Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Die Entwicklung des Reisens im gesamten 20. Jh. am Beispiel
des Italientourismus 3
2.1. Jahrhundertwende bis in die 30er Jahre 3
2.2. Die Zeit des Nationalsozialismus 5
3. Reisearten allgemein 6
3.1. Forschungs- und Studienreisen 6
3.2. Kriegsgräberreise 6
3.3. Pilgerreise 7
3.4. Tourismus im eigentlichen Sinne 7
4. Die Entwicklung des Tourismus in der Nachkriegszeit 7
5. Reiseführer der Nachkriegszeit 10
5.1. Schnell-Reiseführer 10
5.2. Die Blauen Führer 10
5.3. Reclams Kunstführer 11
6. Inspiration für den deutschen Alltag durch die
(Italien-)Reisenden 12
7. Schluss 14
9. Abbildungen 16
2
1. Einführung
Betrachtet man die gesamten Nachkriegsjahre in Deutschland, gerät neben den Begriffen des Wirtschaftswunders, der Massenmobilisierung der allgemeinen Aufbruchsstimmung, der Verarbeitung der Kriegsjahre und des teilweisen Versuchs der Verdrängung des Erlebten, oftmals auch der Begriff des Reisens und des beginnenden Tourismus in den Sinn.
Besonders am Ende der fünfziger Jahre entwickelten sich die Deutschen, statistisch gesehen, zu Weltmeistern des Reisens. Verantwortlich hierfür waren zahlreiche Faktoren, unter denen auch die oben genannten Begriffe zu finden sind. Diese Entwicklungen und deren Begründungen möchte ich auf den folgenden Seiten, hauptsächlich am Beispiel Italiens, dem klassischen Reiseziel der Deutschen, erläutern.
Leider fällt es schwer Belege oder Berichte über eine besondere Wahrnehmung von Kunstgegenständen der Reisenden in dieser Zeit zu finden. Die Deutschen fokussierten, der Literatur zufolge, in dieser Epoche vielmehr eine Ablenkung vom Alltag im zerstörten Heimatland, und eine neue Erfahrung von der „heilen Welt“ im ursprünglichen Ausland.
2. Die Entwicklung des Reisens im gesamten 20. Jh. am
Beispiel des Italientourismus
2.1. Jahrhundertwende bis in die 30er Jahre
Bereit in deinem Reiseführer aus dem Jahre 1905 wird Italien als „Land der Sehnsucht aller Künstler, Kunst- und Naturfreunde“ beschrieben. In dieser Zeit zog es die reisenden Deutschen weniger wegen der allgemeinen Schönheit der Landschaft oder des Klimas nach Italien. Vielmehr war die Erfahrung der Ursprünge unserer Kultur, der Monumente der Vergangenheit Mittelpunkt und Reisemotivation. An den klassischen Badeurlaub oder an Erholung am Strand dachte zu dieser Zeit noch niemand.
Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war das Reisen dem Adel und den vermögenderen Bevölkerungsschichten und Künstlern vorbehalten. Einzige Ausnahme bilden hier einige Pilger, die auf mühseeligerem Wege nach Rom reisten,
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um dort die grösste Kirche der Christenheit, den Petersdom und den Vatikan zu besichtigen.
Für die Italienreisenden war es unüblich die gesamte Reise an einem festgelegten Ort zu verbringen, wie es heute meist üblich ist. Vielmehr war es Ziel einer solchen Reise, das Land in seiner Gesamtheit, mit all seinen historischen Schauplätzen zu bereisen und zu erfahren.
In einigen zeitgenössischen Reiseführern findet man Zeitangaben von 30 Tagen für eine schnelle Italienrundreise bis hin zu 75 Tagen für eine ausgedehntere Reise inklusive einem längerem Aufenthalt in Rom. Man findet zusätzlich noch den Hinweis darauf, dass es selbst in diesem Zeitrahmen schwer möglich sein würde, das Land in all seinen Facetten kennen zu lernen.
Hauptreisemittel war die Eisenbahn. In Kooperation der Deutschen, schweizerischen und Italienischen Bahnbetriebe gab es Reisetickets, die in der Regel 60 bis 90 Tage Gültigkeit hatten, und für das gesamte Land galten. Es existierten beispielsweise auch Luxus-Fernreisezüge wie der Berlin-Neapel-Express, nach dem Vorbild des 1 . Orient-Express
Hauptreisezeit war zwischen Herbst und Frühjahr, da die Kurorte sowohl im späten Herbst als auch bereits an Februar mit Sommerlichen Temperaturen locken konnten. Zudem war es in den Sommermonaten im Mittelmehrraum zu heiß um sich auf kulturelle Dinge zu konzentrieren. Natürlich war auch aus Glaubensgründen das Osterfest Anlass für zahlreiche Pilger ihre Romreise genau zu dieser Zeit zu planen. Der erste Weltkrieg brachte ab 1914 den Fremdenverkehr zwischen Deutschland und Italien zum erliegen, da beide Länder nun verfeindete Kriegsgegner waren. Erst 2 von Gesellschaft und Staat 1923 erholte sich der durch die Konsolidierung
Tourismus zwischen den Ländern wieder allmählich. Waren es im Jahr 1922 noch circa 40.000 Italientouristen aus Deutschland, waren es drei Jahre später bereits zehnmal so viele.
Gesellschaftlicher Wandel und mehr Regelungen für Sozialwesen, Finanzen und Urlaubstage ermöglichten es nun auch der Mittelschicht kleinere Reisen zu unternehmen. Vermehrt wurden nun auch von Reiseveranstaltern Pauschalreisen zu günstigen Tarifen angeboten. Nach Italien konnten sich aber nach wie vor nur die
1 Luxuszug der französischen „Compagnie Internationale des Wagons-Lits“, der von Paris und Calais
über Wien nach Budapest und Warna in Bulgarien und schließlich bis Konstantinopel (dem heutigen
Istanbul) fuhr.
2 Festigen des demokratischen Gefüges eines Staates.
4
höher gestellten Familien die Reisen leisten. Die unteren Schichten Reisten vermehrt innerhalb Deutschlands oder in die umliegenden Länder wie Frankreich, die Schweiz oder Österreich.
Man beobachtete in den spätern zwanziger Jahren dann auch ein zunehmendes Interesse für Badeferien in den Küstenregionen Italiens oder an den nördlichen Seen, wie dem Gardasee oder dem Lago Maggiore. Langsam setzte auch der Auto-und Radtourismus ein, da die höheren Schichten bereits die Anreise mit ihrem eigenen Automobil als eine neue Art des Reisens entdeckten, bei der man sich bereits mit den einzelnen Orten auf der Durchreise vermehrt auseinandersetzen konnte.
2.2. Die Zeit des Nationalsozialismus 3 “-Programms Im Rahmen des „Kraft-durch-Freude wurde auch dem
durchschnittlichen deutschen Arbeiters und dessen Familie das Reisen zu ferneren Zielen, auch nach Italien ermöglicht.
Hinter diesem Programm, und der Zusammenarbeit mit dem italienischen Regime standen natürlich hauptsächlich politische Hintergründe, die darauf zielten, die Bevölkerung stärker für das System zu gewinnen. Es sollte zudem eine besondere Verbundenheit zwischen dem deutschen und dem Italienischen Volk geschaffen werden.
So wurden zu den Bahnreisen auch Schiffsreisen angeboten. Im Jahre 1937 verließ der erste KdF-Dampfer den Hamburger Hafen mit Ziel Genua, Neapel und Palermo. Empfangen wurden die Reisenden Arbeiten in Italien mit faschistischen Aufgeboten und Abordnungen.
Hauptreisemittel war aber nach wie vor die Bahn. Hier hielten sich organisierte KdF-Fahrten und privater Reiseverkehr statistisch gesehen die Waage. Vereinzelt bot auch die Lufthansa Linienflüge zwischen einzelnen Flughäfen und 4 . Diese Reisemöglichkeit blieb aber Deutschland und Italien, hauptsächlich Rom an meist der Politprominenz und der oberen Schicht reserviert. In den Kriegsjahren wurde Italien meist nur noch durch Soldaten auf der Durchreise nach Afrika ansatzweise touristisch erlebt.
3 Unternehmen der deutschen Arbeitsfront, politische Organisation mit der Aufgabe, die Freizeit der
deutschen Bevölkerung zu gestalten, zu überwachen und gleichzuschalten. Ebenso wie die deutsche
Arbeiterbevölkerung für das Regime zu begeistern.
4 vgl. Abb.1
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Arbeit zitieren:
Peter Liptau, 2007, Reisen in der Nachkriegszeit 1945-1975, München, GRIN Verlag GmbH
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