Gliederung
S e i t e
1. Einleitung 3
2. Die Akademie der Wissenschaften in Petersburg 4
2.1. Die Ausgangssituation und Gründungspläne für die Akademie 4
2.2. Der Aufbau der Akademie 8
2.3. Die Organisation der Akademie 8
2.4. Die wissenschaftlichen Forschungen innerhalb und außerhalb
akademischer Grenzen’ 11
2.5. Die strukturellen Unterschiede zu anderen Akademien 13
3. Schlussbetrachtung 14
4. Literaturverzeichnis 15
2
1. Einleitung
Im Rahmen der Hausarbeit soll ein Rückblick auf die Geschichte der russischen Akademie der Wissenschaften (russ. JhkkbckdZy ZdZ^_fby gZmd, kurz PAH) in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgen. Hierbei sollten die verschiedenen Aspekte der Entwicklungsetappen beginnend mit den Gründungsplänen, dem Aufbau, der Bildung, den wissenschaftlichen Tätigkeiten und den Verbindungen der Akademie der Wissenschaften zu anderen wissenschaftlichen Akademien Berücksichtigung finden. Mit der Akademie in Petersburg wurde im Jahre 1724 die älteste wissenschaftliche russische Institution geschaffen, die nicht so recht dem ursprünglichen Akademiegedanken entsprechen sollte:
„Gymnasium, Universität und Akademie - nimmt man das klassische Modell der Aufgabentrennung bei institutioneller Trennung zum Maßstab, so mußte sich zwangsläufig ein Postulat ergeben, das wir aus der Literatur gut kennen und mit Bereitwilligkeit zu akzeptieren gewohnt sind: Peter, so lesen wir ungefähr von Kunik 1 bis Winter 2 , habe um 1725 der kulturellen Rückständigkeit Rußlands Rechnung tragen müssen, das nicht oder kaum über kapable Personen für das höhere wissenschaftliche Fach verfügte, und deshalb eine für das übrige Europa nicht recht verständliche Mischform von Universität und Akademie gestiftet, ohne institutionelle Trennung, mit Personalunion der Akteure und deren Verpflichtung auf Lehraufgaben, die sich sogar bis ins Gymnasium illustre hinunter erstrecken sollten oder zumindest konnten. 3 “ 4
1 Arist Aristoviþ Kunik [1814-1899], Cornelia Buschmann, Akademie und Universität: Zwei Seiten einer Idee, in: Gabriela Lehmann-Carli/Michael Schippan/Birgit Scholz/Silke Brohm (Hrsg.), Russische Aufklärungsrezeption im Kontext offizieller Bildungskonzepte (1700-1825), Berlin 2001, S. 169, (im Folgenden zit.: C. Buschmann, Akademie und Universität: Zwei Seiten einer Idee, in: G. Lehmann-Carli (Hrsg. u. a.), Russische Aufklärungsrezeption, 2001).
2 Eduard Winter [1896-1982], in: Ebenda.
3 Vgl. E. Winter, Halle als Ausgangspunkt der deutschen Rußlandkunde im 18, Jahrhundert, Berlin 1953, S. 161 und 180, in: Ebenda.
4 Ebenda.
3
2. Die Akademie der Wissenschaften in Petersburg
2.1. Die Ausgangssituation und Gründungspläne für die Akademie
Die Beschreibung der Ausgangssituation erfordert eine Retrospektive auf das Ende des 17. Jahrhunderts. Bereits zu dieser Zeit bestand in Russ-land die Notwendigkeit Bildung zu verbreiten. So war es nicht verwunderlich, dass gerade die Zahl von privaten und öffentlichen Schulen anstieg und Bibliotheken entstanden. Doch das niedrige Bildungsniveau, der Mangel an Lehreinrichtungen mit den entsprechenden Fachleuten verhinderten, dass das Wissen und somit die Entfaltung der Wissenschaft schnell vermittelt werden konnte. Diese ökonomische und politische Entwicklung, die im 17. Jahr-hundert in Russland begonnen hatte, schuf die Basis, die mit Beginn des 18. Jahrhunderts den Feudalstaat unter Peter I. festigen sollte. Grundlegende innere kulturelle Reformen sollten zur Überwindung der Rückständigkeit Russlands beitragen und gleichzeitig seine außenpolitische Stellung stärken. 5 In den Vorgaben Peters I. schien der Einbezug der Wissenschaft in den Dienst der Wirtschaft unausweichlich, damit die Staatsfestigung nach seinen Vorstellungen realisiert werden konnte. Zahlreiche Reisen Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts durch Europa u. a. Frankreich und England ließen in Peter den Wunsch entstehen in Russland eine Akademie zu gründen, die sich vorerst im Sinne europäischer Ansichten etablieren sollte. Das Ziel war es, die Anschauungen Peters und seiner Berater mit den Hinweisen ausländischer Gelehrter und korrespondierenden Partnern zu vereinen und darauf basierend die Akademie zu planen. 6
5 Siehe ausführlicher dazu: G. D. Komkov/B. V. Levšin/L. K. Semenov, Geschichte der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Berlin 1981, S. 39, (im Folgenden zit.: G. D. Komkov/B. V. Levšin/L. K. Semenov, Geschichte der Akademie, 1981).
6 Siehe hierzu grundlegend: Kopeleviþ, Ju. Ch., Osnovanie Peterburgskoj Akademii Nauk. Leningrad 1977, sowie Stieda, W., Die Anfänge der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, in: Jahrbücher für Geschichte und Kultur der Slaven NF 2 (1926) 2, S. 133-168, in: Jan Kusber, Eliten- und Volksbildung im Zarenreich während des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - Studien zu Diskurs, Gesetzgebung und Umsetzung, Wiesbaden 2004, Band 65, S. 57. (im Folgenden zit.: J. Kusber, Eliten- und Volksbildung im Zarenreich, 2004).
4
„I_lj <_ebdbc m`_ ^Z\gh aZ^mfZe mqj_^blv \ k\h_c bfi_jbb ZdZ^_fbx gZmd gZih^h[b_ l_o, h[jZapu dhlhjuo, ^hklhcgu_ ih^jZ`Zgby k _]h klhjhgu, hg \b^_e \ IZjb`_, Ehg^hg_, ;_jebg_. […]. Km^v[Z g_ ^ZeZ _fm ^h`blv ^h bkiheg_gby _]h aZfukeZ. H^gZdh hg ihaZ[hlbeky h k\h_f gZjh^_, dhlhjhfm kj_^b klhev fgh]bo \\_^_gguo I_ljhf mkh\_jr_gkl\h\Zbc g_^hklZ\Zeh lhevdh wlh]h: qlh[u lZd`_ b ]em[hdh_ gZmqgh_ agZgb_ jZa\behkv b ijhqgh mdhj_gbehkv gZih^h[b_ lh]h, dZd wlh m`_ bf_eh f_klh \ =_jfZgbb, NjZgpbb, :g]ebb b.l.^. b l.i. Ijb wlhf hg aZ[hlbeky b h lhf, qlh[u mqj_`^_gb_ :dZ^_fbb ijbg_keh _]h ih^^Zgguf dZd fh`gh [he__ ihevau.“ 7
Das starke Interesse Peter I. am Westen in den wissenschaftlichen, technischen und künstlerischen Bereichen verstärkte die Tendenz nach europäischem Muster und Peter wusste um die Notwendigkeit dieser Kenntnisse. Gerade Treffen mit europäischen Wissenschaftlern und Gelehrten sollten zum Gelingen seines Vorhabens entscheidend beitragen. Er versuchte u. a. in Gesprächen mit Gottfried Wilhelm Leibniz und Christian Wolff die Bildung der Akademie zu thematisieren. 8 Letzt genannter beschrieb seine Vorstellung eines Akademiekonzeptes wie folgt:
„Einmahl soll sie die Wissenschaften und Künste […] in größere Aufnahme bringen; darnach auch dieselben durch neue Erfindungen vermehren […]. Damit sie nun die erste Absicht erreiche; so muß sie alle Wahrheit sammlen, die entweder in öffentlichen Schrifften, oder auch unter Leuten von allerley Stande und Profeßionen anzutreffen, 2. sie mit gehöriger Schärfe, auch tüchtigen Proben untersuchen und 3. was in dieser Untersuchung richtig befunden worden, in gehörige Ordnung bringen, das ist, mit einander verknüpffen. Um der anderen Absicht
7 =. N. Fbee_j, Ba[jZggu_ ljm^u, Fhkd\Z 2006, S. 490 f., (im Folgenden zit.: =. N. Fbee_j, Ba[jZggu_ ljm^u, 2006).
8 G. D. Komkov/B. V. Levšin/L. K. Semenov, Geschichte der Akademie, 1981, S. 42.
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Arbeit zitieren:
Christian Böttger, 2007, Die Akademie der Wissenschaften in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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