GLIEDERUNG
1 Einleitung 3
2 Objekt 4 6
2.1 Inventarisierungsprotokoll 4
2.2 Objektgeschichte 4 5
2.3 Objektbeschreibung 5
2.4 Vermutungen Thesen 6
3 Blasrohr allgemein 6 7
4 Blasrohr der Dayak 7 28
4.1 geographische Herkunft 7 8
4.2 sozio-kultureller Kontext 8 23
4.2.1 Dayak allgemein 8 15
4.2.2 Wirtschaftliche Differenzierung 15 22
4.2.3 Eingrenzung 22 23
4.3 Herstellung 23 24
4.4 Verwendung 24 28
4.4.1 Formen der Jagd 24 25
4.4.2 Jagd mit dem Blasrohr 25 28
5 Auswertung der Thesen 28 29
6 Fazit Ausblick 30 31
1 Einleitung
Im Rahmen der sog. Museumsübung wurden verschiedene Objekte aus der völkerkundlichen Sammlung unter den Kurspartizipanten verteilt, damit diese sich über das erhaltene Objekt einer fremden Ethnie und Kultur anzunähern bemühen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem Blasrohr, das aus Indonesien stammt und dort von den Dayak auf Borneo gefertigt wurde.
Im Folgenden soll zunächst das optische Erscheinungsbild des Objektes beschrieben und anhand dessen Vermutungen über das Objekt an sich und über die Kultur der das Objekt produzierenden/ verwendenden Ethnie angestellt werden.
Zur weiteren Untersuchung wird der geographische und sozio-kulturelle Kontext des Objekts betrachtet. Dabei soll versucht werden die Objektherkunft genauer zu lokalisieren. Diesbezüglich interessiert vor allem die unterschiedlich starke Bedeutung des Objekts im Untersuchungsgebiet Borneo, Kalimantan. Die Bedeutung des Objektes soll der Eingrenzung einer wahrscheinlichen Herkunft dienen. Jene wahrscheinliche Herkunft soll an dieser Stelle die Ethnie (Objektverwender), den Ort (Landschaftstypus), die Situation (Art und Weise der Anpassung der Ethnie an die Natur), die Kultur (Alltag) und die Kausalität (Nutzen) der ursprünglichen Verwendung des Objektes in seinem sozio-kulturellen Umfeld differenziert umschreiben. Dazu sollen variierende Lebensbedingungen und –Ansprüche verdeutlicht werden, die hauptsächlich aus den differierenden Formen des Wirtschaftens resultieren. An diese potenzielle Eingrenzung der Herkunft anschließend, erfolgt die Schilderung der Herstellung des Objekts, sowie der Art der Verwendung.
Mithilfe der Ergebnisse der literarischen Recherche soll anschließend den zuvor aufgestellten Vermutungen Rechnung getragen werden, indem versucht wird diese zu beweisen oder zu widerlegen.
Abschließend werden ein kurzes Fazit und ein Ausblick über die abschätzbare Kontinuität der Herstellung des Objekts, sowie Art und Intensität der zukünftigen Verwendung gegeben.
2 Objekt
2.1 Inventarisierungsprotokoll
2.2 Objektgeschichte
Das Objekt kam 1960 in die Sammlung der Marburger Völkerkunde, nachdem es, zusammen mit vielen Anderen aus der Sammlung Nassauischer Altertümer, vom Museum in Wiesbaden gekauft wurde. Die Sammlung Nassauischer Altertümer, die im Rahmen der Ausgrabungs-und Sammeltätigkeit des 1812 im damaligen Herzogtum Nassau gegründeten, ältesten deutschen Geschichtsvereins mit fortwährender Entwicklung, dem sog. „Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung“, entstand, ist die älteste Abteilung des Museums Wiesbaden (zit. SCHNELL 1984, S. 2).
Ursprünglich wurde das Objekt jedoch zwischen 1830-32 von Herrn Oberstleutnant von Henrici auf einer Reise, die ihn nach der Insel Borneo führte, erworben (vgl. Inventarbuch der völkerkundlichen Sammlung Marburg).
2.3 Objektbeschreibung
Bei dem Objekt handelt es sich um einen einfachen 129 cm langen Holzstab. Dieser ist longitudinal mit einer Bohrbreite von 1,3 cm durchbohrt, so dass der ursprünglich 2,8 cm dicke Stab (am Ausgang des Blasrohrs gemessen) noch eine Wandstärke von 0,8 cm aufweist. Der Stab ist konisch verlaufend und misst dementsprechend am Ausgang 9 cm und am Mundstück 8 cm im Umfang.
Die Oberfläche des Stabes ist außerordentlich glatt und glänzend, so dass die dunkel rotbraune längsverlaufende Maserung sehr gut erkenntlich ist.
Abb.2: Objekt-Detailaufnahme - Mundstück
An einem Ende des Blasrohrs befindet sich ein konisches Mundstück aus Messing. Dieses ist mit einfachen Verzierungen und Reliefierungen versehen. So sind symmetrische, längsangeordnete und querverlaufende Vertiefungen in das Messingmundstück eingelassen. Zudem sind auf dem Mundstück ebenfalls querverlaufende zum Teil eingekerbte und zum Teil hervorstehende Muster erkenntlich (vgl. Abb.2).
Vor dem Mundstück ist eine, mit Harz angebrachte, Bastschnur befindlich (vgl. Abb.2).
2.4 Vermutungen / Thesen
(1) Das Blasrohr ist bis auf das Mundstück weder verziert noch sonderlich geformt. Es kann also davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um einen Gebrauchsgegenstand ohne besondere religiöse Bedeutung handelt.
(2) Es kann vermutet werden, dass das Blasrohr dem Abfeuern von kleinen Geschossen, wie Pfeilen oder Kugeln, dient und in der Vergangenheit, wie auch der europäische Bogen, nicht nur als Jagdutensil, sondern auch als Waffe zur Austragung gewaltsamer Konflikte Verwendung fand.
(3) Aufgrund der enormen Länge des Blasrohres und des dadurch bedingten Gewichts, wird es vermutlich mit beiden Händen aufs Ziel justiert.
(4) Die glänzende, glatte Oberfläche des Holzstabs, das exakt gebohrte Loch, sowie das Messingmundstück, lassen Fertigkeiten und Kenntnisse des Produzenten in der Holz-und Metallverarbeitung oder Handelsverbindungen zu Dritten, die dieser Kenntnisse kundig waren, vermuten.
(5) Die nicht-sportliche Verwendung eines Blasrohrs impliziert einen geringen Entwicklungsgrad der Agrarwirtschaft und somit eine geringe Tragfähigkeit von Menschen pro Raumeinheit. Es kann vermutet werden, dass sich eine Ethnie, die dass Objekt zur Jagd verwendet, durch eine geringe Bevölkerungszahl und –dichte, sowie eine vermutlich dörflich geprägte Siedlungsstruktur oder gar Nomadismus auszeichnet.
(6) Die vor dem Mundstück mit Harz angebrachte Bastschnur dient vermutlich als eine Art Stopper, um das Mundstück am Herauf-Rutschen zu hindern.
3 Blasrohr allgemein
Ein Blasrohr bezeichnet ein laufartiges Rohr, welches zumeist aus Holz oder Metall besteht und dem Abschießen von Gegenständen, wie Pfeilen oder kleinen Steinen, dienlich ist (AKTUELLES UNIVERSAL LEXIKON 1994, S. 229). Dazu wird der abzufeuernde Gegenstand, nachdem er zuvor vorne in den Lauf geschoben wurde (vgl. Abb.7), mit einem kräftigen Atemstoß aus der Röhre geblasen (vgl. Abb.6). Das Blasrohr wird heute
vornehmlich als Jagdwaffe bei Naturvölkern in Indonesien und Südamerika (AKTUELLES
UNIVERSAL LEXIKON 1994, S. 229), sowie als Tierbetäubungsgerät (vor allem in der
Veterinärmedizin) und Sportgerät in der westlichen Welt verwandt.
Ursprünglich stammt das Blasrohr aus dem südostasiatischen Raum und findet dort mindestens seit dem 8.Jh.n.Chr. Verwendung, wie die älteste bekannte Darstellung des Blasrohrs auf den Reliefplatten des Borobudur-Tempels auf Java belegt (HILDEBRAND 1982, S. 273). Dass die Invention des Blasrohrs in Südostasien jedoch nicht nur auf die Inseln begrenzt war/ blieb, beweisen die etwa 2 Jh. jüngeren Tempelreliefs des Khmer-Tempels Baphuon in Angkor (HILDEBRAND 1982, S. 273).
Spätestens im 16.Jh. gab es das Blasrohr auch auf Borneo, der Heimat der Dayak, wie mit der Ankunft der ersten europäischen Handelsschiffe dokumentiert wurde (HILDEBRAND 1982, S. 274).
4 Blasrohr der Dayak
4.1 geographische Herkunft
Wie bereits in 2.1 und 2.2 vermerkt, stammt das Objekt von der Insel Borneo, genauer vom indonesischen Teil Borneos, Kalimantan.
Die ursprünglich vollständig mit Regenwald bedeckte Insel Borneo liegt auf dem Äquator in den immerfeuchten Tropen (vgl. KAMPFFMEYER 1991, S. 19) zwischen 4°20‘ südlicher und 7° nördlicher Breite und zwischen 108°53‘ und 119°22‘ östlicher Länge (HILDEBRAND 1982, S. 3). Mit seinen 750.000 km² Fläche ist es die drittgrößte Insel der Welt nach Grönland und Neuguinea (SCHUHMACHER 1960, S. 64;KAMPFFMEYER 1991, S. 19). Der Name Borneo steht dabei nur für die geographische Insel (HILDEBRAND 1982, S. 3-4). Politisch ist die Insel in das Sultanat Brunei, die Föderation Malaysia und in die Republik Indonesien geteilt (vgl. KAMPFFMEYER 1991, S. 19). Der Größte Teil Borneos, der früher holländische Kolonie war, heißt seit 1950, mit der Erringung der Unabhängigkeit Indonesiens, Kalimantan und macht drei Viertel der Landesfläche Borneos, sowie vier der insgesamt zwanzig Provinzen Indonesiens aus (HILDEBRAND 1982, S. 3). Diese sind West-Kalimantan (Kalimantan Barat), Süd-Kalimantan (Kalimantan Selatan), Ost-Kalimantan (Kalimantan Timur) und Zentral-Kalimantan (Kalimantan Tengah). Der Nordteil der Insel ist
politisch in die früheren britischen Kolonien Sabah und Sarawak, die heute als selbständige Staaten in der Malaysischen Föderation eingegliedert sind, sowie das unter britischem Protektorat stehende selbständige Sultanat Brunei unterteilt (HILDEBRAND 1982, S. 3).
Die Insel ist und war von jeher dünn besiedelt (HILDEBRAND 1982, S. 4). Die wenigen großen Städte im breiten Küstenstreifen werden fast ausschließlich von Migranten benachbarter Inseln bevölkert (SCHUHMACHER 1960, S. 64) und dabei zumeist von Chinesen, Malaien (vor allem in Nord-Borneo), Javanern (Süd-Borneo) und Buginesen, Illanum und Sulu (Ost-Borneo) bewohnt (HILDEBRAND 1982, S. 4). Diese hauptsächlich islamische Küstenbevölkerung, ist im Verlaufe der Zeit entlang der großen Flüsse bis tief ins Inselinnere vorgedrungen und dominiert dort heute ebenfalls die Handelszentren (KAMPFFMEYER 1991, S. 19-20). Neben der islamischen Inselbevölkerung sind die „Dayak“ der wichtigste „Volksstamm“ Borneos (SCHUHMACHER 1960, S.64). Die Dayak bezeichnen die Inlandsbevölkerung der Insel. Diese lebt vorrangig im, von immergrünem tropischem Regenwald bedecktem, Hügel und Gebirgsland Innerborneos und macht insgesamt etwas weniger als die Hälfte der Gesamtbevölkerung Borneos aus (HILDEBRAND 1982, S. 4-5).
4.2 sozio-kultureller Kontext
4.2.1 Dayak allgemein
Auf der Insel Borneo existiert seit Menschengedenk eine Vielzahl verschiedener Ethnien, die auf die allgemein geringe Bevölkerungsdichte und die zum Teil weiten Entfernungen zwischen den einzelnen Stammesgebieten zurückzuführen ist (KING 1993, S. 29). Über den langen Zeitraum, der durch die Insellage und das unwegsame Urwaldterrain bedingten Isolation, konnten sich diese unabhängig voneinander entwickeln und kulturell weiter voneinander entfernen (KING 1993, S. 29). Diese unabhängige Entwicklung der einzelnen Stämme wurde letztendlich auch dadurch begünstigt, dass die Dayak von jeher in der Lage waren, sich, mit dem was der Urwald ihnen bot, selbst zu versorgen (KING 1993, S. 169).
Trotz dieser Vielzahl unterschiedlichster Ethnien, wie der Ngadju, Ot Danum, Manjaan, Punan, Ot, Iban, Kayan, Kendayan, Maloh, und Lun Bawang, wird die gesamte ursprüngliche Bevölkerung Borneos, mit ungefähr drei Millionen Menschen, die sich auf sechs Hauptgruppen mit 300 Stammesgruppen aufteilen (KAMPFFMEYER 1991, S. 20), unter dem
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Paul Jörg Koch, 2008, Das Blasrohr der Dayak, Munich, GRIN Publishing GmbH
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