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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Schriftliches vs. mündliches Zitat 4
3. Typen der mündlichen Zitat-Einleitung 5
3.1. Intonation 7
3.2 freie direkte Rede im nachgespielten Dialog 10
3.3 „j’étais là“ 12
3.4 Andere 13
4. Typen der mündlichen Zitat-Beendung 15
4.1 prosodische Mittel 15
4.2 verbale Marker 17
5. Résumé 19
6. Literaturverzeichnis 21
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1. Einleitung
Ausgehend vom Ansatz der Konversationsanalyse und der interaktionalen Linguistik soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden, welche Strategien und Konstruktionen von Französisch-Muttersprachlern in informellen Gesprächen im Vergleich zum schriftlichen Sprachgebrauch zur Wiedergabe direkter Rede verwendet werden. Alle Beispiele sind dabei dem durch die Seminar-Teilnehmer erstellten CIEL-Korpus entnommen. Die Wiedergabe direkter Rede als Teil der Erzählung lässt das Gegenüber an den Erlebnissen oder Gedanken des Sprechers teilhaben, die mit gewissen Empfindungen und Bedeutungen verbunden sind. Durch die Wiedergabe als Zitat geschieht dies in besonders direkter Form. Von sich selbst bzw. eigenen Erlebnissen zu erzählen spielt eine große Rolle beim Aufbau und Erhalt von Identität und dient auch der Selbstvergewisserung des Sprechers in der Gruppe. Es wird mit dem Dialog gespielt - der Erzähler selbst befindet sich im Dialog mit den anderen Gesprächsteilnehmern und gibt (in manchen Fällen) selbst einen Dialog wieder, an dem er teil hatte oder auch nicht. Der interaktionale Charakter der Konversation wird unter anderem daran deutlich, dass die Zuhörer auf verschiedene Weise auf die Strategie des Zitierens reagieren und seine Funktion dadurch anerkennen oder ablehnen können - es fanden sich auch Beispiele der Kooperation, bei denen Zitate von zwei Sprechern gemeinsam produziert wurden. 1
Entscheidend für diese Strategie ist, dass die Wiedergabe direkter Rede erst nach einer gewissen Einleitung oder Situationsbeschreibung erfolgen kann, da zumindest mit dem ersten Zitat nicht völlig unvermittelt begonnen werden kann (allerdings ist ein Wiederaufgreifen nach kurzer Zeit möglich, da die Struktur dann mental noch zur Verfügung zu stehen scheint) 2 . Zitate finden sich dementsprechend in Redebeiträgen mit einer gewisser Länge (zumindest beim ersten Zitat), da eine Einleitung erfolgen musszumindest muss die zitierte Person genannt werden, sehr oft wird auch die Situation beschrieben, in der die Äußerung erfolgte. Das Rederecht (turn-maintaining) muss über eine gewisse Zeit hinweg gesichert sein, auch wenn der Erzähler natürlich von den anderen Gesprächsteilnehmern unterbrochen werden kann.
Da Sprache durch die konkreten sozialen Praktiken geformt wird und durch mündlichen Gebrauch entsteht, sind die immer wieder neu ablaufenden Prozesse und Aktivitäten der Sprecher zu untersuchen - wie gehen sie vonstatten, was ist ihre Funktion? Die
1 Siehe Transkript von Elena Mantu, Z. 1176-1181.
2 Siehe ebenda, Z. 1131-1135 und Z. 1179-1184.
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Konversation als gemeinsames und lokales Handeln lässt „Gestalten“ oder Konstruktionen entstehen, bei denen der Gebrauch, nicht die Logik oder Vorschrift entscheidet, welche sich durchsetzen. Wie bei jeder sprachlichen Handlung besteht folglich auch beim Zitieren eine Konkurrenz mehrerer emergenter und sedimentierter Alternativen, mit deren Verwendung die Sprecher einen bestimmten Zweck verfolgen, wobei die Interaktion aus den konkreten sprachlichen Formen schöpft und diese als Ressourcen nutzt (siehe Gohl 2006, S. 45). Die Frage ist also zunächst, welche Funktion das Zitat allgemein erfüllt und warum die Sprecher nicht die indirekte Rede benutzen? Hier lässt sich die These aufstellen, die Wiedergabe direkter Rede in Form eines Zitats bzw. nachgespielten Dialogs vermittle den Zuhörern mehr Direktheit, Anschaulichkeit und emotionale Nähe zum erzählten Ereignis. Auch ansonsten recht abstrakte Geschehnisse können vom Erzähler durch ein Zitat illustriert werden. Darüber hinaus lassen sich auch sprachökonomische Gründe anführen, da ein Zitat im Vergleich zur indirekten Rede für die Sprecher weniger Formulierungsaufwand, weil weniger Umformungsarbeit bedeutet - die Äußerung wird nicht objektiv beschrieben, sondern bleibt (zumindest scheinbar) der Situation verhaftet, in der sie produziert wurde. Weiterhin ist zu klären, welche Funktionen die verschiedenen Typen der Zitat-Einleitung (und -Beendigung) kennzeichnen. Lassen sich unter Berücksichtigung des Kontextes den Typen verschiedene Funktionen zuordnen - etwa je nach bei den Zuhörern durch das Zitat bezweckter Reaktion bzw. auszudrückender Emotion (Unterhaltung, Mitgefühl, Erstaunen oder Veranschaulichung), bei Nachahmen im Vergleich zu Nacherzählen oder bei Zitat einer einzelnen Person im Gegensatz zur Wiedergabe eines Dialogs?
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2. Schriftliches vs. mündliches Zitat
Zunächst soll als Referenz die Organisation des Zitats bzw. der Wiedergabe direkter Rede im schriftlichen Sprachgebrauch beschrieben werden. Die einfachste Form lässt sich mit folgendem Schema beschreiben: Subjekt Verb: „Zitat ./!/?“ Die wiedergegebene Äußerung kann die Form eines Aussage-, Frage oder Imperativsatzes haben, die direkte Rede steht immer innerhalb von Anführungszeichen, die den wichtigsten Marker im schriftlichen Sprachgebrauch darstellen. Zitiert werden können die mündlichen oder schriftlichen Äußerungen einer oder mehrerer Personen, die Gedanken des Subjekts, aber auch schriftliche Dokumente verschiedenster Art. Die Äußerung wird dabei im Gegensatz zur indirekten Rede nicht modifiziert - Personen, Verbformen und adverbiale Ort- und Zeitangaben bleiben unverändert (Andersen 2000).
Die verwendeten kommunikativen Verben zur Einleitung des Zitats beschreiben die Art der Äußerung mehr oder weniger spezifisch (z.B. dire (à qn), marquer, (se) demander, raconter à qn, penser, ajouter, se plaindre, souligner, écrire, noter…), meist in der dritten Person Singular oder Plural oder in der ersten Person Singular; grammatikalisch sind aber alle Personen möglich. Die Zeitform des Verbs ist meistens Présent oder Imparfait, auch Passé composé oder Passé simple kommen vor. Sehr häufige Typen der Zitat-Einleitung sind also etwa il/elle dit/disait/demande/demandait/raconte/racontait. Die Verbalphrase kann dabei auch auf das Zitat folgen, ist also in ihrer Stellung relativ frei. Allerdings wird bei Ersatz des Subjekts durch ein Pronomen die Stellung durch Inversion verändert („J’ai décidé de m’installer ici de manière permanente avec ma famille“, assène-t-il d’entrée de jeu. 3 ). Das Zitat kann auch direktes oder indirektes Objekt sein (L’Observatoire s’inquiète ainsi de la „grande précarité d’une large partie de la population {...}.“ 4 ) und auch die gesamte Verbalphrase enthalten (Pourquoi ne pas „modifier la législation européenne“ afin de renforcer son contrôle sur les fusions {…} 5 ). Hier zeigt sich ebenso wie im folgenden Beispiel die Möglichkeit eines (eventuell umgewandelten) Teil-Zitats („Au nom de la communauté juive de France“, le président du Consistoire de Paris, Joël Mergui, ouvre la cérémonie {…} 6 ). Es können auch Satzteile der direkten Rede in den vorhergehenden Hauptsatz „verschoben“ werden, so dass ohne diesen das Zitat syntaktisch unvollständig wäre. Darüber hinaus kann das Zitat auch Teil eines finalen Nebensatzes sein: Elle-même
3 Le Monde vom 25. Februar 2006, S. 19.
4 ebenda, S. 2: Éditorial.
5 ebenda: L’Europe des géants de l’énergie.
6 ebenda, S. 10: Mort d’Ilan Halimi.
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n’envisage pas de s’y rendre, pour „ne pas faire de provocation“ 7 . Sicher ließen sich noch mehr Varianten der Zitat-Organisation im schriftlichen Sprachgebrauch finden. Entscheidend ist jedoch, dass die Marker für die Folge und den Beginn des Zitats die der direkten Rede vorangehende oder auf sie folgende Verbalphrase und die Anführungszeichen, die die Äußerung umschließen, sind. Im mündlichen Sprachgebrauch ergibt sich zunächst die Konsequenz, dass die Anführungszeichen als Marker des Zitat-Beginns weg fallen. 8 Die Frage stellt sich also, ob diese Marker durch andere ersetzt werden müssen oder ob die dem Zitat vorangehende oder folgende Äußerung ausreicht, um für die anderen Gesprächsteilnehmer das Zitat zu kennzeichnen. Festzuhalten ist auch, dass mehrere Marker kombiniert werden können, wovon häufig Gebrauch gemacht wird. Einzelne Typen der Zitat-Einleitung im gesprochenen Französisch werden genauer auf ihren Kontext und ihre Funktion hin untersucht.
3. Typen der mündlichen Zitat-Einleitung
Die Einleitung durch kommunikative Verben als „Zitierungs-Verben“ findet sich analog zum Schriftlichen bei den meisten Fällen der Wiedergabe direkter Rede im vorliegenden Korpus - meist mit Verbformen von dire (à qn) und (se) demander/demander à qn, aber z.B. auch mit penser; in allen Personen bis auf die zweite Plural, im Präsenz, Passé composé und Imparfait. Im Vergleich zum schriftlichen Sprachgebrauch werden Zitate aber auch mit faire (à qn) eingeleitet (Bsp. elle/il fait/faisait 9 , j’ai fait 10 und elle me fait 11 ), das inhaltlich durch dire ersetzt werden könnte. In quasi allen Fällen wurden mündliche Äußerungen zitiert - ein Beispiel ließ sich jedoch für die Wiedergabe einer schriftlichen, digitalen Äußerung finden, bei der das erste kommunikative Verb die Schriftlichkeit der Äußerung beinhaltet (j’avais tapé):
7 Le Monde vom 25. Februar 2006, S. 10: Le FN, pas le „bienvenu“ à la manifestation, dimanche.
8 Einige Kursteilnehmer hatten jedoch in ihren Transkripten Anführungszeichen verwendet, um die Wiedergabe direkter Rede zu kennzeichnen.
9 Lisa Quetting Z. 1185, 1224.
10 ebenda, Z.1283.
11 ebenda, Z. 1168.
Arbeit zitieren:
Lisa Quetting, 2007, Zitieren im Gespräch als Strategie, München, GRIN Verlag GmbH
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