Erkenntnis gewinnen, die richtige Einsicht haben
Seit Platon vor rund 2400 Jahren über Atlantis berichtete, streiten Forscher, ob es die Insel jemals gegeben hat. An einem Tag, so der griechische Philosoph, soll die Insel im Meer versunken sein. Bis heute sind keine Beweise für die Existenz von Atlantis entdeckt worden. Es ist möglich, wenn nicht wahrscheinlich, dass Platons Atlantis fiktiv ist. Es könnte vielmehr ein eindrucksvolles Symbol für den Niedergang eines Staates sein (vgl. Kellerhoff,2004).
Für Platon, der bei Sokrates in die Lehre ging und eine eigene Philosophenschule in Athen betrieb, käme der Untergang eines Staats einer Horrorvision gleich. Seine in Thesen, Antithesen und Synthesen gegliederten Dialoge beschreiben die Polis nicht etwa als abstraktes, von den Bürgern losgelöstes Gebilde aus Institutionen und Behörden, so wie man es heute kennt. Für Platon hängen Polis und Volk vielmehr untrennbar zusammen.
Um zu wissen, wie sich Platon solch ein seiner Meinung nach perfektes Gemeinwesen vorstellt, muss man sich mit seiner Ideenlehre beschäftigen. Platon geht davon aus, dass alles Irdische aus dem Reich der (Ur-)Ideen stammt. Mehr noch: Seiner Ansicht nach sind Ideen das „allerrealste, von dem die Dinge dieser Welt nur schlechte Kopien sind“ (zitiert nach Ottmann,2001:4). Die Ordnung, die Gemeinschaft, letztlich das Staatliche kann somit konsequenterweise nur aus Ideen abgeleitet werden. Es kommt dem Griechen darauf an zu betonen, dass der Mensch unbedingt die richtige Einsicht und Erkenntnis zu gewinnen habe ( Höhlengleichnis). Zwischen den beiden wesentlichsten
Charaktereigenschaften, die die Natur hervorbringt, Recht und Unrecht, sieht Platon die Gerechtigkeit. Sie kommt in von Menschen gemachten Gesetzen und Verträgen als Balanceakt zum Ausdruck und „stehe in der Mitte zwischen dem höchsten Gut […] und dem höchsten Übel […]“ (zitiert nach Maier,1968:33).
Für Platon ist das die gute Ordnung und die ist nur dann möglich, wenn die potenziell vernunftbegabten Menschen ihr Denken und Wirken auch ganz auf Vernunft und Selbstkontrolle und damit Gerechtigkeit konzentrieren. Das sind nach Platon Tugenden, als Untugenden werden hingegen zügellose
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Leidenschaft, maßlose Gier und Kontrollverlust über sich und andere angeprangert. Tugendhafte Menschen sind laut Platon in der Lage, eine gute Ordnung, die Eudaimonia, zu erreichen. Sie ist laut Platon schließlich auch oberstes Staatziel. Politische Philosophie als „Leitkultur“
Die gute Ordnung muss stets erneuert werden und zwar durch ständiges Streben nach dem Schönen, Perfekten und Wahren. Man muss selbst so sein und denken wie ein Philosoph, damit die Polis zu dem werden kann wie sie sein soll. Das Ontologische wird zum Normativen, das Sein zum Sollen, den Gesetzen. Eine geometrische Harmonie, letztlich die einzig wahre „Weltordnung“, ist das erwünschte Resultat: Himmel und Erde, Yin und Yang, Gut und Böse, Götter und Menschen werden durch Gemeinschaft, Freundschaft und Gerechtigkeit zusammengehalten. Wechselseitige staatliche Kontrollinstanzen wie in heutigen Demokratien sind bei Platon nicht vorgesehen. Die Begrenzung von Staatsmacht ist die nicht näher definierte kosmische Ordnung, letzten Endes die Natur. Platon setzt voraus, dass die Herrscher sich der kosmischen Ordnung ebenso unterwerfen wie seine Untertanen - eine sehr idealistische Betrachtungsweise (vgl. Maier,1968:42).
Platon verharrt in dieser Haltung, denn er glaubt unerschrocken an das Gute im Menschen, das es zu erwecken gilt. Es bedürfe somit einer steten philosophischen, d.h. selbstreflektorischen Perspektive von sich und der Welt: „Wenn nicht entweder die Philosophen Könige werden in den Städten, oder die, die man heute Könige und Machthaber nennt, echte und gründliche Philosophen [...] so wird es mit dem Elend kein Ende haben [...].“ (zitiert nach Maier,1968:47).
Die politische Gemeinschaft als lebendiges Wesen
Platon unterteilt die Polis in drei Teile: Lehrstand, Wehrstand und Nährstand. Bewusst vergleicht der antike Denker diese Teile mit denen des menschlichen Körpers und der seelischen Zustände, sprich Kopf (Vernunft), Herz (Mut) und Unterleib (Begehren). Aus diesen drei Teilen des Staates werden schließlich drei Herrschaftsformen abgeleitet, die sich nach Platon ergänzen und
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verschränken sollen: Monarchie, Timokratie und Demokratie. Der Staat als organisches Wesen funktioniert wie ein Mensch. Ist eines seiner Körperteile krank, gibt es Unordnung.
Die Monarchie würde sich in eine Tyrannis fehlentwickeln, in der ein Autokrat fernab jeder Vernunft allein und willkürlich herrscht. Die Timokratie bzw. Aristokratie könnte zur Oligarchie werden, wo einige wenige die Macht an sich reißen. Bei der entarteten Demokratie käme das „Regime unbeschränkter Freiheit“ (Kuhn,1969:29) an die Macht und das würde folglich in Anarchie münden.
Platon sah insbesondere in der Demokratie eine „Spielwiese tandsüchtiger Kinder und Weiber“ (Raddatz,1998). Damit ist Platon durchaus als Anti-Demokrat zu bezeichnen, wobei das im historischen Kontext betrachtet werden muss.
Der Philosoph spricht dem Volk die Fähigkeit ab, alleine zu regieren und damit Ordnung zu schaffen. Stattdessen müssen einer, einige und viele zusammen wirken. Zudem wird hier bereits die Einteilung der guten und schlechten Staatsformen vorgenommen, wie sie Aristoteles später in seiner berühmten Sechser-Typologie verfeinert (vgl. Jesse,2004:284ff.).
Müssen die Menschen zu ihrem Glück gezwungen werden? Der Versuch zu Platons Lebzeiten, platonische Politik zu verwirklichen, nahm allerdings ein jähes Ende. Dies könnte man als Beweis dafür anbringen, dass die Eudaimonia zu künstlich und zu unrealistische ist für Machtpolitik und die moralische Unordnung ist. Es gibt zu viele unterschiedliche Interessen, Ideen, Widersprüche, Spannungen. Der Mensch ist nicht nur ein rationales Wesen, sondern auch von starken Gefühlsschwankungen und Irrationalität geprägt. Ist lineares Streben nach dem Guten deshalb nicht von vorneherein zum Scheitern verurteilt? Es stellt sich außerdem die Frage, ob überhaupt alle Menschen unter guter Ordnung das gleiche verstehen. Jahrhunderte später sollte Rousseau dieses umstrittene Konzept als „volonté general“ noch einmal so ähnlich vorbringen.
Platon, der sich als „Idealist [...] vor der Realität konformistisch ducken muß“ (Kuhn,1969:27), wohl auch gedacht. Platons Menschenbild ist
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Arbeit zitieren:
Christian Minaty, 2007, Platon: Die Polis als harmonisches Gemeinwesen – eine Utopie?, München, GRIN Verlag GmbH
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