Gliederung
Einleitung 3
1. Definition wichtiger Grundbegriffe 3
1.1.Gruppe 3
1.2.Rolle 6
2. Auswirkungen von Rollenbildung auf das Gruppengeschehen 7
2.1.Das Phasenmodell der Gruppenentwicklung nach Stahl 7
2.2 Entwicklungsfördernde und -hemmende Auswirkungen von Rollen 9
2.2.1.Allgemeine Auswirkungen 9
2.2.2.Spezielle Auswirkungen von psychologischen- und gruppendynamischen
Rollen 11
3.Implikationen für die Arbeit mit Gruppen 14
3.1.Erste Strategien 14
3.2.Feedback......................................................................................................... 17
4.Konklusion 18
Literaturverzeichnis 19
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Einleitung
Während meiner Arbeit als Erzieherin in einer Kindertagesstätte ist mir insbesondere ein sechsjähriger Junge aufgefallen, der anderen Kindern laufend Befehle erteilte. Was mich daran so verwunderte war jedoch in erster Linie nicht das Verhalten dieses Jungen, sondern vor allem die Tatsache, dass die meisten Kinder seinen Befehlen tatsächlich Folge leisteten, selbst solche, die ich sonst als sehr selbstbewusst und willensstark erlebte. Ich hatte damals erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit diesem und auch mit anderem durch das Rollengefüge in der Gruppe beeinflusstem Verhalten. Meiner Ansicht nach wurde ich durch die Ausbildung auf diese Problematik nicht ausreichend vorbereitet, da die Rollenbildung in Gruppen nur sehr oberflächlich behandelt wurde. Während der Veranstaltungen zum Modul „Arbeit mit Gruppen“ kam ich nun wiederholt mit dieser Thematik in Berührung, wodurch mein persönliches Interesse daran erneut geweckt wurde.
Ich möchte mich in dieser Arbeit insbesondere mit dem Rollenverhalten in Gruppen auseinandersetzen, um daraus Richtlinien für die Praxis von Gruppenleitern folgern zu können. Es soll also um die Frage der Implikationen des Rollengefüges für die Arbeit mit Gruppen gehen. Hierfür ist es zunächst notwendig, die Begriffe „Gruppe“ und „Rolle“ zu definieren. Anschließend sollen unter Einbezug des Phasenmodells der Gruppenentwicklung nach Stahl die Auswirkungen der Rollenbildung auf den Gruppenprozess dargelegt werden, um schließlich eine Analyse dieser Auswirkungen bezüglich ihrer Implikationen für die Arbeit mit Gruppen anzufertigen.
1. Definition wichtiger Grundbegriffe 1.1 Gruppe
Ab wann wird eine Ansammlung von Menschen zur Gruppe? Wie viele Menschen bilden eine Gruppe? Was macht eine Gruppe grundsätzlich aus? Mit diesen und anderen Fragen haben sich bereits viele Wissenschaftler beschäftigt und dennoch existiert bis heute keine allgemein geltende Definition des Gruppenbegriffs. Im Folgenden soll daher anhand dreier definitorischer Ansätze ein Einblick in diese
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Vielfalt gegeben und anschließend einige wesentliche Gruppenmerkmale herausgearbeitet werden.
Der Begriff der „Gruppe“ geht nach
Hofstätter
auf das „schon im Althochdeutschen nachgewiesene Wort
Demgegenüber nähert sich Cooley (in Joas 2003, S. 206f) dem Gruppenbegriff durch eine Klassifikation bezüglich der Beziehungen der Gruppenmitglieder, sowie der Stabilität der Gruppe in „Primär-„ und „Sekundärgruppen“ an. Primärgruppen sind durch kontinuierliche persönliche Interaktion, intensive persönliche Beziehungen der Gruppenmitglieder, sowie eine relativ lange Dauer gekennzeichnet. Sie haben starken Einfluss auf die persönliche Entwicklung. Zu den Primärgruppen zählen z.B. Familien und enge Freundeskreise. Im Gegensatz zu Hofstätter sieht Cooley die Familie also durchaus als eine Gruppe. Sekundärgruppen beschränken sich auf das Erreichen bestimmter Ziele, daher bestehen zwischen den Gruppenmitgliedern keine besonders engen Beziehungen und Interaktionen. Sekundärgruppen sind zudem zeitlich stärker begrenzt als Primärgruppen.
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Hartley unterscheidet, unter Sichtung der maßgeblichen sozialpsychologischen Literatur, vier verschiedene Typen von Gruppendefinitionen, die jeweils bestimmte Merkmale als die der Gruppe eigenen betonen. Während eine Definition die Gruppe nach ihrem gemeinsamen Schicksal definiert, richten andere ihren Fokus auf die Sozialstruktur oder die besondere Interaktionsform innerhalb der Gruppe. Der letzte Definitionstyp, genannt „categorization“, wird von Hartley präferiert. Hier ist die Existenz einer Gruppe an die Überzeugung der Gruppenmitglieder oder Außenstehender gebunden, „that a group exists and they are or are not members“ (Hartley 1997, S. 20). Idealtypisch für diese Definitionsgruppe sei die Definition von Turner, die die Existenz einer Gruppe von eben jener Selbstwahrnehmung, sowie von der emotionalen Bindung der Mitglieder und einer minimalen sozialen Übereinstimmung über die Einschätzung ihrer Gruppe abhängt. Schließlich ergänzt Hartley drei Variablen, die für eine genaue Bestimmung des Gruppenbegriffs unerlässlich seien (ebd., S. 21f). So ist es erstens äußerst fraglich, ob zwei Personen (Dyade) bereits eine Gruppe bilden können. Grundsätzlich verändern sich wichtige Prozesse unter Variierung der „Gruppengröße“. Als zweite Variable nennt Hartley „soziale und kulturelle Variation“: In verschiedenen Kulturen sind unterschiedliche Korrelationen zwischen Rollenkonstellationen und Gruppenproduktivität zu erwarten. Bedeutung und Bewertung sozialen Verhaltens wird je nach Kultur unterschiedlich vorgenommen. Schließlich zieht Hartley das Merkmal der „Gruppengrenzen“ zur Präzisierung des Gruppenbegriffs heran. So können bei vielfältigen Gruppenmitgliedschaften innere Loyalitätskonflikte entstehen, die das Verhalten in einzelnen Gruppen prägen.
Im Vergleich der verschiedenen Ansätze lässt sich eine Schnittmenge gemeinsamer Merkmale von Gruppen ausmachen. So besteht jede Gruppe aus mehreren Personen, die miteinander kommunizieren und interagieren, also zueinander in sozialen Beziehungen stehen. Die Gruppenmitglieder sind zudem auf bestimmte zeitliche Dauer durch gemeinsame Erlebnisse, Interessen und/oder Ziele miteinander verbunden, wodurch ein Wir-Gefühl entsteht. Ein weiteres Charakteristikum für Gruppen ist das Entwickeln gemeinsamer Normen und Werte, sowie aufeinanderbezogener sozialer Rollen.
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1.2 Rolle
Nach Coburn-Staege (1973, S. 9) stammt der Begriff „Rolle“ ursprünglich aus dem lateinischen (rotulus: „das kleine Rad oder der runde Klotz“). Später wurde die Bedeutung des Begriffs auf Schriftrollen erweitert, welche aus einer hölzernen Rolle und Pergamentbögen bestanden. Auf diese wurden neben offiziellen Schriften wie Urkunden oder Gesetze auch buchähnliche Zusammenstellungen geschrieben, wozu auch die Partien eines Schauspielers gehörten, welche er in einem Theaterstück darstellen sollte. So wurde „jede szenische Rolle zur Rolle“ (ebd.). Die Rolle soll sich in ihren Grundzügen nicht verändern, unabhängig davon, wer sie spielt. Aus diesem Rollenbegriff des Theaters entwickelte sich der Gebrauch des Rollenbegriffs in Bezug auf das menschliche Zusammenleben, wo jeder Rolle ebenfalls bestimmte Verhaltensweisen, Charaktermerkmale und Eigenschaften zugewiesen werden. Der Unterschied zum Theater liegt nach König und Schattenhofer darin, dass Text und Verhalten des Rollenspielers nicht von einem Autor bestimmt werden, sondern aus den Erwartungen entstehen, „die von den anderen Mitspielern und dem Publikum der jeweiligen Rolle entgegengebracht und vom Rollespieler hinreichend akzeptiert werden sowie von ihm in unterschiedlichem Ausmaß verinnerlicht sein können“ (König/Schattenhofer 2006, S. 47).
Es gibt viele verschiedene Arten von Rollen, die wir in unserem Leben, häufig sogar gleichzeitig einnehmen können, so etwa geschlechtsspezifische, familienspezifische, berufsspezifische oder kulturspezifische Rollen, um nur einige zu nennen. Diese Rollenarten sind jedoch für die Arbeit mit Gruppen weniger bedeutsam, wenn auch nicht gänzlich auszuschließen. Im Folgenden werden nunmehr ausschließlich Klassifikationen von Rollen im Kontext von Gruppen nach verschiedenen Autoren gegenübergestellt.
So teilt Antons Rollen in die Bereiche „Aufgabenrollen“, „Erhaltungs- und Aufbaurollen“ und „Rollen, die Spannung anzeigen“ ein. Er beschreibt Rollen als Verhaltensweisen, wie z.B. „Koordinieren“ oder „Regeln bilden“, welche einen bestimmten Einfluss auf das Gruppengeschehen haben (Antons 2000, S. 226ff). Demgegenüber unterscheiden Benne und Sheats (in: Hartley 1997, S. 120) „group task roles“, „group maintenance roles“ und „individual roles“, womit Rollen bezüglich der Gruppenaufgabe, der Instandhaltung der Gruppe, sowie der individuellen
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Arbeit zitieren:
Michaela Schnisa, 2007, Rollen im Gruppenkontext und ihre Implikationen für die Arbeit von Gruppenleitern, München, GRIN Verlag GmbH
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