Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 2
2. Begriffsentwicklung. 3
2.1 Entwicklungen der Inszenierungsdiskussion 3
2.2 Aktuelle Strömungen 4
2.3 Die Verwendung von Selbstinszenierung in verschiedenen Kontexten 6
2.3.1 Die Verwendung im dialektischen Kontext. 6
2.3.2 Die Verwendung im metaphorischen Kontext 6
2.3.3 Die Verwendung im pädagogischen und psychologischen Kontext 7
2.3.4 Die Verwendung im therapeutischen Kontext. 7
2.4 Zusammenfassung der konstitutiven Elemente. 7
3. Methoden. 8
3.1 Konstitutive Aspekte des Inszenierens 8
3.2 Eingeschränkte Verbalität beim Inszenieren. 9
4. Die Sendung „Das weiß doch jedes Kind “ als Untersuchungsgegenstand 10
4.1 Aufbau der Sendung 10
4.2 Analyseschwerpunkte 11
4.3 Die Einflussgrößen 11
4.3.1 Der Wissensstand der Kinder als Einflussgröße. 11
4.3.2 Die Erwartungen der Zuschauer und die Intentionen der Kinder als Einflussgröße 14
4.3.3 Die künstliche Umgebung als Einflussgröße. 14
4.3.4 Allgemeine Probleme für die Analyse, die sich aus den Einflussfaktoren ergeben 15
5. Analyse der Sendung. 15
5.1 Das Zusammenspiel verschiedener Inszenierungsebenen 16
5.1.1 Inszenierung als Experten. 16
5.1.2 Inszenierungsebene Gestik und Mimik 16
5.1.3 Inszenierungsebene Kleidung. 16
5.2 Die Problematik an den Situationsbedingten Erfordernissen des öffentlichen Auftritts 18
5.2.1 Verpflichtung zu Engagement 18
5.2.2 Das Problem der Glaubhaftigkeit und Vertrauensbildung. 20
6. Fazit. 21
7. Literaturverzeichnis 23
1. Einleitung
Sie werden die „öffentlichen Kinder“ genannt. Ständig wird in der Presse und diversen Klatschspalten über prominente Kinder wie Madonnas Sprösslinge Rocco und Lourdes, Noah Becker (Sohn von Boris Becker) oder Brooklyn Beckham (Sohn von Victoria und David Beckham) berichtet. Lourdes ist die sechsjährige Tochter des Superstars Madonna. Auf den gezeigten Bildern ist sie beispielsweise hübsch frisiert und teuer gekleidet in einem maßgeschneiderten Kleidchen zu sehen. Ihre Mutter bezeichnet sie als „ihr wahres Kunstwerk“. Das Mädchen gehört zu den bekanntesten Exemplaren einer Menschengattung, die es früher in dem Ausmaß noch nicht gab: die öffentlichen Prominentenkinder. In einem Artikel im „Guardian“ schrieb die Autorin Joanna Briscoe über die populären Kinder. Sie gehören ihrer Meinung nach „zu der neuen Art von Berühmtheit, die sich völlig losgelöst hat von der realen Bedeutung oder von den Leistungen einer Person. Man ist […] sozusagen von Beruf berühmt, obwohl man eigentlich nichts Besonderes getan hat, womöglich auch nie etwas Besonderes tun wird und auch nicht wirklich wichtig ist.“ (vgl. Artikel auf www.tagesspiegel.de 1 ). Dabei gehen die Eltern ganz verschieden mit ihrer Berühmtheit um. Manche meiden den Medienrummel, andere inszenieren ihre Kinder und benutzen sie in der Öffentlichkeit. Madonnas Kinder sind Produkte und Teile ihrer Selbstinszenierung. Die Kinder werden dargestellt.
Nicht ganz so dramatisch, aber auf ähnliche Weise wird auch mit Kindern in den Medien in Form von Fernsehsendungen verfahren. Ein Exempel dafür ist u. a. die Darstellung der Kinder in der damaligen Unterhaltungssendung „DINGSDA“, in der die Kinder den Zuschauern vorgegebene Begriffe beschreiben sollten. Da verschiedene Einflüsse, wie die Kameraaufnahme, der Schwierigkeitsgrad der Begriffe, der Einfluss der anderen Kinder etc. eine große Rolle spielten, stellte sich die Frage, inwieweit die Kinder in der Show inszeniert werden. Unter diesen ungewohnten Bedingungen kann das Verhalten kaum natürlich und authentisch sein und ohne jegliche Verstellung.
1 http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonntag;art2566,1889759.
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Entsprechend möchte ich in meiner Arbeit das Thema der Selbstinszenierung von Kindern bei der TV- Quizshow „Das weiß doch jedes Kind!“ analysieren. Der Kern der Analyse besteht aus der Frage, in welchem Ausmaß die Schüler ihr Benehmen kontrollieren oder sich verhältnismäßig ungekünstelt und spontan verhalten. Sie befinden sich in einer nicht alltäglichen Kommunikationssituation und werden von den Zuschauern bewertet. Darüber sind sich die Kinder durchaus im Klaren. Es bleibt deshalb zu untersuchen, ob und wie sie ihre Körpersprache gezielt einsetzen bzw. welche Gesten und Verhaltensmuster sie mit welcher Konsequenz benutzen. Dafür werde ich zunächst die Entfaltung der Betrachtung des Inszenierungsbegriffs darstellen. Der Abschnitt endet schließlich mit dem aktuellen Entwicklungsstand. Anschließend wird die Bedeutung der Selbstinszenierung in verschiedenen Kontexten untersucht und die grundlegenden Betrachtungsweisen aufgezeigt. Der Hauptteil der Arbeit wird sich mit der Sendung „Das weiß doch jedes Kind!“ als Untersuchungsgegenstand und den Analyseschwerpunkten, die sich daraus ergeben, befassen. Dazu werden der Aufbau der Sendung, die relevanten Einflussgrößen und die daraus resultierenden Schwierigkeiten illustriert. Schließlich wird auf das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen der Selbstinszenierung und auf die Problematik, die aus dem öffentlichen Auftritt entsteht, eingegangen.
2. Begriffsentwicklung
2.1 Entwicklungen der Inszenierungsdiskussion
In den Sozial- und Kulturwissenschaften existiert eine seit den 1990er Jahren auf die Werke von Goffman rekurrierende Betrachtung von Inszenieren und Inszeniertheit, die aus dem Gesichtspunkt der Theatralik resultiert. Dieser Diskussionskontext kommt mit dem Aspekt der Inszenierung wiederholt auf das Theater als ergiebigen Bezugsort für Metaphern zurück. Das Theater hatte zuvor in den 1960er und 1970er Jahren in Form des Rollenbegriffs bereits großen Belang für die sozial- und kulturwissenschaftliche Konzeptentwicklung. Der offensichtliche Höhepunkt der Diskussion ist der 1998 veröffentlichte Sammelband mit dem eindeutigen Titel
„Inszenierungsgesellschaft“ (Willems/ Jurga 1998), welcher eine gute Übersicht über
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den empirischen und theoretischen Umfang und die zahlreichen Variationen des Inszenierungskonzepts bietet. Überaus informativ ist die kurze Begriffsgeschichte von Inszenieren in Fischer-Lichte (1998). Sie hebt die Entwicklung und Veränderung des Begriffs hervor, da er im 17. Jahrhundert anfänglich mit Theateraufführungen verknüpft wurde (vgl. Schmitt 2003: 198).
2.2 Aktuelle Strömungen
Im Gegensatz dazu beinhaltet die gegenwärtige Auffassung des Wortsinns: „Inszenierung von Wirklichkeit durch einzelne und gesellschaftliche Gruppen, vor allem […] Prozesse ihrer „Selbstinszenierung“ (Fischer- Lichte 1998: 89 zit. in Schmitt 2003: 198). Fischer- Lichte weist auf die Wichtigkeit des Vorgangs „in Szene setzen“ als Schlüsselbegriff in der gegenwärtigen Debatte hin, um das Verhältnis von Wahrheit und Simulation und den damit verknüpften Zustand von Wirklichkeit zu betonen. Sie macht dabei ausdrücklich folgende Eigenschaften deutlich: […] einerseits lässt sich Inszenierung […] als Schein, Simulation, Simulakrum 2 begreifen. Es handelt sich bei ihr jedoch um einen Schein, eine Simulation, ein Simulakrum, die allein fähig sind, Sein, Wahrheit, Authentizität zur Erscheinung zu bringen. Nur in und durch Inszenierung vermögen sie uns gegenwärtig zu werden. (Fischer- Lichte 1998 zit. in Schmitt 2003: 198)
Ein Aspekt ist dabei für das Inszenierungskonzept von zentraler Bedeutung, und zwar die Darstellung im Handlungsvollzug. Soeffner interpretiert diesen Gesichtspunkt wie folgt: „Wir handeln, sprechen, interagieren nicht einfach: wir inszenieren unser Handeln, Sprechen und Interagieren, indem wir es für uns und andere mit Deutungs- und Regieanweisungen versehen.“ (Soeffner 1989: 150 zit. in Schmitt 2003: 199). Dementsprechend versteht er unter der Durchführung einer Inszenierung einige Eigenschaften, die sich abseits der zuvor gebrauchten Sprech- und Schauspielmetaphorik befinden (vgl. Soeffner in Kallmeyer 1986: 86). Das ist zum
2 Definition Simulakrum: Als Simulacrum oder Simulakrum (Plural: Simulacra oder Simulakren) bezeichnet man ein wirkliches oder vorgestelltes Ding, das etwas oder jemand anderem verwandt ist oder ihm ähnlich ist. Der lateinische Ausdruck simulacrum leitet sich über simulo („Bild, Abbild, Spiegelbild, Traumbild, Götzenbild, Trugbild“) von simul („ähnlich, gleich“) ab. Die Bedeutung kann abwertend gemeint sein im Sinne eines trügerischen Scheins, sie kann aber auch positiv verstanden werden im Rahmen eines Konzepts produktiver Phantasie. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Simulacrum).
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einen das besondere Verhalten, indem wir uns zu einem konkreten Zeitpunkt oder Handlungskontext uns selbst und unserer Umgebung (Menschen, Sachen, Ideen etc.) hinwenden. Zum anderen die Verhaltensweise, wie wir uns wechselseitig eine spezifische Form der Zuwendung durch Zeichen, Handlungen und Aussagen anzeigen. Außerdem gestatten diese Anzeigenausführungen, durch die vereint geformte gemeinsame Zuwendung zu unserer Umgebung und Umwelt, von einem „szenischen Arrangement“ zu sprechen (vgl. Soeffner 1986: 86).
Reinhold Schmitt versteht unter dem Konzept der Selbstinszenierung, was die spezielle Beschaffenheit betrifft, eine Art von interaktiver Bedeutungskonstitution, die von dem Sprechenden ausdrücklich in einen Bezugsrahmen gesetzt wird. Inszenieren wird unter bestimmten Kontextbedingungen und räumlich begrenzt zur Erklärung spezifischer, zumeist deutlich feststellbarer Anforderungen eingesetzt und verfügt über rekonstruierbare strukturelle Eigenschaften. Die sachlichen Verflechtungen und die Zielorientierung werden mit Inszenieren als signifikante Form der
Bedeutungskonstitution bewerkstelligt und angewandt. Infolgedessen versteht Schmitt Inszenieren als einen besonderen gesprächsrhetorischen Vorgang. Und das stellt die zentrale Bestimmung für das Konzept dar (vgl. Schmitt 2003: 188). Die Selbstdarstellung wird hier als ein gesprächsanalytischer Entwurf für die figurative empirische Arbeit konzipiert. Seine elementaren Eigenschaften werden erläutert und die für eine spezifische Art von Inszenieren bezeichnenden interaktionsstrukturellen Bestimmungen werden verdeutlicht. Die hier vorgestellten Gedanken zum Thema Inszenieren als gesprächsanalytisches Konzept, unterscheiden sich fundamental von der in der sozialwissenschaftlichen Diskussion dominierenden Auffassung. Inszenieren besitzt in deren Auslegung ein generelles und konstitutives Charakteristikum in der nonverbalen Kommunikation und der Vergesellschaftung im Ganzen. Das betrifft vor allem seine immediate Anbindung an die räumliche Bedeutungserzeugung, den Grad der Definition, die Einschätzung seiner strukturellen Charaktere und empirischen Gestaltung und die Abgrenzung gegenüber ähnlichen Konzeptionen (vgl. Schmitt 2003: 189).
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2.3 Die Verwendung von Selbstinszenierung in verschiedenen Kontexten
Vorwiegend wird dieser Begriff gleichbedeutend mit Selbstdarstellung, Selbstpositionierung und sich „in Szene setzen“ benutzt. Die Verwendung des Selbstinszenierungsbegriffes kann unter anderem in metaphorischen, psychologischen, soziologischen oder therapeutischen Begleitumständen verwendet werden. In den nachstehenden Ausführungen sollen die wichtigsten Kategorien etwas ausführlicher beschrieben werden.
2.3.1 Die Verwendung im dialektischen Kontext
Man inszeniert sich im umgangssprachlichen Zusammenhang beispielsweise nach außen durch die Kleidung, Schmuck, Make-up, seiner beruflichen Tätigkeit, seinem Inventar und allen möglichen weiteren Statussymbolen. Sie zeigen die Persönlichkeit und die Werte und Einstellungen eines Menschen auf. Würden diese Bekenntnisse nicht von der Gesellschaft bemerkt werden, wären sie sinnlos und ohne jegliche Bedeutung. Aus diesem Grund ist in diesem Zusammenhang wichtig, dass man einen prägnanten, bleibenden Eindruck hinterlassen möchte. Somit wird das Selbst teils aus persönlichen Motiven präsentiert, denn man möchte wahrgenommen werden. Man setzt sich selbst in Szene, ohne dass man jemanden zu etwas beeinflussen möchte. Diese Art von Selbstdarstellungen hat vornehmlich expressiven Charakter (vgl. Künert 1989: 8).
2.3.2 Die Verwendung im metaphorischen Kontext
Wird das Wort Selbstinszenierung in seine Bestandteile „Selbst“ und „Inszenierung“ zergliedert, kann eine Annäherung an die Bedeutungskonstitution gewagt werden. Den Begriff „inszenieren“ findet man stets, wenn von einer Oper-, Theater- oder Schauspielaufführung die Rede ist. Insgesamt tritt jemand in Erscheinung und orientiert sich an den Konstellationen der Rolle und an den externen Erfordernissen. Dass eine Figur gespielt wird bedeutet, dass keine Darstellung des Selbst erfolgt, sondern er verkörpert als Akteur eine Rolle. Das ist auch eine der zentralen Fragen dieser Arbeit, ob die Kinder tatsächlich größtenteils schauspielern oder ihre Persönlichkeit offenbaren. In diesem Bezugsrahmen steht hauptsächlich der intentionale Einsatz im Vordergrund (vgl. Künert 1989: 10).
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Arbeit zitieren:
Tina Hedecke, 2007, Formen der Selbstinszenierung bei Kindern, dargestellt am Beispiel der Wissenssendung "Das weiß doch jedes Kind!", München, GRIN Verlag GmbH
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