Inhaltsübersicht
1. Einführung S 3
2. Geschichte der Juden in Konstanz S 3
3. Synagogenbau S 7
3.1. Gemeindeaufbau und erste Schritte zum Synagogenbau S 7
3.2. Finanzierung des Baus S 8
3.3. Bau der Synagoge S 8
4. Der Nationalsozialismus S 10
4.1. Erste Auswirkungen der
nationalsozialistischen Herrschaft S 10
4.2. Erster Anschlag 1936 und Wiederaufbau S 11
4.3. Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938 S 12
4.4. Schicksal der jüdischen Bürger von Konstanz S 13
5. Geschichte nach 1945 S 14
5.1. Grundstück der Synagoge S 14
5.2. Gedenken S 15
5.3. Neubebauung des Grundstückes S 15
5.4. Entstehen einer Gemeinde S 16
5.5. Ausblick in die Zukunft der Konstanzer Juden ab heute S 17
6. Schlusswort S 18
7. Literaturverweise S 19
8. Anhang S 20
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1. Einführung
Die Synagoge in Konstanz wurde, wie fast alle zur damaligen Zeit bestehenden Synagogen, Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört. Bis dahin war sie ein herausragender Bau mit einer auffälligen Baugeschichte, da die Gemeinde bei Baubeginn kaum die finanziellen Mittel aufweisen konnte, und doch den Bau am Ende fertig stellen konnte, mitunter Gemeindemitglieder.
Die Stadt Konstanz fällt bei der Betrachtung ihrer jüdischen Geschichte des letzten Jahrhunderts ebenfalls besonders auf. Zum einen, da die Konstanzer Bevölkerung zu Beginn der NS-Zeit demonstrativ die Juden weiterhin unterstützte, bis ihr dies endgültig unmöglich gemacht wurde. Zum anderen da in Konstanz nach dem zweiten Weltkrieg sehr schnell wieder eine jüdische Gemeinde entstand, wenn auch vorerst in kleinen Kreisen.
Ich gehe in dieser Ausarbeitung auf die Geschichte der Juden in Konstanz ein, welche auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg beinhaltet. Meinen Schwerpunkt lege ich dabei auf den Bau der Konstanzer Synagoge Nationalsozialisten.
2. Geschichte der Juden in Konstanz
Man nimmt an, dass sich in Konstanz bereits zur Zeit der Römer Juden ansiedelten. Allerdings wichen sie im dritten Jahrhundert vor dem Einfall der Alemannen zurück. Ebenso findet man in der Geschichte einige Belege für Pogrome gegen die Juden da man sie als ‚Jesusmörder’ betitelte.
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Im Jahre 1215 wurde von Papst Innozenz III die Ehe zwischen Christen und Juden untersagt. Es wurde veranlasst, dass sich Juden nunmehr als solche kennzeichnen sollten und in dafür eingerichteten Stadtvierteln, genannt Gettos, zu leben hatten. Auch in der Ausübung verschiedener Berufe wurden die Juden stark eingeschränkt. Daher verblieb ihnen meist nur der Geldhandel, Trödelhandel oder die Pfandleihe als Geldquelle.
Diese Gettoisierung und vor allem die allgemeine Aufhetzung der Christen gegen die jüdische Bevölkerung hatten im 13. Jahrhundert außerdem zahlreiche Judenhetzen zur Folge, bei denen oft fadenscheinige Anschuldigungen der Auslöser für die Verfolgungen waren.
Trotzdem siedelten sich Juden oftmals in neu gegründeten Städten und in der unmittelbaren Nähe von Märkten und neuen Handelszentren an, da sie ihre Tätigkeiten seit dem Erlass von 1215 nur auf Finanzgeschäfte konzentrieren durften. Konstanz lag auf einer wichtigen Handelsroute zwischen Deutschland und Italien und war daher eine stark frequentierte Handelsstadt, weswegen es den Juden möglich war geschäftlich schnell Fuß zu fassen.
Aufgrund dieser geographischen Lage wuchs Konstanz sehr schnell und es wurden diverse Märkte weiter ausgebaut. Es kam zu zahlreichen Neuansiedlungen von Juden, die hauptsächlich aus Frankreich immigrierten.
In der Nähe des Fischmarktes siedelten sich immer mehr Juden an, wobei sich diese Besiedlung später weiter nach Süden in die Mordergasse verlagerte. An dieser Stelle wurde auch etwas später die erste Konstanzer Synagoge gebaut.
1254 gab es wieder einen Erlass der Kirche, durch welchen sich die Juden in der Öffentlichkeit als solche Kennzeichnen mussten, nachdem sich die Gesetze in den letzten Jahren etwas gelockert hatten. Des Weiteren kam es im Mittelalter wieder zu zahlreichen Pogromen und Hetzen gegen die jüdische Bevölkerung. Häufige Vorwürfe waren
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angebliche Hostienschändungen 1 , die oftmals von der Kirche behauptet wurden, um eine Begründung für ihre Morde und Verfolgungen anzubringen.
Den Höhepunkt der Judenverfolgungen beschreibt das Jahr 1349, da sie angeblich durch Vergiften der Brunnen in der Stadt für das Ausbrechen der Pest verantwortlich waren.
Juden wurden nun zwangsenteignet und ihr Eigentum, ihre Häuser und Grundstücke wurden an Konstanzer Bürger weitergereicht. So wurde auch die damalige Synagoge in der Mordergasse in bürgerliche Hände weitergegeben.
Später, im Jahre 1375, wurden die Juden wieder in das allgemeine Bürgertum der Stadt Konstanz aufgenommen. Allerdings geschah dies unter sehr starken Einschränkungen und Lebensvoraussetzungen, die beispielsweise auch wieder ihre auszuübenden Berufe eingrenzte. Darüber hinaus findet man ab dem Jahre 1427 wieder einige wenige Belege für die Entstehung einer neuen Synagoge im alten Siedlungsgebiet der Juden.
Da die jüdische Bevölkerung aber 1429 bereits wieder aus Konstanz vertrieben wurde, ist es schwer in historischen Unterlagen weitere Belege für diesen Zeitrum zu finden.
Die vertriebenen Juden wurden in einigen kleineren Dörfern außerhalb Konstanz´ als Schutzjuden 2 aufgenommen.
Im Jahre 1548 verliert Konstanz durch den Verlust der Selbstständigkeit als freie Reichsstadt unter der österreichischen Macht im internationalen und regionalen Handel an Bedeutung. Es blieb für ungefähr 300 Jahre eine relativ unbedeutende Stadt. Jedoch siedeln sich langsam wieder einige jüdische Familien an, da ihnen durch die Aufklärung einige neue Rechte und vor allem mehr Freiheiten eingeräumt wurden. Darunter
1 Als Hostienfrevel oder Hostienschändung bezeichnete die Propaganda des katholischen Klerus zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert einen angeblichen Missbrauch der geweihten Hostie, fast immer in Verbindung mit einem angeblich vorausgegangenen Hostienraub. Dies war wie auch die Legenden vom angeblichen Ritualmord ein häufiger Vorwand für Pogrome.
2 Juden konnten gegen eine Gebühr im Mittelalter sich unter den Schutz des Kaisers stellen. Damit waren sie vor Übergriffen und Pogromen geschützt.
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fielen auch neue Möglichkeiten der Berufsausübung. Sie bekamen dadurch neues gesellschaftliches Ansehen, und wurden daher auch wieder stark in das normale Stadtleben integriert.
Im Jahre 1862 folgte das Gleichstellungsgesetz, nach welchem Juden und Christen vollkommen gleichberechtigt waren und identische Rechte erhielten.
In Konstanz handelte man zunächst jedoch nicht nach dieser Prämisse, denn man diskutierte heftig über die Neuansiedlung jüdischer Familien in der Stadt. Daraus resultierte, dass sich einige Juden zwar in der Stadt niederließen, allerdings noch nicht unter vollkommen gleichgestellten Verhältnissen. Stattdessen verfassungskonformen Bedingungen, weswegen anfangs nicht besonders viele neue Familien in der Stadt Fuß fassten. Erst als man die Bedingungen lockerte wurde Konstanz wieder allmählich von einigen Juden neu besiedelt.
Da sich nun wieder zahlreiche Juden in der Stadt einfanden entstand 1863 eine neue jüdische Gemeinde.
Konstanz, das in den letzten Jahrhunderten eine eher unbedeutende Stadt in Süddeutschland war, wandelte sich nun durch die Mithilfe der Juden wieder zu einer attraktiven Einkaufsstadt, da diese maßgeblich am neu aufblühenden Einzelhandel, vor allem im Bereich des Textilhandels, beteiligt waren.
Eine Generation später kamen auch zahlreiche Akademiker und Gelehrte, meist Nachkommen der bereits in Konstanz ansässigen Familien, aber auch einige sich neu Ansiedelnde, hinzu.
Es zeigt sich, dass die in der Stadt lebenden Juden mehr der liberalen Richtung des jüdischen Glaubens zugehörten, wohingegen jene, die auf dem Land blieben, eher dem orthodoxen Glauben zugehörig waren. 1866 wurde die Errichtung der jüdischen Gemeinde durch das Badische Staatsministerium genehmigt und der israelitischen Gemeinde in Tiengen untergeordnet.
Ein weiterer Schritt zu jüdischen Gleichstellung besiegelte 1904 die Wahl des ersten Juden in den Konstanzer Stadtrat.
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Arbeit zitieren:
Peter Liptau, 2006, Die Konstanzer Synagoge, München, GRIN Verlag GmbH
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