Gliederung
1. Einleitung 3
2. Heitmeyer: Der Ausgangspunkt 3
3. Die Gründe für rechtsextreme Einstellungen und
fremdenfeindliche Handlungen bei Jugendlichen und
Erwachsenen 6
4. Das Analysemodell nach Heitmeyer 8
5. Erklärung rechtsextremistischer Einstellung bei Simmel 10
6. Erklärung rechtsextremistischer Einstellung in Freuds
Psychoanalyse 11
7. Erklärung rechtsextremistischer Einstellung in Honneths
Anerkennungstheorie 12
8. Erklärung rechtsextremistischer Einstellung durch die Rational
Choice-Theorie 13
9. Erklärung rechtsextremistischer Einstellung durch die
Konflikttheorie von Karl Marx 14
10. Zusammenfassung 15
11. Literaturverzeichnis 17
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Einleitung
Wilhelm Heitmeyer, Professor für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialisation an der Universität Bielefeld und Gründer des Institutes für interdisziplinäre Konflikt-und Gewaltforschung richtet sein Forschungsinteresse seit 1982 besonders auf den Rechtsextremismus, die Gewalt, die Fremdenfeindlichkeit, die ethnischkulturellen Konflikte und auf die Desintegration.
Rechtsextremismus ist in Deutschland auf Grund seiner Vergangenheit ein recht heikles Thema und erschreckend lässt sich feststellen, dass es immer noch genügend Anhänger dieser politischen Richtung gibt. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung ist der Rechtsextremismus längst keine Randerscheinung mehr. Fast unbeobachtet haben sich Strukturen ausgebildet, die sich gegen unsere bestehende demokratische Ordnung richten. Der Rechtsextremismus wird hier ganz drastisch als „Graswurzelrevolution, die die Zivilgesellschaft bedroht“ bezeichnet. Wobei es einem Großteil der heutigen Gesellschaft mit Sicherheit schwer fällt, nachzuvollziehen, warum sich jemand einer solchen Ideologie anschließt. Denn schon bei kurzer Betrachtung (z.B.: im Geschichtsunterricht der Schule) des zweiten Weltkrieges, der am Ende fast 60 Millionen Menschen das Leben kostete, werden die erschreckenden Folgen eines solchen fremdenfeindlichen Verhaltens deutlich.
Im Folgenden werde ich mich daher mit einer Theorie von Heitmeyer beschäftigen, in der er darlegt, wie seiner Meinung nach „rechtsextremistische“ Handlungen und Einstellungen entstehen. Es geht also um die Klärung der auslösenden Faktoren eines solchen Verhaltens. Im Anschluss daran werde ich kurz auf die Rational-Choice Theorie und die Theorien von Honneth, Simmel, Freud und Marx eingehen und analysieren welche alternativen Erklärungen sie zu diesem Phänomen liefern.
Heitmeyer: Der Ausgangspunkt
Als auslösenden Faktor sieht Heitmeyer ganz allgemein betrachtet die Desintegration des Einzelnen oder einer Gemeinschaft. Daher möchte ich zunächst die Bedeutung des Wortes „Desintegration“ erläutern. Laut Lexikon
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bezeichnet Desintegration die Auflösung, das Auseinanderfallen eines Ganzen in seine Teile; und wird in der Psychiatrie, in der Psychopathologie und in den Sozialwissenschaften untersucht (vgl. Meyers Lexikon online, 2007). In unserem Kontext bedeutet dies für den Einzelnen oder auch eine ganze Gruppe, dass die Institutionen und Gemeinschaften es nicht geschafft haben, „in der Gesellschaft existentielle Grundlagen, soziale Anerkennung und persönliche Unversehrtheit zu sichern“ (Anhut 2002: 381). Der Einzelne oder größere Teile der Gesellschaft haben daher das Gefühl, nicht dazuzugehören, nicht integriert oder sogar unwichtig zu sein, da sie sich nicht anerkannt und auf gleiche Weise behandelt fühlen, wie die vermeintlich besseren der Gesellschaft.
Unsere Gesellschaft ist schon längst nicht mehr einheitlich, sie war es noch nie. Doch die zunehmende Aufnahme von Einwanderern, die ihren Ursprung in der Anwerbung ausländischer Arbeiter in den 60er Jahren hat und ihren Höhepunkt Ende der 90er Jahre erreichte, führt dazu, dass nicht nur ein Integrationsproblem bezüglich Minderheiten der „eigenen Gesellschaft“, sondern auch bezüglich ethnischer Minderheiten vorliegt.
Heitmeyer und Anhut haben dies genauer untersucht und Beurteilungskriterien bezüglich der sozialen Integration von Minderheiten in eine Gesellschaft geschaffen. Als weitere Voraussetzung gilt, dass die Integration freiwillig erfolgen muss und in diesem Sinne auch hier thematisiert wird.
In Anlehnung an B. Peters gibt es 3 Integrationskriterien, die erfüllt sein müssen um von Integration sprechen zu können:
- Strukturelle Dimension/individuell-funktionale Systemintegration:
„Gewährleistung der Teilhalbe an den gesellschaftlich produzierten Gütern.“ (vgl. Anhut & Heitmeyer, 2000: 47).
- Institutionelle Dimension/kommunikativ-interaktive Sozialintegration: Es soll allgemeingültige moralische Grundprinzipien geben und desweiteren muss jeder die Chance haben an öffentlichen Auseinandersetzungen bzw. Abstimmungen teilnehmen zu können.
- Sozio-emotionale Dimension/kulturell-interaktive Sozialintegration: Sie umfasst die Integration des Einzelnen in Gruppen wie Familie und peergroups und spricht weiterhin jedem die Entwicklung der individuellen Identität zu.
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Konkret bedeutet dies, dass jedem der Zugang zu den Teilsystemen Arbeit, Wohnung und Konsum gewährleistet werden muss und dass jeder Anerkennung für seine Position erhält. Desweiteren heißt das, dass alle, wenn sie die gewissen Normen wie Alter und Staatsangehörigkeit erfüllen, an Abstimmungen teilnehmen dürfen und ihre Stimme gewürdigt wird und dass es im Falle einer Auseinandersetzung demokratische und allgemein akzeptierte Prinzipien der Fairness und Gerechtigkeit gibt, die den Umgang miteinander bestimmen. Als Letztes muss die Gesellschaft dem Einzelnen ermöglichen auch emotionale Anerkennung zu bekommen. Er soll die Chance erhalten emotionale und expressive Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen und sich selbst verwirklichen können. (vgl. Anhut, 2002: 381f)
Kann die Gemeinschaft diese Art der Integration nicht bei jedem Einzelnen gewährleisten, so fühlen sich die „Nichtintegrierten“ benachteiligt, da sie im Vergleich mit anderen schlechter dastehen. Wichtig ist jedoch, dass alleine dies kein Erklärungsgrund für den Beitritt zu rechtsextremistischen Gruppen ist, denn nicht jede Desintegrationserfahrung hat eine antisoziale bzw. fremdenfeindliche Einstellung zur Folge. Ein entscheidender Faktor ist die soziale Kompetenz eines Menschen, denn Menschen mit stark ausgeprägter sozialer Kompetenz sind besser in der Lage mit Desintegrationserfahrungen umzugehen. Sie erweisen sich als anpassungsfähiger und finden so oft schnell einen Weg aus der Krise. Auch die Art der Verantwortungszurechnung bestimmt darüber, ob sich fremdenfeindliche Einstellungen bilden können oder nicht. Manche Menschen neigen eher dazu sich die Ursache für die Niederlage zuzuschieben und andererseits gibt es viele, die die Schuld bei anderen Suchen – ob berechtigt oder nicht. Trifft es bei dieser Schuldzuweisung Personen aus ethnischen Minderheiten, so kann dies zu einer allgemeinen Abneigung gegenüber dem Fremden führen. Ein weiterer Punkt der den Umgang mit Desintegrationserfahrungen bestimmt ist die Milieuzugehörigkeit, denn dadurch können Handlungsmuster, wie die Lösung eines Problems durch Gewalt, bereits in einer Person verankert sein. (vgl. Anhut & Heitmeyer, 2000: 53f, Anhut, 2002: 384ff).
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Arbeit zitieren:
Maren Hampel, 2007, Heitmeyers Theoriemodell, München, GRIN Verlag GmbH
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