Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Buch und Film 2
3 Motivation und Begründung der Textwahl 3
4 Zielstellungen der Textbehandlung und Vorbesprechung 4
5 Sprach- und Sachanalyse des Romans 6
6 Didaktisch-methodische Grobplanung für die Unterrichtseinheiten 8
7 Feinplanung 12
7.1 Gestaltung der ersten Stunde 12
7.2 Feinplanung der dritten Unterrichtsstunde 14
8 Schlussbemerkung 17
9 Literatur/Quellen 18
Anhang 19
1 Einleitung
La littérature, où que ce soit en didactique, reprend une place importante, parce que, finalement, les apprenants, eux, contrairement aux didacticiens, ne savaient pas qu′elle n′était qu′une vieillerie...(Porcher,1987: S.41).
Die vorliegende Arbeit befasst sich umfassend mit der Behandlung von Romanen im
Unterricht. Hierzu wurde der Roman Le gone du Chaâba von Azouz Begag ausgewählt. Ziel
dieser Arbeit ist es eine Unterrichtsplanung für eine geeignete Klassenstufe zu entwerfen. Das
Entwerfen eines solchen Plans erfordert sehr viele Vorüberlegungen. In vorhergehenden
Kapiteln wird sich zunächst mit diesen Vorüberlegungen auseinandergesetzt. Dazu gehören
die didaktischen Ziele und Motivationsmöglichkeiten. Ebenso wichtig ist eine
Auseinandersetzung mit dem Inhalt und der Sprache um sich für eine geeignete Klassenstufe
zu entscheiden und um eventuelles Voraussetzungswissen in vorherigen Stunden einzuführen
oder zu wiederholen.
Einen wesentlichen Teil bildet die Grobplanung eines Unterrichtsentwurfes über mehrere
Stunden. Hier soll überlegt werden, wie das Lesen des Romans organisiert werden soll,
welche Stellen übersprungen werden und welche Stellen intensiver zu lesen sind. Die
Grobplanung setzt sich aber auch mit der Behandlung der Sprache und des Themas
auseinander und gibt einen Überblick, welche Ziele im Laufe der Behandlung des Buches
erreicht werden sollen. Anhand eines Beispiels soll im letzten Teil eine Stunde genauer
betrachtet werden um auf einzelne didaktisch-methodische Ziele eingehen zu können.
2 Buch und Film
Le gone du Chaâba ist ein autobiografischer Roman von Azouz Begag, welcher 1986 erschienen ist. Er beschreibt das Leben eines kleinen Jungen namens Azouz. Azouz ist zwar in Frankreich geboren, dennoch ist er aufgrund der Herkunft seiner Eltern Algerier. Er lebt mit seiner algerischen Familie in einem Armutsviertel am Stadtrand von Lyon, in einem Bidonville. Dort wird er mit alltäglichen Problemen konfrontiert. Seine Eltern sind Analphabeten und leben in großer Armut in Baracken. Der tägliche Kampf ums Überleben wird in diesem Buch dargestellt. Hinzu kommen die typischen Schwierigkeiten eines Jugendlichen beim Erwachsenwerden. Im Vordergrund der Handlung steht der innere Konflikt des jungen Protagonisten. Einerseits ist Azouz sehr stolz auf seine Herkunft und sein Leben. Andererseits möchte er auch zu den Franzosen dazu gehören und Freunde unter ihnen finden. Um dieses Ziel zu erreichen, bemüht er sich um gute Schulnoten, was ihm nach einer Weile auch gelingt. Aus diesem Grund distanzieren sich seine algerischen Freunde von ihm und nennen ihn einen Franzosen, der nicht mehr zu ihnen, den Algeriern, dazu gehören kann. Sie fühlen sich von ihm verraten.
Dieses Buch von Azouz Begag ist ein autobiografisches Werk. Begag wurde 1957 in Lyon geboren. Seine Familie und seine Lebensverhältnisse ähneln den beschriebenen Verhältnissen in seinem Buch. Heute ist er docteur en économie, Schriftsteller und Forscher in sozialen Wissenschaften. Er ist ein bedeutender Vertreter der Integration.
1998 verfilmte Christophe Ruggia das Buch: ,,C′est un film que j′ai fait pour les enfants. Quand je l′ai fait, je pensais aux 8-12 ans, moment décisif pour la lecture et l′écriture." (http://www.kultur-frankreich.de/cinefete/2/dossiers/Dossiers_Le_gone.pdf) Dieser Film lässt sich für eine Arbeit mit dem Roman hervorragend verwenden und ist ab einem Sprachniveau von mindestens drei Lernjahren gut zu verstehen.
3 Motivation und Begründung der Textwahl
Seit 1996 organisiert der Ernst Klett Verlag Lesungen in Schulen, im Institut Français und in Büchereien mit Azouz Begag. Als ein Vertreter der Integration von Randgruppen beschreibt Azouz Begag mit viel Wärme und Humor die Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen und zwei Identitäten. Durch seine witzige Schreibweise eignet sich dieses Buch besonders für Kinder und Jugendliche. In seinem Werk werden wesentliche Themen, die heute immer noch sehr aktuell sind, behandelt. Die Ausländerproblematik spielt hier eine wesentliche Rolle. Damit verbunden werden das Thema der Integration sowie die innerliche Zugehörigkeit aufgegriffen. Das Buch bietet eine Vielzahl weiterer wichtiger Themen, die als Diskussionsgrundlagen dienen können, wie zum Beispiel Toleranz, Armut, Elternkonflikte, Religion, Aberglaube, Tradition, Ehre, Benehmen, Liebe und Sexualität. Nebenher läuft das Thema einer interessanten Lexik, die je nach Gesprächspartner einen anderen Charakter annimmt. Diese Themen sind Gebiete, die die Schüler etwas angehen und sie teilweise sogar persönlich betreffen können. Aufgrund dessen bietet dieses Buch eine gute Möglichkeit über gewisse Problematiken zu sprechen. Einen wesentlichen Grundsatz in der heutigen Pädagogik bildet die Interkulturelle Pädagogik. Lehrer werden dazu angehalten ihren Schülern ein Verständnis von Multikulturalität zu vermitteln. Ursache hierfür sind die immer größer werdenden Vorurteile Ausländern gegenüber. Mit diesem Buch kann es dem Lehrer gelingen seine Schüler für diese Problematik zu sensibilisieren um Vorurteile für eine Chancengleichheit zu beseitigen. Dennoch lässt sich darüber diskutieren, in welcher Altersstufe dieses Buch behandelt werden sollte. Der Inhalt für sich dargestellt bietet auf den ersten Blick keine großen Schwierigkeiten. Die Geschichte handelt von dem Leben eines kleinen 12 jährigen Jungen, so dass sich ältere Schüler eventuell nicht angesprochen fühlen oder sich mit der Hauptfigur nicht identifizieren können. Dennoch sind bei einer tiefgründigeren Analyse die genannten Themen, die im Buch angesprochen werden, durchaus äußerst anspruchsvoll und setzen somit ein höheres Alter voraus. Ich habe mich für eine Behandlung in der 12. Klasse entschlossen, da die Schüler in diesem Alter durchaus dazu in der Lage sein sollten entsprechende Themen sowie inhaltlich als auch sprachlich diskutieren zu können. Eine weitere Schwierigkeit stellt das Niveau der Sprache im Text dar. Hier wechselt das Niveau häufig. Es wird Umgangssprache des Französischen vermischt mit arabischen Elementen, wodurch die Schüler Schwierigkeiten im Verständnis haben können. Des Weiteren wird durch die Eltern des Jungen Azouz häufig lautmalerisches Französisch gesprochen, worauf die Schüler ebenfalls hingewiesen werden müssen.
4 Zielstellungen der Textbehandlung und Vorbesprechung
Flaubert n′a pas écrit ,,Madame Bovary" pour les philologues ou les idéologues. Pas plus qu′il ne l′a fait d′ailleurs, comme le dira encore Pennac, pour fournir des sujets de baccalauréat à l′Education Nationale. Mais simplement, nous l′avons fortement souligné dans nos définitions préalables, pour son propre plaisir et pour le nôtre: la logique didactique que nous avons adoptée initialement et qui aspire à fonder sa légitimité sur l′idée d′authenticité, nous impose donc, maintenant, une autre orientation pédagogique qui, sans être exclusive de la première, mette l′accent sur la finalité du plaisir dans le rapport avec les textes plutôt que sur la découverte de leur sens pluriel. (Séoud, 1997: S.117)
Im Vordergrund bei der Behandlung eines Romans sollte immer das Vergnügen stehen. Als der Roman im 19 Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte, war das Ziel zu gefallen und Vergnügen zu bereiten (de plaire) das wesentliche. Dieses Ziel sollte gerade bei der Arbeit mit Schülern nicht außer Acht gelassen werden und somit, wie es im obigen Zitat von Séoud deutlich wird, wichtiger sein als alles andere.
Um die französische Sprache richtig erlernen zu können, sollten die Schüler so oft wie möglich mit ihr in Kontakt kommen, und das möglichst in authentischen Situationen. Da sich der Kontakt mit einer fremden Sprache, abgesehen von Schüleraustauschen, hauptsächlich fast nur auf das Schulbuchmaterial beschränkt, geht die Lust am Erlernen der Sprache oft verloren. Der Lehrer hat hiermit die Aufgabe dem Schüler so viele wie mögliche authentische Sprechanlässe zu geben um seine Sprachkompetenz zu verbessern und die Lernenden zu motivieren und Neugier für die fremde Sprache zu schaffen. Wichtig dabei ist immer der Realitätsbezug. Mit dem Buch ,,Le gone du Chaâba" ist eine solche Grundlage geschaffen aufgrund der aktuellen Thematik und dem authentischen Bericht. Der Einsatz von original französischen Medien im modernen Fremdsprachenunterricht ist damit unumgänglich und bietet eine für den Schüler interessante Möglichkeit ihn an ein solches Werk heranzuführen.
Das Medium Film hat den Vorteil, dass die schwer verständlichen Teile beziehungsweise sogar unbekanntes Vokabular durch die Visualisierung erschlossen werden können. Somit wird ein ganzheitlicher Lernprozess in Gang gebracht. Dennoch ist ein Film allein nicht ausreichend, da es hierbei zur Reizüberflutung kommen kann. Die Schüler sind leicht überfordert und verlieren das Interesse. Dazu ist eine gründliche Einführung in das Thema beziehungsweise in das zugrunde liegende Buch unabdingbar. In dieser [...]
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Steffi Freckmann, 2006, Der Roman im Französischunterricht am Beispiel Azouz Begag: Le gone du chaâba, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Steffi Setzkorn's text Der Roman im Französischunterricht am Beispiel Azouz Begag: Le gone du chaâba is now available as a printed book
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