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Pers önlicher Zugang 1
I Theoretische Grundlagen 2 - 22
1. Krisenintervention - Ein kurzer historischer Rückblick 2 - 3
2. Definition und Arten von Krisen 3 - 12
2.1 Wie und wann entsteht eine Krisen - Situation ? 3 - 8
2.2 Was bedeutet die Krise für den Klienten ? 8 - 9
2.3 Psychosoziale Krisen: Die am häufigsten vorkommenden Krisen 9 - 12
2.3.1 Traumatische Krise 9 - 11
2.3.2 Klassische Krise 11
2.3.3 Soziale Krise 11 - 12
3. Definition und Dauer der Krisenintervention 12 - 13
4. Ziele der Krisenintervention im Rahmen einer psychosozialen Krise 13 -14
5. Organisation der Krisenintervention 14 - 16
6. Krisenkonzepte 16 - 22
6.1 Phasen- und aufgabenbezogene Konzepte 16
6.2 Zweifaktorenkonzept 17
zur Bewältigung von Entwicklungsproblemen
6.3 Ressourcenkonzept 18
6.4 Stress - Coping - Konzept / 18- 20
Bew ältigungsstrategien
6.5 Kognitive Konzepte 20
6.6 Konzept - Kritische Lebensereignisse 21-22
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II Sozialarbeiterische Praxisfelder 23-41
1. Krisenintervention unter dem besonderen Aspekt der Arbeitslosigkeit 23
mit Bedeutung einer Überschuldung
2. Fallbeispiel: „Arbeitslosigkeit und Überschuldung“ 23-25
2.1 Bedeutung der Arbeitslosigkeit für den Klienten 25-26
2.2 Bedeutung der Überschuldung für den Klienten 27-28
2.3 Klientenzentrierte Gesprächsführung 28-29
2.4 Der erste Kontakt mit dem Klienten - Herr Kunert - 29-31
2.5 Anamnese 31-33
2.5.1 Gesellschaftlicher Status - Familiengefüge 31
2.5.2 Beruflicher Status 31-32
2.5.3 Rollenanspruch - bzw. verständnis 32
2.5.4 Existenzfurcht / Identitätskonflikte 33
2.6 Hypothesenbildung bzw. Diagnose 33-35
2.6.1 Folgen der Arbeitslosigkeit - Resignation 33-34
2.6.2 Soziales Umfeld - Mangelnde Partizipation 34
2.6.3 Finanzielle Konflikte - Verzweiflung 34-35
2.6.4 Selbstbild, Wertevorstellungen, Rollenbild 35
2.7 Prognose / Zielformulierungen 36-39
unter Verwendung des Coping-Konzeptes
2.7.1 Hoffnung, Perspektiven / Soziale Beziehungen 36-38
2.7.2 Selbstbild - Rollen- bzw. Werteverständnis 38-39
2.8 Hilfeplan für den Klienten - Herrn Kunert 39-41
III - Fazit / Ausblick - 41-42
Literaturverzeichnis
Anhang
Persönlicher Zugang
Während meiner Praktikantenzeit begegneten mir sehr oft Menschen, alte Menschen, deren letzter Umzug in ein Seniorenheim bevorstand, Langzeitarbeitslose oder gerade arbeitslos gewordene Klienten in einer Arbeitslosenberatungsstelle, die um ihre Existenz kämpfen mussten, aber auch Patienten und Angehörige im Krankenhaus, die aufgrund eines Todesfalles z.B. völlig hilflos und orientierungslos schienen. Kurz, Menschen, die alle zusammen eines gemeinsam hatten:
Sie alle befanden sich in einer Situation, die für sie vielleicht ausweglos erschien, an ihren Kräften zehrte, also eine enorm große Belastung für sie darstellte. Wie begegnet „man“ diesem Menschen in dieser Situation ? Womit kann ich diesem Menschen adäquat helfen ?
In vielen Situationen konnte ich nicht nur in meiner Eigenschaft als Praktikant, mein Mitgefühl, meine Trauer oder einfach nur mein Verständnis für diesen Menschen mitteilen. Erforderte das doch einfach diese Situation - Menschlichkeit eben, die keine besondere Fähigkeit abverlangt. Um aber professionell den Klienten in einer Beratung zu begegnen, ist es aber notwendig, klar abgrenzen zu können. Aufgrund meiner dargestellten Erfahrungswerte, ob als private Person oder in der beruflichen Praxis, habe ich mich deshalb entschlossen, meine Ausarbeitung erwachsenen Menschen zu widmen, die in ihrer belastenden Situation professionelle Hilfe zur Selbsthilfe erfahren sollen, die sie entlastet und ein Stück weit auf ihrem Lebensweg unterstützen soll - eben Krisenintervention bei Erwachsenen als sozialarbeiterisches Handlungsfeld.
Zum anderen möchte ich den Begriff der Krise aus verschiedenen Perspektiven heraus in meiner Arbeit erörtern. Denn ich denke, jeder von uns hat seine eigene Interpretation davon.
1
I Theoretische Grundlagen
1. Krisenintervention - Ein kurzer historischer Rückblick
Um den Begriff der Krisenintervention historisch hinterfragen zu wollen, muss zunächst geklärt werden, welcher Motivationsfaktor vorhanden war, bzw. besser ist, sich hiermit professionell auseinander zu setzen.
In den 40er Jahren bestand bei Lindemann, der Psychologie und Medizin studiert hatte in Deutschland, ein großes Interesse, psychische Störungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.
Er orientierte sich an den Zusammenhängen von zwischenmenschlichen Beziehungen und hypothetischen emotionalen Störungen, die für krisenhafte Situationen seiner Auffassung nach verantwortlich sein könnten. Er setzte sich daher mit unangepassten Trauerformen auseinander, die keinen Unterschied zu einer Erkrankung machten.
Im Verlauf seiner Forschungen, die psychischen Störungen rechtzeitig erkennen zu können, grenzte er die Trauer „als besondere Form des Rollenübergangs“ 1 ab und konzentrierte sich auf weitere soziale Veränderungssituationen. Lindemann führte das „Konstrukt des verletzlichen Individuums ein, bei dem der Übergang von einer Lebenslage zur anderen ( z.B. bei Trennung ) mit einer Krise verbunden sein kann.“ 2 Dieses Konstrukt halte ich damit für den Grundstein aller Kriseninterventionskonzepte, die nach Lindemann und einem weiteren Pionier, Caplan, im Wellesley-Projekt ( 1948 ) in den Vereinigten Staaten von Amerika ( bei Boston ) zum ersten Mal umgesetzt wurden. 3
Ein von Lindemann und Caplan initiierter gemeindenaher Gesundheitsdienst als klinische Institution richtete sein Tätigkeitsfeld neben sensibilisierenden Infrastrukturaufgaben ( z.B. Kriseninterventionsforschung, kommunale Beratung oder Planung, konsultative Angebote für andere Berufsgruppen etc.) auf folgende fünf Säulen: Wiederkehrende enge Betreuung ( 4-6 Wochen ) Die Familie sollte miteinbezogen und so als Ressource genutzt werden
1 Kunz, Stefanie, Scheuermann, Ulrike, Schürmann, Ingeborg, Krisenintervention, Ein fallorientiertes Arbeits-
buch für Praxis und Weiterbildung, S.165f, Juventa Verlag Weinheim und München, 2004
2 Kunz, Stefanie, Scheuermann, Ulrike, Schürmann, Ingeborg, Krisenintervention, Ein fallorientiertes Arbeits-
buch für Praxis und Weiterbildung, S.166, Juventa Verlag Weinheim und München, 2004
3 vgl. Kunz, Stefanie, Scheuermann, Ulrike, Schürmann, Ingeborg, Krisenintervention, Ein fallorientiertes Ar-
beitsbuch für Praxis und Weiterbildung, S.165f, Juventa Verlag Weinheim und München, 2004
2
Abhängigkeit sollte vermieden werden, mit dem Ziel sich auf die aktuellen Konflikte zu konzentrieren Bewältigungsförderung
Externe Unterstützung: Hierbei sollte der Mensch ermutigt werden, auch auf Hilfen aus seiner Umgebung zu erfahren und somit den Hilferadius erweitern zu können.
Zusammenfassend ließ sich dieses Projekt durch Prävention, Partizipation und multiprofessioneller Kooperation kennzeichnen.
Auch die Formulierung des Krisenbegriffes war neu und wird bis heute, wiederum geprägt von Lindemann, als kritisches Lebensereignis verstanden. Caplans Auffassung, dass Menschen in Krisensituationen als gesund zu bezeichnen wären, war aufgrund der kritischen Resonanz, ein wichtiger Impuls, die Krisentheorien weiter auszuarbeiten. 4
In diesem Kontext soll nun erörtert werden welche Kriterien eine Krise kennzeichnen.
2. Definition und Arten von Krisen
2.1 Wie und wann entsteht eine Krisen - Situation ?
Umgangssprachlich ist es jedem bewusst, schon einmal „eine Krise bekommen zu haben“. Doch wie definiert sie sich wissenschaftlich ?
Bedeutsam ist es, hier die lateinische und chinesische Definition zu vergleichen. Während ein gefährlicher Entwicklungshöhepunkt, eine Wende, sich dem lateinischen Ursprung nach ableitet, so wird die Krise aber auch lt. chinesischer Begrifferklärung als Chance verstanden. Prägend ist meiner Meinung nach aber auch die schlussfolgernde Gemeinsamkeit beider in der Wortfindung Entscheidung. 5 Denn befindet sich ein Klient in einer für ihn krisenhaften Situation, so muss er ( ob er dabei unterstützt wird oder aus eigener Kraft heraus ) neue Weichen stellen.
4 vgl. Kunz, Stefanie, Scheuermann, Ulrike, Schürmann, Ingeborg, Krisenintervention, Ein fallorientiertes Ar-
beitsbuch für Praxis und Weiterbildung, S.165f, Juventa Verlag Weinheim und München, 2004
5 vgl. http://www.krise-als-entwicklungschance.de/seite-2.html ( gelesen am 26.02.07, 15:40 Uhr )
3
Anhand folgender Definitionsansätze lässt sich leicht ableiten, dass es keine eindeutige und verallgemeinernde Defintion hierfür geben kann, zumal schon zum Zeitpunkt des Wellesley-Projektes der Begriff der Krise als Sammelbegriff verwendet wurde.
Schenkt man Caplan´s Thesen die notwendige Bedeutung, so versteht man unter Krise „eine akute Überforderung eines gewohnten Verhaltensrepertoires durch belastende äußere und innere Erlebnisse.“ 6 Der Gehalt dieser Aussage wäre hier als Stress-Situation zu bezeichnen.
Nach Ulich ist eine Krise „ein belastender, temporärer, in seinem Verlauf und seinen Folgen offener Veränderungsprozess der Person, der gekennzeichnet ist durch eine Unterbrechung der Kontinuität des Erlebens und Handeln, durch eine partielle Desintegration der Handlungsorganisation und eine Destabilisierung im emotionalen Bereich mit dem zentralen Merkmale des Selbstzweifels.“ 7
Damit will er zum Ausdruck bringen, dass die in einer Krise befindliche Person sich im Gegensatz zur einer Stress-Situation ( beispielsweise Prüfungsangst) ganzheitlich einbezogen wird. Angst und Zweifel stehen dann im Mittelpunkt, im Gegensatz zur Stress-Situation, die von einer gewissen Hilflosigkeit geprägt ist. Unter Einbeziehung der vorangegangenen Thesen, stimme ich mit der Aussage von Ciompi überein, dass die herausragenden Merkmale einer Krise sich in ihrem unvermuteten, schnell eintretenden Charakter darstellen und somit etwas bedrohliches birgen. Hierdurch folgen nach Ciompi kennzeichnende psychische Gleichgewichtsschwankungen und machen den Betroffenen leicht beeinflussbar. 8 Die Krisenanlässe lassen sich anhand aller aufgeführten Thesen folglich in zwei Arten von Lebensereignissen einstufen: 9
Verlust einer nahestehenden Person, die durch einen tragischen Unfall ver-storben ist, oder zum Opfer eines Gewaltverbrechens ( beispielsweise ein Autounfall, Kindesmisshandlung etc.) fiel.
6 Kunz, Stefanie, Scheuermann, Ulrike, Schürmann, Ingeborg, Krisenintervention, Ein fallorientiertes Arbeits-
buch für Praxis und Weiterbildung, S.167, Juventa Verlag Weinheim und München, 2004
7 Kunz, Stefanie, Scheuermann, Ulrike, Schürmann, Ingeborg, Krisenintervention, Ein fallorientiertes Arbeits-
buch für Praxis und Weiterbildung, S.167, Juventa Verlag Weinheim und München, 2004, vgl. Ulich ( 1985 )
8 vgl. Kunz, Stefanie, Scheuermann, Ulrike, Schürmann, Ingeborg, Krisenintervention, Ein fallorientiertes Ar-
beitsbuch für Praxis und Weiterbildung, S.167, Juventa Verlag Weinheim und München, 2004
in Ciompi, S.16, 1993
9 vgl. Dross, Margret, Krisenintervention, S.12, Hogrefe-Verlag für Psychologie,
Göttingen-Bern-Toronto-Seattle, 2001
4
Auch eine schwere Verletzung oder Erkrankung kann in diesem Kontext ebenso angeführt werden, wie z.B. ein Auszubildender, Student, der keine Chance mehr hat, seine Prüfung zu wiederholen. Zum anderen liegt dem Krisenanlass aber auch eine Bedrohung oder Über-forderung zugrunde, die sich beispielsweise zeigen kann in:
Betrachten wir diese beiden Krisenauslöserarten, so darf nicht vergessen werden, dass z.B. in der Situation eines ausländischen Bürgers, aufgrund einer drohenden Ausweisung, der Heimatverlust, als beide Krisenanlässe umschließender Auslöser verstanden werden muss. Denn diese Situation kann für ihn nicht vorhersehbar gewesen sein und er muss neuen Zielen entgegensteuern, die nicht unbedingt seiner Motivation entsprechen.
Wir stellen bei diesen Definitionsansätzen also fest, dass es keine eindeutigen Fakten geben kann, einen Krisenanlass hinreichend zu beschreiben. „Denn der empfundene Grad der Belastung und Bedrohung variiert inter-und intraindividuell je nach Anlass extrem. Krisenauslöser ermöglichen also keine Voraussage über die je individuelle Reaktion.“ 11
Neben den bereits aufgeführten Gesichtspunkten einer sich entwickelnden Krise kann aber auch ein bestimmtes Ereignis, das Erinnerungen an früher zurückliegende Erlebnisse aufleben lässt, ebenso ein Auslöserindiz offenbaren. Festzustellen ist jedoch nach Dr. Sigrun-Heide Filipp, dass sich, je mehr Auslösermerkmale zugrunde liegen, eine Krise einstellen kann.
10 vgl. Dross, Margret, Krisenintervention, S.12, Hogrefe-Verlag für Psychologie,
Göttingen-Bern-Toronto-Seattle, 2001
11 Dross, Margret, Krisenintervention, S.12, Hogrefe-Verlag für Psychologie,
Göttingen-Bern-Toronto-Seattle, 2001
5
Damit ist, je nach Bewältigungskompetenz des Klienten, die Notwendigkeit einer Krisenintervention gegeben. 12
Wenn auch alle Krisenauslöservarianten bisher nur einen negativen Stellenwert aufzeigten, so ist aber auch anzumerken, dass unter dem Focus der entwicklungspsychologischen Perspektive aufgrund von Lernen und Wachstum eine positive Relevanz zu bemerken ist.
Doch dies würde nicht meinem Themenbereich - Krisenintervention bei Erwachsenen - sondern eher dem Kindes - bzw. Jugendalter entsprechen. An dieser Stelle ist ein statistischer Altersvergleich der Berliner Krisenstudie 2003/04 erwähnenswert, der die freiwillige Teilnahme von Klienten an den Datenerhebungen berücksichtigt. Hierbei wurde festgestellt, dass gerade Klienten im mittleren Erwachsenenalter ( zwischen 40 und 50 Jahre ) den Krisendienst häufig nutzten. 13
Wird der Focus hier entwicklungspsychologisch gesetzt, so ist zu bemerken, dass diese Phase die individuelle persönliche Wahrnehmung von der Qualität der Beziehungen ( z.B. Lebenspartner ) und Karriere charakterisiert. Das Bewusstsein, nicht mehr jung und auch nicht alt zu sein, ist hier ebenso bedeutend, zumal z.B. der Verlust von nahen Angehörige auf das eigene Alter, Aufschluss geben kann. In diesem Zusammenhang kann eine rückblickende Biographie erfolgen. In Abhängigkeit dieser erfolgreich oder weniger günstig verlaufenen Erlebnisinhalte besteht hier aber auch die Gefahr einer geringeren Frustrationstoleranz. 14 Bedeutungsvoll im Zusammenhang dieses Kapitels ist das Selbstkonzept nach Rogers anzuführen.
Denn wie geht der Klient mit Konflikten um ? Wie erlebt er unangenehme Ereignisse ?
Hat er die Fähigkeit, das Selbstwertgefühl bzw. Selbstvertrauen, seine Konflikte und unangenehme Ereignisse leichter anzunehmen, zu verbalisieren ? Denn das Selbstwertgefühl spiegelt ein Konstrukt wider, das sich in der Summe mehr oder weniger positiver Bewertungen über sich selbst darstellt.
12 vgl. Kunz, Stefanie, Scheuermann, Ulrike, Schürmann, Ingeborg, Krisenintervention, Ein fallorientiertes Ar-
beitsbuch für Praxis und Weiterbildung, S.169, Juventa Verlag Weinheim und München, 2004
13 vgl. http://userpage.fu-berlin.de/~cpreimer/BKD.Begleitforschung.Abschlussbericht.Bd2.pdf S.23f
( gelesen am 31.03.07, 17:12 Uhr )
14 vgl. Zimbardo, Philip G., Gerrig Richard J., Psychologie, S.496f, 7.Auflage, Springer-Verlag, Berlin Heidel-
berg New York, 2003
6
Arbeit zitieren:
Bernd Sänger, 2007, Krisenintervention bei Erwachsenen als sozialarbeiterisches Handlungsfeld, München, GRIN Verlag GmbH
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