Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis II
1 Einleitung 1
2 Beschäftigungsfähigkeit als Zukunftschance von Schulabgängern. 2
2.1 Konzept des lebenslangen Lernens. 3
2.2 Anforderungen der Wirtschaft an Schulabgänger 5
2.2.1 Schlüsselbegriff Ausbildungsreife. 6
2.2.2 Fähigkeitenprofil der Ausbildungreife 7
3 Selbstorganisiertes Lernen zur Generierung von Zukunftschancen 8
3.1 Herleitung des Begriffs: Selbstorganisation. 9
3.2 Selbstorganisation in Bezug zu Selbstregulation und Selbststeuerung 10
3.2.1 Selbstregulation 10
3.2.2 Selbststeuerung. 11
3.3 Konzept des selbstorganisierten Lernens 11
3.3.1 Grundlagen für das Konzept des selbstorgansierten Lernens. 11
3.3.2 Didaktisches Konzept des selbstorganisierten Lernens. 12
3.3.3 Selbstorganisiertes Lernen aus der Perspektive der Lernpsychologie. 15
3.3.4 Äußere Rahmenbedingungen für selbstorganisiertes Lernen. 16
3.3.5 Ergebnisse aus der Praxis 18
4 Synthese aus den Zieldimensionen selbstorganisierten Lernens und den
Anspr üchen des lebenslangen Lernens sowie dem Fähigkeitenprofil der
Ausbildungsreife. 19
5 Einbettung des selbstorganisierten Lernens in den Wirtschaftsunterricht
der Sekundarstufe I. 21
5.1 Ziele des Wirtschaftsunterrichts der Sekundarstufe I. 21
5.2 Methodische Ausgestaltung des Wirtschaftsunterrichts in
der Sekundarstufe I. 23
5.3 Selbstorganisiertes Lernen als Konzept für den
Wirtschaftsunterricht in der SEK I 25
6 Fazit und Ausblick. 28
Literaturverzeichnis 29
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Befragung „Was ist Ausbildungsreife?" .................................................... 7 Abbildung 2: Unterschiedliche Auffassungen von Selbstorganisation .......................... 10 Abbildung 3: Förderung von Lernenden in einer selbstorganisationsoffenen
Lernumgebung .......................................................................................... 12 Abbildung 4: Lerndimensionen und Merkmalsbereiche des selbstorganisierten Lernens
................................................................................................................... 14 Abbildung 5: Gegenüberstellung des selbstorganisierten Lernens mit den Fähigkeiten der Ausbildungsreife und den Zielen lebenslangen Lernens .................... 20 Abbildung 6: Methodenlandkarte zur ökonomischen Bildung (aktive Lehr- und
Lernverfahren)........................................................................................... 25 Abbildung 7: Vergleich der inhaltlichen und methodischen Forderungen an den
Abkürzungsverzeichnis
bzw. beziehungsweise d.h. das heißt DIHK Deutsche Industrie und Handelskammer engl. englisch f folgende ff fortfolgende inkl. inklusive i. S. im Sinne Jh. Jahrhundert KMK Kultusministerium MB Merkmalsbereich o. g. oben genannt S. Seite u. a. unter anderem usw. und so weiter Vgl. Vergleiche z. B. zum Beispiel z. T. zum Teil
II
1 Einleitung
Die Situation am Ausbildungsmarkt entspannt sich. Erstmals seit Jahren ist in den Medien zu vernehmen, dass es mehr Ausbildungsplätze als Bewerber 1 geben wird. Doch bei genauerer Betrachtung verbessern sich die Chancen auf eine Ausbildungsstelle nicht für alle Schulabgänger gleichermaßen. Auf der einen Seite stehen Jugendliche nach der Absolvierung ihrer Schulzeit oftmals vor dem Problem, nicht übergangslos einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Auf der anderen Seite können die Betriebe nicht so viele Auszubildende einstellen, wie sie benötigen. Die Wirtschaft wirft den jugendlichen Bewerbern eine mangelnde Ausbildungsreife vor. Doch wie lässt sich dieses Problem begründen, dass junge Schulabsolventen nicht die Voraussetzungen bzw. Qualifikationen aufweisen, die für eine Ausbildung notwendig sind?
Sowohl das Wirtschaftsgeschehen als auch die Gesellschaft befinden sich in einem kontinuierlichen Strukturwandel, der alle Lebens- und Arbeitsbereiche umfasst. Dieser Umbruch vollzieht sich immer schneller und verlangt sich ständig ändernde Qualifikati-onsanforderungen von allen Arbeitnehmern. An die Schulabgänger stellt er hohe Anforderungen in Bezug auf Orientierung nach Perspektiven, um den Wandel zu bewältigen, zu nutzen und zu gestalten. Daher zielen Bildung und Qualifikation immer auf Entwicklung der Persönlichkeit, auf Teilhabe an der Gesellschaft und auf Beschäftigungsfähigkeit ab, wobei die drei Zieldimensionen einander bedingen. So kann z.B. die Entwicklung der Persönlichkeit nicht ohne die Teilhabe an der Gesellschaft und der Beschäftigungsfähigkeit vonstatten gehen usw. 2
Die Berufsbildung reagiert auf die Veränderungen in der Arbeitswelt, indem sie schon im Anfangsstadium versucht, mit Hilfe des Unterrichtskonzeptes des selbstorganisierten Lernens den Schülern den Übergang in die Berufswelt zu ermöglichen bzw. zu erleichtern. Ist dieses Konzept auch für allgemein bildende Schulen anwendbar, und bietet essofern anwendbar - den Schulabsolventen bessere Zukunftschancen? Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet daher: Kann das Konzept des selbstorganisierten Lernens auf den Wirtschaftsunterricht in allgemein bildenden Schulen übertragen werden und damit die Chancen auf einen erfolgreichen beruflichen Einstieg und Werdegang verbessern?
Anhand von Fachliteratur wird in dieser Arbeit zunächst das Problem der oftmals mangelnden Beschäftigungsfähigkeit von Schulabgängern analysiert und erläutert, warum
1 Im Verlauf der Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form benutzt. Es sind dabei aber sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint.
2 Vgl. Bund-Länder-Kommission 2008.
das lebenslange Lernen als Kompetenz für die Zukunft unabdingbar ist. Auch werden die Anforderungen der Wirtschaft an Schulabgänger aufgezeigt. Danach wird das Konzept des selbstorganisierten Lernens näher erklärt, bevor dieses den beiden anderen Aspekten gegenüber gestellt wird. Das präsentierte Konzept bezieht sich lediglich auf die kaufmännische Berufsausbildung. Im vorletzten Kapitel erfolgt daher ein Vergleich bezüglich der inhaltlichen und methodischen Forderungen an den Wirtschaftsunterricht der Sekundarstufe I mit den Potentialen des selbstorganisierten Lernens. Hier soll geklärt werden, ob es auf den Wirtschaftsunterricht der Sekundarstufe I übertragbar ist.
2 Beschäftigungsfähigkeit als Zukunftschance von Schulabgängern
Beschäftigungsfähigkeit bedeutet im pädagogischen Kontext, dass man Jugendliche auf die Arbeitswelt vorbereitet. Dies beinhaltet die Zieloption „Integration am Arbeitsmarkt“ und die zur Erreichung des Ziels benötigten individuellen Fähigkeiten. Damit umfasst die Beschäftigungsfähigkeit im pädagogischen Sinne sowohl den Anspruch, bereits Gescheiterten durch Qualifizierungsstrategien neue Chancen zu eröffnen als auch präventiv Jugendliche dazu zu befähigen, sich auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft zu behaupten.
Die gegenwärtige Forschung ist sich einig, dass diese Herausforderungen nur durch ein lebenslanges Lernen bewältigt werden können. Die Bedeutung von Faktenwissen - das dem Wissensverfall unterliegt - sinkt, und die Forderung nach langlebigeren Kompetenzen wird laut. Grund hierfür ist, dass durch den Fortschritt und Wandel in Technik und Gesellschaft sich auch der Arbeitsmarkt modernisiert. „Berufsentscheidungen sind nicht mehr ein Leben lang gültig. Lebenslange Anstellungen in einem Unternehmen werden immer unwahrscheinlicher.“ 3 Bereits Schulabsolventen müssen ein hohes Maß an Flexibilität aufweisen, um den immer häufiger auftretenden Brüchen in ihrer Berufsbiografie begegnen zu können. 4
In diesem Kapitel werden Aspekte aufgezeigt, die die Beschäftigungsfähigkeit von Schulabgängern im Sinne von Bildung und Qualifikation beeinflussen. Diese Fähigkeiten werden in dem Begriff der „Ausbildungsreife“ zusammengefasst. Die Wirtschaft bzw. der Arbeitsmarkt stellt Anforderungen an die Schulabgänger, die sich in der Ausbildungsreife verdeutlichen und somit ein konkretes Bild für die Voraussetzung von Beschäftigungsfähigkeit liefert. Vorweg soll jedoch das Konzept des lebenslangen Ler-
3 Schröder2005, S. 23.
4 Vgl. Schröder 2005, S. 22.
2
nens genauer vorgestellt werden, da es für die Generierung von Zukunftschancen - wie oben dargestellt - unabdingbar ist.
2.1 Konzept des lebenslangen Lernens
Einer der aktuell diskutierten Ansätze zur Verbesserung der Zukunftschancen von Schulabgängern ist das lebenslange Lernen. Dieses besagt, dass auf die Geschwindigkeit, mit der Veränderungen sowohl gesellschaftlich als auch beruflich eintreten, reagiert werden muss. Das Konzept sieht vor, „zugleich alle Bürger - im Namen ihrer wünschenswerten Autonomie - so zu qualifizieren, dass sie sowohl auf die ökonomischen, technischen und organisatorischen Entwicklungen in den Betrieben als auch auf das soziale und politische Leben informiert und verantwortungsbewusst einzuwirken vermögen.“ 5 Dieser Gedanke ist im Erziehung- und Bildungsbereich kein Novum und zielt stark auf den Begriff der allgemeinen Bildung ab, erlangt jedoch im Zeitalter des immer schneller verlaufenden Wissensverfalls zunehmend an Bedeutung. 6 Basis für das lebenslange Lernen sind die Wandlungstendenzen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext, die auch als Megatrends bezeichnet werden. Dieser Begriff implementiert, dass die Veränderungen tief greifend und weit reichend und somit in allen industriellen Staaten vorzufinden sind. Achtenhagen listet folgende Megatrends auf:
- „die zunehmende Europäisierung, Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft;
- die Schwerpunktverlagerung vom Produktionssektor zum Dienstleistungsgewerbe;
- die steigende Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechniken;
- die wachsende Frauenerwerbstätigkeit;
- der Wertewandel (Postmaterialismus, Pluralismus, Individualisierung);
- die immer längere Lebensdauer der meisten Menschen (in Industriegesellschaften);
- die wachsende Beachtung ökologischer Fragen;
- das Paradox hoher Zahlen von Arbeitslosen bei gleichzeitigem Mangel an hochqualifizierten Beschäftigten.“ 7
Achtenhagen gibt zu bedenken, dass die Megatrends in ihrer Wirkung unterschiedlich sind. Manche sind zeitweise aktueller als andere, z. B. ökologisches Bewusstsein und
5 Achtenhagen/Lempert 2000, S. 28.
6 Vgl. Achtenhagen/Lempert 2000, S. 27 f.
7 Achtenhagen/Lempert 2000, S. 29.
3
manche entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen, wie z. B. die Globalisierung, die Gegner und Befürworter hat. Er betont jedoch, dass sich die Pädagogik mit den Trends auseinandersetzen muss, da sie auch wenn sie selbst im Wandel sind, für die Gestaltung der Zukunft im Sinne des lebenslangen Lernens von Bedeutung sind. Nach Achtenhagen ist die Gesamtzahl der Megatrends für das lebenslange Lernen von großer Bedeutung. Hier soll lediglich exemplarisch an den beiden Trends „Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft“ und „Verlagerung vom Produktionssektor zum Dienstleistungssektor“ die pädagogische Notwendigkeit lebenslangen Lernens verdeutlicht werden.
Die Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft verschärft die Konkurrenz auf den Märkten und führt zum Wandel betrieblicher Produktions- und Organisationsstrukturen. Wertschöpfungsketten, die traditionell regional konzentriert waren, lösen sich auf. Die Tendenz vom Produktionssektor zum Dienstleistungssektor wirkt sich auch auf die Strukturen in Betrieben aus. So wird die herkömmliche Trennung der Produktions- und der Dienstleistungsbranche zusehends aufgelöst und aus der Mode kommen. Daraus ergeben sich für das lebenslange Lernen die folgenden pädagogischen Konsequenzen:
- „Erfordernisse interkultureller Interaktionen sind künftig stärker zu berücksichtigen als bisher. Fremdsprachenkenntnisse und Landeskunde reichen hierzu bei weitem nicht aus.
- Erwerbstätige müssen mehr als bisher den Systemcharakter, die Komplexität und Dynamik ökonomischer Problemkonstellationen verstehen lernen. Damit werden linearisierte Ausbildungsprozesse obsolet, da sie den Lernenden weder Sinn vermitteln noch den Anschluss aktueller Lehr- und Lernprozesse erlauben.“ 8
Wichtig ist der Begriff des Systemverständnisses, da er einen ständigen Wandel der Strukturen beinhaltet und man einer Um- und Neuorientierung so flexibel wie möglich begegnen sollte. Die Veränderungen treten so rasch ein, dass sie nicht durch zukünftige Generationen abgedeckt werden können, sondern jeder einzelne muss sich in seiner Erwerbslaufbahn ständig weiterbilden.
Folgende Konsequenz zieht Achtenhagen aus den Megatrends: Jeder Mensch muss heute nach dem Besuch einer allgemein bildenden Schule und auch nach der Berufsausbildung weiter lernen, unabhängig von seiner Berufswahl. Er versucht darüber hinaus den
8 Achtenhagen/Lempert 2000, S. 30.
4
Lernbegriff des lebenslangen Lernens zu fassen und stellt fest: „…unbezweifelbar erscheint dagegen, dass dem selbstgesteuerten beziehungsweise dem selbstorganisierten Lernen in diesem Kontext eine zentrale Rolle zuzuweisen ist.“ 9 Wie dieses Konzept aufgebaut ist, wird in Kapitel drei dieser Arbeit ausführlich dargestellt. Als Fazit zum lebenslangen Lernen kann festgehalten werden, dass es Zukunftschancen über die Berufausbildung hinaus generieren kann.
2.2 Anforderungen der Wirtschaft an Schulabgänger
Der folgende Abschnitt soll verdeutlichen, welchen Anforderungen von Seiten der Wirtschaft sich die Schulabgänger stellen müssen. Ihre unmittelbare Zukunft - im Gegensatz zum lebenslangen Lernen, das einen weiteren Horizont umfasst - ist meist der Beginn einer Berufsausbildung. Es wird hier auf den Begriff der Ausbildungsreife, der den o. g. Begriff der Beschäftigungsfähigkeit ersetzt, näher einzugehen sein. Nach den Aussagen der Deutsche Industrie- und Handelskammer entspannt sich die Situation am Ausbildungsstellenmarkt insofern, dass es in diesem Herbst erstmals seit sieben Jahren mehr Lehrstellen geben wird als Bewerber. „Die Aussichten für Jugendliche bei der Ausbildungsplatzsuche seien glänzend, versichert DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun.“ 10 Die Prognose des Sprechers der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit besagt jedoch, dass durch die Altbewerber aus den Vorjahren immer noch eine Ausbildungslücke vorhanden sein wird. Dies bedeutet, dass die Betriebe vermutlich noch immer unter einer Vielzahl von Bewerbern auswählen können und in Folge dessen hohe Maßstäbe beim Bewerberprofil anlegen. Hinzu kommt, dass sich die Trendwende - so die Annahmen, denn für konkrete Zahlen sei es noch zu früh - auf bestimmte Branchen besonders auswirke. Hier wurden die Elektro-und Metallbranche, Banken, Versicherungen und Logistikunternehmen genannt. Folglich entspannt sich die Situation vermutlich eher punktuell. Die derzeitigen positiven Entwicklungen sind zum großen Teil auf den guten Konjunkturverlauf zurückzuführen. 11
Neben den konjunkturellen Schwankungen, auf die mehr oder weniger durch konjunkturpolitische Maßnahmen erfolgreich eingewirkt werden kann, gibt es aber auch strukturelle Entwicklungen im Bildungssystem, die den Ausbildungsstellenmarkt beeinflussen. Der Berufsbildungsbericht 2006 macht deutlich, dass das Schulsystem verbessert werden muss, um das Leistungsniveau der deutschen Schüler zu erhöhen. „Als Folge des
9 Vgl. Achtenhagen/Lempert 2000, S. 29 f.
10 Kautenburger 2008, S. 1.
11 Vgl. Kautenburger 2008, S.1.
5
Höherqualifizierungstrends in der Wirtschaft sind bei der Neuordnung der Ausbildungsberufe in der Regel auch die (theoretischen) Anforderungen in den meisten dualen Ausbildungsberufen gestiegen, so dass Betriebe bei der Bewerberauswahl höhere Maßstäbe als früher anlegen müssen, sollen sie nicht Ausbildungsabbrüche oder Prüfungsversagen riskieren.“ 12 Die Ergebnisse von PISA zeigen, dass die Leistungen der deutschen Schüler unter denen anderer westlicher Industrienationen liegen. 13 Durch eine Verbesserung des Bildungssystems könnten die Chancen auf eine Ausbildungsstelle weiter erhöht werden.
Es ergeben sich also, wie dargestellt, nach wie vor Engpässe auf dem Ausbildungsstellenmarkt und es gibt Bewerber, die bei den Betrieben durch das Bewerberraster fallen. Diese Diskrepanz zwischen den zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätzen und den damit verbundenen Anforderungen der Betriebe an ihre zukünftigen Auszubildenden auf der einen Seite und den dabei auf dem Lehrstellenmarkt übrig gebliebenen Schulabgängern auf der anderen Seite vermittelt den Eindruck, dass diese ein Defizit aufweisen. Häufig fällt von Seiten der Betriebe der Vorwurf, die Bewerber seien nicht ausbildungsreif.
Neben den konjunkturellen Schwankungen und den meist damit einhergehenden Zahlen an sinkenden oder steigenden Ausbildungsplätzen, sind also auch diese strukturellen Entwicklungen im Bildungssystem Ursache für die dargestellte Ausbildungssituation. Im Gegensatz zu den konjunkturellen Schwankungen kann man diesen durch gezielte bildungspolitische bzw. schulische Maßnahmen begegnen. Wie dies aussehen kann, wird in den folgenden Kapiteln näher betrachtet. Im anschließenden Abschnitt wird der Begriff der Ausbildungsreife näher erläutert, um die Anforderungen an die Schulabgänger und damit einhergehend an das Bildungssystem zu formulieren.
2.2.1 Schlüsselbegriff Ausbildungsreife
Ausbildungsreife umfasst all jene Fähigkeiten, die für alle Berufsausbildungen wichtig sind, egal wie anspruchsvoll oder weniger anspruchsvoll die Ausbildung ist. Eine präzise Definition kann man dem Berufsbildungsbericht 2006 entnehmen: „Eine Person kann als ausbildungsreif bezeichnet werden, wenn sie die allgemeinen Merkmale der Bildungs- und Arbeitsfähigkeit erfüllt und die Mindestkriterien für den Einstieg in die berufliche Ausbildung mitbringt. Dabei wird von den spezifischen Anforderungen einzelner Berufe abgesehen, die zur Beurteilung der Eignung für den jeweiligen Beruf herangezogen werden. Fehlende Ausbildungsreife zu einem gegebenen Zeitpunkt schließt
12 Bundesministerium für Bildung und Forschung 2008, S. 165.
13 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung 2008, S. 165.
6
Arbeit zitieren:
Lea Bitter, 2008, Selbstorganisiertes Lernen als Konzept für den Wirtschaftsunterricht zur Generierung von Zukunftschancen von Schulabgängern, München, GRIN Verlag GmbH
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