Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 3
2. Das kapitalistische Weltsystem nach Immanuel Wallerstein 3
2.1. Entstehung und Ausbreitung des kapitalistischen Weltsystems 3
2.2. Die Dreiteilung des kapitalistischen Weltsystems 5
2.3. Das kapitalistische Weltsystem und die Gesellschaft 6
3. Entstehung der Weltgesellschaft nach Niklas Luhmann 7
3.1. Der Gesellschaftsbegriff der Systemtheorie nach Niklas Luhmann 7
3.2. Segmentäre und stratifikatorische Differenzierung 7
3.3. Die Entstehung und Ausbreitung der Weltgesellschaft 8
4. Vergleich der Ansätze und Gemeinsamkeiten 11
5. Fazit 13
6. Literatur 15
Weltgesellschaftstheorien Seite 3
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit sollen die Annahmen der Weltgesellschaftstheorien in Bezug auf die Weltsystemtheorie nach Immanuel Wallerstein sowie auf die Theorie sozialer Systeme nach Niklas Luhmann untersucht werden.
Hierzu sollen die beiden Ansätze zunächst vorgestellt und ihre Betrachtung der Entwicklung zu einer Weltgesellschaft, beziehungsweise zu einem Weltsystem beschrieben werden. Im Anschluß daran werden die wesentlichen Prämissen der Theorien zusammengefaßt und auf Gemeinsamkeiten, beziehungsweise Inkompatibilitäten untersucht. In einem Fazit soll dann festgestellt werden, inwieweit sich die beiden Ansätze bezüglich der Beschreibung der gegenwärtigen Globalisierungstendenzen unterscheiden, und wie dies auf die Betrachtungsweise der beiden Theorien bezüglich der Geschichte der Globalisierung zurückzuführen ist. Im Zentrum der Betrachtungen soll dabei stets das Gesellschaftsbild der beiden Theorien stehen sowie deren Annahmen darüber, wie sich die Gesellschaft im Rahmen der Entwicklung verändert und strukturiert.
2. Das kapitalistische Weltsystem nach Immanuel Wallerstein
2.1. Entstehung und Ausbreitung des kapitalistischen Weltsystems
Immanuel Wallerstein sieht den Kapitalismus zu allererst als ein historisches Sozialsystem (vgl. Wallerstein 1984: S. 9) und er betont: »Immer dann, wenn im Laufe der Zeit die Akkumulation von Kapital mit Regelmäßigkeit den Vorrang vor anderen Zielsetzungen erhielt, können wir davon sprechen, ein funktionierendes kapitalistisches System zu beobachten« (Wallerstein 1984: S. 10).
Der Kapitalismus als historisches Sozialsystem hatte seinen Ursprung im 15. Jahrhundert in Europa und dehnte sich nach und nach über die Welt aus, »bis es im späten 19. Jahrhundert die ganze Welt bedeckte, und [...] auch heute noch die gesamte Welt bedeckt« (ebd. S. 14). Dabei versteht Wallerstein den Begriff »Weltsystem« nicht als ein System, welches sich flächendeckend über die Welt erstreckt, sondern als ein System, welches größer ist »als jede juridisch definierte politische Einheit« (Wallerstein 1986: S. 27). Es handelt sich dabei also nicht um eine politische sondern um eine wirtschaftliche Erscheinung, die keine genauen Grenzen sondern nur einen Bereich hat, welcher sowohl Stadtstaaten als auch die aufkom- menden Nationalstaaten umfaßt (vgl. ebd.).
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Dabei weist Wallerstein darauf hin, daß Europa zu der Zeit nicht die einzige Weltwirtschaft war: »Es gab noch andere. Aber nur Europa begab sich auf den Weg der kapitalistischen Entwicklung, die es ihm möglich machte, die anderen auszustechen« (Wallerstein 1986: S. 29). Hieran verdeutlicht sich noch einmal, daß mit dem Weltsystem zunächst eben nicht ein soziales System gemeint ist, welches die ganze Welt umfaßt, sondern eine größere Einheit als die zu dem Zeitpunkt juridischen waren.
Während der Zeit der Expansion des kapitalistischen Weltsystems versuchten einzelne Staaten zu dominierenden Staaten im Weltsystem, also zu Hegemonien zu werden. Dies gelang in der Geschichte des historischen Kapitalismus nur drei Staaten über eine begrenzte Zeit: »Diese drei Fälle waren die Hegemonie der Vereinigten Provinzen (Niederlande) in der Mitte des 17. Jahrhunderts, der von Großbritannien in der Mitte des 19. und der USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts« (Wallerstein 1984: S. 50).
Die Logik der kapitalistischen Weltwirtschaft besteht in der Akkumulation von Kapital. Der Unterschied zu anderen historischen System besteht indes in der besonderen Nutzung des Kapitals: »Es wurde mit dem vorrangigen Sinn und Ziel eingesetzt, sich selbst zu vermehren (ebd. S. 9). Auf die Details, wie es zu dieser Vermehrung des Kapitals kam, soll hier nicht eingegangen werden, weil diese für die Fragestellung nebensächlich sind. Wie bereits weiter oben ausgeführt, breitete sich das kapitalistische Weltsystem über die ganze Welt aus, bis es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die entlegenen Weltregionen effektiv integrierte. Die Entstehung von souveränen Nationalstaaten bildete ein notwendiges Element, das kapitalistische Weltsystem aufzubauen (vgl. Wallerstein 2000: S. 17). Nach Wallerstein waren auch die sozialistischen Staaten in dieses Weltsystem einbezogen, auch wenn sie selbst mit ihren Staatswirtschaften den Anspruch erhoben, ein eigenes System zu sein. Letztlich jedoch stellten sie eben kein eigenes sozialistisches Weltsystem dar, weil sie stets im Rahmen der Verfahrensweisen des kapitalistischen Weltsystems operierten. (vgl. Wallerstein 2000: S. 78ff): »Ein Staat, der kollektiv alle Produktionsmittel besitzt, ist lediglich eine kollektive kapitalistische Firma, solange er am Markt der kapitalistischen Weltökonomie teilnimmt, was heute faktisch alle diese Staaten tun müssen« (Wallerstein 1983: S. 307)
Wallerstein sieht nach dem Übergang vom Feudalismus zum kapitalistischen Weltsystem in Europa nach wie vor eine Kontinuität der Oberschichten. »1650 waren die grundlegenden Strukturen des historischen Kapitalismus als ein lebensfähiges Sozialsystem erreicht und konsolidiert« (Wallerstein 1984: S. 36). Die Oberschicht indes wurde 1650 weitgehend von den gleichen Familien gestellt wie im Jahr 1450. Diese Kontinuität lasse sich auch weiterhin bis
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ins Jahr 1900 verfolgen, während erst im 20. Jahrhundert sich die Trends in eine andere Richtung bewegten (vgl. ebd. S. 37). Insofern läßt sich nicht sagen, daß eine aufsteigende Bourgeoisie den Adel verdrängt hätte, sondern daß im Gegenteil sich die Aristokratie in eine Bourgeoisie verwandelte, um ihre Privilegien zu sichern (vgl. Wallerstein 1995: S. 88).
2.2. Die Dreiteilung des kapitalistischen Weltsystems
Ein weiteres Element, welches für das Funktionieren des kapitalistischen Weltsystems wichtig ist, ist die Dreiteilung in mehrfacher Hinsicht. So war die Schaffung von Zwischenschichten erforderlich, also von Kadern, die zwischen der Oberschicht und der Arbeiterschicht standen (vgl. Wallerstein 1984: S. 73f). »Das heißt, es gibt eine Mittelgruppe, die einerseits an der Ausbeutung der unteren Schicht beteiligt ist, andererseits aber selbst von der oberen Schicht ausgebeutet wird« (Wallerstein 1983: S. 306).
Diese Mittelschicht sollte der oberen Schicht dazu dienen, ihre Privilegien zu sichern und zugleich verhindern, daß sich die unteren Schichten durch Aufstände oder ähnliches versuchen, die Privilegien der oberen Sichten anzueignen (vgl. ebd.).
Dieses Prinzip bezieht sich jedoch nicht nur auf die Schichten der Staaten, die der Logik des kapitalistischen Weltsystems folgen, sondern auch auf das System selbst. Auch das kapitalistische Weltsystem könnte ohne eine Dreiteilung in Kern, Semiperipherie und Peripherie nicht funktionieren (vgl. Wallerstein 1983: S. 308).
Die Gründe, aus denen eine solche Dreiteilung auch für das System an sich notwendig sind, gleichen denen, aus denen das für die kapitalistische Gesellschaft zutrifft. Der mittlere Sektor der Semiperipherie neigt dazu, sich als wohlhabender zu betrachten als die Peripherie, statt sich als ärmer zu betrachten als der Kern des kapitalistischen Weltsystems. Auf diese Weise können auch bezogen auf das System an sich revolutionäre Bestrebungen unterprivilegierter Regionen vermieden werden (vgl. ebd.).
Durch den Umstand, daß es keine übergreifende politische Autorität im kapitalistischen Weltsystem gibt und diese von den Akteuren auch nicht angestrebt wird, können lokale Regierungen auch durch andere Gruppierungen als den Kapitalakkumulateuren unter Druck gesetzt werden, wie zum Beispiel den Anbietern von Arbeitskraft. Dies führt zu steigenden Löhnen und damit sinkenden Profiten in den Kerngebieten des kapitalistischen Weltsystems (vgl. Wallerstein 2003: S. 308).
Die Sektoren, die von dieser Situation in den Kerngebieten profitieren, sind die semiperipheren Zonen. Sie profitieren vom »Dilemma der steigenden Lohn- und Produktivitätskosten im führenden Sektor« (Wallerstein 2003: S.308).
Eine solch »dreigeteilte Schichtstruktur stellt den Normalzustand jeder Art von Weltsystem
Arbeit zitieren:
Udo Ehrich, 2008, Weltsysteme im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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