Machiavelli gilt damit als einer der Vordenker des europäischen Absolutismus und gesellt sich damit in eine Reihe mit Jean Bodin und Thomas Hobbes, die beide Souveränität des Staates nach außen und innen für essentiell für das Überleben betrachteten, ja sogar den Staat erst zu dem weiterdachten, was er heute ist: eine künstliche Person, der Leviathan, idealerweise konfessionell neutral und mit mächtigen Institutionen ausgestattet. „Der Staat bin ich“, wird später der absolutistisch regierende Ludwig XIV. in Frankreich sagen und er dürfte sich mit dem Machiavellismus am besten arrangiert haben.
Letztere sollen natürlich im Dienste des Monarchen stehen. Maxime bei Machiavelli ist das „Allgemeinwohl“ (Hoerster, S.99). Es erscheint zunächst paradox, denn wie können sich absolute Macht und das Wohl des Volkes vertragen? Dadurch, dass der Fürst alle Macht innehat, kann das Volk nach der Logik Machiavellis vor sich selbst geschützt werden. Auch sonst hat Machiavelli für basisdemokratische Bestrebungen wenig übrig und erteilt ebenso wie Hobbes und Bodin in aristotelischer Manier der reinen Volksherrschaft eine Absage: „Wer dem Volk vertraut, hat auf Sand gebaut“ (Hoerster, S.107), sagt der Florentiner, der aufgrund der Bürgerkriegswirren in seiner Heimat zutiefst von Pessimismus geprägt ist.
Zu viele Einzelinteressen sieht er am Werk, zu viel „Schlechtes“, das es zu beseitigen gilt. Starke Macht ist für Machiavelli ein Heilmittel, um den Partikularismus Einhalt zu gebieten – Selbstzweck soll Macht aber nicht werden. Vom absolut herrschenden Regenten wird gefordert, die Macht nicht willkürlich auszuüben, eine Tyrannis sieht Machiavelli aber als ebenso schlecht an wie eine Pöbelherrschaft: „Denn ein Fürst, der tun kann, was er will, ist unsinnig, ein Volk, das tun kann, was es will, ist nicht weise.“ (Bergstraesser/Oberndörfer S.118). Machiavelli will die erstarkenden Bürger der Städte doch nicht ganz außen vor lassen. Hat der Monarch erstmal die Zügel in der Hand, können Konflikte beseitigt werden und die Monarchie zumindest in den Städten Republiken weichen, die so etwas wie gemischte Verfassungen zulassen und damit die Bürger an der Entscheidungsfindung beteiligen. Machiavelli zufolge ist die Verfassung perfekt, die es dem Staat ermöglicht, seine Aufgaben nachzukommen. Machiavelli kann daher als Republikaner bezeichnet werden, der die Alleinherrschaft eines Fürsten nur als Übergangsphase sah, die aber dauern konnte, so lange es eben nötig war. Machiavelli ist somit ein Freund des
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Gemeinwohls und nicht des Alleinherrschers, wie er oft fälschlicherweise dargestellt wird.
Das „Weibische“ per Staatsraison bändigen
Zwei wesentliche Begriffe tauchen bei Machiavelli in dem Zusammenhang mit Herrschaft auf, fortuna und virtú. Fortuna vergleicht der Autor auf recht chauvinistische Weise mit einem „Weib, und wer sie bezwingen will, muss sie schlagen [...]“ (Hoerster, S.108). Das Weibische, das Machiavelli mit dem Launenhaften, Ungestümen, letztlich dem Unvorhersehbaren gleichsetzt, kann aus seiner Warte schlimmstenfalls ein Gemeinwesen ins Chaos stürzen. Um dem wirkungsvoll zu begegnen, bedarf es als Methode pure Macht in Form der Staatsräson. Alle Partikularinteressen müssen sich demnach dem Interesse des Staats unterordnen. Das ist mit virtú gemeint, das Staatsmännische, das Unumstößliche, das Verlässliche.
Als Fürst wie ein Fels in der Brandung zu stehen, das ist die eigentliche politische Tugend bei Machiavelli. Jede vorschnelle Macht-Beschränkung des Souveräns durch andere Kräfte würde die politische Ordnung gefährden und ohne die käme es zu dem unabwendbaren Krieg aller gegen alle, wie ihn Thomas Hobbes im Leviathan beschreibt. Demokratische Checks und Balances wären Machiavelli daher ein Graus gewesen. Schranken gegen eine Tyrannis aber gibt es auch bei Machiavelli nicht.
Realpolitik und starke Führerfigur
Machiavellis Ansatz einer zentral und strikt von oben nach unten regierenden Führungsfigur ist zudem damit zu erklären, dass der Autor die Dinge sieht „wie sie sind“ (Münkler,1985:32) und genau das von den Fürsten verlangt. Normative Grundsätze, wie etwas sein soll, werden vernachlässigt. Das Gute, das Idealistische, hat bei Machiavelli keinen Platz – kein Wunder, führt man sich die Zustände in Italien seinerzeit vor Augen. Der Autor erklärt unverblümt: „Ein Mensch, der immer nur das Gute möchte, wird zwangsläufig zugrunde gehen inmitten von so vielen Menschen, die nicht gut sind.“ (Bergstraesser/Oberndörfer, S.108). Der Monarch darf daher alles tun, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, auch wenn dafür Blut fließen muss.
Schein der Macht
Dass solche Vorstellungen massive Kritik nach sich ziehen musste, war absehbar. Nicht umsonst ist Machiavelli als „Ästhet der Gewaltsamkeit“ (Münkler,1985:30) gebrandmarkt worden.
Dieser Vorwurf ist aus heutiger Sicht einfach zu erheben. Der italienische Machiavelli-Forscher Maurizio Viroli zeigt in seinem Buch „Das Lächeln des
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Arbeit zitieren:
Christian Minaty, 2007, Machiavelli, München, GRIN Verlag GmbH
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