Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der chronische Konflikt Eine Begriffsbestimmung 3
3. Konflikttypologie und Analyseebenen 5
4. Der arabisch-israelische Konflikt ein chronischer Konflikt 7
Der Nahost-Konflikt zwischen 1900 1947 9
1. Nahost-Krieg Unabhängigkeitskrieg 1948 49 11
2. Nahost-Krieg Suez-Krise Sinai-Feldzug 1956 12
3. Nahost-Krieg 6 Tage-Krieg Juni-Krieg 1967 13
4. Nahost-Krieg Oktoberkrieg Yom-Kippur Krieg 1973 13
Camp-David Abkommen 1978 Friedensvertrag 1979 14
5. Nahost-Krieg 1982 14
1. Intifada 1987 1993 15
Nahost-Friedensprozess ab 1991 16
5. Chronischer Konflikt durch Verstetigung auf lokaler Ebene Ein Fazit 19
Literatur Quellen 22
Literatur 22
Quellen 22
1
1. Einleitung
Das der arabisch-israelische Konflikt ein weltpolitisch relevanter ist, ist unbestritten. Seine Gesichter sind mannigfaltig wie die Definitionen des Begriffs Konflikt an sich. Er ist ein Ter- ritorialkonflikt, ein Glaubenskonflikt, ein Konflikt um Staatlichkeit und Autonomie und ein Ressourcenkonflikt im Kampf um Wasser. 1 Man kann den arabisch-israelischen Konflikt in vielerlei Hinsicht typologisieren. So ist er zum einen ein Interessenkonflikt zwischen mehre- ren Parteien (wobei eine davon immer Israel war und ist) und zum anderen ein Herrschafts- konflikt zwischen verschiedenen Etnien, den Juden und den Arabern. 2 Vor allem aber fällt der arabisch-israelische Konflikt auch wegen seiner zeitlichen Genese und Dauer auf. Diese bilden in erster Linie die Grundlage zur Erörterung dieses Konfliktes als einen chronischen Konflikt.
Was meint das Begriffspaar chronischer Konflikt im Allgemeinen, und was im Beson- deren, bezogen auf einen internationalen Konflikt wie eben den israelisch-arabischen Konflikt von heute? An welche weiteren Konflikttypen grenzt dieser Konflikt in einer Typologie welt- politischer Konflikte? Welche Merkmale sind ihm inhärent? Und auf welchen analysierbaren Ebenen läuft der israelisch-arabische Konflikt als ein chronischer Konflikt ab?
Nachfolgend wird hier als erstes das Begriffspaar chronischer Konflikt näher definiert und die auf die Analyseebenen von (internationalen) Konflikten eingegangen werden. Danach beschäftigt sich der Verfasser mit der Analyse des arabisch israelischen Kon- flikts hinsichtlich seiner Merkmale, die auf einen chronischen Konflikt schließen lassen. Im abschließenden Fazit wird dargestellt warum der arabisch-israelische Konflikt nur schwierig aus seinen ihn verstetigenden Elementen entwachsen kann um nicht irgendwann in einer Typologie in die Kategorie eines „permanenten Konflikts“ zu fallen und auf welche Ak- teursebene dabei die wichtigste Rolle spielt.
1 vgl. Margret Johannsen, Der Nahost-Konflikt, 2006, S. 55ff.
2 vgl. Hans-Michael Happel, Ursachen und Bedingungen von Konflikten zwischen Kollektiven, 1994, S. 90 und
S. 178.
2
2. Der chronische Konflikt – Eine Begriffsbestimmung
Wie Thorsten Bonacker und Peter Imbusch in einer Einführung in die Friedens- und Konflikt- forschung 3 treffend bemerken, ist Konflikt ein im Alltag ziemlich inflationär gebrauchter Beg- riff. Auch in den Gesellschaftswissenschaften zählen sie ihn zu den meist verwendeten. Im- mer dort wo ein Konsens, eine Gemeinsamkeit oder Harmonien zu zerbrechen drohen, wo Gewalt, sei es physischer oder psychischer Art angewendet wird, entsteht oder existiert ein Konflikt. In der Soziologie und Politikwissenschaft existieren unzählige Definitionen und Er- läuterungen zum Thema Konflikt sowie zahlreiche Konflikttheorien. 4 Bonacker und Imbusch geben selbst eine Definition und sehen Konflikte „als soziale Tatbestände, an denen mindestens zwei Parteien (Einzelpersonen, Gruppen, Staaten etc.) be- teiligt sind, die auf Unterschieden in der sozialen Lage und/oder auf Unterschieden in der In- teressenkonstellation der Konfliktparteien beruhen“. Allerdings bleiben hier Beginn, Ende und Verlauf eines Konflikts unberücksichtigt. Interessant erscheint darin die implizite aber trotzdem herauslesbare Einteilung der Konfliktparteien in unterschiedliche Ebenen. Die Un- terscheidung zwischen einzelnen Subjekten („Einzelpersonen“) und Kollektiven („Gruppen“, Staaten“) und deren Zuordnung in verschiedene Analyseebenen wird bei der nachfolgenden Erörterung des israelisch-arabischen Konflikts noch eine große Rolle spielen.
Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) gib in seinem jährlich erscheinenden Konfliktbarometer eine pragmatische Definition, die es dem Fachbe- reich Internationale Beziehungen relativ einfach ermöglicht weltpolitische Geschehnisse als Konflikte zu identifizieren: „Konflikte sind Interessengegensätze (Positionsdifferenzen) um nationale Werte von einiger Dauer und Reichweite zwischen mindestens zwei Parteien (orga- nisierte Gruppen, Staaten, Staatengruppen, Staatenorganisationen), die entschlossen sind, sie zu ihren Gunsten zu entscheiden.“ 5 Auch hier werden Ebenen der an einem Konflikt beteilig- ten Akteure benannt, die zur Konfliktanalyse dienlich sein können. Ein Punkt, den das HIIK auch weitgehend unbestimmt lässt, ist die Dauer von Konflikten. Zwar wird der Faktor „Zeit“ grundsätzlich berücksichtigt („von einiger Dauer“). Wie den meisten anderen Definitionen fehlt aber auch hier der dynamische Verlauf, der vor allem länger andauernden Konflikten eigen sein dürfte.
3 vgl. Thorsten Bonacker und Peter Imbusch, Zentrale Begriffe der Friedens- und Konfliktforschung: Konflikt. Gewalt, Krieg, Frieden, in: Peter Imbusch und Ralf Zoll (Hrsg.), Friedens- und Konfliktforschung, Eine Einfüh- rung, 2005, S. 69.
4 vgl. Bonacker und Imbusch, 2006 | Happel, 1994, S. 8ff 5 vgl. Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung, Konfliktbarometer 2006:
http://www.hiik.de/konfliktbarometer/pdf/Konfliktbarometer_2006.pdf, Stand: 20.08.2007.
3
Happel moniert eben genau dieses Fehlen der Dynamik eines Konfliktes, in vielen von ihm analysierten Definitionen. In der von ihm vorgeschlagenen, eher allgemeinen Definition bezieht er sich zwar nicht auf weltpolitische Konflikte, wie den israelisch-arabischen, bezieht aber den prozessualen Charakter eines Konflikts mit ein: „Konflikt ist aufzufassen als ein Ausschnitt aus einem größeren Geschehen oder Umfeld; räumliche-, zeitliche- und Umwelt- perspektiven sind also zu beachten. Von Konflikt kann gesprochen werden, wenn mindestens zwei Konfliktparteien [...] Bewegungen ausführen, [...] die im weiteren Verlauf des Konflikt- prozesses zusammenprallen oder sich (gegenseitig) behindern. Von diesem Zeitpunkt an ist der weitere Prozessverlauf variabel, da Möglichkeiten zur Eskalation, Deeskalation, usw. be- stehen.“ 6 An dieser Stelle soll keine weitere Definition von Konflikt gegeben werden. Vielmehr werden die vom Verfasser als wichtig erachteten Eigenschaften von Konflikten aus den oben stehenden Definitionen zur weiterführenden Erörterung vor allem des chronischen Konflikts zusammengefasst. Diese Faktoren sind:
an Konflikten sind 2 oder mehrere Parteien auf unterschiedlichen (Kollektiv-) E-
- benen beteiligt;
zwischen diesen Parteien bestehen Unterschiede in der sozialen Lage sowie Inter-
- essensgegensätze;
Konflikte sind von einiger Dauer
- der Konfliktverlauf ist dynamisch – es bestehen mit den Möglichkeiten zu Eskala-
- tion und Deeskalation verschiedene Intensitätsgrade eines Konflikts.
Der Begriff des chronischen Konflikts findet sich in einer Typologie bei Helmut Hubel. 7 Er versucht zwar einen Überblick, keine vollständig entwickelte Konflikt-Systematik zu geben. Diesem Text vorausgreifend, erscheint Hubels Einordnung heutiger lokaler und regionaler Konflikte in einen größeren, weltpolitischen Zusammenhang nur als logisch. Spätestens seit Kenneth Waltz` Man, State and War 8 umfassen die Analyseebenen von Konflikten eben diese drei Bereiche.
Der Begriff chronisch wird wohl in den Bereichen der Medizin und Psychologie am häufigsten verwendet. Dort meint dieser sich langsam entwickelnde beziehungsweise langsam
6 vgl. Happel 1994, S. 13
7 Helmut Hubel, Weltpolitische Konflikte. Eine Einführung, Baden-Baden 2005, S. 64ff.
8 Kenneth N. Waltz, Man, the State and War: a theoretical analysis, New York 1959.
4
verlaufende Krankheiten. 9 Im umgangssprachlichen Gebrauch steht er für etwas dauerndes, ständiges, lang anhaltendes. 10 Was einen chronischen Konflikt außer seiner meist langen Dauer charakterisiert wird weiter unten am Beispiel des arabisch-israelischen Konflikts analysiert und dargestellt.
3. Konflikttypologie und Analyseebenen
Bei der Übersicht der entsprechenden Literatur scheinen ebenso viele Konflikttypologien zu existieren, wie es Definitionen zu dem Begriff Konflikt gibt. Happel gibt eine Vielzahl von Bindestrich-Konflikten 11 an, die er nach 5 Kategorien schematisiert: 1. nach der Bezeichnung der Ebene, in der Konflikte stattfinden; 2. nach den abstrakten Objekten oder Phänomenen, die sich um einen Konflikt abspielen; 3. nach sozialen oder psychologischen Zusammenhänge eines Konflikts; 4. nach der realen oder nicht-realen Grundlage eines Konfliktes; 5. nach der konkreten Gegebenheit eines Konfliktes.
Eine allgemeingültige Klassifizierung von Konflikten und sei sie nur für einen be- stimmten Analysefokus wie den der weltpolitischen Konflikte im politikwissenschaftlichen Fachbereich der Internationalen Beziehungen, ist schwierig, wenn nicht sogar gar nicht zu geben. Bei der Analyse wird man bei einzelnen oder auch einigen Konflikten immer de- ckungsgleiche Ausprägungen, Konfliktursachen, -verläufe oder Akteursebenen finden. Sie werden sich in mehreren Ausprägungen aber auch unterscheiden, so dass jeder Konflikt, je nach Betrachtungswinkel verschiedentlich typologisiert werden kann. Im Endeffekt hängt dies von den Absichten des jeweiligen Autors ab, die er mit seiner Untersuchung verfolgt. 12 Hubel nimmt zum Überblick heutiger weltpolitischer Konflikte eine siebenteilige Ty- pologisierung vor. Gleichzeitig verweist er darauf keine allgemeingültige Systematik anbieten zu wollen. Seine Intention ist es lokale und regionale Konflikte in einen größeren, weltpoliti- schen Zusammenhang einzuordnen und so deren Analyse um eine Ebene zu erweitern. Seiner Meinung nach im Gegensatz zu den meisten „Dritte-Welt-spezifischen“ Betrachtungen, in denen größere Zusammenhänge „nicht selten ausgeblendet oder weniger sachkundig themati- siert“ werden. 13
9 Willibald Pschyrembel, Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch, Berlin 2004.
10 Duden, Das große Fremdwörterbuch, Mannheim 2003.
11 vgl. Happel, 1994, S. 41. Ein Gefühl für die Masse an Konfliktbezeichnungen bietet Happel durch die Benen- nungen aus verschiedenen Stichwortverzeichnissen.
12 vgl. Happel, 1994, S. 42.
13 vgl. Hubel, 2006, S. 63.
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Quote paper:
Andreas Waidosch, 2007, Chronische Konflikte am Beispiel des arabisch-israelischen Konflikts, Munich, GRIN Publishing GmbH
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