gruppengefühl und das Kennenlernen der eigenen Heimat im Vordergrund. Die Landfahrten, wie sie auch genannt wurden, sollten somit unter Hitlers Motto stehen: „Kämpfen kann ich nur für das was ich liebe, lieben nur, was ich achte, und achten nur, was ich mindestens kenne!“ (Miller-Kipp, 2001, S.141f.) Den regelmäßig abgehaltenen Heimabenden wurden mithilfe von 14tägig erscheinenden Schulungsmappen Themen vorgegeben über die gesprochen werden sollte. So wurden das „richtige“ Geschichtsbild vermittelt, Hitler und die NSDAP gelobt (Giesecke, 1981, S.199).
Das in den Sommerferien durchgeführte Zeltlager war „eines ihrer wichtigsten Erziehungsmittel“ (Giesecke, 1981, S.194). Hier waren wirklich die Nationalsozialisten ganz frei von den Erziehungsinstanzen Schule und Eltern und konnten für einige Wochen vollends auf die Kinder und Jugendlichen einwirken. Auch hier war das Gemeinschaftsgefühl - schon allein durch die sich eingefundenen, großen Menschenmengen - von hoher Bedeutung.
Allerdings wurde dieses Gefühl bei Aufmärschen an Parteitagen noch bei weitem übertroffen: Zwischen 250.000 und 1.000.000 Menschen - auch Abordnungen der HJ - nahmen beispielsweise bei Veranstaltungen auf dem Zeppelinfeld bei Nürnberg teil und wurden so Teil einer riesigen Inszenierung und Machtdemonstration. Solche Feiern wurden oft auch nach der Dämmerung noch fortgeführt, da Feuerrituale wie Fackelzüge oder auch der berühmte Lichterdom besonders beeindrucken sollten.
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Somit sollten die Feiern neben dem Zusammengehörigkeitsgefühl auch zur ästhetischen Erziehung beitragen (Miller-Kipp, 2001, S.105).
Doch so besonders und einzigartig die HJ und ihre Besonderheiten wirken, im Grunde hat sie nur frühere Jugendbewegungen und Jugendorganisationen wie den „Wandervogel“ und die „Bündischen Jugend“ imitiert: „In der Tat hatte die HJ eigentlich nichts von dem erfunden, was ihre Eigentümlichkeit ausmacht. Führerprinzip, Kluft, Rituale, Mythen, völkischer Antisemitismus, Liedgut usw. … und das Marschieren war ohnehin eine disziplinarische Notwendigkeit für jeden, der Massen von Jugendlichen auf die Straße bringen wollte.“ (Giesecke, 1981, S.204).
Die Beliebtheit solcher Rituale und Handlungsformen lässt sich damit erklären, dass es öffentliche Anerkennung gab und man von Problemen persönlicher Art abgelenkt war (vgl. Giesecke 1981, S.201). Von ihnen ging ein Großteil der Faszinationskraft aus, welche vom Regime bewusst so spektakulär inszeniert wurden.
3.4. Die weibliche Jugend und ihre geschlechtsspezifische Rolle Seit 1927 entstanden NS-Mädchengruppen, die 1930 im BDM - Bund Deut- scher Mädel - zusammengefasst wurden. Dieser wurde später in die HJ einge- gliedert. Eine eigenständige Mädchenjugendorganisation existierte danach fak- tisch nicht mehr.
Ein wichtiges Aufgabenfeld des BDM war die Körpererziehung. Sport und körperliche Ertüchtigung wurden angeordnet, um gesunde Mütter zu erhalten, Körperbeherrschung sollte Mut und Entschlossenheit wecken (Miller-Kipp, S.126). Klassische Handarbeiten wie Stricken und Häkeln wurden als charakterliche Übung aufgefasst. Auf diese Weise sollten die Mädchen lernen sich in Geduld zu üben, um dadurch das letztendliche Ziel zu erreichen, dass die Frauen sich „als Mitglied des Volkes für dieses selbst zu leben und zu wirken“ verstanden (Miller-Kipp, 2001, S.126).
So verwundert es auch nicht, dass die traditionelle Sozialisation der Mädchen auf die Existenz in der Familie zielte. Dies ist aber einzuschränken, weil eine qualifizierte Berufsausbildung der Frauen in den späteren Jahren sogar gefordert wurde.
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Frauen im Beruf waren nämlich eine zwingende Notwendigkeit durch die Kriegspläne Hitlers und die natürlich dann zahlreich einberufenen Männer in die Armee. So konnten wichtige wirtschaftliche Zweige - gerade die kriegsrelevanten - durch Frauen weiter betrieben werden. Infolgedessen spielten Mädchen und Frauen neben ihrer Mutterrolle eine zweite, verantwortungsvolle Rolle im NS-Staat (Miller-Kipp, 2001, S.159ff).
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4. Fazit
Wie sich gezeigt hat, hat die Hitlerjugend als Jugendorganisation einen immensen Erfolg gehabt. Die hohen Mitgliederzahlen kamen zustande, weil Emotionen angesprochen wurden. Das Gefühl der Einsamkeit wurde durch Gruppenzugehörigkeit kompensiert. Probleme im Entwicklungsprozess der eignen Identität wurden überdeckt mit sportlichen Aktivitäten und anderen Veranstaltungen. Offene Lebenshorizonte und eine unsichere Zukunft erhielten Führung durch den totalitären Machtanspruch von Adolf Hitler und der NSDAP. Gesellschaftliche Integration wurde gefordert und von der HJ geboten. Das Denken wurde versucht abzuschalten, denn es war nicht notwendig. Das Einzige, was gefordert wurde, war bedingungslose Treue und Loyalität gegenüber dem Führer und dem Vaterland.
Aber zu beachten ist auch, dass ein großer Teil der Jugendlichen vor 1939 - als die Mitgliedschaft in der HJ Pflicht wurde - nicht an den Angeboten teilnahm. Es bildeten sich oppositionelle Gruppen, die durch eigene Lebensweisen versuchten, sich vom Rest zu distanzieren. Wer so aufwuchs, gewann im Gegensatz zu vielen HJ-Mitgliedern eine starke Persönlichkeit und Ich-Stärke. Es gab auch Mitläufer, die nur mitmachten, weil es sich nicht vermeiden ließ und die sich sonst von der HJ distanzierten.
Die Umstände der damaligen Zeit und die Zusammenarbeit mit der regierenden NSDAP gaben der HJ die Möglichkeit den Kindern und Jugendlichen das zu bieten, wonach sie verlangten. Und wie es bei Bedürfnisbefriedigung oftmals der Fall ist, schaut man mehr auf das Gebotene als auf den, der es anbietet. Nach dem Kriegsende und dem Tod Hitlers waren viele Bedingungen im Erwachsenwerden der ehemaligen Hitlerjungen sehr schwer. Das Vorbild, der Führer, war tot, seine Vision vom großdeutschen Reich gescheitert. Trotz dieser Schicksalsschläge hat auch diese Generation ihre Position in der Gesellschaft gefunden. Und es hat sich auch deutlich gezeigt, dass die immer präsente Ideologieschulung der Nationalsozialisten keine tiefgehenden Einflüsse auf die Persönlichkeiten der Individuen nahm, denn gerade diese Altersgruppe ist es, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut und für dessen demokratische Grundwerte sie später eingestanden ist.
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Mir hat sich gezeigt, dass die Thematik Hitlerjugend so komplex ist, dass ich im Rahmen dieser Hausarbeit nicht auf alle Aspekte eingehen konnte. Aber ich habe erkennen können, warum von der HJ eine solch große Faszinationskraft ausging.
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Quellenangaben
Literatur:
Brandenburg, Hans-Christian: Geschichte der HJ - Wege und Irrwege einer Generation, 1968, Verlag Wissenschaft und Politik, Köln.
Giesecke, Hermann: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend - Jugendarbeit zwischen Politik und Pädagogik, 1981, Juventa-Verlag, Weinheim und München.
Miller-Kipp, Gisela (Hrsg.): „Auch du gehörst dem Führer“ - Die Geschichte des Bundes Deutscher Mädel (BDM) in Quellen und Dokumenten, 2001, Juventa-Verlag, Weinheim und München.
Schuber-Weller, Christoph: Hitlerjugend - Vom „Jungsturm Adolf Hitler“ zur Staatsjugend des Dritten Reiches, 1993, Juventa-Verlag, Weinheim und München.
Wickert, Ulrich (Hrsg.): Illustrierte Weltgeschichte - Auf den Spuren der Menschheit von den Anfängen bis zur Gegenwart, Naumann und Göbel Verlagsgesellschaft, Köln.
Meyers Lexikonredaktion (Hrsg.): Duden - Das neue Lexikon, 1996, Duden-Verlag, Mannheim.
Bildquellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend, abgerufen am 10.Juni 2006.
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Timothy Fitschen, 2006, Staatsjugendkulturen - Die Hitlerjugend, München, GRIN Verlag GmbH
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