I
Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
1 Einleitung 1
1.1 Ziel der Analysearbeit 1
1.2 Relevanz 1
2 Vorbetrachtungen 2
2.1 Klimapolitik 2
2.1.1 Supranationales Verhalten 2
2.1.2 Nationale Politik 4
2.1.3 Bundesstaatliche und regionale Maßnahmen 5
2.1.4 Außerpolitisches Engagement 6
2.2 Marktanalyse 7
2.2.1 Zementmarkt 7
2.2.2 Energiemarkt 11
2.3 Risikomanagement 14
3 Durchführung der Fallstudie 16
3.1 Die Vorgehensweise bei der Durchführung 16
3.2 Ziel der Fallstudie 16
3.3 Hypothesen 17
3.3.1 Hypothese 1 Risikomanagement 17
3.3.2 Hypothese 2 Der Energiemarkt hat Vorrangstellung gegenüber dem
Zementmarkt 17
3.3.3 Hypothese 3 Unternehmenspolitik eilt dem Staat voraus 17
3.4 Unternehmensauswahl 18
3.4.1 Texas Industries 18
3.4.2 American Electric Power 19
3.5 Methodik 22
3.5.1 Auswahl der Berichte 22
II
Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
3.5.2 Analyse der Berichte 24
3.6 Auswertung 25
3.6.1 Texas Industries 25
3.6.2 American Electric Power 28
3.6.3 Auswertung der Hypothese 2 34
3.6.4 Auswertung der Hypothese 3 34
4 Kritische Würdigung 35
5 Schlussfolgerung 36
Literatur 37
Anhang 41
III
Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
Abkürzungsverzeichnis
AEP American Electric Power
AP6 Asian Pacific Partnership on Clean Development and Climate
CAFE Corporate Average Fuel Economy
CCS Carbon Capture and Sequestration
CCX Chicago Climate Exchange
CEC Commision for Environmental Cooperation
CO 2 Kohlenstoffdioxid
CO 2 e Kohlenstoffdioxidäquivalente
EPA Environmental Protection Agency
FERC Federal Energy Regulation Commission
GRI Global Reporting Initiative
IEA Internationale Agentur für Energie
IGCC Integrated Gasification Combined Cycle (Integrierte Kohlever-
gasung)
NAAEC North American Agreement on Environmental Cooperation
NAFTA North American Free Trade Agreement
IV
Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Jährliche CO 2 Emissionen nach Land (Stand: 2002) 3
Abb 2: Verteilung der Zementfabriken 8
Abb 3: Preisentwicklung von Elektrizität im Sommer 2006 12
Abb 4: Elektrizitätserzeugung in den USA von 2001 bis 2006 13
Abb 5: Phasen des Risikomanagements 15
Abb 6: US-amerikanische Bundesstaaten in den Texas Industries tätig ist 19
Abb 7: US-amerikanische Bundesstaaten in den American Electric Power tätig ist 21
Abb 8: Energiemix der Stromerzeugung von AEP 22
Abb 9: Auswertung der Umsetzung der Risikophasen 34
V
Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Die größten Zementproduzenten der Welt 7
Tabelle 2: Produktion Eigenverbrauch Export und Import der amerikanischen
Primärenergieträger 11
Tabelle 3: American Electric Power in Zahlen 20
Tabelle 4: Übersicht über die Berichte der Texas Industries 23
Tabelle 5: Übersicht über die Berichte der American Electric Power 24
Tabelle 6: Überblick der von TXI identifizierte Klimarisiken 25
Tabelle 7: Bewertung der erkannten Klimarisiken durch TXI 26
Tabelle 8: Strategien von TXI 26
Tabelle 9: Überblick der von AEP identifizierten Klimarisiken 28
Tabelle 10: Überblick der von AEP bewerteten Klimarisiken 30
Tabelle 11: Überblick der Klimastrategien von AEP (Quelle: Jahres- und Umweltberichte
von AEP von 1998 2006) 31
1 Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
1 Einleitung
Weil das Los der Menschen niemals sicher,
lasst uns bedacht sein auf den schlimmsten Fall.
William Shakespeare
1.1 Ziel der Analysearbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, eine Fallstudie in jeweils einem Unternehmen der Zementbranche sowie einem Unternehmen der Energiebranche durchzuführen. Dabei werden deren Risikomanagement und Strategien hinsichtlich ihrer Klimarisiken und -chancen untersucht. Beendet wird die Analyse, indem eine CO 2 -Strategie für die jeweiligen Unternehmen hergeleitet wird. Zur Einordnung der Fallstudie in das politische und wirtschaftliche Umfeld werden zu Beginn der Fallstudie die Klimapolitik der Vereinigten Staaten auf supranationaler, nationaler und regionaler Ebene sowie die entsprechenden Märkte untersucht. Anschließend wird der US-amerikanische Energie- und Zementmarkt analysierend betrachtet. Ein theoretisches Kapitel zum Risikomanagement schließt die Vorbetrachtungen ab.
1.2 Relevanz
Vor dem Hintergrund steigenden öffentlichen Bewusstseins für den Klimawandel, nicht zuletzt auch vorangetrieben durch die Arbeit des Friedensnobelpreisträgers 2007 und Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten 1993-2001 Al Gore, ist es zunehmend wichtig zu untersuchen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Unternehmen hat und welche Maßnahmen die Unternehmen diesbezüglich treffen können.
Die beiden Industriezweige Zement und Energie produzieren einen enormen Anteil an den weltweiten Emissionen an Kohlendioxid. Zum Beispiel trugen die 10 größten Zement produzierenden Länder im Jahr 1994 zu 63% der weltweiten CO 2 -Emissionen aus der Zementindustrie in jenem Jahr bei. 1 63% ist ein enormer Anteil und die Statistiken sind in der Energiebranche ähnlich. So hat das Statistische Bundesamt ermittelt, dass im Jahr 2003 bei der Erzeugung von Strom und Gas 41,8% der gesamten CO 2 -Emissionen in Deutsch-land emittiert wurden. 2 Diese Zahlen verdeutlichen, dass den beiden Sektoren, vor dem Hintergrund der aktuellen Klimadebatte, besonderes Augenmerk zusteht.
1 Vgl. Worrel, E.; Price, L.; Martin, N.; Hendriks, C.; Ozawa Meida, L. (2001), S. 318 2 Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2006), S. 391
2 Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
2 Vorbetrachtungen
2.1 Klimapolitik
Die USA als weltgrößter Emittent von CO 2 treten immer wieder kontrovers in Erscheinung aufgrund Ihrer Klimapolitik. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die verschiedenen Ebenen, auf denen in den Vereinigten Staaten von Amerika Klimapolitik adressiert wird. Zunächst sollen supranationale Verträge vorgestellt werden, danach das Verhalten der Bundesregierung. Im Anschluss wird auf regionale und Bundesstaaten-spezifische Charakteristika eingegangen und abschließend ein Überblick über außerpolitische Initiativen gegeben. Im Fokus stehen dabei die Konsequenzen, die die US-amerikanische Klimapolitik auf dort ansässige Unternehmen, vorrangig der für die Fallstudie relevanten Energie- und Zementbranche, hat.
2.1.1 Supranationales Verhalten
Das größte öffentliche Interesse am Verhalten der USA bezüglich ihrer Klimapolitik erregt zweifelsfrei noch immer das fehlende Ratifizieren des Kyoto-Protokolls. Zwar hat Al Gore in seiner damaligen Funktion als Vizepräsident der Vereinigten Staaten das Dokument symbolisch unterzeichnet, jedoch wurde es nie vom Senat ratifiziert, was bedeutet, dass es nie rechtskräftig wurde. Hauptargument der US-Regierung ist dabei, dass Schwellenländer wie China und Indien, deren CO 2 -Emissionen im internationalen Vergleich bereits an Rang zwei beziehungsweise fünf stehen (Vgl. Abb. 1), nach dem Kyoto-Protokoll keine Emissionsminderungen auferlegt bekommen.
3 Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
Jedoch könnte sich die Position der USA mit dem Ausgang der Präsidentschaftswahlen im November 2008 verändern. So hat beispielsweise Hillary Clinton angekündigt im Falle eines Wahlsieges sofort aktiv Verhandlungen zu einem Nachfolge-Abkommen zum Kyoto-Protokoll, welches 2012 ausläuft, zu beginnen. 4 Dies stellt für Unternehmen im amerikanischen Wirtschaftsraum eine hohe Unsicherheit dar, da ein Beitritt mit massiven klimapolitischen Auflagen für Firmen verbunden ist. Vor allem sind energieintensive Industriesektoren wie die hier untersuchte Zement- und Energiebranche betroffen. Gerade in diesen existieren sehr lange Investitionszyklen für den Bau von Kraftwerken und Fabriken. Daraus, sowie aus dem besonders hohen Verbrauch von fossilen Rohstoffen resultiert eine hohe Sensitivität gegenüber politischen Richtungsänderungen. Es stellt sich folglich die Frage, ob und wie sich die Unternehmen gegen dieses Risiko einer unsicheren Klimapolitik absichern können.
Betrachtet man das internationale Verhalten der USA in einem klimapolitischen Kontext, ist jedoch nicht nur die Position in den Kyoto-Verhandlungen interessant. So sind die Vereinigten Staaten von Amerika beispielsweise Gründungsmitglied der Asian Pacific Partnership on Clean Development and Climate (AP6), einem Vertrag mit Kanada, China, Indien, Südkorea, Japan und Australien. Dabei handelt es sich um ein Abkommen vergleichbar zu den Kyoto-Beschlüssen, allerdings in stark abgeschwächter Form. So setzen beteiligte
3 Time for change (2006)
4 Clinton, Hillary (2007), S.11f.
4 Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
Länder ihre eigenen Ziele zur Emissionsreduktion; auf einen Sanktionsmechanismus zur Durchsetzung dieser wird jedoch verzichtet. Daher kann eine ausreichende Reduzierung klimaschädlicher Emissionen nicht erwartet werden. Von der Wirtschaftslobby wird dieser Ansatz jedoch stark unterstützt, da auch den Unternehmen keine Strafen für Nichterreichen der Ziele drohen. Schon bei der Erarbeitung des Abkommens saßen neben politischen Führungspersonen auch Wirtschaftsvertreter am Tisch. Dabei wurde der amerikanische Elektrizitätssektor von dem im Folgenden untersuchten Unternehmen American Electric Power (AEP) repräsentiert, was auf ein Engagement in Umweltfragen schließen lässt, jedoch dessen Konsequenz hier noch offen bleibt. In Kapitel 3 (Durchführung der Fallstudie ab Seite 16) wird die Rolle von AEP noch näher untersucht werden.
Der Inkonsequenz des AP6 steht jedoch ein dritter supranationaler Vertrag gegenüber. Im Rahmen der NAFTA (North American Free Trade Association) 5 trat zum 1.01.1994 das North American Agreement on Environmental Cooperation (NAAEC) in Kraft. Die Parteien (Kanada, USA, Mexiko) verpflichten sich darin umfassende Umweltschutzmaßnahmen, inkl. Strafen für Nichteinhaltung, im nationalen Recht zu manifestieren. Das genaue Design obliegt dabei der Landesregierung. Im Unterschied zum AP6 wird hier deutlich formuliert, dass jeder Staat verpflichtet ist, periodische Fortschrittsberichte zu veröffentlichen. Als exekutiver Arm der NAAEC wurde die Comission on Environmental Cooperation (CEC) ins Leben gerufen. Sie soll Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen Entwicklung und Kontrolle der Instrumente für den Handelsraum aussprechen. Jedoch sind ihre Anweisungen nicht bindend.
Um den Einfluss dieses Abkommens für die Unternehmen der US-amerikanischen Energie- und Zementbranche bewerten zu können, muss zunächst untersucht werden, in wie fern die von der CEC geäußerten Richtlinien auch in nationales Recht umgesetzt wurden. Daher soll der nächste Abschnitt die nationale Klimapolitik der USA näher erläutern.
2.1.2 Nationale Politik
An europäischen Maßstäben gemessen ist die Bundesumweltpolitik in den Vereinigten Staaten von Amerika eher schwach entwickelt. Dies heißt jedoch nicht, dass man auf dieser Ebene nicht aktiv wird. Obwohl sich die USA, wie im letzten Abschnitt beschrieben, nicht am Kyoto-Abkommen beteiligen, so stammen erste Erfahrungen des in dem Abkommen dargestellten Emissionshandels aus den USA. Bereits 1990 verabschiedete die amerikanische Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency – EPA) ein sehr erfolgreiches System zum Handel mit Schwefeldioxid(SO 2 )-Rechten. Neben Zertifikatehandelssystemen setzt sich die US-amerikanische Klimapolitik in erster Linie
5 Bei der NAFTA handelt es sich um ein Freihandelsabkommen zwischen Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika und Mexiko. In diesem Rahmen wurde vor allem eine Vielzahl an Zöllen zwischen den beteiligten Nationen abgeschafft, um so einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen.
5 Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA aus nicht-marktbasierten Instrumenten zusammen. Auszugsweise sollen hier der ENERGY STAR 6 , der Verbrauchern Geräte mit hoher Energieeffizienz signalisiert, sowie die „Corporate Average Fuel Economy Standards“, eher bekannt unter dem Namen CAFE-Standards, genannt werden. Letztere stellen Grenzwerte für die Kraftstoffeffizienz von Kraftfahrzeugen dar. Ökologisch orientierte Steuern sind in den USA kaum anzutreffen, da diese bei Bevölkerung und Wirtschaft auf sehr großen Widerstand stoßen und somit wohl eine baldige Wahlniederlage für denjenigen bedeuten dürften, der versucht sie durchzusetzen.
Im Rahmen der anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA zeichnet sich jedoch ab, dass das Thema einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik eine wichtige Rolle in den Wahlprogrammen der Kandidaten spielt. So haben bereits die Senatoren McCain und Lieberman 7 einen Gesetzesentwurf vorgelegt, wonach CCS-Technologien (Carbon Capture and Sequestration) gefördert werden sollen, um bis zu 30% der Emissionen zu mindern. 8 Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass aktuell viele Veränderungen in der nationalen Klimapolitik der USA anstehen, nicht zuletzt aufgrund des bevorstehenden Regierungswechsels. Dies führt natürlich zu großen Unsicherheiten in der Wirtschaft, vor allem in so energieintensiven und somit Klimapolitik-sensiblen Sektoren wie der Energie- bzw. Zementbranche. Auch wenn bereits einige Maßnahmen umgesetzt werden, so handelt es sich bei diesen in erster Linie um (wirtschaftlich) ineffiziente Auflagen und/oder weiche Instrumente, mit niedrig angesetzten Reduktionszielen um die Wirtschaftslobby zu beschwichtigen. Ob und wie sich dies unter der neuen Führung des Landes ändern wird, bleibt noch abzuwarten.
2.1.3 Bundesstaatliche und regionale Maßnahmen
Die US-amerikanische Umweltpolitik unterscheidet sich von der europäischen (neben der Konsequenz) vor allem auch in den agierenden Instanzen. Die US- Bundesstaaten besitzen viel größere Entscheidungsgewalt und Selbstständigkeit als etwa die Bundesländer in Deutschland. Dies, und die unzulängliche nationale Politik führen zu vermehrten lokalen Gesetzgebungen. Toshi Arimura betont in seiner Analyse zu den aktuellen Entwicklungen der US-Klimapolitik die Vorreiterrolle Kaliforniens in diesem Kontext. 9 So ist die kalifornische Klimapolitik nicht nur Modell für andere Bundesstaaten, sondern auch für nationale Gesetzesentwicklungen richtungweisend. Im September 2006 wurde in
6 Vgl. www.energystar.gov
7 Senator McCain gehört der Republikanischen Partei an und bewirbt sich aktuell um die Kandidatur seiner Partei für die Präsidentschaftswahlen im November. Bei einem Sieg wird Senator Lieberman als potentieller Vizepräsident gehandelt, obwohl dieser der Demokratischen Partei angehört.
8 Arimura, Toshi (2007), S.34
9 Arimura, Toshi (2007), S.23ff.
6 Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
Kalifornien ein Gesetz verabschiedet, welches das ambitionierte Ziel setzt, die Emissionen aller sechs Kyoto-Treibhausgase 10 bis 2020 auf das Niveau von 1990 zu reduzieren. Mit dieser Bestimmung steht die kalifornische Umweltgesetzgebung den Anforderungen des Kyoto-Protokolls oder der europäischen Klimapolitik in nichts nach. Abzuwarten bleibt jedoch, inwiefern diese stringente Herangehensweise befolgt und von anderen Bundesstaaten übernommen wird.
Die regional noch stark variierende Klimapolitik innerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika erschwert vor allem größeren Unternehmen mit Niederlassungen in verschiedenen Bundesstaaten die Arbeit enorm. Dass sich die Firmen an jedem Produktionsstandort anderen Gesetzen und Anforderungen gegenübersehen, birgt eine große Unsicherheit und folglich ein hohes unternehmerisches Risiko.
2.1.4 Außerpolitisches Engagement
Außerpolitisches Engagement umfasst eine Vielzahl von Strukturen, Vereinen und Initiativen. Hier soll beispielhaft und stellvertretend der wohl derzeit berühmteste Klimaschützer Albert Arnold Gore Jr. (Al Gore) vorgestellt werden, da er in den letzten Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika ein breites Publikum mit seiner Aufklärungsarbeit erreichen konnte. Für sein Bemühen im Kampf um mehr Aufmerksamkeit für die drohende globale Erwärmung wurde er 2007 sogar mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Bereits während seiner politischen Karriere stellte die Umweltpolitik einen Schwerpunkt seiner Agenda dar. Nach seiner Niederlage in der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 gegen George W. Bush widmete er sich der Aufklärung der amerikanischen Bevölkerung über die Folgen des Klimawandels. Hierzu reist er mit einer anschaulichen Präsentation quer durch die USA. Diese wurde zudem als Dokumentarfilm mit dem Titel „Eine unbequeme Wahrheit“ veröffentlicht, um so eine noch breitere Menge zu erreichen. Der Film wurde 2007 bei der Oscar-Verleihung als beste Dokumentation ausgezeichnet.
Der enorme Erfolg von Al Gore zeigt, dass die globale Erwärmung auch für viele Amerikaner zum Thema geworden ist und ein breites Bewusstsein entsteht. Dies impliziert Chancen, aber auch Risiken für die Wirtschaft. Unternehmen, die dies erkennen, können es als Wachstumsstrategie nutzen, um sich im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens umzustrukturieren und so eine umweltbewusste Zielgruppe zu erreichen. Um diese Möglichkeiten für den Zement- und Energiemarkt erörtern zu können, werden im nächsten Kapitel zunächst die Strukturen dieser Branchen diskutiert.
10 Die Kyoto-Treibhausgase sind Kohlenstoffdioxid (CO 2 ), Methan (CH 4 ), Distickstoffoxid (N 2 O), Schwefel-hexafluorid (SF 6 ), Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs) und Kohlenwasserstoffe (PFCs).
7 Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den USA
2.2 Marktanalyse
2.2.1 Zementmarkt
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind der drittgrößte Zementproduzent nach China und Indien und emittieren dabei 92,8 Millionen Tonnen CO 2 pro Jahr. In der folgenden Tabelle sind die fünf größten Zementproduzierenden Länder mit den Produktionszahlen der letzten vier Jahre dargestellt. Deutschland ist zusätzlich als Vergleich in der Tabelle enthalten.
Die Größe des Zementmarktes ist relativ klein, aber die Branche spielt dennoch eine wichtige Rolle in der US-Volkswirtschaft. In den USA gibt es 39 Unternehmen, die in 118 Zementfabriken in 38 Bundesstaaten produzieren. 11 Der Zement wird als Schlüsselindustrie betrachtet. Der Zement ist sowohl essentieller Input für die Betonproduktion als auch ein wesentlicher Baustoff für die Bauindustrie. Sein Verbrauch ist relativ saisonabhängig, so werden üblicherweise etwa zwei Drittel der amerikanischen Zementproduktion innerhalb von 6 Monaten nachgefragt, und zwar von Mai bis Oktober.
Die Zementindustrie ist weitestgehend auf die einzelnen Bundesstaaten verteilt. Die fünf führenden amerikanischen Hersteller, in absteigender Reihenfolge, sind Kalifornien, Texas, Pennsylvania, Florida und Michigan. Folgende Abbildung zeigt die örtliche Verteilung der Fabriken.
11 Portland Cement Association (Hrsg.) (2003)
Quote paper:
S. Arndt, S. Eißmann, M. Görner, V. Marta, 2008, Fallstudie zum Umgang mit dem Klimawandel in den Vereinigten Staaten von Amerika, Munich, GRIN Publishing GmbH
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