Verzeichnis :
1. Einleitung. 3
2. Ausprägungsformen des Luxus 5
2.1. Der Tafelluxus 5
2.2 Der Bauluxus und der Ausstattungsluxus 8
2.3. Kleider, Schmuck, Salben und Parfüm 10
3. Hintergründe der Kritik des Luxus durch die antiken Autoren. 13
4. Die Folgen und Konsequenzen des Luxus auf wirtschaftlicher und sozialer
Ebene 15
4.1 Folgen auf wirtschaftlicher Ebene 15
4.2 Folgen auf sozialer Ebene 18
5. Ausbreitung und Bekämpfung des Luxus 20
6. Zusammenfassung. 22
7. Bibliographie. 23
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1. Einleitung
Unzählige beschwerten sich darüber, viele befassten sich damit in ihren Schriften, einige schufen Gesetze dagegen und dennoch machte sich fast jeder der luxuria schuldig. Doch was bedeutete der Begriff luxuria für die Römer? In den Quellen findet man Begriffe wie
Gefräßigkeit 1 , Naturwidrigkeit und Verweichlichung 2 , Zuchtlosigkeit und Sittenlosigkeit 3 , Schamlosigkeit 4 , Geiz 5 , Genusssucht und Habsucht 6 , Wollust und unzüchtiges Verhalten 7 , Maßlosigkeit und Kraftlosigkeit 8 , Prunksucht und Lasterhaftigkeit 9 sowie Verschwendungssucht 10 , die in Verbindung mit luxuria erwähnt werden. Wenn die Ablehnung des Luxus jedoch so eindeutig und einmütig ausgefallen ist, wie durch die einstimmige Meinung der antiken Autoren suggeriert, wer zelebrierte den Luxus dann und aus welchem Grund? Wenn Tiberius in einem Brief an den Senat schreibt, dass er die zunehmende Lasterhaftigkeit eher durchgehen lassen würde, als offenbar zu machen, dass man den Missständen nicht mehr gewachsen sei, stellt sich die Frage wie es zu dieser Übermacht des Lasters überhaupt erst
kommen konnte. 11 Zu welchem Zeitpunkt fing der Luxusgedanke an den römischen Verstand zu beherrschen? Und falls der Luxus die oben erwähnten Missstände zur Folge hatte und wie von Tiberius geschildert, ein nicht mehr zu kontrollierendes Maß erreichte, zu welchen Konsequenzen führte dies für die ihn Praktizierenden und für das Römische Reich in seiner Gesamtheit? Wurden Gegenmaßnahmen getroffen? Tiberius schreibt an den Senat:
So viele Gesetze sind von unseren Vorfahren ersonnen worden, so viele hat der göttliche Augustus erlassen; aber jene wurden durch Vergessenheit, diese, was noch schändlicher ist, durch Nichtbeachtung außer Kraft gesetzt und haben den Luxus noch unbekümmerter gemacht. 12
1 Suet. Vit. 13, 1-3.
2 Sen. ep. 90, 19.
3 Tac. ann. XIV 20, 4.
4 Sen. ep. 90, 20.
5 Juv. XIV, 120.
6 Sen. ep. 89, 21.
7 Plin. NH XIV 140-142.
8 Sen. ep. 122, 4f.
9 Plin. NH XXXIII 150-152.
10 Sen. ep. 86, 7.
11 Tac. ann. III 53, 3.
12 Tac. ann. III 54, 2: tot a maioribus repertae leges, tot quas divus Augustus tulit, illae oblivione, hae, quod flagitiosius est, contemptu abolitae securiorem luxum fecere.
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Wie sahen diese Gesetzte aus, was wurde durch sie geregelt und weshalb wurden sie nicht beachtet?
Um all dieses Fragen in gebührendem Umfang beantworten zu können muss zu Anfang eine Übersicht über die Ausprägungsformen des Luxus erfolgen. Darauf aufbauend soll die in den Quellen umfangreich vorhandene Kritik antiker Autoren beschrieben und die Gründe für deren ablehnende Haltung gegenüber dem Luxus verdeutlicht werden. Folgen und Konsequenzen des Luxus sind Thema des darauf folgenden Kapitels. Abschließend wird auf die Ausbreitung des Luxus und deren Bekämpfung eingegangen werden. Grund für die Beschäftigung mit der Ausbreitung des Luxus am Ende dieser Arbeit, ist mit der inhaltlichen Zusammengehörigkeit und der parallelen Entwicklung dieser mit der Bekämpfung des Luxus zu begründen.
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2. Ausprägungsformen des Luxus
Was soll ich denn als erstes zu verhindern oder auf das in der alten Zeit übliche Maß zurückzuführen versuchen? Die grenzenlose Ausdehnung der Landgüter? Die Unzahl und das völkische Gemenge der Dienerschaften? Die Masse des Silber- und Goldgeschirrs? Die Wunderwerke aus Erz und die Tafelbilder? Die von Männern und Frauen ohne Unterschied getragene Kleidung und jene besonderen Wünsche der Frauen, die dazu führen, dass um der Edelsteine willen unser Geld zu fremden oder gar feindlichen Völkern abwandert? 13
Landgüter, Dienerschaften, Silber und Gold, Tafelbilder, Kleidung, Edelsteine und mehr haben nach Tiberius ein unübliches Maß erreicht. Doch wie viele Diener waren erlaubt und wann wurde ein Kleidungsstück zum Luxusgegenstand? Im folgenden sollen diese Fragen beantwortet werden. Zur übersichtlicheren Darstellung werden die Ausprägungsformen des Luxus grob in folgende verschiedene Kategorien eingeteilt - Tafelluxus, Bauluxus, Ausstattungsluxus und Kleider bzw. Schmuckluxus.
2.1. Der Tafelluxus
Zum Tafelluxus wird hier alles Luxuriöse gezählt, was unmittelbar mit dem Mahl in Zusammenhang steht. So gehören eine prächtige Tischdekoration, silbernes Geschirr, die musikalische Begleitung des Essens, die Bedienung durch Sklaven wie auch die servierten Nahrungsmittel in diese Kategorie. Bei Gastmählern ging es also nicht nur um die Mahlzeit selbst, sondern auch um den Gesamteindruck, der sich aus den gerade erwähnten Bereichen zusammensetzte.
13 Tac. ann. III 53, 4: Quid enim primum prohibere et priscum ad morem recidere adgrediar? villarumne infinita spatia? familiarum numerum et nationes? argenti et auri pondus? aeris tabularumque miracula? promiscas viris et feminis vestes atque illa feminarum propria, quis lapidum causa pecuniae nostrae ad externas aut hostilis gentes transferuntur?
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Dies bestätigt Martial in einem seiner Epigramme:
Heute dagegen bereitet das Speisen den Reichen keinerlei Lust, weder der Steinbutt noch das Reh schmeckt, zu stinken scheinen Parfüm und Rosen, falls nicht die breiten Tischplatten mächtiges Elfenbein trägt, ein mit offenem Rachen sich hochreckender Panther aus den Stoßzähnen, die das Tor Syenes schickt, die flinken Mauren und der Inder, noch dunkler als der Maure, und die im Nabatäischen Wald das Untier ablegte, da sie schon zu groß und für den Kopf zu schwer wurden. Von daher regt sich der Appetit, dies gibt dem Magen Kräfte; denn ein Fuß aus Silber ist für sie wie am Finger ein Ring aus Eisen. 14
Die einzelnen Bereiche, die ein Gastgeber, wollte er der Anerkennung durch die Gäste gewiss sein, beachten musste, werden jetzt näher betrachtet.
Hier muss zuerst auf die Gedecke eingegangen werden, die auch aus Silber und Gold noch keine Exklusivitäten darstellten und zur Grundausstattung eines jeden namhaften Haushalts gehörten. Dies geht aus dem Brief des Tiberius an den Senat hervor, indem dieser bei der Aufzählung der Maßlosigkeiten, die sich im Reich ausgebreitet haben, unter Anderem auch die Masse des Silber- und Goldgeschirrs, erwähnt. 15 Funde wie das Tafelservice von Kaiseraugster, das sich aus 64 Objekten zusammensetzt, und praktisch aus reinem Silber
besteht, unterstreichen die von Tiberius kritisierten Zustände. 16 Neben dem obligatorischen Tafelsilber gab es weitere unverzichtbare Elemente eines luxuriös gestalteten Mahls. Eines dieser Elemente war die Untermalung des Essens mit Musik. Das Ausmaß mit dem dieser neu eingeführte aus dem griechischen kommende Brauch praktiziert wurde, zeigt sich in einem Epigramm, dass Martial diesem Teilbereich des Tafelluxus widmet. Darin heißt es: „Welch
Gastmahl wohl das beste sei, das fragt ihr mich? Bei dem es keinen Flötenspieler gibt.“ 17 Die Musiker jedoch waren nicht das einzige Personal, welches zur Ausrichtung benötigt wurde. An Sklaven, welche die Bedienung der Speisenden übernahmen, wurden hohe Ansprüche
gestellt: „Sie sollten jung, schön und gut gekleidet sein, bartlos und von glatter Haut.“ 18 Bei Juvenal wurden die Diener wie folgt beschrieben: „Dasselbe Aussehen bei allen, die Haare geschnitten und glatt und nur heute wegen des Gastmahls gekämmt.“ 19
14 Juv. XI 124-133: at nunc divitibus cenandi nulla valuptas, nil rhombus, nil damma sapit, putere videntur unguenta atque rosae, latos nisi sustinet orbis grande ebur et magno sublimis pardus hiatu dentibus ex illis quos mittit porta Syenes et Mauri celeres et Mauro obscurior Indus, et quos deposuit Nabataeo belua saltu iam nimios capitique graves. hinc surgit orexis, hinc stomacho vires, nam pes argenteus illis, anulus in digito quod ferreus.
15 Tac. ann. III 53, 4.
16 K.-W. Weeber, Luxus im Alten Rom. Die Schwelgerei, das süße Gift..., Darmstadt 2003, 32.
17 Mart. IX 77: quod optimum sit quaeritis convivium? in quo choraules non erit.
18 Weeber, Luxus, 130.
19 Juv. XI 153f.: idem habitus cunctis, tonsi rectique capilli atque hodie tantum propter convivia pexi.
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Doch nicht nur die ostentative Darstellung des eigenen Reichtums und die Verschwendung führten dazu, dass Gastmähler der Oberschicht in Verruf gerieten. So manche Kritik zielte auf die fehlende Sittsamkeit. So bezeichnet Weeber das Gastmahl mit anschließenden Trinkgelage als einen zentralen Ort erotischer Begegnungen und sexuellen Vergnügens und erklärt den Einsatz der mädchenhaften Jünglinge zur Bedienung mit homosexuellen
Phantasien der Gastgeber und Gäste. 20
Im Zentrum jedes Dinners stand natürlich das Kulinarische selbst. Für die Zutaten hierfür wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Besonders pompöse Mähler bestanden aus mehreren Gängen und erstreckten sich über mehrere Stunden. Die Gastgeber versuchten sich nicht nur im Preis, sondern auch in der Exotik ihrer Gerichte zu übertreffen. Flamingozungen 21 , Saucen aus der Leber von Meerbarben oder Hahnenkämme 22 gehörten hier wohl zu den extravagantesten Kreationen. Preislich gesehen waren es vor allem Vitellius und Caligula, deren Genusssucht und Verschwendung der Überlieferung nach grenzenlos waren, und die sich immer auf der Suche nach exquisiteren noch teureren Gerichten befanden. Die Mahlzeiten des Vitellius, die Sueton zu Folge nie weniger als vierhunderttausend
Sesterzen gekostet haben sollen 23 oder der Festschmaus des Caligula, der die wertvollsten Perlen in Essig aufgelöst schlürfte 24 , können hier als extremste Beispiele des Tafelluxus angeführt werden. Nichts desto trotz war die Verschwendung von ungeheuren Geldsummen für den kulinarischen Hochgenuss innerhalb der Oberschicht kein Einzelfall. Dies beweisen unzähligen Quellen, welche an Personen wie Lucullus, Apicius, Elagabal und vielen anderen,
die sich dieses Lasters schuldig gemacht hatten, heftigste Kritik übten. 25 Um sich eine Vorstellung von einem wahrlich kaiserlichen Festmahl zu machen, lohnt es sich abschließend den Bericht des Macrobius über ein Luxusessens des Lentulus zu betrachten. In diesem werden Seeigel, frische Austern, verschiedene Muschelsorten, Drosseln mit Spargel, Masthuhn, Ragout von Riesenmuscheln, Feigendrosseln, Lendenstücke vom Reh und Wildschwein, Purpurschnecken, Saueuter, Schweinskopf, gebratene Ente und Hasenbraten erwähnt. 26
20 Weeber, Luxus, 86.
21 Plin. NH X 133.
22 Hist. Aug. Elag. 20, 5.
23 Suet. Vit. 13, 1f.
24 Suet. Cal. 37, 1.
25 Lucullus und Apicius werden in Plin. NH erwähnt, Elagabal in Hist. Aug.
26 Macrob. Sat. III 13, 10.
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2.2 Der Bauluxus und der Ausstattungsluxus
Bei Juvenal findet sich die Geschichte eines Cretonius, der am Strand von Caieta Villa für Villa bauen lässt. Trotz des Vaters Bauwut bleibt dem Sohn ein Teil des Vermögens erhalten, welches dieser, der seinen Vater an Pompösität der Projekte noch übertreffen will, vollends verprasst. 27
Dieses Schicksal wurde vielen zu Teil, die sich am Wettstreit um das größte, prächtigste und imposanteste Haus beteiligten. Dieser Wettstreit wurde auch deshalb so hart geführt, da exzessive Bautätigkeit, nach Edwards, eine der spektakulärsten Methoden darstellte, um
Reichtum zur Schau zu stellen. 28 Und tatsächlich gab es keine effizientere, präsentere und offensichtlichere Darstellung von Reichtum, als die durch Größe und Einzigartigkeit herausstechenden Wohnsitze. Aus diesem Grund demonstrierte fast jeder, der es sich leisten konnte, seinen Reichtum auf diese Weise. Trotz der großen Zahl von Mitgliedern der Oberschicht, die diesem Luxus frönten, fehlte es nicht an Kritik aus den eigenen Reihen.
Diese, festgehalten durch viele antike Autoren 29 , ermöglicht es uns heute, das Ausmaß dieser Art der Luxusentfaltung abzuschätzen. Da jedoch die Gesamtheit der Kritik am Bauluxus in dieser Arbeit nicht ausreichend dokumentiert werden kann, soll hier exemplarisch die extremste Form des Bauluxus anhand von Neros domus aurea illustriert werden. Plinius kommentiert Neros Goldenes Haus wie folgt:
Aber zwei Häuser haben diese alle übertroffen. Zweimal sahen wir die ganze Stadt von den Palästen der Kaiser Gaius und Nero umgeben; der
Eine detaillierte Beschreibung des Hauses und welche Fläche Neros Palast vereinnahmte findet sich bei Sueton:
Doch bei nichts anderem war er [Nero] verschwenderischer als beim Bauen; er erbaute einen Palast vom Palatin bis zum Esquilin; [...] Über seine Ausmaße und seine prachtvolle Ausstattung mag es hinreichen, wenn ich folgendes anführe: Seine Vorhalle hatte solche Ausmaße, dass in ihr eine riesige Statue von einhundertzwanzig Fuß Höhe stehen konnte, die seine Züge trug.
27 Juv. XIV 86ff.
28 C. Edwards, The politics of Immorality in ancient Rome, Cambridge 1993, 140.
29 u.a. Sueton, Plinius oder Cicero.
30 Plin. NH XXXVI 111: Sed omnes eas duae domus vicerunt. bis vidimus urbem totam cingi domibus principum Gai et Neronis, huius quidem, ne quid deesset, aurea.
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Der Bau hatte eine so große Weite, dass er an drei Seiten Säulengänge von tausend Schritt hatte. Es gab da noch einen See, so groß wie ein Meer, der von Bauwerken umsäumt war, die den Anschein von Städten erweckten; dazu kamen noch verschiedene Länderein mit Feldern, Weinpflanzungen, Weiden und Wäldern, bevölkert von einer Menge Haus- und Wildtiere jeder Art. 31
Mitglieder der Oberschicht, die sich diese palastartigen Häuser erbauen ließen, auch um ihr soziales Prestige zu steigern und ihr Ansehen innerhalb der Oberschicht zu erhöhen, überließen bei der Innenausstattung besagter Häuser nichts dem Zufall. So ist eine zwangsläufige Konsequenz des Bauluxus der Ausstattungsluxus. Weeber zählt zum Ausstattungsluxus Mosaikfußböden, Wandmalereien, kostbaren Hausrat und luxuriöse
Baumaterialien. 32 In wie weit sich Senatoren und Ritter diesem Ausstattungsluxus anpassen mussten um ihren Platz in besagtem elitären Kreise rechtfertigen zu können zeigt Seneca:
Arm kommt er sich vor und verächtlich, wenn die Wände nicht von großen und kostbaren Spiegeln erglänzen, wenn nicht Marmor aus Alexandria mit numidischem Marmormosaik wechselt, wenn darum nicht allseits ein aufwendiger und nach Art eines Gemäldes abgetönter Farbenkranz sich legt, wenn die Decke nicht von Glas verhüllt wird, wenn nicht weißer Marmor aus Thasos, einstmals bei dem einen oder anderen Tempel ein seltener Anblick, unsere Badebecken einfasst, in die wir unsere durch reichliches Schwitzen gereinigten Leiber eintauchen, wenn nicht silberne Hähne das Wasser einströmen lassen. 33
Auch wird hier deutlich wie ehemals für Heiligtümer verwendete Baumaterialien zunehmend von Privatpersonen zu Zwecken der Selbstdarstellung missbraucht wurden. Weiter berichtet Seneca:
Und bis jetzt spreche ich von Badeanlagen der Plebejer: was, wenn ich zu den Bädern der Freigelassenen übergehe? Wie viel Plastiken, wie viel Säulen, die nichts zu tragen haben, sondern zur Zierde aufgestellt sind um des Aufwandes willen! 34
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Suet. Nero 31, 1f.: Non in alia re tamen damnosior quam in aedificando domum a Palatio Esquilias usque fecit, quam primo transitoriam, mox incendio absumptam restitutamque auream nominavit. de cuius spatio atque cultu suffecerit haec ret
32 Weeber, Luxus, 54.
33 Sen. ep. 86, 6: Pauper sibi uidetur ac sordidus, nisi parietes magnis et pretiosis orbibus refulserunt, nisi Alexandrina marmora Numidicis crustis distincta sunt, nisi illis undique operosa et in picturae modum uariata circumlitio praetexitur, nisi uitro absconditur camera, nisi Thasius lapis, quondam rarum in aliquo spectaculum templo, piscinas nostras circundedit, in quas multa sudatione corpora exaniata demittimus, nisi aquam argentae epitonia fuderunt.
34 Sen. ep. 86, 7: Et adhuc plebeias fistulas loquor : quid, cum ad balnea libertinorum peruenero ? quantum statuarum, quantum columnarum est nihil sustinentium, sed in ornamentum positarum impensae causa!
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Dieser Berichterstattung ist zu entnehmen, dass sich, wohl zum Missfallen der etablierten
Oberschicht, die sich um Abgrenzung zu den unteren Schichten bemühte 35 , auch Freigelassene und somit Angehörige eines niederen Standes derselben Mittel bemächtigten um ihrem Bedürfnis nach Selbstdarstellung Ausdruck zu verleihen. Deutlich wird auch, dass dieses Bemühen in keinerlei Verhältnis mehr zum Nutzen des Hauses oder der Einrichtungsgegenstände steht. Selbst Säulen, die nichts zu tragen haben, werden des Aufwandes wegen errichtet. Ein anderes Beispiel, bei dem der getriebene Aufwand nach Überzeugung des Plinius den Nutzen nicht zu rechtfertigen vermag, kommentiert dieser in seiner Naturalis historiae:
Lucullus ließ sogar bei Neapel einen Berg ausstechen, was mehr kostete als der Bau seines Landhauses, und leitete vom Meer aus einen Kanal hinein, weshalb ihn Pompeius der Große den römischen Xerxes nannte. 36
2.3. Kleider, Schmuck, Salben und Parfüm
Es befindet sich hier eine weiße Ader mit einer sehr geringen Menge Flüssigkeit, der jene wertvolle schimmernde
So beschreibt Plinius die Gewinnung des Purpur, der Flüssigkeit, die dazu benutzt wurde edle Stoffe zu färben. Aus der Beschreibung wird deutlich wie aufwendig der Gewinn von nur kleinen Mengen Purpur war. Diesem Aufwand entsprechend waren mit Purpur eingefärbte Kleidungstücke eine sehr kostspielige Anschaffung, durch die statusbewusste Plebejer, Ritter und Senatoren ihrem Reichtum Ausdruck verliehen.
Die Verwendung von Purpur als Zeichen, welches Könige und später Senatoren als solche auswies 38 hin zu einem Luxusgut, welches für die Selbstdarstellung gebraucht wurde, erklärt dessen inflationellen Gebrauch, den Plinius folgendermaßen beschreibt:
35 Vgl. zum Reichtum der Freigelassenen Plin. XXXIII 134-137.
36 Plin. NH IX 170: Lucullus exciso etiam monte iuxta Neapolim maiore inpendio quam villam exaedificaverat euripum et maria admisit, qua de causa Magnus Pompeius Xerxen togatum eum appellabat.
37 Plin. NH IX 126: liquoris hic minimi est candida vena, unde pretiosus ille bibitur nigrantis rosae colore sublucens ; reliquum corpus sterile. vivas capere contendunt, quia cum vita sucum eum evomunt. et maioribus quidem purpuris detracta concha auferunt ; minores cum testa vivas frangunt, ita demum eum exspuentes.
38 Plin. NH IX 136.
10
In meiner Jugend war der violette Purpur, von dem das Pfund 100 Denare kostete, Mode und nicht lange nachher der tarentinische rote. Dann kam der doppeltgefärbte tyrische auf, von dem man das Pfund für noch nicht 1000 Denare erstehen konnte. Man tadelte den kurulischen Aedil P. Lentulus Spinther, der diesen zuerst an der Praetexta trug. >Wer<, fährt
Doch die Purpurschnecken waren nicht die einzigen Muscheln, die nicht auf Grund ihrer Nahrhaftigkeit oder ihres Geschmacks gefangen wurden, sondern um ein bestimmtes Luxusgut zu erhalten. Auch Perlen passen in diese Kategorie. Plinius schreibt:
Gewiss aber noch glücklicher ist das Meer Arabiens: denn es stiftet uns die Perlen, und nach der niedrigsten Schätzung rauben Indien, die Serer und jene Halbinsel unserem Reiche alle Jahre 100 Millionen Sesterzen: soviel kosten uns Luxus und Frauen! 40
Ob der angegeben Preis von 100 Millionen Sesterzen akkurat ist oder nicht und wie er errechnet wurde, spielt hier keine große Rolle. Er zeigt jedoch, dass die Einfuhr von Perlen in großem Stile betrieben wurde, und dass die Nachfrage nach diesen demnach hoch gewesen sein muss. Nicht nur Plinius kommentiert das Verlangen der Frauen nach Perlen kritisch. Auch Martial beschäftigt sich in seinen Epigrammen mit diesem Thema und beschreibt die Beziehung der Frauen zu ihren Perlen auf seine eigene satirische Weise, indem er von Gellia berichtet, einer Frau die ihre Perlen weit mehr als ihre Söhne liebt, und den Verlust dieser,
wie sie sagt, nicht überleben würde. 41
Neben Kleidung und Schmuck gab es weitere Mittel um sich zusätzliche Aufmerksamkeit zu sichern - eines davon war der Einsatz von Parfum. Auch Salben, die nicht der Heilung, sondern der Verbesserung des Geruchs dienten, gehören in diese Kategorie. Der Sinn und Zweck edler Düfte und deren Beliebtheit bei Frauen erklärt Plinius wie folgt: „Ihre größte Empfehlung ist es, dass ihr Geruch, wenn eine Frau vorübergeht, sogar die anlockt, die
anderweitig beschäftigt sind.“ 42 Doch nicht nur am Körper wurden die teuren Duftstoffe eingesetzt. Weeber widmet den edlen Düften, Essenzen, Salben und Aromen, die an der Tafel
und über die Speisenden versprengt wurden, ein eigenes Kapitel. 43 Bei Suetons Biographie
39 Plin. NH IX 137: Me, inquit, iuvene violacae purpura vigebat, cuius libra denariis centum venibat, nec multo post rubra Tarentina. huic successit dibapha Tyria, quae in libras denariis mille non poterat emi. hac P. Lentulus Spinther aedilis curulis primus in praetexta usus inprobabatur. qua purpura quis non iam, inquit tricliniaria facit?
40 Plin. NH XII 84: Verum Arabiae etiamnum felicius mare est : ex illo namque margaritas mittit minimaque conputatione miliens centena milia sestertium annis omnibus India et Seres et paeninsula illa imperio nostro adimunt : tanti nobis deliciae et feminae constat!
41 Mart. VIII 81.
42 Plin. NH 13, 20: summa conmendatio eorum, ut transeuntem feminam odor invitet etiam aliud agentes.
43 Weeber, Luxus, 33.
11
des Nero findet sich eine Beschreibung der domus aurea, in der Rohre zum versprühen wohlriechender Öle erwähnt werden wie auch bewegliche Decken, deren Funktion es ist, das Herabregnen von Blumen zu ermöglichen. 44 Welche Verachtung Plinius für Menschen, aber vor allem für Männer empfand, die einen exzessiven Gebrauch von Salben machten, wird in der Erzählung über den Tod des geächteten L. Plotius, der sein Versteck durch zu starken Salbengeruch verriet, erkennbar. Plinius rechtfertigt die Ächtung mit diesem Übermaß an Parfum und schreibt: „wer solle nicht der Meinung sein, dass solche Menschen mit Recht
umgekommen sind?“ 45
44 Suet. Nero 31, 2.
45 Plin. NH XIII 25: quis enim non merito iudicet perisse tales?
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3. Hintergründe der Kritik des Luxus durch die antiken Autoren
Nachdem die Ausprägungsformen des Luxus betrachtet worden sind, stellt sich nun die Frage nach der Bewertung des Luxus in der Antike. Diese Frage kann nur ausgehend von den Quellen beantwortet werden. Es findet sich eine fast unüberschaubare Menge an antiken Quellen, die sich mit dem Luxus beschäftigen und diesen in so gut wie allen Fällen kritisieren und ablehnen. Es muss jedoch zu Beginn darauf hingewiesen werden, dass Vorwürfe lasterhaften Verhaltens immer kritisch betrachtet werden müssen. Edwards spricht dies in der Einleitung zu The Politics of Immorality in Ancient Rome an und mahnt zur Vorsicht. Anschuldigungen, die sich gegen andere richteten, dürfen nicht für als uneingeschränkt wahr angesehen werden und wurden auch von damaligen Zuhörern eher als eine unterhaltende und illustrierende Beschreibung des generellen Charakters der Person aufgefasst, als für bare Münze genommen worden zu sein. 46
In den bereits angegebenen Quellen wird deutlich wie abgeneigt die Geschichtsschreiber dem Luxus gegenüber standen. Luxus wurde in ihren Texten mit Verweichlichung in Verbindung gebracht, als Ursache für Krankheiten genannt, als Erklärung für den Sittenverfall vorgebracht, als aus Griechenland kommende Unsitte verurteilt und als Grund für den langsamen Niedergang Roms angeführt. Wie der Hang zum Luxus diese negativen Auswirkungen, nach Meinung der antiken Schriftsteller, zu vollbringen vermochte, soll im Folgenden erläutert werden.
Die große Anzahl von Sklaven, die jegliche Aufgaben für ihren Herrn übernahmen 47 , die schon angesprochene Verwendung von Parfum und Salben, Männer, die auf ihre Kleidung genauso großen Wert legten wie die Frauen 48 und nicht wie Scipio und seinesgleichen noch nach „Wehrdienst, Arbeit, Mann“ 49 rochen - all diese Entwicklungen, die mit einem luxuriösen Lebensstil in Verbindung gebracht wurden, interpretierte man auch als Zeichen der
Verweichlichung. 50 Für Seneca war es auch offensichtlich, dass der übermäßige Genuss für die zunehmenden Gesundheitsschäden derjenigen, die diesem Lebensstil zusagten,
46 Edwards, Politics, 10f.
47 Vgl. Plin. NH XXIX 19.
48 Sen ep. 19-20, 7.
49 Sen ep. 86, 12.
50 Sen ep. 86, 13.
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verantwortlich war. Er beschreibt die zunehmend auftretenden Krankheiten in folgender Weise: „Diese ‚Zinsen’ zahlen wir für Genüsse, die über Maß und Recht hinausgehen. Dass unzählig die Krankheiten sind, braucht dich nicht zu wundern: die Köche zähle.“ 51 Er spezifiziert Symptome dieser Krankheiten in einem späteren Buch: „Noch verdächtiger ist bei ihnen die Gesichtsfarbe als bei denen, die von einer Krankheit blass sind, kraftlos und
schwach welken sie dahin, und an lebendigen Menschen sieht man Leichenfleisch.“ 52 53 Der übermäßige Genuss wurde jedoch nicht nur für die Verschlechterung des Gesundheitszustandes vieler verantwortlich gemacht. Übermäßiger Weingenuss in Verbindung mit ausschweifenden Festen boten die idealen Grundvoraussetzungen für
lasterhaftes Verhalten und somit Sittenverfall. 54 Für Sallust steht diese Verbindung fest. Die Ausbreitung der luxuria erklärte für ihn auch den aufkommenden „Hang zur Unzucht“. 55 Die Sittenlosigkeit war den Römern wohl bekannt. Jedoch charakterisierten sie mit diesem Begriff eher andere Völker als das eigene. Vor allem der hedonistischen griechischen Kultur wurde Sittenlosigkeit oftmals unterstellt. „Sport, Müßiggang und schändliche Liebesverhältnisse“ 56 sind die Worte mit denen Tacitus diese Kultur beschreibt. Edwards sagt dazu:
„Rome had always been subject to Greek influences. But in the last two centuries BCE, as Roman military expansion brought individual Romans into more frequent and intense contact with the culture of the Eastern Mediterranean, the place of Greek and Asiatic goods and practices in Roman life seems to have acquired a new importance, as Romans entertain more extensive cultural ambitions, ambitions which they now had the resources to pursue.” 57
Die Ablehnung dieser hedonistischen Lebensweise basierte zum einen auf der
Grundannahme, dass man anderen Völkern moralisch überlegen sei 58 und deshalb Ausländisches abgelehnt und bekämpft werden muss, zum anderen aber auf der Angst, dass der sich einschleichende Sittenverfall letztlich zum Niedergang des Römischen Reiches führen würde. Livius sagt dies ganz deutlich wenn er von dem Übermaß der Vergnügungen,
der Schwelgerei und der Ausschweifungen spricht, die alles zugrunde richten. 59
51 Sen ep. 95, 23: Has usuras uoluptatium pendimus ultra modum fasque concupitarum. Innumerabiles esse morbos non miraberis: cocos numera.
52 Sen ep. 122, 4: Quippe suspectior illis quam morbo pallentibus color est, languidi et euanidi albent, et in uiuis caro morticina est.
53 zu den Folgen übermäßigen Weingenusses Plin. NH XIV 142.
54 Plin. NH XIV 140f.
55 Sall. Cat. 13, 3.
56 Tac. ann. XIV 20, 4.
57 Edwards, Politics, 22f.
58 Edwards, Politics, 23.
59 Liv. pr. 12.
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4. Die Folgen und Konsequenzen des Luxus auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene
4.1 Folgen auf wirtschaftlicher Ebene
Nach der Auflistung der Ausprägungsformen des Luxus soll nun geklärt werden, welche Konsequenzen auf wirtschaftlicher aber auch auf sozialer Ebene das Frönen des Luxus nach sich zog. Schon angesprochen wurde die große Nachfrage nach Luxusgegenständen wie auch die Seltenheit als ein Charakteristikum der meisten Luxusgegenstände. Die Kombination der großen Nachfrage mit der von Natur aus gegeben Beschränkung des Auftretens von beispielsweise Perlen oder Purpur, aber auch bestimmter Edelfischsorten, Holzarten und Blumen, führte zu einer künstlichen Zucht von Rohstoffen, die man zur Herstellung der Luxusgegenstände bzw. zur Zubereitung eines Luxusessens benötigte. Diese künstliche Zucht
wurde entweder aus Profitgier 60 , oder von Privatpersonen für den eigenen Bedarf betrieben. Die Letzteren werden von Cicero an den Pranger gestellt, der das Verhalten von Mitgliedern der Oberschicht, deren Aufmerksamkeit mehr auf das Wohl ihrer Zuchtfische als auf das Wohl Roms gerichtet ist, kritisiert. Er kontrastiert deren Verhaltensweise mit Männern, die sich nicht durch Teiche, Landhäuser oder andere Arten der Luxusentfaltung, sondern im
Gegenteil mit nichts außer ihren Leistungen schmücken. 61 Doch die Zucht beschränkte sich nicht allein auf Tieren. Auch Pflanzen wurden gezüchtet. Bei Trinkgelagen Kränze
bereitzustellen war, unabhängig von der Jahreszeit, eine der Pflichten des Gastgebers 62 . Auch Salben und Parfum, für deren Herstellung man Blumen benötigte, wurden das ganze Jahr über verlangt. Seneca fragt:
Nicht leben wider die Natur, die sich im Winter eine Rose wünschen, mit der lindernden Hilfe warmen Wassers und geschicktem Umpflanzen der Winterzeit, die erste Frühlingsblume abtrotzen? 63
Zu welchem Ausmaß sich Rom und deren Provinzen als Folge der großen Nachfrage auf die Bereitstellung von Rohstoffen für die Fertigung von Luxusgütern eingestellt hatte, kann mit folgendem Zitat illustriert werden:
60 Plin. NH. IX 168.
61 Vgl. Cic. parad. 38.
62 Weeber, Luxus, 33.
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Sen. ep. 8: Non uiuunt contra naturam qui hieme concupiscunt rosam fomnetoque aquarum calentium et locorum apta mutatione brumali umo florem uernum prim
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In Elis erzeugte man eine besondere Flachsart, die unter dem Namen byssos bekannt war. Diese lieferte den Rohstoff für ein bedeutendes Textilgewerbe in Patrai, das Haarnetze und dünne Luxusgewänder herstellte. An den Küsten fing man unter Umständen Purpurschnecken, so insbesondere in Bulis am Korinthischen Golf in der Phokis, wo im 2. Jh. n. Chr. die Herstellung von Purpurfarbe der halben Bevölkerung Beschäftigung gab. Derartige Farbstoffe wurden auch in Lakonien, Gyaros, Euboia und Thessalien produziert. Das Olivenöl von Tithorra war besonders zur Herstellung von Duftstoffen geschätzt. [...] Die Marmorbrüche von Achaia wurden in der Kaiserzeit extensiv genutzt; mehrere Typen griechischen Marmors waren in Rom beliebt. 64
War die Bereitstellung der Rohstoffe somit gesichert, bedurfte es nun Spezialisten für die Fertigung der Luxusgüter. Kloft spricht von der Existenz so genannter „fabri“, welche über eine hohe Kunstfertigkeit verfügten. 65 Dies wird auch von Frezouls untermauert, der zwar feststellt, dass es wenige bedeutende Betriebe gab, aber zahllose Spezialisten, besonders für
alles, was den Luxus betraf. 66 Auch an andere Stelle wird bestätigt, dass es durchaus Zentren der Spezialisierung auf Gebieten der Luxusproduktion gab, deren Produkte wie im folgenden Fall weit über die Grenzen ihrer Herstellungsregion bekannt waren:
Im Osten sind die reichen Seidenhändler aus Tyros, Berytos und Konstantinopel bekannt, die das gesamte Geschäft vom Ankauf des Rohmaterials bis zum Vertrieb des Endprodukts in der Hand hatten’ und ‚Männer von Vermögen’ waren. 67
Die sich entwickelnde Spezialisierung hier als eine Konsequenz der sich ausbreitenden Luxusliebe vieler Römer einzuordnen, ist mit der hohen Anzahl neu entstandener Berufsfelder, die sich mit Luxusgütern beschäftigten und eine hohe Kunstfertigkeit voraussetzten, zu begründen. „Von insgesamt 225 bezeugten städtischen Berufstätigkeiten sind mehr als zwei Drittel (160) für Rom bekannt, wo ein hoher Anteil auf die
’Luxusgütergewerbe’ entfällt.“ 68 Trotz dieser wirtschaftlichen Anpassung an die steigende Nachfrage von Luxusgütern, war es nicht möglich den großen Bedarf allein mit Produkten bzw. Rohstoffen aus Rom oder den Provinzen zu decken. Dies ist im Fall der Rohstoffe auf das nicht oder nur geringe Vorhandensein dieser im römischen Einflusskreis zurückzuführen.
64 G. W. Bowersock, - F. Vittinghoff (Hg.), Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der römischen Kaiserzeit, Stuttgart 1990, 648.
65 H. Kloft, Überlegungen zum Luxus in der frühen Römischen Kaiserzeit, in: J.H.M. Strubbe u.a. (Hg.), Energeia, Amsterdam 1996, 117.
66 Vgl. Frezouls, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, 458.
67 Pleket, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, 129.
68 D’Arms, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, 397.
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Dieses Unvermögen lässt sich durch die schon zitierte Kostenangabe des Plinius von 100
Millionen Sesterzen für den Import von Perlen nachweisen. 69 Darüber hinaus kann Kloft hier angeführt werden, der keine Zweifel daran hat, dass bedeutende Mengen an römischen
Metallgeld durch den Luxushandel in die Exportländer geflossen sein müssen. 70 Auch Birley bestätigt dies indirekt, indem er als Luxus- und Spezialwaren Marmor, andere wertvolle
Steine, Papyrus und Gewürze nennt, die aus dem Ausland bezogen wurden. 71
Nach der Beschäftigung mit den Rohstoffen und der Fertigung, muss nun noch auf den Vertrieb der Luxusartikel eingegangen werden. Erwerben konnte man die kostbaren Gegenstände unter Anderem in der saepta, einem ehemaligen Marktgelände, welches durch die Umgestaltung des Augustus und Agrippa an Schönheit gewann und sich mehr und mehr zu einem Distrikt entwickelte, in dem man bei gegebenen finanziellen Möglichkeiten, alles
Luxuriöse erwerben konnte. 72 Martial bezeichnet diesen Bezirk als Ort, „wo das goldene Rom seine Schätze umsetzt.“ 73 Weiter erwähnt er in einem seiner Epigramme, in dem ein Käufer in eben diesem Gebiet umher schlendert, Gegenstände wie „ölglänzende Elfenbeinfüße“, „Zitrustische“, „Statuen“, „Kristallkelche“, „Schalen“, „Pokale“ und „grüne Edelsteine in
ornamentiertem Gold“. 74
Als letzten Punkt der wirtschaftlichen Folgen soll nun noch auf die Veränderung der Funktion der villa eingegangen werden. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes villa, wie Weeber
feststellt, beschreibt einen Gutshof. 75 „Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurden bei einigen Höfen villa rustica und villa urbana als zwei Teile des Gebäudekomplexes unterschieden,
zum einen die ‚ländlichen’ Wirtschaftsgebäude, zum anderen die ‚städtischen’ Wohntrakte.“ 76 Die villa nicht nur als Produktionsstätte sondern auch als Wohnsitz auf dem Land zu verwenden, fand schnell Anklang bei Mitgliedern der Oberschicht. Der wirtschaftliche Nutzen trat in den Hintergrund und die neue villa der Oberschicht hatte mit ihrer ursprünglichen Funktionalität bald nichts mehr gemein. Martial beschreibt diesen Prozess wie folgt:
69 Plin. NH XII 84.
70 Kloft, Überlegungen, 127.
71 Birley, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, 551.
72 Vgl. A. Dalby, Empire of Pleasures. Luxury and Indulgence in the Roman World, London u.a. 2000, 241; Vgl. Mart. X 80.
73 Mart. IX 59: hic ubi Roma suas aurea vexat opes.
74 Vgl. Mart. IX 59.
75 Weeber, Luxus, 46.
76 Ebd. 46.
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Doch du besitzt am Stadtrand einen schicken Hungersitz und blickst von einem hohen Turm auf lauter Lorbeerbäume herab, bist frei von Sorgen, denn Priap braucht keinen Dieb zu fürchten; deinen Winzer musst du mit Mehl aus der Stadt ernähren, und du lässt an Feiertagen dir in dein ausgemaltes Landhaus Kohl, Eier, Hühner, Äpfel, Käse und Most bringen. Soll man das ein Landgut nennen oder ein Stadthaus, das weit draußen liegt? 77
Die villa wurde mehr und mehr von einer Produktionsstätte in ein Ferienhaus umgewandelt.
Martial beschreibt hier einen viel kritisierten Zustand. 78 Die villa, deren ursprüngliche Funktion die Produktion landwirtschaftlicher Güter war, erwirtschaftete nicht einmal mehr genug um sich selbst zu versorgen, sondern importierte Güter aus der Stadt.
4.2 Folgen auf sozialer Ebene
Die Konsequenzen des Luxus für das Römische Reich beschränken sich jedoch nicht auf wirtschaftliche Felder wie die Abwanderung von Kapital ins Ausland oder der Spezialisierung in einigen Bereichen der Luxusgüterproduktion. Im Folgenden sollen die Auswirkungen des Luxus auf die Homogenität der Oberschicht und die Entwicklung der patronus-cliens Beziehung angesprochen werden.
Die demonstrative Zuschaustellung des eigenen Reichtums, durch die sich Mitglieder der Oberschicht immer wieder und mit immer ausgefallenen Methoden versuchten von Gleichgestellten zu distanzieren, barg ein nicht zu unterschätzendes Risiko. In Zeiten der Republik bestand dieses Risiko darin, dass die Solidarität innerhalb der Oberschicht, die die Geschicke des Reiches zu dieser Zeit lenkte, durch Einzelne gefährdet werden konnte. Personen, die sich durch die Zuschaustellung ihres Reichtums von anderen Mitgliedern ihrer Schicht abzugrenzen und hervorzutun vermochten, konnten eine Spitzenstellung einnehmen und die Gemeinschaft und Stärke des Adels somit schwächen. In den Zeiten des Prinzipats war die Macht beim Princeps konzentriert. Doch auch hier hatte der Luxus weitreichende Auswirkungen. Der grenzenlose Konsumwettbewerb, auf den sich viele Mitglieder der Oberschicht, vor allem aber des Senats, einließen, führte dazu, dass der Austausch zwischen bislang etablierten Familien und Neuaufsteigern stark zunahm. Die steigenden Kosten der senatorischen Lebensweise überforderten viele und trieben so manchen in den Ruin. Damit einher ging eine stärkere Abhängigkeit der Senatoren vom Princeps, der nach Gutdünken
77 Mart. III 58: at tu sub urbe possides famem mundam et turre ab alta prospicis meras laurus, furem Priapo non timente securus ; et vinitorem farre pascis urbano pictamque portas otiosus ad villam holus, ova, pullos, poma, caseum, mustum. rus hoc vocari debet, an domus longe?
78 Edwards, Politics, 159.
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durch finanzielle Unterstützung über den weiteren Verbleib von gefährdeten Familien im
Senat entscheiden konnte. 79
Die Veränderung des patronus-cliens Verhältnisses soll hier ganz bewusst als eine Folge des Lebens im Luxus beschrieben werden. Für die Art und Weise wie man seinen Reichtum am effizientesten anderen vor Augen führen konnte, sind im Verlauf dieser Arbeit schon viele Beispiele genannt worden. Auch wurde erwähnt, dass Mitglieder der Oberschicht nach immer neuen Wegen suchten um ihre Macht und ihren Wert zu verdeutlichen. Einer dieser Wege war das Vorweisen von möglichst vielen Klienten, also Abhängigen. Umso mehr cliens einen patronus begleiteten, umso wichtiger und reicher musste dieser in den Augen anderer erscheinen. „Sobald sich einer durch seinen Reichtum, seinen Palast und seine Prachtentfaltung bemerkbar machte, galt er auf Grund seines Namens und seiner vielen
Klienten als Mann von höherem Rang“ 80 , schreibt Tacitus. Wie die Zuschaustellung von Luxusgegenständen eine Möglichkeit war, um sich zu profilieren, war auch eine große Anzahl von Klienten ein Weg, um das gleiche Ziel zu erreichen. So dienten beide Methoden dem selben Zweck und sind deshalb auch beide direkte Folgen des Luxus- und Reichtumswettbewerbs, den die Oberschicht Tag für Tag aufs Neue austrug. Die Verwendung einer großen Gruppe von Klienten als reines Symbol von Macht und Prestige führte zur Aushöhlung des patronus-cliens Verhältnisses, welches ursprünglich „von wechselseitigem Respekt auf der Basis einer moralisch religiösen Treue-Bindung (fides) geprägt war“. 81 Veyne weißt auf eben diese Aushöhlung hin, wenn er die Klienten nur noch als „Institution der
privaten Prachtentfaltung“ 82 beschreibt. Auch den antiken Autoren entging diese Entwicklung nicht. Martial schreibt:
Bringt dir die Plackerei, die ich dulde, nur irgendwie Vorteil, greif’ ich zur Toga gern morgens und mitternachts auch; lass mir das pfeifende Weh’n gefallen vom garstigen Nordwind, halte im Regenguss aus, dulde den wirbelnden Schnee. Doch wenn dich all mein Gestöhn und, dass du als Freien mich folterst, nicht einen einzigen Deut reicher und glücklicher macht, schon’, ich bitte, des Müden, erlass’ ihm die eitle Mühsal, die dir, Gallus, nichts nutzt, mir aber schadet sie nur. 83
79 Ebd. 162f.
80 Tac. III 55, 3: ut quisque opibus domo paratu speciosus, per nomen et clientelas inlustrior habebatur.
81 Weeber, Luxus, 95.
82 P. Veyne, Brot und Spiel. Gesellschaftliche Macht und politische Herrschaft in der Antike, München 1994, 599.
83 Mart. X 82: Si quid nostra tuis adicit vexatio rebus, mane vel a media nocte togatus ero stridentesque feram flatus aquilonis iniqui et patiar nimbos excipiamque nives. sed si non fias quadrante beatior uno per gemitus nostros ingenuasque cruces, parce, precor, fesso vanosque remitte labores qui tibi non prosunt et mihi, Galle, nocent.
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5. Ausbreitung und Bekämpfung des Luxus
Es wurde schon angesprochen, dass die Luxusliebe für die Römer ein vom Ausland eingeführtes Laster darstellte. Nicht jedoch wurde darauf eingegangen, durch welche Ereignisse sich das luxuriöse Leben und die Verschwendung in Rom ausbreiteten. Obwohl die antiken Autoren sich nicht übereinstimmend äußern, wann genau das Laster des Luxus Rom
infizierte 84 , sind sie sich über die Art und Weise der Übertragung einig. Der vorgefundene Reichtum, die Schönheit und Fülle von Dingen, denen die Römer bei ihren Eroberungen von
Achaia, Asia oder Karthago gewahr wurden, ließen sie diese auch begehren. 85 Um den Besitz allein ging es jedoch nicht. Schon Seneca weiß, dass der Anreiz für alles, für das wir uns wie
wahnsinnig ins Zeug legen, der Bewunderer und Mitwisser ist. 86 Aus diesem Grund wurde der Luxus und die Verschwendung öffentlich zur Schau gestellt. Doch die rasche Ausbreitung des Luxus kann nicht allein durch dessen ostentative Funktion begründet werden. Kloft sagt:
Im Luxus äußerte sich eine gewollte Ausdehnung und Intensivierung der Nutzung von Gütern und Dienstleistungen, die der Reputation dienen und ein Mittel der sozialen Selbstbehauptung darstellen. 87
Kloft spricht hier vom Luxus als „Mittel der sozialen Selbstbehauptung“. Dies bedeutet, dass der übermäßige Konsum und das luxuriöse Leben nicht nur einen Weg darstellten, um bewundert und beneidet zu werden, sondern auch um sozialen Status und Macht zu etablieren oder zu festigen. Nicht in allen Fällen jedoch führte dieser übermäßige Konsum zum gewollten Ergebnis - Kehrseite der Medaille war der soziale Abstieg und Verlust von Macht durch den finanziellen Ruin. Es lag im Interesse des Römischen Reiches, das von einer Stabilität seiner Führungsschicht profitierte, Maßnahmen zu ergreifen, die dem ruinösen Wettkampf der Oberschicht entgegenwirkten.
Durch die Begrenzung des Umfangs dieser Arbeit wird jedoch auf die nähere Beschreibung der Zensur als Kontrollinstanz der frühen römischen Gesellschaft verzichtet werden müssen. Diese, so viel sei gesagt, setzte als einziges Strafmittel die Rüge durch den Zensor ein und war mit dem zunehmenden Hang der Reichen zum Luxus in einem immer größer werdenden
Römischen Reich überfordert. 88 Diese Überforderung versuchte man durch Gesetze gegen den Aufwand, die leges sumptuariae, zu kompensieren. Doch schon die Anzahl der über die
84 Edwards, Politics, 177.
85 Vgl. Tac. XIV 21; Liv. XXXIX, 1-3; Plin. XXXIII 150.
86 Vgl. Sen. ep. 90, 70.
87 Kloft, Überlegungen, 128.
88 I. Sauerwein, Die leges sumptuariae als römische Maßnahme gegen den Sittenverfall, Hamburg 1979, 167.
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Zeit verabschiedeten Gesetze zeugt von deren Wirkungslosigkeit. Inhalt dieser waren Aufwandsbeschränkungen bei Totenfeiern, Einschränkungen für Kleider und Schmuck sowie Schenkungsverbote. Weiterhin die Einführung einer Luxussteuer unter Cato und Tafelgesetzte, die Teilnehmerzahlen sowie Gesamtkosten für Diners festlegten. Hinzu kamen Erlasse gegen bestimmte Delikatessen, ausländische Salben und Weine, Reglementierungen
für häusliche Einrichtungen, Kunsterzeugnisse und Bauten. 89 Weshalb aber blieben die Gesetze wirkungslos? Kloft erklärt die geringe Reichweite staatlicher Verbote dadurch, dass die luxuriöse Zuschaustellung ein individuelles und
gesellschaftliches Bedürfnis ist, welches öffentliche Funktion besitzt. 90 Er macht damit das schon angesprochene Verlangen nach Bewunderung und die Etablierung der Demonstration von Reichtum als Mitteln der Macht- und Statussicherung für die Wirkungslosigkeit der Gegenmaßnahmen verantwortlich. Auch darf man die negative Vorbildfunktion bekannter Persönlichkeiten, die dem Laster der luxuria frönten, nicht unterschätzen. Die dafür Notorischsten sind in dieser Arbeit schon benannt worden - unter ihnen sogar Kaiser wie Caligula, Nero und Vitellius. Es ist folglich nicht verwunderlich, dass Gesetze, die von der höchsten Instanz so sträflich und für alle sichtbar missachtet, auch von Mitglieder der Oberschicht nicht ernst genommen wurden.
Abschließend ist noch darauf hinzuweisen, dass alle Gesetze reaktionär auf auftretende Missstände reagierten und das Übel nicht an der Wurzel bekämpften, sondern nur dessen Ausprägungsformen. Weeber sagt dazu: „Aufwandsgesetze waren im Zeitpunkt ihrer Inkraftsetzung immer schon überholt, weil sie an Symptomen kurierten und die Ursachen
unberücksichtigt [...] ließen.“ 91 Diejenigen, die Gesetze gegen den Aufwand einbrachten, waren somit auch deshalb nicht erfolgreich, weil sie die Funktionen, die der Luxus innerhalb der Oberschicht neben der Ermöglichung eines angenehmen Lebens noch erfüllte, ignorierten.
89 Für eine detaillierte Beschreibung des Inhaltes der einzelnen Gesetze sei auf die Dissertation von Ingo Sauerwein verwiesen.
90 Vgl. Kloft, Überlegungen, 131.
91 Weeber, Luxus, 162.
21
6. Zusammenfassung
Der Luxus im Römischen Reich scheint bei oberflächlicher Betrachtung paradox. Er wurde für ein Laster gehalten, welches als schwerwiegend genug angesehen wurde um es durch gesetzliche Maßnahmen zu beschränken. Dennoch nahm die Verschwendung kontinuierlich zu und erreichte Formen, die wie der Bau von Säulen, die nichts zu tragen hatten 92 und das Durchstechen eines Berges um die Versorgung des hauseigenen Teiches mit frischem
Meerwasser sicherzustellen 93 , schon an Verrücktheit grenzten. Personen, welche für Kleidung, edle Speisen, palastähnliche Häuser oder pompöse Einrichtungen übermäßige Summen an Geld verwendeten, wurden stark kritisiert. Die Kritiker jedoch kamen fast ausschließlich aus der Schicht, die sich solche Extravaganzen als einzige leisten konnte. Das gemeine Volk empörte sich nicht über Verschwendung und Luxus der Oberschicht, so lange
Grundbedürfnisse wie die Getreideversorgung gesichert waren. 94
Es wurde versucht zu zeigen, dass Purpur, Perlen und Düfte durch ihre Seltenheit und ihren Preis zur Exklusivität wurden. Auch Klienten oder Sklaven wurden dazu missbraucht sich von Gleichgesinnten zu distanzieren und im Wettbewerb um die größte Prunkentfaltung einen der vorderen Plätze einzunehmen. Prunk und Protz waren Indikatoren für die Bedeutung einer Person. Wer sich wie Cicero, der keine Möglichkeit ausließ, anderen den Luxus, den sie betrieben vorzuwerfen, einen Tisch aus Zitronenholz für 500.000 Sesterzen leisten konnte, der
musste ein Mann von Reichtum und Macht sein. 95 Des Weiteren kamen auch die Folgen der Luxussucht zur Sprache. Die realen Konsequenzen wichen hier von den potentiellen, durch die antiken Autoren befürchteten, ab. Während in den Quellen von weitreichenden negativen Folgen für den Erhalt des Römischen Reiches die Rede ist, die von zunehmenden Krankheiten und Verweichlichung bis zum Niedergang Roms reichten, finden sich in der Sekundärliteratur eher Hinweise auf wirtschaftliche Anpassungen, wie Zucht von Tieren und Pflanzen, Import von Rohstoffen, Spezialisierung und die Entstehung von Bezirken für den Verkauf von Luxusgütern. Weitere Folgen des Luxus, die sich mit der Homogenität der Oberschicht, der patronus-cliens Beziehung und der Funktion der villa beschäftigten, wurden auch behandelt. Abschließend konnte gezeigt werden, weshalb sich Gegenmaßnahmen als uneffizient erwiesen und das verschwenderische Luxusleben immer mehr Anhänger fand.
92 siehe Fußnote 34.
93 siehe Fußnote 36.
94 Weeber, Luxus, 164.
95 Plin. NH. XIII 92.
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7. Bibliographie
Literaturverzeichnis:
Dalby, A., Empire of Pleasures. Luxury and Indulgence in the Roman World, London u.a. 2000.
Edwards, C., The politics of Immorality in ancient Rome, Cambridge 1993.
Kloft, H., Überlegungen zum Luxus in der frühen Römischen Kaiserzeit, in: J.H.M. Strubbe u.a. (Hg.), Energeia,
Festschrift für H. W. Pleket, Amsterdam 1996, 113-134.
Sauerwein, I., Die leges sumptuariae als römische Maßnahme gegen den Sittenverfall, Hamburg 1979.
Veyne, P., Brot und Spiel. Gesellschaftliche Macht und politische Herrschaft in der Antike, München 1994.
Weeber, K.-W., Luxus im Alten Rom. Die Schwelgerei, das süße Gift..., Darmstadt 2003.
Birley, A. R.- Bowersock, G. W.- D’Arms, J. H.- Frezouls, E.- Pleket, H. W.- F. Vittinghoff (Hg.), Europäische
Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der römischen Kaiserzeit, Stuttgart 1990.
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C. Plinius Secundus d. Ä., Naturkunde, Naturalis Historiae, Lateinisch/deutsch, übersetzt und hrg. v. R. König -
G. Winkler, Tübingen 1973.
L. Annaeus Seneca, Philosophische Schriften, Ad Lucilium Epistulae Morales LXX-CXXIV, Lateinisch/deutsch,
übersetzt und hrg. v. M. Rosenbach, Darmstadt 1984.
P. Cornelius Tacitus, Annalen, Lateinisch/deutsch, übersetzt und hrg. v. E. Heller, München-Zürich 1982.
C. Suetonius Tranquillus, Die Kaiserviten, De Vita Caesarum. Berühmte Männer, De Viris Illustribus,
Lateinisch/deutsch, übersetzt und hrg. v. H. Martinet, Düsseldorf - Zürich 1997.
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