Inhaltsverzeichnis
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Abstract. 1
1. Einleitung 1
2. Theoretischer Hintergrund 3
2.1 Tabu- Begriffsdefintion und Wortherkunft 3
2.1.1 Kulturgeschichte des Tabus. 3
2.1.2 Weitere Definitionen des Begriffs Tabu 4
2.2 Thesen über neuzeitliche Tabus. 5
2.3 Tabubrüche 6
2.3.1 Tabuverletzung im Film 6
2.3.2 Der Film als Zeichensystem 7
3. Filmanalyse 7
3.1 Zusammenfassung/ Resumée des Films „KIDS“ 7
3.2 Sequenzanalyse 9
3.2.1 Eigenschaften 9
3.2.2 Sequenzanalyse des Films KIDS, 1995, Larry Clark. 9
3.3 Interpretation des Films 16
3.3.1 Allgemeine Filmanalyse. 17
3.3.2 Systematische Filmanalyse nach Korte. 18
3.3.3 Das Modell der ästhetischen Kommunikation 20
3.3.4 Die Überschreitung des semantischen Feldes 21
4. Fazit 23
5. Literatur 25
Abstract
In each communty exist social limitations which are called „taboos“. This word was imported by british discoverers from polynesia in the 18 th century. Taboos are restrictons and prohibitions regarding words, things, actions or people that are considered morally, socially or religiously undesirable or offensive by a group, culture, or society. Breaking a taboo is usually considered with rejection or exclusion and some of them are prohibited by law and rules whose violation may lead to severe penalties. Generally, taboos result in embarrassment and shame. A concrete translation of that term is quite difficult as Freud concludes: “The meaning of taboo diverges in two contrary directions. To us it means on the one hand, “sacred”, “consecrated”, and on the other “sinister”, “forbidden”, “dangerous” and “unclean”. The converse of “taboo” in the polynesian language is noa, which means “common” or “generally accessible”.” (vgl. Übersetzung von Eggert/ Golec 2002: 17). In the movie „KIDS“ by Larry Clark I would like to demonstrate and interpret the used breakings of taboos and how the illustration affects and influences the viewer. Therefore, the movie will be examined by its sequences and the displayed models and motives. Furthermore, the meaning is going to be analyzed regarding the used stylistic devices of generating suspense, the plot and the history of the drama and the effect and reaction of the audience. “KIDS” can be seen as a useful example that infringing prohibitions is sometimes necessary to develop self- integrity and idividualism and to achieve the viewer’s attention to point the society’s grievances out.
1. Einleitung
Ein Artikel in der Zeitschrift „Vanity Fair“ sorgte im November letzten Jahres für Aufregung und Erschütterung (vgl. Artikel auf www.vanityfair.de 2007: 1 ff.) 1 . Der prominente „Vanity Fair“- Autor Michel Friedman, der jüdische Wurzeln hat, interviewte den Ex NPD- Anwalt und Neo- Nazi Horst Mahler 2 . Was den Artikel unter anderem so skandalös macht, ist zum einen die Tatsache, dass das Lifestyle- Magazin „Deutschlands Chef Nazi“ (vgl. Artikel auf www.spiegel.de November 2007) ein Dutzend Seiten zur Verfügung stellt, um sein nationalsozialistisches Gedankengut zu veröffentlichen. Zum anderen ist der Umstand makaber, dass ein prominenter Jude und ein Nazi sich zu so einem Gespräch treffen. Horst
1 http://www.vanityfair.de/articles/agenda/horst-mahler/2007/11/01/04423/.
2 Anfang der Siebziger Jahre hatte Mahler zu den ersten Mitgliedern der terroristischen Rote-Armee-Fraktion gehört und war
an der Befreiung des Terroristen Andreas Baader sowie an mehreren Banküberfällen beteiligt. Deshalb war er zu 14 Jahren
Haft verurteilt worden. Später wandte er sich dem Rechtsextremismus zu und trat 2000 in die NPD ein, verließ die Partei aber
mittlerweile wieder.
1
Mahler will über die Juden reden, die das „göttliche Deutsche Reich“ (vgl. Artikel in der Vanity Fair November 2007) unterdrücken. Dabei bricht er mehrere Tabus, er verleugnet den Holocaust und huldigt öffentlich Adolf Hitler indem er den Hitler- Gruß benutzt. Beides ist in Deutschland verboten. Friedman hat nach dem Interview als Privatperson Strafanzeige angesichts des Zeigens des verbotenen Grußes erstattet. Dass die Unterhaltung wortgetreu gedruckt wurde, begründet das Magazin folgendermaßen: „Wir veröffentlichen dieses Interview, weil wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat - auch wenn er Dinge sagt, die in Deutschland verboten sind.“ (vgl. Artikel auf www.spiegel.de November 2007).
Warum zeigt dieses Beispiel, dass es so heikel ist, über solche Themen zu berichten? Es hat dieselben Gründe, weshalb es problematisch ist, über die Verabschiedung der Euthanasiegesetze in den Niederlanden und Belgien 3 oder Drogenmissbrauch in der Familie zu reden. Das Motiv ist in allen Beispielen ein Tabubruch. Tabus kennzeichnen Grenzen und Verbote, meistens auf sozialer, moralischer und religiöser Ebene (vgl. Braun 2007: 7). Das Verletzen von Tabus ist mit Gefahren und Sanktionen verbunden, wie bspw. der Ausschluss aus der Gemeinschaft. Tabus sind Meidungsgebote, die das Zusammenleben in der Gesellschaft lenken und der Tabubrecher wird unweigerlich zum Ausgestoßenen. Im ersten Teil dieser Arbeit möchte ich mich mit der Definition des Begriffs „Tabu“ auseinandersetzten, wo er seinen Ursprung hat, und wie seine Deutung am besten in unsere heutige Zeit einzugliedern ist. Eine genaue Definition ist schwierig und uneindeutig, weil der Begriff aus Polynesien stammt und es demnach keine präzise Übersetzung für die Europäische Welt gibt. Darüber hinaus wird beschrieben, warum das Verletzen und Überschreiten von gesellschaftlichen Tabus manchmal nötig und wichtig ist, um sich in seiner Persönlichkeit weiterzuentwickeln und was das Besondere des Tabubruchs in filmischen Inszenierungen darstellt. Denn gerade solche Verbote machen den Reiz für die Filmindustrie aus.
Im Anschluss behandele ich speziell das Thema „Tabuverletzung im Film“ und stelle hierbei diverse Tabubrüche in dem Jugendfilm „KIDS“ von Larry Clark vor. Für die Untersuchung wird der Film anhand einer genauen Betrachtung der einzelnen Sequenzen analysiert. Dabei
3 Im Nationalsozialismus wurden schwer kranke Patienten ermordet, dass sie nur als „Ballastwesen“ entwertet wurden. In der
Nachkriegsgesellschaft hat sich vor diesem Hintergrund eine von Scham- und Schuldgefühlen gekennzeichnete Sensibilität
für das Thema “Euthanasie“ entwickelt.
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werden die einzelnen Szenen (Segmente) in chronologischer Abfolge beschrieben und ich werde versuchen, die in dem Film benutzten Motive und Modelle zu interpretieren. Die Bedeutung des Films wird im Hinblick auf die benutzten stilistischen Mittel zur Spannungsdramaturgie, das Thema und die Hintergründe des Jugenddramas, die verschiedenen gesellschaftlichen Dimensionen der Realität auf die Bezug genommen wird und die Reaktion bzw. Wirkung beim Publikum, untersucht.
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Tabu- Begriffsdefintion und Wortherkunft
2.1.1 Kulturgeschichte des Tabus
Sir James Cook (1728- 1779) brach im Juli 1776 mit zwei Schiffen auf, um eine befahrbare und somit wirtschaftlich einträgliche Seeroute vom Pazifik in den Atlantik zu entdecken. Von dieser Expedition kehrte er nicht mehr zurück. Im Februar 1779 wurde er bei Konfrontationen mit Eingeborenen am Strand von Hawaii getötet. Als die Schiffe ein Jahr später nach England zurückkehrten, importierten sie neben zahlreichen Artefakten auch neue Substantive wie unter anderem die Wörter „Tabu“ und „Mana“(vgl. Kraft 2004: 32ff.). James Cook und später auch James King, der das Logbuch nach dem Tod des Kapitäns weiterführte, überlieferten wirtschaftliche und gesellschaftliche, außerdem auch Speise- und Totentabus. Es galt zum Beispiel, dass alles was der Stammeskönig berührte, zu seinem Eigentum wurde und damit für das Volk untauglich. Er musste deshalb immer außerhalb seiner Residenz getragen werden, damit er nicht den Boden berührt und ihn damit unbrauchbar für die Bevölkerung macht. Ereignete sich ein Tabubruch, so wurde die Person aus der Gemeinschaft ausgegrenzt, was zu einem psychogenen Tod führen konnte, da man außerhalb des sozialen Umfeldes ungeschützt und existenzlos war. In manchen Fällen war eine erneute Integration in die Gesellschaft durch Reinigungsriten möglich (vgl. Kraft 2004: 34).
Das Tabu war scheinbar ein mehrdeutiger Begriff, der im Allgemeinen für eine verbotene Sache oder Handlung benutzt wurde. Die etymologische Herkunft des Ausdrucks Tabu, der vereinzelt auch in der Schreibweise „tapu“ zu finden ist, ist umstritten, die denkbarste hat ein englischer Arzt namens Shortland geliefert. „Ta“ bedeutet demnach soviel wie Kennzeichen und „pu“ intensiv und kräftig. Tabu drückt infolgedessen „kräftig kennzeichnen“ aus, und
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zwar gleichzeitig als „heilig“, unverletzlich“, „unberührbar“ wie auch als „verboten“. Somit geriet der unscharf definierte Begriff Tabu von der polynesischen Inselwelt nach Europa. Die Geschichte des ersten Tabubruchs beginnt bekanntermaßen schon in der Bibel, als Adam und Eva von dem Baum der Erkenntnis (Tabu) aßen und folglich aus dem Paradies vertrieben wurden. Für die Christen wurde damit die Erbsünde eingeführt und sie diente unter anderem zur Rechtfertigung der Unterordnung der Frau unter den Mann. Die gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Auswirken sind bis heute zu spüren (vgl. Kraft 2004: 175). Die angedrohte Todesstrafe wurde zwar nicht vollzogen, aber sie wurden als Tabubrüchige aus dem Paradies ausgeschlossen. Auf diese Weise wurden aus den unschuldigen, erkenntnisunfähigen Menschen, reflektierende und vorausschauende Lebewesen. Und diese Wandlung vollzog sich nicht ohne Anstrengung und Schmerzen. Über eine meist kummervolle Übergangsphase, in der die alten Ansichten und Werte keine Gültigkeit mehr besitzen, müssen ein neues Bewusstsein und neue Erkenntnisse erlangt werden. Bezogen auf den biblischen Tabubruch lautet die implizite Aussage, dass es nie einen Tabubruch geben wird, der nur Vorteile (z.B. die Erkenntnis), sondern auch immer massive Nachteile (Vertreibung aus dem Garten) mit sich bringen wird (vgl. Kraft 2004: 177).
2.1.2 Weitere Definitionen des Begriffs Tabu Meyers Lexikon:
„Tabu [polynesisch] das, ursprünglich in der polynesischen Religion das unbedingte Verbot, Orte zu betreten, Gegenstände, Tiere und Personen zu berühren, Wörter aus- und Personen anzusprechen, die Sitz beziehungsweise Träger der zum Guten (bei Einhaltung) beziehungsweise Bösen (bei Übertretung) wirkenden übernatürlichen Macht (Mana) sind. Der Gegenbegriff ist „Noa“. Im weiteren Sinn bezeichnet Tabu auch in anderen Religionen ein religiös, magisch oder rituell begründetes Verbot, z. B. den Gottesnamen auszusprechen, bestimmte Speisen zu essen, sexuellen Verkehr auszuüben „unreine“ Personen zu berühren.“ Kohl 4 beschreibt, dass der Tabu- Begriff als spezifisches polynesisches Phänomen, in die Auffassung der Europäer des 18. Jahrhunderts (siehe James Cook) übergegangen ist zum „Inbegriff eines Sammelsuriums von unbegriffenen, sinnlosen und blindbefolgten Verhaltensweisen“ (vgl. in Eggert/ Golec 2002: 16).
4 Karl-Heinz Kohl, geboren 1948, ist Professor für Historische Ethnologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität und
Direktor des Frobenius-Instituts in Frankfurt am Main.
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„Tabu kann heilig bedeuten, es kann aber ebenso gut auch eine gesellschaftliche Konvention, einen Bann, eine Vorschrift, ein Privileg oder ein Verbot bezeichnen. Es steht mithin in der polynesischen Kultur ein für einen Komplex von Sachverhalten, für den und dessen Bezeichnung es in der eigenen Kultur kein unmittelbares Gegenstück gibt. Dieser Erkenntnis trägt Cook durch die Verwendung des aus der Sprache der fremden Kultur bezogenen Begriffs in der Beschreibung der fremden Kultur selbst Rechnung, indem er ihn, anstatt ihn zu übersetzen, in den Kontext seiner jeweiligen Gebrauchs stellt.“ (vgl. zitiert in Eggert/ Golec 2002: 17).
Auch Sigmund Freud hatte Schwierigkeiten mit dem Begriff „Tabu“, die aus dem zeitlichen Abstand der jeweiligen Kulturstufen hervorgehen und der jetzigen Zeit Definitions- und Verständnisprobleme bereiten, weil der Sachverhalt in der Form nicht mehr auffindbar ist. Für die damaligen Römer ist der Wortsinn noch vertraut gewesen. „In der Gegenwart verlaufe die Semantik in zwei unterschiedlichen Strängen“ (vgl. Eggert/ Golec 2002: 17): „Uns geht die Bedeutung des Tabu nach zwei entgegensetzten Richtungen auseinander. Es heißt nun einerseits: heilig, geweiht, andererseits: unheimlich, gefährlich, verboten, unrein. Der Gegensatz von Tabu heißt im Polynesischen noa- gewöhnlich, allgemein zugänglich. Somit haftet am Tabu etwas wie der Begriff einer Reserve, das Tabu äußert sich auch wesentlich in Verboten und Einschränkungen. Unsere Zusammensetzung „heilige Scheu“ würde sich oft mit dem Sinn des Tabus decken.“ (vgl. Freud 1974: 311).
2.2 Thesen über neuzeitliche Tabus (vgl. Eggert/ Golec 2002: 19ff.)
Wie kann man in der heutigen Zeit Tabus beschreiben, wenn der Begriff so unscharf ist und die Begriffsbestimmung so uneindeutig? Es werden folgende sechs Merkmale aufgestellt:
- 1. Das Tabu weist die Aura des Sakralen auf, auch dort, wo es rein weltlich (säkular, profan) ist.
- 2. In einem Tabu ist ein Schutzraum gegeben, der nicht ins Alltagshandeln einbezogen werden darf bzw. dem eine ausgegrenzte Ausnahmestellung zugesprochen ist.
- 3. Das Tabu hat die Aura des Unberührbaren, und die Berührung wird betraft (Ausschluss aus der Gemeinschaft).
- 4. Das Tabu ist immer an eine kollektive Öffentlichkeit gebunden. Ohne Öffentlichkeit keine Tabus.
- 5. Die Überschreitung von Verboten ist konstitutiv für Tabus; Ausnahmen von Verboten sind exklusiv und privilegiert, zudem in der Regel kodifiziert.
- 6. Mit Tabus sind immer Darstellungsprobleme und deren Thematisierung verbunden: Tabus weisen eine genuin ästhetische Komponente auf, die von den nichtsprachlichen Symbolisierungen bis hin zu einer Normierung von Ästhetik reicht.
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Arbeit zitieren:
Tina Hedecke, 2007, Untersuchung von Tabuverletzungen in dem Jugenddrama "KIDS", München, GRIN Verlag GmbH
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