Inhaltsverzeichnis
1 Kunst oder Wissenschaft? 3
2 Kunst in der Postmoderne 4
2.1 Ästhetik des Fremden. 4
2.2 Auswirkungen des Pluralismus auf den Kunstmarkt 6
3. Philosophie der Kunst 7
3.1 Die Revolution der Kunst durch Pop Art 8
3.2 Die Brillo Box: Symbol der neuen Freiheit 9
3.3 Nach dem Ende der Kunst. 9
4. Theorie der Nachahmung 10
4.1 Kritik an der Theorie der Nachahmung. 11
5. Das Wesen der Kunst 12
5.1 Atmosphäre der Kunst. 13
5.2 Kunst ist politisch. 14
6. Was ist ein Kunstwerk? 15
6.1 Die Metapher als Illusionserzeugung. 17
6.2 Interpretation 18
7. Kunst ist Wissenschaft 19
Literaturverzeichnis. 21
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1 Kunst oder Wissenschaft?
Das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft ist kein ambivalentes. Kunst ist nicht nur gegenständlich, sondern eingebettet in Theorien. Geschichte, Politik und Psychoanalyse sind nur Beispiele für Fachrichtungen, mit denen die Kunst verbunden ist, gar transzendiert. Höhlemalereien beispielsweise, die heute zur Kunst gezählt werden, lieferten wichtige Informationen über ihre Erschaffer wie über deren Leben und nächsten Mitbewohner. Wiederum ihr materielles Gegenstück verbirgt naturwissenschaftliche Informationen beispielsweise darüber, woraus das Werk selbst geschaffen wurde. Kunst steht wie Wissenschaft immer in Abhängigkeit von Zeit und Raum. Der Mensch als Akteur kann freie und innovative Ideen entwickeln, aber er kann sich nicht lösen von seiner Sprache, der Zeitepoche, in der lebt und den kulturellen Normen, die ihn umgeben, auch wenn er bewusst versucht, sie diese Normen zu brechen.
Die Kunstgeschichte der westlichen Zivilisation war bis zu Beginn der Moderne geprägt von Epochen, deren jeweiligen Maxime als bestimmend für die Kunstschaffenden galten. Erstrebenswert war das Erreichen höchst möglicher Perfektion. In der Moderne wollten sich die Künstler von Traditionen lösen. Als Schlagworte lassen sich die Aufklärung und Industrialisierung nennen, die dazu beitrugen, dass diese Entwicklung einsetzte. Mitte des 20. Jahrhundert folgte der Gegentrend. Gesellschaftliche Akteure wehrten sich nicht mehr gegen Vergangenes. Eine Individualisierung folgte. Dies führte dazu, dass es keine vorherrschende Narrative mehr gab. Der daraus resultierende Pluralismus führte erstmals zu der Freiheit, dass jeder Künstler individuell entscheiden konnte, welchen Stil er verfolgt. Es entstand eigenständige und neue Kunst, jedoch in Anlehnung an Vergangenes. Die neue Freiheit warf Fragen und bei manchen Künstlern auch Zweifel auf. Denn seit der Pop Art, die Alltagsgegenstände zu Kunstwerken verklärte, wurde es immer schwieriger Kunst von Nicht-Kunst zu unterscheiden. Die zentrale Frage ist, was Kunst eigentlich ist. Was unterscheidet zwei identisch aussehende Gegenstände, von denen eines ein Kunstwerk sein soll und das andere ein reines Objekt? Die Antwort auf diese Frage wurde von Arthur Coleman Danto, geboren 1924 in Michigan, Vereinigte Staaten, in seinen Werken beantwortet. Der Kunstkritiker und Autor beschäftigte sich mit der östlichen und westlichen Philosophie und ganz konkret mit der Suche nach einer Definition der Kunst. Die Essenz aus den Titeln „Die Verklärung des Gewöhnlichen“ und „Beyond the Brillo Box“ wird im Folgenden herausgearbeitet. Vorab wird ein Blick auf die Eigenschaften der Postmoderne geworfen und die für diese Epoche kennzeichnende „Ästhetik des Fremden“. Den Abschluss bildet eine kritische Stellungnahme. Die Beweisführung, mit der Danto seine
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Theorien verifiziert und die in diesem Text in knapper Form skizziert wird, soll am Ende aufzeigen, dass Kunst nicht nur Handwerk ist, sondern eine Wissenschaft. Dies ist zugleich die These dieser Ausarbeitung.
2 Kunst in der Postmoderne
Die Kunstgeschichte ist, wie bereits erwähnt, geprägt von Epochen, Jede war von einer Narrative, einer Art Leitbild, bestimmt, denen sich deren gesellschaftliche Akteure im Bereich Kunst und Kultur unterworfen. Technische oder auch geisteswissenschaftliche Neuerungen sorgten immer wieder dafür, dass die Epochen ihr Ende fanden und somit neuen Narrativen folgten. Mit Einläutung der „Post Historical Period of Art“, die Danto als Revolution bezeichnet, da sie einen fundamentalen Wechsel des künstlerischen Bewusstsein bedeutete, begann die Postmoderne und mit ihr der Pluralismus. Sie löste die Moderne ab, die gekennzeichnet war durch ihr aufklärerisches Gedankengut und die Erschütterung traditioneller Werte. Während die Moderne noch mehr die Innovation in den Fokus rückte, war dies bei der Postmoderne und dem Pluralismus nicht mehr der Fall. Vielmehr fand fortan eine Rekombination statt, die nur zum Teil innovativ war, da sie lediglich Altes miteinander verband. Danto beschreibt die neue Freiheit folgendermaßen:
“But now, if Pluralism was accepted, in 1981, one option was true as any other. It is not that everything was historically correct; historical correctness had stopped having application.” (Zitat nach Danto 1992: 217)
Ein Mensch realisiere nicht klar, wann eine neue Zeitepoche beginnt. So ließe sich nur in der Retrospektive ausmachen, wann die „Post-Hisorical Period of Art“ begann. Danto setzt diesen Zeitpunkt im Jahre 1965 an. Kunstrichtungen wie die Avantgarde seien nunmehr Stile, keine historischen Momente mehr. Das Ende der Kunst bedeutete nicht, dass das Kunstschaffen eingestellt wurde, sondern lediglich dass es keine Narrative der Zeit mehr gab und der Drang nach neuen Entdeckungen oder Durchbrüchen vermindert war. Man könne demnach „Post-Historical Period of Art“ gleichsetzen mit „Post-Narrative Period of Art“.
2.1 Ästhetik des Fremden
Danto glaubt, dass die Pluralisierung der Kunst und der damit verbundene Verlust einer Leitlinie nicht mehr rückgängig gemacht werden kann (vgl. Danto 1992: 10). Die Kunst bediente sich an allem, was sich ihr an vergangenen Epochen und Stile anbot. Die Wiederaufnahme früherer Kunstrichtungen und -stile wurde mit dem Zusatz „Neo-„ versehen und so „entstand eine Literatur und Kunst der Variation, in der das Andere in der Veränderung des bereits Bekannten besteht und in der die Alterität einen subtilen Charakter
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annimmt“, wie es der Autor Herbert Grabes formuliert (vgl. Grabes 2004: 104). Durch die Veränderung des bereits Bekannten, die er als „subtile Differenz“ bezeichnet, entstehe nicht das Bahn brechende Neue, sondern vielmehr werde das Bekannte, das schon da gewesene, verändert und neu kombiniert. Dadurch müsse man in der Postmoderne über mehr Wissen über Kunstgeschichte und Kunstepochen verfügen (vgl. Grabes 2004: 105). Es gibt zudem schlicht ein größeres Repertoire aus dem ein Künstler schöpfen kann. Dieses wird wiederum ergänzt durch die Einbeziehung neuer Medien. All das schafft größere Freiheiten und führt dazu, dass immer mehr Menschen sich zur Kunst berufen fühlen. Dass die Künstler aufgrund des größeren Konkurrenzdrucks und der fehlenden Leitlinie in die Bedeutungslosigkeit abdriften und das daraus das Ende des Kunstschaffens resultieren kann, sieht Grabes nicht. Vielmehr rege die „Fülle des Vorhanden“ an, „Neues zu schaffen“ (vgl. ebd.: 106). Der Reiz der „Variation“ liegt in der geringen „materialen, stilistischen oder thematischen Differenz“, deren Einsatz eine große Veränderung in der Wirkung schafft (vgl. ebd. 2004: 107). In der „Neo“-abstrakten Kunst seien beispielsweise viele Kunstwerke Zitate. Die Variation bestehe hier in einer deutlichen Beziehung malerischer Zeichen auf bereits vorhandene Zeichen, die den Effekt einer „Dekonstruktion“ haben (vgl. ebd.: 109). Da seitens der Künstler die Unterschiede zwischen „alt“ und „neu“ nicht mehr so deutlich erkennbar gemacht würden und diese keine Angst davor hätten, für „epigonal“ oder „plagiatorisch“ gehalten zu werden, bedeutete dies, laut Grabes, eine Wiederbelebung der Ästhetik der „Mimesis“, die von der Renaissance des 12. Jahrhunderts bis zum 18. Jahrhundert, in dem sie von der „Genieästhetik“ abgelöst wurde (vgl. ebd.: 115).
Auch Danto befasst sich in weiten Teilen in seinem Buch „Die Verklärung des Gewöhnlichen“ mit der Theorie der „Mimesis“ bzw. „Nachahmung“ nach Aristoteles und Platon. Jedoch macht er, in Anerkennung ihrer theoretischen Leistung, ihre Schwächen und Auslassungen deutlich (vgl. Danto 1984: 33-42; 46; 49-53; 106f.; 109-120; 131-133; 228-232; 245-251). Ihrem Streben nach größt möglicher Kongruenz von Objekt und seiner Nachahmung teilt er nicht, da diese optische Gleichheit keine inhaltliche Übereinstimmung bedeuten muss. Die Hinwendung zur „Ästhetik der abgemilderten Alterität“ bzw. der „subtileren Differenz“, die die Postmoderne bis heute bestimmt, bedeutet, laut Grabes, „die Eröffnung eines unbegrenzten Feldes neuer Möglichkeiten für die künstlerische Kreativität“ (Zitat nach Grabes 2004: 15). Diese Eröffnung bezieht sich nicht nur auf Stile, Inhalte oder Materialien, sondern auch auf die Hinwendung zu anderen Kulturen (vgl. Grabes 2004: 199) Diesen Aspekt beschreibt auch Danto, wie folgt:
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“I think that modernity begins with the loss of belief in the defining narrative of one’s own culture. When that narrative is strong and taken simply as the way things are, it is almost impossible to be influenced by another culture.” (Zitat nach Danto 1992: 124) Damit begründet sich, laut Danto, der Wandel und der Beginn der Moderne in dem Moment, als japanische Malerei Einfluss auf die westliche Kunst nahm und nicht länger als Kuriosität angesehen wurde (vgl. Danto 1992: 125). Den Beginn der Moderne zählt Danto zu den drei grundlegenden epischen Momenten der Geschichte, zu denen außerdem die Renaissance und die Aufklärung gehören (vgl. ebd.: 127).
2.2 Auswirkungen des Pluralismus auf den Kunstmarkt
„Die Konkurrenz des Gleichzeitigen“, die mit dem Pluralismus in der Postmoderne verbunden ist, wird oftmals sehr kritisch betrachtet (vgl. Grabes 2004: 121 f.). Der Zustand, dass alles zu jeder Zeit Einfluss gewinnen kann, beschreibt Danto auch als “a disordered past corresponding to a disordered present and future.”(Zitat nach Danto 1992: 123). Das Stadium der Postmoderne steht damit in ständigen Bezug zur Vergangenheit, lässt jedoch eine Narrative der Gegenwart vermissen: “we face the future without a narrative of the present.”(Zitat nach Danto 1992: 128 f.). Viele betrachten diese Entwicklung in der Kunst kritisch. So spricht Habermas von der „neuen Unübersichtlichkeit durch eminente Ausweitung der Kunstproduktion, -vermarktung und -rezeption in den letzten Jahrzehnten.“(Zitat nach Habermas In Grabes 2004: 122).
Grabes drückt dies in Zahlen aus: So wurden in New York circa 15 Millionen Kunstwerke im späten 20. Jahrhundert hergestellt. Es gibt dort 680 Galerien, um deren Ausstellungsraum sich ungefähr 150 000 professionelle Künstler bemühen (vgl. ebd.: 123). Radikale Fremdheitserfahrungen seien kaum mehr möglich, fast alles sei lediglich „etwas anders“ und so prognostiziert Grabes eine lange Geltungsdauer der „Ästhetik des Fremden“, die er theoretisch mit Kants „Kritik der Urteilskraft begründet (vgl. ebd.: 125). Sie beschreibt das „Fremde als subtile Differenz in der späten Postmoderne.“ (Zitat nach Grabes 2004: 104). Die vorherrschende Pluralität und die Masse an Neuproduktionen verhindert jegliche Durchsetzung einer neuen Narrative.
Die Furcht vor einem drohenden Qualitätsverlust greift Danto in „Beyond the Brillo Box“ auf. Er beschreibt, dass der gegenwärtige Pluralismus Fragen nach hervorragenden Fähigkeiten und Leistungen in Fragen der Macht verwandelt habe. Demnach stehe die oft gepriesene Vielfältigkeit herausragenden Künstlern feindlich gegenüber und letztendlich auch feindlich gegenüber der Wahrheit (vgl. Danto 1992: 220). Trotz dieser Kritik stelle die Postmoderne
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Arbeit zitieren:
Jennifer Dreher, 2007, Kunst in der Postmoderne, München, GRIN Verlag GmbH
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