Inhaltsverzeichnis
1 Einleitende Bemerkungen 3
2 Die Eidgenossenschaft im Dreißigjährigen Kriege 5
3 Der Westfälische Friede und die Eidgenossenschaft 8
3.1 Der Schweizer Artikel 8
3.2 Etappen auf dem Weg zum Ziel 9
4 Abschließende Bemerkungen. 13
5 Literaturverzeichnis 14
2
1 Einleitende Bemerkungen
Im Buch V, Kapitel 1 des „Simplicissimus“ schreibt Christophel von Grimmelshausen über die Landstriche der Eidgenossen: „Das Land kam mir so fremd vor gegen ander teutschen Länder, als wenn ich in Brasilia oder in China gewesen wäre: da sahe ich die Leute in dem Frieden handeln und wandeln, die Ställe stunden voller Viehe, die Bauernhöf liefen voll Hühner, Gäns und Enten, die Straßen wurden sicher von den Reisenden gebraucht, die Wirtshäuser saßen voll Leute, die sich lustig machten. Da war ganz keine Furcht vor dem Feind, keine Sorg vor der Plünderung und keine Angst, sein Gut, Leib und Leben zu verlieren; ein jeder lebte sicher unter seinem Weinstock und Feigenbaum und zwar gegen andern teutschen Ländern zu rechnen, in lauter Wollust und Freud, als dass ich dieses Land für ein irdisch Paradies hielte, wiewoln es von Art rauch genug zu sein schien.“ 1
Allein diese Sätze verdeutlichen schon, welch unsägliches Leid und welche unerhörte Verheerung der Dreißigjährige Krieg über Land und Leute der beteiligten Parteien - vor allem in Deutschland und den angrenzenden Gebieten - gebracht hat 2 ; gleichwohl zeigten die kriegerischen Parteien erst dann eine Bereitschaft zu Friedensverhandlungen, als die Erschöpfung ihrer finanziellen und wirtschaftlichen Ressourcen vollkommen offenbar wurde 3 ; entsprechend zäh und schwierig gestalteten sich die Verhandlungen, welche Schiller zum Abschluss seiner „Geschichte des dreißigjährigen Krieges“ entsprechend zu charakterisieren und (gewissermaßen hinterfragend) zu würdigen wusste 4 : „Was für ein Riesenwerk es war, diesen unter dem Namen des westphälischen berühmten, unverletzlichen und heiligen Friedens zu schließen, welche unendlich scheinende Hindernisse zu bekämpfen, welche streitenden Interessen zu vereinigen waren, welche Reihe von Zufällen zusammenwirken musste, dieses mühsame, teure und dauernde Werk der Staatskunst zustande zu bringen, was es kostete, die Unterhandlungen auch nur zu eröffnen, was es kostete, die schon eröffneten unter den wechselnden Spielen des immer fortgesetzten Krieges im Gange zu erhalten, was es kostete, dem wirklich vollendeten das Siegel aufzudrücken und den feyerlich
1 Grimmelshausen, Hans Jakob Christophel von: Der abenteuerliche Simplicissimus, Düsseldorf 2007, S. 468.
2 Jorio, Marco: Die Schweiz und der Westfälische Friede, in Schweizerische Vereinigung für Militärgeschichte und Militärwissenschaft: 1648-1798-1848-1998: 350 Jahre bewaffnete Neutralität in der Schweiz. Permanente Neutralität und Milizsystem im Wandel, Bern 1999, S. 21: „Die Schweiz erschien den Zeitgenossen als Friedensinsel in kriegserfüllter Zeit - ja man kann fast von einer Vorwegnahme der Situation der in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts unversehrten Schweiz sprechen.“
3 Blankart, Franz: Der Westfälische Frieden aus der Sicht eines Diplomaten von heute, in Jorio, Marco: 1648 Die Schweiz und Europa. Außenpolitik zur Zeit des Westfälischen Friedens, Zürich 1999, S. 16: „Friedrich Schiller hat die zwei Weisen aufgezeigt, mit denen die Reichsidee hätte gerettet werden können, nämlich das Toleranzprinzip Marquis Posas und die Verhandlungskunst Wallensteins. Das erstere kam nicht zu tragen, die letztere war zögerlich und erfolgte zu spät. So zerfleischte sich das christliche Abendland im Namen Gottes, vom Fenstersturz in Prag und der Schlacht am Weißen Berg über die Schlacht am Breitenfeld bis zu jener in Lützen, um sich - in völliger Erschöpfung - in Münster und Osnabrück an den Verhandlungstisch zu setzen und die Reichsidee zu liquidieren.“
4 Vgl. Litt, Arnold: Europäische Friedens-Schlüsse seit 1948 und die Schweiz, Zürich 1947, S. 125.
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angekündigten zur wirklichen Vollziehung zu bringen - was endlich der Inhalt dieses Friedens war, was es durch dreyßigjährige Anstrengungen und Leiden von jedem einzelnen Kämpfen gewonnen oder verloren worden ist, und welchen Vortheil oder Nachtheil die europäische Gesellschaft im Großen und Ganzen dabey mag geerntet haben - muss einer andern Feder vorbehalten bleiben. So ein großes die Kriegsgeschichte war, so ein großes und eignes Ganzes ist auch die Geschichte des Westfälischen Friedens.“ 5 Betrachten wir die Rolle der Schweiz und was sie zum Ende des Dreißigjährigen Krieges im Konzert der europäischen Großmächte „geerntet haben“ mag. 6
5 Schiller, Friedrich von: Geschichte des dreißigjährigen Krieges, in Schiller, Friedrich von: Historische Schriften, Essen 1995.
6 Lätt, Arnold: Europäische Friedens-Schlüsse und die Schweiz, Zürich 1947, S. 17: 1643 verlas, anlässlich einer von Basel initiierten „Tagsatzung“ wider das Reichskammergericht, fortan nicht mehr mit Steuern, Tributen und Auflagen ehelligt zu werden, „der französische Gesandte ein Schreiben seiner Königin-Regentin (Anne d'Autriche), die sich anerbot, ihre lieben Freunde und Verbündeten, die Herren Eidgenossen, in den kommenden Frieden einzuschließen. Dieser Entschluss war zwar nicht viel mehr als ein Akt diplomatischer Höflichkeit und Tradition und bestand darin, dass in einem besonderen Artikel jeder Vertagschließende alle seine Freunde und Verbündete aufzählte, die auch des allgemeinen Friedens teilhaftig werden sollten. Die praktischen Basler Abgeordneten sahen in dem französischen Anerbieten ein Mittel zur Erlangung ihres Rechtes und eine Garantie für die Zukunft.“
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2 Die Eidgenossenschaft im Dreißigjährigen Kriege
Die Grundlage dafür, dass die Eidgenossen im Dreißigjährigen Kriege von Verheerungen (zumindestens weitgehend) verschont blieben, bildete das (weitgehend eingehaltene) Prinzip der Neutralität; 7 sie bildete - neben der für die Eidgenossen günstigen Interessenkonstellation der Großmächte - letztlich auch die unabdingbare Voraussetzung für den Westfälischen Frieden in Form des Schweizer Artikels sich manifestierenden Verhandlungserfolg der Eidgenossen mit den relevanten Mächten. 8 Allerdings blieben die Eidgenossen während des Krieges durchaus nicht unbehelligt. Einige Krisen und Brennpunkten seien in aller Kürze behandelt:
a) 1618 übernahmen mit Jörg Jenatsch radikale Prädikanten die Leitung einer antispanischen Bewegung; diese veranlassten 1619 die Ermordung führender Vertreter der spanischen und der katholischen Partei, was wiederum die katholischen Veltliner zu einer blutigen Antwort, dem so genannten Veltliner Mord, und zu einem Aufstand wider ihre Bündner Herrn veranlasste; 9 es folgte die Besetzung des Veltlins durch spanische und des Münsterlands durch österreichische Truppen. 1621 übernahmen die Österreicher im Bünderland die Rekatholisierung, indem sie einmarschierten. 1622 wurden die Österreicher von den Prättigauern vertrieben, aber schon 1623 kehrten die Österreicher zurück und schlugen den Aufstand nieder; 1624/25 wurde das Veltlin durch die Truppen Kardinal Richlieus besetzt, um daraufhin ein drittes Mal von habsburgischen Truppen besetzt zu werden. 1635 besetzten die Truppen des Herzogs Henry de Royan das Veltlin, „um die
7 Kopp, Peter E.: Erinnerung an den Westfälischen Frieden, 350 Jahre unabhängige Schweiz 1648-1998, Schaffhausen 1999, S. 15f: „Schon im Vorfeld des Krieges wurden die eidgenössischen Orte von vielen Seiten der Bündnispartner umworben. Es war staatsmännisch klug und verantwortungsbewusst, dass die evangelischen Orte - seit dem Kappeler Frieden gegenüber den Altgläubigen im Nachteil - die Versuchung zum Beitritt in die protestantische Union widerstanden, um den katholischen Orten nicht Anlass zum Anschluss an die katholische Liga zu geben. Wenn die Eidgenossen nicht als Bündnispartner zu haben waren, so wollte man wenigstens ihr Gebiet durchqueren, namentlich die Alpenübergänge benutzen. Das damalige Völkerrecht gestattete den Kriegführenden grundsätzlich Truppendurchzüge. Besonders begehrt waren die Bündnerpässe als direkte Verbindung zwischen den spanischhabsburgischen Oberitalien und dem Reich. Da Graubünden innerlich in zwei Lager gespalten war, wurde es in den Kriegsstudel hineingezogen.“
8 Stadler, Peter: Der Westfälische Frieden und die Eidgenossenschaft, in Jorio, Marco: 1648 Die Schweiz und Europa, Außenpolitik zur Zeit des Westfälischen Friedens, Zürich 1999, S. 57: „Die Eidgenossenschaft genoss im großen europäischen Krieg der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts das Privileg der Verschonung, trotz oder gerade wegen ihrer kontinentaler Mittellage. Eine Verwicklung, womöglich gar Besetzung des Landes hätte das internationale Gleichgewicht empflindlich gestört. Zudem verhinderte der territorial verankerte Schweizer Bikonfessionalismus die zeitweilig auf katholischer wie reformierter Seite latente Bereitschaft, sich in eine Auseinandersetzung einbeziehen zu lassen: Die Folge wäre ein innerer Krieg und damit zwangsläufig auch der Zerfall dieses Staatsgebietes gewesen.“
9 ebd., S. 57: „Immerhin erlitt ein Teil der Konföderation das bittere Schicksal der Heimsuchung: Graubünden, das hja nicht vollberechtigter Kanton der Schweiz war, sondern ein so genannter Zugewandter (also: verbündeter) Ort: nicht nur geographisch zerklüftet, auch konfessionell zweigeteilt und überdies dreisprachig (deutsch, rätoromanisch und italienisch), dazu erst noch mit dem schwierig zu verwaltenden, überzeugt katholischen und der italienischen Kultur zugehörigen Veltlin als Untertanenland. So bot sich das Graubünden jener Zeit als Eidgenossenschaft im Kleinen dar, dessen schlimmes Schicksal dem deutschen Bildungsbürgertum dann durch Conrad Ferdinand Meyers Roman 'Jürg Jernatsch' nahegebracht worden ist. Zeitweilig schwer geschädigt worden (und das ist weniger bekannt) auch die nördlichen Teile des Kantons Schaffhausen. Das blieben beängstigende Ausnahmefälle, die den Eidgenossen das Glück ihrer Friedensinsel umso anschaulicher vor Augen führten.“
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Arbeit zitieren:
Andreas Raffeiner, 2008, Zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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