Gliederung
1. Warum Theorien? 3
2. Realismus 5
3. Institutionalismus 7
4. Liberalismus 9
5. Resümee: Wohin steuert die Weltpolitik? 11
6. Literaturgrundlagen 14
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1. Warum Theorien?
Der Begriff Theorie ist etymologisch im Griechischen zu finden und bedeutet soviel wie zuschauen, betrachten, beachten, untersuchen, beurteilen, erkennen und verstehen. „Die Theorie ist eine Vermutung mit Hochschulbildung“, sagte einst US-Präsident Jimmy Carter. In der Tat werden mit Theorien Vermutungen und Annahmen konstruiert, die die Wirklichkeit zu erklären versuchen. Dimensionen hierbei sind Fragen wie: wie sollte die (politische) Welt sein?, wie erkenne ich die (politische) Welt?, wie ist die (politische) Welt beschaffen? und wie soll ich in der (politischen) Welt handeln bzw. wie kann ich mein Handeln (oder das Handeln anderer) rechtfertigen und beurteilen? Es kreuzen sich also normative und empirische Faktoren. Der Positivismus beschränkte sich auf „Gegebenes“, was als Prinzip des wissenschaftlichen Wissens dem empirischen und systematischen Wissensfortschritt anhing. Der Kritische Rationalismus des 20. Jahrhunderts hingegen verzichtete auf absolute Begründungen und Gewissheiten. Wissen beruhe, so die Annahme, auf Hypothesen, deren Wahrheit nie gewiss sein könne (Vermutungswissen). Ziel bleibe demnach kritisches Prüfen dieser Hypothesen. Der Realistische Konstruktivismus sah Trennungen zwischen Subjekten und Objekten als nicht möglich an. Ein System wie die Vereinten Nationen kann nicht als Objekt losgelöst von den das System belebenden Subjekten (den Nationalstaaten) betrachtet werden. Wissen hat immer eine historische Verortung und kann nicht metaphysisch unabhängig sein. Überdies ist es räumlich und sozial bestimmt. Wissen bleibt immer gebunden an Subjekte. Die Objektivität des Wissens kann nur als Intersubjektivität denkbar sein. Der Konsens in den Sozialwissenschaften beruht seit langem darauf, dass „die“ Realität der Interpretation bedarf. Zusammenhänge herzustellen, um Wirklichkeit zu deuten, ist ein Prozess intersubjektiver Wissensveror- Die Sprache strukturiert dabei Wirklichkeit beim Deuten und ist Deutung zugleich. 1 Gegenstand und Reichweite der Theorien variieren je nach Untersuchungsgegenstand. Die empirischen Theorien heben auf „harte Daten“ an. Bereichstheorien beschäftigen sich mit Begriffen wie Macht, Herrschaft, Frieden, Integration usw. Unter Großtheorien und Weltbildern subsumieren sich allgemeine Annahmen, was die Welt quasi im Innersten zusammenhält. Großtheorien sind grobmaschige Netze im unendlichen Meer der Fakten, die uns die Wirklichkeit vorstrukturieren.
1 vgl. hierzu auch die Arbeiten der Soziologen Berger und Luckmann („Die gesellschaftliche Konstruktion der
Wirklichkeit“)
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Dabei erfüllen die Großtheorien spezielle Funktionen. Die Interpretationsfunktion generiert die Strukturierung von Teilbereichen. Mit der Orientierungsfunktion kann eine Reduktion komplexer Sachverhalte erfolgen. Unter der Zielbeschreibungsfunktion können Theorien eine Anleitung zum praktischen Handeln in der „Realität“ liefern. Die Handlungslegitimationsfunktion soll zur Legitimierung praktischen Handelns in der „Realität“ führen.
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2. Realismus
Die am weitesten verbreitete Theorie Mitte des 20. Jahrhunderts war der Realismus. Er formte sich aus der Kritik am Idealismus nach dem Ersten Weltkrieg, denn: es sei zu naiv gewesen, gegenüber den „Realitäten“ der Machtpolitik anzunehmen, die Welt könne durch den Völkerbund friedlicher gemacht werden. Der Völkerbund scheiterte, Europa musste den Zweiten Weltkrieg ertragen.
Als zentrale Kategorie des Realismus wird Macht untersucht. Definitionen des Begriffes Macht gibt es zuhauf. Nach Max Weber ist Macht „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese
Chance beruht.“ 2 Diese Auslegung von Macht verallgemeinert eher von den Quellen der Macht her, von einer Legitimiertheit der Macht bezüglich der Herrschaft wird hier noch völlig abgesehen. Trotzdem bedeutet Macht vereinfacht, seinen Willen durchzusetzen oder durchsetzen zu wollen. Macht sei, so die Realisten, als Antriebsmoment der internationalen Beziehungen kennzeichnend. Das Streben nach Macht bestimme das Handeln der Staaten. Intellektuelle Vorläufer fanden die Realisten in Weber, Hobbes, Machiavelli und Thukydides.
Abbildung 1
3
:
Hans J. Morgenthau (1904-1980)
Hans J. Morgenthau gilt als Begründer des klassischen politischen Realismus. Er verankerte die Anerkennung
Machtgesetzlichkeit der internationalen Politik im politischen Denken. Ziel müsse deshalb die Bändigung und Mäßigung von Macht sein („vernünftige Machtpolitik“). Die Natur des Menschen enthalte einen natürlichen Machttrieb (man spricht deshalb auch vom anthropologischen/klassischen Realismus).
Der Neorealismus Kenneth Waltz´ hingegen betonte stärker die Machtkonkurrenz der Staaten als soziales Problem, was sich aus der Struktur des internationalen Systems ergebe.
2 Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, 1. Halbband, Tübingen,
1956/1980, S. 28.
3 http://www.flonnet.com/fl2301/images/20060127002504702.jpg (Zugriff am 26.11.2007, 16:14 Uhr)
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Arbeit zitieren:
Daniel Fischer, 2007, Theoriebegriffe der Internationalen Politik - Konstruktion von Wirklichkeit?, München, GRIN Verlag GmbH
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