Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Lothringen vor 1002 4
2. Lothringen vor 1002 4
2.1 Die Frage der Zugehörigkeit 6
3. Situation in Lothringen unter Heinrich II 7
3.1 Das Herzogtum Oberlothringen 9
3.2 Das Herzogtum Niederlothringen 10
3.3 Die Fehden in Lothringen 11
3.4 Heinrich und die Kirche in Lothringen 14
4. Schlussbetrachtungen 17
5. Bibliographie 19
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1. Einleitung
„Rex inde progressus varias occidentalium mentes probare et, ne solito commoverentur, sedare temptavit. Quos nonnulli iniusticiam dominorum suorum pati nolentes laudant, nos autem quasi ignavos econtra vituperant. Sunt plerique, qui, corporis voluptatibus cunctis servientes, freno equitatis a Deo inpositae regi nullatenus curant, sed hoc, virtute seu fieri valet arte, de futuro nil solliciti defendunt et omnes in hoc sibi non consentientes detractione et odio insaciabili persequuntur.” 1
Der König, so berichtet Thietmar im zitierten Abschnitt, ist gezwungen sich auf seinem Zug durch das Reich den Menschen im Osten zu widmen. Ihre unbeständige Gesinnung macht dies nötig. Sie würden dazu tendieren, die von Gott dem König anvertraute Herrschaft zu missachten und nur die eigenen Interessen zu verfolgen. Thietmar beschreibt in diesem Abschnitt die Lothringer. Die hier belegte Aburteilung einer ganzen Volksgruppe als im Bezug auf den König unzuverlässig, ihre bewusste Separierung vom übrigen Reich sowie die deutlich hervortretende starke moralische Verurteilung ihres Wesens, werfen einige Fragen auf. Was unterscheidet die Lothringer von den anderen Volksgruppen des Reiches und auf der Basis welcher Ereignisse trifft Thietmar hier seine Aussagen. Die möglichen Gründe für das belegte Misstrauen Heinrichs Lothringen gegenüber, sollen im Folgenden erörtert werden. Hierzu wird zunächst auf Lothringen vor Heinrichs Machtübernahme eingegangen, um potentielle in der Geschichte verwurzelte Konfliktfelder zu erforschen. Im Anschluss daran soll der Fokus auf die Situation Lothringens unter Heinrich II. gelegt werden. Hierbei folgt einer generellen Betrachtung die Beschäftigung mit den einzelnen Herzogtümern Nieder- und Oberlothringen. Im Anschluss wird das Fehdewesen in Lothringen eingehend behandelt, wobei deutlich wird, warum Thietmar, wie eingangs zitiert, von „üblichen Wirren“ in Lothringen spricht. Das abschließende Kapitel beschäftigt sich dann mit Heinrichs Beziehung zu den Bistümern und Klöstern in Lothringen.
1 Thietmar von Merseburg, Chronik VI, 48, S. 334.
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2. Lothringen vor 1002
Es ist einleitend von Nöten auf die Situation Lothringens vor Heinrichs Machtübernahme im Jahr 1002 einzugehen. Dieses Vorgehen hat von daher seine Berechtigung, als dass die Entstehung und Geschichte Lothringens wichtige Anhaltspunkte liefert, um spezifische Handlungsweisen sowie den generellen Umgang Heinrichs mit Lothringen besser nachvollziehen zu können. Da es lediglich darum gehen wird, auf Ereignisse aus der Geschichte Lothringens einzugehen, durch welche ein Bezug zu dem hier untersuchten Zeitraum hergestellt werden kann, es aber auch Anspruch sein muss eine zusammenhängende Beschreibung wiederzugeben, beginnt die Betrachtung im Folgenden mit der Aufspaltung des fränkischen Großreiches.
Mit dem Tod Kaiser Ludwigs des Frommen war das Reich in eine tiefe Krise geraten. Die mehrmalige Abänderung der Thronfolgeregelungen wie sie ursprünglich in Ludwigs Ordinatio Imperii festgelegt worden war, stiftete Verwirrung und führte letztendlich zu einem Krieg seiner Söhne um die Aufteilung des Reichs. Dieser Bruderzwist fand im Vertrag von Verdun 843 vorerst ein Ende. Grob gesagt erhielt Lothar I. das mittlere Reich, welches Italien einschloss und im Westen von Karl dem Kahlen wie im Osten von Ludwig dem Deutschen flankiert wurde. 2 Erwähnenswert ist hier, dass durch die Teilung „im Westen wie im Osten relativ homogene ethnische Komplexe entstanden sind“ 3 , wohingegen das Mittelreich ein eher inhomogenes Gebilde darstellte. Die einzelnen Teilgebiete dieses im Zentrum gelegenen Reiches wurden nach dem Tod Lothars I. unter dessen drei Söhnen aufgeteilt. Ludwig II. erhielt Italien, Karl bekam die Provence und einen Teil Burgunds zugesprochen und Lothar II. den Bereich zwischen Burgund und der Nordsee, welcher nach ihm Lotharingien genannt wurde. 4 Somit entstand jenes Gebilde, auf dessen Entwicklung hier das Hauptaugenmerk gerichtet werden soll, im Jahr 855 durch die Zerteilung des Mittelreiches. 5 Die Unabhängigkeit der durch die Spaltung des Mittelreiches entstandenen Gebiete von den umgebenden mächtigeren Königreichen, war jedoch nicht von Dauer. Ohne legitime Nachkommen Lothars II. war eine Aufteilung seines Herrschaftsbereichs nach seinem Tod unter dem Ost -und Westfrankenreich unausweichlich. Bezüglich der Frage wer hierbei welchen Teil zugesprochen bekommen sollte, bestand kein Konsens.
2 Vgl. Hlawitschka, Frankenreich, S. 76ff.
3 Ebd., S. 78.
4 Vgl. ebd., S. 79.
5 Schneidmüller, Regnum, S. 83.
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Der Grundstein für einen Konflikt zwischen den beiden umgebenden Großreichen über die Nachfolge war gelegt und mit dem Tod Lothar II. im Jahr 869 wurde dessen Reich zum „Zankapfel west- und ostfränkischer Könige“ 6 . Die Oberhoheit wechselte in der Zeit von Lothars Tod bis zur Machtübernahme Heinrichs II. mehrere Male. Auch wenn auf eine detaillierte Beschreibung der Umstände hier verzichtet werden muss, soll doch ein kurzer Überblick über die wichtigsten Entwicklungen in diesem Zeitraum gegeben werden.
Im Jahr 870, im Vertrag von Meersen, wird das ehemalige Reich Lothars II. unter dem ost-und westfränkischen Königen aufgeteilt, bis es zehn Jahre später völlig an das ostfränkische Reich fällt. Im Jahr 911, mit dem Tod König Ludwigs, findet ein erneuter Herrschaftswechsel statt, indem die westfränkische Seite die Kontrolle übernimmt und sie bis zum Jahr 925 auch bewahren kann. 7 Die Intervention des ostfränkischen Königs Heinrich I. in Lothringen, nachdem sich ein Teil der lothringischen Großen an diesen gewandt hatte, führte in letzter Konsequenz zu einer Unterwerfung der Lothringer unter Heinrich I. 8 Nichts desto trotz wurde die ostfränkische Herrschaft von westfränkischer Seite nicht toleriert, was sich in mehrere Einfälle westfränkischer Könige manifestierte. 9 Die relative Unsicherheit der Situation zeigt sich auch im Bestreben ostfränkischer Herrscher, ihre Vorherrschaft in Lothringen mit symbolischen Akten zu stärken. Die Wahl Aachens als Schauplatz für die Thronerhebungsfeier Ottos I. als „eine Betonung der Zugehörigkeit Lotharingiens zum neuen deutschen Reich“ 10 ist hierfür ein Beispiel. Erst der Nachfolger Ottos I. war im Juni 980, nach einem Feldzug bei dem er bis nach Paris vordrang im Stande, Lothar I. eine offizielle Verzichtserklärung abzuringen, in der dieser allen Ansprüchen auf Lothringen entsagte. Dem ungeachtet unternimmt Lothar nach dem Tod Ottos II. noch einen letzen Versuch einen Teil Lothringens unter die Kontrolle des westfränkischen Reiches zu bringen, welcher dann letztlich mit seinem Tod und der Rückgabe der eroberten Gebiete scheiterte. 11 Bis zum Herrschaftsantritt Heinrichs II. im Jahr 1002 kann die Oberhoheit des ostfränkischen Reiches in Lothringen nicht mehr ernsthaft gefährdet werden.
6 Schneidmüller, Regnum, S. 83.
7 Mohr, Geschichte des Herzogtums, S. 15.
8 Vgl. ebd., 19f.
9 Schneidmüller, Regnum, S. 106.
10 Hlawitschka, Frankenreich, S. 114.
11 Huhn, Geschichte Lothringens, S. 92f.
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2.1 Die Frage der Zugehörigkeit
Vor dem Hintergrund der gerade gegebenen Geschichte Lothringens muss auf Folgendes aufmerksam gemacht werden. Im Gegensatz zu den übrigen Reichsteilen Ostfrankens, nahm Lothringen, was die Zugehörigkeit angeht, eine Sonderstellung ein. Die unklare Zuordnungssituation sowie die mehrmaligen Führungswechsel ließen eine Identifikation der Bewohner und insbesondere des Adels nicht in gleichem Maße zu, wie dies für die übrigen Reichsteile der Fall war. Des Weiteren war die Hemmschwelle eines selbst herbeigeführten Seitenwechsels, wie durch den Anschluss der lothringischen Großen an Heinrich I. schon einmal geschehen, geringer ausgeprägt als bei den traditionell ins Reich integrierten Gebieten. Wie im Verlauf dieser Arbeit noch gezeigt werden wird, führten diese Voraussetzungen zu einer minder ausgeprägten Anerkennung königlicher Macht und Autorität und veranlassten den Adel in Lothringen in vielen Fällen die eigenen Interessen vor die des Königs zu stellen. Die hier angesprochene geringe Ausprägung eines Zugehörigkeitsgefühls Lothringens an das Ost- wie Westfränkische Reich, kann nicht nur indirekt durch die mehrmaligen Führungswechsel erklärt, sondern auch direkt als ein Resultat von ost- und westfränkischer Reichspolitik gedeutet werden.
Beide Königreiche machten Ansprüche auf die rechtmäßige Nachfolge geltend, grenzten Lothringen jedoch bewusst von ihren Stammreichen ab. Das westfränkische Königtum beanspruchte den Francia-Begriff für das eigene Reich und versagte den anderen Teilreichen die Teilhabe an einer fränkischen Tradition ganz entschieden. 12 Um die Lothringer benennen und abgrenzen zu können, behielt es die Bezeichnung Lothringens als regnum Lotharii 13 bei. Auch für das ostfränkische Reich kann die angesprochene Abgrenzung angenommen werden. Am Ende des 10. sowie im 11. Jahrhundert, während Lothringen durchgehend dem ostfränkischen Reich angehörig war, blieb die auf Lothar II. zurückzuführende Bennennung dennoch erhalten. 14 So lässt „das Reichsbewusstsein im ottonisch beherrschten Ostfranken […] Lothringen in Randlage erscheinen“. 15 Barth bezeichnet Lothringen vor diesem Hintergrund auch als „Bruchzone“, „einerseits Teil des Reiches zu sein und zu bleiben, andererseits ethnisch, sprachlich und kulturell und der Überlieferung getreu Brücke zum Westen zu sein“ 16 .
12 Vgl. Schneidmüller, Regnum, S. 89.
13 Neben der Bezeichnung als regnum Lotharii waren gleichzeitig auch folgende verwandte Formen im Umlauf: Lotharicum regnum, Lothariensium regnum, regnum Luthariorium, regnum Lutharii, regnum Lothariense. Vgl. hierzu Mohr, Geschichte des Herzogtums, S. 51.
14 Ebd., S. 51.
15 Schneidmüller, Regnum, S. 91.
16 Barth, Lotharingien, S. 199.
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3. Situation in Lothringen unter Heinrich II.
Die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte Lothringens und deren Signifikanz für den hier behandelten Themenbereich ist schon behandelt worden. Nun soll auf die Lage in Lothringen eingegangen werden, wie sie sich während Heinrichs Regierungszeit darstellt.
Die im einführenden Kapitel beschriebene Situation in Lothringen, die von mehrfachen Aneignungsversuchen westfränkischer Herrscher geprägt war, lässt sich nicht in gleicher Weise auf die Regentschaft Heinrich II. anwenden. Zu Heinrichs Regierungszeit war das Westfrankenreich nicht stark genug und zu sehr mit sich selbst beschäftigt als dass es die Zugehörigkeit zu Ostfranken ernstlich gefährden hätte können. Hlawitschka beschreibt die Lage wie folgt: „Das schwache frühkapetingische Königtum hat die von den letzten Karolingern noch immer aufrechterhaltenen Ambitionen auf Lotharingien in der Zeit Heinrichs II. nicht wieder aufgegriffen.“ 17 Nichts desto trotz war Vorsicht geboten, da einerseits aufrührerische Bewegungen gern von den westfränkischen Königen unterstützt wurden und andererseits die große Nähe zu Westfranken immer wieder zu unruhigem Verhalten und Auflehnung reizte. 18 Hinzu kommt, dass die Hegemonie Heinrichs II. in Lothringen nicht nur durch die Nachbarschaft zu Westfranken gefährdet wurde. Dem Reich zugehörige Gebiete, die an Lothringen angrenzten, wie der Hennegau und Flandern, stellten Heinrichs Vorherrschaft des Öfteren in Frage. Diese These kann mit Aussagen, die Hirsch über die ebengenannten Gebiete tätigt, bestätigt werden. Er beschreibt das Hennegau als von „zweideutigem Gehorsam für den deutschen König“ und Flandern als ein Gebiet, welches sich „in dem Recht der offenen Feindschaft“ 19 gegen Heinrich II. glaubte. So sind die externen Voraussetzungen denen Heinrich II. in Lothringen begegnet, auf Grund der relativen Schwäche Westfrankens, zwar als durchaus positiver einzuschätzen als noch zur Zeit seiner Vorgänger, können jedoch allein schon durch die Randlage und der eingangs erläuterten Geschichte keineswegs als unbedenklich eingestuft werden. Zur Beschreibung der internen Voraussetzungen Lothringens im 10.-12. Jahrhundert kann auf Barth zurückgegriffen werden. Dieser schreibt:
17 Hlawitschka, Frankenreich, S. 150.
18 Vgl. Huhn, Geschichte Lothringens, S. 96ff.
19 Hirsch, Jahrbücher 1, S. 356.
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„Die polyzentrischen episkopalen und großadligen Machtfaktoren standen dem vergleichsweise geringen Machtvolumen der duces des 10. bis12. Jahrhunderts in Nord- und Südlotharingien gegenüber, ohne dass auch nur eines dieser regionalen Kräftezentren über das erforderliche Herrschaftsinstrumentarium verfügte, um als Führungskraft Lotharingiens aufzutreten oder als Mandat gemeinsamer lotharingischer Politik zu fungieren.“ 20
Durch die Abwesenheit einer zentralen Gewalt, welche die Geschicke in eine Richtung zu lenken vermocht und regionale Bestrebungen zu unterdrücken gewusst hätte, waren es viele kleine Machtzentren, die ihre eigenen Interessen zu wahren suchten, und die dies auch gegen den königlichen Willen zu tun bereit waren. Derichsweiler spricht von einer Aristokratie in Lothringen, die „fortwährend in den Kampf gegen den Kaiser und die kaiserlich gesinnte Kirche“ verwickelt war und lothringischen Herzögen, „die sich als Eigentümer ihrer Lehen und Würden betrachteten und ihre territorialen Interessen über die Treue gegen den Oberlehnsherr stellten“. 21 Von besonderer Erheblichkeit für diese Arbeit ist dabei die anhand der folgenden Betrachtung des lothringischen Adels noch deutlich werdende Zerrissenheit der Aristokratie. Die Heterogenität der Interessen gepaart mit der Entschlossenheit die eigenen Ansprüche wenn nötig auch mit Waffengewalt durchzusetzen, machten Lothringen zu einem Gebiet ständiger Konflikte. Bemerkenswert ist die Bereitschaft des lothringischen Adels, den eignen Ambitionen auch gegen den ausdrücklichen Willen des Königs bzw. Kaisers nachzugehen. Beispiele für eine solche Bereitwilligkeit sowie mögliche Gründe für diese werden im weiteren Verlauf zu geben sein. Eine Abschätzung in wie fern die gerade beschriebene Ausgangsituation auf Heinrichs Reichspolitik Einfluss nahm und wie folgenreich sich die Wahrung der Eigeninteressen des Adels ausgewirkte, muss auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Zunächst ist eine eingängige Beschäftigung mit den wichtigsten Ereignissen in Lothringen während Heinrichs Regierungszeit von Nöten. Hinzugefügt sei hier lediglich, dass die lothringische Situation Heinrichs Aufmerksamkeit während seiner gesamten Regierungszeit bedurfte.
Im Folgenden soll nun ein etwas genauerer Blick auf Heinrichs Beziehung zu Nieder- und Oberlothringen bzw. auf den dort ansässigen Adel und vor allem auf die dort regierenden Herzögen geworfen werden.
20 Barth, Lotharingien, S. 205.
21 Derichsweiler, Geschichte Lothringens, S. 55.
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3.1 Das Herzogtum Oberlothringen
„Wie die großen Reichsvasallen überhaupt, so hatten auch die Herzöge von Oberlothringen die Erschütterungen der deutschen Königsgewalt zur Zeit Ottos III. und in den ersten Jahren Heinrichs II. dazu benutzt, die ihnen übertragene Gewalt nach allen Seiten zu erweitern.“ 22 Am Beginn seiner Regierungszeit war Heinrich zunächst einmal bemüht die Herrschaft in den einzelnen Herzogtümern zu festigen. Heinrich II. war generell bestrebt seine Rechte sowie seine Macht gegenüber den deutschern Herzögen und Fürsten zu stärken. 23 Zu seinem Regierungsantritt hielt Dietrich I. den Titel Herzog von Oberlothringen. Er hatte dieses Amt seit dem Jahr 978 ausgeführt. Vor der Regierungszeit Heinrichs II. ist sein Einsatz bei der zweiten Belagerung Verduns, welches vom westfränkischen König Lothar besetzt wurde, erwähnenswert, wobei er in eine mehrerer Jahre dauernde Gefangenschaft geriet. 24 Hirsch beschreibt Dietrich I. als einen, „der den Zorn der Welt nicht scheute“ 25 , und dass diese Einschätzung ganz treffend ist, zeigt sich am Verhalten Dietrichs in der Übergangszeit von Otto III. zu Heinrich II., sowie in den Anfängen der Herrschaft Heinrichs. Bei der Übernahme des Königtums verhielt Dietrich I. sich noch abwartend. Thietmar von Merseburg beschreibt sein Verhalten wie folgt: „Theodericus vero Luithariorum dux, vir sapiens et militaris, quo se pars populi maior et melior inclinaret, securus expectabat.“ 26 Er scheute sich nicht, die Schwäche des Königtums in dieser Phase für die eigene Machtausweitung zu nutzen. 27 Einen Hinweis auf Dietrichs Zögern Heinrich als neuen König anzuerkennen und somit ein Zeichen für Dietrichs anfängliche Abneigung gegenüber Heinrich, liefert die Chronik von Thietmar von Merseburg. Dieser schildert die Erwählung Heinrichs durch die Großen von Lothringen am Geburtsfest der heiligen Maria, also am 8. September des Jahres 1002. 28 Dietrich verhält sich jedoch auch nach diesem Ereignis alles anderer als königstreu, indem er, wie Thietmar berichtet, am 15.01.1003, gegen das königliche Bestreben einen Hoftag abzuhalten, interveniert. 29 Dieses Verhalten spricht nicht für eine Unterwerfung Dietrichs mit dem anderen Großen Lothringens. Die noch bei der Belagerung von Verdun gezeigte Königstreue Heinrichs Vorgänger gegenüber, ließ Dietrich somit zunächst vermissen. Das anfängliche
22 Derichsweiler, Geschichte Lothringens, S. 56.
23 Zotz, Gegenwart, S. 338.
24 Vgl. Parisse, Dietrich I., Sp. 1024.
25 Hirsch, Jahrbücher 1, S. 247.
26 Thietmar von Merseburg, Chronik V, 3, S. 222.
27 Derichsweiler, Geschichte Lothringens, S. 56.
28 Thietmar von Merseburg, Chronik V, 20, S. 245.
29 Thietmar von Merseburg, Chronik V, 27, S. 253: Rege vero, ibidem omnibus aliqua necessitate laborantibus, benigne legem dare cupiente, Heremannus ac Theodericus solo nomine duces, sed non re, temptabant hoc impedire, sed frustra, continuo animadvertentes auctori iusticie se merito succumbere.
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Misstrauen kann jedoch auch bei Heinrich festgestellt werden. Heinrich musste sich, wie Huhn zu berichten weiß, schon bei den ersten Besuchen in Lothringen viele Anschuldigungen von Machtmissbrauch gegen Herzog Dietrichs anhören und hatte diesen im Verdacht, „dass er heimlich gefährliche Verbindungen mit dem aufrührerischen Herzoge Hermann von Schwaben und Elsass unterhalte“. 30 Sicher ist, dass Heinrich auf besagtem Hoftag von Diedenhofen die Notwenigkeit sah den Befehl zu erteilten, die im Besitz von Dietrich stehende Burg Morsberg niederreißen zu lassen und ein Verbot auszusprechen, das den Wiederaufbau dieser für immer untersagte. Thietmars Begründung für das strenge Vorgehen seines Herrn ist jedoch sehr ungenau: „Nam rex quoddam castellum ducis, Mulsberg dictum, ob instantem tocius populi necessitatem destrui et, ut numquam reedificaretur, firmiter precepit.“ 31 Auf Grund von diesen Ereignissen zu Beginn der Herrschaft Heinrichs ist es angemessen, das Verhältnis zwischen dem König und seinem Herzog als sehr gespannt zu bezeichnen. Bedenkt man nun die Bezeichnung Dietrichs durch Thietmar gegen Ende der Herrschaftszeit Heinrichs als „miles egregius atque fidelis“ 32 , ist dies ein deutlicher Indikator dafür, dass sich die Beziehung zwischen beiden in der Zeit von 1002 bis 1024 jedoch noch zum Positiven hin entwickeln wird.
3.2 Das Herzogtum Niederlothringen
Nach der Machtübernahme Heinrichs vergab dieser das Herzogtum Niederlothringen an Otto, Sohn von König Lothars Bruder Karl. 33 Herzog Otto stirbt 1005 kinderlos und findet in den Werken der gleichzeitigen Geschichtsschreiber keinen Eingang. 34 Hier sei es bei seiner Erwähnung belassen, da er keinen nennenswerten Einfluss auf den in dieser Arbeit behandelten Sachverhalt hat. Nach dem Tod Ottos besetzt Heinrich den vakant geworden Posten zunächst nicht. Erst 1012 vergibt er den Titel an Gottfried II., Sohn des gleichnamigen Grafen von Verdun. 35 Diese Einsetzung ist in so fern von Interesse, als dass sie zeigt, wie sehr Heinrich seine Einsetzungspolitik den oben beschriebenen lothringischen Gegebenheiten anpasst.
30 Huhn, Geschichte Lothringens, S. 94.
31 Thietmar von Merseburg, Chronik V, 27, S. 253.
32 Thietmar von Merseburg, Chronik VIII, 34, S. 533.
33 Huhn, Geschichte Lothringens, S. 94.
34 Hirsch, Jahrbücher 1, S. 329f.
35 Despy, Gottfried II., Sp. 1598.
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Heinrich greift nicht auf die in Niederlothringen ansässigen Adelsfamilien zurück um einen neuen Herzog zu bestimmen, sondern seine Wahl fällt auf einen Kandidaten, welcher „wegen seiner oberlothringischen Herkunft selbst nicht an den Machtkämpfen der niederlothringischen Aristokratie beteiligt war und daher die königlichen Interessen in loyaler Weise wahrzunehmen vermochte“ 36 . Auch Hirsch argumentiert anhand der Besetzung des niederlothringischen Herzogtums, dass es Heinrichs Bestreben war, ein „ergebenes und nicht durch große Erbmacht verblendetes Geschlecht […] zu erheben“ 37 , um sich so der dauerhaften Treue der Eingesetzten sicher sein zu können. Natürlich soll hier nicht der Eindruck erweckt werden, dass dies den einzig möglichen Grund für Heinrichs Entscheidung bezüglich der Besetzung in Niederlothringen darstellt. In der Literatur findet sich auch der Hinweis darauf, dass die Besetzung des schon mehrere Jahre vakanten Herzogtums mit Gottfried einen „Teil der ottonischen Politik zur Sicherung der Westgrenze des Imperiums“ 38 darstellte. Diese Erklärung für Heinrichs Handeln würde gerade vor dem Hintergrund der steten Gefahr westfränkischer Intervention durch das Schüren von Aufständen sowie der mangelnden Loyalität des niederlothringischen Adels Sinn machen.
3.3 Die Fehden in Lothringen
Es wurde schon darauf verwiesen, dass die Situation in Lothringen eine spezielle war. Um das Fehdewesen nachvollziehen zu können, ist es eingangs nötig, die grundlegenden Gegebenheiten, welche die vielen Konflikte innerhalb von Lothringen begünstigten, kurz anzusprechen. Es soll hier genügen vier wichtige spezifisch lothringische Faktoren zu benennen, die den Ausbruch von Fehden katalysierten und deren Validität durch die darauf folgende Darlegung des Ablaufs der Fehden, belegt werden kann. Zunächst kann noch einmal auf die Randlage Lothringens hingewiesen werden. Die angrenzenden Gebiete, unter diesen vor allem Holland und Flandern, sind ständige Unruheherde, die ihre Bemühungen einer Ausdehnung des eigenen Gebiets auf Kosten des ostfränkischen Reichs mit unnachgiebiger Hartnäckigkeit verfolgten. Weiterhin ist hier die Besetzungspolitik Heinrichs einzuordnen. Wie schon angesprochen machte Heinrich Gottfried, dessen Macht nicht ursprünglich in Niederlothringen lag zum neuen Herzog, was unvermeidlich zu Spannungen mit den dort
36 Despy, Gottfried II., Sp. 1598.
37 Hirsch, Jahrbücher 1, S. 331.
38 Despy, Gottfried II., Sp. 1598.
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ansässigen Familien führte. 39 Ferner darf vor diesem Hintergrund ein Verweis auf die „Menge kleiner, heimlicher Dynasten“ 40 in Lothringen nicht versäumt werden. Von diesen spricht wohl auch Hirsch, wenn er die Gründe der ständigen Auseinandersetzungen in Lothringen den „Unholden aus der zweiten Reihe“ 41 zuschreibt. Schließlich muss auch noch auf das Haus Luxemburg verwiesen werden, welches über eine starke Machtbasis in Lothringen verfügte und Heinrich fast während seiner gesamten Regierungszeit in Atem hielt. 42
Ein Eingreifen Heinrichs auf Grund von Streitigkeiten in Lothringen, in die das Haus Luxemburg verstrickt war, wurde schon 1005 nötig. Nachdem Adalbero II., Bischof von Metz und Bruder Herzog Dietrichs I., gestorben war, vereinbarte Dietrich mit seinem Namensvetter aus dem Haus Luxemburg, dass dieser die Verwaltung des Bistums übernehme, bis sein Sohn Adalbero das gesetzliche Mindestalter erreicht habe, um diesen Platz selbst einzunehmen. Nach vorübergehender Einhaltung der Vereinbarung ließ sich Dietrich von Luxemburg jedoch selbst zum Bischof wählen, was eine militärische Auseinandersetzung in Metz zur Folge hatte. Dietrichs I. unterlag und wurde gefangen genommen. Heinrich sah sich gezwungen zwischen beiden Parteien zu vermitteln. Dietrich kam letztendlich frei und das Bistum verblieb beim Hause Luxemburg. 43 Dies ist ein Beispiel dafür wie Streitigkeiten innerhalb des Adels in Lothringen eskalieren konnten und Heinrich dadurch gezwungen wurde zu intervenieren. Solche Konflikte schwächten nicht nur den Adel selbst, der bei militärischen Auseinandersetzungen Männer und Geld verlor, sondern auch den König, der wie in diesem Fall zum Vermittler zwischen den verfeindeten Adelsgeschlechtern degradiert wurde und dessen Aufmerksamkeit durch die Konzentration auf ein bestimmtes Reichsgebiet, in den übrigen Reichteilen nachlassen musste. Auch zeigt es, wie sehr der Führungsadel Lothringens das Schicksal selbst in die Hand nahm und wie ohnmächtig der König dem gegenüberstand. Diese Einschätzung lässt sich auch dadurch untermauern, dass trotz der Beendigung des gerade beschriebenen Konflikts durch königliche Intervention, die Streitigkeiten zwischen den beiden Parteinen nicht beigelegt wurden. Thietmar berichtet im Anschluss an eine Versammlung in der Stadt Mainz am 2. Juli 1011 von einem Hinterhalt, den Bischof Dietrich von Metz und sein Bruder, der zu diesem Zeitpunkt bereits abgesetzte Herzog Heinrich, Herzog Dietrich I. stellten, und während welchem der letztgenannte schwer verletzt wurde. 44
39 Mohr, Geschichte des Herzogtums, S. 64.
40 Derichsweiler, Geschichte Lothringens, S. 56.
41 Hirsch, Jahrbücher 3, S. 69.
42 Vgl. Hirsch, Jahrbücher 2, S. 200ff.
43 Huhn, Geschichte Lothringens, S. 96.
44 Vgl. Thietmar von Merseburg, Chronik VI, 52, S. 339f.
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Eine weitere Auseinandersetzung mit dem Haus Luxemburg auf die an dieser Stelle eingegangen werden sollte, ist die so genannte Lützelburger Fehde. Von Wichtigkeit für den hier bearbeiteten Sachverhalt, da der Zusammenschluss aller vier Brüder Kunigundes gegen Heinrich, wie noch gezeigt werden wird, schwerwiegende Konsequenzen für Lothringen hatte. Der genaue Hergang kann hier auf Grund des begrenzten Umfangs nicht gegeben werden, jedoch ist eine kurze Darlegung der Gründe für den Ausbruch des Konflikts unablässig. Im Jahr 1008 verschaffte der schon mehrmals genannte Dietrich von Luxemburg seinem Bruder Adalbero durch illegitime Mittel den frei gewordenen Bischofstuhl in Trier, ohne dem königlichen Privileg der Bischofsbesetzung Rechnung zu tragen. Über die Konsequenzen dieses Verhaltens berichtet Thietmar wie folgt: „Palas contra regem firmatur a Trevirensibus ac terra hactenus pacifica crebris concremacionibus quatitur et, quidquid hii inmites in domnum lenem prius peccaverunt, equa lance receperunt.“ 45 Die in dieser Textstelle angesprochenen wiederkehrenden Brandschatzungen in der Pfalz Trier machen deutlich, welche gravierenden Folgen eine militärische Auseinandersetzung wie die 16wöchige Belagerung durch Heinrich, auf das jeweilige Gebiet ausübt. Hirsch spricht vor diesem Hintergrund von der Stadt Trier als von einem „Trümmerhaufen“ 46 . Dies wird noch deutlicher bei dem kurz auf die Trierer Belagerung folgenden Zug des Königs gegen Metz im Jahr 1009. Die Gründe für die Ausweitung des Widerstandes durch das Haus Luxemburg, welches abgesehen von Kunigunde mit vereinter Kraft gegen Heinrich vorging und einen weiteren Feldzug Heinrichs nötig machte, sind darin zu sehen, dass der sohnlose Heinrich durch seine Pläne der Bistumsgründung Bamberg, die Hoffnungen der Luxemburger auf reiches Erbe zu zerstören drohte. 47 Bezüglich der Verheerungen, die ein erneuter Krieg in Lothringen zu Folge hatte, kann zunächst auf Thietmars Chronik zurückgegriffen werden. Dieser berichtet vom Einsatz eines slawischen Heeres unter der Führung Heinrichs, welches auf eigenen Antrieb eine Kirche vor der Stadt Metz plünderte. Weiterhin spricht Thietmar von „Vineas tantum et edificia cum frumento ceterisque utilitatibus“, die zerstört wurden. 48 Thietmars Angabe von 800 Hörigen, die neben denjenigen, welche auf Grund der entstandenen Not durch die Obrigkeit freiwillig entlassenen wurden, ihre Heimat auf eignen Antrieb verließen, macht das immense Ausmaß der Zerstörungen deutlich und zeigt wie sehr die Wirtschaftskraft und Produktivität einer ganzen Region bei einer Belagerung in Mitleidenschaft gezogen wurde. 49
45 Thietmar von Merseburg, Chronik VI, 35, S. 317.
46 Hirsch, Jahrbücher 2, S. 204.
47 Ebd., S. 208.
48 Thietmar von Merseburg, Chronik VI, 51, S. 339.
49 Ebd., Chronik VI, 51, S. 339.
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Um den Umfang und die Konsequenzen von aus Interessenswahrung geführten Fehden des Adels unter Heinrich in Lothringen verdeutlichen zu können, wird im Folgenden der Konflikt mit Graf Dietrich III. von Holland thematisiert.
Wie schon zuvor festgestellt, kann auch bei der Behandlung dieser Auseinandersetzung zwischen Heinrich und einem seiner Untertanen, eine offene Missachtung des kaiserlichen Befehls attestiert werden. In der Chronik Thietmars ist zu lesen, dass in Folge einer widerrechtlichen Aneignung eines bischöflichen Hofes durch den Grafen von Holland eine kaiserliche Anordnung die Niederbrennung der gräflichen Anlagen bestimmte. Thietmar zu Folge nahm Dietrich die Bestimmung jedoch nicht hin und versicherte, dass er die Zerstörung schon zu verhindern wüsste. 50 Die Uneinsichtigkeit Dietrichs führte zu einer militärischen Aktion, welche in Heinrichs Namen vom Bischof Adalbold von Utrecht sowie dem Herzog von Niederlothringen durchgeführt wurde. Thietmar, der die Schlacht detailliert beschreibt, versäumt nicht auch die Konsequenzen der Niederlage der Kaisertreuen wiederzugeben. Er schreibt: „Omnis ea regio defensore forti carens piratis rapina est, unde et cottidie meret.“ 51 Den genauen Grund für diese Schutzlosigkeit der ganzen Region, die hier darstellt wird, lässt sich bei Hirsch finden: „Die Kräfte von Niederlothringen hatte der Tag des Merwede-Waldes auf das Empfindlichste angetastet: man schätzte den Verlust auf 3000 Mann.“ 52 Die durch die Schlacht beigebrachte Schwächung der militärischen Kräfte in diesem Reichsteil zwang Bischof Adalbold sowie Herzog Gottfried und somit auch indirekt Kaiser Heinrich sich mit Graf Dietrich zu versöhnen, da es ansonsten keinen machtvollen Verteidiger im Land mehr gegeben hätte, der im Stande gewesen wäre, sich gegen potentielle Feinde zu Wehr zu setzen. 53
3.4 Heinrich und die Kirche in Lothringen
Um Heinrichs Rückhalt in Lothringen und seine Beziehung zu den zwei Herzogtümern einschätzen zu können, genügt es nicht sich lediglich mit den dort ansässigen weltlichen Adelsfamilien zu beschäftigen. Die Beziehung zu Geistlichkeit muss ebenso berücksichtigt werden. Heinrich II. war sehr bemüht ein gutes Verhältnis zu seinen Bischöfen zu unterhalten. Von Thietmars Chronik wissen wir, dass Heinrich Tagino, den Erzbischof von Magdeburg, in
50 Thietmar von Merseburg, Chronik VIII, 28, S. 525f.
51 Ebd., Chronik VIII, 27, S. 525.
52 Hirsch, Jahrbücher 3, S. 103.
53 Vgl. Thietmar von Merseburg, Chronik VIII, 30, S. 527f.
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einem Fall sogar als „simpnista“ 54 bezeichnet, was Weinfurter mit Amtsbruder, Amtskollege oder Mitbischof übersetzt. 55 Dies ist ein starker Hinweis darauf, dass Heinrich die Bischöfe als Stützen seiner Herrschaft ansah und grundlegend positiv ihnen gegenüber eingestellt war. Sein Umgang mit den Bischöfen kann auf der einen Seite durch eine starke Einbindung in die Regierungsgeschäfte charakterisiert werden, war auf der anderen Seite aber auch durch die Überzeugung geprägt, dass der König als Stellvertreter Christi auf Erden, über den Bischöfen stünde. 56 Die Beteiligung der Bischöfe an den Reichsgeschäften und ihre häufige Konsultierung in wichtigen kirchlichen Fragen führten dazu, dass eine grundlegend königsfreundliche Einstellung der Bischöfe bestand. Abgesehen von der durch Heinrich unnachgiebig verfolgten Besetzung der Bischofsstühle mit Kandidaten seiner Wahl, in einigen Fällen auch unter Missachtung damals gültiger Privilegien mancher Bistümer ihren Bischof selbst wählen zu dürfen, traten größere Auseinandersetzungen bis hin zur militärischen Intervention, wie es sie mit Heinrichs Herzögen gegeben hat, kaum auf. 57 Auffällig vor diesem Hintergrund ist, dass sich der größte Widerstand von bischöflicher Seite in Lothringen konzentrierte. Dort wird das von Heinrich eingeforderte Privileg der Bischofsernennung gleich in zwei Fällen nicht beachtet. Der Hergang der sich an diese Eigenmächtigkeiten anschließenden Konflikte, wurde schon an anderer Stelle thematisiert. Hierbei wurde die spannungsgeladene Beziehung zwischen Heinrich und dem Bischof von Metz, Dietrich II. von Luxemburg, offensichtlich. Auch dessen Bruder Adalbero, der sich gegen den Willen des Königs den Trierer Bischofsstuhl sicherte, diesen erst 1017 in Aachen wieder freigab und der durch sein Verhalten mehrmaliges militärische Einschreiten Heinrichs provozierte, stellte einen unerbittlichen Gegner in Lothringen dar. 58 So waren mit Metz und Trier gleich zwei der sechs Bischofsstädte in Lothringen Zentren des Widerstandes gegen Heinrich, was im Vergleich mit den Zuständen im übrigen Reich eine hohe Konzentration darstellte.
Neben der Beziehung zu den Bistümern in Lothringen, ist es weiterhin von Interesse, Heinrichs Umgang mit den Klöstern zu untersuchen. Heinrich war ein Befürworter der monastischen Lebensform nach der Regel des heiligen Benedikt. Sein Ziel war es die Klöster in dieser Richtung zu reformieren. 59 Die Reformbewegung jedoch wurde nicht von Heinrich
54 Thietmar von Merseburg, Chronik VI, 38, S. 321.
55 Weinfurter, Heinrich, S. 127.
56 Weinfurter, Heinrich, S. 145f.
57 Vgl. Weinfurter, Heinrich, S. 147.
58 Vgl. Huhn, Geschichte Lothringens, S. 96 ff.
59 Vgl. Weinfurter, Heinrich, S. 173.
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selbst initiiert, sondern ging von Lothringen aus. 60 Hier fand Heinrich Gleichgesinnte, die gewillt waren, die Klöster in seinem Sinne umzustrukturieren. Toul mit Saint-Evre, Metz mit Gorze, Verdun mit Saint-Vanne und Saint-Airy waren dabei Zentren, von denen die Reform nach allen Seiten ausstrahlte. 61 Zu nennende Persönlichkeiten, die dabei die Federführung übernahmen, sind der heilige Richard, Abt von St. Vanne zu Verdun, Graf Friedrich von Verdun und später Poppo von Stablo. 62 Mit ihnen hatte Heinrich einflussreiche Vertraute mit gleicher Gesinnung, die durch die Ausbreitung ihres Gedankenguts in Lothringen die eigene aber auch Heinrichs Machtbasis ausbauten. Hirsch geht sogar soweit in der Übereinstimmung bezüglich der Reformierung der Klöster, die vor allem in den letzten Regierungsjahren Heinrichs evident wird, eine „Einigung des gesamten Lothringens“ 63 zu sehen, die nicht nur von kirchlichem sondern auch weltlichen Adel gestützt und getragen wurde.
60 Vgl. Hlawitschka, Frankenreich, S. 155.
61 Vgl. Parisse, Lothringen, S. 143.
62 Vgl. Hirsch, Jahrbücher 3, S. 234 f.
63 Ebd., S. 251.
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4. Schlussbetrachtungen
Die abschließende Betrachtung leitet im Folgenden eine Aussage Sabine Bergers ein. Diese schreibt in Bezug auf die Reisewege frühmittelalterlicher Könige:
„Nur ein anwesender, sichtbarer Herrscher stärkte das Vertrauen in seine Herrschaft. Längere Abwesenheit wurde als Vernachlässigung, ja Hintansetzung gegenüber anderen verstanden und barg die Gefahr, dass sich Fehden entwickelten. Um dies zu vermeiden, war der König auf seinen Reisen grundsätzlich um Ausgleich bemüht, auch wenn er nicht immer seine Bevorzugung eines bestimmten Gebiets oder einer Gruppe verleugnen konnte. So schätzte beispielsweise Heinrich II. nach Aussage der Quellen die Bayern besonders, die Lothringer hingegen bedachte er mit Argwohn.“ 64
Auf zwei Gedanken zu dem hier Zitierten soll abschließend nun eingegangen werden. Zunächst kann die Aussage Bergers, dass eine längere Abwesenheit des Königs die potentielle Gefahr von Fehden vergrößerte, mit dem Verweis auf die Vita Heinrici des Adalbold bestätigt werden, in der dieser darauf aufmerksam macht, dass Heinrich sich im Jahr 1003 in dem Bewusstsein ins Moselgau begibt, dass ein Land welches der König nicht besucht, oft von Armen und Klage überfüllt ist. 65 Nichts desto trotz kann man die Vielzahl der kleinen und großen Fehden in Lothringen, auf die im Verlauf dieser Arbeit detailliert eingegangen wurde, nicht allein auf Heinrichs Abwesenheit zurückführen. Nach Rieckenberg befand sich Heinrich auf seiner kontinuierlichen Reise durch sein Reich, 17% der Zeit in Lothringen, dagegen stolze 49% in Sachsen, 23% in Franken, aber nur 7% in Schwaben und 5 % in Bayern. 66 Diese Zahlen sprechen nicht nur dagegen, dass ein klarer Kausalzusammenhang zwischen Aufenthaltshäufigkeit und Fehden besteht, da Lothringen als im Mittelfeld platziert relativ befriedet hätte sein müssen, sondern auch gegen die These, dass die Anzahl der Aufenthalte in einem bestimmten Gebiet eine Aussage über die Zuneigung des Herrschers zu diesem preisgibt. Wäre letzteres der Fall, müsste das so sehr geschätzte Bayern den ersten Platz unter den aufenthaltsreichsten Herzogtümern einnehmen.
Wahrscheinlichere Gründe für den Argwohn Heinrichs gegenüber Lothringen, sowie der Häufigkeit der Fehden, wurden in dieser Arbeit versucht zu geben.
64 Berger, Kaiser, S. 237.
65 Adalbold, Vita, S. 688: sciens, quod terra quam rex non frequentat, saepissime pauperum clamoribus et gemitibus abundat.
66 Zielinski, Reichsepiskopat, S. 205, zit. n. Rieckenberg, Königsstrasse, S. 89.
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Hierbei wurde auf die Lage Lothringens, auf den dort ansässigen, sehr eigensinnigen Adel, der durch Heinrichs Einsetzungspolitik zu kurz kam und das mit Heinrich lange Zeit verfeindete Haus Luxemburg eingegangen, welches in Lothringen eine starke Machtbasis besaß. Königs- bzw. Kaisertreue traf Heinrich hauptsächlich in Person der lothringischen Klosterreformatoren an und vermehrt auch in der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit bei den lothringischen Herzögen. Der relativ ausgeprägte Mangel dieser Treue unter den übrigen lothringischen Vasallen könnte somit eine denkbare Erklärung für den attestierten Argwohn sein.
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5. Bibliographie
Literaturverzeichnis
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Quellenverzeichnis
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Christian Weckenmann, 2007, Heinrich II. und Lothringen, München, GRIN Verlag GmbH
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