Ist ein Wissen der Bildung zuführbar, so kann es exemplarisch aufgearbeitet werden. Daraus resultiert SCHULE, die didaktische Disziplinierung der Wissens- und Bildungssammlung in exemplarische Schritte der Lehr- und Lernbarkeit. An dieser Stelle steht die Ordnung der Biologischen Medizin.
Sicherlich ist eine Gesamtschau der ‚großen' und der ‚kleinen' Dinge in der Biologischen Medizin nur curricular zu ordnen.
Deshalb soll hier versucht werden, aus dem Gesamtspektrum besondere Eigenheiten herauszuarbeiten, deren Zwischenstücke in anderem Zusammenhang noch aufgearbeitet werden sollten. Vorrangig hingegen sollte sein, sie im Fächerkanon der Medizin zu platzieren. Mit dem Aufkommen eines semantischen Versuches, "Ganzheitlichkeit" in der Medizin zu definieren, ist der Weg zu einer systemischen Anschauung des Menschen als Individuum mit holistischen Merkmalen beschritten worden. Sie waren 1950 bereits unter dem Schlagwort "Herderkrankungen" im Auftrag der ‚Arbeitsgemeinschaft der westdeutschendeutschen Ärztekammern' verhandelt worden. Wir haben dies im Nekrolog zum 50. Todestag von Dr. Werner Zabel, Professor für Ophthalmologie und Promotor der Komplementären Onkologie, beschrieben. Wir haben an anderer Stelle die Notwendigkeit einer Vernetzung medizinischer Informationen beschrieben, die bereits seit 1941 (ASA-risk-score) zum Standard einer Einbettung der spezialisierten Medizin in die Allgemeinmedizin gehört (Spranger & Baum). Dazu werden wir unten Stellung beziehen. Zunächst aber soll mit den folgenden Darlegungen versucht werden, aus einer notwendigen Komplexität heraus den Ansatz zu einem Wertewandel anzureißen innerhalb einer Biologischen Medizin, die sich systemisch versteht.
Einführung in die biologische Wissensschau
Als Isaac Newton die bahnbrechende Entdeckung machte, dass die Bewegung eines Körpers mit der mathematischen Beziehung zwischen den auf diesen Körper einwirkenden Kräften und seiner Beschleunigung beschrieben werden kann, lernten Mathematiker und Physiker ähnlich unterschiedliche Lektionen:
Beschleunigung ist mathematisch eine Veränderungsrate, ein Änderungsmaß "zweiter Ordnung" - nämlich eine Änderungsrate einer Änderungsrate. Beschleunigung ist
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physikalisch die Änderungsrate der Geschwindigkeit - sie hängt nicht von der Anfangs- und Endgeschwindigkeit ab, sondern davon, wie schnell die Änderung eintritt. Wenn ein MUSTER offensichtliches Merkmal einer Reihe von Abständen gewesen wäre, hätten wir in unserer Geschichte viel früher den Begriff BEWEGUNG definieren können. Da die Begrifflichkeit der MUSTERentwicklung erst sehr spät Gegenstand der schulischen Bildung gewesen ist, kamen unterschiedliche Lektionen aus jeder neuen Gedankendisziplin heraus. Mathematiker suchten Erkenntnis aus Gleichungen, Physiker suchten sogenannte Naturgesetze. In den Medizinen dieser Erde - Neutralitäten zwischen Gesundheit und Krankheitsdefinitionen - ist es ähnlich zugegangen. Die Einen suchten nach linearen deterministischen Gleichheiten; die Anderen suchten nach den Sequenzen ähnlich erscheinender Erfahrungen und deren Mustern. Die Einen und die Anderen machten ihre eigenen Entwicklungsphasen durch.
WISSEN und ERKENNTNIS ist der Inbegriff der SCHULE. SCHULUNG ist entweder ein zentripetaler Begriff, also mit Wirksamkeit von außen, oder aber ein disziplinierender Begriff des Lernens, also der Willfährigkeit von innen. Die Zeit ist reif, an die Gemeinsamkeiten zu denken, nicht aber an die differenzierten Auffassungen vom Gleichen. So ist z.B. nicht praktisch, bei der Suche nach Semantik des Konträren, einer sogenannten Schulmedizin eine alternative, eine komplementäre entgegenzustellen, weil auch diese den Begriff der Schule benötigen, um didaktisch aufzuarbeiten. Funktio-morphologische Grundlagen
Der hier folgende Absatz nimmt eine Übersicht über Inhalte der „Regulationsbiologie“ voraus. Spranger 2007:
Vom Systemwissenschaftlichen ausgehend ist es gestattet, zwei differente Determinanten vektoriell zurückzuverfolgen: Eine Determinante ist die morphologiegestützte Zellularpathologie, auf der ein größerer Teil der Medizin aufbaut. Eine andere Determinante ist die funktionsgestützte Grundsubstanzbiologie, die zwischen der Glykokalyx der Zellen und den Proteoglykanen der Interzellularsubstanz für diese spezifische Abläufe definieren lässt. Die Zellularpathologie hat der Medizin ebenso starke Impulse gegeben, wie die kopernikanische Wende in der Beurteilung des Universums. Dennoch ging man in der Physik der großen Objekte später noch sehr lange Zeit von materiellen Grund-Bedingungen aus. Erst als in der Physik der kleinen Dinge ‚Antimaterie' definiert werden musste, änderten sich die
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Relationen von Maß, Zeit und Energie. Heute ist ebenso erlaubt, davon auszugehen, dass im Universum mehr Antimaterie als Materie liegt, wie davon, dass subatomare Energiebündelungen in ‚Strings' (Saiten) Resonanzen zwischen chemisch determinierten ‚Quarks' erlauben, die eine eigene Kinetik haben.
Dr. Christoph Wilhelm Hufeland, von 1792 bis 1800 als Professor der Medizin in Jena, dann in Berlin bis 1836 in Berlin tätig, konzentrierte sich auf das Kernproblem der Lebensbedingungen und den Wegen zur Verlängerung der Lebenszeit, die er versuchte, in seinem damals weltberühmten Werk "Makrobiotik" zu beantworten. Hufeland prägte den Begriff ‚Physiatrik' und subsummierte darunter die "heilenden Kräfte der Natur", vornehmlich des Wassers, des Lichtes und der Bewegung im Bezug zur Konstitution, der seelischen Verfassung, des sozialen Milieus und der individuellen Reizreaktionsweise des Patienten. Damit schließt er unmittelbar an die traditionellen Heilberuflichkeiten der antiken Hochkulturen und der religiös durchwirkten Kulturkreise vergangener Zeiten an. Alle diese setzen einen Zustand von Gesundheit voraus, den es unter allen Umständen zu erhalten gilt. Therapiemittel waren symptomatische Helfer. Aus dem Bewusstsein heraus, dass eine körperliche, emotionale und spirituelle Gesunderhaltung auch jedem Menschen möglich ist, enthielt die Medizin einen alten Verhaltencodex, den griechischen Eid, dem Patienten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, als Lebens- und Seinsbegleiter verfügbar zu sein und nicht zu schaden. Diese Sichtweise und Interpretation der klassischen Medizin ist auch heute noch aktuell ob ihrer Plausibilität, die für das Menschenbild gelehrt wird. Akzeptiert bleibt, dass heilberufliche Intervention körperliche, psychische und psychologische Wirkungen auslöst. Nun ist es dem Medizinverständnis eigen, dass mit ihm sowohl eine primäre Sinneswahrnehmung physikalischer Reize (Wärme, Kälte, Bewegung) als auch ein emotionales und hedonisches Erleben (Wärme = wohlig, einschläfernd; Kälte = erfrischend, belebend; Bewegung = anmutig, selbstbestätigend) mit der Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Körperlichkeit ausgelöst wird. Damit entsprechen sie der Forderung eines Dualismus der therapeutischen Wirksamkeit. Diese Optionen der Forderung eines Dualismus des heilberuflichen Wirkens können und sollten im Sinne der "ganzheitlichen Beeinflussbarkeit" auf die bio-psycho-soziale Befindlichkeit des Menschen/Patienten positiv genutzt werden. Die Bedeutung psychischer und sozialer Faktoren, aber auch positiver und negativer Emotionalität für Salutogenese (Gesunderhaltung aus eigener Kraft) und Pathogenese, die Hufeland beschrieb, ist nach wie vor aktuell. Die Bedeutung psycho-sozialer Faktoren wird in einer hochtechnifizierten Welt mit einer menschlich-kommunikativ vereinsamenden Lebensweise, die dem Leistungsdruck hinderliche Emotionen ignoriert,
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immer größer. Mit dem ursprünglichen Verständnis der Heilberuflichkeit werden den gesundheitsbewusst lebenden Menschen und den Patienten Hilfen gegeben, um aus eigener Kraft (Selbstregulation) gesund zu bleiben, wieder gesund zu werden bzw. langwierige Krankheiten besser zu bewältigen.
Mit einem Erklärungsmodell für die Medizin, der Anleitung zum Einhalten eines "gesunden Lebensrhythmus") wird der Patient kognitiv am "Geschehen" beteiligt und befähigt, selbst Medizin, unverständlich als ‚Schulmedizin' qualifizierten, westlich ausschließlich gelehrten Medizin vorhanden ist: Die Alternative Medizin (im Osten zur westlichen Medizin, im Westen alternativ zur monokausalen Medizin), die Komplementäre Medizin (die ätiologische Lücken füllende und dann systemische Medizin) und die Biologische (Individual-)Medizin existieren bereits im Formalen und in der Lehre ihrer didaktischen Details. Die didaktisch exemplarische sogenannte herkömmliche (konventionelle) Medizin basiert auf der von Dr. Ludwig Rudolf Carl Virchow, von 1855 bis 1902 Professor für Pathologie und Chirurgie in Berlin, entwickelte materialistische Krankheitslehre "Zellularpathologie", die die Zelle in das Zentrum krankhafter Prozesse stellt und die Krankheit auf Veränderungen der Zelle zurückführt. Diese Pathologie war die wichtigste Grundlage für die naturwissenschaftliche Auffassung der Medizin. Mit ihr wurde die große naturwissenschaftliche Epoche der Medizin mit inspiriert. Ihr fehlte jedoch, besonders in der späteren Weiterentwicklung, die Berücksichtigung der Beziehungen zum Nerven- und Gefäßsystem. Außerdem aber lassen sich diverse richtungs- und geschwindigkeitsbezogene Funktionen im Körper der Vertebraten nicht zuordnen. So ist trotz guter Berücksichtigung aller nervaler und vaskulärer Verbindungen im Körper nicht nachvollziehbar, wie bestimmte ‚Sofortphänomene' zu erklären sein sollen.
Eine solche Erläuterung stammt von Dr. A. Pischinger, Professor für Histologie und Embryologie in Wien, der 1957 ‚das Schicksal der Leukozyten' und 1975 ‚das System der Grundregulation' beschrieb. Er wurde Begründer der feingeweblichen Histochemie und gab die Erklärungen für Kommunikationsphänomene in bindegeweblichen Strukturen des gesamten Organismus. Das von ihm benannte Grundregulationssystem beinhaltet das Netzwerk aus Kapillaren, interzellulärem Fibroblasten- und Fibrozytenmilieu, Zellmembranen, und vegetativ-nervaler Endstruktur, die mit lymphatischen Geweben und Flüssigkeiten in Verbindung stehen. Biochemische Grundlagen seien Proteoglykane und
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Strukturglykoproteine, die das makromorphologische Milieu mosaikartig strukturieren und durchwirken.
Die Systematik der Grundsubstanzbiologie nach Pischinger und Heine beinhaltet sowohl die Systematik einer Funktion von Extrazellulärer Matrix (der Glykokalyx), als auch die ihrer interstizieller Grundregulation über das interzelluläre Netz von Proteoglykanen und Glykosaminoglykanen. Ebenso wie man in der Wende der universellen Betrachtungsweisen neue strukturelle Bedingungen, neue energetische Eigenheiten und neue Abhängigkeiten finden musste, wird man in der aufkeimenden Biologischen Medizin mit neuen Valenzen vertraut, die selbstverständlich auch in ein didaktisches Muster eingefügt werden müssen, um eine Übertragung in die Praxis nicht nur holistisch, sondern systematisch zu gestatten. Die Schule der Biologischen Medizin beginnt ebenso mit Grundlagen, die eine eigene Biologie, Morphologie, Physiologie und Pathophysiologie haben. Der kompetitiven Redundanz der Oralmedizin wegen gehen wir hier von oral aus, wohl akzeptierend, dass die Systemik gemeint ist, die entwicklungsgeschichtlich von der ‚gastrula' (von oral bis anal, also auch gastro-intestinal und rhino-pulmonal) vorgegeben ist.
Oberflächen-Biologie - Die Exposition
Die Biologie ist, abgesehen von den strengsten Formen ihrer Paradigmen (einschließlich des Darwinismus), einhellig der Auffassung, dass die Evolution niemals abgeschlossen sein wird. Selbst wenn konstitutionell und dispositionell erklärt wird, wie die Änderung der Begriffe von Harmonie der Gesundheit abgeändert werden können, betrifft dies nur etwa 2 % aller Variablen, die Krankheit genannt werden und monogen sind. Alle anderen Faktoren sind von ihrer Abstimmung her ausgezeichnet, damit also ohne eindeutige Kausalität; dagegen sind sie von Korrelationen geprägt, also mindestens polygen, wenn nicht sogar polykontextural. Damit tritt der Begriff der Abhängigkeit von Exposition in Erscheinung; das Bild der Biologischen Medizin ist humanökologisch geprägt! Dies wiederum impliziert eine Konzentration auf die äußeren und inneren Körperoberflächen. Auch hier gehen wir eine
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Arbeit zitieren:
Prof.a.D.Dr.Dr.h.c.(UNVF) Heinz Spranger, 2007, Rahmenbedingungen physiologischer Grundlagen der Integrativen Biologischen Medizinen, München, GRIN Verlag GmbH
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