Abstract
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Phänomen Terrorismus und stellt dabei verschiedene Sichtweisen dar. Einer allgemeinen Untersuchung des Phänomens folgt aufgrund der Unmöglichkeit einer Definition des Terrorismusbegriffs eine typisierende Beschreibung verschiedener Erscheinungsformen. Eine dieser Erscheinungsformen, der sozialrevolutionäre Terrorismus, wird anhand der Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) mit der Praxis abgeglichen und systematisch mit den vorab entwickelten Schemata erklärt. Bedingungen, Entstehung, die drei Generationen der RAF und ihre Auflösung werden dabei beschrieben. Anschließend wird der Forderung nach einer Abstrahierung des Terrorismusbegriffs, um diesen systemtheoretisch erklären zu können, nachgekommen. Die Abstraktion führt gemeinsam mit den Praxisdarstellungen und den entwickelten Schemata zu Möglichkeiten, wie dem Ter- rorismus entgegnet werden kann.
Inhalt
1 Aktualität des Themas 1
2 Terrorismus 2
2.1 Definitionsproblem. 3
2.2 Beschreibung und Typisierung 4
3 Terrorismus in der Praxis 7
3.1 Die Rote Armee Fraktion 7
3.1.1 Das Fundament. 8
3.1.2 Schlüsselerlebnis. 8
3.1.3 Anfänge des Terrorismus 10
3.1.4 Die Geburtsstunde der RAF. 10
3.1.5 Das Ende der ersten Generation der RAF 12
3.1.6. Die zweite Generation der RAF 13
3.1.7 Die dritte Generation der RAF 14
3.1.8 Der Niedergang der RAF. 15
4 Terrorismus in der Systemtheorie 15
4.1 Terrorismus als Netzwerk 17
4.2 Reaktionsmöglichkeiten und Gegenmaßnahmen 18
5 Literatur
I
1 Aktualität des Themas
Die scheinbar bedingungslose Akzeptanz oder gar Selbstverständlichkeit bestimmter Phänomene innerhalb unserer Gesellschaft ist ein Indiz für deren hohe Bedeutung innerhalb der Gesellschaft. Dies gilt inzwischen zweifellos auch für das Phänomen Terror. Beinahe regungslos werden Attentate und Anschläge im Nahen Osten zur Kenntnis genommen, Unruhe kommt lediglich auf, wenn Anschläge oder aber versuchte Anschläge der westlichen Welt zu nahe kommen. So bemerken Gross/Hitzler (2003, 103), dass „inzwischen auch nicht nur die global nachgerade omnipräsenten Terrorismen - chronisch: die in Israel und Palästina, nahe liegend: die in Afghanistan und im Irak, derzeit aber eben auch die in Algerien, Indonesien, Indien, sowie in mehreren Schwarzafrikanischen Staaten, nicht zuletzt schließlich die ‚Snipers’ 1 ebenso wie die (fast schon wieder vergessenen) Milzbrand-Sporen-Anschläge in den USA, usw. - (wieder) Teil der Normalität medialer Alltagsroutinen geworden“ sind. Entrüstung und Trauer machen sich oftmals nur noch bei entsprechend hohen Zahlen an Verletzten oder im schlimmsten Fall Toten breit.
Die Ziele, Motive und Methoden des Terrors sind so unterschiedlich, wie seine Anhänger und daher verwundert es nicht, dass bei entsprechender Recherche auf Lexika oder ganze Enzyklopädien 2 über Terrorvereinigungen und -anschläge getroffen wird. Bei genauerer Betrachtung der verschiedenen Ausprägungen und des Zeitraums, in dem sich der Terrorismus entwickelt hat, stellt sich die Frage: Wie konnte es dieser zu solch immenser Bedeutung bringen? Die Antwort hierauf beginnt mit einer Konkretisierung der Frage. Wer sich mit Terror oder Terrorismus beschäftigt und dieses Phänomen erklären möchte, muss vorab verstehen was Terror bzw. Terrorismus ist. 3 Die Definitionen und vor allem der Gebrauch dieses Wortes in politischen, religiösen oder auch alltäglichen Kontexten erleichtern das Verständnis allerdings kaum, so dass eine Kategorisierung der verschiedenen Formen des Terrorismus letztendlich die plausibelste Hinführung zum Themenkomplex Terrorismus darstellt.
1 Anschläge von Scharfschützen in Washington
2 Über Sinn und Unsinn dieser Literatur kann ebenso kritisch diskutiert werden, wie über die Autoren, reichen
diese doch von Söhnen aus US-Army-Dynastien, bis hin zu ehemaligen Personenschützern weit über das ge-wohnte Spektrum anerkannter Verfasser hinaus.
3 Die Begriffe Terror und Terrorismus werden oftmals voneinander getrennt. Siehe dazu Punkt 2.2.
1
2 Terrorismus
Die Worte Terror und Terrorismus stammen „vom lateinischen Verb ‚terrere’ und dieses bedeutet: zum Zittern bringen, erschrecken“ (Jain, 2003, 32). So werden hier zwei Dimensionen des Wortes berührt. Einerseits das Zittern als physische Reaktion auf Terror, andererseits der Schrecken psychischer Art, welcher auf die Vorstellungen über Terror zurückgeht. Der Soziologe und Terrorismusforscher Peter Waldmann hält seine Definition kurz und beschreibt Terrorismus als „planmäßig vorbereitete, schockierende Gewaltanschläge gegen eine politische Ordnung aus dem Untergrund. Sie sollen allgemeine Unsicherheit und Schrecken, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen“ (Waldmann, 1998, 10).
Gross/Hitzler (2003, 105f.) hingegen verstehen unter Terror etwas ausführlicher „jegliche absichtliche, angekündigte oder unangekündigte, mit instrumentellen und/oder symbolischen Mitteln erzeugte Verbreitung von Schrecken durch alle Arten von kollektiven und individuellen Akteuren
- zu bestimmten Zeitpunkten, in bestimmten Zeiträumen oder jederzeit, - unter bestimmten Bedingungen oder allen Umständen, - gegenüber bestimmten Personen, Personengruppen oder jedermann, - in einem (von den potentiellen Adressaten) nicht vorherseh-, erwart- und kalkulierbzw. kontrollierbaren Ausmaß
- und mit für die Adressaten (und Dritte) unüberschaubarem Steigerungspotenzial im Hinblick auf Zielsetzungen, die von der direkten Um- und Durchsetzung konkreten eigenen Wollens des Terrorisierenden bis zur diffusen bzw. generellen Einschüchterung der direkt Betroffenen und/oder von Dritten reichen können“.
Dietl/Hirschmann/Tophoven (2006, 17) sehen Terrorismus „als eine andauernde und geplante Gewaltanwendung mit politischer Zielsetzung, um mittels terroristischer Mittel das (politische) Verhalten des Gegners zu beeinflussen.“ Die Definition ist zudem an fünf Komponenten geknüpft, welche später im Rahmen der Beschreibungen verschiedener Formen von Ter-rorismus erläutert werden.
2
2.1 Definitionsproblem
Die beiden Definitionen zeigen, woraus sich die Definitionsproblematik des Terrorismusbegriffs ergibt: einer scheinbar zu eng gehaltenen Definition folgt eine Definition, die den Eindruck erweckt, als umfasse sie alles und jeden. So kommt es, dass selbst in den USA, dem Land, welches sich wohl am eindringlichsten mit dieser Thematik beschäftigt, die einschlägigen Institutionen keine übereinstimmende Definition zugrunde liegen haben. 4 Der Terrorismus ist folglich vielseitig, er umschließt zu viele Standpunkte, lässt sich nicht in eine Definition ’pressen’. Anthony Hauninger zufolge ergibt sich die Definitionsproblematik vor allem aus der Tatsache, dass „der Begriff des Terrorismus negativ konnotiert ist und oft mit ’gewöhnlichen’ Verbrechen gleichgesetzt wird“ (Hauninger, 2007, 14). Des Weiteren ist der Begriff des Terrorismus „ein politischer ’Kampfbegriff’,…eine politische Etikettierung, die…großen Schwankungen ausgesetzt ist“ (Hauninger, 2007, 14) und „von den Me-dien...vorschnell und teilweise falsch benutzt (Hauninger, 2007, 14)“ wird. Hinzu kommt die Abhängigkeit der Perspektive. Als Beispiel lässt sich Nelson Mandela anführen, der einst von den USA als Terrorist bezeichnet wurde und seit 1993 Träger Friedensnobelpreises ist. Ein weiteres Beispiel stellt Menachem Bergin dar, einstiger Anführer der rechtsradikalen zionistischen Terrororganisation Irgun Tzwai Le’umi, verantwortlich für einen Bombenanschlag und ein Massaker an Arabern, der später Ministerpräsident und Außenminister Israels war. Auch er erhielt den Friedensnobelpreis. Stalin, Che Guevara, Mao Tsetung; die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Wer war Widerstandskämpfer, wer Terrorist? Die Perspektive entscheidet, die Geschichte wird von den Siegern geschrieben, so auch im Terrorismus. Nitschke (2008, 19) formuliert hierzu treffend: „Mitunter drängt sich der Eindruck auf, dass über Sinn oder Unsinn des Terrorbegriffs allein die politische Erfolglosigkeit bzw. der spätere politische Erfolg von Terrorattentätern entscheidet.“ Bereits an dieser Stelle wird die Forderung nach einer Abstrahierung des Phänomens ersichtlich. Dem wird an späterer Stelle der Arbeit noch nachgekommen. Zurückblickend hatte der inzwischen anerkannte Ter-rorismusforscher Walter Laqueur (1978, 6) Recht als er bereits im Jahr 1978 auf einer Tagung bemerkte, dass „eine präzise Definition des Terrorismus, die sämtliche Spielarten in allen Ländern zu allen Zeiten umfasst, … entweder völlig vage oder gänzlich falsch“ ist.
4 Das US-Außenministerium, das FBI und das US-Verteidigungsministerium verwenden je unter-
schiedliche Definitionen des Begriffs Terrorismus. Siehe hierzu: Hauninger, 2007, S. 13.
3
2.2 Beschreibung und Typisierung
Die Schwierigkeiten bei der Suche nach einer einheitlichen Definition haben in der Literatur vermehrt zu einer Beschreibung und Typisierung des Phänomens Terrorismus, statt zur Bildung einer Definition geführt. Obgleich hierbei wiederum viele unterschiedliche Ansichten darüber herrschen, was berücksichtigt werden muss und was nicht, findet sich doch ein relativ stabiler Kern dessen, was Terrorismus schließlich auszuzeichnen scheint. Richardson (2007, 28ff.) schreibt dem Terrorismus sieben Merkmale zu: „die politische Motivation des Terroraktes, gewaltsames Vorgehen, die Verkündung einer Botschaft, die symbolische Bedeutung eines Terroraktes, der Ausschluss von Staaten als Terrorismus betreibende Kräfte, die Verschiedenheit von Opfern und Publikum und schließlich die bewusste Ausrichtung gegen Zivilisten.“
Nach Behr (2004, 122) zeichnet sich Terrorismus vor allem „durch politische Gewalt bzw. den politischen Charakter der Auswirkungen, den systematischen Charakter im Sinne der organisierten Durchführung einer politischen Idee, der Verbreitung einer Atmosphäre von Angst und Schrecken sowie dem Status das Terrorismus als nationale Sicherheitsbedrohung“ aus.
Dietl/Hirschmann/Tophoven (2006, 17f.) sehen wiederum fünf Bestandteile im Zusammenhang mit Terrorismus: es muss folglich „eine Gewaltanwendung über einen längeren Zeitraum vorliegen und diese muss organisiert sein, sie muss politisch motiviert sein, die Gewaltanwendung muss von der Gesellschaft als unnatürlich und unverhältnismäßig wahrgenommen werden und die Terroristen können, müssen jedoch nicht die Stellung einnehmen, die sie abschaffen oder ändern wollen.“
Bereits hier wird deutlich, dass sich eine Kategorisierung durch eine genaue Beschreibung für das Phänomen eher anbietet als eine Definition. Die Unterschiede der Beschreibungen haben keine destruktive sondern eher ergänzende Wirkung aufeinander. Hierin liegt der Vorteil gegenüber einer Definition, die einen Anspruch auf Vollständigkeit und Alleinstellung hat. Größtenteils einig ist sich die Wissenschaft bei einer Unterteilung der Kategorien des Terrorismus. Die Frage nach höherrangigen Zielen und Motiven bringt drei Hauptarten des Terro-
4
Arbeit zitieren:
B.A. Dominique Blümke, 2008, Terrorismus, München, GRIN Verlag GmbH
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Darf man Terroristen töten? - Erörterung dieser Frage anhand des Mensc...
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