Inhaltsverzeichnis
1. Ein Mann - zwei Gesichter? 1
2. Napoleon Bonaparte - Ein steiler Aufstieg 2
3. Napoleon Bonaparte - Mann des Krieges 6
3.1 Die Belagerung von Toulon 8
3.2 Bonaparte, General des Vendémiaire 9
3.3 Der Italienfeldzug 11
3.4 Der Ägyptenfeldzug 14
3.5 Der Staatsstreich des 18. Brumaire 1799 und der Weg an die Spitze 16
4. Napoleon Bonaparte - Mann der Kultur 18
4.1 Der Schriftsteller 18
4.2 Le souper de Beaucaire 19
4.3 Der Kunstmäzen und Förderer der Wissenschaft 20
5. Napoleon Bonaparte - Meister des politischen Opportunismus 23
Literaturverzeichnis 24
Ein Mann - zwei Gesichter? 1.
Napoleon Bonaparte gehört zu den wichtigsten historischen Persönlichkeiten Frankreichs. Das moderne Frankreich, so wie es heute existiert, besitzt immer noch Strukturen in den unterschiedlichsten Bereichen, die unter Napoleon entstanden sind. Ein großes ehrenhaftes Grab wurde diesem Staatsmann in Paris zu Teil. Aber wer war eigentlich Napoleon Bonaparte? Er beherrschte nicht nur Frankreich, sondern auch weite Teile Europas. Er war ein genialer Feldherr, aber war er somit auch ein prädestinierter Herrscher?
Diese Arbeit soll zeigen, dass es nicht allein Bonapartes innovative Kriegsführung gewesen ist, die ihn schließlich zum Kaiser machte, sondern dass es daneben noch einen anderen Bonaparte gab, einen Bonaparte der Kunst und Wissenschaft. Zunächst einmal soll ein Kapitel den Werdegang dieses wohl einflussreichsten Mannes Ende des 18./ Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa aufzeigen. Dann widmet sich ein Kapitel dem Feldherrn Bonaparte, der mit seinen militärischen Siegen weite Teile Europas unter französische Vorherrschaft brachte. Aber schon hier wird teilweise deutlich werden, dass man den Feldherrn Bonaparte nicht vom Künstler und Wissenschaftler trennen kann. Ein letztes Kapitel wird sich schließlich mit dem Künstler und Wissenschaftler in der Person Bonapartes befassen. Die Leitfrage hierbei soll sein, wie diese beiden Eigenschaften Bonapartes zu werten sind und wie sie miteinander in Verbindung stehen.
Die in der vorliegenden Arbeit verwendete Literatur besteht hauptsächlich aus Biographien, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen oder aus Monographien, die bestimmte Aspekte der Persönlichkeit oder Politik Bonapartes untersuchen.
1
Napoleon Bonaparte - Ein steiler Aufstieg 2.
Woher kam der Mann, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen beträchtlichen Teil Kontinentaleuropas beherrschte und die von ihm besetzten Gebiete nachhaltig in ihrer Entwicklung beeinflusste? Wie ist er zu dieser beachtlichen Position gelangt, die es ihm ermöglichte, Frankreich zu seinem Kaiserreich zu machen und die Herrschaft über viele Staaten Europas durch Einsetzen seiner Familienmitglieder an sich zu binden? Diese Fragen soll das folgende Kapitel zu beantworten versuchen, indem es seinen Weg skizziert - den Weg vom wissbegierigen Sohn einer korsischen Kleinadelsfamilie über den jungen Lokalpatrioten, hin zum glühenden Republikaner, zum genialen Feldherrn und schließlich zum Alleinherrscher, zum Kaiser Frankreichs und Europas.
Napoléon Bonaparte, dessen eigentlicher Name Napoleone Buonaparte gewesen ist, wurde 1769 in Ajaccio, der Hauptstadt Korsikas, geboren. Er war der Sohn von Carlo Buonaparte (auch Charles Buonaparte) und Laetitia Buonaparte, geborene Ramolino. Sein Vater war einer der Notabeln Korsikas und entstammte einer Familie von niederem Adel aus der Toskana. Den Unterhalt für sich und seine Familie verdiente sich der studierte Jurist als Notar und Gerichtsschreiber sowie durch Einkünfte aus seinen Ländereien. Napoleons Mutter war gebürtige Korsin; ihr Vater ein höherer Beamter. 1 Charles Bonaparte war ein Verfechter der Unabhängigkeit Korsikas, das erst ein Jahr vor der Geburt seines zweiten Sohnes Napoleon an Frankreich verkauft worden war. Er war der Sekretär des Widerstandskämpfers Pascal Paoli, der die Insel auch kurzzeitig regieren sollte. Als sich der Unabhängigkeitskampf jedoch als verloren erwies und Paoli Korsika verlassen musste, beugte sich die Familie Bonaparte der französischen Herrschaft. Charles Bonaparte schloss sich der französischen Partei an, erzog seine Kinder jedoch weiterhin „in der Erinnerung an den großen Paoli und an ein freies Korsika“ 2 . Zunächst wurde Napoleon in der örtlichen Schule von Ajaccio, später gemeinsam mit einigen seiner Geschwister von einem Abbé zu Hause unterrichtet. Die ständige Auseinandersetzung mit den als Besatzern wahrgenommenen Franzosen prägte Napoleon und Paoli sollte lange Zeit sein Vorbild bleiben.
1 Vgl. Maurois, A.: Napoleon in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Hamburg 1966, S. 7f.
2 Ebd. S. 8.
2
Wegen seiner loyalen Einstellung und einiger Beziehungen wurde Charles Bonaparte 1779 als Abgeordneter Korsikas an den französischen Hof berufen. Er erhielt zudem drei Stipendien für seine Kinder, wovon eines an Napoleon fiel, der 1779 an die Militärschule von Brienne kam. Er, der zuvor erst noch die französische Sprache hatte erlernen müssen, galt als Außenseiter. Seine Einstellung gegenüber den Franzosen als „Unterdrücker seiner Heimat Korsika“ 3 spielte hierbei eine beachtliche Rolle. Er war zwar ein mittelmäßiger Schüler, gut in Mathematik, aber nur sehr mäßig in Latein und Französisch 4 , doch bedeutet dies nicht, er sei nicht intelligent gewesen. Er besaß durchaus ein hohes Maß an Intelligenz und einen noch größeren Willen, was ihn eigensinnig und halsstarrig, aber auch anziehend und faszinierend machte. 5 Er las unglaublich viel. Bereits auf Korsika hatte er damit begonnen, denn sein Vater besaß eine recht umfangreiche Bibliothek, in der er sich bereits recht früh aufhielt. Interesse hegte er vor allem für Geschichte, Geographie, Literatur und Jura. 6 1784 schließlich wurde er auf der Ecole royale militaire in Paris aufgenommen. Hier fand er die ersten Freunde und versuchte sich, beeindruckt vom Leben in Paris und dem Reichtum, der in der Stadt herrschte, erstmals oberflächlich einzugliedern. 1785 bestand der sechzehnjährige Napoleon sein Examen und erhielt sein Offizierspatent, woraufhin er als Leutnant seinen Dienst in der Artillerie antrat. Im gleichen Jahr verstarb sein Vater und Napoleon ließ sich in den Süden, nach Valence, versetzen, um seiner Familie und seiner Heimat näher zu sein. Sein Bestreben war es, nach Korsika zurückzukehren und dort möglichst politisch und militärisch Karriere zu machen. 7 Er beschäftigte er sich weiterhin viel mit Literatur; er widmete sich zunächst antiken Schriftstellern, u.a. Platon, Tacitus, und Plutarch 8 , in späteren Phasen fanden aber auch damals „modernere“ Schriften von Männern wie Voltaire, Corneille, Montaigne, Montesquieu oder dem Abbé Raynal Platz in seinem Repertoire. 9 Einen besonderen Status jedoch erhielten die politischen Schriften von Rousseau. Er suchte in der Literatur nach Gründen und Möglichkeiten, seine Heimat zu befreien, denn noch immer war Napoleon von dem Gedanken der Unabhängigkeit Korsikas
4 Vgl. Tomiche, N.: Napoléon écrivain, Paris 1952, S. 7.
5 Vgl. Englund, S.: Napoleon. A political life, New York 2004, S. 14.
6 Vgl. Ullrich, V.: Napoleon, Hamburg 2004, S. 12ff.
7 Vgl. Maurois: Napoleon, S. 12.
8 Vgl. Englund: Napoleon, S. 19f. sowie Ullrich: Napoleon, S. 16 ff. und Tomiche: Napoléon écrivain,
S. 15.
9 Vgl. ebd. S. 29.
3
beseelt, noch immer fungierte Paoli als sein großes Vorbild. 10 Korsika zu befreien und zu reformieren war sein Ziel. Um diesem Ziel näher zu kommen, begann er auch selbst, einige kleinere Schriften zu verfassen 11 :
Ce qui est certain, c’est que Bonaparte est bien l’enfant de son siècle, par sa volonté de contribuer aux affaires publiques, ainsi que le prouvent ses premiers écrits, où respire le plus pur rousseauisme, et par sa boulimie de lectures qui le pousse à dévorer les bibliothèques […]. Mais cette
12 boulimie a pour l’instant un objet précis et limité, la réforme de la Corse.
Nicht nur politische Schriften sind von Interesse für Napoleon. „Seine Arbeitskraft ist unbegrenzt. Er lernt überall und alles; er könnte es ja eines Tages gebrauchen.“ 13 Zwar war sein Wissensdurst in diesen Jahren politischer Natur, aber Napoleon beschränkte sein Interesse nicht nur auf die Politik und das Militär, sondern verband mit ihr alles, was man zu einer allgemeinen guten Bildung zählen konnte. Diese Offenheit und seine damit verbundene Belesenheit sollten ihm noch oft zu Gute kommen, was ihm sehr bald bewusst wurde. Er hielt sich immer mehr an die großen Männer der Geschichte wie Alexander den Großen oder Julius Cäsar. Er begann nach ähnlichem Ruhm für sich selbst zu sinnen und ihm wurde nach und nach bewusst, dass er diesen Ruhm nur mit einer inszenierten Selbstdarstellung würde erreichen können. Noch vor Beginn dieser neuen Selbstdarstellung begann er nach Verbündeten zu suchen, die ihm bei seinem Aufstieg behilflich sein sollten:
[…] he was a keen student of the doings of great men - like many of his generation he was immersed in Plutarch’s Lives and he was instinctively drawn to a Plutarchian cult of able soldiers like Alexander the Great, Hannibal, Julius Caesar and Charlemagne. That was the sort of person he wanted to appear to be, and this meant that from early on in his career he devoted himself to influencing the opinions of others about himself. Initially, this involved the cultivation of men with power: Saliceti, a fellow Corsican who ran local politics first in Corsica then in the South of France; Augustin de Robespierre, younger brother of Maximilien; Paul Barras, the most astute of the five
14 Directors of the republic in the late 1790s.
In den folgenden Jahren ließ Napoleon sich immer wieder von seinem Dienst in der Armee, wo er mittlerweile in Auxonne im Burgund stationiert war, beurlauben, um
10 Vgl. Maurois: Napoleon, S. 12.
11 Zu Napoleons ersten Schriften gibt Englund eine gute Aufstellung bezüglich Stil, Themen etc.:
Englund: Napoleon, S. 30ff.
12 Jourdain, A.: Napoléon. Héros, imperator, mécène, Paris 1998, S. 59.
13 Maurois: Napoleon, S. 15.
14 Wilson-Smith, T.: Napoleon. Man of war, man of peace, London 2003, S. xvi-xvii.
4
Zeit bei seiner Familie auf Korsika zu verbringen. In Auxonne begann er, sich, vor allem auf Befehl seines Vorgesetzten, mit Militärtaktik auseinanderzusetzen. Hier erlernte Napoleon die Grundlagen für seine späteren militärischen Erfolge. 15 1789, bei Ausbruch der Unruhen, begrüßte Napoleon die Französische Revolution vor dem Hintergrund, dass sie auch zur Befreiung Korsikas beitragen könnte. Sein opportunistisches politisches Bewusstsein zeigte sich, als er sich zum Republikaner erklärte und dem korsischen Jakobinerklub beitrat, um fortan die politischen Ereignisse in Korsika zu beeinflussen zu versuchen, was ihn 1791 auch dazu bewog, in das korsische Freiwilligen-Bataillon einzutreten. Die ständige Zerrissenheit aber zwischen Korsika, seiner Heimat, und Frankreich, seinem sozialen und finanziellen Standbein 16 stellte Napoleon in diesen Jahren auf die Probe. Durch seine vielfach verlängerten Urlaube und die Verwicklung in Aufstände auf Korsika verlor er seinen Posten in der französischen Armee. Er reiste daraufhin im Juni 1792 nach Paris, um seine Wiedereinstellung zu erwirken, was ihm auch gelang; aus Mangel an Offizieren wurde er sogar befördert und zum Hauptmann ernannt. Während der Revolution war Paoli nach Korsika zurückgekehrt. Allerdings war er im Exil immer mehr zum Franzosenhasser geworden und vertraute nicht mehr auf die Familie Bonaparte, deren Beziehungen nach Frankreich, vor allem Napoleons, ihm sehr missfielen. Als schließlich Napoleons Bruder Lucien Paoli in der société populaire von Toulon separatistische Bestrebungen 17 und Spionage für England 18 vorwarf, musste die Familie Bonaparte Korsika im Juni 1793 endgültig verlassen und verlor auch all ihren dortigen Besitz. Napoleon erkannte nun, dass seine Zukunft nicht auf Korsika, sondern in Frankreich lag. Es kam die Zeit, in der der ehemalige Anhänger Paolis sich neue Verbündete suchen musste, die er zunächst in Salicetti und dem jüngeren Robespierre finden sollte. Da die Familie Bonaparte Korsika verlassen musste, brachte dies somit ein Umdenken in Napoleons Ziele: für die Unabhängigkeit Korsikas konnte er nichts mehr tun und so setzte er sich fortan für seine neue Heimat Frankreich ein. Allerdings sollte der Bruch Napoleons mit Paoli fortan eine Tatsache sein, für die Bonaparte sich schämte und die er sein Leben lang verdrängen wollte. 19 Die verbalen Attacken Lucien Bonapartes auf Paoli und das damit verbundene
15
Vgl. Wilson-Smith, T.:
Napoleon,
S. 13.
16 Vgl. Maurois: Napoleon, S. 15.
17 Vgl. Tulard, J.: Napoleon oder der Mythos des Retters. Eine Biographie, Tübingen 1979, S. 65.
18 Vgl. Maurois: Napoleon, S. 18.
19 Vgl. Englund: Napoleon, S. 55.
5
Arbeit zitieren:
Nina Valuta, 2008, Napoleon Bonaparte - Mann des Krieges und der Kultur, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Antonin Artaud: Vom Surrealismus zum Mythen-Theater der Moderne
Hausarbeit, 20 Seiten
Beziehungen und Geschlechterrollen in Ovids "Ars Amatoria"
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Über das Problem der Sprachnorm und den Status des Joual in Québec
Romanistik - Französisch - Linguistik
Seminararbeit, 15 Seiten
Theresienstadt - Inszenierung eines Schauspiels
Der Besuch des Internationalen...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Revolutionäres Frankreich und konservatives Europa - der 1. und 2. Koa...
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Referat / Aufsatz (Schule), 3 Seiten
Magie und Hexenwesen im Mittelalter
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Examensarbeit, 62 Seiten
Krise und Untergang der Römischen Republik
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 18 Seiten
The language situation in Canada with special regard to Quebec
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Ovid, Heroides - Das Hass-Liebe-Motiv Medeas im 12. Heroides-Brief Ovi...
Klassische Philologie - Latinistik - Literatur
Seminararbeit, 14 Seiten
Badekultur im Spiegel lateinischen Schrifttums
Klassische Philologie - Latinistik - Literatur
Examensarbeit, 71 Seiten
Vom Direktorium zur Ära Napoleons
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 12 Seiten
Ciceros Bild des idealen Staatsmannes - mehr als nur eine historische ...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 21 Seiten
Identität und Einstellungen im frankophonen Kanada
Romanistik - Französisch - Sonstiges
Forschungsarbeit, 36 Seiten
Prostitution in der römischen Antike
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Kaiser Iulian - Der gescheiterte Philosoph auf dem Thron der Caesaren
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Management interculturel: Comparaison du management et de l'organi...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 39 Seiten
Das Konzentrationslager Theresienstadt in der Propaganda
Der Besuch einer Delegation de...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Magisterarbeit, 110 Seiten
Nina Valuta hat den Text Napoleon Bonaparte - Mann des Krieges und der Kultur veröffentlicht
Nina Valuta hat einen neuen Text hochgeladen
Thema Geschichte kompakt. Französische Revolution und Napoleon
Die Umgestaltung Europas. Die ...
The Political and Historical Works of Louis Napoleon Bonaparte: Volume...
Louis Napoleon Bonaparte
The Political and Historical Works of Louis Napoleon Bonaparte: Volume...
Louis Napoleon Bonaparte
The Confidential Correspondence of Napoleon Bonaparte with His Brother...
Emperor Of the French Napoleon I.
0 Kommentare