2
Inhaltsverzeichnis
1 Aufbau der Arbeit 3
2 Definition Projekt 4
3 Entstehung der Projektarbeit. 5
4 Bedeutende Mitbegründer der Projektarbeit / Projektmethode 6
5 Grundmuster einer Projektmethode nach Karl Frey 7
6 Ziele einer Projektarbeit 9
7 Nachteile der Projektmethode. 10
8 Projekte der Domschule. 11
9 Fazit 14
10 Literaturverzeichnis. 16
11 Anlage 17
3
1 Aufbau der Arbeit
Diese Hausarbeit setzt sich mit der Projektarbeit auseinander. Dabei steht die Projektarbeit speziell an Schulen im Mittelpunkt.
Im ersten Teil wird das Projekt an sich definiert und die Projektarbeit von einer Projektmethode abgegrenzt, um klarzustellen, was in dieser Arbeit unter diesen Begriffen zu verstehen ist.
Das zweite Kapitel setzt sich mit der Entstehung der Projektarbeit auseinander. Im Fokus des dritten Kapitels stehen verschiedene bedeutende pädagogische Mitbegründer der Projektarbeit/Projektmethode, um zu verdeutlichen, wie sich die Projektarbeit im Laufe der Zeit entwickelt hat.
Desweiteren wird ein Grundmuster einer Projektmethode dargestellt, um an einem Muster zu zeigen, was Projektarbeit ausmacht und wie sie richtig ausgeführt wird. Zudem werden verschiedene Ziele und auch Nachteile, die eine Projektmethode haben kann beschrieben.
Zum Ende werden drei verschiedene Projekte der Domschule Osnabrück beschrieben, um einen praktischen Bezug zum Thema herzustellen.
Zu beachten ist, dass die verschiedenen Themenbereiche lediglich angeschnitten, punktuell und zusammenfassend dargestellt werden können.
Vordergründiges Anliegen dieser Arbeit ist es eine möglichst große Übersicht zum Haupthema Projektarbeit/Projektmethode an Schulen und den damit verbundenen Themen zu geben und aufzuzeigen, was gute Projektarbeit in Schulen ausmacht.
Im Fazit soll die Frage behandelt werden, weshalb Projektarbeit gerade in der heutigen Zeit von besonderer Bedeutung ist.
Diese Arbeit soll es also ermöglichen, das Themenfeld Projekt von verschiedenen
Seiten zu betrachten und zu verstehen.
4
2 Definition Projekt
In diesem Teil geht es um die klare Definition des Projektes und der Abgrenzung von Projektarbeit und Projektmehode. Zur Verdeutlichung werden verschiedene Erklärungen ausgeführt, die zwar zu verschiedenen Zeiten entstanden, in ihrer Bedeutung aber treffend sind.
Zu Beginn steht eine Gruppe von Lernenden, die ein Gebiet bearbeiten, ihre Arbeiten selbst planen, ausführen und am Ende oftmals ein sichtbares Produkt haben. Eine Projektgruppe kann aus einer Klasse, einem Kurs oder einer ganzen Schule bestehen. Dabei verläuft dieser Vorgang meist über mehrere, möglichst zusammenhängende Stunden. Am Anfang eines Projektes steht die Projektinitiative. 1 Eine weitere, zwar knappe, aber treffende Definition lautet: „Projektlernen ist eine handlungsorientierte Unterrichtsform, bei der es sich um gemeinsames, kontinuierliches, konzentriertes und praktisches Befassen mit einem Thema handelt.“ 2
Für ein Projekt ist also ein gewisses schöpferisches oder darstellendes Tun notwendig. Zur Lösung einer Aufgabe innerhalb des Projekts ist eine physische Anwendung von Materialien notwendig. 3 Annemarie Kaiser und Franz-Josef Kaiser unterscheiden zwei Arten von Projektmethoden. Das Projekt kann in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden. In ein Einzelprojekt oder Gruppenprojekt. Das Einzelprojekt zeichnet sich durch die Alleinarbeit des Schülers aus, wobei auch hier wieder eine Unterteilung gemacht wird in ein gleiches allgemeines Einzelprojekt und in ein individuelles Einzelprojekt. So erhalten beim gleichen allgemeinen Einzelprojekt beispielsweise alle Schüler die Aufgabe ein Schiffchen zu basteln, während beim individuellen Einzelprojekt jeder Schüler eine andere Aufgabe erhält. Das Gruppenprojekt geht hingegen die ganze Klasse an. Z.B. ein Schauspiel. 4
Deutlich werden muss hier zudem der Unterschied zwischen einer Projektmethode und Projektarbeit. John Deweys (1935) sieht bei der Projektmethode den demokratischen Gedanken im Vordergrund. Ein Thema/Ziel kann hier von den Lernenden selbst gewählt werden, während bei der Projektarbeit die Tätigkeit vorgegeben wird und die Lernenenden nur zum Teil selbst tätig sind. Demokratie beim Lernen bedeutet, dass der Lernende ein Maximum an Bewusstheit, an
1 Vgl. Frey, K. (1998): S.7
2 Vgl. Keller, G. (2003): S. 188
3 Vgl. Kaiser, A. u. Kaiser, F.-J. (1977): S. 119
4 Vgl. Kaiser, A. u. Kaiser, F.-J. (1977): S. 123
5
intellektueller Verantwortung für den eigenen Lernprozess, die Auswahl von Zielen, Unterrichtsmaterialien und Lernwegen entwickelt. 1
3 Entstehung der Projektarbeit
Um sich mit der heutigen Art der Projektarbeit beschäftigen zu können, muss auch die Entstehung der Projektarbeit betrachtet werden. Dazu sind hier einige historische Grundzüge dargelegt. Schon früh wurde auf das Missverhältnis zwischen künstlicher Lernwelt und alltäglicher Lebenswelt hingewiesen. Bei Seneca (4 v.- 65 n.Chr.) heißt es „non vitae, sed scholae discimus“ - „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ Bis heute ist dieser Vorwurf nicht verstummt und so gab es und gibt es immer wieder verschiedene pädagogische Ansätze, um das Lernen auf das Leben zurückzubeziehen. Lernen und Handeln sollen miteinander in einen produktiven Bezug gesetzt werden.2
Die heutige Idee des Lernens am Projekt entsteht Anfang des 18. Jahrhunderts unter anderem durch die beginnende industrielle und wissenschaftliche Revolution. Nun werden an Schulen und Hochschulen auch Architektur und Technik angeboten. Die Projektidee stammt aus Italien und verbreitete sich durch zunehmende Professionalisierung und Verschulung der handwerklichen Berufe über den ganzen Kontinent und die Vereinigten Staaten. 3
Die Projektarbeit diente anfangs der Qualifikation von Arbeitskräften für handwerkliche und landwirtschaftliche Betriebe und der Schulung demokratischen Verhaltens. 4
Durch die Kindergartenpädagogik wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein zweites Projektmodell bekannt. Es sollten nun natürliche Ganzheiten Gegenstand des Lernens sein, damit Interesse und Einsicht entstehen können. Ein Lehrgang erfolgt im und nicht vor dem Projekt. 5
1 Vgl. www.methodenpool.uni-koeln.de 2 Vgl. www.methodenpool.uni-koeln.de
3 Vgl. Frey, K. (1998): S. 39
4 Vgl. Krieger, C.G. (2000): S. 53
5 Vgl. Frey, K. (1998): S. 39
6
Anfang des 20. Jahrhunderts verliert der Projektbegriff seine enge Bindung an den technischen Bereich. Lernen am Projekt kann danach in jedem Fach und in jedem Bereich stattfinden. 1
Der Projektgedanke in Deutschland ist eigentlich erst in den 1960er und 70er Jahren - teilweise auch durch die Studentenbewegung - genauer rezipiert worden. In den Reformvorschlägen zur Neugestaltung der Hauptschule und der gymnasialen Oberstufe, beim Aufbau der Gesamt(hoch)schulen und bei Universitätsgründungen spielt seitdem der Projektgedanke eine gewisse Rolle. 2 Dennoch hat sich die Projektmethode weder in der Schule noch der Hochschule bis heute als Standard durchsetzen können, die Idee blieb bisher auf wenige Einzelprojekte beschränkt. 3
4 Bedeutende Mitbegründer der Projektarbeit / Projektmethode
Durch verschiedene Pädagogen konnte die Projektform, so wie wir sie heute vorfinden, erst entstehen. Hier möchte ich nun die Gedanken und Umsetzungen einzelner bedeutender Pädagogen für die Projektmethode skizzieren, um klarzumachen, inwiefern einzelne Personen Einfluss genommen haben auf die im letzten Punkt beschriebenen Entstehung der Projektarbeit.
Berthold Otto (1859-1933): Sein Grundgedanke war, dass Kinder und Jugendliche eigene Formen des Weltverständnisses und Sprechens miteinander haben. Er hat deshalb in seiner Schule in Lichterfelde einen Gesamtunterricht eingeführt. Hier fragen nun die Schüler Schüler, wobei der Lehrer lediglich als Moderator agiert. Daraus ergibt sich von selbst eine Art Volksbildung. 4
Hugo Gaudig (1860-1923): Gaudig vertrat die Meinung, dass eine freie geistige Tätigkeit für die Persönlichkeitsentwicklung unabdingbar sei. Schüler sollten Unterricht mitplanen können. Diese anderen Arbeitsformen und die ständige Selbsttätigkeit eröffnen neue Horizonte. 5
Fritz Karsen (1885-1951): Ein zentrales Projekt zielt darauf ab, die Gesellschaft selber auf eine menschlich höhere Stufe der Kultur zu heben. Für ihn stellt die Schule eine „soziale Arbeitsschule“ dar. Sie ist wie eine moderne Gesellschaft
1 Vgl. Frey, K. (1998): S. 40
2 Vgl. www.methodenpool.uni-koeln.de
3 Vgl. www.methodenpool.uni-koeln.de
4 Vgl. Frey, K. (1998): S. 42
5 Vgl. Frey, K. (1998): S. 43
7
genossenschaftlich organisiert. Die Ziele werden also nicht von außen vorgegeben, sondern von den Mitgliedern, sprich Schülern und Lehrern, selbst festgelegt. 1
Otto Haase (1893-1961): Die Schüler selbst sollen zupacken, ein Werk erschaffen und Arbeit vollenden. Sie sollen Hand anlegen und etwas Tun. Die Schule sollte Ernstsituationen hereinholen, Übungen an künstlichen Objekten schienen ihm pädagogisch nicht wertvoll. Der Lehrer trägt hier die Verantwortung dafür, dass die Schüler die ihnen angemessenen Aufgaben erhalten. 2
Weitere Persönlichkeiten, die diese Art von Arbeit entscheidend mitgeprägt haben sind zudem: (1712-1778): Durch seinen fiktiven - Jean-Jacques Rousseau
- Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827): „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ 4 , sowie
- Friedrich Fröbel (1782-1852): „So soll Arbeit, Unterricht und Spiel ein
Und zuletzt dürfen natürlich nicht die sehr bedeutenden Personen John Dewey (1859-1952) und William Heard Kilpatrick (1871-1965) vergessen werden. Ein Projekt findet in ihrem Sinne als planvolles Handeln statt, getragen von persönlichem Antrieb und eingebunden in ein soziales Milieu. Die Lösung muss selbst geschaffen werden. 6
5 Grundmuster einer Projektmethode nach Karl Frey
Zur Verwirklichung eines Projektes in der Praxis bedarf es einer theoretischen Planung des Ganzen. Um zu verdeutlichen, welche Aspekte in einem Projekt vorhanden sein, bzw. entwickelt werden müssen, soll hier das Grundmuster einer Projektmethode nach Karl Frey skizziert werden. Dabei sollen lediglich die wichtigsten Punkte aufgezählt werden (Abbildung 1 im Anhang). Da es sehr viele
1 Vgl. Frey, K. (1998): S. 45 f.
2 Vgl. Frey, K. (1998): S. 46 f.
3 Vgl. www.methodenpool.uni-koeln.de
4 Vgl. www.methodenpool.uni-koeln.de
5 Vgl. www.methodenpool.uni-koeln.de
6 Vgl. www.methodenpool.uni-koeln.de
8
umfangreiche, zum Teil sehr komplexe Modelle eines Projektes gibt, möchte ich hier ein kurzes, aber aussagekräftiges Muster darstellen.
1.) Ein Projekt wird angeregt, z.B. durch eine Idee, ein bemerkenswertes Erlebnis, einen Betätigungswunsch, usw. Daraus wird eine Aufgabe skizziert, die sich zunächst einmal nur als Angebot versteht. Die Projektinitiative hat eine offene Ausgangssituation. Die Projektdurchführung ist noch lange nicht explizit geregelt. Es ist quasi jedes Thema und jede Umsetzung denkbar. Sie hat noch keinen Bildungswert, da sich die Beteiligten erst nach und nach durch die bestimmte Weise der Auseinandersetzung mit einem Thema Erfahrungen und Wissen aneignen. 1
2.) Nun soll eine Projektskizze entstehen. Dazu ist es wichtig, dass ein Zeitrahmen für die Beratung über die Projektinitiative abgesteckt wird. Auch sind gewisse Spielregeln für eine Auseinandersetzung vorgegeben. So z.B., dass jeder zu Wort kommt und alle menschlichen Betätigungsformen gefördert werden. Desweiteren findet hier ein Aushandlungsprozess im Sinne der Auseinandersetzung mit der Projektinitiative statt. Die Mitglieder werden selbst aktiv durch die Äußerung eigener Bedürfnisse und Betätigungswünsche. Endet die Auseinandersetzung mit der Projektinitiative negativ, so erreicht das gesamte Projekt seinen Endstand nicht. 2
3.) Hier soll zum Schluss ein Projektplan entstanden sein. Die Teilnehmer äußern u.a. was sie im einzelnen tun möchten und arbeiten die bildungsbedeutsamen Punkte heraus. Ein Arbeitsplan wird entwickelt. Wichtig ist in dieser Phase die Auseinandersetzung vom Niveau des reinen Interessensausgleiches auf ein Niveau von Bildung zu heben. So sollte z.B. möglichst nicht die beste Zeichnerin der Klasse beim Projekt „Die Klasse baut einen Starenkasten“ die Aufrisse zeichnen. Vielmehr sollten die Aufgaben so verteilt werden, dass eben das Niveau der Bildung gehoben wird. Auch muss hier entschieden werden, welche in Punkt 2 entstandenen Ideen tatsächlich realisiert werden. Konflikte lassen sich hier nicht immer vermeiden. 3
1 Vgl. Frey, K. (1998): S. 76,78
2 Vgl. Frey, K. (1998): S. 78 ff.
3 Vgl. Frey, K. (1998): S. 80 ff.
9
4.) Verkürzt dargestellt befassen sich die Mitglieder in dieser Komponente nun vertieft mit einem Teilgebiet in dem Projekt, das sie selbst vorbereitet haben . Eine Arbeitsteilung ist demnach möglich. Sie folgt keiner Anordnung oder Sachgesetzlichkeit. 1
5.) Ein Projekt kann durch die Teilnehmer auf drei verschiedene Weisen abgeschlossen werden. Zum Einen kann es bewusst abgeschlossen werden, z.B. wird ein Ergebnis veröffentlicht oder präsentiert. Auch kann die Projektinitiative in einer Diskussion wieder aufgegriffen werden. Da wird der Endstand mit den Anfängen verglichen. Es wird mit einer Retroperspektive abgeschlossen. In der letzten Variante läuft das Projekt aus. Es mündet bereichernd im Alltag. Die Bildungsphase des Projektes geht nahtlos in den gebildeten Alltag über. 2
6 Ziele einer Projektarbeit
Damit die theoretische Skizze der Projektmethode nun an Bedeutung gewinnt, werden hier verschiedene Ziele eines Projekts erklärt. Nicht nur das Projekt an sich hat ein Ziel, nämlich meist das Ergebnis, sondern auch der Prozess während des Projekts.
Das Arbeiten in einer Lerngruppe bietet so eine gute Möglichkeit für das Erlernen und Einüben kooperativer, selbstorganisierter Arbeits- und Lernformen. Zudem ermöglicht die Verbindung von Theorie und Praxis der Lerngruppe durch ihr aktives, gemeinsames Tun Lernerfahrungen, die weit über bloßes Anhäufen von Fachwissen hinaus gehen. Aktuelle Interessen und biographische Bezüge des Einzelnen können in die Wahl des Projektes mit einbezogen werden. Durch die gemeinsame Arbeit an einem Thema werden die Fähigkeiten in Kommunikation, Kooperation, Umgang mit Konflikten und Kritik geschult. Die Teamfähigkeit wird gefördert und vor allem werden Fähigkeiten in Planung, Analyse, Problemlösung, sowie übergreifendes Denken und die Dokumentationsfähigkeit vermittelt und erweitert. 3
Weitere Ziele werden in „Projektstudium und Projektarbeit in der Schule“ aufgezeigt: Die Selbständigkeit und die Selbstbestimmung der Schüler soll gefördert werden.
1 Vgl. Frey, K. (1998): S. 82 f.
2 Vgl. Frey, K. (1998): S. 83 f. 3 www.methodenpool.uni-koeln.de
10
Auch sollen bestimmte Fertigkeiten und Verhaltensweisen erlernt werden. Durch Anwendung der Sozialformen wie Einzel-, Partner- und Kleingruppenarbeit können individuelle Förderung und soziale Integration erreicht werden. 1
Es soll deutlich werden, dass bei einem Projekt in der Schule der Lerneffekt der Schüler im Vordergrund steht. Die Distanz zwischen Schule und Leben, Theorie und Praxis soll verringert werden. So sollen Schüler die Möglichkeit bekommen, Prinzipien und Kenntnisse, die sie im Lehrgang erworben haben, im Projekt eigenständig und schöpferisch auf den konkreten Fall anzuwenden. 2
Weitere Fähigkeiten und Fertigkeiten, die innerhalb eines Projekts eingeübt werden, sind nach Claus Georg Krieger unter anderem Informations- und Explorationsfähigkeit, Planungskompetenz, Diskurskompetenz,
Entscheidungsfähigkeit, sowie bestimmte Arbeitstugenden, wie Selbstdisziplin, Verantwortung und Durchhaltevermögen. 3
7 Nachteile der Projektmethode
Immer da wo neue Ideen entstehen, gibt es Gegner und Befürworter. In diesem Teil sollen die möglichen Nachteile, bzw. prinzipielle Einwände eines projektbestimmten Unterrichts, einer Projektarbeit dargestellt werden.
Eine straffe Kontrolle der Schüleraktivitäten wird durch die Freiheit der Selbständigkeit, die grundlegend für die Projektmethode ist, inhibiert. Auch besteht die Gefahr, dass sich unwichtige Erkenntnisse mit wertvollen vermischen. Die logische Struktur eines Stoffgebietes wird zerrissen. Einzelergebnisse bleiben ohne Zusammenhang. 4
Desweiteren stellt sich die Frage ob der deutlich erheblichere Zeitaufwand für die Vorbereitung, Planung, Diskussion, mögliche Rückfragen und experimentelle Ermittlung des Lösungswegs durch den Projektleiter in einem vertretbaren Verhältnis zum Ergebnis, bzw. Erfolg des Schülers steht. Vor allem muss der Lehrende über eine erhöhte Flexibilität und spezielle Qualifikationen verfügen. 5
1 Vgl. Kaiser, A. u. Kaiser, F.-J. (1977): S.204
2 Vgl. Frey, K. (1998): S. 39 f. 3 Vgl. Krieger, C.G. (2000): S. 36 4 Vgl. Magnor, M. (1976): S. 224 5 Vgl. Magnor, M. (1976): S. 225
11
„Ein Projekt ist immer von der Gefahr des Scheiterns bedroht. Da eine große Identifikation des Kindes mit seiner Aufgabe besteht, könnte ein Misserfolg psychische Schäden verursachen. Die Lernfreude wird gelähmt. Der Schüler verfällt in Aggressivität oder Lethargie.“ 1
Auch kann von den Schülern eine gewisse Disziplinlosigkeit ausgehen. Zudem werden die Schüler zu einem Guppenkonformismus gezwungen. 2
Die Schüler müssen sich in der Phase des Projekts an die Gruppe assimilieren. Dabei werden schlechte Schüler evtl. in ihrer Leistung gefördert, gute hingegen müssen ihr Können herunterschrauben. Das individuelle Leistungsvermögen wird nivelliert.
Wenn ein Thema für Schüler uninteressant ist, so kann dies ebenso zu einer Blockade der Arbeit durch mangelnde Motivation führen. Beachtet werden muss vor allem die Erfahrung der Projektteilnehmer im Bereich der Projektarbeit. Es kann zu einer Arbeitserschwernis kommen, wenn noch keine Projektarbeit gemacht wurde. Das wiederum führt zu einem höheren Zeitaufwand in der Vorbereitung, etc. Sollte ein Projekt nicht durchdacht sein, kann schnell eine Chaosentwicklung stattfinden. 3
8 Projekte der Domschule
In diesem Teil sollen exemplarisch drei Projekte der Domschule dargestellt werden und zum Teil auf vorher beschriebene theoretische Aspekte bezogen werden.
Zunächst geht es um das Projekt „Umweltschule in Europa“. Dabei sollten die Klassen durch verschiedene andauernde und kleine Projekte, wie z.B. Müllvermeidung, Einrichtung einer Wasserkiste, Wasser, Boden, Ökosysteme, etc. befähigt werden, sich zukünftig und global an Fragen der Umweltgestaltung zu beteiligen und sich verantwortlich für unsere belebte und unbelebte Welt einzusetzen. Ein weiteres Ziel der Schule war es, das Verantwortungsgefühl für die Natur zu stärken. Die Umweltbildung ist hier Teil der Persönlichkeitsentwicklung und basiert auf christlichen Werten und Einstellungen dem Menschen und der Natur gegenüber. 4 Dieses Projekt fand im Schuljahr 2002/2003 statt.
1 Magnor, M. (1976): S 225
2 Vgl. Magnor, M. (1976): S. 225 3 Vgl. www.studienseminar-koblenz.de 4 Vgl. www.domschule-os.de
12
Das nächste Projekt nennt sich „Domschule gegen Kaugummiplage“. Hier ging es darum, dass die Schüler sich in verschiedenen Schritten mit dem Thema Kaugummi auseinandersetzen. Im Fokus standen die sechsten Klassen. Es wurde sich mit der Geschichte des Kaugummis, sowie einer Umfrage (Pro und Kontra) zum Kaugummikauen, einer Schätzung von Kaugummi-Flecken pro qm, der Auszählung auf dem Schulhof und dem Versuch die Kaugummis vom Schulhof zu entfernen auseinandergesetzt. Dabei haben die Schüler selbst Hand angelegt beim Entfernen der Kaugummis. 1 Durch die Selbsttätigkeit des Einzelnen kann hier von einem Lerneffekt ausgegangen werden, der deutlich höher ist als bei einer theoretischen Ausarbeitung des Themas.
Im „Jeansumweltprojekt“ wurden die Schüler durch einen Film (Der Kleiderhaken -Die Schattenseiten des Freihandels in der globalen Bekleidungsindustrie) ins Thema eingeführt. In verschiedenen Arbeitsgruppen wurden die Unterthemen Umwelt, politische Hintergründe, Arbeiterinnen, Widerstand und Alternativen mit Hilfe zusätzlicher Materialien weiter erarbeitet. Dabei sind zahlreiche kreative Ergebnisse wie Plakate, Comics, Karikaturen, usw. entstanden. 2 Ein paar kreative Ergebnisse sind im Anhang abgebildet.
Durch die Herangehensweise und die Ergebnisse der verschiedenen Projektteilnehmer ist offensichtlich, dass ein Lernprozess stattfindet. Dabei haben meist nicht nur die Schüler einer Klasse ein Thema gemeinsam erarbeitet und beendet, sondern ihre Mitschüler aus anderen Klassen auch auf verschiedene Weise (Plakate, Spiele, Umfragen, Rätsel,…) informiert. Dabei kann es von Vorteil sein, dass die Schulkameraden untereinander auf einer Augenhöhe sind und sich so die Dinge zum Teil anders, auf ihre Weise, verständlicher erklären. Die Beispiele zeigen also, dass die Vorteile von Projektarbeit hier eindeutig überwiegen.
Heinrich Biermann, Leiter des Gymnasiums Pulheim, bezeichnete bei einem Vortrag 1999 auf der „didacta“ in Köln das projektbezogene Lernverständnis als „Emanzipation von ADAM zu EVA“: Wenn Lehrende den Lernenden vorgefertigtes Wissen eintrichtern, steht das für ADAM (= Alles Durch Anweisung Machen). Demgegenüber steht EVA für Eigen-Verantwortliches Arbeiten. Der Projektgedanke basiert auf der Vorstellung, dass Lernen ein aktiver Prozess seitens des Lernenden
1 Vgl. www.domschule-os.de
2 Vgl. www.domschule-os.de
13
ist, der dann besonders wirksam ist, wenn das Lernen an realen Handlungsabläufen in einer selbständigen Themenbearbeitung erfolgt. 1
Hier wird deutlich, dass die Projektarbeit gut umgesetzt worden ist und, dass sie, so wie in der Theorie beschrieben, viele Vorteile bietet und vor allem gar nicht schwer zu verwirklichen ist.
1 www.methodenpool.uni-koeln.de
14
9 Fazit
Aufgrund der schnellen Veränderungen in unserer Gesellschaft, den höheren Ansprüchen verschiedener Arbeitgeber und der schlechten Arbeitsmarktlage ist es unabdingbar, dass Schüler in der heutigen Zeit Kooperationsfähigkeit, Selbsttätigkeit, sowie Teamfähigkeit und Disziplin, etc. erlernen und ständig üben. Meiner Meinung nach kann Projektarbeit einen großen Teil dazu beisteuern, diese Fähigkeiten zu lernen und umsetzen zu können.
„Viele Kinder sind sich ihrer Stärken nicht bewusst und nehmen leider nur ihre Schwächen und Unsicherheiten wahr. Im Unterricht gibt es genügend Situationen, in denen tatsächliche oder vermeintliche Schwächen offengelegt werden: Jede Wortmeldung, Antwort oder Frage findet schließlich vor Publikum statt und kann entsprechend wohlmeinend oder vernichtend kommentiert werden. Aus Angst davor, sich bloßzustellen, Kritik und Hohn zu ernten, verzichten manche Schüler deshalb lieber ganz darauf, sich im Unterricht ernsthaft zu beteiligen. Sie fürchten, man würde sie als dumm oder unfähig abstempeln, wenn sie sich ernsthaft mit dem Lernstoff auseinandersetzen und dabei auch in Kauf nehmen, nicht alles auf Anhieb zu verstehen und auch hin und wieder einen Fehlversuch einzustecken.[...]“ 1
Dieses Beispiel macht deutlich, dass ein klassischer Unterricht in den Schulen viele Nachteile für die Schüler mit sich bringt. Gerade deshalb sollten die Schüler wesentlich mehr die Möglichkeit bekommen, sich in Gruppen über ein Thema auseinander zu setzen oder selbst aktiv etwas zu gestalten. Projekte verbinden Theorie und Praxis miteinander und stellen so eine optimale Grundlage für den Lernprozess.
Dem Vorwurf auf S.10 , dass das individuelle Leistungsvermögen eines Schülers durch die Arbeit an einem Projekt nivelliert wird, ist entgegen zu setzen, dass der Projektleiter die Aufgabe hat das Projekt so auszurichten, dass es ein differenziertes Anspruchsniveau gibt. Das Projekt sollte imstande sein unterschiedliche Leistungslevels abzudecken. In einem Projekt werden häufig kognitive und emotionale Aspekte vereint. Dies ist für den Lernprozess ein enormer Vorteil.
Ich denke, dass die Vorzüge der Arbeit mit Projekten in den Klassen deutlich überwiegen und zu jeder guten Gestaltung des unterschiedlichen Unterrichts und der
1 Mendler, Allen N. (2000): S. 15
15
Arbeit mit Kindern im Freizeitbereich dazugehören. Dazu sollten jedoch die wichtigsten Punkte in der Vorbereitung (z.B. haben die Kinder Erfahrung in dem Themenbereich?, wer kann mitarbeiten?, interessiert dieses Thema die Mehrheit überhaupt?, ist das Thema zu vage oder zu stark eingeschränkt?) beachtet werden. Das Projekt ist eine ausgezeichnete Variante, Wissen zu vermitteln und selbst erarbeiten zu lassen.
16
10 Literaturverzeichnis
Domschule Osnabrück (2008): www.domschule-os.de [Stand: 27.02.2008]
Frey, K. (1998): Die Projektmethode. 8. Auflage. Beltz Verlag
Gudjons, H. (2001): Handlungsorientiert lehren und lernen: Schüleraktivierung-
Selbsttätig-keit-Projektarbeit. 6. Auflage. Bad Heilbrunn. Graphischer Großbetrieb Friedrich
Pustet
Kaiser, A. u. Kaiser, F.-J. (1977): Projektstudium und Projektarbeit in der Schule.
1.Auflage. Regensburg. Graphischer Großbetrieb Friedrich Pustet
Keller, G. (2003): Schulpsychologie von A bis Z. Asanger Verlag
Krieger, C.G. (2000): Schritt für Schritt zur Freiarbeit. Hohengehren. Schneider
Verlag
Magnor, M. (1976): Die Projektmethode: Ein Ergebnis der Philosophischen und
erziehungs-theoretischen Ansätze John Deweys und William Heard Kilpatricks.
Dissertation von Manfred Magnor. Osnabrück
Mendler, A. N. (2000): Uninteressierte Schüler motivieren. Verlag an der Ruhr
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien Koblenz (2008): www.studienseminar-koblenz.de Powerpoint-Präsentation Projektunterricht. [Stand:
27.02. 2008]
www.methodenpool.uni- Universität Köln (2008):
koeln.de/projekt/projekt_begruendung.html [Stand: 26.02.2008]
17
11 Anlage
Abbildung 1: Grundmuster der Projektmethode nach Karl Frey 1
1 Frey, K (1998): 77
Arbeit zitieren:
Benedikt Borker, 2008, Projektarbeit an Schulen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Politik als Beruf, Macht als Berufung
Der "Berufspolitiker"...
Politik - Internationale Politik - Thema: Sonstiges
Zwischenprüfungsarbeit, 35 Seiten
Auf dem Weg zum Team - Planung, Durchführung und Reflexion eines Train...
Examensarbeit, 70 Seiten
Produktiver Umgang mit einer Kurzgeschichte - Theoretische und praktis...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 16 Seiten
Outsourcing von Informationsmanagement - Gestaltung der Kommunikation ...
Diplomarbeit, 122 Seiten
Die Themenzentrierte Interaktion in der Schule - Wie wichtig ist die ...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Seminararbeit, 23 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Themenzentrierte Interaktion in der Erwachsenenbildung
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 32 Seiten
Edgar Allan Poe - Wahn und Wirklichkeit in ausgewählten Kurzgeschichte...
Hausarbeit, 26 Seiten
Klootschießen - Geschichte, Organisation und Wettkampf
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Zu: Georg Büchners "Woyzeck" - Interpretation zweier Szenen ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 30 Seiten
Lernen an Stationen zur Erarbeitung des Wortschatzes im Themenbereich ...
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 23 Seiten
Verbesserung der allgemeinen Ausdauerfähigkeit durch spielerische Übun...
Sport - Sportarten: Theorie und Praxis
Unterrichtsentwurf, 25 Seiten
Sozialisation in der Peer-Group I: Zur Sozialisatorischen Bedeutung de...
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit, 18 Seiten
Zur Kommunikationslosigkeit in Georg Büchners „Woyzeck“
Die Sprachlosigkeit der Hauptf...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 22 Seiten
"Beschreibung und Klassif zierung von Vorlagenarten für die digit...
3. Unterrichtsbesuch Drucktech...
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Zur Gestalt und Programmatik der Pädagogik im Zeitalter der Globalisie...
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Benedikt Borker's Text Projektarbeit an Schulen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Benedikt Borker hat den Text Projektarbeit an Schulen veröffentlicht
Benedikt Borker hat einen neuen Text hochgeladen
Drei Jahre Schul Soziale Arbeit zur Gestaltung einer gesunden und erfo...
Abschlussbericht zu einem Koop...
Kooperationsmodelle zwischen Sozialer Arbeit und Schule
Ressourcen entdecken - Bildung...
Wolfgang Geiling, Daniela Sauer, Sibylle Rahm
Soziale Arbeit nach dem Sozialpädagogischen Jahrhundert
Positionsbestimmungen Sozialer...
Birgit Bütow, Karl August Chassé, Rainer Hirt
Sozialer Ausschluss und Soziale Arbeit
Positionsbestimmungen einer kr...
Roland Anhorn, Frank Bettinger, Johannes Stehr
Basiswissen Soziale Arbeit. Lebensalter und Soziale Arbeit. 6 Bände
Bd.1:Eine Einführung. 2:Kindhe...
Hans Günther Homfeld, Jörgen Schulze-Krüdener, Thomas Swiderek, Michael Galuske, Sven Stiehler, Ute Karl
Soziale Arbeit im Dialog gestalten
Theoretische Grundlagen und me...
Hans Ullrich Krause, Regina Rätz-Heinisch
0 Kommentare