Das postkoloniale Algerien 1
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 2
1. Vorgeschichte 4
1.1. DIE KOLONIALISIERUNG ALGERIENS 4
1.1.1 Der Affront mit dem Fliegenwedel 4
1.1.2 Die Widerstandsbewegungen unter Abd el-Kadar 5
1.1.3 Algerien als französischer Besitz und Wirtschaftszweig 5
1.1.4 Die Auswirkungen der Weltkriege auf die Algerier 6
1.2. DER ALGERIENKRIEG 7
1.2.1 Gründe des Algerienkrieges 8
1.2.2 Die Schlacht um Algier 8
1.2.3 Die Rolle Charles de Gaulles im Algerienkrieg 8
2. Frankreichs Beziehungen zum unabhängigen Algerien 10
2.1 DIE POLITIK DER KOOPERATION 10
2.2 DIE ERSTEN KRISEN 12
2.3 DER VERSUCH EINER VERBESSERUNG 13
2.4 DIE KOENTWICKLUNG UNTER FRANÇOIS MITTERRAND 14
2.4.1 Das Gasabkommen 15
2.4.2 Die Staatsarchive 15
2.4.3 Das Scheitern der Koentwicklung 16
2.5 DIE AUSWIRKUNGEN DES BÜRGERKRIEGES AUF DIE BILATERALEN BEZIEHUNGEN 17
2.6 DIE ALGERIENPOLITIK MITTE DER 1990IGER JAHRE 18
2.6.1 Das Denkmal für zivile und militärische Opfer in Nordafrika 19
2.6.2 Die Anerkennung des Algerienkrieges 20
2.6.3 Die Auseinandersetzungen um die Folter und deren Folgen 20
2.6.4 Das Gesetz vom 23. Februar 2005 22
2.7 EIN AUSBLICK AUF DIE ALGERIENPOLITIK NICOLAS SARKOZYS 23
3. Schlussfolgerung 24
4. Literaturverzeichnis 27
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0. Einleitung
Mit der Einnahme Algiers am 05. Juli 1830 folgte knapp 70 Jahre nach dem Pariser Frieden und dem Ende des ersten Kolonialreiches, das zweite Kolonialreich. Frankreich konzentrierte sich seitdem auf Afrika und eroberte trotz Widerstands zwischen 1830 und 1897 die gesamte Sahara. Dieser Widerstand spitzte sich seit dem Zweiten Weltkrieg zu. Grund dafür war unter anderem, dass Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg „zunächst gehofft hat, an der Fiktion eines ‚größeren Frankreichs’ festzuhalten und die Beziehungen der Metropole zu den überseeischen Gebieten ohne Preisgabe zentraler Entscheidungsbefugnisse neu ordnen zu können.“ 1 Den Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien, allen voran in Kamerun, der Elfenbeinküste und in Algerien, wurde Paris somit nicht gerecht. Unweigerlich sollte diese Haltung des „Mutterlandes“ zu Konflikten führen. Besonders gravierend waren die Kampfhandlungen in Algerien, die 1954 zu einem verheerenden Krieg zwischen Franzosen und Algeriern führten, der 1962 mit der Unabhängigkeit Algeriens endete.
Interessant ist nun zu klären, wie sich das Verhältnis zwischen Frankreich und dem unabhängigen Algerien in der postkolonialen Zeit entwickelt hat.
Diesem Thema wird sich diese Hausarbeit zuwenden und der Fragestellung nachgehen, ob sich 45 Jahre nach dem Trauma des Algerienkrieges die strategische Ausrichtung des französischen Afrikaengagements im Hinblick auf die rohstoff- und sicherheitspolitischen Interessen geändert hat und ob eine franko - algerische Freundschaft möglich ist.
Zunächst wird aufgezeigt, wie die französischen Kolonialherren über Algerien herrschten, danach wird sich dem Algerienkrieg gewidmet. Unumgänglich ist dabei auch die Betrachtung der Rolle Charles de Gaulles, der den Beginn einer zögerlichen kolonialen Wende einleitete.
Die Vorgeschichte soll als Basis dienen, die postkolonialen Bestrebungen besser beurteilen zu können. Diese Bestrebungen, die sowohl wirtschaftliche, als auch politische Annäherung versprachen, werden in dieser Arbeit deutlich gemacht. Abschließend wird anhand der Argumente, die in der Arbeit dargelegt werden,
1 Tetzlaff, Rainer / Jakobeit, Cord (2005): „Das nachkoloniale Afrika“, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S. 227.
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geschlussfolgert, ob die franko - algerischen Beziehungen nur wirtschaftlich oder sogar freundschaftlich geprägt sind.
Potsdam, den 08.09.2008
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1. Vorgeschichte 1.1. Die KOLONIALISIERUNG ALGERIENS 1.1.1. Der Affront mit dem Fliegenwedel
Am 29. April 1827 lud Hussein, der Dey der Regentschaft Algier zu einer Empfang ein, an dem auch der französische Konsul Deval teilnahm. Gegenstand ihres Gesprächs war die Rückzahlung einer horrenden französischen Finanzschuld. Gemeint war damit der Kredit in Höhe von einer Million Francs, den die Algerier Napoleon Bonaparte für seine Italienfeldzüge im Jahre 1796 zur Verfügung gestellt haben. Trotz Nachdrucks des Deys wurde diese Summe auch unter Ludwig XVIII. und Karl X. nicht zurückerstattet. Der Regent von Algier beklagte sich darüber und wollte den Grund für diese Haltung erfahren. Der französische Konsul entgegnete ihm unterdessen arrogant und meinte, „dass seine Regierung auf keinen Fall antworten werde, weil sie es für unnütz hielte.“ 2 Daraufhin versetzte der Dey dem Konsul drei Schläge mit dem Fliegenwedel und verwies ihn zur Tür hinaus. Diese Affäre wurde seitens der französischen Regierung als Affront auf die Ehre Frankreich gedeutet, der nun unter Waffengewalt gesühnt werden sollte. „Am 28. Mai 1830 landeten 37.000 Soldaten mit 120 Kanonen und 3500 Pferden am Strand westlich von Algier und nahmen die stark befestigte Stadt innerhalb weniger Tage ein.“ 3
Ziel dieser Operation war aber nicht nur die Ehre Frankreichs wiederherzustellen. Vielmehr verfolgte dieses Unternehmen blanken Nutzen, denn Karl X. sah sich starken innenpolitischen Druck ausgesetzt, von dem er durch den außenpolitischen Erfolg ablenken wollte. Zudem brauchten die Franzosen ein neues Anbaugebiet für Zuckerrohr, Baumwolle, Kaffee und Kakao, nachdem sie Saint-Dominique verloren hatten. Dieser Anlass kam den Franzosen demzufolge sehr gelegen, um der „mediterranen Berufung zu folgen“ 4 Am 05. Juli 1830 nahmen die Franzosen die Stadt Algier ein, diese fortan Teil des von den Franzosen besetzten algerischen Küstenraums um Oran und Algier war.
Im gleichen Jahr fand in Frankreich die Julirevolution statt, deretwegen Karl X. entthront wurde und Louis-Phillippe an die Macht kam. Dieser Wechsel begünstige jedoch nicht die Situation der Algerier, eher im Gegenteil. Der Bürgerkönig förderte die
2 Höpp, Gerhard (1984): « Algerien, Befreiungskrieg, 1954-1962 », In: illustrierte historische Hefte,
Nummer 33, Berlin: VEB, Deutscher Verlag der Wissenschaften, S. 3.
3 Scholze, Udo / Zimmermann, Detlef / Fuchs, Günther (2001): „Unter Lilienbanner und Trikolore“, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, S. 113.
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Entwicklung einer anfänglichen Militäroperation hinzu einer Kolonialeroberung, dessen Charakter er 1835 wie folgt beschrieb: „Wen kümmert es schon, wenn in Afrika hunderttausend Schüsse fallen, Europa hört sie ja nicht.“ 5 Unweigerlich führte diese skrupellose Attitüde der Franzosen zu Widerstand bei den Algeriern.
1.1.2. Die Widerstandsbewegungen unter Abd el-Kadar
Um die Eroberung der Kolonie durchzusetzen, ernannte Louis-Phillippe General Clauzel zum ersten Generalgouverneur in Algerien. Dieser war bemüht das gegnerische Land zu bezwingen. Dieses Unternehmen war jedoch schwer zu realisieren. Selbst die Aufstockung der militärischen Mittel und die Wechsel in der Befehlsführung, bewirkten zunächst keine Besserung.
Grund dafür war eine gut strukturierte und erbittert geführte Widerstandsbewegung unter Abd el-Kadar. Dieser versammelte eine Schar von Stammeskriegern und bereitete den Franzosen empfindliche Verluste. Deswegen sah sich Clauzel am 26.02.1834 gezwungen, einen Vertrag mit den Algeriern über die Souveränität Westalgeriens, mit Ausnahme von Oran, zu ratifizieren. Friede kehrte allerdings erst am 30. Mai 1837 mit dem Vertrag von Tafna ein.
Die Franzosen eroberten währenddessen die Stadt Constantin. Territorial und militärisch sahen sie sich deswegen im Vorteil und scheuten keine Provokationen gegenüber den Algeriern. Schließlich entluden sich die erneuten Spannungen im Oktober 1839, als die französische Militärregierung durch das Gebiet von Abd el-Kadar marschierte. Daraufhin erklärte er den Franzosen den „heiligen Krieg“. Trotz anfänglicher Erfolge sahen sich die Widerständler einer Übermacht von 108.000 Soldaten ausgesetzt. In Betracht dieser Tatsache gelang es der französischen Armee den Widerstand unter Abd el-Kadar 1847 zu schwächen.
1.1.3. Algerien als französischer Besitz und Wirtschaftszweig
Algerien wurde bereits 1834 zum französischen Besitz erklärt. Diesen Status behielt das nordafrikanische Land auch nach der Februarrevolution, die die Herrschaft des Bürgerkönig Louis-Phillippe beendete. Die daran anknüpfende Zweite Republik
4 Scholze, Udo / Zimmermann, Detlef / Fuchs, Günther (2001), S. 113.
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deklarierte in ihrer Verfassung vom 04. November 1848 sogar, dass die eroberten Gebiete, Algier, Constantine und Bône, von nun an französische Departements seien. Sie galten somit territorial und behördlich dem französischen Staat.
Dieses Statut sollte die wirtschaftliche Entwicklung in den folgenden Jahren begünstigen. Gefördert wurde die wirtschaftliche Entwicklung besonders durch zwei Aspekte. Zum einen bestärkte das territoriale Wachstum, durch die Eroberungen in der Sahara, diesen Prozess, zum anderen wurde sie durch eine gezielte Einwanderungspolitik unterstützt. Diese Gesichtspunkte führten dazu, dass „Straßen, Bewässerungssysteme, Telegrafenleitungen, Eisenbahnlinien“ 6 gebaut wurden, Getreide kultiviert wurde und Weinreben gepflanzt wurden. Zu Gute kam diese Politik lediglich den Europäern, die bei der Vergabe der Ländereinen favorisiert wurden, während dessen die Algerier höher besteuert wurden.
1.1.4. Die Auswirkungen der Weltkriege auf die Algerier
Als Deutschland am 01. August 1914 Russland und am 03. August 1914 Frankreich den Krieg erklärte, ahnte zu der Zeit niemand, dass fast vier Jahre lang ein erbitterter Stellungskrieg an der Marne stattfinden würde. Die Kolonien unterstützten während des Krieges beide Seiten. Deren Hilfeleistung bestand darin, einerseits Rohstoffe (Phosphate und Nickel), Nahrungsmittel (Getreide, Fleisch, Obst, Wein) zu liefern, andererseits Soldaten zu rekrutieren. Ingesamt nahmen 485.000 afrikanische Soldaten auf der Seite Frankreichs teil und kämpften für eine Sache, die nicht die ihre war. Davon kamen 173.000 aus Algerien, von denen etwa 25.000 nicht mehr heimkehrten. Als die Waffen am 11. November 1918 stillstanden, hatten viele von den Algeriern „ihr Selbstbewusstsein stärken und ihr Weltbild erweitern können“ 7 , zumal sie zum Sieg Frankreichs beitragen konnten und durch die Arbeit in der Rüstungsindustrie erstmalig „Vorstellungen von sozialen Rechten und den Wegen ihrer Erlangung gewonnen“ 8 haben. Doch die Realität in den Kolonien holte auch diese emanzipatorische Bewegung schnell ein. Als die afrikanischen Soldaten nach Afrika zurückkehrten, wurden ihre
5 Höpp, Gerhard (1984), S. 5.
6 Scholze, Udo / Zimmermann, Detlef / Fuchs, Günther (2001), S. 194.
7 Höpp, Gerhard (1984), S. 12.
8 Höpp, Gerhard (1984), S. 12.
Arbeit zitieren:
Eike Bergemann, 2007, Das postkoloniale Algerien, München, GRIN Verlag GmbH
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