Inhaltsverzeichnis
1. Epoche der Frühromantik. 3
2. "Der blonde Eckbert" als typisches Kunstwerk der Frühromantik 7
Literatur. 10
Abbildungen 11
2
1. Epoche der Frühromantik
In der Literaturgeschichte wird die Epoche der Romantik in zwei Teile unterteilt. Dabei handelt es sich um die sogenannte Frühromantik sowie die Hoch- bzw. Spätromantik. Ludwig Tieck ist dabei einer der wenigen Schriftsteller, der beiden Zeitabschnitten der Epoche zugerechnet werden kann. Im Spätwerk Tiecks finden sich sogar eindeutige Merkmale, die der Epoche des Realismus zugeschlagen werden können.
Einen kompakten aber guten Überblick über die Etymologie des Wortes Romantik und die vielfache Verwendungsweise gibt Gerhard Schulz. 1 Im folgenden interessiert die Verwendungsweise des Begriffes Romantik als Epochenetikett der zugehörigen literarischen Bewegung in Deutschland. Allerdings wäre eine alleinige Fokussierung auf die literarische Romantik fatal, denn gerade die romantische Bewegung in ihrer universalistischen Gesamtausrichtung und ihrer unabdinglichen Tendenz zum Absoluten ist als ein die verschiedensten Wissenschafts- und Kunstrichtungen integrierender Ansatz zu verstehen. Besonders deutlich zeigt sich dies daran, dass in der Romantik der Kunst allgemein Lösungskompetenzen zugeschrieben wurden, die man anderen Disziplinen
(wissenschaftlicher Provenienz, hier vornehmlich der Philosophie) nicht mehr zutraute. Somit gewann die Kunst einen unglaublich hohen funktionalen Stellenwert. Die die literarische Romantik umfassende Zeitspanne wird mit 1798-1835 2 angegeben. Als Variante zu dieser Angabe finden sich Datierungen von +/- 5 Jahren. 3 Einigkeit herrscht hingegen hinsichtlich einer Unterteilung der Romantik in zwei unterschiedliche, zeitlich einander nachfolgende, Strömungen. Es handelt es sich dabei um die Frühromantik (um 1798 vornehmlich in Jena), zu deren prominentesten Vertretern Wackenroder, Tieck, Hardenberg (Novalis) und die Gebrüder Schlegel zu rechnen sind. Die auf 1805 bzw. 1808/09 datierte Hochromantik umfasste vor allem v. Arnim, Brentano und Eichendorff. 4 Kein historisches Ereignis symbolisiert die große Teile Europas umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen - nämlich den Übergang des Feudalismus zur Bürgertumsherrschaft - besser als die Französische Revolution. Allerdings war die Macht des Bürgertums in Deutschland vor allem wegen der Fragmentierung in über dreihundert souveräne Staaten beschnitten, da die (in England und Frankreich bereits seit längerem gegebene nationale Einheit) als relevante(r) Entwicklungsbedingung und -faktor
1 Vgl. Schulz, G., Romantik, S. 10-13
2 Frenzel, H.A. und E., Daten deutscher Dichtung, Band 1, S. 249
3 Vgl. z.B. Peter, K., Romantik, in: Bahr, E., (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur, Band 2, S. 345
4 Metzler Literatur Lexikon, S. 398
3
wirtschaftlichen Potentials angesehen wird. Diese Konstellation zeitigte zwar für das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen fatale gesellschaftliche Konsequenzen, die aber durch enorme Entwicklungspotentiale in Kunst und Wissenschaft kompensiert werden konnten: "Dem Bürgertum, das auch in Deutschland immer mehr Bedeutung gewann und dem Adel selbstbewußter entgegentrat, fehlte daher die wirtschaftliche Macht, politische Veränderungen zu erzwingen. Statt dessen baute der progressive Teil dieses Bürgertums auf die Macht der Moral, auf Philosophie und Literatur." 5 Bezüglich der Akzeptanz der gerade angerissenen sozialen (und nicht wissenschaftlichen bzw. künstlerischen) Gegebenheiten kann man ein Distinktionsmerkmal zwischen der "klassischen" und "romantischen" (Künstler-) Generation festmachen, denn während "Goethe und Schiller, die Klassiker, die Position der Aufklärung unter dem Druck der Verhältnisse am Ausgang des Jahrhunderts mit der feudalen Gesellschaftsordnung zu versöhnen suchten, kennzeichnet es die Romantiker, daß sie diese Versöhnung ablehnten." 6 Trotz der vordergründigen Niederlage des Bürgertums dürfen die von diesem in ihrer Entwicklungsphase initiierten gesellschaftsverändernden Tendenzen nicht unterschlagen werden, obwohl sie in der (literarischen) Epoche der Romantik noch nicht völlig zum Tragen kamen bzw. in ihren Auswirkungen noch nicht allzu stark zu spüren waren. Dabei handelt es sich um die Technisierung der Lebensverhältnisse der Menschen und den Übergang von merkantilistischer zu kapitalistischer Wirtschaftsweise. 7 Die literarische Richtung des Realismus schien eher diesen sozialgeschichtlichen Gegebenheiten zu entsprechen. 8 Man kann auch davon ausgehen, dass die Romantiker wie Eichendorff die eben genannten Komponenten ganz bewusst in ihrer Dichtung ausklammerten, die Dichtungen also im wahren Sinne des Wortes als fiktionalisierte Wunschvorstellungen bzw. Utopien als Erhaltung des status quo post zu verstehen sind.
Durchaus ambivalent fällt die Einschätzung der Romantik hinsichtlich ihres Verhältnisses zur Politik aus, denn einerseits wird konstatiert, dass sie ein tätiges Verhältnis zu Staat und Gesellschaft besaß, andererseits, dass die "ursprüngliche politische Aufgeschlossenheit (Griechenlandbegeisterung) ... in der Spätromantik einem Drang zur Unterordnung unter Ganzheiten wie Religion, Volk und Staat (wich)." 9 Dieses Zitat suggeriert einen Wandlungsprozess der romantischen Bewegung von revolutionären bzw. reformerischen (z.B. Begeisterung für die Französische Revolution) zu restaurativen Einstellungen (z.B. Unterstützung der Heiligen Allianz und des Katholizismus). Diesen Befunden kann in dieser
5 Peter, K., Romantik, in: Bahr, E., (Hrsg.), Geschichte der deutschen Literatur, Band 2, S. 349 f.
6 Ebd., S. 346 f.
7 Schulz, G., Romantik, S. 22 ff.
8 Metzler Literatur Lexikon, S. 398
9 Frenzel, H.A. und E., Daten deutscher Dichtung, Band 1, S. 250
4
Arbeit zitieren:
Dr. Stefan Schweizer, 2008, Ludwig Tiecks „Der blonde Eckbert“ - Eine literaturwissenschaftliche Analyse der Frühromantik, München, GRIN Verlag GmbH
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