Inhaltsverzeichnis
1. Historische Hintergründe und wirtschaftliche Entwicklung. 1
2. Warum ist Irland als Migrationsland so interessant? 2
3. Situation der ausländischen Bevölkerung in Irland 5
3.1. Bestand der ausländischen Bevölkerung 5
3.2. Entwicklung der Migrationsstruktur 6
3.3. Arbeitsmigranten. 6
3.4. Asylsuchende und Flüchtlinge. 7
3.5. Arbeitslosigkeit von Migranten 8
3.6. Bildung von Migranten 9
4. Integration ausländischer Schüler im Bildungswesen : Irland und Deutschland im
Vergleich......................................................................................................................... 10
5. Probleme bei der Recherche 15
Irland als Migrationsland
Bis vor einigen Jahren hat Irland sehr wenig Aufmerksamkeit in der Literatur über europäische Migration erhalten. Grund dafür könnte die geographische und wirtschaftliche Abgelegenheit, die Lage am äußersten Rand Europas sein. Die Auswanderung, laut King/Reynolds „ein Prozess der sich durch Erweiterung sozialer Netzwerke selbst verstärkt“ 1 , hatte in Irland eine große Bedeutung. Irland war auch noch nach den 80er Jahren das einzige Land in der Europäischen Union, das immer noch beschleunigte Emigration erfuhr.
Diese Hausarbeit geht zuerst näher auf die Migrationsgeschichte Irlands ein. Danach werden einige Fakten geklärt, warum Irland als Migrationsland solch eine Sonderstellung zugesprochen bekommt. Im weiteren Verlauf lernen wir die Situation der ausländischen Bevölkerung seit dem Wirtschaftswachstum 1995 bis heute kennen. Dabei gehe ich vor allem auf die Bildungsbeteiligung der Migranten und deren Leistungen im Bildungswesen ein. Ein Vergleich mit Deutschland soll zeigen was für Vorteile Irlands Integrationspolitik bringt und dass ein Land, dem die Migrationspolitik sehr neu erscheint sich flexibel darauf einstellen kann. Deutschland kann sich davon sehr wohl eine Scheibe abschneiden.
1. Historische Hintergründe und wirtschaftliche
Entwicklung
Die Auswanderung hat einen langen historischen und kulturellen Hintergrund. Kartoffelfäule und die daraus folgende Hungersnot 1845 bis 1849, politische Konflikte, wie der Nordirlandkonflikt und eine stagnierende Wirtschaft, trugen dazu bei, dass immer mehr Iren ihrem Land den Rücken kehrten.
Andererseits hatte Irland eine überdurchschnittliche Familiengröße im Vergleich zu anderen europäischen Staaten. Diese Kombination aus wenig Arbeitsmöglichkeiten und
1 Steffen Angenendt : Asylum and Migration Policies in the European Union, 1999, S.218
1
der großen Anzahl junger Arbeitssuchender könnte ein Katalysator für die Tendenz zur Auswanderung gewesen sein.
Ein Großteil der Migration von und nach Irland konzentrierte sich auf das Nachbarland England und das restliche Großbritannien. Dennoch war der Zustrom nach Irland insgesamt immer niedriger als der Auswanderungsstrom.
In den 90er Jahren nahm die Auswanderung in Irland ab, zum Teil wegen dem Rückgang ausländischer Arbeitsmärkte, besonders im Vereinigten Königreich, zum anderen aber aufgrund des Wirtschaftswachstums und den dadurch entstehenden neuen Arbeitsmöglichkeiten in Irland. Die Arbeitslosigkeit von über 15 % fiel auf weniger als 4%. 2 Daraufhin gab es eine generelle Verminderung im Netto-Abgang aus Irland und sogar eine zeitweise Aufhebung der Netto-Immigration.
Irland, einstiges „Armenhaus“ der damaligen EG, ist im Jahr 2005 nach mehrjährigem starkem Wachstum einer der reichsten Staaten der EU und weltweit. In diesem Jahr lag das inflationsbereinigte Pro-Kopf-Einkommen in Irland innerhalb der EU nach Luxemburg auf Rang 2 und ist etwa 30 % höher als in Deutschland. 3 Irland wird wegen seiner guten wirtschaftlichen Entwicklung oft Keltischer Tiger genannt.
2. Warum ist Irland als Migrationsland so interessant?
Es gibt viele Gründe, warum Irland als Migrationsland eine Sonderstellung einnimmt. Noch nie hat sich ein typisches Emigrationsland so schnell zum Immigrationsland entwickelt.
Die ungewöhnliche Geschwindigkeit der prozentualen Zunahme des Ausländeranteils Irlands Bevölkerung ist ein weiterer Faktor. Der Anteil ausländischer Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung, der laut Census 1995 bei gerade einmal 3,1% lag und bis 2004 bis auf 5,6 % anstieg 4 und sich bis 2005 sogar auf 5,9% erhöhte. 5 Die OECD veröffentlichte sogar noch höhere Zahlen, sie betragen einen Prozentsatz von 6,3 %. 6
2 www.bwl.uni-kiel.de/vwlinstitute/tvwl/downloads/seminar/ Die+Entwicklung+der+Arbeitslosigkeit+in+Irland.ppt , S.2
3 http://www.wirtschaftsjunioren-hd.de/cms/upload/pdf/Info3_06.pdf
4 SOPEMI 2004 EDITION: Trends in International Migration, S.208
5 ebd., S. 40
6 www.oecd.org/dataoecd/25/56/39331383.xls
2
Im Vergleich zu anderen Europäischen Staaten kann man das Ausmaß der Zunahme erkennen:
Das Vereinigte Königreich zum Beispiel brauchte für den Zuwachs von 2 % ausländischer Bevölkerung etwa 30 Jahre. 7
Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, mit welcher Geschwindigkeit sich das Land vom Emigrationsland zum Immigrationsland entwickelte:
Abbildung 1 zeigt, dass Irland bis 1995 eine negative Netto-Migration erfuhr. Die Ausstromrate war im internationalen Vergleich sehr hoch, wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung im Zeitraum von 1988 bis 1989 bei etwa 3,5 Millionen lag. Sie machte in diesem Zeitraum über 1 % aus. 8 Heute liegt die Bevölkerungszahl bei etwa 4 Millionen.
Abb. 1: Netto-Migration Irlands 1987 bis 2006 9
Ein weiterer wesentlicher Faktor für die Sonderstellung Irlands ist der enorm hohe Anteil Hochqualifizierter unter den Immigranten. Die Immigranten haben sogar nachweislich eine höhere Bildung als die einheimische Bevölkerung, wie Abbildung 2 beweist. Es wandern mehr Menschen mit hoher Bildung in das Land im Vergleich zu anderen
7 Barrett & McCarthy : Immigrants in a Booming Economy: Analysing their Earnings and Welfare Dependence, 2006, S.1
8 ebd., S.1
9 ebd., S.15
3
Ländern, wie beispielsweise USA, wo generell Immigranten eine geringer qualifizierte Bildung haben als die heimische Bevölkerung.
Abb. 2 : Distribution of Educational Attainment for the Native and Immigrant Labour Force (%s) 10
Von allen arbeitenden Migranten können über 40 % einen Universitätsabschluss und sogar noch höhere Qualifikationen nachweisen. Das ist eine beachtliche Menge im Vergleich zu der einheimischen Bevölkerung, deren Anteil mit Universitätsabschluss und höher bei 18,3% liegt. Ebenfalls über 40% nehmen die Absolventen der sekundären Bildung ein, dies unterscheidet sich somit nicht viel von den Einheimischen. Bei der Kategorie, die die Bildung unterhalb des sekundären Abschlusses eingliedert, kann man erneut deutliche Unterschiede erkennen. Dieser Anteil ist bei den Migranten am geringsten und ist gerade einmal halb so hoch wie der der irischen Arbeiterschaft, deren Arbeiter ohne Sekundarbildung 35,7% ausmachen. Dies zeigt gut, dass die Immigranten verhältnismäßig höher qualifiziert sind als die einheimische Bevölkerung Irlands und dass zum Teil beachtliche Unterschiede erkennbar sind.
Solch eine „Überqualifikation“ der Einwanderer gab es in ganz Europa noch nie.
Zudem ist auffallend, dass die einheimische Bevölkerung eine höhere Geburtenrate hat als die ausländische Bevölkerung. Dies scheint mit der Bildung der Ausländer und der jeweiligen Erwerbsquote zusammenzuhängen. In anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Deutschland, sind ausländische Ehepaare kinderreicher als die einheimische Population. Der Grund dafür scheint die jüngere Altersstruktur der
10 ebd., S. 16
4
Arbeit zitieren:
Ulla Müller, 2008, Irland als Migrationsland, München, GRIN Verlag GmbH
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