Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 3
II. Das „Algerienjahr 2003“ 6
III. Quelleninterpretation 8
IV. Fazit. 12
Quellen 13
Literatur. 13
2
I. Einleitung
Die Kolonialgeschichte Frankreichs reicht bis in die nahe Vergangenheit. Mit dem Abkommen von Evian 1962 und dem damit verbundenen Verlust Algeriens ging sie zuende. Mit Algerien ging für Frankreich aber nicht nur eine Kolonie verloren, die eine wichtige Einnahmequelle war, sondern auch ein Teil Frankreichs. Algerien war im französischen Parlament mit zwei Departements vertreten und somit ein Teil Frankreichs. Das Land wurde hart umkämpft und Frankreich versuchte mit allen Mitteln Algerien zu halten. Der Krieg ging als einer der grausamsten in die Geschichte ein. Dieser Umstand hat dazu beigetragen, dass er bei den französischen Regierungen nach der Niederlage so wenig Beachtung fand. Nichts desto trotz gab es eine breite Öffentlichkeit, die schon während des Krieges eine Opposition zu der Haltung der Regierung bildete. Henri Alleg´s „la Question“ macht 1958 den Anfang. Es folgten bald weitere. Die durch diese Literatur bereits früh in Angriff genommene Aufklärung der zuhause gebliebenen über die Gräuel, die in Algerien geschehen waren und immer noch geschahen, wurde von der offiziellen Seite dementiert. Die Schuldigen rechtfertigten sich in eigenen Werken, wie z.B. der General Jacques Massu oder auch sein Untergebener Paul Aussaresse. Sie rechtfertigten die Folter im Algerienkrieg als legitimes Mittel 1 .
De Gaulle hat nie kriegsähnliche Handlungen in Algerien eingeräumt, sondern diese immer als „Operation zur Aufrechterhaltung der Ordnung“ bezeichnet. Sein Nachfolger aus dem sozialistischen Lager, Francois Mitterand, betrieb eine Politik des „nationalen Ausgleichs“ und konnte deshalb den Krieg auch nicht als einen solchen anerkennen.
Chirac betrieb seitdem er Präsident Frankreichs geworden war eine Annäherungspolitik gegenüber Algerien. Er, welcher 1956 - 1958 selbst in Algerien gedient hatte, empfing im Jahr 2000 den ehemaligen algerischen Freiheitskämpfer und jetzigen Präsidenten von Algerien, Abdelaziz Bouteflika in Frankreich. Seit 1962 arbeitet der Gaullist Chirac in der französischen Regierung. Er wurde von Pompidou in die Regierungsaufgaben eingeführt und 1974 selbst zum Premierminister ernannt. 1986 wurde er unter Mitterand ein weiteres mal Premierminister, gab das Amt aber wegen unüberwindlichen Differenzen auf.
1 Jacques Massu, La vraie bataille d’Alger, o.O., 1971.
3
1995 erklärt Chirac, er wolle der arabischen Politik Frankreichs eine „wesentliche Dimension“ in der Außenpolitik einräumen, dies würde er in Treue dessen Begründers Charles de Gaulle tun. 2 Damit legte er offen welchen Kurs er einschlagen würde und auch in wessen Tradition.
Im Jahr 2000 sorgte ein Artikel in der Zeitung „Le Monde“ für aufsehen, indem Louisette Ighilahriz, eine ehemalige FLN Kämpferin, von ihren Foltererfahrungen in der Gefangenschaft der Truppe Jacques Massus berichtete. Das darauf folgende öffentliche Geständnis und Reuebekenntnis Massus wird ihm von vielen Franzosen hoch angerechnet. Nach diesen Ereignissen ging Chirac das Problem an und begann eine Bewältigungspolitik ins Leben zu rufen. Im Juli 2000 erklärte Chirac die Harkis 3 , die vom algerischen Präsidenten gerade noch als Kollaborateure bezeichnet wurden, zu voll anerkannten Franzosen. Das stand im Kontrast zur früher praktizierten Politik im Umgang mit der Harkifrage. Es gehört zu einer Reihe von Zugeständnissen die Chirac den Harkis in Anerkennung ihrer Dienste während des Algerienkrieges macht. Am 5. 12. 2002 eröffnet Chirac ein Kriegerdenkmal, das die Harkis ins Gedenken mit einschließt, neben 23000 französischen Soldaten werden hier auch die Namen von 3000 Harkis aufgelistet. Im Jahr 2002 wird in Frankreich ein „Algerien Jahr“ zur kulturellen und politischen Annäherung der beiden Länder ausgerufen. Für die Quelleninterpretation habe ich die Rede vor der Communauté Française ausgesucht, da diese eine doppelte Problematik für Chirac aufwirft. Unter den Anwesenden in der Botschaft sind Franzosen die längere Zeit in Algerien leben und teilweise auch die doppelte Staatsbürgerschaft innehaben. Manche von ihnen haben ihre Wurzeln in Algerien und haben das Land nie oder nur kurz verlassen. Die Piedsnoirs, wie die in Algerien lebenden Franzosen genannt werden, waren mitunter die aggressivsten Verfechter der französischen Herrschaft in Algerien, da an ihr oft ihre gesamte Existenzgrundlage hing. Vor 1962 waren ungefähr 80% der Industrie, Banken und Versorgungsbetriebe und ungefähr 40% der landwirtschaftlichen Betriebe in ihrer Hand. Sie stellten ein Gros der Unternehmer, Techniker, Facharbeiter, Ärzte und Lehrer.
2 Michaela Wiegel, Frankreichs „große arabische Politik“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung,
9.11.2004, S.1.
3 Harkis waren Algerier, die während des Krieges für Frankreich kämpften. Nach dem Krieg wurden
sie zuerst nicht zusammen mit den französischen Soldaten nach Frankreich geholt sondern waren nun
algerische Staatsbürger. In Algerien wurden sie verfolgt und zu Tausenden in Vergeltungsmaßnahmen
hingerichtet.
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Arbeit zitieren:
Friedo Scharf, 2004, Quelleninterpretation zur Ansprache Jacques Chiracs vor der Französischen Gemeinschaft in Algerien (3.3.2003), München, GRIN Verlag GmbH
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