Inhaltsverzeichnis
1 München im Nationalsozialismus als didaktische Herausforderung 3
2 Das Konzept des „ThemenGeschichtsPfads“ 4
2.1 Die Stationen des „ThemenGeschichtsPfades“ 5
2.2 Didaktische Analyse 8
3 Verortung des Themas im bayerischen Lehrplan 11
3.1 Thema Nationalsozialismus in der 9. Jahrgangsstufe 11
3.2 Thema Nationalsozialismus in der 11. Jahrgangsstufe 12
3.3 Auswahl der Lernziele, Entscheidung für eine Jahrgangsstufe 13
3.4 Methodenanalyse 14
3.4.1 Auswahl didaktisch sinnvoller Orte 15
3.4.2 Auswahl der Methoden 15
3.4.3 Die Exkursion im Detail 17
3.4.3.1 Feldherrnhalle 17
3.4.3.2 Haus der Kunst 17
3.4.3.3 „Führerbau“ 18
3.4.3.4 Verwaltungsbau 18
3.5 Nachbereitung der Exkursion 18
4 Literaturnachweis 20
2
1 München im Nationalsozialismus als didaktische Herausforde-rung
Diese Arbeit hat ein im Februar gehaltenes Referat zur Grundlage. Aufgabe war es, das Thema „München im Nationalsozialismus“ im Zusammenhang mit der Erschließung historischer Orte darzustellen. Dabei versuchten wir, die unserer Meinung nach wichtigsten Orte innerhalb einer zweistündigen Exkursion zu behandeln. Grundlage dafür war der sogenannte „Themen-GeschichtsPfad“ der Stadt München.
Nun soll analysiert werden, inwiefern diese vorgegebene Route für den Schulgebrauch sinnvoll übernommen werden kann, wo die Stärken und Schwächen des Konzepts, vor allem in Bezug auf die Schulpädagogik liegen. Dabei sollen allerdings die Bereiche der Erwachsenenbildung, aber auch des „gewöhnlichen“ Tourismus nicht völlig außer Acht gelassen werden. Im praktischen Teil dieser Arbeit soll eine Exkursion auf Grundlage der Lernziele des „G-8“-Lehrplanes konzipiert werden, wobei zunächst der Sinn einer Vor-Ort-Besichtigung geklärt werden soll. Da historische Orte Veränderungen ausgesetzt sind, begegnen uns viele der nennenswerten Stätten in stark verändertem Kontext, was an ihrem Wert für eine Exkursion teils zweifeln lässt. Eindrucksvollstes Beispiel hierfür ist der Königsplatz, der uns heute (beinahe) in seinem klassizistischen Gewandt des 19. Jahrhunderts empfängt. Seine Funktion als nazistische Kultstätte lässt sich heute nur noch mit (schwarz-weiß-)Bildern dokumentieren. Hier ist zu klären, ob dies nicht sogar im Klassenraum eindrucksvoller geschehen kann und welche Gründe vielleicht doch eine für Begehung des Königsplatzes sprechen. Eine Abwägung zwischen den Vorteilen der Exkursion („authentisches Lernen“ und Anschaulichkeit) und den unleugbaren Nachteilen (Zeit- und Kostenaufwand) muss hier für nahezu jedes einzelne Objekt unserer Route erfolgen.
Zudem hat die von unserer Gruppe „klassisch“ durchgeführte Führung gezeigt, dass diese Methode selbst bei motivierten Studenten Langeweile erzeugt und daher als unfruchtbar für Schüler eingestuft werden kann, da es sich hierbei um eine Wiederherstellung von Lehrervortrag und Frontalunterricht am historischen Ort handelt. In die Methodenauswahl soll daher nicht nur Sorgfalt, sondern vor allem Phantasie investiert werden. Selbstverständlich verlangen Vor- und Nachbereitung der Exkursion eine besondere Berücksichtigung, schließlich entfaltet eine gelungene Exkursion erst im Klassenzimmer ihre Wirkung.
3
2 Das Konzept des „ThemenGeschichtsPfads“
Der „ThemenGeschichtsPfad“ ist Bestandteil einer übergreifenden Initiative der Stadt München, den sogenannten „KulturGeschichtsPfaden“. Ziel ist es, das gesamte Gebiet der Stadt durch historische Rundgänge zu erschließen. Bislang sind solche für die folgenden Stadtteilen entworfen worden: Au-Haidhausen, Neuhausen-Nymphenburg, Pasing-Obermenzing, Laim. 1 Der „ThemenGeschichtsPfad“ lässt sich auf drei Arten erschließen: Die Route kann anhand einer Broschüre, erhältlich z. B. bei der Touristen-Information am Marienplatz, mittels eines pdf-Dokuments, das von drei Websites herunter geladen werden kann 2 , sowie via MP3-Player, nachdem man Audio-Dateien von einer der oben genannten Websites herunter geladen hat 3 . Die Broschüre wurde gemeinsam vom Kulturreferat und dem Stadtarchiv erarbeitet. 4 Das Konzept wurde im Juli 2006 präsentiert vorgestellt und steht in Verbindung mit der Planung eines „NS-Dokumentationszentrums“, dessen Gründung ein Grundsatzbeschluss des Bayerischen Landtages im März 2002 vorsieht 5 . Am 21. Juli 2007 wurde eine englische Version des „ThemenGeschichtsPfades“ vorgestellt worden. Damit soll ermöglicht werden, dass sich des Englischen mächtige Touristen selbstständig mit der Geschichte des Nationalsozialismus in München beschäftigen.
Das Konzept eines Geschichts-Pfades geht auf die in den 1930er Jahren in den USA eingeführten historical trails, wie z.B. den Freedom Trail in Boston, zurück. 6 Bernd Hey stellt für die „seit Jahren“ populär gewordenen Geschichtspfade fest, dass sich diese bevorzugt mit Themen beschäftigen, die nicht zu den „touristischen Gipfeln“ der jeweiligen Stadt zählen. 7 Dies trifft unbestritten auch für das Münchner Konzept zu. Eine weitere Eigenheit der deutschen Adaption des historical trails ist der Versuch, die „große“ Geschichte auf lokale Ebene zu holen.
1 Broschüre zum „ThemenGeschichtsPfad“, S. 2.
2 http://www.muenchen.de/ns-dokumentationszentrum, http://www.muenchen.de/kgp, http://www.nsdokumentationszentrum-muenchen.de .
3 In der Hörversion finden sich zusätzlich Erinnerungen und Aussagen von Zeitzeugen, Experten und Menschen, die sich in besonderer Weise mit dem Thema „Nationalsozialismus in München“ beschäftigen.
4 Verantwortlich zeichen: Dr. Angelika Baumann, Ursula Saekel M.A. (Kulturreferat), Dr. Andreas Heusler (Stadtarchiv).
5 Im November 2005 ist die Standortfrage des Dokumentationszentrums geklärt worden: Der Freistaat Bayern stellt das Gelände des sogenannten „Braunen Hauses“ an der Arcis-/Ecke Brienner Straße zur Verfügung. Quelle: http://www.muenchen.de/Rathaus/kult/museen/nsdokumentationszentrum/134637/erinnerung.html , Download vom 24.7.2007.
6 Bernd Hey: Exkursionen, Lehrpfade, alternative Stadterkundungen. In: Bergmann 1997, S. 729 f.
7 Ebd.
4
2.1 Die Stationen des „ThemenGeschichtsPfades“
Der „ThemenGeschichtsPfad“ beginnt auf dem Marienplatz. Textlich wird darauf eingegangen, dass München 1935 der „Titel“ „Hauptstadt der Bewegung“ und „Hauptstadt der deutschen Kunst“ verliehen wurde. Die besondere Rolle Münchens beim Aufkommen des Nationalsozialismus wird erläutert, was mit Fotos von der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Göring 1943, gehissten Hakenkreuzfahnen am Neuen Rathaus sowie vom Münchner Stadtwappen der Jahre 1936-1945 veranschaulicht wird. Das Alte Rathaus ist gesondert auf der Karte markiert, weil von dort Propagandaminister Joseph Goebbels zur „Reichspogromnacht“ 1938 aufgerufen hat.
Von dort aus führt die Route über die Kardinal-Faulhaber-Straße und Prannerstraße zum Max-Joseph-Platz. Es wird auf das Bodendenkmal für Kurt Eisner und dessen Rolle in der Novemberrevolution von 1918 und der Münchner Räterepublik eingegangen. Dass sich der ehemalige Bayerische Landtag in der Prannerstraße Nr. 8 befand, geht aus der Kartenlegende „5. Ehemaliger Bayerischer Landtag Prannerstraße 8“ sowie einer Bemerkung im Text, dass sich Eisner bei seiner Ermordung auf dem Weg dorthin befunden habe, hervor. Der Max-Joseph-Platz ist die nächste Station. Die Broschüre zeigt ein Bild mit der Erläuterung: „Ende der Räterepublik: gefangene Rotarmisten werden vor der Residenz abgeführt, Mai 1919“. Das nun anschließende Kapitel der Broschüre behandelt das Aufkeimen eines rechtsextremen Milieus in München und portraitiert dessen Protagonisten wie Gustav von Kahr, Erich von Ludendorff, Rudolf Heß, Karl Fiehler und Alfred Rosenberg. Der Pfad führt nun in die Maximilianstraße, wo er auf das Gebäude des Hotels „Vier Jahreszeiten“ verweist und dessen ehemalige Funktion als Geschäftssitz der Thule-Gesellschaft. Das nächste Thema der Broschüre ist die Entstehung der NSDAP aus der DAP 1920. Da dies während einer Massenversammlung im Hofbräuhaus geschah, wird auch dieses in die Reihe der historischen Orte integriert und der Pfad zum Platzl geleitet. Es folgen Viscardigasse und Odeonsplatz, wobei textlich auf den „Marsch auf die Feldherrnhalle“ und dessen spätere Rolle im NS-Kult eingegangen wird.
Ein „Exkurs“ behandelt auf den folgenden Seiten die „Schauseite des NS-Regimes in der ,Führerstadt’ München“. Thematisiert wird die Funktion der Feldherrnhalle als Kultort, was dem Bildern von einer Rekrutenvereidigung belegt wird. Zudem wird das „Haus der deutschen Kunst“ abgebildet und die Ausstellung „Entartete Kunst“ in den Arkaden des Hofgartens thematisiert. Ein Bild von einem Festzug entlang der Ludwigstraße zum „Tag der deutschen Kunst“ 1937 wird gezeigt. Schließlich wird auf das Holzmodell von der Architektur-
5
planung für München von 1940 eingegangen, das sich im Münchner Stadtmuseum befindet. Der Weg von der Galeriestraße führt zurück durch den Hofgarten, wo auf das Kriegerdenkmal von 1924 hingewiesen wird und in Zusammenhang damit auf eine reaktionärmilitaristische Stimmung während der Weimarer Republik verwiesen wird. Vom Odeonsplatz zum Karolinenplatz geht es über die Briennerstraße, auf der unter Nr. 19 auf das Café Luitpold als Sinnbild einer kurzen wirtschaftlichen Erholung in der Mitte der 20er Jahre hingewiesen wird 8 . Das Denkmal der Opfer des Nationalsozialismus ist eingezeichnet, wird jedoch im Fließtext nicht thematisiert.
Am Karolinenplatz geht der Führer auf die Rolle einiger Mitglieder des Münchner Großbürgertums wie den Verleger Hugo Bruckmann, den Kunstverleger Ernst Hanfstaengl oder den Flügelhersteller Edwin Bechstein ein, die Hitlers Karriere förderten. Eine Bildunterschrift liefert die Information, dass sich das Wohnhaus der Bruckmanns am Karolinenplatz befand. Zudem wird die Geschichte des Palais Barlow, dem nachmaligen „Braunen Haus“ geliefert. Auf der Karte auf Seite 54 sind folgende „historische Orte“ markiert: Ortsverband Deutsche Arbeitsfront (DAF), Gau München-Oberbayern Brienner Straße 26-28; Antiquariat Rosenthal, Brienner Straße 26; „Haus der Deutschen Ärzte“, Brienner Straße 23; Industrie- und Handelskammer, Max-Joseph-Straße 2; Reichsführung NS-Deutscher Do-zentenbund, Max-Joseph-Straße 4; NS-Deutscher Ärztebund, Karlstraße 21. Der zugehörige Text behandelt die „Ausgrenzung durch Eingrenzung - Gleichschaltung der Berufsverbände“. In diesem Abschnitt wird u.a. erläutert, dass das Antiquariat von Jacques Rosenthal „arisiert“ und zum Sitz der Organisation „Kraft durch Freude“ gemacht wurde. Zudem werden die Funktionen und Missetaten der o.g. Institutionen dargelegt. Der folgende Abschnitt trägt die Überschrift: „Das Parteiviertel - gesellschaftliche und organisatorische Gleichschaltung“. Folgende Orte finden hierzu Erwähnung: NS-Frauenschaft/Nebenstelle (1938-1945), Karolinenplatz 2; Oberste SA-Führung/Nebenstelle (1934-1945), Barer Straße 7-11; Reichspropagandaleitung der NSDAP/Nebenstelle (1936-1945), Karlstraße 6-8; Reichsführung SS/Nebenstelle (1936-1945), Karlstraße 10; Reichsjugendführung der NSDAP (1936-1940), Karlstraße 14; Reichsführung NS-Deutscher Studentenbund (1936-1945), Karlstraße 16; Reichspressestelle der NSDAP/Nebenstelle (1938 -1945), Karlstraße 18.
Der Text geht auf die massive Ballung regionaler bzw. nationaler NS-Institutionen im „Parteiviertel“ ein, der teils eine „Arisierung“ von Gebäuden zugrunde lag.
8 Das Café Luitpold ist der einzige Ort, von dem der „ThemenGeschichtsPfad“ ein Bild zeigt, welcher nicht mit dem Nationalsozialismus in Verbindung steht, und ist insofern ungerechtfertigterweise vertreten.
6
Arbeit zitieren:
2007, Planung einer Exkursion: Stationen des Nationalsozialismus in München – Überprüfung des „ThemenGeschichtsPfades“ der Stadt München auf Verwertbarkeit im Schulunterricht , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Anonym's Text Planung einer Exkursion: Stationen des Nationalsozialismus in München – Überprüfung des „ThemenGeschichtsPfades“ der Stadt München auf Verwertbarkeit im Schulunterricht ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anonym hat den Text Planung einer Exkursion: Stationen des Nationalsozialismus in München – Überprüfung des „ThemenGeschichtsPfades“ der Stadt München auf Verwertbarkeit im Schulunterricht veröffentlicht
Lernen an Stationen im Englischunterricht: Food and Drinks
3.-4. Klasse/ab Ende 2. Klasse
Christine Engel
Lernen an Stationen in der Sekundarstufe I . Englisch: USA - From Chic...
8./9. Schuljahr. Kopiervorlage...
Ilse Petilliot-Becker, Roland Bauer
0 Kommentare