Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 2
EINLEITUNG 3
1. UNTERSCHEIDUNG VON SCHULDGEFÜHLEN 3
Schuld vor Gott: 3
Schuld vor Menschen: 4
Echte und falsche Schuldgefühle 5
2. WOHER KOMMEN DIE SCHULDGEFÜHLE UND WIE ÄUßERN SIE SICH? 7
2.1 Durch falsche oder einseitige Gottesvorstellung
7
2.2 Durch Behauptungen und Verhaltensweisen anderer
7
2.3 Durch Selbstvorwürfe
8
3. KONSEQUENZEN FÜR DIE SEELSORGE. 9
3.1 Schuldgefühle erkennen
9
3.2 Vergebung zusprechen
9
3.3 Neues Denken und Verhalten
9
3.5 Gefahren
10
Vorschnelle und falsche Vergebung 10
Neue Vergebung 10
Zwei Arten von Schuldgefühlen und ihre Vergebung 11
Bagatellisieren oder Schuldgefühle falsch erkennen 11
4. RESÜMEE 12
LITERATURVERZEICHNIS 13
2
Einleitung
Schuldgefühle bestimmen maßgeblich unser Leben, sie nehmen oft starken Einfluss auf unser Handeln, unsere Verfassung und unserer Beziehungen zu anderen Menschen. Schuldgefühle können Menschen dazu bewegen, Dinge wieder ins Reine
zu bringen. Schuldgefühle können aber auch Menschen und Beziehungen zerstören. Denn ohne das Wissen, ob meine Schuldgefühle gerechtfertigt oder ungerechtfertigt sind, kann ich nicht versuchen, mit ihnen umzugehen oder sie abzulegen. Gerade deshalb spielen die Schuldgefühle in der Seelsorge eine tragende Rolle. Ich möchte dieses Thema in drei Punkten untersuchen. Am Ende wird ein persönliches Resümee folgen, sowie weiterführende Gedanken.
1. Unterscheidung von echten und falschen Schuldgefühlen. 2. Woher kommen die Schuldgefühle und wie äußern sie sich? 3. Konsequenzen für die Seelsorge.
1. Unterscheidung von Schuldgefühlen
Kann man sich schuldig fühlen, ohne es zu sein oder kann man schuldig sein und sich nicht schuldig fühlen? 1 Um im zweiten Abschnitt klären zu können, woher die Schuldgefühle kommen, müssen wir erst einmal die Begriffe echte und falsche Schuldgefühle klären, sowie die Bedeutung der Schuld.
Schuld vor Gott:
Nach alttestamentlichem Verständnis ist Schuld der Bruch des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Werden die Gesetze Gottes gebrochen, zum Beispiel durch Ungehorsam, Lästerung oder Lieblosigkeit, bietet Gott den Menschen die Möglichkeit der Aussühnung durch Opfer an. Der Mensch muss stellvertretend Tiere für seine Schuld opfern, dass es zur Aussühnung kommen kann. 2 Nach neutestamentlichem Verständnis ist Schuld gleich der Definition im Alten Testament, nur dass Jesus alle Schuld vor Gott aufzeigt und sie nicht durch Tieropfer getilgt werden kann. Jesus spricht nicht davon, dass ein Mensch sich von Gott durch seine Sünde trennt, sondern dass er durch die Sünde Adams und Evas und durch seine eigene Sünde bereits von Gott getrennt ist und zu Gott zurück kommen muss.
1 Vgl. P. Tournier, Echtes und falsches Schuldgefühl, Freiburg/Basel 2 1969, 53.
2 Vgl. R. Ruthe, Seelsorge wie macht man das? Giesen 2 1995, 172.
3
Er selbst, nämlich Jesus, ist der Weg, der es möglich macht, zu Gott zu kommen, weil er selbst die Schuld und Sünde von den Menschen nimmt. 3 Schuld und Sünde sind also in erster Linie Synonyme, die für unser Getrenntsein von Gott stehen. In zweiter Linie stehen sie für die Taten, die wir gegen seine Gebote tun, weil wir von Gott getrennt sind. Die Schuld vor Gott ist also der Mangel an Gerechtigkeit und Gehorsam den Geboten Gottes gegenüber, in dem alle Menschen stehen. Nur durch Jesus kann diese Schuld vergeben werden. 4
Schuld vor Menschen:
Menschen empfinden nicht nur Schuld gegenüber Gott, sondern meistens gegenüber anderen Menschen oder gegenüber sich selbst. Diese Art der Schuldgefühle ist mitgeprägt durch Erziehung und das Umfeld des Menschen, in dem er aufgewachsen ist. Die Schuldgefühle anderen gegenüber kann man in zwei Gruppen teilen: Das funktionale Schuldgefühl und das wertbestimmte Schuldgefühl. 5
Das funktionale Schuldgefühl: Hier empfindet der Mensch entsprechend den geltenden gesellschaftlichen Werten und Richtlinien, sowie den bestehenden Umwelteinflüssen ein Schuldgefühl. Dieses Schuldgefühl schützt den Menschen vor Ausgrenzung, Liebesverlust oder sogar dem Tod. 6 In islamischen Gebieten zum Beispiel ist es normal, dass die Frau geschlagen oder nur sexuelles Lustobjekt für den Mann ist. Die Männer empfinden hierbei kein schlechtes Gewissen den Frauen gegenüber. In westlichen Länden dagegen gilt es als unmoralisch, eine Frau zu schlagen oder sie derart zu behandeln.
Das wertbestimmte Schuldgefühl geht aus einer eigenen moralischen Vorstellung und eigenen Wertvorstellungen 7 hervor. Es können zum Beispiel Geschwister mit gleicher Erziehung völlig andere Wertmaßstäbe haben. Für das eine Kind ist Abschreiben in der Schule völlig legitim für das andere nicht. Natürlich lassen sich diese beiden Schuldgefühle nicht gänzlich von einander trennen und dennoch kann es in bestimmten Bereichen später hilfreich sein, diese beiden Arten differenziert zu betrachten. Das Schuldempfinden vor Menschen ist also immer sehr stark von dem gesellschaftlichen Kontext, sowie von den eigenen Wertmaßstäben abhängig.
3 Vgl. Ebd., 173.
4 Römer 3,9-31 Luther Übersetzung 1984.
5 Vgl. Ebd., 56.
6 Vgl. Ebd., 53.
7 Vgl. Ebd., 54.
4
Dies zeigt, dass der Umgang mit Schuldgefühlen, die nicht aus göttlichen Maßstäben, sondern aus dem gesellschaftlichen Kontext entstehen, meist sehr wenig mit göttlichen Maßstäben zu tun hat.
Dieser Unterschied zwischen Schuldgefühlen Gott gegenüber oder Menschen gegenüber sowie der Unterschied zwischen dem wertbestimmten Schuldgefühl und dem funktionalen Schuldgefühl lässt sicht in einem Textschaubild vereinfacht darstellen.
Echte und falsche Schuldgefühle
Menschen empfinden auf die unterschiedlichste Weise Schuld. Dieses Empfinden jedoch ist sehr stark geprägt von den oben genannten Faktoren wie gesellschaftlicher Kontext, dem kulturellen Gottesverständnis und der Erziehung eines Menschen. Das Schuldempfinden kommt aber immer aus dem Gefühl oder Empfinden heraus, dass ich etwas falsch gemacht oder versäumt habe. Nun stellt sich die Frage, ob dieses Gefühl oder Empfinden gerechtfertigt ist oder nicht. Liegt eine tatsächliche Schuld vor oder meine ich das nur aus meinem Verständnis heraus? Es ist also schwierig, von einem echten Schuldgefühl Gott gegenüber zu sprechen, wenn dies aus dem kulturellen, gesellschaftlichen oder ethischen Kontext kommt. Eine Frau zum Beispiel, die aus einer Russisch-Orthodoxen Gemeinde stammt, würde es als Sünde empfinden, eine Hose zu tragen oder sich zu schminken. Eine Frau aus einer eher liberalen Gemeinde dagegen würde wahrscheinlich nicht einmal auf den Gedanken kommen, dies als Sünde zu sehen. Damit kann man aber nicht einfach alle kulturellen oder gesellschaftlich bedingten
5
Schuldgefühle als falsch bezeichnen, denn auch diese Regeln haben ihre Berechtigung. Paulus 8 und auch Petrus 9 schreiben sogar, dass wir den menschlichen Ordnungen untertan sein sollen, also können auch Schuldgefühle, die aus dem gesellschaftlichen Kontext stammen, richtig sein und nicht nur ibelstellen: Schuldgefühle Gott gegenüber. Dies belegen folgende B Röm 13,8
Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Tit 3,1
Erinnere sie daran, dass sie der Gewalt der Obrigkeit untertan und gehorsam seien, zu allem guten Werk bereit. Röm 13,1
Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet. Gal 5,14
Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem (3.Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!«
Um einem Menschen zu helfen, der in die Seelsorge wegen seiner Schuldgefühle kommt, gilt es auch zu klären, ob er schuldig ist oder sich nur schuldig fühlt 10 .
8 Römer 13,1 Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Luther Übersetzung 1984.
9 1. Petr 2,13 Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem König als dem Obersten. Luther
Übersetzung 1984.
10 Vgl. H. Petersen, Seelsorge, Giesen1997, 98.
6
2. Woher kommen die Schuldgefühle und wie äußern sie sich?
2.1 Durch falsche oder einseitige Gottesvorstellung 11
Durch die Erziehung bekommt ein Kind immer eine Gottesvorstellung vermittelt und sei es die, dass es keinen Gott gibt. Später kommen dann vermehrt auch äußere Einflüsse wie Lehrer, Freunde und Mitschüler dazu, aber auch Erlebnisse wie der Tod eines Menschen oder die Scheidung der Eltern - was zu einem völlig falschen Gottesbild führen kann. Gott wird als strafender Richter gesehen, vor dem man bestehen muss. Daraus ergeben sich falsche Schuldgefühlen gegenüber Gott und den Menschen.
Sätze wie „Gott sieht alles“, „das gefällt Gott aber nicht“ oder „so kommst du aber nicht in den Himmel“ 12 können prägend für die Gottesvorstellung eines Kindes sein, aber eben auch die oben genannten Erlebnisse können dazu führen, dass ein Mensch Gott als ungerechten Richter oder strafenden Herrscher sieht. Diese Gottesvorstellung führt dann zu falschen Schuldgefühlen, da der Mensch verbissen versucht, sich selbst zu retten oder versucht, es Gott immer recht zu machen. An diese falschen Schuldgefühle passt ein Mensch sein Leben an indem er versucht, durch das Einhalten seiner eigenen Gottesvorstellung, seine Schuldgefühle einzudämmen. Dies wird ihm aber nie ganz gelingen. Die Folge ist ein Leben in immer den gleichen falschen Schuldgefühlen, die sich ins Unermessliche steigern können.
2.2 Durch Behauptungen und Verhaltensweisen anderer 13
Ein spöttischer, verächtlicher Blick, ein Wort in der falschen Tonlage oder eine zweideutige Bemerkung, aber auch der direkte Vorwurf eines anderen Menschen können massive Schuldgefühle in uns wecken. 14 Sätze wie: „Natürlich mach ich das für dich, auch wenn ich dafür kein freies Wochenende habe“ 15 , oder ein „puuuuh“ und ein tiefes Durchatmen mit einem Kopfschütteln machen uns schnell ein schlechtes Gewissen und wir fühlen uns schuldig. Wie stark sich ein Mensch von seinem schlechten Gewissen leiten lässt, ist abhängig von seiner Biografie und der
11 Vgl. Ebd., a.a.O., 100.
12 Vgl. Ebd., a.a.O., 100.
13 Vgl. Ebd., a.a.O., 100-101.
14 Vgl. P. Tournier, a.a.O., 56.
15 Vgl. H. Peterson, a.a.O., 100.
7
jeweiligen Situation. Ein Kind, das nicht die Möglichkeit hatte, einen starken Charakter oder ein funktionierendes gesellschaftliches Gewissen zu entwickeln, wird sich später schwer tun mit seinen Schuldgefühlen und sehr häufig sein Gewissen von anderen bestimmen lassen und damit auch seine Schuldgefühle. 16
2.3 Durch Selbstvorwürfe
Der Vergleich mit anderen führt oft zu dieser Art von Schuldgefühl. Gedanken wie „das muss ich auch so machen“ oder „ich muss genau so geduldig sein“ führen zu der Annahme, dass man an sich selbst schuldig wird. Aber auch wenn selbst gesetzte moralische Grenzen gebrochen werden, fühlt man Schuld gegen sich selbst. Diese Grenzen können zum Beispiel gesetzt werden, wenn man nicht so sein will wie die Mutter. Sie werden dann gebrochen, wenn man merkt, dass man ähnliche Verhaltensweisen zeigt wie die Mutter. Nicht immer, aber meist hängen solche Selbstvorwürfe mit schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit zusammen. 17
Die Auswirkung dieser Schuldgefühle ist immer eine gestörte Beziehung - egal ob zu sich selbst, zu anderen oder zu Gott. Diese gestörten Beziehungen führen zu Blockaden gegenüber anderen Menschen und zu Unzufriedenheit mit sich und anderen. 18 Diese gestörten Beziehungen führen zu einem Leben, das mit ständigen Schuldgefühlen beladen ist. In der Folge passt sich mein Verhalten diesen Gefühlen an oder führt zum Beispiel zu Minderwertigkeitskomplexen. In extremen Fällen kann dies zu Depressionen 19 oder Suizidgefährdung führen.
16 Vgl. R. Ruthe a.a.O., 175.
17 Vgl. H. Peterson, a.a.O., 101.
18 Vgl. Ebd., a.a.O., 101-102. Unterricht
19 Vgl. R. Ruthe, a.a.O., 184.
8
3. Konsequenzen für die Seelsorge.
Um Befreiung von falschen Schuldgefühlen zu bekommen, gibt es natürlich kein Patentrezept. Die folgenden vier Punkte können aber eine Hilfe sein im Umgang mit Menschen, die falsche Schuldgefühle haben. Natürlich erfordert jeder dieser vier Punkte Individualität gegenüber dem einzelnen Menschen, sie sollen nur eine hilfreiche Stütze sein.
3.1 Schuldgefühle erkennen
Die falschen Schuldgefühle müssen als falsch erkannt werden, ohne echte Schuldgefühle mit einzubeziehen. Hierbei hilft oft ein Blick in die Vergangenheit des Menschen, dass erkannt werden kann, warum er etwas als Schuld empfindet. 20 Die Frage wäre also: Warum empfindet jemand etwas als Schuld und gegenüber wem? Wenn erkannt wurde, dass eine Person falsche Schuldgefühle hat und geklärt ist, woher sie kommen (die Erkenntnis muss von der Person selbst kommen 21 ), kann der Person das wirkliche Gottesbild oder die Freiheit gegenüber anderen Menschen gezeigt werden. 22
3.2 Vergebung zusprechen
Schuld, die vor Gott bekannt wurde ist auch vergeben, egal aus welchem Grund sie getan wurde. Ein Mensch, der seine Schuld erkannt hat, dem ist vergeben. 23
3.3 Neues Denken und Verhalten
Wenn die Erkenntnis der falschen Schuldgefühle einmal da ist, gilt es auch, mit dieser neuen Erkenntnis zu leben. Eine Veränderung ist ein Prozess und dauert meist Jahre. Die Seelsorge soll nicht auf eine kurze Besserung abzielen, sondern auf ein verändertes Leben ohne falsche Schuldgefühle. Deshalb ist es wichtig, Stück für Stück sein Denken und Handeln zu verändern und so neu zu leben. 24 Die Aufgabe des Seelsorgers liegt nun darin, dem Menschen zu helfen, in der gewonnen Freiheit anderen Menschen oder auch Gott gegenüber zu leben (Gott ist zum Beispiel kein Vater, der mit dem Gürtel hinter der Tür wartet). Rückschläge und Zweifel an der
20 Vgl. H. Peterson, a.a.O., 103.
21 Unterricht Birgit Grabert Seelsorge Grundkurs 2006.
22 Vgl. R. Ruth, a.a.O., 186.
23 Nach 1 Joh. 1,8-9 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns
.Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller
Ungerechtigkeit.
24 Vgl. H. Peterson, a.a.O., 103.
9
Richtigkeit der Entscheidung können normal sein. Mit der Erkenntnis beginnt das Neue, aber darin zu leben muss die Folge sein.
3.5 Gefahren
Vorschnelle und falsche Vergebung
Da wirkliche Schuld die Folge von falschen Schuldgefühlen sein kann, dürfen sie nicht mit den falschen Schulgefühlen vermischt werden. Einem Mensch, der aus dem ständigen Vergleich mit anderen völlig falsche Schuldgefühle entwickelt, kann und muss gesagt werden, dass er nicht besser oder schlechter ist als andere. Kann sich jemand allerdings vor Gott nicht annehmen oder zweifelt daran, dass Gott ihn wundervoll gemacht hat, liegt eine Schuld vor, die auch vor Gott bereinigt werden muss. Auch wenn auf Grund meiner falschen Schuldgefühle andere Menschen ausgenutzt oder verletz wurden, dann darf nicht mit dem Loswerden meiner Schuldgefühle diese tatsächlich noch bestehende Schuld mit vergeben oder vergessen werden, sondern muss bereinigt werden. 25
Der Seelsorger muss also darauf achten, die Schuldgefühle nicht zu pauschalieren, sondern Sünde ist Sünde, auch wenn sie aus falschen Schuldgefühlen kommt. Es gilt also immer: Schuld muss vergeben werden. Wenn allerdings keine Schuld vorliegt, muss auch nichts vergeben werden, sondern muss als falsch erkannt werden. Vergebung, sowie das Freisprechen von falschen Schuldgefühlen, sollte immer geschehen und mit einem Zuspruch aus der Bibel untermauert werden.
Neue Vergebung
Schuld, die vergeben worden ist, muss nicht noch einmal vergeben werden. Dies gilt besonders für die Schuld vor Gott. Schuld öfters zu vergeben führt zu einer neueren Zwangshandlung und nicht zur Befreiung. Der Seelsorger sollte den Hilfesuchenden nicht dazu anleiten für Schuld, die bereits vergeben wurde, noch einmal Gott um Vergebung zu bitten. Was der Seelsorger aber machen darf und soll, ist ein Zuspruch aus Gottes Wort, dass die vergebene Schuld ein für alle Mal vergeben ist und nicht noch einmal vergeben werden muss. 26
25 Ebd., 102.
26
Nach: Hebr 10,18 Wo aber Vergebung dieser ist, gibt es kein Opfer für Sünde mehr.
10
Zwei Arten von Schuldgefühlen und ihre Vergebung
Es haben sich für mich zwei Arten von falschen Schuldgefühlen herauskristallisiert. 1. Die Schuld, die von Gott vergeben ist, ich dies aber nicht glauben oder annehmen kann. Hier kann die völlige Vergebung zugesprochen werden, wenn die Schuld vor Gott bereinigt ist. Man könnte auch mit Bildern arbeiten, indem man zum Beispiel die Schuld auf einen Zettel schreiben lässt und dann verbrennt. 2. Es liegt keine Schuld vor und ich bin nur der Meinung, dass es sich um Schuld handelt. Hier muss erst einmal grünlich geforscht werden, warum es diese Person als Schuld empfindet. Verursacht jemand diese Schuldgefühle, um die betreffende Person zu einer Handlung zu bewegen? Hier gilt, dass falsche Schuldgefühle selbst erkannt werden müssen und konkrete Schritte der Veränderung gegangen werden.
Bagatellisieren oder Schuldgefühle falsch erkennen
Einem Menschen mit echten Schuldgefühlen einzureden, es sei alles nicht seine Schuld oder das sei doch nicht so schlimm oder gar versucht, für dieses Verhalten die Schuld in der Vergangenheit zu suchen, hilft dem Betroffenen überhaupt nicht weiter. Deshalb ist es existenziell wichtig, wirklich nur falsche Schuldgefühle auch als falsche Schuld zu erkennen.
Der Seelsorger hat unbedingt darauf zu achten, dass Schuld nicht bagatellisiert wird, sondern Schuld und Sünde in ihrer Ernsthaftigkeit erkannt und vor Gott bereinigt wird. Das muss so geschehen, dass echte Schuldgefühle nicht als falsche Schuldgefühle dargestellt werden.
11
4. Resümee
Jesus ist der einzige Weg, dass unsere Schuld vergeben wird und einzige Chance, den Graben zwischen Gott und Menschen zu überwinden. Doch was ist mit den Schuldgefühlen, die wir haben? Oft können Schuldgefühle ein erster Schritt zu Versöhnung und Wiedergutmachung sein, aber oft können falsche Schuldgefühle auch eine zerstörerische Macht haben.
Der erste Schritt muss immer die Vergebung der Schuld bei Gott sein. Erst wenn ich meine Schuld vor Gott bekannt habe und mit ihm ins Reine gekommen bin, erst dann kann ich auch anfangen, meine Schuldgefühle los zu werden wo sie nicht angebracht sind. Wenn die Schuld vor Gott bereinigt ist, dann kann ich auch die Vergebung zusprechen, so dass es keine Schuldgefühle mehr geben muss. Natürlich darf eine Versöhnung mit Menschen nicht ausbleiben, wo es möglich ist. Schwieriger ist es zu erkennen, wo Schuldgefühle vorhanden sind, die völlig unberechtigt sind und es daher auch keine Vergebung gegeben muss. Das ist da, wo Schuldgefühle auf Grund von Erziehung oder sozialem Umfeld entstanden sind. Doch der Umgang mit Schuldgefühlen ist nicht ganz so einfach wie diese beiden Sätze es aussagen. Schnell ist falsche Schuld erkannt und mit der Erziehung begründet. Wie schnell kann es aber doch echte Schuld sein? Wenn ich jemandem helfen möchte, muss ich von meiner Biografie weg kommen und ich muss mich ganz auf seine Individualität einlassen. Woher kommen seine Schuldgefühle, was ist die Ursache und der Auslöser für die Schuldgefühle? Für den Seelsorger ist es elementar wichtig, genau zu fragen, woher die Schuldgefühle kommen. Erst dann kann über falsche oder echte Schuldgefühle gesprochen werden, um dem Ratsuchenden dann zu helfen. Einen Schlusssatz würde ich so formulieren:
Es gibt falsche Schuldgefühle, die aufgedeckt, aber nicht vergeben werden müssen, es gibt aber auch echte Schuld, die vergeben werden muss. Es liegt nun am Ratsuchenden, aber auch am Seelsorger herauszufinden, woher die Schuldgefühle kommen und wie ein Weg gefunden werden kann, mit diesen Schuldgefühlen umzugehen und sie zu verarbeiten.
12
Literaturverzeichnis
Petersen H. u. H. Welscher: Seelsoge. Lebensäußerungen der Gemeinde, ein Grundkurs. Brunnen Verlag/ ERF Verlag (Hg.) Giessen/Basel: 1997.
Ruthe R.: Seelsorge, wie macht man das? Brunnen Verlag (Hg.) Giesen:
2 1995.
Tournier P.: Echtes und falsches Schuldgefühl. Herder Bücherei (Hg.) Freiburg/Basel: (1967) 2 1969.
13
Arbeit zitieren:
Ronnie Berzins, 2007, Umgang mit echten und falschen Schuldgefühlen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Depressive Persönlichkeitsstörung
inkl. Studie zur Evaluation de...
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Hausarbeit, 12 Seiten
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung im Kindes- und Jugendalter
Erscheinungsformen
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Hausarbeit, 28 Seiten
Elternrecht, Kindeswohl und Staat
Zu den Ursachen für Kindstötun...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Studienarbeit, 38 Seiten
Zur Sexualität und Rolle der Frau in Sri Lanka
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Hausarbeit, 28 Seiten
Die Rolle des Jugendamtes als "Staatliches Wächteramt" bei K...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 34 Seiten
Flucht in der Ablösephase als Folge von körperlicher Gewalt im Elternh...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 14 Seiten
Autoaggression bei Mädchen und jungen Frauen, Schwerpunkt Eßstörungen-...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 19 Seiten
Kinder und Politik- Im Blickwinkel der UN-Kinderrechtskonvention
Soziologie - Kinder und Jugend
Seminararbeit, 23 Seiten
Sozialisation von Kindern unter Armutsbedingungen
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit, 18 Seiten
Der Lese- und Schreiblernprozeß. Verlauf, Kritische Stellen und versch...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 48 Seiten
Wahrheit und Lüge in Budgetprozessen
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 18 Seiten
Ronnie Berzins's Text Umgang mit echten und falschen Schuldgefühlen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Ronnie Berzins hat den Text Umgang mit echten und falschen Schuldgefühlen veröffentlicht
Ronnie Berzins hat einen neuen Text hochgeladen
A Ambuhl
Primäre Identifizierung, Nachträglichkeit und »entlehntes unbewußtes S...
Ausgewählte Schriften zu psych...
Friedrich-Wilhelm Eickhoff, Claudia Frank, Ludger M. Hermanns, Elfriede Löchel
0 Kommentare