Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Fragestellung und Hypothese 4
3 Methodik und Versuchsplan. 5
4 Ergebnisse 7
5 Diskussion 13
6 Literatur. 16
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1 Einleitung
„Auf schwankendem Boden ist nicht gut ausruhen. Vom drohenden Abgrund bedroht, gilt es all seine Kräfte zu bündeln, dem drohenden Steinschlag sprunghaft auszuweichen und seine ganze Aufmerksamkeit auf den fußbreiten, schwankenden Boden zu richten, “ Mit diesem Bild beschreibt der Soziologe Hartmut Rosa die Grundbefindlichkeit des spätmodernen Menschen. „Wenn wir nicht laufen, rutschen wir“
Wo Selye (1974) Stress als“ Motor des Lebens und der Evolution“ bezeichnete, definierte die World Health Organisation Stress als „ Die neue Krankheit des Jahrhunderts“. Eine Zunahme an Stressoren führt zu einer nie da gewesenen Anforderung an ein ständiges Anpassungsvermögen“ (Seyle, 1974).
Wie kann Stress definiert werden? Das transaktionale Stressmodell von Lazarus unterscheidet drei Stufen der Belastung. In der ersten Stufe bewertet der Mensch den Bedrohungswert eines Stimulus. In der zweiten Stufe prüft er die Ressourcen, die zur Bewältigung einer Bedrohung relevant sind. Werden diese Ressourcen als zu gering eingeschätzt wird eine Stressreaktion ausgelöst. Das Ziel ist die Bewältigung der bestehenden Bedrohung. Dazu greifen Menschen auf unterschiedliche Stressverarbeitungsstrategien zurück. In der dritten Stufe, die eintritt nachdem die Person auf die Bedrohung reagiert hat, kommt es zu einer Neubewertung der gegenwärtigen Situation (Lazarus, 1991).
Tendiert eine Person dazu über einen Zeitraum hinweg die gleichen Strategien zu verwenden? Wie unterscheiden sich Personen, die in derselben Situation unterschiedliche Strategien verwenden?
Es wurden intraindividuelle Strategien zur Bewältigung von Stress untersucht. Es zeigte sich eine Konsistenz von bestimmten Stressverarbeitungsstrategien über verschiedene Ereignisse und Zeitpunkte hinweg (Diener & Larsen, 1984). Auch Haan (1977) sieht
Stressverarbeitungsstrategien als grundlegende und überdauernde, organisierte Strategien. Im Hinblick auf interindividuelle Unterschiede kam man zu dem Ergebnis, dass bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen bestimmte Präferenzen für Stressverarbeitungsstrategien zugeordnet werden können.
Neurotizismus wurde mit passiven und ineffektiven Strategien, Gewissenhaftigkeit mit aktiven, problemfokussierten Strategien, Extraversion mit der Suche nach sozialer Unterstützung, positiven Neubewertungen und problemfokussierten Strategien in Verbindung gebracht. Offenheit wurde mit flexiblen, einfallsreichen und intellektuellen, neugierigen Ansätzen assoziiert. Verträglichkeit konnte nicht eindeutig bestimmten
Stressverarbeitungsstrategien zugeordnet werden. (Watson & Hubbard, 1996)
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Auch andere Autoren nahmen an, dass man Persönlichkeitsdimensionen die Präferenz für bestimmte Strategien zuordnen kann. Neurotizismus wurde mit der Zunahme feindlicher Reaktionen, realitätsfernen Phantasien, Selbstvorwürfen, Beunruhigung, Rückzug, Wunschdenken, Passivität und Unentschlossenheit in Verbindung gebracht. Extraversion wurde mit rationalen Taten, positivem Denken, Substitution und Beherrschung in Verbindung gebracht. Offene Personen tendieren mit Humor gegen Stress anzukämpfen, verschlossene Personen tendieren dazu Glauben als Stressverarbeitungsstrategie zu verwenden (McCrae & Costa, 1986).
Wenn man die Effektivität von Stressverarbeitungsstrategien näher betrachtet, so stellt sich die Frage: Gibt es eine generelle Übereinstimmung darüber, welche Strategien effektiv und welche ineffektiv sind? Ist z.B. in derselben Situation die Strategie der kognitiven Umstrukturierung bei hochneurotischen Personen im selben Ausmaß effektiv als bei niedrig neurotischen Personen? Es liegen Ergebnisse vor, die belegen, dass die Effektivität von Stressverarbeitungsstrategien für Personengruppen und Probleme spezifisch ist (Horowitz & Wilner, 1980).
McCrae und Costa’s Studie über Persönlichkeit , Coping und Coping-Effektiveness zeigten hingegen, dass von 80 Männern und 71 Frauen im Alter von 21-90 Jahren, die Strategien Rationale Handlungen, Hilfesuchen, Emotions-Ausdruck, die Stärke der Not explizit machen, kognitive Umstrukturierung, Selbst-Anpassung, Glaube und Humor als effektiv empfunden wurden. Feindliche Reaktionen, Unentschlossenheit, Selbstanschuldigung, Wunschdenken, Isolation von Affekten und Passivität wurden signifikant als ineffektiv eingestuft. Ineffektive Strategien korrelierten positiv und hoch mit der Dimension Neurotizismus, die mit Hilfe des NEO-FFI erfasst wurde (McCrae & Costa, 1986).
2 Fragestellung und Hypothese
In der vorliegenden Arbeit wurde der Frage nachgegangen, ob es zwischen den Persönlichkeitsdimensionen Extraversion bzw. Neurotizismus und der Tendenz zu effektiven bzw. ineffektiven Stressverarbeitungsstrategien einen Zusammenhang gibt. Die erste Hypothese lautete:
Bei 20-30 jährigen Studenten treten bei hohen Werten von Extraversion, hohe Werte bei effektiven Stressverarbeitungsstrategien auf. Es sollte ein signifikant positiver Zusammenhang entstehen.
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Die zweite Hypothese lautete: Bei 20-30 jährigen Studenten treten bei hohen Werten von Neurotizimus, niedrige Werte bei effektiven Stressverarbeitungsstrategien auf. Es sollte ein signifikant negativer Zusammenhang entstehen.
Es gilt die Annahme, dass es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Wahl von effektiven Stressverarbeitungsstrategien gibt (Crae & Costa, 1986). Daraus ergab sich die dritte Hypothese, die die Replizierung dieser Annahme beinhaltete.
3 Methodik und Versuchsplan
Als unabhängige Variable wurde die Persönlichkeitsdimension Extraversion festgelegt, deren Ausprägung mit Hilfe des NEO-Five Factor Inventory (Costa & McCrae, 1992) gemessen wurde. Das Geschlecht galt als unabhängige Variable. Als abhängige Variable wurde die Tendenz zu effektiven bzw. ineffektiven Stressverarbeitungsstrategien festgelegt, die mit dem Stressverarbeitungsfragebogen-78 (Erdmann & Janke, 2002) erhoben wurde. NEO-Five Factor Inventory ist ein faktorenanalytisch konstruiertes Fragebogenverfahren. Es dient zur Erfassung von individuellen Merkmalsausprägungen in den Bereichen Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit.
Hohe Neurotizismuswerte werden in engen Zusammenhang mit hoher Nervosität, Ängstlichkeit, Traurigkeit, Unsicherheit und Verlegenheit gebracht. Probanden mit hohen Neurotizismuswerten neigen vermehrt zu unrealistischen Ideen und sind weniger in der Lage, ihre Bedürfnisse zu kontrollieren und auf Stresssituation angemessen zu reagieren. Hohe Extraversionswerte werden in engen Zusammenhang mit hoher Geselligkeit, Aktivität, Gesprächigkeit, Personenorientiertheit, Herzlichkeit, Optimismus und Heiterkeit gesetzt. Probanden mit hohen Extraversionswerten mögen Anregung und Aufregung. Hohe Werte bei der Offenheit für Erfahrung werden in engen Zusammenhang mit hoher Wertschätzung für neue Erfahrungen, Bevorzugung von Abwechslung, Wissbegierde, Kreativität, Phantasie und unabhängigen Urteilen gesetzt. Probanden mit hohen Werten bei der Offenheit haben vielfältige kulturelle Interessen und interessierten sich für öffentliche Ereignisse.
Hohe Verträglichkeitswerte werden in engen Zusammenhang mit hohen Werten in Altruismus, Mitgefühl, Verständnis und Wohlwollen gesetzt. Probanden neigen zu zwischenmenschlichem Vertrauen, Kooperativität, Nachgiebigkeit und sie haben ein starkes Harmoniebedürfnis.
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Arbeit zitieren:
Barbara Scheibner, 2008, Persönlichkeit und Effektivität von Stressverarbeitungsstrategien, München, GRIN Verlag GmbH
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