Inhaltsverzeichnis
I. Rahmensituation: Der Vietnamkrieg 3
II. Analyse von Lyndon B. Johnsons Reden zum Tonkin-Zwischenfall. 4
1. Politische Situation 4
1.1 Der Tonkin-Zwischenfall. 4
1.2 Johnson und Vietnam 5
1.3 Die Great Society. 6
2. Die Reden zum Tonkin-Zwischenfall. 6
2.1 Inhalt und Folgen 6
2.2 Sprache und stilistische Aspekte. 9
3. Ziele der Strategie 14
4. Kritikpunkte. 15
III. Nachspiel: Das Scheitern der Strategie. 16
IV. Literatur 18
2
I. Rahmensituation: Der Vietnamkrieg
1945, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, als die die amerikanischen Truppen in die Heimat zurückkehrten, wurden sie dort als Helden empfangen und gefeiert. In den Augen des Volkes und vieler Historiker war der Zweite Weltkrieg ein „Good War“, wie es später auch der Pulitzer Preis-Gewinner Studs Terkel formulierte.
Dieser „gute“ Krieg stand in Kontrast zum Vietnamkrieg, der Jahrzehnte später die Nation in eine große Krise stürzte. Das Volk hielt Massenproteste vor dem Weißen Haus ab und forderte von ihren Präsidenten Lyndon B. Johnson und später Richard Nixon den endgültigen Rückzug der Truppen aus Vietnam. In den Augen der Protestbewegung war der Kampf gegen den Kommunismus in Vietnam ein sinnloser Akt. Vielen Politikern war das ein Dorn im Auge, stand für sie der Krieg doch als Prinzip dafür, dass die Freiheit „Berlin[s] […] in Saigon verteidigt“ 1 wird. Hinzu kamen solch erschütternde Kriegsberichte wie die vom My Lai Massaker oder den Pentagon Papers. Letztere deckten beispielsweise auf, dass bestimmte Kriegsereignisse Volk und Kongress gegenüber bewusst falsch dargestellt wurden.
Trotz aller Narben, die dieser Krieg hinterlassen hat, herrschte zunächst noch eine im Volk weitgehende Zustimmung zur Politik des Präsidenten. Bekannt ist diese (fast uneingeschränkte) Solidarität mit seinen Entscheidungen als „rally-around-the-flag“. Die Zustimmungsrate zum Kriegseintritt in Vietnam zeigen es: Auf die Gallup-Umfrage „Do you think the US made a mistake sending troops to Vietnam?” 2 antworteten im August 1965 noch 60 % mit “No”. Das Stimmungsbild änderte sich, im April 1986 waren es 40% und im Mai 1971 nur noch 28%.
Lyndon B. Johnson hielt drei Reden die den Kriegseintritt mehr rechtfertigten als, wie sonst oft in der Amerikanischen Geschichte, forderten. Man könnte sagen, dass Johnsons starke Exekutive der Legislative die Unterzeichnung der Kriegsresolution diktierte. Diese Reden waren zudem sehr sorgfältig geplant worden - lange vorher, wie sich später herausstellen sollte. Johnson wusste ganz genau, mit welcher Taktik er das Volk und den Kongress auf seine Seite bringen konnte und zur Unterstützung des Krieges bewegen konnte.
1 Frey, Marc. Das Scheitern des „begrenzten Krieges“: Vietnamkrieg und Indochinakonflikt. (eigentlich ein Zitat
von Mceorge Bundy, Johnsons erstem Sicherheitsberater)
2 Lunch, William L. / Sperlich, Peter W. American Public Opinion and the War in Vietnam. S. 6.
3
Diese Reden sind Thema meiner Hausarbeit. Ich möchte untersuchen und analysieren, wie Präsident Johnson vorgeht, um seine Hörerschaft für seine politische Strategie in Vietnam zu gewinnen. Als Material dienen mir dazu Johnsons wahrscheinlich wichtigste Reden zum Kriegseintritt: Die so genannten „Gulf of Tonkin Incident Speeches“, von denen er in den Tagen des 4. und 5. August 1964 drei hielt.
Zunächst werde ich auf die Vorgeschichte eingehen, den Tonkin-Zwischenfall und die innen- und außenpolitische Situation während Johnsons Regierungszeit (1963-1969). Anschließend konzentriere ich mich auf die drei Reden Johnsons. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch werde ich diese Reden genauer untersuchen. Die zentrale Frage hierbei ist, was Johnsons Regierung erreichen möchte und wie sie vorgeht, um sich diesem Ziel zu nähern. Als Abschluss gehe ich auf Kritiker dieser Strategie ein und beschreibe, warum sie in meinen Augen letztlich scheitern musste.
II. Analyse von Lyndon B. Johnsons Reden zum Tonkin-Zwischenfall
1. Politische Situation
1.1 Der Tonkin-Zwischenfall
Mit einem inszenierten Zwischenfall im Golf von Tonkin hatten Johnson und seine engsten Mitarbeiter sich eine Strategie zurechtgelegt, wie der Kongress zu einem aus ihrer Sicht notwendigen Kriegseintritt bewegt werden konnte. Einiges im Zusammenhang mit dem Zwischenfall ist bis heute unklar, jedoch wissen wir, dass damals nur bestimmte Ereignisse, oftmals von der Regierung gefälscht, an die Öffentlichkeit kamen.
Am 2. August 1964 befand sich der amerikanische Zerstörer USS Maddox auf einer Erkundungsfahrt im Golf von Tonkin, östlich der nordvietnamesischen Küste. Die Präsenz eines amerikanischen Kriegsschiffes sollte die nordvietnamesische Küstenwache zu Reaktionen provozieren, die von der National Security Agency (NSA) aufgezeichnet und anschließend vom Verteidigungsministerium analysiert werden konnten. Es kam zu Attacken von vietnamesischen Schnellboten, denen die Maddox aber entkam. Zwei Tage später, am 4. August, wurden erneute Attacken provoziert, da noch ein zweiter Zerstörer anwesend war, die USS Turner Joy und erstmalig Ziele auf dem Festland angegriffen wurden. In Funksprüchen wurde darauf nach Washington durchgegeben, dass sich die Maddox unter Torpedobeschuss befände. Es war jedoch nicht klar, ob und von wem diese Torpedos abgefeuert
4
wurden. Spätere Aussagen von Beteiligten lassen darauf schließen, dass am 4. August kein Gefecht stattgefunden hatte und die beiden Zerstörer nicht auf gegnerische Einheiten gestoßen waren.
In Washington einigten sich Präsident Johnson und sein Verteidigungsminister Robert McNamara darauf, wie weit der US-Kongress über die Hintergründe der durch die Medien bekannt gewordenen Vorfälle um die Maddox informiert werden sollte. Das Weiße Haus deutete an, dass die Nordvietnamesen zuerst angegriffen hätten. Dadurch sah die Attacke auf die Maddox wie ein unprovozierter Zwischenfall aus. Präsident Johnson konnte durch diese „deliberate attacks“ 3 sofort mit einem Gegenschlag reagieren. Daraufhin wurden Ziele bombardiert, die bereits lange vorher ausgearbeitet worden waren. Hinter dem gesamten Manöver stand also eine lange im Voraus geplante Strategie der Regierung, die zu einer vom Kongress abgesegneten Resolution und zum offiziellen Kriegsbeginn führte. Die Strategie ging auf - Johnson nannte bezeichnete die Resolution später als „Omas Nachthemd - sie deckt alles ab“ 4 . Erst nach und nach stieß man dann auf Grenzen der Strategie.
1.2 Johnson und Vietnam
Weder war Präsident Johnson als Kalter Krieger bekannt noch als Advokat der Domino-Theorie 5 . Trotzdem forcierte er viel stärker als sein Vorgänger John F. Kennedy den Kriegseintritt in Vietnam und sandte tausende an Truppen nach Indochina. Kennedy hatte vor ihm ca. 16.000 Militärberater geschickt, die die südvietnamesischen Truppen unterstützen sollten. Der offizielle Kriegsbeginn war 1964, und bis zum Ende von Johnsons Präsidentschaft waren an die 500.000 amerikanischen Truppen in Vietnam stationiert.
Allerdings galt Johnsons eigentliches Interesse seiner Innenpolitik, der bekannten und erfolgreichen Great Society. Dies beschreibt die neue Sozialpolitik der demokratischen Regierungen Kennedy und Johnson. Die Politik konzentrierte sich auf die Bürgerrechte, Sozialleistungen und den Krieg gegen die Armut sowie eine Verbesserung des Schulwesens. Johnson setze Kennedys politische Grundlagen fort und feierte damit größere Erfolge, denn jener war erfolgreicher Senator und
3 Johnson, Lyndon B. Document 60. President Johnson’s Message to Congress on the Gulf of Tonkin Incident
and U.S. Raid against North Vietnam. August 5, 1964. S. 230.
4 Steininger, Rolf. Der Vietnamkrieg.
5 Eine im Kalten Krieg stark verbreitete Theorie, die die amerikanische Außenpolitik dominierte. Sie besagte, dass
ein Land nach dem anderen wie Dominosteine dem Kommunismus verfallen könnte wenn die USA nicht
eingreifen würden.
5
Mehrheitsführer gewesen und konnte großen Mehrheiten für seine innenpolitischen Maßnahmen beschaffen.
1.3 Die Great Society
Innenpolitische Entscheidungen und Außenpolitik sind meist eng miteinander verwoben. Einige Quellen deuten darauf hin, dass Johnson in Vietnam einmarschierte, um seine „gute“ Politik der Great Society damit zu untermauern. Es ging im Prinzip darum, Übel und Ungerechtigkeit nicht nur in Amerika zu beseitigen, sondern auf der ganzen Welt, also auch bei den Verbündeten Amerikas. Dass Amerika verantwortlich sei Freiheit und Frieden war wie bei den meisten Präsidenten auch Johnsons Ideologie. Seine Ziele versuchte Johnson innen- und außenpolitisch nach diesem Ideal umzusetzen. Außerdem drängt die vorherrschende kommunistische Bedrohung aus dem Osten Johnson (wie auch alle anderen Präsidenten während des Kalten Krieges) zu einer Handlung: „Hätte ich den Krieg aufgegeben und Südvietnam den Kommunisten überlassen, dann wäre ich als Feigling und mein Land als „appeaser“ dagestanden, und es wäre unmöglich gewesen, für irgendjemanden irgendwo sonst etwas zu erreichen“ 6 .
2. Die Reden zum Tonkin-Zwischenfall
2.1 Inhalt und Folgen
Als Reaktion auf den Tonkin-Zwischenfall hielt Präsident Johnson am 4. und 5. August 1964 drei äußerst wichtige Reden, die heute als „Gulf of Tonkin Incident speeches“ bekannt sind. In der ersten Rede, die das laufende Fernseh- und Radioprogramm unterbrach, wandte sich Johnson direkt an das amerikanische Volk. Er erklärte kurz und bündig, was geschehen war, und wie die Regierung darauf reagiert hatte. Die Unterbrechung des laufenden Programms macht deutlich, wie dramatisch der Tonkin-Zwischenfall inszeniert wurde. Wichtig ist auch, dass zu diesem Zeitpunkt bereits reaktionäre Bombardements geflogen worden waren. Somit hatte Johson seine starke Entscheidung zum Gegenangriff bereits getroffen und im Nachhinein wurde dieser Strategie nicht widersprochen.
Am folgenden Tag, dem 5. August, wandte sich der Präsident dann an den Kongress und forderte Unterstützung im Kampf gegen das Regime in Nordvietnam. Weniger bat er darum, denn der Kongress hatte zu diesem Zeitpunkt, als die Medien über die
6 Steininger, Rolf. Der Vietnamkrieg.
6
Arbeit zitieren:
Mathias Hanf, 2008, Lyndon B. Johnsons Reden zum Tonkin-Zwischenfall, München, GRIN Verlag GmbH
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