INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2. Situation in Frankreich 4
Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2006 13
2.1. Fazit: 15
3. Situation in Italien 16
3.1 Konzentration auf dem italienischen Markt 20
3.2. Fazit: 23
4. Literaturverzeichnis. 25
Anlage I (Quelle WAN, eigene Darstellung) 27
Anlage II (Quelle WAN, eigene Darstellung) 27
2
1. Einleitung
Sinkende Auflagen der Tagespresse, wenige Verlage, die das Geschehen beherrschen und eine unsichere Zukunft aufgrund der zunehmenden Stärke der digitalen Medien, sind keine ausschließlich Deutschen Phänomene. Auch die Franzosen kämpfen seit den 50ern gegen sinkende Auflagen und gegen die zunehmende Konzentration des Marktes auf einige wenige große Unternehmen.
Die Italiener haben seit je her ihre Stärken in anderen Medien als der Tagespresse, besonders wenn es um den Fortschritt geht. Die Presse in Italien wird zwar vom Staat bezuschusst, trotzdem ist die Titelanzahl im Vergleich zu Deutschland sehr gering. Kraft - so scheint esschöpft die Presse aus dem italienischen Lieblingssport, dem Fußball. Und das obwohl sich der Großteil der Fans die Spiele gemeinsam vor dem Fernseher anschauen. Sportzeitungen stehen in Italien hoch im Kurs.
Alle drei Länder, Deutschland, Frankreich und Italien haben bei der oberflächlichen Betrachtung also ähnliche Kämpfe auf dem Tageszeitungsmarkt auszutragen, hohe Konzentration, sinkende Auflagen, Schwierigkeiten sich gegenüber dem Fernsehen und Internet als Nachrichtenquellen zu behaupten. Und trotz der ähnlichen Probleme unterscheiden sich die Märkte und Traditionen der französischen und italienischen Presse erheblich von der Deutschen. Wie die Situation des französischen und des italienischen Marktes zurzeit ist, soll diese Hauptseminararbeit zeigen. Dabei wird vorwiegend auf die Tagespresse eingegangen. Alle anderen Segmente, wie Wochenpresse, Zeitschriften und Gratiszeitungen, sowie andere Medien werden in einigen Fällen, in denen es wichtig erscheint, angesprochen.
3
2. Situation in Frankreich
Die französische Presse kämpft im Grunde seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gegen sinkende Auflagen. Zu Beginn der 50er Jahre kam es zu einem großen Zeitungssterben 1 , das in periodischen Abständen immer wieder in Frankreich stattfindet. Während des Fernsehbooms in den 70ern und erneut in den 90ern. Dabei mussten traditionsreiche Zeitungen ihre Produktion einstellen. Neue Zeitungen überlebten meist nur kurz. Hinzu kam, dass sich die Eigentumsverhältnisse der bestehenden Zeitungen permanent änderten. Auch heute sind Fusionen und Übernahmen keine Seltenheit. Der Anpassungsprozess an neue Mediensituationen scheint in Frankreich nur schleppend zu verlaufen.
Modernisierungsprozesse wurden lange hinausgezögert und müssen heute nachgeholt werden. Dazu ist oftmals viel Kapital nötig, welches neue Unternehmer mitbringen sollen. Dies alles führt dazu, dass man besonders bei der französischen Tagespresse von einer Dauerkrise sprechen kann. 2
1968 erreichte die Tagespresse noch eine Gesamtauflage von rund 13 Millionen Exemplaren, danach nahmen die Zahlen kontinuierlich ab. Die Gründe dafür sind vielfältig. Grundsätzlich ist aber festzustellen, dass die Franzosen einfach ungern Zeitung lesen. Nicht einmal jeder fünfte Franzose über 15 Jahren liest regelmäßig eine der „Quotidiens Nationaux“ 3 . Von den 14- bis 34-Jährigen soll jeder Dritte noch nie eine Zeitung oder Zeitschrift gekauft haben. Im internationalen Vergleich fällt Frankreich immer weiter zurück. 2006 erreichten die französischen Tageszeitungen nur 43 Prozent der Bevölkerung. 4
1 Hinweis: Nach dem 2. Weltkrieg stellten fast alle Zeitungen ihren Betrieb juristisch betrachtet ein. Grund dafür
war die Zusammenarbeit während des Krieges mit dem NS-Regime. Danach gründeten die meisten Zeitungen
sich unter anderem Namen neu. So änderte „Le Parisien“ seinen Namen einfach in „Le Parisien libéré“, „Le
Temps“ wurde zu „Le Monde“ usw. Nur „Le Figaro“ behielt seinen Namen, weil die Zeitung rechtzeitig die
Auflage eingestellt hatte.
2 Vgl. Große, Ernst Ulrich / Lüger, Heinz-Helmut: Frankreich verstehen. Eine Einführung mit Vergleichen zu
Deutschland. 5. Auflage, Darmstadt 2000, S. 245.
3 Nationale Tageszeitungen
4 Statistik des Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) unter:
http://www.bdzv.de/schaubilder+M54979a9fc8d.html, Link vom 31.12.2007. Quelle: WAN
4
Abbildung 1: Reichweite der europäischen Tageszeitungen in Prozent
Frankreich hat rund 64 Millionen Einwohner, verteilt auf einer Fläche von rund 544.000 Quadratkilometern. In Deutschland hingegen leben rund 82 Millionen Menschen verteilt auf einer Fläche von rund 357.000 Quadratkilometern. Durch diesen Vergleich lässt es sich leichter nachvollziehen, dass die Franzosen mit infrastrukturellen Problemen zu kämpfen haben. Die nationalen Zeitungen aus Paris wie „Aujourd’hui“ kommen mit Glück mittags in den Provinzen an - nicht selten kommt die bestellte Zeitung überhaupt nicht an. Die arbeitende Bevölkerung ist dann aber nicht mehr an der Tageszeitung interessiert. Zurückzuführen ist diese Tatsache auf fehlende Botendienste. „Zu Beginn des Jahres 2006 verfügen nur 500 Gemeinden über einen Botendienst. Aus diesem Grund nutzen nur 37,8 Prozent der Leser ein Abonnement gegenüber 62,2 Prozent, die ihre Zeitung täglich kaufen.
5
Wie bei Le Figaro, dessen verkaufte Auflage 2006-2007 bei 348.539 5 Stück lag, wovon wiederum im Schnitt etwa 50.000 Exemplare per Abonnement rausgehen 6 , sieht es bei allen anderen Tageszeitungen auch aus. Bei „Le Parisien“ und „Aujourd’hui“ zusammen gehen im Schnitt 90.000 Stück per Abonnement heraus 7 . Die verkaufte Auflage von „Le Parisien“ und „Aujourd’hui“ liegt im Zeitraum 2006 / 2007 bei 527.506. 8
Eine Ausnahme bilden die Fachzeitschriften, die zum größten Teil (ca. 60 Prozent) per Post vertrieben werden.“ 9
Hinzu kommt, dass die Franzosen dem Radio weitaus mehr Vertrauen schenken als den restlichen Medien und aus dem Radio bekommen sie ihre Nachrichten garantiert auch schon vor der Mittagszeit. Die Tatsache, dass die „Grande Nation“ ihre Tageszeitungen nicht für Glaubwürdig hält, macht es den Verlegern zusätzlich schwer. Der Grund für dieses Misstrauen, wird im weiteren Verlauf der Hausarbeit noch herausgearbeitet.
In Paris ist die rückläufige Auflagenentwicklung der Tagespresse wesentlich deutlicher zu spüren als in der Provinz. „Lag zu Beginn des Jahrhunderts die Auflage der in Paris gedruckten Presse noch um einiges höher als die der regional erscheinenden, so glich sich das Verhältnis bereits in den 30er Jahren aus. Heute macht die Provinzpresse mit etwa gleichbleibender Auflagenhöhe mehr als zwei Drittel der Gesamtauflage der französischen Tageszeitungen aus. Der Anteil der Hauptstadtpresse sinkt dagegen weiter, wenn auch in abgeschwächter Form.“ 10 Insgesamt gibt es in Frankreich zurzeit 18 nationale Tageszeitungen, wobei nur sieben dieser Zeitungen eine Auflage über 100.000 Stück erreichen. Fünf der 18 nationalen Tageszeitungen erreichen nicht einmal annähernd eine Auflage von 30.000 Stück. Sie dümpeln zwischen 13.000 und 25.000 Stück herum.
5 Vgl. „Le Figaro“ Auflage, verkaufte Auflage unter:
http://www.ojd.com/engine/adhchif/chif_fiche.php?adhid=353, Link vom 05.01.2008.
6 Vgl. „Le Figaro“ Gesamtübersicht 2006 bis 2007 unter:
http://www.ojd.com/dyn/_files/pvdsh/LE-FIGARO-PV-2006-2007.pdf, Link vom 05.01.2008.
7 Vgl.: „Le Parisien“ und „Aujourd’hui“ Gesamtübersicht 2006 bis 2007 unter:
http://www.ojd.com/dyn/_files/pvdsh/LE-PARISIEN-AUJOURD-HUI-EN-FRANCE-Couplage-PV-2006-
2007.pdf, Link vom 05.01.2008.
8 Vgl. „Le Parisien“ und „Aujourd’hui“ Auflage, verkaufte Auflage unter:
http://www.ojd.com/engine/adhchif/chif_fiche.php?adhid=719, Link vom 05.01.2008.
9 www.Frankreich-Experte.de:
http://www.frankreich-experte.de/modules.php?name=Pages&pa=showpage&pid=141, Link vom 03.01.2008.
10 Vgl. Große / Lügner, S. 253
6
Abbildung 2: Die auflagenstärksten französischen nationalen Titel: 11
Bis auf „Le Parisien“ 12 gehören alle genannten Zeitungen eher zur „seriösen“ Presse. „Le Parisien“ ist wenigpolitisch, benutzt große leicht verständliche Überschriften, sensationsbetonte Fotos und provokative Aussagen. 13 Obwohl die Auflage von „Le Parisien“ vergleichsweise hoch ist, so muss festgehalten werden, dass das Interesse der Franzosen an Klatsch und Tratsch bei weitem nicht so ausgeprägt ist wie in Großbritannien oder Deutschland. Im Gegenteil das „rumschnüffeln“ im Privatleben von Politikern gilt in Frankreich als deplaciert. Eine Zeitung á la Bild gibt es in Frankreich folglich nicht.
„Aujourd’hui“ ist ein Ableger von „Le Parisien“. Nachdem „Le Parisien“ in den 90er Jahren versucht hat, sich gegen die stärkeren regionalen Blätter zu behaupten, und sich im Zuge dessen selbst stärker regional orientierte, brachte der Verlag mit „Aujourd’hui“ einen nationalen Ableger. Im Grunde ist „Aujourd’hui“ die einzige Tageszeitung, die man ohne Erklärungen als nationale Tageszeitung bezeichnen kann. Inhaltlich beleuchtet „Aujourd’hui“ ganz Frankreich, Paris wie auch die Zahlreichen Regionen und Provinzen.
Insgesamt ist zu beobachten, dass die in Abbildung 2 aufgeführten Zeitungen nämlich eher regional, also Paris orientiert, ausgerichtet sind und man folglich nur mit Vorsicht von nationalen Zeitungen sprechen kann. Alle diese Zeitungen haben ihren Stammsitz in Paris und werden dort auch produziert. Durch die politisch zentralistische Organisation Frankreichs, mit dem Zentrum Paris, lässt es aber durchaus logisch erscheinen, dass Pariser Zeitungen
11 Datenquelle: Vgl.: http://www.ojd.com/engine/adhchif/adhe_list.php?mode=chif&cat=1771&subcat=353,
Link: 31.12.2007.
12 Internetauftritt von „Le Parisien“: http://www.leparisien.fr/home/index.htm, Link vom 03.01.2008.
13 Vgl. www.Frankreich-Experte.de:
http://www.frankreich-experte.de/modules.php?name=Pages&pa=showpage&pid=560, Link vom 03.01.2008.
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Arbeit zitieren:
Yvonne Rath, 2008, Presselandschaft / Pressekonzentration in Frankreich und Italien, München, GRIN Verlag GmbH
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