Einleitung
Nahezu jeder hat als Kind einmal schmerzhafte Erfahrungen gemacht, wie z.B. sich an einer heißen Herdplatte zu verbrennen, obwohl die Eltern so oft gesagt haben, man soll es nicht tun. Oder nehmen wir ein anderes Beispiel:
Nachdem ein Restaurantbesucher eine Thunfischpizza gegessen hatte, die er stets gern aß, wurde ihm übel - der Thunfisch war verdorben. Obwohl die Übelkeit lediglich durch die Giftstoffe des verdorbenen Fisches verursacht wurde, löst seitdem bereits der Anblick oder sogar nur der Gedanke an Thunfischpizza ein Ekelgefühl bei dem Mann aus.
Diese beiden Beispiele veranschaulichen zwei behavioristische Lerntheorien, die klassische und die operante Konditionierung, welche den Beginn der Lern-forschung maßgeblich prägten.
Nach dem Paradigma des Behaviorismus bedeutet Lernen Verhaltensänderung, welche sich exakt beobachten und erfassen lässt. Behavioristen schreiben ausschließlich den sichtbaren Komponenten des Verhaltens Bedeutung zu, wodurch diese Lehre sich deutlich von der Bewusstseinspsychologie abgrenzt. (vgl. Edelmann 2000, 32)
Nach diesen Grundgedanken entwickelten Forscher wie I. P. Pawlow, J. B. Watson, E. L. Thorndike und B. F. Skinner ihre Lerntheorien der klassischen-, bzw. operanten Konditionierung.
In dieser Arbeit sollen diese beiden Konzepte der Konditionierung zunächst anhand einiger Beispiele vorgestellt werden, um sie im Anschluss daran auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu vergleichen, sowie ihre Implikationen im Hinblick auf menschliches Lernen herauszustellen
1. Klassische Konditionierung
Die Lerntheorie der klassischen Konditionierung beschreibt Lernen als Verhaltensänderung durch Koppelung zweier Reize und wurde zunächst am Verhalten von Tieren erforscht. In diesem Kapitel soll das theoretische Kernstück dieses Konzepts mit seinen Einflussfaktoren und Sonderformen, sowie der Anwendungsbereich auf den Menschen dargestellt werden.
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1.1 Klassische Konditionierung am Beispiel des „Pawlowschen Hundes“ Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936) war ein russischer Physiologe und Mediziner. 1904 erhielt er den Nobelpreis für seine Arbeit über die Funktionsweise der Verdauungsdrüsen bei Tieren.
Während seiner Forschungsarbeit an Hunden beobachtete Pawlow, mit Hilfe eines von ihm entwickelten Gerätes zur Messung des Speichelflusses, dass die Versuchstiere bereits vor der Futtergabe Speichel absonderten, wenn sie beispielsweise die Schritte des Tierpflegers hörten. Die systematische, experimentelle Untersuchung dieses Phänomens führte Pawlow zu seinen „bahnbrechenden Forschungen zum bedingten Reflex“ (vgl. Schermer 2002, 25). Seine Experimente mit Hunden dienten Pawlow als erster methodisch versierter Zugang, mit dem er seine intuitiven Beobachtungen untersuchte und aus dem er die ersten theoretischen Schlüsse zog, welche die Basis für die wissenschaftliche Lernpsychologie bilden. Die zahlreichen Experimente richten sich alle in etwa nach folgendem Grundmuster:
Einem Hund wird Fleischpulver gegeben, was bei diesem die Reaktion Speichelfluss hervorruft. Ein unbedingter Reiz (Fleischpulver) löst hier eine unbedingte Reaktion (Speichelfluss) aus.
In der Erwerbsphase werden mehrmals gleichzeitig das Fleischpulver und ein Glockenton dargeboten. Der Glockenton stellt hier einen neutralen Reiz dar, welcher zunächst keine unbedingte Reaktion hervorruft. Das Versuchstier reagiert weiterhin mit der unbedingten Reaktion (Speichelfluss) auf den unbedingten Reiz (Fleischpulver).
Nach mehrmaliger Wiederholung dieses Vorgangs folgt die Speichelabsonderung bereits bei isolierter Darbietung des Glockentons, welcher demzufolge kein neutraler Reiz mehr ist. Der Glockenton wird nun als bedingter Reiz bezeichnet. Obwohl die Reaktion Speichelfluss dieselbe ist, wird sie in diesem Fall bedingte Reaktion genannt, um deutlich zu machen, dass der Hund allein auf den Glockenton reagiert und somit eine neue Reiz-Reaktions-Verbindung erworben hat (ebd. 25f). Von Konditionieren sprechen wir, da Pawlow ganz bestimmte Bedingungen bzw. Konditionen schuf, die das Lernen der Tiere erst ermöglichten. Auf die einzelnen Bedingungen soll im nächsten Punkt noch ausführlicher eingegangen werden.
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Der Begriff der Konditionierung geht auf eine Rückübersetzung des angelsächsischen „conditional/unconditional“ zurück (vgl. Krech 1985, 14). So wird anstelle des Begriffs (un)bedingt in der neueren Literatur häufig die Bezeichnung (un)konditioniert verwendet. Im Folgenden soll deshalb ebenfalls von (un)konditioniert gesprochen werden.
Pawlows Theorie wird als klassisches Konditionieren bezeichnet, da sie in der Lernpsychologie den ersten, auch für folgende Lernforscher grundlegenden Ansatz darstellt und um sie von der später entwickelten operanten Konditionierung zu unterscheiden (vgl. Edelmann 2000, 31f).
1.2 Einflussfaktoren der klassischen Konditionierung Nachdem im vorangegangenen Punkt die Grundkonzeption der klassischen Konditionierung dargestellt wurde, sollen nun drei Faktoren behandelt werden, welche den Auf- bzw. Abbau von Reiz-Reaktions-Verbindungen beeinflussen: Kontiguität, Bekräftigung, Löschung und Spontanerholung.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Konditionierung ist der zeitliche Zusammenhang zwischen konditioniertem und unkonditioniertem Reiz. Dieses so genannten Prinzip der Kontiguität kann im Hinblick auf Überschneidungen der beiden Reize, sowie ihre zeitliche und räumliche Anordnung betrachtet werden. Demzufolge werden vier Typen der klassischen Konditionierung unterschieden (vgl. Schermer 2002, 31f.): Bei der simultanen Konditionierung beginnen und enden konditionierter und unkonditionierter Reiz zum jeweils gleichen Zeitpunkt. Bei der verzögerten Konditionierung setzt der konditionierte Reiz vor dem unkonditionierten Reiz ein und dauert während seiner gesamten Wirkungszeit an. Bestenfalls sollte der zeitliche Abstand zwischen dem Beginn des konditionierten und dem Beginn des unkonditionierten Reizes, das so genannte Interstimulusintervall, nicht zu groß sein. Bei der Spurenkonditionierung endet die Darbietung des konditionierten Reizes vor dem Einsetzen des unkonditionierten Reizes. Es entsteht also keine Überschneidung.
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Bei der rückwärts bedingten Reaktion setzt der konditionierte Reiz nach dem unkonditionierten Reiz ein. Diese Konditionierungsform hielt Pawlow noch für unmöglich, heute weiß man jedoch, dass durch diese Methode durchaus Lernerfolge erzielt werden können, wenn auch weitaus schwächere als bei den anderen Konditionierungsformen.
Die verzögerte Konditionierung, sowie die Spurenkonditionierung gelten als die wirksamsten Formen, da bei beiden der konditionierte Reiz vor dem unkonditionierten Reiz einsetzt und somit wie ein Warnsignal wirkt. „So kann beispielsweise die Glocke als ein Signal verstanden werden, daß die Nahrung kommt“ (vgl. Krech 1985,15). Es ist außerdem dienlich, dass die Reize verzögert einsetzen und das Interstimulusintervall bei beiden Formen relativ kurz ist. Zwar kann in einigen Fällen eine einmalige Wiederholung des Zusammenwirkens von konditioniertem und unkonditioniertem Reiz eine „massive Konditionierung“ auslösen (vgl. Krech 1985, 20), in der Regel sind jedoch mehrere Wiederholungen notwendig um eine stabile Reiz-Reaktions-Verbindung zu erreichen. Dieses Prinzip nennt sich Bekräftigung. Hierbei hat die Dauer des so genannten Ruheintervalls zwischen zwei Konditionierungsdurchgängen wesentlichen Einfluss auf den Lernerfolg. Tatsächlich erwiesen sich größere Zeitabstände als weitaus wirkungsvoller als viele Durchgänge in einem kurzen Zeitraum. Pawlow bevorzugte beispielsweise nur einen Durchgang täglich (ebd.: 18f).
Was passiert aber, wenn nach erfolgreicher Konditionierung der konditionierte Reiz wiederholt isoliert, also ohne Bekräftigung durch den unkonditionierten Reiz, dargeboten wird? In einem solchen Fall kann die konditionierte Reaktion abgeschwächt werden oder sogar vollständig ausbleiben. Dieser Vorgang, Löschung (Extinktion) genannt, muss nicht zwangsläufig ein unerwünschter Effekt sein, sondern kann auch systematisch angestrebt werden. Dafür wird der konditionierte Reiz so oft wie nötig ohne den konditionierten Reiz präsentiert, bis die konditionierte Reaktion nicht mehr auftritt.
Nun kann es jedoch passieren, dass nach einer längeren, versuchsfreien, Phase die konditionierte Reaktion, trotz fehlender Bekräftigung, wieder durch den konditionierten Reiz ausgelöst wird. Dieser Fall wird auch als Spontanerholung bezeichnet.
Es ist ebenfalls möglich, dass sich besonders stabile Reiz-Reaktions-Verbindungen als löschungsresistent erweisen. Solche Konditionierungen erfordern eine andere
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Arbeit zitieren:
Michaela Schnisa, 2006, Klassische und operante Konditionierung, München, GRIN Verlag GmbH
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