Einleitung 3
1 Darstellung der Ausgangslage und der Problemsituation 4
1.1 Zielgruppe und ihre Finanzsituation 5
1.1.1 Finanzielle Sozialisation von Kindern 5
1.1.2 Konsum- und Sparverhalten von Kindern 6
1.1.3 Verschuldungssituation und Folgen der Verschuldung bei Kindern 7
1.2 Schuldenprävention in Schulen 7
1.2.1 Finanzielle Bildung für Kinder 7
1.2.2 Situation der finanziellen Bildung an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule 9
2 Lösungsansatz und Ziele des Konzeptes 10
3 Darstellung des Konzeptes zur Schuldenprävention 11
3.1 Vorbereitung des Konzeptes 12
3.2 Durchführung des Konzeptes 15 3.2.1 Methodisches Vorgehen 16 3.2.2 Inhaltliches Vorgehen 18
3.2.3 Lernziele der Unterrichtsreihe 20
3.2.4 Fächerübergreifender Unterricht 21
3.3 Nachbereitung des Konzeptes 21 3.3.1 Nachhaltigkeit 21
3.3.2 Implementation in schulinterne Lehrpläne und das Schulprogramm 22
3.3.3 Transfer auf weitere Jahrgangsstufen 22 4 Evaluation 26 5 Zusammenfassung und Fazit 31 6 Literatur 33
2
Einleitung
Die Entscheidung, sich mit dem Thema „Taschengeld und Süßigkeiten - Ein Konzept zur Schuldenprävention im Rahmen des Hauswirtschaftsunterrichts an einer Gesamtschule Dortmund, dargestellt für die Jahrgangsstufe 5/6“ auseinanderzusetzen, ist folgendermaßen zu begründen. Zum einen stützt sich dieses Thema auf eine breite aktuelle gesellschaftspolitische Diskussion, die sich mit der mangelnden Finanzkompetenz von Kindern und Jugendlichen beschäftigt (vgl. SCHUFA Holding AG 2007). Zum anderen haben mich persönliche Gespräche mit und Alltagsbeobachtungen von Schülerinnen und Schülern meiner Schule in Bezug auf Finanzwissen und entsprechendes Finanzverhalten aufmerksam gemacht, dass Handlungsbedarf in diesem Bereich besteht.
Das Thema ist mit seinen spezifischen Inhalten (z. B. Finanzmanagement, Einnahmen, Ausgaben) ein bedeutender Bestandteil des Unterrichtsfachs Hauswirtschaft. Für den privaten Haushalt und insbesondere für Kinder und Jugendliche ergeben sich erhöhte Anforderungen an ihre Finanzkompetenz, die sich aus verschiedenen Sachverhalten begründen. Auf der einen Seite haben die 10- bis 17-Jährigen jährlich ca. 900,- Euro zur Verfügung (vgl. Lange, Fries 2006, S. 33) und verfügen überwiegend unabhängig über ihr Geld, auf der anderen Seite sind 9 % der 9- bis 14-Jährigen bereits verschuldet (vgl. LBS 2005, S. 78; SCHUFA Holding AG 2007, S. 42). Lewald konstatiert, dass den meisten Verschuldungssituationen Wissenslücken und unzureichende Handlungskompetenzen im Umgang mit Geld, eine niedrige Hemmschwelle Schulden zu machen und eine mangelnde Rückzahlmoral zugrunde liegen (vgl. Lewald 1999, S. 51-52).
Diese gesellschaftliche Ausgangssituation erfordert Schuldenpräventionskonzepte. Die Schule als Bildungsinstitution ist für solche Konzepte besonders geeignet, da hier alle Kinder und Jugendliche erreicht werden können. Die bisherige Einbindung solcher Konzepte in den schulischen Alltag berücksichtigen unzureichend die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und wird als mangelhaft bezeichnet (vgl. May 2005, S. 17). Auch eine von mir durchgeführte Untersuchung an ca. 50 Schülerinnen und Schülern meiner Schule untermauert die Feststellung, dass selten der Umgang mit Geld schülerorientiert thematisiert wird. Allerdings zeigen diverse Untersuchungen, dass Kinder und Jugendliche ein großes Interesse an Wirtschaft und Geldangelegenheiten haben (vgl. Reifner 2003). An diesem Interesse muss systematisch angesetzt werden, dies ist die zentrale Aufgabe des vorliegenden Konzeptes, das
3
im Unterrichtsfach Hauswirtschaft umgesetzt werden soll. Die Aufgaben der Lehrkräfte, die das Konzept durchführen, beziehen sich schwerpunktmäßig auf folgende Lehrerfunktionen, die im Verlauf der Arbeit näher erläutert werden: Innovieren (Kapitel 2, S. 9) Unterrichten (Kapitel 3, S. 10) Beraten (Kapitel 3.1, S. 11ff) Evaluieren (Kapitel 4, S. 24ff)
In der Arbeit wird zunächst die Problemsituation der Zielgruppe allgemein und im Besonderen an der Gesamtschule beschrieben. Dabei wird auf das Finanzverhalten undwissen sowie prekäre Finanzsituationen (Verschuldung) der zu unterrichtenden Schülerinnen und Schüler eingegangen (Kapitel 1-1.1.3, S. 3-6). Vorhandene Konzepte zur finanziellen Bildung und deren Umsetzung an meiner Schule werden in den Kapiteln 1.2.1 und 1.2.2 (S. 6-8) aufgezeigt und beurteilt. Daran anknüpfend befasst sich Kapitel 2 (S. 9) mit Lösungsansätzen und Zielen des vorliegenden Konzeptes für eine Schuldenprävention im Rahmen des Hauswirtschaftsunterrichts. In Kapitel 3 (S. 10ff) wird das Konzept vorgestellt und besonders die Aspekte der Vorbereitung (Organisation, Einbeziehung externer Fachkräfte, Eltern), Durchführung (Inhalte, Aufbau, Methodik) und Nachbereitung (Nachhaltigkeit, Transfer auf weitere Jahrgangsstufen) berücksichtigt. Die Evaluation des Konzeptes bezogen auf Design, Durchführung und Auswertung wird in Kapitel 4 (S. 24ff) dargelegt. Abschließend werden die Überlegungen des Konzeptes zusammengefasst und ein Fazit gezogen (Kapitel 5, S. 30ff).
1 Darstellung der Ausgangslage und der Problemsituation
Im folgenden wird die Finanzsituation der ausgewählten Zielgruppe beschrieben. Als Zielgruppe des Konzeptes wird die Doppeljahrgangsstufe 5/6 ausgewählt. Diese entspricht dem Alter 10- bis 13-Jähriger Schülerinnen und Schülern. Die Auswahl dieser Zielgruppe wurde getroffen, da der größte Teil dieser Altersgruppe zum ersten Mal finanzielle Entscheidungen, z. B. beim Ausgeben von Taschengeld, treffen muss. Somit können in diesem Alter frühzeitig entscheidende Grundlagen für ein solides Finanzmanagement getroffen werden.
4
1.1 Zielgruppe und ihre Finanzsituation
1.1.1 Finanzielle Sozialisation von Kindern
Die präventive Funktion schulischer Arbeit ist besonders wichtig, da Kinder diesen Alters von verschiedenen Seiten sozialisiert werden. Die auch als „Sozialisations-Quadriga“ (Kutsch 1986, S. 216) bezeichneten Sozialisationsinstanzen sind die Schule, die Familie, die Medien und die Peergroup. Sozialisation ist in diesem Zusammenhang ein „... interaktiver Prozess, in dem eine Persönlichkeitsentwicklung unter wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlichen Umwelt geschieht“ (Zimmermann 2000, S. 16). Da es sich bei dem vorliegenden Konzept um ein schulisches Konzept handelt, wird an dieser Stelle ausschließlich die Sozialisationsfunktion der Schule kurz erläutert. Die Schule trägt maßgeblich zur Persönlichkeitsbildung von Kindern und Jugendlichen bei und hat im Gegensatz zu den anderen Sozialisationsinstanzen den Vorteil, dass alle Heranwachsende gleichermaßen erreicht werden können. Die schulische Sozialisation hat nach Fend und Klafki folgende Funktionen:
1. Qualifikationsfunktion (Kenntnisse, Rechnen, Schreiben, Leistungsbereitschaft sowie Fleiß und Pünktlichkeit)
2. Selektions- und Allokationsfunktion (Sortierung des Nachwuchses nach der Grundschule in verschiedene Schulformen, Zuordnung zu beruflichen Positionen)
3. Legitimitäts- und Integrationsfunktion (Gesellschaftliche Hintergründe, wie Normen und Werte vermitteln)
4. Funktion der Kulturüberlieferung (Tradierung und Entwicklung der Kultur im Kunst-, Sport-, Sprach-, Musikunterricht) (vgl. Zimmermann 2000, S. 113-115).
Neben den Sozialisationsinstanzen sind Sozialisationsbereiche zu unterscheiden (z. B. sportliche Sozialisation, kulturelle Sozialisation oder finanzielle Sozialisation). Im vorliegenden Konzept ist die finanzielle Sozialisation von Kindern entscheidend. Unter finanzieller Sozialisation wird „… der Prozess des Lernens von Verhaltensweisen verstanden, mit denen sich ein Individuum in das ökonomische System einer Gesellschaft einfügt“ (Rosendorfer 2000, S. 17). Die finanzielle Sozialisation von Kindern und Jugendlichen ist unter anderem aufgrund fehlender Lehrplaninhalte bisher wenig erforscht (vgl. Fauth 1999, S. 67). Besonders bezogen auf die Vermittlung von wirtschaftlichen Zusammenhängen wird
5
häufig von einem „heimlichen Lehrplan“ der Geldsozialisation gesprochen (vgl. Reisch 1998), nachdem die zu vermittelnden Inhalte von Wirtschaftsverbänden oder Banken und Sparkassen vorgegeben sein sollen. Besonders Kinder im Alter von 10 bis 13 Jahren sind in ihrem Finanzverhalten leicht zu beeinflussen und müssen daher von der Schule auf ein solides Finanzmanagement vorbereitet werden (vgl. Rosendorfer 2000). Diese Feststellungen sind die Hauptargumente für die schulische Auseinandersetzung mit Inhalten zur Schuldenprävention und die Entwicklung des vorliegenden Konzeptes.
1.1.2 Konsum- und Sparverhalten von Kindern
Das für Kinder zur Verfügung stehende Geldvermögen setzt sich aus den Geldeinnahmen über Taschengeld, Sparguthaben, Geldgeschenke und Nebenjobs zusammen. Insgesamt ist festzustellen, dass das Geldvermögen der Kinder in den letzten Jahren, besonders durch erhöhte Sparguthaben und Taschengeldmehreinnahme, deutlich zugenommen hat (vgl. LBS 2005). Die von mir durchgeführte Untersuchung zeigt, dass die meisten Schülerinnen und Schüler dieser Altersklasse der Gesamtschule (76 %) zwischen 5-10 Euro Taschengeld in der Woche erhalten. Dies deckt sich mit den in der Literatur angegebenen Summen (vgl. LBS 2005). Die Bedeutsamkeit des Sparens für die Kinder wird ebenfalls über meine Untersuchung an der Gesamtschule bestätigt, die zeigt das ca. 80 % der befragten Kinder jeden Monat Geld spart. Ein wichtiger Aspekt im Rahmen des Konsumverhaltens von Kindern ist die Tatsache, dass das Konsumieren für Kinder eine Form individueller Selbstdarstellung bedeutet und ein Ausdrucksmittel für die Demonstration der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bezugsgruppe ist sowie kompensatorisch wirksam werden kann (vgl. Rataj 2006). Dies ist ein wichtiger Ansatzpunkt für die inhaltliche Gestaltung des Konzeptes (vgl. Kapitel 3.2.2, S. 16).
Das Ausgabeverhalten ist neben den Sparzielen und Einnahmequellen die entscheidende Größe für die Beurteilung der Finanzsituation von Kindern. Den größten Posten bei den Ausgaben der 10- bis 13-Jährigen nehmen die Süßigkeiten ein (vgl. Egmont Ehapa Verlag 2006). Darauf weist auch meine Untersuchung an der Gesamtschule hin. Diese ergab, dass über 70 % der Schülerinnen und Schüler meiner Schule Geld für Süßigkeiten ausgeben.
6
1.1.3 Verschuldungssituation und Folgen der Verschuldung bei Kindern Die vorangegangene Auseinandersetzung mit den Konsum- und Sparmustern von Kindern ist eine wichtige Voraussetzung für die Beschreibung eines problematischen Konsumverhaltens. Als die bedeutsamste Folge eines problematischen Konsumverhaltens ist die Verschuldung anzusehen. Die Umstände von Verschuldungssituationen sind unterschiedlich aber häufig auf eine mangelnde Handlungskompetenz im Finanzmanagement der Kinder zurückzuführen (vgl. Lewald 1999). Die Folgen einer Verschuldung bei Kindern äußern sich insbesondere in ökonomischen Einschränkungen, also Ausgabenkürzungen (vgl. Lange 2004, S. 161). 6 % der 10- bis 17-Jährigen in Deutschland sind verschuldet (vgl. Lange, Fries 2006, S. 8). Unter den 18- bis 20-Jährigen sind es bereits 13 % und unter den 21- bis 24-Jährigen 16 %, die Zahlungsaufforderungen nicht nachkommen können (vgl. IFJ 2003). Dies entspricht einem Schuldenvolumen von 1,9 Mrd. Euro für Kinder und Jugendlichen in Deutschland (vgl. IFJ 2003). Von den Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule leihen sich bereits 10-15 % Geld bei Freunden oder ihrer Familie. Diese Erhebung untermauert die Notwendigkeit einer Schuldenprävention an meiner Schule und die Durchführung des entwickelten Konzeptes. Die Überlegungen zum inhaltlichen Vorgehen berücksichtigen dementsprechend das Leihen von Geld (Kapitel 3.2.2; Einheit III, S. 16f).
1.2 Schuldenprävention in Schulen
1.2.1 Finanzielle Bildung für Kinder
Kinder werden täglich, z. B. beim Einkaufen oder beim Ausgeben von Taschengeld mit der Bewältigung wirtschaftlicher Lebenssituationen konfrontiert. Deshalb ist es notwendig Kindern frühzeitig Kompetenzen zur Bewältigung solcher Situationen zu vermitteln. Die finanzielle Bildung an Schulen ist jedoch als unzureichend und uneinheitlich einzustufen (vgl. Rataj 2006). Es existieren insbesondere für die gymnasiale Oberstufe und die Haupt- und Realschulen im Fach Sozialwissenschaft oder im Lernbereich Arbeitslehre (Hauswirtschaft, Wirtschaft und Technik) Stundendeputate für die Auseinandersetzung mit finanziellen Fragestellungen. Die inhaltliche Umsetzung in den Schulen ist jedoch in der Regel sehr abstrakt und im Allgemeinen wenig schülerorientiert (vgl. May 2005, S. 17). Das mangelnde Finanzwissen und die unzureichende schulische Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Inhalten hat, besonders von Seiten der Unternehmen und Wirtschaftsverbände, dazu geführt
7
die Einführung eines Unterrichtsfachs „Wirtschaft“ zu fordern (vgl. Kaiser, Kaminski 1994). Kritisch wird diese Forderung von Vertretern des Unterrichtsfaches Hauswirtschaft betrachtet, da häufig die Beschreibung der Rolle privater Haushalte und ihrer Leistungen für die Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft zu kurz kommen (vgl. Müller, Mackert 2003, S. 25). Müller und Mackert schlagen deshalb folgende Schwerpunktthemen für ein Unterrichtsfach „Wirtschaft“ vor:
„Rolle und Bedeutung der Haushalte und Familien als verantwortliche Akteure in Wirtschaft und Gesellschaft;
Fragen der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimensionen des täglichen Konsums von Gütern und Dienstleistungen;
Grundlagen über die Funktionsweisen globaler Finanz- und Konsumgütermärkte; Wissen über das Verhältnis von Kosten und Preisen, d. h. über das Problem der Externalisierung sozialer und ökologischer Kosten des Konsums; finanzielle Allgemeinbildung, die über Finanzdienstleistungen informiert, an der eigenen Lebenswelt ansetzt und situationsbezogen vorgeht;
Bildung für eine nachhaltige Entwicklung als übergreifende regulative Idee, die eine Klammer darstellt, um die Notwendigkeit und den Beitrag individueller Konsumentscheidungen zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in einer langfristigen Perspektive zu verdeutlichen“ (Müller, Mackert 2003, S. 26). Meine Erhebung an der Gesamtschule zeigt deutlich Handlungsbedarf in der finanziellen Bildung der Schülerinnen und Schüler. Die Daten ergeben, dass fatalerweise weder in der Familie noch unter Freunden oder in der Schule über Geldangelegenheiten gesprochen wird (, Abb. 6, S. 4, Abb. 8, S. 5, Abb. 11, S. 7). Um die finanzielle Bildung für Kinder und Jugendliche an Schulen zu fördern, müssen Lerninhalte geschaffen werden, die systematisch aufeinander aufbauen, anhand von lebenspraktischen Beispielen (z. B. Taschengeld und Süßigkeiten) die Komplexität wirtschaftlicher Zusammenhänge reduzieren und somit die Schülerinnen und Schüler befähigen, in ökonomisch geprägten Lebenssituationen handlungsfähig zu sein (vgl. Rataj 2006). Das vorliegende Konzept greift diese Forderungen auf und konkretisiert die finanzielle Bildung anhand einer Schuldenpräventionsmaßnahme für die Doppeljahrgangsstufe 5/6 (vgl. Kapitel 2, S. 8).
8
1.2.2 Situation der finanziellen Bildung an der Gesamtschule Die finanzielle Bildung bzw. die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Schuldenprävention wird in erster Linie über die Richtlinien und Lehrpläne der Gesamtschule für den Lernbereich Arbeitslehre (hier besonders Wirtschaft und Hauswirtschaft), über die schulinternen Lehrpläne sowie über die Rahmenvorgaben für die ökonomische Bildung in der Sekundarstufe I sichergestellt. In der praktischen Umsetzung an der Gesamtschule stehen dem Lernbereich Arbeitslehre für die Jahrgangsstufen 5 bis 10 jeweils 2 Wochenstunden zur Verfügung. Diese Stunden teilen sich auf die Fächer Technik, Wirtschaft und Hauswirtschaft auf. Außerdem soll im Lernbereich Gesellschaftslehre eine Unterrichtsreihe zum Thema Geld und Wirtschaft durchgeführt werden. Insgesamt werden ca. 200 Unterrichtsstunden für die inhaltliche Auseinandersetzung mit der ökonomischen Bildung zwischen den Schuljahren 5-10 eingeplant.
Im Lehrplan für das Unterrichtsfach Hauswirtschaft an Gesamtschulen werden zu bearbeitende Problemfelder benannt, die sich fast ausschließlich auf den Bereich Arbeit (Familien- und Erwerbsarbeit) beziehen. Über die Bearbeitung dieser Problemfelder sollen sich Handlungsfähigkeiten entwickeln, mit dem Ziel, dass Kinder ihre eigenen Bedürfnisse realistisch reflektieren (vgl. MSWF 1998). Der inhaltliche Schwerpunkt an der Gesamtschule liegt in dem Bereich der Berufswahlorientierung und einem anschließenden Schülerbetriebspraktikum in der Jahrgangsstufe 9. Besonders in den Jahrgangsstufen 5/6 wird die finanzielle Bildung bezogen auf eine fundierte schülerorientierte Schuldenprävention vernachlässigt (vgl. GSG 1999). Insbesondere die ökonomische Lebenssituation (relativ hohe Geldverfügbarkeit und Autonomie bei der Ausgabe des Geldes) sowie die konsequente Schülerorientierung (z. B. über Inhalte wie Taschengeld und Süßigkeiten) finden keine Berücksichtigung. Aus diesen Defiziten ergeben sich die Überlegungen zu meinem Konzept, dessen Ansätze und Ziele im folgenden Kapitel beschrieben werden.
9
2 Lösungsansatz und Ziele des Konzeptes
In den vorangegangenen Kapiteln wurde die Notwendigkeit eines Konzeptes zur Schuldenprävention an der Gesamtschule argumentativ, Kriterien orientiert und anhand aktueller wissenschaftlicher Forschung begründet. Das entwickelte Konzept soll Handlungsoptionen zur Verbesserung der finanziellen Bildung bezogen auf eine Schuldenprävention liefern. Dabei beschränkt sich das Konzept auf die Doppeljahrgangsstufe 5/6 (10- bis 13-Jährige). Inhaltlich setzt das Konzept an den Themen „Taschengeld“ und „Süßigkeiten“ mit der pädagogischen Intention der Verbesserung der Finanzkompetenz im Sinne einer Schuldenprävention an. Sowohl durch die konzeptionellen Überlegungen einer frühzeitigen Prävention als auch über die Entwicklung von schülerorientierten Unterrichtsinhalten (Taschengeld/Süßigkeiten) wird das Vorgehen der Lehrerfunktion „Innovieren/Schulentwicklung“ gerecht.
Aus den erläuterten Überlegungen ergeben sich die Ziele des Konzeptes:
Abbildung 1: Konzeptziele
10
3 Darstellung des Konzeptes zur Schuldenprävention
Im Folgenden wird das Konzept „Taschengeld und Süßigkeiten“ zur Schuldenprävention im Rahmen des Hauswirtschaftsunterrichts an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Dortmund für die Jahrgangsstufen 5/6 dargestellt. Zunächst werden Maßnahmen zur Vorbereitung des Konzeptes, wie z. B. organisatorische Aspekte und Überlegungen zur Legitimation, aufgezeigt. Darauf aufbauend wird die Durchführung des Konzeptes bezogen auf das inhaltlich-methodische Vorgehen sowie die durchzuführende Unterrichtsreihe erläutert. Abschließend beschreibe ich die nachbereitende Reflexion, die Möglichkeit einer Verankerung in den schulinternen Lehrplan sowie den Transfer des Konzeptes auf weitere Jahrgangsstufen und Themen.
Die Ausrichtung des Konzeptes ist so angelegt, dass der Unterricht in den Jahrgangsstufen 5/6 stattfindet. Das Unterrichten ist im Rahmen dieses Konzeptes eine bedeutsame Lehrerfunktion. Der Unterricht in dem vorliegenden Konzept vollzieht sich über einen Zeitraum von 6-8 Unterrichtsstunden. Das Unterrichten beinhaltet insbesondere Überlegungen zum didaktischen Vorgehen. Hier orientiert sich die Unterrichtsreihe an der bildungs-theoretischen Didaktik von Klafki (vgl. Klafki, u. a. 1993). Die didaktische Reduktion nach Klafki geht von der Aufgabe der Schule aus, zur Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler wesentlich beizutragen. Ausgewählte Inhalte müssen auf ihre pädagogische Bedeutsamkeit überprüft werden. Dieses geschieht besonders über die Analyse anhand von: Gegenwartsbedeutung
Werthaltungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler an einem Thema
Vermutete Zukunftsbedeutung
Vorerfahrungen der Lernenden und zukünftige Bedeutsamkeit für die Schülerinnen
Exemplarische Bedeutung
Ein Inhalt ist dann exemplarisch, wenn die Lernenden daran Prinzipien, Ein-
3.1Vorbereitung des Konzeptes
Für die durchführenden Lehrkräfte ist das Einholen grundlegender Sachkenntnisse bezüglich der Finanzsituation von Kindern der entsprechenden Zielgruppe empfehlenswert. Der Evaluationsbogen I (Kapitel 4, Abb. 7, S. 27) bietet eine wesentliche Grundlage zur Erhebung der Finanzsituation der zu unterrichtenden Klassen. Mit dem Evaluationsbogen I werden Kenntnisse, Einstellungen und Aussagen zum aktuellen Finanzverhalten erhoben, damit der Bedarf der Durchführung des vorgestellten Konzeptes begründet ermittelt werden kann. Darüber hinaus können sich Lehrkräfte über regelmäßig durchgeführte Studien zu diesem Thema sachkundig machen. Folgende Studien (zum größten Teil über das Internet kostenfrei abrufbar) sind zu empfehlen: Schuldenkompass (www.schulden-kompass.de) Bravo Faktor Jugend (www.bauermedia.com)
Bundesverband deutscher Banken (BDB)-Jugendstudie (www.bankenverband.de) LBS-Kinderbarometer (www.lbs.de) Kidsverbraucheranlayse (KVA) (www.ehapa-media.de)
Neben der Sachanalyse ist eine Bedingungsanalyse durchzuführen. In einer Bedingungsanalyse werden die Voraussetzungen des Unterrichts auf zwei Ebenen unterschieden.
1. Erfassung anthropologisch-psychologische Voraussetzungen (Lernfähigkeit und Lernbereitschaft) Lernfähigkeit bedeutet, dass
der Lernstand der entsprechenden Lerngruppe über den Evaluationsbogen I erhoben
12
Arbeit zitieren:
Dr. Jens Rataj, 2008, Taschengeld und Süßigkeiten - Ein Konzept zur Schuldenprävention im Rahmen des Hauswirtschaftsunterrichts, dargestellt für die Jahrgangsstufe 5/6, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Handlungsorientierter Unterricht: praktisch nutzlos?
Seminararbeit, 24 Seiten
Kategoriale Bildung und Handlungsorientierung - Widerspruch oder Kombi...
Darstellung zweier didaktische...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Komplexe Lehr-Lernarrangements
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Seminararbeit, 21 Seiten
Jens Rataj hat den Text Taschengeld und Süßigkeiten - Ein Konzept zur Schuldenprävention im Rahmen des Hauswirtschaftsunterrichts, dargestellt für die Jahrgangsstufe 5/6 veröffentlicht
Jens Rataj hat einen neuen Text hochgeladen
Zusammenleben. Zusammenarbeiten. 7. Jahrgangsstufe. Neu. Bayern
Hauswirtschaftlich-sozialer Be...
Plößner
Konzept 09: Ordnungspolitischer Rahmen der Krankenhausfinanzierung
Josef Siebig, Matthias Geiser, Matthias Einwag, Martin Heineck
Gesundheit und Hygiene in der Hauswirtschaft
Ausgewählte Fachthemen. rhw-Pr...
Burkhard P. Bierschenck
Wie der Staat unser Geld zerst...
Murray Newton Rothbard, Guido Hülsmann, Carsten Hülsmann, Reinhard Stiebler
Elektrisch kochen in der Schule
0 Kommentare