Gliederung
1. Einleitung 1
2. Literatur im 17. Jahrhundert 2
2.1. 1600- 1627: Aufschwung der Poesie und des Romans Entwicklung des
Theaters 2
2.2. 1628- 1660: Richelieu und sein Einfluss auf die Literatur. 4
2.3. ab 1660: Ludwig XIV, Colbert und ihr Einfluss auf die Literatur 6
3. Die Schriftsteller. 7
3.1. Poesie. 15
3.1.1. François Malherbe. 15
3.1.2. Weniger bekannte Poeten 17
3.2. Roman 19
3.2.1. Charles Sorel 19
3.2.2. Weniger bekannte Romanschreiber. 20
3.3. Theater. 21
3.3.1. Jean Racine. 21
3.3.2. Molière 24
3.3.3. Weniger bekannte Theaterschreiber 27
4. Resümee 27
5. Literaturverzeichnis. 30
II
1. Einleitung
Diese Hausarbeit zum Thema ‚Schriftsteller des 17. Jahrhunderts - ihr Leben und Wirken‘ entstand in Zusammenhang mit dem Seminar ‚Histoire culturelle de la France (III): le XVII e siècle‘. Sie zeigt Lebensumstände und -bedingungen von Schriftstellern, die in diesem Zeitraum gelebt und gewirkt haben, auf und verdeutlicht sie an Hand der Biografien ausgewählter Autoren unterschiedlicher Gattungen.
Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte: 1. Kapitel 2 handelt von der Literatur des 17. Jahrhunderts. Es wird unter Bezugnahme auf historische Geschehnisse, die Entwicklung der Literatur im Allgemeinen sowie einzelner Gattungen im Speziellen erläutert. 2. Ein Kapitel über die Schriftsteller dieser Epoche, in dem bekannte und weniger bekannte Autoren beleuchtet werden, und zwar in Bezug auf deren gesellschaftliche Herkunft und deren Werdegang, folgt im Anschluss (Kapitel 3). Der Fokus soll im ersten Abschnitt nicht auf individuellen Biografien liegen, sondern auf einer allgemeinen Abhandlung, die einen Überblick über das Bedingungsfeld eines sozialen Aufstiegs von Schriftstellern geben soll.
Diesem Kapitel untergeordnet ist der Punkt 3.1. zur Poesie des 17. Jahrhunderts, zu der ich als bekannten Verfasser François Malherbe (Punkt 3.1.1.) sowie zwei weniger bekannte (Punkt 3.1.2.) ausgewählt habe.
In Bezug auf den Roman steht Charles Sorel als Beispiel für den bekannten Autor (Punkt 3.2.1.). Des Weiteren wird das Leben eines unbekannten Schriftstellers dieser Gattung beleuchtet (Punkt 3.2.2.).
Gleiches gilt für den Abschnitt 3.3., in dem das ‚Theater‘ thematisiert wird. Hier dienen zwei bekannte Autoren als Beispiel, nämlich Racine (Punkt 3.3.1.) und Molière (Punkt 3.3.2.). In 3.3.3. werden unbekannte Theaterschreiber aufgegriffen. 3. Der Schlussteil (Kapitel 4) beschäftigt sich mit einem Resümee der vorgefundenen Informationen.
1
2. Literatur im 17. Jahrhundert
Zur besseren Übersicht habe ich den folgenden Teil in drei Abschnitte gegliedert 1 : 1600 - 1627: Aufschwung der Poesie und des Romans; Entwicklung des Theaters
1628 - 1660: Richelieu und sein Einfluss auf die Literatur
ab 1660: Ludwig XIV, Colbert und ihr Einfluss auf die Literatur
2.1. 1600 - 1627: Aufschwung der Poesie und des Romans; Entwicklung des Theaters
In dieser Zeitspanne war ein Aufschwung der Poesie zu verzeichnen, bedingt durch den Frieden von Vervins 2 . Die vormals durch Krieg und innere Unruhen unterdrückte Dichtung blühte nun auf. Dennoch gab es zu Beginn des 17. Jahrhunderts, so berichtet Adam (vgl. Adam 1948: 4 ff.) lediglich drei herausragende Poeten, nämlich Philippe Desportes, Jean Bertaud und Jacques Davy Du Perron. Diese aber «[...] ne doivent leur situation de fortune qu‘aux charges civiles et ecclésiastiques qu’ils ont su obtenir.» (ebda: 24). Adam stellt fest, dass «[...] les poètes vivent dans des conditions misérables s’ils ne sont que poètes.» (ebda: 24). Diese Aussage verdeutlicht also, dass Dichter einer Nebenbeschäftigung nachgehen mussten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Ihre Werke wurden nicht angemessen entlohnt, es sei denn sie stellten ihre Künste dem König zur Verfügung: Pour gagner leur vie, les écrivains n’avaient d‘autre ressource que de mettre leur plume au
service d’un grand seigneur. Ils composaient des vers pour lui dans les ballets de la Cour, ils
célébraient en vers ses exploits guerriers, ils répondaient aux libelles qui l’avaient diffamé.
(ebda: 25 f.)
So erklärt sich auch die Vielseitigkeit der Künstler: Sie versuchten sich nicht nur an Versen, sondern auch an Romanen oder Theaterstücken, um ein möglichst großes Spektrum an Werken anbieten zu können.
1 Diese Gliederung entspricht der Adams (Adam 1948 und 1952); auf den ich mich im Folgenden
beziehen werde. Sie stimmt nicht mit den politischen Geschehnissen in Frankreich, d. h. den
Machtwechseln, überein, sondern markiert lediglich in groben Zügen den Einfluss verschiedener
Persönlichkeiten auf die Entwicklung der Literatur. Die Datenangaben dienen nur zur Absteckung der
jeweiligen Perioden, in denen sich die Entwicklung der Literatur verändert hat.
2 Der Friedensschluss von Vervins (2. Mai 1598) ist das Resultat der ‚Erschöpfung‘ von Frankreich
und Spanien im achten Religionskrieg.
2
Die hohe Zahl an Romanveröffentlichungen bezeugt, dass auch diesem Genre ein Aufschwung zuteil kam. In den Jahren 1600 bis 1610 wurden mehr als 60 neue Romane veröffentlicht, wohingegen in den letzten zehn Jahren des 16. Jahrhunderts lediglich 32 an die Öffentlichkeit gelangten (vgl. ebda: 101). Man unterscheidet zu dieser Zeit drei verschiedene Arten des Romans: Es ist zunächst der sentimentale Roman zu nennen, der in kurzen Anekdoten eine Liebesgeschichte präsentiert. Vertreter dieser Art von Roman waren beispielsweise Honoré d’Urfé, Antoine de Nervèze, Escuteaux und Vital d’Audiguier. Einige Verfasser von Schäferliedern, sogenannten Pastoralromanen, sind Nicolas de Montreux, Antoine Favre oder auch Honoré d’Urfé.
Satirische bzw. komische Romane, die grausame oder kritische Interpretationen des Alltags bieten, wurden unter anderem von Barclay oder Viau de Théophile geschrieben.
Das Theater entwickelte sich ab 1600 zunächst auf dem Land. Dort amüsierten Amateure ihr Publikum (vgl. ebda: 165). In der Stadt blieben Theateraufführungen nur auf wenige Orte beschränkt, so zum Beispiel auf das Hôtel de Bourgogne 3 , einem Theater in Paris, das von einer Gesellschaft von Eigentümern der Bourgeoisie verwaltet wurde. Letztere, die in Paris eine Monopolstellung innehatten, beuteten die Schauspieltruppen, die dort ihr Können präsentieren wollten, finanziell aus. Aus diesem Grund gab es viele Reiseschauspieler, «[...] les troupes ambulantes[...]» (ebda: 166), die in der Stadt und auf dem Land spielten. Unter ihnen kristallisierte sich eine besondere Gruppe heraus, die der Comédiens français ordinaires du Roi. Diese etwa 1592 gegründete Truppe erfreute sich großer Popularität, da sie nur einen kleinen Eintritt von 5 bis 10 Sous 4 nahm und stets in engem Kontakt zum Publikum stand (vgl. ebda: 173): «Elle est en effet populaire à l’extrême, et reste au niveau du bon peuple de Paris.» (ebda: 175). Doch nicht nur dort machte sich die Gruppe einen Namen. Bevor sie den Saal des Hôtel de Bourgogne für längere Zeiträume anmieteten, reisten die Schauspieler durch Frankreich und auch ins benachbarte Ausland. Schließlich spielten sie auch vor dem französischen König, daher auch der Name ihrer Truppe.
3 Am 30. August 1548 wurde das Grundstück des Hôtel de Bourgogne an der Ecke der Rue
Mauconseil und der Rue Neuve Saint- François in Paris von einer finanzkräftigen Gruppe des
Bürgertums erworben. Es diente fortan als Mietsaal für Schauspielgruppen, die Beträge von bis zu
2400 Pfund pro Jahr bezahlen mussten, um dort auftreten zu dürfen.
4 Sou = „[...] Le vingtième du franc [...]“ (Petit Robert: 2117)
3
Dennoch lebten die Mitglieder in «[...] conditions lamentables [...] leur titre de Comédiens du roi ne leur apporta aucun avantage réel.» (ebda: 178). Die Gründe dafür waren zahlreich: In der Stadt wurden sie vom Hôtel de Bourgogne finanziell ausgebeutet, zudem wollten viele Zuschauer nicht bezahlen („À Paris, l’aristocratie les boudait.“ (ebda: 178)). Auf dem Land stellten die Ortschaften Tarife, die die Truppe finanziell ruinierten. Dennoch machten sich Schauspieler und Theaterschreiber wie Turlupin, Gros - Guillaume oder Gaultier - Garguille einen Namen mit ihrer Mitgliedschaft bei den Comédiens du Roi. Außerdem gab es auch Tragödien («‘Où il y a effusion de sang, mort, et marque de grandeur, c’est vraie matière tragique.‘» (Billard zitiert nach Adam 1948: 182)) die von Schriftstellern wie Pierre Matthieu, Laudun d’Aigaliers, Chrestien des Croix, Nicolas de Montreux oder Claude Billard geschrieben wurden. Tragi - komödien, charakterisiert durch «[...] un sujet romanesque et sentimental, une fin heureuse, le mélange de tragique et du familier.» (ebda: 184), waren erst am Beginn ihrer Glanzzeit. Ein berühmter Verfasser zu dieser Zeit war Robert Garnier. Pastorale von den Schriftstellern Nicolas de Montreux oder Jacques de Fonteny, wo «[...] s’encombra pourtant d’épisodes romanesques, de péripéties mélodramatiques, de travertissements, et de reconnaissances» (ebda: 186) waren hingegen gang und gäbe.
2.2. 1628 - 1660: Richelieu und sein Einfluss auf die Literatur
Richelieu war ein Liebhaber der Literatur. «Il aimait les belles - lettres, et respectait les écrivains. [...]. Il s’intéressait aux œuvres de la façon la plus directe et la plus minitueuse.» (Adam 1948: 213). Er schrieb auch selbst einige Stücke und setzte sich sehr für den Bau eines Theaters am königlichen Hof 5 ein. Er stellte außerdem für die Schriftsteller die Verbindung zum königlichen Hof und somit zu einem Leben ohne finanzielle Nöte dar. Doch diese Tatsache nutzte er auch zu seinem Gunsten aus: [...] il a consideré les écrivains comme les propagandistes de sa politique, et [qu‘] il a
prétendu les discipliner et les obliger à servir, comme il avait discipliné les autres forces du
Royaume.
(ebda: 214).
5
Dieses Theater sollte «[...] la plus belle salle de Paris [...]» (Adam 1948: 468) werden.
4
Richelieu setzte sich auch für die Gründung der Académie Française im Jahre 1634 ein, deren Hauptziel es war «‘[...] de tirer du nombre des langues barbares cette langue que nous parlons, et que tous nos voisins parleroient bientost si nos conquestes continoient encore comme elles avoient commencé‘» 6 (ebda: 227). Die dadurch zu erreichende reine Sprache wurde auch in den zahlreichen höfischbürgerlichen Salons in Paris gepflegt. In jenen gesellschaftlichen und politischen Zirkeln trafen sich Schriftsteller, Philosophen und andere Gelehrte zum Gedankenaustausch 7 .
Die Poesie stand in dieser Zeitspanne noch immer in einer Misere, man sagte den Poeten nach, sie seien arm. «Mais on fait fête au poète de la nouvelle génération; au poète du cour, et plus encore au poète du salon.» (ebda: 332). Mainard, Racan, Boisrobert, Guillaume Colletet oder Claude Malleville sind nur einige dieser Schriftsteller, die sich in den literarischen Zirkeln aufhielten. Doch Adam merkt an, dass «Toute cette génération croit que le vers est supérieur à la prose» (ebda: 332). Jedoch solle man daraus nicht schließen, so Adam weiter, dass sich die Gattung Roman in dieser Zeitspanne nicht «[...] sous l’action des goûts et des conditions du temps.» (ebda: 397) umwandelte. Im Gegenteil, es entwickelten sich neue Formen, wie der Ritterroman von Du Verdier, der epische Roman, der Abenteuerroman von Charles Sorel sowie dessen Roman über den modernen Lebenswandel und auch die Novelle, verfasst z.B. von Jean - Pierre Camus.
Im Bereich des Theaters machten sich Pierre Corneille, Jean Rotrou, Claude de L’Estoille und Guillaume Colletet einen Namen durch ihre Tragi - komödien. Sie begeisterten ein
[...] public cultive, sensible, capable de goûter les sentiments raffinés de vibrer aux élans de
l’héroïsme chevaleresque. Un public jeune, moderne, que peut - être savait moins de latin que
la génération précédente, mais qui n’avait pas moins ses exigences d’art.
(ebda: 426)
6 So lautete die in Frühneufranzösisch verfasste Forderung der Académie Française.
7 „Die Renaissance ist die Wiege des Salons. Mit dem Eintreten dieser wichtigen Kulturerscheinung in
den Gang der Geschichte beginnt ein völlig neuer, von der vergangenen Epoche unterschiedlicher
Geist gesellschaftlicher Bildung sich zu entfalten.“ (Tornius 1925: 9). Der erste tatsächliche
literarische Salon, das Hôtel de Rambouillet, entstand 1610 unter Leitung von Mme de
Rambouillet.Geist gesellschaftlicher Bildung sich zu entfalten.“ (Tornius 1925: 9). Der erste
tatsächliche literarische Salon, das Hôtel de Rambouillet, entstand 1610 unter Leitung von Mme de
Rambouillet.
5
2.3. Ab 1660: Ludwig XIV, Colbert und ihr Einfluss auf die Literatur
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelangte das gesamte kulturelle Leben, welches bislang von religiösen Institutionen geprägt war, mehr und mehr unter den Einfluss des Staates (vgl. Sieburg 1995: 136 f.). «Louis XIV et son ministre croyaient sincèrement qu’ils allaient, par leur politique, développer en France un grand mouvement littéraire.» (Adam 1952: 12). Obwohl mit dem Amtseintritt Ludwigs XIV politisch gesehen eine neue Periode eröffnet wurde, erreichten deren Verdienste zur Förderung der Literatur nur ein geringes Ausmaß. Es war hier vor allem Colbert, « [...] [qui] voulait surtout mettre fin à une situation où les gens de lettres vivaient dans la clientèle des financiers.» (ebda: 9). Er setzte sich für Neuerungen an der Académie Française ein, die den Wert und die Wertschätzung der Literatur unter den Gelehrten fördern sollten. Des Weiteren befürwortete er die Gründung der Académie des Belles Lettres, die es sich zur Aufgabe machte, «[...] [d‘] examiner les ouvrages d’éloquence et de poésie.» (ebda: 16). Der Beginn der Regierungszeit Ludwig XIV war außerdem Anlass für zahlreiche Schriftsteller, ihr Können unter Beweis zu stellen, indem sie eine Begrüßung und Würdigung des neuen Königs in Oden verfassten. Auch dessen Heirat im Jahre 1660 war ein solcher Anlass. «[...] il inspira aux écrivains et aux artistes le goût de la puissance et la recherche du prestige.» (ebda: 7). Dies strebten die Künstler auch in den nachfolgenden Jahren an, obgleich Ludwigs XIV Politik nicht immer den Vorstellungen des Volkes entsprach 8 .
Jedoch verfassten die Schriftsteller eifrig ihre Werke, um die Gunst und Gnade des Königs zu erlangen. Außerdem war derjenige, der diesen Zustand erreicht hatte, finanziell abgesichert. So erging es beispielsweise Molière und Jean Racine, auf die ich im nachfolgenden dritten Teil meiner Arbeit detailliert eingehen werde. Der Vollständigkeit halber seien an dieser Stelle noch François Malherbe als Vertreter der Poesie sowie Charles Sorel als der des Romans in dieser Zeitspanne genannt, die ähnliche Aufstiege vollführten.
8 Es zeigt sich eine innerhalb des Volkes eine Auflehnung gegen das regime von Ludwig XIV.
«Chaqu’un ne parle que de misère» schreibt Adam (Adam 1948: 4) und spricht damit das Missfallen
des Volkes an den Mätressen des Königs («[...] la Cour de France devenait un harem [...]» (ebda: 5))
sowie an der Finanzpolitik (Reduktion der Renten, Unterdrückung einzelner Quartiers und
erzwungene Steuereinnahmen) an. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts schien die Wirtschaft des Staates
ruiniert (vgl. Sieburg 1995: 147) und die Bevölkerung stark dezimiert (auf Grund der
Hugenottenaustreibungen, harten Wintern und Kriegsgefallenen).
6
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Literatur im 17. Jahrhundert aufblühte. Nicht nur, dass dem „[...] Protest freierer Richtungen [...]“ (Schieder 1968: 154) stattgegeben wurde, es kam sogar zu dessen Steigerung, denn es entwickelte sich eine „[...] Lust am Exotischen [...]“ (Meyer 1990: 348). Man war der Literatur zugetan (es war beispielsweise eine Modeerscheinung am Hof, Contes de fées zu sammeln), und vor allem bot das Theater dem Bürgertum die Möglichkeit, in die Literatur einzutauchen.
3. Die Schriftsteller
Die folgende Darstellung will einen Überblick über die Zugehörigkeit zu einzelnen Gesellschaftsschichten spezifischer Schriftsteller des 17. Jahrhunderts geben. Die Auswahl der Letztgenannten orientiert sich an den Angaben Adams (1948 und 1952) und strebt keinesfalls Vollständigkeit an. Es wird lediglich ein möglichst umfassender Überblick über die Verfasser der verschiedenen Gattungen gegeben, sofern Angaben über Gesellschaftsschicht bzw. Beruf des Vaters in einschlägigen Literaturlexika aufzufinden waren. Die Auflistung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge.
7
Poesie
Gesellschaftsschicht und Beruf des Vaters (soweit auffindbar) 9
9 Alle Zitate in diesen Tabellen stammen aus Beaumarchais (1987), Bd. 1 bis 4. Die Angaben in Klammern bezeichnen die Seitenzahl und den dazugehörigen Band.
9
Es kristallisiert sich also heraus, dass die meisten der Schriftsteller einem bürgerlichen Milieu entstammten. Einige wurden sogar in Adelsfamilien eingeboren, was an ihrem Titel de deutlich wird. Diese Tatsache ermöglichte den meisten von ihnen eine berufliche Karriere als Schriftsteller, unter der Voraussetzung, dass sie das nötige Talent mitbrachten. Dass einige von ihnen es nicht zu landesweitem Ruhm brachten, beweisen die wenigen oder unvollständigen Einträge zu Biografie und Werken in den Literaturlexika. Die finanziellen Mittel zur Förderung einer derartigen Laufbahn durch fundierte Ausbildungen in berühmten Lehranstalten waren jeweils gegeben. Auch waren, wie es später am Beispiel Racines ersichtlich werden wird, verwandtschaftliche Beziehungen und Bekanntschaften im gehobenen Bürgertum oder im Adel, vor allem in der Hauptstadt Paris, von Nutzen, um ein renommierter Schriftsteller zu werden.
3.1. Poesie
Wie bereits in Kapitel 2 angesprochen wurde, lebten die Poeten des 17. Jahrhunderts in miserablen Zuständen, weil sie ihre Einkünfte hart erkämpfen mussten und das, was sie verdienten, nicht ausreichte, um ihren Lebenswandel zu finanzieren. Sie waren also stets auf anderweitige Verdienste oder aber die Gunst des Königs angewiesen (vgl. Adam 1948: 24 ff.). Wie es in Einzelfällen konkret aussah, möchte ich nun anhand der Biografien von Malherbe, Desportes und Mainard beleuchten.
3.1.1. François Malherbe
Malherbe wurde 1555 in Caen als Sohn von François de Malherbe, dem Gutsherren von Igny, geboren. In diesem großbürgerlichen Milieu wurde Erstgenannter von Hauslehrern unterrichtet. Es folgten Studienaufenthalte in Basel und in Heidelberg. Nach dieser fundierten Ausbildung ging François de Malherbe, so auch der Name des Sohnes, nach Paris, weil er entgegen dem Willen seines Vaters keine juristische Tätigkeit ausüben wollte.
Im darauffolgenden Jahr wurde er dort Sekretär des Prinzen Heinrich von Angoulême. Er folgte diesem für neun Jahre in die Provence und war dort Mitglied in einem kleinen literarischen Zirkel um den Prinzen. Hier übte Malherbe auch seine ersten Schreibversuche aus.
16
Durch die Heirat mit Madelaine de Carriolis, der Tochter eines provenzalischen Magistraten, vollzog Malherbe einen erneuten sozialen Aufstieg. Nach dem Mord an Heinrich von Angoulême im Jahre 1586 kehrte er in die Normandie zurück und wurde alsdann zum stellvertretenden Bürgermeister seiner Geburtsstadt Caen ernannt.
1587 sandte er dem König Heinrich III seine Ode Larmes de Saint - Pierre, woraufhin er eine Gratifikation von 500 Ecus 10 erhielt. Durch diesen Erfolg inspiriert, verfasste er zwei weitere Oden, die sein Bekannter Kardinal von Perron dem Hof vorstellte, allerdings ohne Erfolg. Malherbe widmete sich daraufhin nicht mehr dem eigenständigen Verfassen von Literatur, sondern der Übersetzung. 1605 entschloß sich Malherbe dennoch, sich endgültig in Paris niederzulassen, weil er der ‚Armut‘, einem Leben «[...] toute proche de la noire misère [...]» (Adam 1948: 25) entgehen wollte. Kardinal Perron sowie einige andere seiner damaligen Bekannten unterstützten ihn mit einer finanziellen Starthilfe, so dass er in der Hauptstadt Fuß fassen konnte. Du Perron war es auch, der Malherbe bei Heinrich IV als besten Poeten anpries und ihm somit eine Audienz verschaffte. Die Ode Prière pour le roy Henry le Grand allant en Limousin, ein Gedicht über die Reise des Königs aufs Land, imponierte Letzteren und Malherbe erhielt die Erlaubnis, fortan am königlichen Hof zu wirken:
Il obtient alors le titre d’écuyer du roi et entre au service du duc de Bellegarde, grand Ecuyer,
avec des gages et l’entretien d’un homme et d’un cheval.
(Guichemerre 1991: 8).
Nach Heinrichs Tod stellte auch Maria von Medici den Künstler Malherbe am Hof an. Er erhielt weiterhin sein Einkommen von 500 Ecus pro Jahr. Dies hatte er auch nötig, denn schließlich brauchte er das Geld, um seinen Sohn Marc - Antoine, der noch in der Provence lebte, finanziell zu unterstützen. Während seiner Zeit am königlichen Hof traf er auf große Persönlichkeiten, die ihn inspirierten, «[...] mais [il] reste prudemment à l’ecart des différends [sic!] politiques.» (ebda: 9). Doch nach 1615 stand es schlecht um Malherbe und die Poesie, bedingt durch mehrere Faktoren. Zunächst trübte der Konflikt zwischen Bellegarde und Concini das friedvolle Miteinander und als Maria von Medici nach Blois exiliert wurde, weil sie Concini ermorden ließ, war das innere Gleichgewicht des Staates gänzlich gestört. Das betraf auch Malherbes direkte Umgebung, war er doch finanziell an den
10 Ecu= «[...] pièce d’argent de trois livres.» (Petit Robert: 717)
17
königlichen Hof gebunden. Des Weiteren war Malherbe mit persönlichen Problemen behaftet. Er sorgte sich um seinen Sohn, der 1624 einen Gegner in einem Duell getötet hatte. Außerdem war er mit dem Kauf von Ländereien beschäftigt, so dass die Dichtung in den Hintergrund seiner Interessen trat. Das aber änderte sich im Jahr 1624:
Lorsque Richelieu prit en mains la direction des affaires, il salua ce pouvoir fort, ce retour à
l’ordre, où il mettait son idéal politique.
(Adam 1948: 27).
Er verfasste sogleich eine Ode als Lobpreis für Richelieu; es sollte seine letzte sein. Er blieb am Hof und verkehrte folglich in den höchsten Gesellschaftskreisen: Il frequentait assidûment la princessse de Condé 11 et les La Trénoille 12 . Il était des habitués de l’hôtel de Rambouillet et du salon de Mme des Loges, où il se rendait tous les deux jours.
(ebda: 27; Fußnoten von mir gesetzt).
Malherbe starb altersbedingt am 6. Oktober 1628 in Paris.
3.1.2. Weniger bekannte Poeten
Das Problem bei der Bearbeitung dieser Sektion ist die Tatsache, dass weniger bekannte Poeten in vielen, auch in den umfangreichen Chroniken nicht aufgeführt sind, weil sie nicht durch ihre Tätigkeit am königlichen Hof berühmt geworden sind. Sie führten vielmehr ein bescheidenes Dasein, was folgendes Zitat belegt:
Qu’ils appartiennent au cercle de la Reine Marguerite 13 , qu’ils se rassemblent dans les librairies
de la rue Saint - Jacques 14 , ou qu’ils aient leurs entrées au Louvre 15 , les poètes vivent dans des conditions misérables s’ils ne sont que poètes.
(Adam 1948: 24; Fußnoten von mir gesetzt)
Gleichsam wird hier herausgestellt, dass es selbst den Poeten des Königs nicht viel besser ging, mit der Ausnahme, dass diese Ruhm und Ehre durch ihr Schaffen erlangten. Sie waren aber finanziell vom König und dessen Wohlwollen abhängig, so
11 Die Prinzessin von Condé unterhielt enge Relationen zu Mme de Rambouillet, der Inhaberin des berühmten
Literatentreffs in Paris, und eröffnete ungefähr 1645 ihren eigenen literarischen Zirkel.
12 Zu dieser Familie finden sich keine weiteren Angaben. Es kann aber angenommen werden, dass sie von
gleicher Wichtigkeit und gesellschaftlicher Stellung war wie etwa die Prinzessin von Condé.
13 Literarischer Zirkel in Paris um Königin Marguerite
14 Zu damaligen Zeiten bekannte Bibliothek in Paris, in der man sich zur Weiterbildung und zum literarischen
Austausch einfand.
15 Gemeint sind hiermit die Poeten des Königs, eine Tätigkeit, wie wir sie beispielsweise bei Malherbe
vorfinden.
18
dass man keinesfalls von einem annehmbaren, ‚stabilen‘ Leben am königlichen Hof sprechen kann.
Einer der weniger bekannten Poeten Heinrichs III ist Philippe Desportes. Er wurde 1546 in Chartres „[...] dans une famille de bonne bourgeoisie aisée [...]“ (Beaumarchais 1987: 674; Bd. 1) geboren. Nach profunden Studien des Lateinischen, des Griechischen und des Hebräischen begab er sich nach Italien, wo er sein Werk Imitations de l’Arioste verfasste. Dieses brachte ihm bei seiner Rückkehr nach Frankreich die Gunst Heinrichs III ein. Im Jahr 1582 wurde er zu einem Geistlichen des Königs ernannt. Dass er stets «[...] le bien - aimé et favori poete» (Adam 1948: 4) war, beweisen sein umfangreiches Gehalt und sein Wohnsitz in Bonport, den Desportes vom König erhielt. Nachdem aber Heinrich IV an die Regierung kam, stieg Desportes gesellschaftlich ab und arbeitete nur noch an Übersetzungen. «[...] le succès est médiocre.» (Adam 1948: 4), denn «[...] c’est toute l’œuvre de Desportes qui est en train de vieillir. La mode de 1600 n’est plus celle des Valois 16 et de leur cour.» (ebda: 5; Fußnote von mir gesetzt).
Philippe Desportes starb im Jahre 1606 aus unbekannten Gründen.
Einen ähnlichen gesellschaftlichen Aufstieg schaffte François Mainard. Er wurde 1582 in einer toulouser
[...] famille parlementaire de rang moyen où un savoir solide était de tradition, et qui avait,
durant les guerres de Réligion, monté une loyauté indéfectible au pouvoir royal.
(Beaumarchais 1987: 1457; Bd. 3)
Diese gehobene soziale Stellung ermöglichte ihm ein Jurastudium und den Kontakt zur Königin Marguerite. Mainard strebte eine politische Karriere an, wurde 1612 erster Präsident von Aurillac. Seit der Gründung der Académie française war er ihr Mitglied. 1644 wurde er schließlich Staatsberater, was ihn automatisch in den Adelsstand erhob. Sein literarisches Talent entfaltete Mainard erst in diesen Jahren. Er traf sich regelmäßig mit Malherbe, wohnte sogar zeitweise bei ihm. So kam es, dass Letzterer ihn als «[...] l’homme de France qui sçavoit le mieux faire des vers» (Adam 1948: 50) bezeichnete. Mainard starb im Jahr 1646 altersbedingt.
16 Valois ist das Herrschergeschlecht von Heinrich IV, wohingegen Heinrich II Bourbone war.
19
Diesen beiden Schriftstellern ist gemein, dass beide in ein gutbürgerliches Milieu hineingeboren wurden. Die daraus resultierenden Kontakte mit zukünftigen Förderern ihres Talents sind somit bereits in die Wiege gelegt. Jedoch bringen es beide nicht zum großen Durchbruch, weil ihnen die Gunst des Herrschers nicht gewogen war. Desportes gelang zwar der Schritt in den königlichen Hof, aber nach dem Machtwechsel ging es sehr schnell bergab mit seiner Kariere. Mainard brachte es erst gar nicht so weit, er musste sein Geld mit seinen politischen Aktivitäten verdienen.
3.2. Roman
Es soll nun untersucht werden, wie Charles Sorel als Romanschriftsteller der soziale Aufstieg gelang. Anschließend wird das Leben von Honoré d’Urfé, einem weniger bekannten Romanschreiber, beleuchtet.
3.2.1. Charles Sorel
Beim Betrachten der Biografie Sorels fällt auf, dass sein Leben in vielen Bereichen nicht eindeutig nachvollziehbar ist. «Sa vie est obscure. Ses biographes n’en disent pas grand chose, et en savent moins qu’ils n’en disent.» (Adam 1948: 142). «[...] son existence fut délibérament discrète.» (Beaumarchais 1987: 2351; Bd. 4). Dennoch weiß man, dass er um 1600 in Paris im bürgerlichen Milieu, sein Vater war Verwalter, geboren wurde. Seine Eltern ermöglichten ihm die Ausbildung in einem Pariser Collège. Bereits im Alter von 16 Jahren verfasste er Epithalame zur Hochzeit Ludwig XIII. Außerdem widmete er im darauffolgenden Jahr ein Buch der Schwester des Königs. Seine Tätigkeit am königlichen Hof verdankte er aber nicht diesen Schreibversuchen, sondern vielmehr seinem Onkel, dessen Stellung als Historiographen des Königs er 1635 übernahm. Aber
Son travail ne l’enrichissait pas, sa pension d’historiographe cessa un jour d’être payée, les
libraires hésitaient à recevoir ses manuscrits.
(Adam 1948: 142)
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Somit war auch seine Karriere als Schriftsteller am Hof Schwankungen unterworfen. Dennoch war er bis zu seinem Tod im Jahr 1647 «[...] un grand seigneur très mêlé au mouvement littéraire [...]» (ebda: 145).
Auch hier wird wieder deutlich, dass der Aufstieg wiederum nur durch verwandtschaftliche Beziehungen und durch das finanzielle Polster seiner Familie, welches ihm eine solide Ausbildung ermöglichte, gelingen konnte. Dass auch seine Werke nicht immer auf der ‚Sonnenseite des Lebens‘ standen, beweisen seine literarischen Misserfolge in den letzten 40 Jahren seines Lebens, die der König nicht immer schätzte und ebenso wenig finanziell belohnte. So kam es, dass Sorel in diesen Jahren eher in Armut lebte, da er sein schriftstellerisches Können nicht zum Lebenserwerb nutzen konnte.
3.2.2. Weniger bekannte Romanschreiber
An dieser Stelle möchte ich ein Beispiel eines weniger bekannten Romanschreibers aufgreifen, das durch literarische Quellen zu erfassen war. Honoré d’Urfé wurde 1567 in Marseille geboren. «Tout le monde, dans cette famille, est, de naissance, philosophe et poète.» (Adam 1948: 109). Sein Großvater war zudem Diplomat und Botschafter in Italien, sein Vater Generalleutnant. C’est dans cette famille d’aristocrates, hommes de guerre et hommes d’Eglise, dans ce milieu
largement ouvert aux influences de la Renaissance Italienne, qu’Honoré d’Urfé a grandi.
(ebda: 110).
D’Urfé betrieb, finanziell durch seine Familie unterstützt, Studien am Collège von Tournon und schrieb bereits im Alter von 16 Jahren Verse. Nach seinem Militärdienst wurde er, auf Veranlassung seines Vaters, 1594 Generalleutnant im Regierungsbezirk von Forez. Nach zweimaliger Gefangenschaft zog er sich aber in die Savoie zurück und widmete sich dort der Schreiberei. Ab 1596 war er in dieser Hinsicht im Dienste des Hauses Savoie tätig. 1603 schaffte er einen weiteren Aufstieg und wurde Gentilhomme ordinaire du roi 17 . Zu diesem Zweck zog er nach Paris. Er war aber auch in ganz Frankreich sowie in Italien unterwegs und sammelte so vielseitige Erfahrungen, die er in seinen literarischen Werken verarbeitete. «Il est
17 Diese Bezeichnung impliziert, dass D’Urfé in den Adelsstand erhoben wurde. Damit erlangte er automatisch
die Rechte jenes Standes.
21
un familier du Louvre, et Mlle de Gournay 18 dira qu’il fut ‚longtemps fort visible auprès de nos roys‘.» (ebda: 113 f.; Fußnote von mir gesetzt). Honoré d’Urfé starb aus unbekannten Gründen 1625 in Paris.
3.3. Theater
Wie auch in den beiden anderen Gattungen war auch hier eine Verbindung zum König sinnvoll, wollte man seine Existenz absichern. Dies ist auch der Fall bei den von mir ausgewählten Vertretern dieser Gattung: Jean Racine (Punkt 3.3.1.) und Molière (Punkt 3.3.2.). Ich habe ihre Karriere als ‚typisch‘ für das 17. Jahrhundert klassifiziert, weil sie beide einen ähnlichen sozialen Aufstieg vollzogen haben. Beide Schriftsteller sind in eine gutbürgerliche Familie eingeboren, was ihnen die Voraussetzungen zu einer solchen Karriere gab. Weiterhin haben beide das selbe Ziel erreicht, nämlich unter einem König zu arbeiten. Ähnlich erging es Raimond Poisson, auf den ich in 3.3.3. zu sprechen komme, wobei jener aber lediglich zu geringerem Ruhm gelangte, was sich in der Unbekanntheit seiner Person widerspiegelt 19 .
3.3.1. Jean Racine
Jean Racine wurde 1639 in La Ferté - Milon in eine Familie des ländlichen Bürgertums geboren. Sein Vater war Prokurator des Amtsbezirks von La Ferté -Milon, seine Mutter Tochter des Präsidenten des Salzvorrats. Seine Eltern verstarben jedoch früh, so dass Racine nicht von ihren gesellschaftlichen Stellungen profitieren konnte. Der junge Racine wurde 1643 von den Großeltern väterlicherseits aufgenommen. Als sein Großvater jedoch im Jahr 1649 starb, begab sich die nun alleinerziehende Großmutter Racines mit ihm ins jansenistische Kloster Port - Royal. Da seine Familie mit der port - royalistischen Institution stets eng verbunden war, erhielt Racine die Ausbildung im Kloster kostenlos. Unter der Leitung von Meistern und Jüngern absolvierte Racine eine fundierte Ausbildung, die durch einen zweijährigen Aufenthalt zum Zweck von Latein - und Griechischstudien am
18 Mlle de Gournay ist eine der ‚Gastgeberinnen‘, die in ihrem Anwesen periodische Treffen von Schriftstellern
organisierte.
19 Ich beziehe mich hier auf Adam (1948), der Poisson nur am Rande erwähnt. Ebenso ist Selbiger nicht im
Dictionnaire des littératures de langue française verzeichnet.
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ebenfalls jansenistisch geprägten Collège von Beauvais ergänzt wurde. Seine ersten Schreibversuche im Kloster waren folglich religiös orientiert (z.B. Odes de Port -Royal). Doch Racine unterhielt auch Kontakte zum Weltlichen, und zwar durch den Briefkontakt mit seinem Onkel in Paris, welcher als Verwalter beim Herzog von Luynes tätig war. So kam es, dass es Racine nach seiner Ausbildung im Kloster nach Paris verschlug, wo er das Studium der Philosophie am Collège von Harcourt aufnahm. Finanziell wurde er von seinem Onkel unterstützt, bei dem er auch wohnte. Sein erster Kontakt mit der Gesellschaft und mit dem Großstadtleben brachte Racines Interesse für Literatur und Theater hervor. Er ging regelmäßig ins Theater und suchte dort Kontakte zu Schauspielerinnen. Racines Onkel schaffte ihm die Basis für den Eintritt ins literarische und aristokratische Milieu, zu denen er enge Beziehungen pflegte. Dennoch blieb er zunächst ein «[...] provincial sans fortune» (Couprie 1995: 4).
Eine Wende kündigte sich aber alsbald an. Zur Hochzeitsfeier Ludwig XIV 1660 schrieb Racine La Nymphe et la Seine und versuchte damit, die Aufmerksamkeit des Königs auf sein dichterisches Talent zu lenken. Sein Versuch, in die Öffentlichkeit zu treten, gelang, er erhielt eine Gratifikation von 100 louis 20 . Trotzdem blieb er zunächst ein «[...] inconnu sans métier ni ressources» (ebda: 4). 1661 versprach ein Angebot eines Onkel mütterlicherseits aussichtsreich und finanziell rentabel zu sein. Dieser bot Racine einen geistlichen Beruf in seiner Gemeinde Uzès an. Racine hoffte, durch jenen in den Besitz einer Pfründe zu kommen. Aber er wurde enttäuscht, denn die Tätigkeit entsprach nicht seinen Vorstellungen und seine finanziellen Erwartungen erfüllten sich nicht. Außerdem fühlte sich Racine in der Provinz einsam, er sehnte sich nach dem Leben in Paris. Nach nur zwei Jahren kehrte Racine wieder in die Hauptstadt zurück, um dort sein Glück als Schriftsteller erneut zu wagen.
Racine wohnte in der folgenden Zeit bei Nicolas Vitart, einem Pariser Schriftsteller, den er durch seinen Onkel kennengelernt hatte. In mehreren Oden (z.B. Sur la Convalescence du Roi oder La Renommé aux Muses) pries er Ludwig XIV und Colbert, seinen Mäzen, von dem Racines Schicksal weitgehend abhängig war, denn er war der Förderer von Künstlern und Gelehrten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Der König schenkte dem jungen Talent Beachtung und Racine erhielt eine Gratifikation. Außerdem erregte er die Aufmerksamkeit von Chapelain, einem
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Hofdichter Ludwigs XIV, der ihn alsdann auf die Liste der königlichen Gehälter setzte. Dieses Vorgehen sicherte Racine finanziell ab. Am königlichen Hof traf Racine auf Molière, der ihn förderte und unterstützte. So kam es, dass „[...] der Glanz der Gesellschaft und des Hofes, dieser ganzen Scheinwelt, [hat] ihn im tiefsten gepackt und mit magischer Kraft angezogen [hat], so daß die rührenden ernsten Mahnworte der Schwester Agnès 21 ungehört von ihm bleiben.“ (Adler 1915: 36; Fußnote von mir gesetzt).
Es kam zum Bruch mit Port - Royal, Racine bekannte sich öffentlich zum Weltlichen, was sein Ansehen am königlichen Hof steigerte. Diese Abwendung vom Jansenismus manifestierte sich auch in der Unterstützung von Nicole, einem seiner Meister, der die Lettres sur l’héresie imaginaire verfasste. Darin bezeichnete Letzerer die Vertreter des Jansenismus als «empoissonneurs publics, non des corps, mais des âmes des fidèles» (Morel 1992: 13). Racines Gratifikation stieg in der Folge von Jahr zu Jahr. Er war nun ein «écrivain reputé» (Couprie 1995: 5), ein «auteur reconnu par les institutions officielles» (ebda: 5). Im Jahr 1670 betrug seine Jahresgratifikation 1500 Pfund.
1672 wurde Racine Mitglied in der Académie Française, was wiederum seinen sozialen Aufstieg verdeutlicht, denn aufgenommen wurde nur derjenige, der angesehener Adliger oder Gutbürgerlicher war.
Das Jahr 1677 war für Racine von drei Ereignissen geprägt. Zunächst hatte Racine seinen ersten Misserfolg mit einem seiner Stücke zu verzeichnen, nämlich mit Phèdre. Es existierte ein thematisch ähnliches Stück von Pradon mit dem Titel Phèdre et Hippolyte. Dieses konkurrierte mit der Version Racines. Doch durch die Gunst des Königs wurde Erstgenanntes fallengelassen zugunsten von Racines Stück, mit dem er dann einen großen Triumpf feierte.
Das zweite Ereignis in diesem Jahr war Racines Heirat mit Cathérine de Romanet, einer Verwandten von Nicolas Vitart. Es war eine Vernunft - und Interessenheirat, denn sie gehörte einer «famille ancienne, anoblie par diverses charges royales» (Morel 1992: 24) an.
Drittens wurde Racine zusammen mit Boileau zum Historiographen des Königs ernannt, d. h. ihre Aufgabe ist das Verfassen von zeitgenössischer Literatur für den König und den Hof. Diese Aufgabe bedeutete für Racine den Aufstieg vom
20 „Ancienne monnaie d’or, frappée à l’effigie du Roi de France (valeur 10 livres, puis 24)“ (Petit Robert 1995:
1306)
21 Schwester Agnès war eine der Ordensschwestern in Port - Royal.
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Schriftsteller fürs Volk «peu estimable» (Couprie 1995: 6) zu einer offiziellen Persönlichkeit. Beide Schriftsteller erhielten eine Gratifikation von 6000 Pfund jährlich. Racine wurde zudem die Funktion des Poeten der höfischen Feste zugeschrieben, d. h. er schrieb unter anderem auch Texte für Opern, die an solchen Festlichkeiten aufgeführt wurden.
Auch die Veröffentlichung der beiden religiös geprägten Werke Esther und Athalie konnten sein gutes Verhältnis zum König nicht trüben. Sie fanden sogar Anklang beim König und er ernannte Racine zum Gentilhomme ordinaire du roi. Daneben erhielt er erhebliche Gefälligkeiten, so zum Beispiel eine Gratifikation von 4000 Pfund (das Doppelte von dem, was Boileau bekam) oder ein Appartment in Versailes.
Racine starb am 21. April 1699. Dazu führt Morel an, dass Racine
[...] en pleine gloire [starb], avec une réputation si haute que ni ses imprudences passées, ni son
attachement ostensible, à la fin de sa vie, à l’idéal port - royaliste n’ont pu l’entamer.
(Morel 1992: 30).
3.3.2. Molière
Jean - Baptiste Poquelin, der sich später mit dem Künstlernamen Molière bezeichnete, wurde im Januar 1622 in Paris geboren. Seine Eltern entstammten einem gutbürgerlichen Milieu, sein Vater Jean Poquelin übte den Beruf des Tappissier du roi aus, der seit Generationen in dieser Familie Tradition war. Cette fonction donne le privilège de faire le lit du roi au pied, le valet de chambre se
chargeant la tête! Et même si elle n’anoblit pas et que ses gages sont modestes, elle honore et
classe son homme, et de plus, attire les clients comme, depuis longtemps, les commerçants
britanniques tirent honneur et profit de pouvoir s’afficher comme fournisseurs de Sa Majesté!
(Cornud - Peyron 1994: 11)
In dieser finanziell abgesicherten, hochangesehenen Familie wuch Jean - Baptiste Poquelin auf. Sein kulturell interessierter Großvater nahm den Jungen ab dessen 10. Lebensjahr einmal pro Woche mit ins Theater Hôtel de Bourgogne. Auf diese Weise gewann der ‚zukünftige Molière‘ mehr und mehr Einblick in die Welt des Theaters und der Theaterdichtung. Seine Schulbildung war ebenfalls von kultureller Gepflogenheit gekennzeichnet, denn er wurde von den Meistern des Collège von
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Clermont unterrichtet. Jene Bildungsanstalt war eine der «[...] plus célèbres du temps» (ebda: 13). Molière traf dort auf Kinder des Großbürgertums, die ebenfalls zu späterem Ruhm gelangen sollten (hier wären zum Beispiel Cyrano de Bergerac, François Bernier oder Scarron zu nennen), und er entdeckte, inspiriert von Schulaufführungen, seine Liebe zum Theater. Sein fortan bestehender Entschluss, Komödiant zu werden, reifte in dieser Zeit.
Doch ergriff Poquelin zunächst einen ‚seriösen‘ Beruf und folgte, nach seinem abgebrochenen Jurastudium, dem Wunsch seines Vaters, die Familientradition aufrecht zu erhalten. Als Tapissier du roi begleitete er jenen nach Narbonne. Doch sein ursprüngliches Vorhaben vergaß Molière nicht, obgleich «Au milieu du XVIIe siècle, une telle décision est stupéfiante et scandaleuse; [...] les acteurs sont voués à la damnation et les spectateurs à l’antichambre de la gèhenne.» (ebda: 18). Trotz seines waghalsigen Vorhabens bekam der angehende Schauspieler Jean - Baptiste Poquelin 635 Pfund ‚Startgeld‘ von seinem Vater. Damit kreierte er 1643 zusammen mit Madelaine Béjart, einer Schauspielerin, mit der Poquelin liiert war, das Illustre Théâtre in Paris. Gleichsam bildete sich Poquelin in dieser Hinsicht aus, d. h. in Bezug auf seine Tätigkeit als Schauspieler, Kassenprüfer, Direktor, etc. «L’Illustre Théâtre a définitivement échoué.» (Montgrédien 1972: 12), weil die finanziellen Schwierigkeiten des Theaters zu groß wurden: Es mussten Renovierungsarbeiten durchgeführt werden, die angeheuerten Schauspieler verlangten hohe Gagen, außerdem war es schwierig, als bisher Unbekannter in diesem Milieu Fuß zu fassen, da die Konkurrenz zudem sehr hoch war. So kam es, dass Poquelin sogar ins Gefängnis musste, weil er Rechnungen nicht bezahlen konnte. Er kam gegen eine Kaution frei, die, aus Mangel an finanziellen Mitteln, nicht seine Freundin Béjart entrichtete, sondern Bekannte Poquelins. Fortan führte er eine «[...] existence nomade» (Cornud - Peyron 1994: 21) als Wanderschauspieler, der durch das Land reiste. «La vie de tournées est fatigante, hasardeuse, voire dangereuse» (ebda: 24), denn kalte Winter, heiße Sommer, Angriffe von Banditen, die Konkurrenz zu anderen Wanderschauspielern und auch Epidemien machten das Leben Poquelins nicht immer angenehm und einfach. Doch die Begegnung mit einer italienischen Schauspielerin, die er auf seinen Reisen traf, brachte eine entscheidende Wendung in Poquelins Leben. Sie lehrte der Truppe Elemente der italienischen Commedia del arte, woraufhin Poquelin einige Stücke (z.B. 1656 L’Etourdi oder Dépit amoureux) kreierte. Er nannte sich ab ungefähr
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diesem Zeitpunkt Molière. Er wurde «auteur - acteur célèbre» (ebda: 26), denn er war der erste «farceur de France» (ebda: 26). So kam es, dass er 1661 die Gelegenheit erhielt, im Louvre vor dem König vorzuspielen, woraufhin Molière wie auch seine Truppe eine Gratifikation von 1500 Pfund erhielt ( vgl. Montgrédien 1972: 128). Sie präsentierten eine Tragödie und im Anschluss daran eine Farce und «[...] le roi veut bien rire aux éclats, c’est un triomphe» (Cornud - Peyron 1994: 27). Die Truppe durfte fortan im Théâtre du Petit Bourbon spielen. Sie logierte im Gästehaus Quai de l’Ecole, bis sie in einem großen Haus, gemietet von der Mutter von Madelaine Béjart, unterkamen. Zudem erhielten sie vom König ein Gehalt von 6000 Pfund pro Jahr.
Im Jahr 1660 kam es zu einer gewaltsamen Zerstörung des Theaters. Dies war für Molière die Chance, die Treue des Königs zu seinen Schriftstellern und Schauspielern am Hof zu beweisen. In der Folge bekamen Molière und seine Truppe ein neues Theater. Mit seinen befriedigenden Einnahmen unterstützte Molière seinen Vater und den Rest seiner Familie. Letzterer stand nach der Auseinandersetzung um Molières Nachfolge als Tappissier wieder in gutem Verhältnis zu seinem Sohn, da sich dessen Idee, Schauspieler zu werden, nicht als unsinnig herausgestellt hatte. Am 20. Februar 1662 heiratete Molière Armande Béjart, die Tochter oder Schwester von Madelaine 22 , seiner früheren Liebhaberin, mit der er Jahre des «plaisir, de luxe, de paix» (ebda: 40) in der Gunst des Königs verbrachte. Diese friedvolle Zeit wurde auch nicht durch die massiven Kritiken und Drohungen bezüglich seines gesellschaftskritischen Werkes La Critique de l’Ecole des Femmes gestört, denn «[...] il a [...] la faveur du roi, sans cesse manifestée» (ebda: 43), «[...] le roi prend fermement positin pour son auteur comique préféré» (ebda 1994: 44), und «[...] un avantage extraordinaire lui échoit: dans le même mois, il reçoit une pension du roi en qualité d‘ ‚excellent poète comique‘.» (ebda: 41). Ab dem Jahr 1667 jedoch hatte Moliére mit Problemen zu kämpfen, die ein «éloignement de la faveur du roi» (ebda: 56) bewirkten. Sie sind zunächst gesundheitlicher Art, was Molière zwang, sich auf seinen Landsitz in Auteuil zurückzuziehen. Durch den zunehmenden Konkurrenzkampf am königlichen Hof fiel ihm auch die Auswahl der Stücke schwer. Außerdem versetzte ihn der Tod seiner Frau in tiefe Trauer, von der er sich nie wieder richtig erholte. Diese Faktoren bewirkten, dass der gealterte Molière im Jahr 1673, nach der Aufführung seines
22 Schwester Agnès war eine der Ordensschwestern in Port - Royal.
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Werkes Le Malade Imaginaire, starb. Im Zuge seiner Beisetzung fand ein großer Trauerzug statt, vor allem von Mitgliedern des Hofes. Die offizielle Gazette erwähnte seinen Tod jedoch nicht (vgl. ebda: 59).
3.3.3. Weniger bekannte Theaterschreiber
Über Raymond Poisson, der sich später Belleroche nennt, sind nur wenige biografische Aufzeichnungen zu finden. Auch sein Geburtsdatum ist unbekannt. Montgrédien erwähnt als die ersten nachvollziehbaren Handlungen dieses Theaterschreibers und Schauspielers sein Auftreten als Comédien de campagne (Montgrédien 1972: 31). Er gehörte im Jahr 1656 der Truppe von Villabé an, 1657 wechselte er zu der von Croisac. Es ist verzeichnet, dass Poisson 1659 durch das Vorstellen eines Theaterstückes am königlichen Hof zu einer Gratifikation von 2000 Pfund gelangte. «Raymond Poisson est qualifié, sur le registre des gratifications royales, de ‚chef des comédiens [...]» (ebda: 31). 1660 erhielt er eine erneute Gratifikation von 2000 Pfund.
Sein schriftstellerisches und schauspielerisches Tun beendete er im Jahr 1685, als er sich vom Theater zurückzieht. Auch über seinen Tod sei nichts bekannt, wie auch über seine Werke, berichtet Montgrédien (ebda: 31). So käme es, dass Poisson in heutiger Zeit in Vergessenheit geraten sei, folgert Montgrédien.
4. Resümee
Es hat sich in den vorhergehenden Kapiteln gezeigt, dass im 17. Jahrhundert ein Leben allein von der Kunst der Schriftstellerei kaum bzw. nur eingeschränkt möglich war. Die Tätigkeit konnte keinesfalls als alleiniger Broterwerb dienen, wenn man nicht zusätzlich ein anderes Amt innehatte.
Im Bereich der Lyrik waren die finanziellen Einkünfte sogar gar nicht durch die Schreiberei einzutreiben, denn im 17. Jahrhundert besaß sie einen niedrigen Status innerhalb der Gesellschaft. Man erfreute sich vielmehr an Romanen und Theaterstücken. Somit waren Lyriker gezwungen, sich zusätzlich anderen Gattungen zu widmen, um das Spektrum ihrer Werke möglichst breit zu halten, damit für jeden Leser ‚etwas dabei‘ war. Romanschreiber waren ebenso von Mäzen abhängig, die die Kunst förderten und den Verfassern damit eine finanzielle Absicherung boten, die
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aber in vielen Fällen dennoch gering sein konnte. Gleiches galt für die Verfasser von Theaterstücken. Ihr Erfolg hing noch viel mehr von der Gunst des Königs ab, denn ihre Stücke wurden am Hof aufgeführt, mussten also stets Anklang bei allen finden, um nicht in die Missgunst des Herrschers zu gelangen. Zumeist waren die Romanschreiber auch Theaterschreiber, um sich durch mehrere Werke die Chance auf eine Gratifikation zu erhöhen.
Doch alle Schriftsteller gleich welcher Gattung standen in einem einseitigen Abhängigkeitesverhältnis zum König: Dieser hatte alle Fäden in der Hand und bestimmte über das Wohlergehen seines Hofes. Missfiel ihm das ein oder andere literarische Werk, so lag es an ihm, den Künstler von seinem Amt zu suspendieren oder seine Gratifikation zu kürzen. Dies hätte beispielsweise im Fall Racines geschehen können, als Racine Esther und Athalie veröffentlichte. Diese religiösen Werke hätten am weltlich orientierten Hof auch zu einer Entlassung aus dem Amt führen können.
Auffällig ist weiterhin, dass alle Schriftsteller aus dem Bürgertum stammen, bis auf wenige Ausnahmen (z.B. La Rochefoucault, Mme de Lafayette oder Cardinal de Retz, die dem adliger Herkunft sind). Diese Tatsache legte den Grundstein für den Werdegang der Schriftsteller. Es war ein Vorteil, dass durch die Tätigkeit der Eltern, vor allem des Vaters, eine bestimmte gesellschaftliche Positionierung bereits erfolgt war, bevor der Künstler selbst zum Zuge kam. Außerdem bot diese Situation die Mittel zur Finanzierung einer fundierten Ausbildung an renommierten Schulen. Des Weiteren ermöglichten verwandtschaftliche oder bekanntschaftliche Beziehungen den Einstieg in gehobenere Gesellschaftsklassen bzw. ins literarische Milieu. Ersteres trifft zum Beispiel auf Sorel zu, der die Nachfolge seines Onkels als Historiograph des Königs einnahm. Letztgenannte Beziehung wird bei Malherbe ersichtlich, der, als er in Paris ankam, Hilfe von Kardinal du Perron annahm, um über die Runden zu kommen.
Im 17. Jahrhundert wäre es undenkbar gewesen, sich als Schriftsteller sozusagen selbstständig zu machen. Zum einen erforderte dies erhebliche finanzielle Mittel, um das Werk in eine gedruckte Form zu bringen, zum anderen wäre es schwierig gewesen, eine Leserschaft zu finden, die das entsprechende Geld zum Kauf des Buches und die entsprechende Bildung, es zu lesen und zu verstehen aufwies. Charakteristisch für die Zeit des Ancien Régime ist eine zunehmende Alphabetisierung des Landes. Dies lag zum einen an der Festlegung einer genauen
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Sprachnorm durch die Académie Française, die 1635 gegründet wurde, zum anderen am Einfluss des Klerus als Bildungsinstanz. Katechismen und Anstandsbücher fanden Eingang in die bäuerlichen Haushalte (vgl. Meyer 1990: 265). Der Hof diente als soziales Modell und so kam es, dass auch unter der Landbevölkerung eine „[...] Gesittung und Vornehmheit [...]“ (ebda: 349) zu konstatieren war. In dieser Hinsicht gab es also zunehmend einen Akkulturationsprozess zwischen Stadt und Land. Neben die religiösen Schriften trat zunehmend auch weltliche, vor allem praktisch orientierte Literatur. Sie diente zur Existenzsicherung für Handwerker und Kaufleute, da sie mit den gewonnenen Erkenntnissen wirtschaftlichen Profit erzielen konnten. Das Lesepublikum weitete sich also aus. Somit fanden die Werke der Schriftsteller zunehmend Rezipienten und in der Folge auch Anklang unter dem selben.
Man kann also resümierend sagen, dass Schriftsteller im 17. Jahrhundert den Status eines vom Herrscher abhängigen, und deshalb unfreien Künstlers innehatten. Mit Recht wurde somit gesagt, dass „[...] une telle decision 22 [est] stupéfiante et scandaleuse;“ (Cornud - Peyron 1994: 18; Fußnote von mir gesetzt) war.
22 Gemeint ist die Entscheidung, Schriftsteller oder Komödiant zu werden.
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5. Literaturverzeichnis
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Adler, Fritz (1915) Racine als Mensch und Künstler. Dresden: Petschke & Gretschel.
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Cornud - Peyron, Mireille (1994) Molière. Biographie, Etude de l’œuvre. Paris: Albin Michel.
Couprie, Alain (1995) Racine. Paris: Èditions Nathan.
Guichemerre, Roger (1991) Quatre poètes du XVII e siècle. Malherbe, Tristan l’Hermite, Saint - Amant, Boileau. Paris: Sedes.
Mallet, Francine (1986) Molière. Paris: Bernard Grasset.
Meyer, Jean (1990) Frankreich im Zeitalter des Absolutismus 1515 - 1789. Stuttgart: Deutsche Verlags - Anstalt.
Mongrédien, Georges (1972) Dictionnaire biographique des comédiens français du XVIIe siècle. Paris: Centre Nationale de la Recherche Scientifique.
Morel, Jacques (1992) Racine en toutes lettres. Paris: Bordas.
Petit Robert, Paris 1995
Schieder, Theodor (Hrsg.) (1968) Handbuch der europäischen Geschichte, Bd. 4, Stuttgart: Union Verlag.
31
Sieburg, Heinz - Otto (1995) Geschichte Frankreichs. Stuttgart, Berlin, Köln: Verlag W. Kohlhammer.
Tornius, Valerian (1925) Salons - Bilder gesellschaftlicher Kultur aus fünf Jahrhunderten. Berlin.
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Martina Sobel, 2001, Lebensumstände von Schriftstellern des 17. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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