Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 2
1. EINFÜHRUNG. 3
2. DIE ITALIENISCHE EINWANDERUNG NACH ARGENTINIEN UND URUGUAY-
EIN KULTURHISTORISCHER RÜCKBLICK. 4
2.1 Die Region Río de la Plata 4
2.2 Ein Überblick über Anfänge der Einwanderung und der demografischen
Entwicklung in Argentinien 5
2.3 Die italienische Emigration nach Uruguay 8
2.4 Die Gründe der Emigration 10
2.5 Emigrationsprozess der Italiener analysiert nach den Regionen 11
3. PHÄNOMENE DES SPRACHKONTAKTES ITALIENISCH UND SPANISCH AM
R ÍO DE LA PLATA 12
3.1 Etappen der sprachlichen Anpassung 13
3.2 Einwirkende Faktoren auf den sprachlichen Integrationsprozess 15
3.3 Die nueva inmigración und vieja inmigración. 16
3.4 Linguistische Phänomene als ethnische Informationsträger 17
3.5 Das Cocoliche. 23
3.6 Das Lunfardo 28
3.6.1 Das Sprachsystem des Lunfardo 29
3.6.2 Das Vesre 30
3.7 Einfluss des Italienischen auf das Spanische durch den Sprachkontakt 31
4.ZUSAMMENFASSUNG 35
BIBLIOGRAFIE : 38
2
1. Einführung
Die Region um den Río de la Plata motiviert immer wieder zur Sprachforschung und der Verfassung sprachwissenschaftlicher Arbeiten, da besonders hier die Intensität der europäischen Einwanderung markante Spuren hinterlassen hat, die zu neuen sprachlichen Ergebnissen geführt hat, und auch weiterhin führen wird.
Ziel dieser Arbeit ist es, die linguistischen Kontaktphänomene, die beim Aufeinandertreffen der Sprachen Italienisch und Spanisch am Río de la Plata entstanden sind aufzuzeigen und ihre Entwicklung nachzuzeichnen. In diesem Kontext spielt der Weg der sprachlichen Anpassung der italienischen Immigranten eine große Rolle und natürlich die italienische Emigration selbst, ohne die dieser Sprachkontakt überhaupt nicht stattgefunden hätte. Wichtige Voraussetzung für diese Analyse ist deshalb das geschichtliche und kulturelle Hintergrundwissen. Das Entstehen dieser sprachlichen Phänomene ist ohne das Wissen über die massive Einwanderung der italienischen Bevölkerung, kaum verständlich. Geschichtliche und soziale Komponenten dieser Einwanderung nach Argentinien und Uruguay sind deshalb wichtiger Bestandteil dieser Arbeit. Unter anderem werden dabei die Motivation zu emigrieren aufgezeigt, Emigrationsströme analysiert und die Veränderung der demografischen Situation in dieser Region während der Einwanderung mit Zahlen belegt. Nach der sozialgeschichtlichen Betrachtung wird dann konkret auf die sprachliche Situation am Río de la Plata eingegangen und die sprachlichen Phänomene aus dem Kontakt beider Idiome analysiert. Zwei wesentliche Ergebnisse sind insbesondere das cocoliche und das lunfardo. Zum Thema Sprachkontakt Spanisch und Italienisch am Río de la Plata gibt es bereits, wie oben schon erwähnt, viele sprachwissenschaftliche Untersuchungen, die mir die wesentliche Grundlage für meine Belegarbeit boten. Im kulturhistorischen Bereich habe ich mich in erster Linie auf das Buch Los abuelos inmigrantes. Historia y sociología de la inmigración argentina 1 von Alberto Sarramone, auf den Artikel von María Cristina Cacopardo und José Luis Moreno: Características regionales, demográficas y ocupacionales de la inmigración italiana a la Argentina (1980-1930) 2 , auf La inmigración europea en el
1 Sarramone,Alberto: Los abuelos inmigrantes. Historia y sociología de la inmigración argentina. Buenos Aires: Editorial Biblos Azul. 1999.
2 Cacopardo, María Cristina; Moreno, José Luis: Características regionales, demográficas y ocupacionales de la inmigración italiana a la Argentina (1980-1930).In: La inmigración italiana en la Argentina. Buenos Aires: Editorial Biblos. 1985.
3
Uruguay 3 von Silvia Rodriguez Villamil und Graciela Sapriza und den Artikel Inmigración y Analfabetismo en Argentina 4 von Mario Nascimbene gestützt.
Im sprachwissenschaftlichen Teil sind in erster Linie die Arbeiten von Giovanni Meo-Zilio: El Cocoliche Rioplatense 5 , Graciela Barrios: La aculturación sociolingüística 6 , Antonella Cancellier: Lenguas en contacto. Italiano y español en el Río de la Plata 7 und Susana Martorell de Laconi: Algo más sobre el lunfardo. El lunfardo y el contacto lingüístico 8 meine Basis gewesen. Als nächstes folgt eine kleine geografische Einordnung des Gebietes Río de la Plata.
2. Die italienische Einwanderung nach Argentinien und Uruguay- ein kulturhistorischer Rückblick
2.1 Die Region Río de la Plata
Wenn man von der Region Rio de la Plata spricht, bezieht man sich auf den östlichen Teil Argentiniens mit seinen Provinzen Buenos Aires, Entre Ríos und Santa Fe und auf das Gebiet des angrenzenden Landes Uruguay, direkt am Río de la Plata gelegen. Argentinien ist nach Brasilien mit 2.758.829 km² und 32.608.687 Millionen Einwohnern der zweitgrößte Staat Südamerikas 9 .
Uruguay mit einer Fläche von 187.000 km² mit 3 Mill. Einwohnern ist fast das kleinste Land Südamerikas 10 . Doch die Region ist nicht nur durch das geographische Merkmal des Rio de la Plata verbunden, sondern es verbindet sie auch eine gemeinsame Kolonialgeschichte. Nach Angaben des Buches Los abuelos inmigrantes war es in Chroniken des 19.Jh. üblich diese Region Río de la Plata zu bezeichnen. In dieser Bezeichnung war der Anspruch oder auch Traum vom Reichtum bzw. Silber ( spanisch: plata ) verankert. Im argentinischen Spanisch wird auch das Wort la plata in der Bedeutung Geld verwendet. Die heutige
3 Rodriguez Villamil, Silvia; Sapriza, Graciela: La inmigración europea en el Uruguay: Los italianos. Montevideo: Ediciones De La Banda Oriental. 1982.
4 Nascimbene,Mario: Inmigración y Analfabetismo en Argentina. La corriente migratoria italiana entre 1876 y 1925. In: Sociología. Revista argentina de ciencias sociales. Buenos Aires 1978. S.121-157.
5 Meo-Zilio, Giovanni: El “cocoliche” rioplatense. In: Boletín del Istituto de Filología. Santiago de Chile. 16. Jg.1964. S.61-119.
6 Barrios Graciela: La aculturación sociolingüística de los inmigrantes italianos en el Uruguay. In: Estudios humanísticos en memoria Dr.Guido Zannier. Montevideo 1998. S.69-83.
7 Cancellier, Antonella: Lenguas en Contacto.Italiano y español en el Río de la Plata. Padova (Unipress)1996.(=Studi Lingüística Applicati)
8 Martorell de Laconi, Susana: Algo más sobre el lunfardo. El lunfardo y el contacto lingüístico. In: Anuario de lingüística hispánica. Vol.12/13. Homenaje al Dr. Germán de Granda(II). Salamanca 1997. Bd.2 S.653-666.
9 Guillermina Ledesma, Marcela: Argentina. Columbia: Editorial Norma S.A. 1993. S.25
10 Bernhardson, Wayne; Draffen, Andrew; Dydynski, Krzysztof; Rachowiecki, Rob; Strauss, Robert; Swaney, Deanna: Südamerika-Handbuch. Bremen: Gisela E.Walter Verlag. 1995. S.1117
4
Bezeichnung Argentinien, die wohl diesen Traum transportieren sollte, leitet sich vom damaligen lateinischen Wort Argentum für Silber ab 11 .
Da man sich mit der Bezeichnung Rio de la Plata auf Argentinien und Uruguay bezieht und beide Länder zwar gleiche linguistische Phänomene des Sprachkontakts Italienisch und Spanisch aufweisen, aber es doch in der Emigrationsgeschichte Unterschiede gibt, werden im kulturhistorischen Rückblick beide Länder getrennt voneinander betrachtet.
2.2 Ein Überblick über Anfänge der Einwanderung und der demografischen Entwicklung in Argentinien
Um die besondere sprachliche Varietät am Río de la Plata zu verstehen, ist es unbedingt erforderlich die Einwanderungsgeschichte Argentiniens und Uruguay zu betrachten, da die starke italienische Einwanderung in den letzten Jahrzehnten des 19. und den ersten Jahrzehnten des 20 Jh. ein auslösender Faktor für das Entstehen dieser Varietät war. Was Argentinien betrifft war es ein Einwanderungsprozess, der nicht nur sprachliche Varietäten einstehen ließ, sondern die argentinische Gesellschaft sozial wie kulturell und vor allem demografisch neu formte. Anfang des 18 Jh. hatte die Republik Argentinien eine sehr niedrige Einwohnerzahl. Die demografischen Angaben im Buch Los abuelos inmigrantes sprechen von 11.220 Einwohnern in Buenos Aires und noch mal die Hälfte wohnte in den umliegenden Gegenden 12 . Weitere Angaben erscheinen im folgenden Zitat:
En 1800, Azara daba 40.000 habitantes a la ciudad y 31.668 a la campana. A la caída de la dictadura de Juan Manuel de Rosas a mediados del siglo XIX, la confederación Argentina era un país absoluta y relativamente despoblado. Buenos Aires no tenía mucho más de 70.000 y el país no alcanzaba a los 900 mil habitantes, suma muy inferior a la que por esa época tenían las hermanas repúblicas del Perú 2.700.000, Chile 1.700.000 Bolivia 2.400.000, Brasil, el más poblado con 6.800.000. Paraguay tenía tantos pobladores como Argentina, Uruguay tenía mucho menos, pero poseía una extensión territorial significativamente menor que Argentina 13 .
Allein in Argentinien wanderten zwischen 1870 und 1914 5.500.000 Emigranten ein 14 . 1895 kam auf jede vierte Person ein Ausländer, im Jahr 1914 erhöhte sich diese Verteilung auf eins zu drei. Aufgrund der ungleichen Verteilung der Immigranten im Land kam es in industriellen und kulturellen Zentren wie Buenos Aires sogar auf ein Verhältnis von 2 zu 1 15 . In der dritten
11 Alberto Sarramone, 1999, S.39
12 Alberto Sarramone, S.18
13 Alberto Sarramone, S.18
14 Silvia Rodríguez Villamil; Graciela Sapriza, 1982, S.12
15 Alberto Sarramone, 1999, S.15
5
Dekade des 20. Jh. war Argentinien, verglichen mit allen anderen Ländern Amerikas, das Land mit der höchsten Ausländeranzahl 16 .
Die italienische Einwanderung nach Argentinien begann erst ab 1870 eine wesentliche Rolle zu spielen. Schon seit 1820 immigrierten Italiener nach Argentinien, aber neben den Engländern, Franzosen und Spaniern präsentierten sie nur einen sehr geringen Anteil der Immigranten. Die Italiener kamen vorwiegend aus folgenden Gebieten: Korsika, Genua, Piemont, Venecia, Friaul und Neapel 17 . Wie sich der Prozentanteil der Italiener im Lauf der Jahre gesteigert hat, zeigt sehr gut das folgende Zitat:
En 1869 la población italiana de Buenos Aires representaba el 23,5% de la población total que era de 187.126 habitantes. En 1887 sobre un total de 432.661 habitantes, 228.177 eran extranjeros y de estos el 31,9% eran italianos de diferentes lugares, con preferencia genoveses 18 .
Nach Alberto Sarramone ist jede Etappe der europäischen Einwanderung nach Argentinien durch unterschiedliche Herkunft und unterschiedlichen sozialen Status der Emigranten geprägt. Ab 1810 immigrierten in der Mehrheit Engländer und Irländer, ab 1860 dominierten die Franzosen und ab 1870 die Italiener. In der ersten Etappe kamen die Einwanderer aus dem industrialisierten Europa, qualifizierte Arbeitskräfte im Bereich der Landwirtschaft und der Kunst, die sich sehr schnell in ihre neue Heimat integrieren konnten. Mit Ende des 19. Jh. immigrierten immer mehr unbeschäftigte Landarbeiter ohne Landbesitz, und wenig Bildung, die große Schwierigkeiten hatten, sich in Argentinien zu integrieren 19 . In Los abuelos inmigrantes zeigt eine Tabelle sehr deutlich die Zahl der Emigranten auf, geordnet nach Nationalität, die Europa bis zu dieser Zeit in Richtung Buenos Aires-Argentinien verlassen haben, und macht ebenfalls die hohe Anzahl italienischer Immigranten im Gebiet des Rio de la Plata im Jahre 1887 deutlich.
16 Alberto Sarramone, S.37
17 Alberto sarramone, S.324
18 Martorell de Laconi, Susana: El italiano como elemento fundamental en el lunfardo y el cocoliche, variedades lingüísticas del español en la Argentina. In: Universidad Nacional de Salta (Hrsg.):Clases y Sectores Sociales en la Lengua y la literatura italianas.Vol.II. Salta 1999. S.131
19 Alberto Sarramone, 1999, S.71
6
Quelle: Alberto Sarramone, S.70
Das soll nur eine Vorstellung von der Anzahl der Italiener, im Vergleich zu anderen Nationalitäten, geben, die zu dieser Zeit emigriert sind.
Im Artikel Inmigración y Analfabetismo en Argentina von Mario Nascimbene, in dem der Emigrationsstrom der Italiener nach Argentinien zwischen 1876 und 1925 untersucht wird, findet man entsprechend diesem Zeitraum genauere Angaben: Zwischen 1876 und 1925 emigrierten rund 16.500.000 Italiener, die sich folgendermaßen verteilten: 53, 3% auf Amerika, 44, 6 % auf Europa , 1, 7% auf Afrika und 0, 4% auf andere Kontinente 20 . Doch wie viele Italiener emigrierten in dieser Zeit direkt nach Argentinien? Dazu findet man in der Tabelle auf Seite 129 dieses Artikels folgende Angaben: Zwischen 1876 und 1925 emigrierten 2.500.000 Italiener nach Argentinien und nehmen damit einen prozentualen Anteil von 39 % der Ausländer ein 21 . Den Emigrationsprozess der Italiener kann man in grob in zwei Etappen einteilen. In der ersten Etappe von 1970, mit Beginn des großen Zustroms der Italiener nach Argentinien kamen vorwiegend Italiener aus dem Norden Italiens. Ab 1890 -1900 spielten die Regionen im Süden Italiens eine wesentliche Rolle. Ab 1907 lässt die italienische Einwanderung nach Argentinien auf Grund der Verbesserung der ökonomischen
20 Mario Nascimbene, 1978, S.126-127
21 ibidem, S.129
7
Situation in Italien nach. Im Gegenzug dazu steigt die spanische Einwanderung 22 . Generell wurde ab der zweiten Dekade des 20 Jh. der Emigrationsstrom nach Argentinien immer schwächer, einerseits durch verbesserte ökonomische Bedingungen wie in Italien oder Spanien, aber in erster Linie durch die veränderte Immigrationspolitik Italiens zum anderen Teil durch drastisch erhöhte Reisepreise und wesentlich verschärften Einreise - bzw. Ausreiseformalitäten 23 .
Nach dem zweiten Weltkrieg gab es noch mal für eine kurze Zeit eine massive Emigration nach Argentinien, maßgeblich geprägt durch den Zustrom von Italienern und Spaniern.
2.3 Die italienische Emigration nach Uruguay
Auch Uruguay war im Zuge der europäischen Emigration zum Río de la Plata Ziel vieler Italiener. Ähnlich wie in Argentinien dominierten die italienischen Immigranten bis 1895, zwischen 1895 und 1905 erreichten Italiener und Spanier ähnliche Immigrationswerte und ab 1905 dominierte die spanische Immigration 24 .
Um das an Zahlen noch mal zu verdeutlichen, erscheint nachfolgend eine Tabelle der Immigranten nach Montevideo im Zeitraum 1880 bis 1930:
Quelle: Silvia Rodríguez Villamil; Graciela Sapriza, S.28
Diese Tabelle gibt Aufschluss über das Volumen der europäischen Emigration und zeigt noch mal deutlich, wie sich ab 1905 zahlenmäßig die Bedeutung der immigrierten Italiener zu Gunsten der Spanier verlagert hat. Außerdem markiert sie die niedrigen Emigrationszahlen im Vergleich zu Argentinien, die natürlich immer in Relation mit der wesentlich kleineren Fläche des Landes zu sehen sind.
22 ibidem, S.283
23 ibidem, S.289
8
Arbeit zitieren:
Janka Wunderlich, 2001, Sprachkontaktphänomene zwischen Italienisch und Spanisch infolge der italienischen Einwanderung am Río de la Plata unter Berücksichtigung des Cocoliche und des Lunfardo, München, GRIN Verlag GmbH
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