durchdrungen. Jene zunächst nicht immer ganz trennscharfe, greif- oder fassbaren Ideen, insbesondere zu so essentiellen Menschheitsfragen was „wahr“ oder „gut“ ist und generell wie etwas sein soll, haben ihren Ursprung in emotionalen Reaktionen. Sie lassen sich zwar durch Lebenserfahrung begründen – nicht aber durch gesellschaftliche Fakten (vgl. Taylor,1975:16).
Es liegt auf der Hand, dass sich Emotionen daher auch nicht durch ein verlässliches Verfahren validierbar machen lassen. Und dennoch sind die Ideen deswegen noch lange nicht verkehrt. Sie sind so alt sind wie die Menschheit und ihnen kommt daher eine enorme Bedeutung zu. Man könne die politische Wissenschaft durchaus als „Verfahrens-Wissenschaft“ analog der Ingenieurstechnik z.B. aufbauen, um dann zu erkennen, wie unsere Ziele zu erreichen sind, so Charles Taylor.
Die Frage ist, ob das Sinn macht. Denn: „Die Ziele und Werte kommen immer noch von woanders her; sie beruhen auf Entscheidungen, deren Grund unbekannt bleibt“ (Taylor,1975:17). Wie aber kann die politische Wissenschaft aus dem Dilemma ausbrechen, exakt und neutral zu bleiben, ohne auf subjektiven Ansichten auszurutschen? Es scheint, dass man nicht umhin kommt, politische Ideen als „Handwerkszeug“ anzuerkennen und die ihnen immanente, aber nicht messbare Logik versuchen zu verstehen.
Reine Logik kann man durchaus in der Politologie anwenden. Zunächst einmal gibt es Prämissen, also Annahmen. Mehreren Prämissen folgt eine Konklusion, also eine Schlussfolgerung. Zudem lässt sich mit der deduktiven und induktiven Methode das Besondere vom Allgemeinen herleiten und umgekehrt. Mit De- bzw. Induktion können Prämissen überprüft werden (vgl. Nohlen/Schultze,2004:114/346).
Mit logischen Gedankenspielen alleine kommt die Politikwissenschaft allerdings nicht weit. Vor allem dann, wenn es um die Motivation der Akteure geht. Fakten werden in der Politik gerne sehr unterschiedlich gehandhabt und dementsprechend mannigfaltig ist ihre Auslegung. Charles Taylor spricht in diesem Zusammenhang von mehreren Dimensionen (er benützt das Beispiel der Demokratietheorie von Lipset), „die nicht nur die in anderen normativen Theorien wesentlichen Dimensionen negieren, sondern auch die eigene unterstützen, welche der Theorie selbst implizit ist“. Genau dies aber widerspräche der Neutralität (Taylor,1975:32).
Eine Dimension bildet demnach einen Bezugsrahmen, innerhalb der mehrere Variationen eines Begriffes, z.B. „gerecht“, nebeneinander existieren können. Während bei dem liberalen Vordenker John Rawls „gerecht“ u.a. bedeutet, dass alle Bürger neben unveräußerlichen individuellen Grundrechten auch eine staatlich garantierte Chancengleichheit bekommen (
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Verteilungsgerechtigkeit von Jobs, Gütern, Bildung), ist das antike, platonische Ideal sozialer Gerechtigkeit, wenn Harmonie in der Gesellschaft besteht und sie durch Menschen dank Erkenntnis und Einsicht in das Gute geschaffen wird (sowohl beim Individuum als auch der Gemeinschaft).
Dynamische Bezugsrahmen können auf Makroebene durchaus empirisch untersucht werden. Es gibt Objektbereiche, etwa die wirtschaftlichen Verhältnisse oder das politische System an sich, die man genau analysieren und interpretieren kann. In besagte Objekte fließen nun ständig neue, zunächst nicht wissenschaftlich validierbare Ideen ein (z.B. bestimmte Modelle von Gerechtigkeit), die sich quasi erst in der politischen Wirklichkeit manifestieren und bewähren müssen – soziale Praxis ist gleichsam „geronnene Theorie, die [...] auch wieder verflüssigt werden kann“ (Rosa,1999:461).
Wie Charles Taylor betont, ist eine Idee, ein Werturteil, keinesfalls gleich Geschmacksurteil. Ein fundamentaler Wert muss begründbar sein, auch wenn er naturgemäß von Mensch zu Mensch anders ausfällt. Es ist eben alles eine Frage des Bezugsrahmens und hängt stets davon ab, welche Werte der urteilende Mensch in ihm vertritt. Das kann sich jederzeit ändern, denn über Wertstandpunkte kann man sich hinwegsetzen (vgl. Taylor,1975:37/51). Hier ist der naturalistische Trugschluss zu nennen. Der Mensch glaubt, dass sein Urteil, z.B. wie gut oder wie schlecht etwas ist, von Fakten hergeleitet wird. Dem ist nicht so, denn es ist nur seine rein persönliche Feststellung und seine Perspektive, die nicht mit einer deskriptiven Eigenschaft dieser Sache nicht übereinstimmen muss ( USA behaupten, iranische Atombombe = gefährlich; deshalb: US-Atombombe = weniger gefährlich?).
Politik als Abbild von Ideen und Wirklichkeit
Im 20. Jahrhundert erlebte die politische Wissenschaft einen wahren Boom. Nach dem 2. Weltkrieg als Demokratiewissenschaft mit dem normativen Ziel konzipiert und gefördert, um „die neu auszubildende Elite resistent gegen totalitäre Versuchungen“ (Münkler,1999:22) zu machen, wurde die politische Ideengeschichte in den 60ern des vergangenen Jahrhunderts als „bildungsbürgerliches Relikt“ (Münkler,1999:22) denunziert. Insbesondere durch marxistische Theorien schien es, als habe sich die politische Wissenschaft von der „überholten“ Ideengeschichte endgültig emanzipiert.
Karl Marx ging davon aus, dass das Sein die Ideen bestimmt. Gemäß der 11.These des Philosophen Ludwig Feuerbachs fordert Marx, dass es darauf ankomme, die Welt mit direkter Aktion zu verändern und sie nicht nur wie andere Philosophen verschieden zu interpretieren. Marx glaubte, dass die bestehenden Produktionsverhältnisse (kapitalstarke wirtschaftliche
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Arbeit zitieren:
Christian Minaty, 2006, Charles Taylor - Metatheorien, München, GRIN Verlag GmbH
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