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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Bedeutung der Medien für eine (Minderheiten-)Sprache 2
1.2 Korsisch in den Massenmedien allgemein 5
2. Literatur 7
3. Presse 10
4. Radio 12
5. Fernsehen 18
6. Internet 21
7. Schluss 23
8. Literaturverzeichnis 25
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1. Einführung
1.1 Bedeutung der Medien für eine (Minderheiten-)Sprache
Sprache dient nicht nur der Verständigung, sie ist Teil der Identität eines Sprechers, der Geschichte und Kultur seiner Gruppe 1 und deshalb auch im Rahmen dieser zu untersuchen. Die Medien wiederum spielen für diese Bereiche eine große Rolle, da durch öffentliche Kommunikation Zugehörigkeit und Integration vermittelt wird. Ein Teilaspekt davon ist die umfassende Information über Meinungen, Probleme und Standpunkte, was insbesondere für Minderheiten von Bedeutung ist, „deren Bedürfnisse und Probleme bei der öffentlichen Konsensbildung gerne vernachlässigt werden“. 2 Für eine ethnische oder sprachliche Minderheit wie die der Korsen ist es dementsprechend wichtig, ihre Forderungen zu einem Anliegen der Öffentlichkeit zu machen.
Über die Medien konstituieren sich soziale oder politische Bewegungen und machen auf sich aufmerksam, denn unser Wissen über die Welt außerhalb des täglichen Erlebens gewinnen wir über die Massenmedien. 3 Mit ihrer Hilfe werden heterogene Vorstellungen von Realität, wie Weltbilder und Ideologien, verbreitet und diskutiert, aber auch neu produziert. 4 So begründet auch die Anerkennung einer Sprache als solche (sei es linguistisch, politisch oder gesellschaftlich) in gewisser Weise erst ihre „Geburt“. 5 Daran haben wiederum auch die Massenmedien mit ihrer Information über einen solchen Prozess teil. Medien spielen darüber hinaus eine entscheidende Rolle bei der Bildung der öffentlichen Meinung und eines kollektiven Willens, die ausgehend von Unruhen und Diskussionen einen politischen Prozess und den Wandel von Gesetzen oder politischen Grundsätzen wie den Umgang mit einer Minderheitensprache bewirken können. 6 Entsprechend dieser gesellschaftlichen Bedeutung der Massenmedien versuchen Vertreter verschiedener Interessengruppen, die Medien-Diskurse für ihre Zwecke zu beeinflussen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erringen. Nicht nur Politiker können aus öffentlichen Missständen Kapital schlagen - auch die Einflüsse der Produzenten sind
1 siehe J.-M. Comiti: La langue corse entre chien et loup, Paris 2005, S. 119.
2 P. Hunziker: Medien, Kommunikation und Gesellschaft. Einführung in die Soziologie der Massen-
kommunikation, Darmstadt (2. Aufl.) 1996, S. 106.
3 siehe U. Schmitz: Sprache in modernen Medien. Einführung in Tatsachen und Theorien, Themen und
Thesen, Berlin 2004, S. 15.
4 siehe U. Schmitz: Sprache in modernen Medien, S. 18.
5 siehe J.-B. Marcellesi: „Un cas original : l’émergence de la langue corse“, in: P. Blanchet; R. Breton; H.
Schiffman (Hgg.), Les langues régionales de France : un état des lieux à la veille du XXIe siècle, Leuven
1999, S. 113-122, hier S. 117.
6 siehe R. E. Park: „Nachrichten und die Macht der Presse“, in: G. Göhler (Hg.), Macht der Öffentlichkeit -
Öffentlichkeit der Macht, Baden-Baden 1995, S. 300-318., hier S. 300.
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maßgeblich. Zu unterscheiden ist bei ihrer Zielsetzung u. a. zwischen Qualitäts- und Marktorientierung, bzw. ökonomischem und ideellem Absatz, was die Sende- oder Druckformate stark formt. Kritischer Umgang mit der Medienrealität ist deshalb entscheidend. 7 Wie und in welchem Maße die Kommunikationsinhalte der Massenmedien aber tatsächlich auf die Individuen (ihre Einstellungen und Verhalten), deren Alltagswelt (ihre Zeitverwendung und interpersonale Kommunikation) sowie auf die Gesellschaft insgesamt (Mitwirkung an der Bildung der öffentlichen Meinung und des politischen Willens, gesellschaftliche Integration) wirken, ist durchaus umstritten. 8 Fest steht jedoch, dass eine Gesellschaft, die komplexer und mobiler wird, ihre Medien an (kulturellem) Stellenwert gewinnen lässt. Über moderne Medien verläuft heute der Großteil der Kommunikation, also auch des Sprachgebrauchs - „Mediatisierung geht einher mit Entkörperlichung“ 9 der Kommunikation. Kommunikation in modernen Medien kann Kommunikation außerhalb dieser realistisch abbilden, integrieren, fiktiv neu produzieren, aber teils auch ersetzen. 10 Außerdem trägt die Nutzung einer Vielzahl von Medien durch ein Individuum auch zu seiner Teilhabe an mehr Sprachvielfalt bei - Varietätenmischung und -wechsel auch innerhalb eines Mediums werden begünstigt. 11 Als Problematik ergibt sich die eventuelle Verdrängung interpersonaler Kommunikation durch Massenmedien (insbesondere durch das Fernsehen). Wie diese Entwicklung einzuschätzen ist, kann jedoch nicht pauschal beantwortet werden. Bestehen bereits Defizite in der (familiären) Kommunikationsstruktur, können diese durch starken Medien-(/Fernseh-)Konsum verstärkt werden. Eine vitale Kommunikationsstruktur und Diskussionskultur kann jedoch auch durch Fernsehen stimuliert werden. 12 Mediennutzung kann auch durch Gemeinsamkeiten mit auftretenden Personen und Verwendung der Inhalte als Gesprächsstoff persönliche Kontakte fördern. 13
Der Sprachgebrauch in den klassischen Massenmedien wird auch durch die neueren Medien (vor allem das Internet) beeinflusst, da sich die Medien gegenseitig thematisieren. So verfügen etwa die meisten Radio- und TV-Stationen ebenso wie Zeitungen auch über eine Homepage im Internet - darüber hinaus wird „schriftliche {...} von multimedialer Kommunikation teils aufgesaugt“ 14 . In den Medien wandelt sich Sprache am schnellsten, da
7 siehe U. Schmitz: Sprache in modernen Medien, S. 19.
8 siehe P. Hunziker: Medien, Kommunikation und Gesellschaft, S. 23-25.
9 siehe U. Schmitz: Sprache in modernen Medien, S. 7.
10 siehe ebenda, S. 36.
11 siehe ebenda, S. 31.
12 siehe P. Hunziker: Medien, Kommunikation und Gesellschaft, S. 91f.
13 siehe ebenda, S. 93.
14 siehe U. Schmitz: Sprache in modernen Medien, S. 28.
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hier gesellschaftliche und sprachliche Entwicklungen sowohl reflektiert, diskutiert und verstärkt als auch (in einem gewissen Rahmen) produziert und verbreitet werden können. Medien widerspiegeln damit die Situation einer (Sprach-)Gemeinschaft, ihre Hoffnungen, Ängste und Fragen. 15 Folglich stellt sich die Frage, auf welche Weise eine Ethnie und Sprachgemeinschaft wie die der Korsen in den Massenmedien dargestellt wird: Geschieht dies wirklich auf objektive Weise oder auch klischeehaft und folkloristisch? Ist die Darstellung vielleicht sogar abwertend zu Gunsten der dominanten französischen Kultur und Sprache? Da an der Produktion auch Korsen maßgeblich beteiligt sind. sollte man sollte meinen, dass die Darstellung insgesamt eher positiv sei. Vielleicht ist diese Wahrnehmung aber auch unterschiedlich von „innen“ und „außen“? Wird nicht durch den Begriff „Minderheitensprache“ deutlich, dass auch in den Medien immer eine Vorherrschaft der offiziellen Sprache bestehen bleiben wird, die das, was nicht der angeblichen Norm entspricht, unterdrückt und einverleibt? Welche Auswirkungen hat darüber hinaus die Ausweitung der technischen Möglichkeiten und der Kommunikationsarten auf die Situation einer Minderheitensprache? Begünstigt diese Entwicklung ihren Erhalt und Gebrauch oder beschleunigt sie nicht vielmehr die Tendenz zur Standardisierung der Gesellschaft? 16 Hier lassen sich teils gegensätzliche Prozesse beobachten: Neben der Tendenz zur Vereinheitlichung existiert auch die zu verstärkter Diversifizierung der Ausdrucksformenseien es fachsprachliche, soziolektale oder dialektale Varietäten, die „durch moderne Medien in ihrem herkömmlichen Geltungsbereich verstärkt und über diesen Bereich hinaus ausgebreitet {...} werden“ 17 können. Andererseits besteht (insbesondere durch die Medien) der Druck zur globalen Anschlussfähigkeit und Assimilation etwa von Anglizismen, der zusammen mit der globalen Verbreitung der Massenmedien die Zahl aussterbender Sprachen deutlich erhöht hat. 18 Welche Entwicklungstendenz sich durchsetzen wird, steht noch offen.
15 siehe J.-M. Comiti: La langue corse entre chien et loup, S. 121.
16 siehe J. Fusina: „Médias audiovisuels et langue locale : le cas du corse“, in: P. Blanchet; R. Breton; H.
Schiffman (Hgg.), Les langues régionales de France : un état des lieux à la veille du XXIe siècle, Leuven
1999, S. 161-175, hier S. 165.
17 siehe U. Schmitz: Sprache in modernen Medien S. 31.
18 siehe U. Schmitz: Sprache in modernen Medien S. 32.
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1.2 Korsisch in den Medien allgemein
Die Situation für eine Minderheitensprache in den Medien ist in verschiedener Hinsicht eine besondere: die gesetzliche und politische Lage war lange ungünstig; wirtschaftlich sind die Mittel oft stark eingeschränkt und der Absatzmarkt für die Produktionen durch die Zahl der Sprecher und (wahrscheinlichen) Interessenten begrenzt, die u. a. noch durch demographische Entwicklungen und Migration beeinflusst wird. Zum Thema des Sprachkontakts stellen sich mehrere Fragen: wie wirkt er sich konkret auf die Sprache in den Medien aus? Wann herrschte in der wechselhaften Geschichte Korsikas welche Sprach-Dominanz vor? Von Interesse ist natürlich auch, wie heute das Verhältnis zu Italienisch und Französisch aussieht. Die Gliederung der vorliegenden Arbeit folgt im Sinne dieser Darstellung in etwa der historischen Entwicklung der einzelnen Medien, wobei ich mich auf die öffentlichen Massenmedien - Presse, Literatur, Radio, Fernsehen und Internet - beschränken werde.
Eine verstärkte Öffnung der Massenmedien dem Korsischen gegenüber findet seit etwa 20 Jahren statt. In der 80ern ließ sich ein starker Erneuerungswille, aber auch ein Bewusstwerden der strukturellen Probleme (wie finanzieller und personeller Mangel) und der Komplexität des Vorhabens beobachten. Verschiedene Kolloquien zum Thema „Korsisch in den Massenmedien“ fanden etwa 1984 in Paris und 1986 auf Sardinien statt und versuchten sich an Analyse, Kritik und Vorschlägen. 19 Mitte der 80er herrschte von Seiten der Autoritäten vor allem der Verdacht, jeglicher Ausdruck auf Korsisch in den Medien sei prinzipiell aufwieglerisch oder separatistisch und gegen die herrschende politische Ordnung und Regierung gerichtet, bzw. Radio und TV würden entsprechende Gruppierungen decken oder unterstützen. 20
Heute sind die Medien neben dem schulischen Unterricht definitiv eine Hauptstütze, um das Korsische am Leben zu erhalten, da sie neben der privaten Anwendung einen praktischen Sprachgebrauch und Kommunikation außerhalb des Unterrichts ermöglichen. Der ursprüngliche Genolekt Korsisch hat in diesen Bereichen die Funktionen eines Grammolekts übernommen, so dass keine klare Funktionstrennung mehr herrscht. Die Bedeutung der Massenmedien für den Spracherhalt ist umso essentieller, da das Korsische über (so gut wie) keinen staatlichen Anwendungs- und Geltungsbereich verfügt. Auch an der sprachlichen Ausarbeitung des Korsischen hatten und haben die Medien einen großen Anteil: eine Anpassung der Sprache an neue Funktionen und eine neue Umgebung war und
19 siehe J. Fusina: Médias audiovisuels et langue locale : le cas du corse, S. 163f.
20 siehe ebenda, S. 169.
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ist nötig. 21 Vor allem in schriftlichen Medien erfordert die Ausformulierung eines Textes andere Bemühungen als eine mündliche Äußerung. Dies ist umso mehr eine Herausforderung, als eine Minderheitensprache wie das Korsische lange überhaupt nur im mündlichen Gebrauch existierte. Durch den Rückgang der sozialen Praxis des Korsischen entsteht allerdings ein Ungleichgewicht zwischen seinen Funktionen, d.h. die Identitätsstiftende Funktion wird noch verstärkt. Diese Entwicklung lässt sich am Beispiel der Medien besonders eindrücklich aufzeigen 22 , wie wir im Folgenden sehen werden. Die These, dass das Korsische in den Medien eher eine Identitäts- als eine Kommunikations-Funktion innehabe, ist zu überprüfen.
Für den Sprachgebrauch spielt es auch eine Rolle, welche Ziele die Medien-Produzenten, Moderatoren, Autoren usw. verfolgen: ist das Ziel in erster Linie die Verständlichkeit für die größtmögliche Zahl der Rezipienten (im Sinne der Informationsübertragung) oder auch eine besondere Sprachqualität (etwa „ursprüngliches Korsisch“)? 23 Wird etwa die Meinung vertreten, besonders die prinzipiell für Jeden interessanten Produktionen der öffentlich-rechtlichen Medien sollten den Großteil des Publikums ansprechen, spricht dies klar gegen eine Ausstrahlung von korsischen Nachrichten. Zur Debatte steht ebenfalls, ob die Funktion der Medien auch eine pädagogische sein sollte. Vor allem das Fernsehen kann durch eine Zusammenarbeit mit dem Schulwesen in großem Maße zu Sprachförderung und -erhalt beitragen.
Die besondere Situation des Korsischen in den Medien beinhaltet auch, dass die dort Berufstätigen besonders zu Beginn der Produktion keine spezielle Vorbereitung für ihre wichtige Aufgabe erhielten - die Devise hieß „Learning by doing“, es erfolgte eine schrittweise Anpassung des Umgangs mit der Sprache an die neue Situation. 24 Die prinzipiell sehr große Freiheit im Sprachgebrauch führte und führt aber dementsprechend auch zu sprachlicher Unsicherheit in den Medien: Es ist nicht einfach, ein bestimmtes Sprachniveau auszuwählen, das für den Großteil des Publikums verständlich ist und trotzdem sprachlich „korrekt“. Ebenso stellt sich das Problem der Auswahl einer Varietät (in Bezug auf Orthographie, Lexik, Syntax). Allerdings ist fraglich, ob überhaupt eine Varietät ausgewählt werden muss. Welche Argumente können für welche Varietät angeführt werden - Tradition, Verbreitung, Verständlichkeit oder andere? Zum Thema der Übersetzung von Nachrichten und anderen Beiträgen ist zu klären, ob einfach nur wörtlich
21 siehe J.-M. Comiti: La langue corse entre chien et loup, S. 121.
22 siehe ebenda, S. 120.
23 siehe ebenda, S. 127.
24 siehe ebenda, S. 121.
Arbeit zitieren:
Lisa Quetting, 2006, Korsisch in den Massenmedien, München, GRIN Verlag GmbH
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