INHALT
1. Einleitung 3
2. Der Erste Weltkrieg und seine Folgen 4
2.1. Der Sieg über das Deutsche Kaiserreich 4
2.2. Rote Revolution und demokratischer Neubeginn 5
3. Die Republik zwischen Festigung und Gefährdung. 6
3.1. Außenpolitische Repression und Chancen. 6
3.1.1. Der Vertrag von Versailles als „Diktatfrieden“ 6
3.1.2. Der Völkerbund und der liberale Internationalismus der Wilson-Ära. 8
3.2. Die inneren Feinde der Demokratie 9
3.2.1. Das politische System Weimars und seine Schwachstellen. 9
3.2.2. Aufstieg der Antidemokraten 11
4. Weimar als kulturpolitischer Entwurf 13
5. Fazit. 15
6. Literatur. 17
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1. Einleitung
Der Klassikerstadt Weimar wurde mit Gründung der Weimarer Republik im Jahr 1919 eine gewaltige Bürde aufgeladen. Einerseits wurden in dem weltberühmten Heimatort von u.a. Goethe, Herder und Schiller Grundlagen für die erste demokratische Republik Deutschland gelegt. Andererseits geschah das unter wenig glanzvollen Umständen: Der Erste Weltkrieg hatte für die Deutschen soeben mit einer vernichtenden Niederlage geendet. Die rote „Novemberrevolution“ hatte den angeschlagenen wilhelminischen Obrigkeitsstaat 1918 binnen kurzem hinweg gefegt. Die Volksbewegung mündete aber nicht in einer breiten Friedensinitiative, sondern wurde durch linksradikale Scharfmacher missbraucht, was v.a. im konservativen Bürgertum eine fortwährende Angst vor einem Umsturz nach bolschewistischem Muster erzeugte. Ein Rechtsruck in der Bevölkerung war die Folge, von dem vor allem die Nazis später profitieren sollten. Die Weimarer Demokratie unter der Führung einer reformierten Linken und Mitte-Rechts-Parteien war instabil und nur teilweise ein Erfolg - die antidemokratischen Tendenzen konnten nicht in den Griff gebracht werden. Dabei hatte der Volksbeauftragte Friederich Ebert noch am Eröffnungstag vor den neu gewählten Parlamentariern der Nationalversammlung 1919 appelliert: „Jetzt muß der Geist von Weimar, der Geist der großen Philosophen und Dichter wiederum unser Leben erfüllen.“ Die Deutschen hätten jetzt die Wendung „vom Imperialismus zum Idealismus, von der Weltmacht zur geistigen Größe“ zu vollziehen (beide: Merseburger,1998:286f.). Seine Hoffnungen sollten sich bekanntlich nicht erfüllen. Weimar steht somit nicht nur für höchsten Geist, sondern gilt auch als ewiger „Schicksalsort“ für das tragische Scheitern von Politik und Vernunft. Wie wir heute wissen, gab es durchaus Chancen auf dauerhaften Frieden für die Weimarer Republik, deren unrühmliches Ende kein Automatismus war. Jene Chancen basierten auf modernen Erfindungen, brillanten Forschern und genialen Künstlern. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werden die Grundlagen der Weimarer Republik untersucht und dargestellt, welche außen- und innenpolitischen Faktoren für ihren Niedergang verantwortlich waren. Im zweiten Teil wird erörtert, warum Weimar der Demokratie kein tragfähiges geistiges Fundament verleihen konnte. Es soll neben der politischen Revolution auch die künstlerische Revolution mit ihren klaren Botschaften gegen Krieg und für mehr Freiheit diskutiert werden.
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2. Der Erste Weltkrieg und seine Folgen
2.1. Der Sieg über das Deutsche Kaiserreich
Als am 28. Juni 1914 Franz Ferdinand, Thronfolger der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, durch einen bosnischen Terroristen erschossen wurde, sollte niemand ahnen, dass die politische Landkarte Europas vier Jahre später eine völlig andere sein würde. Dabei hatte sich die europäische Bevölkerung vom neuen 20. Jahrhundert eine Periode des Friedens und Wohlstands erhofft. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges war seit 43 Jahren kein großer Konflikt mehr unter Europas Staaten ausgetragen worden. Doch der Imperialismus und der Militarismus waren stärker. Der politische Konfrontationskurs der europäischen Staaten musste zwangsläufig irgendwann in „The Great War“ bzw. die „Urkatastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts“ führen (vgl. Bauer,2004). Die Regierungen der jeweiligen Staaten hatten in ihrem nationalistischen Übereifer jeden ernsthaften diplomatischen Versuch, den Frieden zu retten, vermissen lassen. „In ganz Europa gehen die Lichter aus; wir werden es nicht mehr erleben, dass sie wieder angezündet werden“ (Bauer,2004), sagte 1914 Sir Edward Grey, britischer Außenminister, und er sollte recht behalten.
Die aktuelle Friedens- und Konfliktforschung ist sich weitgehend einig, dass der Erste Weltkrieg als Auslöser einer Spirale der Gewalt gilt, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind. Dabei war das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhundert war eine Periode des Friedens, wirtschaftlichen Aufschwungs, der Globalisierung und der Ausbreitung des Liberalismus gewesen. Der Erste Weltkrieg kehrte diese Tendenzen um und führte zu Depression, globalen Handelsbeschränkungen, Diktatur und abermals Krieg (vgl. Thamer,2003 / Schell,2003:16f.). Charakteristisch sind der ungestüme Patriotismus und eine durch Propaganda völlig verblendete Jugend, die sich auf allen beteiligten Seiten begeistert und abenteuerlustig in den mörderischen Mehrfrontenkrieg zwischen Mittelmächten und Entente stürzte (vgl. Bauer,2004 / Mommsen,1998:12). Der erste industrialisierte Weltkrieg wurde mit erbitterter Härte geführt. Statt schneller Geländegewinne verhärteten sich die Fronten und in barbarischen Gemetzeln, in denen erstmals neuartige tödliche Waffen wie Maschinengewehre, U-Boote, Panzer, Flugzeuge und Giftgas zum Einsatz kamen, ließen Tausende junger Männer Tag für Tag ihr Leben. Der Erste Weltkrieg kostete ca. 10 Millionen Soldaten das Leben und 19 Millionen Verstümmelten und Verwundeten ihre Gesundheit. Von China bis zu den Falklandinseln kämpften mehr als 60 Millionen Soldaten aus fünf Kontinenten (vgl. Bauer,2004).
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Die durch den Krieg verursachten politischen Verwerfungen machten eine rasche Versöhnung in Europa unmöglich. Im Gegenteil: In den besiegten Ländern Russland und Deutschland schafften die Kriegsfolgen günstige Bedingungen für den Aufstieg antidemokratischer Massenbewegungen:
„Die fünfundsiebzigjährige bolschewistische Terrorherrschaft, das Rote Rad, wie es
Solschenizyn nannte, rollte direkt aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs, genauso
wie ihr gezacktes Gegenstück, das Hakenkreuz der Nationalsozialisten [...]“ (Schell,2003:17)
Dabei hatte der Krieg für keine der Beteiligten echte Erfolge bringen können. Während die deutschen Soldaten an der Ostfront einige Schlachten gegen das russische Zarenreich gewannen, dessen Kampfkraft durch die von Lenin maßgeblich organisierte Oktoberrevolution 1917 absorbiert war, konnten die Mittelmächte gegen ihre Gegner Italien, Frankreich, Großbritannien und die USA nichts ausrichten. Im Gegenteil: Die Entente trieb die Westfront immer weiter zurück in Richtung Deutsches Reich, was im „schwarzen Tag des deutschen Heeres“ 1918 gipfelte (vgl. Bauer,2004).
Die Oberste Heeresleitung (OHL) unter Erich Ludendorff und Paul Hindenburg sowie Kaiser Wilhelm II., deren Eroberungspläne von Anfang an nicht aufgegangen waren, konnten sich erst nach vier Jahren Krieg zu einer „Revolution von oben“ (Sturm,2003) durchringen, was die Ablösung der vom Kaiser ernannten Reichsleitung durch eine erstmals vom Reichstag getragene Reichsregierung bedeutete. So sollte eine „Revolution von unten“ nach russischem Vorbild verhindert werden.
2.2. Rote Revolution und demokratischer Neubeginn
Am 3. Oktober 1918 erhielt das Deutsche Kaiserreich seine erste parlamentarische Regierung. Tiefgreifende Verfassungsänderungen folgten und sie betrafen vor allem Punkte wie Kriegserklärungen und Friedensverträge, die jetzt nicht mehr allein Sache des Kaisers und des Bundesrates, sondern der Zustimmung des Reichstages bedurften. Regierungsmitglieder durften zudem dem Reichstag angehören, der Reichskanzler und die Staatssekretäre benötigten das Vertrauen des Reichstages und der Reichskanzler trug die Verantwortung für alle politischen Handlungen des Kaisers. Aus dem Kaiserreich, das die deutschen Fürsten „von Gottes Gnaden“ 1871 gegründet hatten, wurde auch verfassungsrechtlich eine parlamentarisch-demokratische Monarchie (vgl. Sturm,2003).
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Arbeit zitieren:
Christian Minaty, 2006, Weimar als Geburtsort der Republik, München, GRIN Verlag GmbH
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