Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Computer als Schreibutensil. 4
3. Die Bedeutung des Internets. 10
4. Texte als Massenmedien. 19
5. Schlussbemerkungen 22
A. Literaturverzeichnis 23
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1. Einleitung
Das 21. Jahrhundert steht hauptsächlich im Zeichen des technischen Fortschritts. Ein Leben ohne Computer bzw. elektronische Datenverarbeitung (EDV) ist heutzutage nicht mehr so recht denkbar. Ganze Berufszweige basieren auf der Arbeit an einem PC, wie z.B. im Bereich der Informatik. Auch etwa Journalisten und andere Arbeitnehmer, die Texte in irgendeiner Form erstellen müssen, sind auf PCs angewiesen. Der Grund dafür ist offenkundig die Praktikabilität. Es muss nicht mehr mühsam mit einer Schreibmaschine hantiert werden, bei der ein einziger Tippfehler schon zu Unannehmlichkeiten führen kann, geschweige denn muss ein Schriftsteller seine Arbeit von Hand erledigen. Der Computer befähigt uns Schreiber dazu, quasi provisorisch zu schreiben. Das kann man zwar auch handschriftlich, aber geübte Verfasser tippen Texte oft schneller, als sie sie mit einem Stift zu Papier brächten. Auch mag für den ein oder anderen das Tippen weniger anstrengend sein, als das Schreiben per Hand. Im Berufsleben verbindet man mit computergeschriebenen Texten auch für gewöhnlich Seriosität aufgrund des einheitlichen Schriftbilds. Denkt man nur beispielsweise an eine schriftliche Bewerbung, so wird deutlich, wie unangemessen von Hand geschriebene Texte sein können. Dennoch bedeutet all die neue Technik auch Verlust. Die Menschen schreiben heutzutage erkennbar weniger Briefe als Emails. Ein Brief mutet inzwischen fast schon nostalgisch an.
Es ist also wichtig, sich mit beiden Seiten des computergenerierten Lebens auseinander zu setzen. Wie abhängig sind wir Menschen von den elektronischen Alleskönnern? Wie unterscheiden sich handschriftliche und elektronische Schreibprozesse, nicht nur technisch, sondern auch mental? Fragen und Ansätze wie diese sollen im Folgenden behandelt werden.
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2. Der Computer als Schreibutensil
Die Handschrift eines jeden Menschen ist einzigartig. Etwas auf ein Blatt Papier nieder zu schreiben kann also eine recht persönliche Angelegenheit sein. Man denke dabei nur an Tagebücher. Sicher gibt es die auch mittlerweile in elektronischer Form, als Software oder im Internet, doch die eigene Schrift trägt zur Individualität des Schreibens an sich bei. Es liegt daher nahe, einen Schreibprozess mit der Persönlichkeit eines Menschen in Zusammenhang zu bringen. Menschen sind bekanntlich verschieden. Die einen setzen sogar ihre Einkaufszettel als Worddokument auf, andere scheuen sich generell vor EDV, wieder andere haben für sich eine Art Mittelweg gefunden. Wie bereits eingangs erwähnt, muss in vielen Berufen mit EDV gearbeitet werden, d.h. viele Menschen müssen lernen, mit Computerschreibprogrammen umzugehen, ob sie es mögen, oder nicht. Zumeist erweist es sich als Vorteil mit der Anwendung von Computern vertraut zu sein, nicht nur im Berufsleben, sondern auch im Alltag. Dies gilt nicht nur für elektronische Kommunikation; das Internet bietet ein breites Spektrum an Textinformationen. Unzählige Foren verschaffen Zugang zu Texten und Diskussionen über die verschiedensten Themen. Jeder Benutzer des Internets kann auch seine eigenen Texte im Netz zur Verfügung stellen. Online-Dokumente schreibt man grundsätzlich auf dem PC, denn ein handgeschriebener Text müsste erst umständlich eingescannt werden und wäre wahrscheinlich schlecht lesbar. Im Zuge der Globalisierung gewinnt das Internet immer mehr an Bedeutung. Wer am Puls der Zeit leben möchte, muss die Basics beherrschen, d.h. die Fähigkeit zur elektronischen Textproduktion ist unerlässlich.
In naher Zukunft wird das Schreiben bzw. auch das Tippen vielleicht unnötig sein. Es gibt mittlerweile schon Programme, die den Anwender befähigen, dem PC einen Text einfach zu diktieren, während dieser automatisch schreibt. Diese technische Entwicklung steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Bisher muss der Computer mühselig trainiert werden, d.h. er muss lernen, sich auf die Intonation des Sprechers einzustellen, was oft ein langwieriger Prozess sein kann. Dennoch könnte es
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eine spannende Aufgabe sein, zu prüfen, ob und inwiefern sich Textproduktionen, die geschrieben oder getippt werden, in den mentalen Abläufen des Schriftstellers von solchen unterscheiden, die ein Verfasser mit automatischem Spracherkennungsprogramm erzeugt. Es liegt jedoch die Vermutung nahe, dass der Betreffende als ersten Schritt der Textproduktion in irgendeiner Form schriftlich skizzieren würde, wie in etwa der Text aufgebaut sein soll. Die Vorbereitungsphase eines Schreibprozesses beinhaltet meist Vorüberlegungen, die sicherlich schwierig direkt am PC, im Falle der Anwendung eines Spracherkennungsprogramms, festzuhalten sind. Der Verfasser würde dem PC bzw. dessen Programm seine - vermutlich desorganisierten - Gedanken diktieren. Das Programm müsste genauso schnell auf plötzliche Änderungen im geistigen Ablauf reagieren, wie der Autor auf einem Blatt Papier, wenn er z.B. etwas durchstreicht oder eine Idee mit einer anderen visuell verbindet. Natürlich mag es sein, dass es Menschen gibt, die ohne besondere Planung und Entwürfe ihrer schriftlichen Arbeit auskommen; die sehr schnell eine Vorstellung davon haben, über welches Thema sie zu schreiben gedenken und wie sie Ideen umsetzen möchten. Die Umsetzung ist in vielen Fällen der Textproduktion die Crux. Übung und Gewohnheit helfen nicht immer; oft haben Schreibblockaden psychische Ursachen, die nicht im direkten Zusammenhang mit der Texterstellung stehen. Zeit- und Leistungsdruck können zu regelrechten Schreibphobien führen. Unter normalen Umständen braucht es jedoch nicht immer ein perfekt organisiertes Konzept; der Einstieg in eine schriftliche Arbeit kann auch mehr oder weniger zufällig erfolgen. Hat eine anfängliche Schreibblockade keine gravierenden psychosomatischen Ursachen, löst sie sich erfahrungsgemäß im Laufe des aktiven Schreibprozesses von selbst auf. Gegebenenfalls kann es im Verlauf der Texterstellung zu Beschwernissen kommen, etwa dann, wenn ein Thema erschöpft scheint. Generell ist ein Talent zum Formulieren nützlich. Wer in einem Beruf arbeitet, der viel Schreibarbeit erfordert, die wiederum prinzipiell ähnlich ist - Staatsanwälte beispielsweise, deren Anklageschriften sich formell meist gleichen - verfügen oft nach Jahren der Berufserfahrung über eine gewisse Routine. Für sie bietet sich das
Spracherkennungsprogramm eventuell an; zumal, wenn man bedenkt, wie
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viele Beamte mit Diktiergeräten und/oder Sekretären bzw. Sekretärinnen arbeiten.
Bei aller Kritik, die man an dem computergenerierten Leben üben kann, ist es unbestritten, wie sehr der Computer die Schreibarbeit erleichtert. Wissenschaftliche Texte, die der Schreiber mit Fußnoten versehen und in Kapitel unterteilen muss, sind als handgeschriebene Version beinahe undenkbar. Der Fortschritt von der Schreibmaschine zum PC wird deutlich, wenn man eine zwanzig Jahre alte Publikation mit einer aktuellen vergleicht. Abgesehen davon, dass die ältere Veröffentlichung Spuren der Zeit aufweist, wie z.B. vergilbte Seiten, wirkt ein Text, der mit Schreibmaschine geschrieben wurde, vielfach weniger ansprechend auf den Leser. Bisweilen scheint es, als drücke sich die Anstrengung, die der Autor beim Verfassen seines Texts an der Schreibmaschine erleben musste, im Schriftbild der Seiten aus. Heutzutage ist es möglich, Geschriebenes erst einmal abzuspeichern und eventuell noch einmal zu überarbeiten, bevor es tatsächlich auf Papier gedruckt wird. Ein Schriftsteller muss nicht mehr die Seiten aus der Schreibmaschine zerren, für den Fall, dass er unzufrieden mit dem zuvor Formulierten ist. Er kann nun ganze Abschnitte markieren, ausschneiden, verschieben, löschen etc. Die gängigen Schreibprogramme bieten darüber hinaus die automatische Rechtschreibkorrektur und andere Hilfsmittel, wie die Synonymangabe. Diese Mittel sind indes nicht unproblematisch. Wie in Blatts und Hartmanns Studienbuch festgestellt wird, können die schreibunterstützenden Hilfen der Textverarbeitung ein mühseliges Erlernen der Rechtschreibung [nicht] überflüssig machen.“ (Blatt/Hartmann, 2004, S. 35) Das liegt daran, dass betreffende Programme zwar durchaus hilfreich sein können, z.B. bei Tippfehlern, aber prinzipiell muss oder sollte sich ein Schreiber mit Grammatik und Rechtschreibung der Sprache in der er schreibt auskennen. Es erscheint hochgradig leichtsinnig, sich auf die automatische Rechtschreibkorrektur allein zu verlassen. Wer etwas auf Englisch verfassen möchte, stellt vielleicht fest, dass das Korrekturprogramm immer wieder auf Neue ein englisches „its“ zu „ist“ korrigiert - vorausgesetzt, der Text wird hauptsächlich in deutscher Sprache verfasst. Auch die Synonymvorschläge sind nicht immer brauchbar bzw.
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zutreffend. Der Autor sollte demnach in der Lage sein, zu erkennen, welche Alternativen sinnvoll sind, und welche nicht. Computer werden mit den Jahren immer leistungsfähiger und kompakter. Ein Laptop lässt sich praktisch überall mit hinnehmen und ist so besonders brauchbar für Menschen, die viel und oft unterwegs sind. Man muss nicht stapelweise beschriebenes Papier herumtragen, sondern nur eine kleine Diskette, eine CD-Rom oder einen Memorystick. Da es auch nicht an jedem Ort ohne weiteres möglich ist, mit der Hand zu schreiben, z.B. in einem fahrenden Zug, empfehlen sich tragbare Computer. Nichtsdestotrotz werden für kurze, prägnante Informationen, wie sie u.a. Journalisten während ihrer Recherchen aufnehmen, Notizblock und Stift bevorzugt. In so einem Fall wäre es vermutlich umständlich, erst den Computer anzuschalten und das Schreibprogramm zu starten. Manche Menschen bevorzugen auch kleine Diktiergeräte. Doch der Notizblock ist nicht so recht wegzudenken. Er kann auch aufschlussreiche Hinweise auf die Schreibprozesse eines Einzelnen liefern. Daniel Perrins Studie zufolge, handelt ein erfahrener Journalist, indem er reflektiert, d.h., er plant und steuert den Schreibprozess (vgl. Perrin, 2002, Kap. II). In der genannten Studie finden sich Hinweise auf die Vorbereitung eines journalistischen Artikels. Journalisten, die längere Zeit in ihrem Metier gearbeitet haben, verfügen häufig über bestimmte Strategien; nach einer Weile Berufserfahrung stellt sich auch bei ihnen eine Art Routine ein, nach der die meisten Texte verfasst werden. Während der Recherche hat der Journalist oft den potentiellen Text - sozusagen den Rahmentext, in den fallspezifische Details lediglich noch eingefügt werden müssen - bereits vor Augen und macht sich Notizen zu Fakten, die er in der Niederschrift angeben möchte. Darüber hinaus ist es vorstellbar, dass manche Journalisten Symbole aufzeichnen, die sie persönlich wiedererkennen können: z.B. im Falle eines Zweifels an einer Aussage, notiert ein Journalist unter Umständen ein Fragezeichen. Wie es scheint kommt ein Computer bei der Vorbereitung eines Zeitungsartikels eher selten zum Einsatz, wobei zu beachten ist, dass der technische Fortschritt schon jetzt Minicomputer und elektronische Terminkalender sowie Notizbücher bietet, die jedoch noch recht kostspielig
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sind. Der Computer spielt gleichwohl für die Vorbereitungsphase eines Textes eine wichtige Rolle und zwar auf abstrahierter Ebene: Mithilfe von EDV lässt sich schematisch festhalten, wie die Gedankengänge des Schreibers ablaufen können. Perrins Studie stellt dazu zwei Methoden vor: Die S-Notation und die Progressionsgraphik. (Perrin, 2002, S. 17) Diese wurden an siebzehn Arbeitsplätzen im Nachrichtenjournalismus in der Schweiz beobachtet und untersucht. Diese Methoden zeigen, dass der PC nicht nur zur reinen Textproduktion genutzt werden kann, sondern dass er für die Theorie der Erstellung von Texten relevant ist. Statistische Information und detaillierte Schreibabläufe können dank EDV viel besser aufbereitet und nachvollzogen werden. Hierbei verbinden sich Theorie und Praxis; das Schreiben an einem Computer wird mit der Datenerfassung eines ebensolchen gezeichnet. Der Schreibprozess, d.h. das genaue Tippen von Sätzen, unabhängig davon, ob sie nun provisorischer Natur sind oder nicht, wird schematisch dargestellt. Jede einzelne Aktion, die am PC erfolgt, also auch das löschen bzw. korrigieren von Buchstaben, kann so erfasst werden. Veränderte Textstellen tauchen in der S-Notation als eckige oder geschweifte Klammern auf. (ebd.) Würde dieser Prozess handschriftlich vollzogen werden, so läge das Augenmerk auf durchgestrichenen oder ausradierten Passagen, je nachdem welche Art von Schreibwerkzeug benutzt wird. Für den Fall, dass der Autor eines Textes ganze Seiten vernichtet, müssten auch diese in Betracht gezogen werde, um die Authentizität des Schreibprozesses aufrecht zu erhalten. Dies erscheint umständlicher, als die computergenerierte Aufzeichnung.
Die Progressionsgraphik erscheint im Vergleich zur S-Notation weniger umständlich. (ebd.) Es handelt sich dabei, wie der Name schon sagt, um eine graphische bzw. schematische Darstellung. Der Schreibfortschritt und die Zeit, die dafür benötigt wird, werden mit Hilfe eines Graphen in einem Koordinatensystem abgebildet. Der Verlauf des Graphen soll über den Hergang des Schreinprozesses Aufschluss geben; eine Zick-Zack Kurve symbolisiert beispielsweise das Hin- und Herspringen in den Zeilen (ebd.). Wer jedoch mit abstrakten Illustrationen Verständnisschwierigkeiten hat, dem wird die S-Notation mehr liegen.
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Es stellt sich die Frage, wozu diese Form der wissenschaftlichen Erfassung von Schreibprozessen gut ist. In Perrins Studie geht es u.a. auch um den Unterschied zwischen erfahrenen und unerfahrenen Schreibern. Die Abweichungen sollen visuell deutlich gemacht werden. Leider bleibt das ambitionierte Experiment recht diffus. Es wäre hilfreich gewesen, die graphische Darstellung des Schreibprozesses eines Erfahrenen der eines Unerfahrenen gegenüberzustellen. Die Untersuchung von Schreibprozessen sollte nicht einfach nur deskriptiv darstellen, sondern auch Wege zur Verbesserung bieten. Spricht man generell von unerfahrenen Schreibern, so liegt der Gedanke nahe, dass es um Leistungssteigerung geht. Wie bereits zuvor erwähnt, ist der erste und zumeist schwierigste Schritt der Textproduktion, einen Einstieg zu finden. Es braucht zunächst einen Zugang zum Thema und daran anknüpfend Ideen, wie ein Sachverhalt überhaupt aufbereitet werden soll. Ein jeder Schreiber hat sicherlich schon einmal die Erfahrung gemacht, ins Stocken zu kommen, bevor der eigentliche Schreibprozess überhaupt begonnen hat. Blockaden zu überwinden ist jedoch Bestandteil des gesamten Schreibprozesses. Die Vorbereitung auf das Verfassen eines Textes und deren Betrachtung sind unerlässlich. Im Grunde ist die Vorarbeit sogar bedeutsamer als der darauf folgende Ablauf der Textproduktion, denn Grundlagen und Skizzen können das Endprodukt signifikant beeinflussen. Im Ansatz unterscheiden sich die meisten Verfasser grundlegend voneinander, weil ein jeder seine ganz persönliche Vorgehensweise hat. Gleichzeitig ist es schwierig, alle diese Ansätze zu erfassen, gerade weil sie so vielfältig sind. Hinzu kommt, dass es kein Patentrezept gibt bzw. geben kann. Schließlich zählt der fertige Text; der Leser wird bei seiner Bewertung kaum in Betracht ziehen, welche Art der Vorbereitung der Schreiber aufwendete
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3. Die Bedeutung des Internets
Die Erfindung des Computers und die daran anschließende Entwicklung des Internets haben vieles verändert. Seit immer mehr Menschen Zugang zu einem PC bzw. dem Internet haben, wandelt sich so manche Gewohnheit. Unbekannte Begriffe müssen nicht mehr zwangsläufig in Lexika nachgeschlagen werden; man gibt sie heutzutage vorzugsweise in eine Suchmaschine ein. Eine Reise buchen, einkaufen, Zeitung lesen - unzählige Dinge funktionieren per Mausklick. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die allgemeine Textproduktion aus. Das Phänomen der abnehmenden Zahl handschriftlich verfasster Post liegt vermutlich in der zunehmenden Bequemlichkeit der Menschen begründet. Wie bei den obigen Beispielen der Internetnützlichkeit auffällt, muss eine Person im Zeitalter des World Wide Web zur Erledigung vieler Dinge nicht mehr das Haus verlassen. Das betrifft auch das Schreiben bzw. Senden eines Briefs. Zum Führen des Stifts kommen der Gang zur Post, das Aufkleben einer Briefmarke und das Einwerfen in den Briefkasten. Ein Email ist per Mausklick innerhalb weniger Sekunden abgeschickt. Oft lässt sich ebenfalls zuverlässiger prüfen, ob ein Email auch wirklich den Empfänger erreicht hat, als dies mit einem Brief auf dem Postweg der Fall ist. Gerade wegen der vermeintlichen Anstrengung, die eine Erstellung und Absendung mit sich bringt, ist ein Brief jedoch landläufig ein besonderer Grund zur Freude, sofern er gute Nachrichten enthält, versteht sich.
Die Tendenz zur elektronischen Kommunikation betrifft auch das Schreiben von Postkarten. Es gab Zeiten, da war es für viele Menschen selbstverständlich, eine Ansichtskarte von einer Reise an Daheimgebliebene zu senden. Im Zeitalter von Handys und einer stetig steigenden Anzahl von Internetcafés ist auch die Postkarte schon beinahe zu einem Relikt aus der Vergangenheit geworden. Dieses Phänomen wird sehr treffend in einem Artikel der Wochenzeitung DIE ZEIT (Nr. 37) vom 7. September 2006 beschrieben. Darin wird der Geschäftsführer des Schöning-Verlags zitiert, der angibt, dass sich der Absatz von Postkarten in den letzten 15 Jahren mehr als halbiert hat. Interessanterweise wird festgestellt, dass der Inhalt von SMS oder Emails aus dem Urlaub selten dem einer Postkarte entspricht.
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Dies zeigt, dass das Schreiben von Ansichtskarten mit einer gewissen Tradition zusammen hängt bzw. hing. Oftmals ähnelten sich die Texte auf Postkarten so sehr, dass der Schreiber geneigt sein konnte, diese bzw. sich selbst zu parodieren. Die neuen Kommunikationsmedien unterliegen demnach auch neuen Sitten und Bräuchen. Besonders auffällig sind dabei diverse Abkürzungen, die hauptsächlich beim Schreiben von SMS zum Einsatz kommen. Auf das Thema Kurzmitteilungen soll im Verlauf der vorliegenden Untersuchung weiter eingegangen werden. Der Artikel der ZEIT verweist des Weiteren auf die elektronischen Postkarten, die eine Zeit lang mal en vogue waren. Man konnte sie über einen Link, der per Email gesendet wurde, öffnen. Vermutlich empfanden die meisten solche Ecards als noch unpersönlicher und liebloser als Emails. Manche Anbieter von Ecards stellten vorgefertigte Kartentexte zur Verfügung, in die man dann bloß noch den Namen des gewünschten Empfängers eintragen musste. Als Ursache für das Aussterben von Postkarten nennt der Autor des ZEIT-Artikels den Verlust des Außergewöhnlichen im Hinblick auf Reisen. Letzten Endes hängt dies mit der Globalisierung, also auch mit der Ausbreitung der Internetnutzung zusammen. Es wird immer selbstverständlicher die Welt zu durchreisen. Viele Berufe erfordern räumliche und mobile Flexibilität und Billiganbieter der Fluggesellschaften ermöglichen immer mehr Menschen die globale Entdeckung. Das bedeutet, jemand, der bis vor ein paar Jahren noch stolz darauf war, seine Freunde und Bekannten per Postkarte wissen zu lassen, wo er sich gerade aufhielt, hat dies nun nicht mehr nötig. Wie bereits angesprochen, bemängelten Kritiker von Postkarten oft die stereotypen Texte. Wer jedoch schon oftmals mit anderen Menschen in Emailkontakt stand, der weiß vermutlich, wie leicht es dabei zu Missverständnissen kommen kann. Dem steril-neutralen Schriftbild in einem Email mangelt es an jeglicher expressiver Kraft. Dadurch kann z.B. etwas scherzhaft oder sarkastisch Gemeintes versehentlich für bare Münze genommen werden. Dies könnte selbstverständlich auch bei der Lektüre eines handgeschriebenen Briefs passieren, doch die Fehlschlüsse beim Lesen von getippten Zeilen scheinen deutlich häufiger zu sein. Abhilfe sollen hier sogenannte Emocions schaffen. Dabei handelt es sich um
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Smileys, also beispielsweise lachende oder traurige Gesichter, die eine Gemütsbewegung analog zu einem geschriebenen Satz ausdrücken sollen. Auch hier steckt vermutlich die Bequemlichkeit des Schreibers dahinter. Statt dem Leser explizit zu erklären, dass etwas Geschriebenes als lustig oder traurig empfunden wird bzw. werden soll, klickt man einfach auf das entsprechende Emocion. Linguistisch betrachtet ist ein solches Ikon höchst interessant. Als Zeichen soll es Ähnlichkeit mit dem Gegenstand bzw. Menschen haben, den es darstellt. Der Leser soll sich demnach das Gesicht, genauer gesagt den Gesichtsausdruck, des Absenders vorstellen. Das Schriftbild bleibt dennoch unbestimmt; es liegt nicht die - möglicherweise vertraute - Schrift des Freunds oder Bekannten vor. Es wäre demzufolge möglich, dass der Leser Schwierigkeiten hat, sich beim Lesen eines Emails den Absender in Person vorzustellen, trotz der Emocions. Sieht man ein Email als spezielle Form eines Briefs, dann wirkt jeder Brief dieser Art oberflächlich betrachtet ähnlich. Das Email des besten Freundes, sofern er es nicht mit Emocions versehen hat, gleicht dem Mail des Vorgesetzen, rein optisch. Es muss insofern nicht verwundern, dass die - angenommenschnörkelige Klaue des Freunds oder die bewundernswert harmonische Schrift des Chefs - eine andere, möglicherweise positivere, Wirkung auf den Leser haben könnte.
Das Handy ist ebenfalls Teil der modernen kommunikativen Welt, nicht nur weil die Menschen damit telefonieren, sondern auch aufgrund der SMS, also Textmitteilungen, die über das Handy verschickt werden. Diese erfreuen sich vor allem unter jungen Menschen großer Beliebtheit. Missverständnisse können theoretisch auch bei der Kommunikation via SMS auftreten. Einem ungeübten, im Zweifelsfall älteren, Handybenutzer fällt es gegebenenfalls anfangs schwer, gewisse Nachrichten zu verstehen. Das liegt daran, dass in SMS gerne abgekürzt wird, stehen doch für eine Mitteilung nur 160 Buchstaben bzw. Zeichen zur Verfügung. Häufige Abkürzungen sind z.B. LG, stellvertretend für „Liebe Grüße“, oder X als Symbol für einen virtuellen Kuss. Insbesondere Jugendliche entwickeln ihre eigene, mehr oder weniger persönliche, Handy-Sprache. Im modernen Zeitalter wird erstaunlich vieles per SMS arrangiert. Die Spanne reicht von simplen
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Verabredungen, über Heiratsanträge, bis hin zu Trennungen. Dabei darf man nicht vergessen, dass ein Handy auch schon so manchen aus einer misslichen Lage befreit hat; insofern ist es letztendlich eine sinnvolle Erfindung. Nur konnte niemand ahnen, wie wenig es wieder wegzudenken wäre, nachdem es einmal da war und zur Gewohnheit wurde. Wenn man nun davon ausgehen kann, dass Verfasser von persönlichen Texten aufgrund von Bequemlichkeit dazu neigen, die elektronischen Medien vorzuziehen, hieße das, es wird dasselbe Medium für private Korrespondenz genutzt, wie für berufliche oder öffentliche Arbeit. Der Computer ist somit nicht mehr bloßes Arbeitsutensil, sondern verknüpft in vielen Fällen die persönliche Welt mit praktisch allen Bereichen des Lebens. Dadurch entsteht folglich eine gewisse Abhängigkeit zwischen dem Anwender und dem elektronischen Medium. Das lässt sich allein dadurch nachvollziehen, dass z.B. viele Menschen Kontaktdaten wie Telefonnummern von allen anderen Personen, die sie kennen, auf ihrem Mobiltelefon bzw. dessen Sim-Karte gespeichert haben. Wenn das Handy nun einmal abhanden kommen oder defekt sein sollte, könnten sich so manche sozusagen isoliert wieder finden, da sie in vielen Fällen keine andere Form der Datensammlung ihrer Freunde besitzen. Das Adressbuch verliert zusehends an Bedeutung. Wenn man bedenkt, dass viele soziale Kontakte ohne elektronische Kommunikationsmittel nicht mehr möglich wären, wird klar, wie weit reichend die Abhängigkeit ist. Darüber hinaus kennt jeder, der über einen PC verfügt, die Angst vor einem Absturz, d.h. einem Verlust von Daten, im schlimmsten Fall derer auf der gesamten Festplatte. Jahrelange Arbeit kann von einer Minute zur anderen ausgelöscht werden. Das moderne Zeitalter bringt Phänomene mit sich, wie Viren, die sich über das Internet verbreiten und eine Gefahr für Festplatten darstellen. Vermutlich ist es letztendlich eine Frage der Gewohnheit und auch der persönlichen Attitüde, ob man elektronische Kommunikation vorzieht, oder nicht. Es gibt regelrechte Puristen, die es völlig ablehnen, ein Handy zu besitzen und/oder Emails zu schreiben. Das Archivieren von Emails und
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auch Fotografien als Dateien hat für jenige nicht die gleiche Qualität wie ein Bündel Briefe oder ein altes Fotoalbum. Die Divergenz zwischen computerbasierter und handschriftlicher Textproduktion wird nicht nur durch die Betrachtung zwischenmenschlicher Verständigung deutlich. Es ist denkbar, dass das Schreiben per Hand sich positiv auf die Gedächtnisleistung eines Menschen auswirken kann. Zwar ist es nicht abschließend belegt, dass sich z.B. ein handgeschriebener Einkaufszettel besser einprägt, als ein am Computer erstellter. Von manchen Schülern und Studenten erfährt man jedoch, dass sie gerne aus Lehrbüchern „rausschreiben“, d.h. sie extrahieren die ihrer Meinung nach wichtigsten Informationen und fassen diese handschriftlich zusammen. Dahinter steckt eine Form der Lernmethode. Sicherlich mag der ein oder andere dies mittlerweile auch bevorzugt am Computer erledigen, doch bei einigen entsteht der Eindruck, dass das Schreiben von Informationen mit der Hand dazu beiträgt, sich Lehrstoff einzuprägen. Wird nämlich beim handschriftlichen Schreiben Wert auf Optik gelegt, d.h. z.B. auf die Ebenmäßigkeit des Schriftbilds, bedarf dies vermutlich mehr Zeit als beim Eintippen in den PC. Selbstverständlich kann auch mithilfe eines Textverarbeitungsprogramms das Schriftbild verändert, variiert und perfektioniert werden. Dabei verwendet der Schreiber allerdings Eingaben und Befehle, die sich nicht mehr direkt auf das Geschriebene beziehen. Beim Optimieren eines Texts am PC befindet sich der Anwender dementsprechend auf einer anderen, abstrahierten Ebene. Während eines handschriftlichen Schreibprozess stehen de facto weniger Mittel zur Verfügung, dennoch ist es denkbar, dass das Schreiben eines einzigen Worts, Buchstaben für Buchstaben, signifikant für den Lernprozess ist. Wörter werden durch das Schreiben mit der Hand möglicherweise länger visualisiert und folglich eventuell auch im Gehirn besser gespeichert. Es kommt natürlich auch darauf an, was geschrieben wird. Für ein Brainstorming, ein Sammeln von Pro- und Contrapunkten, oder eben die Auflistung der wichtigsten Aussagen eines vorliegenden Textes, bieten sich Stift und Papier an, weil man für diese Art der Textproduktion bzw. deren Vorarbeit nicht notwendigerweise technische Utensilien braucht. Darüber
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hinaus hat die eigene Schrift logischerweise einen hohen Wiedererkennungswert. Noch so nüchterne Daten und Fakten erscheinen einem Menschen eventuell zugänglicher, wenn diese in der eigenen Handschrift vorliegen.
Geht es um das Verinnerlichen von Lernstoff, helfen erfahrungsgemäß auch sogenannte Mindmaps. Diese sollen komplexe Zusammenhänge und Ideen bildhaft leichter verständlich machen. Es liegt auch im Zusammenhang mit Mindmaps nahe, diese Form der Informationsverarbeitung handschriftlich auszuführen. Allein die Handbewegung, die entsteht, wenn man einen Pfeil von einem Begriff zu einem anderen zeichnet, kann für das allgemeine Verständnis von Bedeutung sein. Der Klick am Computer erscheint im Vergleich dazu viel abstrakter.
Erfahrungsberichte an Schulen zeigen, dass Schüler generell gut und gerne mit Computern arbeiten. (Blatt/Hartmann, 2004, S. 33) Der Umgang mit dem Internet scheint jungen Menschen meist leichter von der Hand zu gehen, als Älteren. Studien zufolge ziehen es viele Schüler vor, ihre Hausaufgaben mithilfe neuer Medien zu erledigen; offensichtlich trägt die Vielfältigkeit des Internets zu dieser Tendenz bei, denn es ist häufig interessanter im Netz zu recherchieren, als in Bibliotheken. (ebd.) Die neuen Medien haben offenkundig dazu beigetragen, das Lernen und kreative Arbeiten attraktiver zu machen. In einem Beitrag von Blatt/Hartmann heißt es dazu: „Schreiben ist wieder ‚in’. [Gehen Sie] in die Internetecke eines großen Kaufhauses oder in die Computerräume von (Hoch-)Schulen (…) Personen schreiben mit einer Begeisterung, die man noch vor wenigen Jahren für nicht vorstellbar gehalten hätte.“ (S. 37) Dieser neuartige, kollektive Enthusiasmus für das Arbeiten mit Computern muss übertragbar sein, denn man kann immer wieder beobachten, wie die Möglichkeiten, die das Internet bietet, von immer mehr Menschen genutzt werden - ähnlich einem fahrenden Zug, auf den einer nach dem anderen aufspringt. Natürlich tun viele dies, um nicht den Anschluss verlieren. Es müssen aber auch gewisse Gegebenheiten sein, die das Internet so anziehend machen; als würde es bestimmte Bedürfnisse befriedigen. Die große (Welt-) Gemeinschaft spielt dabei sicherlich eine Rolle; online sind ganze
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Kontinente miteinander verbunden, als lägen sie Tür an Tür. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass das Internet oftmals wie ein sprichwörtlicher Dschungel an Informationen daher kommt. Es bietet nicht immer zuverlässige Angaben und Quellen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Auf der gleichnamigen Webseite kann jeder selbst verfasste Artikel zur Verfügung stellen. Das Dossier der ZEIT (Nr. 37) setzte sich dieser Tage eingehend mit dem Phänomen Wikipedia auseinander. Die Online-Einträge der Datenbank bleiben grundsätzlich ungeprüft; wenn jemand etwas korrigiert, dann handelt es sich dabei weniger um staatlich geprüfte Experten der jeweiligen Wissensbereiche, sondern um andere Internetbenutzer - sprich: Laien. Beim Betrachten der Erfolgsgeschichte von Wikipedia entsteht erneut der Verdacht der Bequemlichkeit als Motiv für den Nutzer. Dafür spricht allein die Tatsache, dass das Wort „Wiki“ hawaiianisch ist und „schnell“ bedeutet. Die modernen Internetnutzer verlangen überwiegend nach raschem und unkompliziertem Zugang zu Informationsquellen. Auch der Faktor der Geldeinsparung spielt eine Rolle; DIE ZEIT nennt es die „Macht des Kostenlosen“, die womöglich „ein teures Referenzwerk wie den Brockhaus aus dem Markt drängen könnte.“ Bei Wikipedia kann jeder mitmachenehrenamtlich sozusagen - nur die Erfinder bzw. Entwickler der Online-Enzyklopädie verdienen an ihrem Erfolg. Wikipedia ist dennoch für Schulklassen oder auch Seminarteilnehmer an Universitäten eine willkommene Gelegenheit, das erarbeitete Wissen öffentlich darzubieten. Ein Erfahrungsbericht zur Erstellung einer Schulhomepage, der von Blatt/Hartmann thematisiert wird, spricht von „Außenwirkung“, die viele Schüler dazu anregt, sich für Kreatives einzusetzen. (Blatt Hartmann, 2004, S. 33) DIE ZEIT schreibt zum Thema der immer größer werdenden Fangemeinde von Wikipedia: „Es sind Projekte, in denen es keine Bezahlung mehr gibt, ihre Währung ist der Spaß und das offensichtlich unersättliche Bedürfnis nach Teilhabe. Es ist eine Revolution im Netz.“ Wikipedia sorgte trotz der sensationellen Erfolgsgeschichte auch für Negativschlagzeilen. Beispielsweise wurden einige Einträge zu technischen Gerätschaften von großen Elektrokonzernen nachweislich manipuliert, entweder, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, oder um
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unterschwellig Werbung in eigener Sache zu machen. An Fällen wie diesen zeigt sich, wie undurchsichtig, und vor allem wie unberechenbar, das Internet sein kann. Die Philosophie von Tauschbörsen und Foren wie Wikipedia ist die Grundidee des frei zugänglichen Wissens. Freies Wissen soll letztendlich die Meinungsfreiheit unterstützen und sogar demokratische Strukturen stärken. Unabhängig davon, ob man diese Auffassung teil, oder nicht, wichtig beim Umgang mit dem Internet ist in erster Linie eine kritische Haltung.
Das Internet bietet auch eine Plattform für Selbstdarsteller. Dank eigener Homepages ist es nicht mehr notwendig, berühmt zu sein, um sein Privatleben zur Schau zu stellen. Ein jeder kann sich im Internet profilieren, im wahrsten Sinne des Wortes: Über Kontaktbörsen, Chatrooms und diverse Interessengemeinschaften lassen sich Steckbriefe erstellen, die dann, theoretisch, die ganze Welt einsehen kann. Über sich selbst zu schreiben ist jedoch gar nicht so einfach. Schon gar nicht, wenn man sein persönliches Profil in Kategorien stichwortartig auf den Punkt bringen muss. Der neueste Trend in diese Richtung ist das so genannte Studi-Verzeichnis. In diesem können sich Studenten der gesamten Bundesrepublik registrieren und ihre persönliche Seite erstellen. Einige geben sich dabei augenscheinlich sehr viel Mühe, gerade bei der Beschreibung der eigenen Persönlichkeit. Über das Verzeichnis können sich die Studenten suchen, finden und dann austauschen, d.h. gegenseitig Nachrichten schicken. Das Verzeichnis ist derart erfolgreich, dass die Zahl der eingetragenen Studenten tagtäglich ansteigt. Durch die hohe Frequentierung bricht der Server häufig zusammen. Doch die Kommunikationsebene des Studi-Verzeichnisses ist gewissermaßen symptomatisch für die Gegenwart, d.h. die Zeit, in der wir leben. Noch vor zwanzig Jahren existierten noch nicht einmal Mobiltelefone, mit denen man sich per SMS verabreden konnte. Heute wird kaum etwas dem Zufall überlassen. Möchte ein Student einen anderen gerne wieder sehen, loggt er sich einfach im Studi-Verzeichnis ein. Foren dieser Art gibt es natürlich nicht nur für Studenten; im Grunde findet sich jede gewünschte Zielgruppe im World Wide Web. Diese Entwicklung bringt allerdings auch die Tatsache mit sich, dass der Internetnutzer recht viel von sich und seinem Privatleben preisgibt. Die Art und Weise, wie jemand
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seinen persönlichen Steckbrief im Internet gestaltet, oder ob eine Person dies überhaupt tut, kann viel mehr über eine Persönlichkeit aussagen, als man anfangs denken mag - vielleicht auch mehr, als der Person selbst bewusst ist.
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4. Texte als Massenmedien
Es mag zunächst im Zusammenhang mit der Untersuchung von Schreibprozessen etwas weit hergeholt erscheinen, dennoch ist durch das erkennbare Sinken bestimmter Hemmschwellen, wie z.B. beim Veröffentlichen von privaten Texten, auch gewissermaßen eine neue Art der Textproduktion entstanden. Diese hängt stark mit dem medialisierten Leben zusammen: In Talkshows, Boulevardsendungen und Realityshows werden intime Angelegenheiten über das Medium des Fernsehers bis an die Grenzen des guten Geschmacks zur Schau gestellt. Dieses Phänomen überträgt sich auf Printmedien. Damit ist nicht nur die Klatschpresse gemeint, sondern auch die Tatsache, dass eine stetig wachsende Anzahl an Menschen sich offenbar berufen fühlt, ihr Privatleben mit dem Rest der Nation zu teilen, oder einfach ihre Meinung kund zu tun. Je größer der Bekanntheitsgrad eines solchen - teilweise selbsternannten - Autoren, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass das Buch ein Kassenschlager wird. Polarisiert eine öffentliche Person in besonderem Maße, neigen die Verkaufszahlen ebenfalls zum Anstieg. Ferner ist die Werbetrommel zu beobachten, die mittlerweile gerührt werden muss, vermeintlich, um das Interesse des Publikums zu erwecken. Prominente Beispiele der letzten Wochen sind Eva Herman und Günter Grass. Herr Grass soll an dieser Stelle nicht mit der ehemaligen Tagesschausprecherin verglichen werden; beide haben lediglich aktuell Bücher veröffentlicht und dabei in bemerkenswerter Weise auf sich aufmerksam gemacht. Sie bekannten sich öffentlich zu höchst kontroversen Ansichten und/oder Vorkommnissen. Günter Grass mag man in letzter Konsequenz nicht unterstellen, dass sein Bekenntnis aus PR-Gründen erfolgte. Eva Hermans Auffassungen hingegen sind bzw. waren prädestiniert um zu provozieren; der Wirbel um ihr Buch ist die perfekte Werbung. Es scheint, als ob so manche Autoren dieser Tage eigentlich nicht mehr viel zu sagen haben, zumindest in einigen der neu erschienenen Werke. Um dennoch den Eindruck zu wahren, aus einem gewichtigen Motiv heraus geschrieben zu haben, muss offenbar manchmal die Seriosität weichen. Wirft man dieser Tage einen Blick auf die Bestsellerlisten, so muss man feststellen, dass der Erfolg von scheinbar
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Belächeltem letztlich Rückschlüsse auf die Einstellung der Mehrheit zulässt. Das Verblüffende an zweifelhaften Verkaufsschlagern, wie Biographien von Dieter Bohlen, ist weniger das mutmaßliche Geschick des Autors, sondern schlicht die Reihe derer, die das Buch in ihr Regal stellen. Es geht beim Verfassen von Texten letzten Endes primär um den Empfänger. Selbstverständlich muss bei alldem auch das private Schreiben berücksichtigt werden, wie z.B. ein Tagebucheintrag oder ein Gedicht, das keine andere Person lesen soll. Beim Verfassen ebensolcher Texte braucht der Autor auf niemanden Rücksicht zu nehmen, denn er muss keine Erwartungen erfüllen, außer den Eigenen. Individuelle Maßstäbe setzt sich ein jeder selbst. Ist aber ein Schriftstück für jemanden bestimmt - das kann ein Brief sein, oder aber eben auch eine schriftliche Arbeit, die in irgendeiner Form von einer Person bewertet wird - liegt es nahe, dass der Autor versucht, den Ansprüchen des jeweiligen Empfängers gerecht zu werden. Geht man nun davon aus, dass ein Text nicht für einen bestimmten, einzelnen Empfänger gedacht ist, sondern für eine breite Leserschaft, so liegt darin die Möglichkeit für den Verfasser, sich frei zu entfalten und dadurch möglicherweise eine persönlich wertvolle Resonanz zu erzielen. Das Schreiben eines Eintrags für Wikipedia ist quasi kennzeichnend für das 21. Jahrhundert. Letztendlich hat dies auch mit der Globalisierung zu tun; Wissen bzw. geschriebenes Wissen wird online ausgetauscht. Für das Thema der modernen Schreibprozesse ist dieses Phänomen von Bedeutung. Mit Textproduktionen wird teilweise ein regelrechter Handel betrieben; man denke nur an einschlägige Seiten im Internet, auf denen Studenten ihre Hausarbeiten für einen geringen Unkostenbeitrag anbieten. Nicht nur für Studenten sind solche Tauschbörsen interessant; auch Schüler unterstützen sich gegenseitig mit Referaten oder Aufsätzen, die sie im Internet veröffentlichen. Zum wiederholten Mal ist auch hier vermutlich Bequemlichkeit eine Ursache. Schreiben kann anstrengend und lästig sein. Umso praktischer ist es für den ein oder anderen, einfach die Arbeit eines anderen als die Eigene zu verkaufen. Doch Lehrer und Dozenten kommen den Plagiatoren immer öfter auf die Schliche; es drohen mittlerweile recht harte Sanktionen, wie die Exmatrikulierung. Das Schreiben, besonders das
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kreative, muss, gerade wenn es benotet wird, aus freien Stücken geschehen, d.h. es muss eine persönliche Arbeit sein. Ein individueller Schreibstil entwickelt sich durch Praxis. Die Frage ist, ob dieser Stil durch elektronische Medien beeinflusst wird. Vermutlich kommt es darauf an, wie viel und vor allem was eine Person liest. Die Nachfrage nach Büchern und Zeitungen ist trotz des Internetangebots hoch. Bezieht jemand überwiegend Informationen aus Printmedien, oder liest jemand in seiner Freizeit viele Bücher, so ist deren Einfluss auf Ausdruck und Stil beim Schreiben sehr wahrscheinlich auch dann höher, wenn das Internet zusätzlich regelmäßig genutzt wird. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich der typische Internetbenutzer recht sprunghaft im Netz bewegt und Online-Texte möglicherweise weniger aufmerksam bzw. weniger genau liest. Zumindest wäre dies denkbar, zieht man in Betracht, dass man die Online-Zeitung nicht vor sich liegen hat und in aller Ruhe darin blättern kann. Am Bildschirm zu lesen wird häufig als weniger angenehm empfunden. Dies ist sicherlich auch ein Grund dafür, weshalb die Printmedien so bald nicht mangels Nachfrage aussterben werden. Daraus folgt also, dass der Leser mutmaßlich mehr durch Geschriebenes beeinflusst wird, das er tatsächlich in den Händen halten kann.
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5. Schlussbemerkungen
Wie sehr das 21. Jahrhundert der Globalisierung unterliegt, zeigt eine äußere Betrachtung der vorliegenden Abhandlung: Es finden sich dreißig Anglizismen. Auf diese wurde bewusst nicht verzichtet, da sie bei einer neutralen Auseinandersetzung mit den Normen der Gegenwart bedeutungsvoll sind. Für manche englischen Ausdrücke existieren keine kongenialen deutschen Übersetzungen; darüber hinaus trägt das beabsichtigte Verwenden von Anglizismen zur Authentizität bei der Beschäftigung mit dem Thema bei. Die vorherrschende Weltsprache ist Englisch und das Internet verbindet die Welt, vorwiegend in schriftlicher Form.
Im Arbeitsalltag und in vielen Öffentlichen Bereichen bleibt kaum etwas anderes übrig, als sich mit dem computergeneriertem Leben zu arrangieren. Es hat sich gezeigt, dass dies durchaus vorteilhaft sein kann. Die Nachteile kann jeder individuell für sich selbst abwägen. Im Privatleben bleibt es dem Menschen überlassen, in welchem Maße er sich den Verlockungen der neuen Medien hingibt. Die rasante Entwicklung und der Erfolg von computer- bzw. internetbasierten Textproduktionen beruht in vielen Fällen auf der Bequemlichkeit der Menschen.
Was die mentale Seite von Schreibprozessen angeht, so bleibt diese weitestgehend unangetastet von neuzeitlichen Entwicklungen. Nicht einmal die technisch versiertesten Hilfsmittel zur Erstellung von Texten können einem Schreiber die gedankliche Leistung der Textvorbereitung und Ausführung komplett abnehmen. Dadurch bleibt eine Niederschrift selbst in Zeiten der Massenmedien ein individuelles Werk. Sicherlich bieten die elektronischen Medien und Mittel zur Kommunikation Möglichkeiten, die das Leben, ob im Alltag oder beim Schreiben, leichter machen können. Zu einer Erhaltung von mittlerweile altmodisch gewordenen Bräuchen, wie Briefeschreiben, kann ein jeder selbst beitragen.
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A. Literaturverzeichnis
Monographien:
Blatt, Inge / Hartmann, Wilfried (Hg.): Schreibprozesse im medialen Wandel. Ein Studienbuch. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2004.
Perrin, Daniel / Ingrid Böttcher / Otto Kruse / Anne Wrobel (Hg.): Schreiben. Von intuitiven zu professionellen Schreibstrategien. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2002.
Zeitungsartikel:
Kohlenberg, Kerstin: Die anarchische Wiki-Welt. In: DIE ZEIT, Nr. 37 vom 7. September 2006, S. 17-19.
Stolz, Matthias: Wetter gut! Die Ansichtskarte stirbt aus. Ein Abschiedsgruß. In: DIE ZEIT, Nr. 37 vom 7. September 2006, S. 65.
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Arbeit zitieren:
Julia Ebsen, 2006, Schreibprozesse im 21. Jahrhundert , München, GRIN Verlag GmbH
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