1. Einleitung
Der folgende fachdidaktisch orientierte Aufsatz beschäftigt sich mit einem schwierigen Thema der gymnasialen Oberstufe im Politikunterricht. Es handelt sich dabei um das Themengebiet des Wahlverhaltens. Wie kann das Wahlverhalten theoretisch ansprechend und empirisch aussagekräftig modelliert werden? Welche Wahltheorien stehen zur Verfügung und welchen Aussagebereich decken Sie ab?
Der Aufsatz umfasst folgende Teile: 1. die fachwissenschaftliche und didaktische Analyse des Unterrichtsstoffs 2. ein Beispiel für das methodische Vorgehen 3. mögliche Lernziele 4. ein denkbares Verlaufsschema 5. Literaturangaben und 6. Arbeitsblätter und Materialien.
2. Fachwissenschaftliche Analyse und didaktische
Begründung des Unterrichtsstoffes
Die Unterrichtsstunde ist in drei Teile geteilt.
Im ersten Teil(Motivationsphase) wird ein Text behandelt, der von den Schüler/innen durch Ausfüllen der Leerstellen behandelt werden soll. In diesem Text werden Zusammenhänge zwischen Wahlpräferenzen und Wahlausgängen hinsichtlich unterschiedlicher Bevölkerungsteile postuliert.
Idealtypischerweise wird nun ein Übergang zur eigentlichen Thematik der Stunde versucht, indem nach Erklärungsmöglichkeiten gefragt wird, wie man erklären kann, welche Parteien welches Wählerklientel bzw. welche Parteimitglieder rekrutieren. Hier werden sicherlich von Schüler/innenseite einige plausible alltagstheoretische Vermutungen geäußert werden. An einem geeigneten Punkt sind diese Vermutungen abzubrechen. Nunmehr sollte der Schülerfokus auf die wissenschaftlichen Theorien zur Klärung des Verhältnisses von Parteien und Gesellschaft gelenkt werden.
In einem weiteren Schritt wird auf einer synchronen Dimension versucht, Erklärungszusammenhänge von Parteien und Gesellschaft zu liefern.
Dabei handelt es sich um den sozialstrukturellen Ansatz, die Milieu- und Interessentheorien. Der sozialstrukturelle Ansatz geht von bestimmten Cleavages ausgehen, welche die Sozialstruktur durchziehen und Form und Wandel des Parteiensystems determinieren. Ursprünglich wurde von den Kategorien Zentrum versus Peripherie, Stadt versus Land, Arbeit versus Kapital und religiös versus säkular ausgegangen. Im Parteiensystem der 80er kamen
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dann zu der links-rechts-Konfliktlinie auch noch die antithetisch ausgerichteten Dimensionen materialistisch versus postmaterialistisch hinzu.
Die Milieutheorien postulieren, dass die Stabilität des deutschen Parteiensystems auf einer unmittelbaren Verbindung mit je relativ geschlossenen Sozialmilieus beruht. Beispielweise kann man zwischen konservativ gehobenen, kleinbürgerlichen Milieus, traditionellem und traditionslosem Arbeitermilieu, aufstiegsorientiertem, technokratisch-liberalem,
hedonistischen und alternativ-linkem Milieu unterscheiden. Auch andere Unterscheidungen sind denkbar.
Die auf dem in heutiger Sozialwissenschaft als unumschränkt herrschende Lehre geltende Rational-Choice-Theorie und die darauf basierende Interessentheorie geht davon aus, dass Parteien als Organisationen zur Stimmenmaximierung auf dem Wählermarkt sind und im Umkehrschluss der Wähler sich rational verhält und beim Wahlakt nur durch die Maximierung des individuellen privaten Nutzens motiviert ist.
3. Begründung des methodischen Vorgehens
Am Anfang (Motivationsphase) wird ein Text behandelt, bei dem die Schüler Prozentzahlen oder Wörter einfüllen müssen. Der Text soll exemplarisch und pointiert Zusammenhänge zwischen bestimmten Bevölkerungsgruppen und deren Wahlverhalten herausstellen. In der Erarbeitungs- und Ergebnissicherungsphase werden drei Gruppen gebildet. Jede der drei Gruppen erarbeitet via Arbeitsblatt eine Wahlverhaltenstheorie und trägt die Ergebnisse auf einem Arbeitsblatt ein. Die Gruppen(zusammen)arbeit in diesem Punkt lässt sich insofern rechtfertigen als die zu erschließenden Texte eine sowohl sprachliche als auch inhaltliche Komplexität besitzen. Hier wird durch geballte Sachkompetenz der Schüler/innen ein gelungenes Erschließen der Texte verbürgt. Die erarbeiteten Ergebnisse werden nachher sukzessive von den von Gruppen festgelegten Sprechern präsentiert. Die Mitglieder der anderen beiden Gruppen übernehmen die Ergebnisse.
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4. Formulierung der Lernziele
Die Lernziele der Unterrichtsstunde können wie folgt umschrieben werden. Im weiteren Sinne soll erkannt werden, dass Parteien ein ganz wesentlicher Bestandteil der institutionalisierten politischen Partizipation darstellen. Somit bilden Parteien eine wesentliche Grundlage legitimer demokratischer Herrschaft. Konkret werden folgende Unterrichtsziele verfolgt:
- die Schüler/innen sollen (wissenschaftliche) Erklärungsmuster kennen lernen, die es ermöglichen, Zusammenhänge zwischen Ausprägungen der Wahlbevölkerung und Wahlausgang zu modellieren
- die Schüler/innen sollen erkennen, dass es Zusammenhänge zwischen einer strukturellen Verfasstheit einer Gesellschaft und Wahlausgängen gibt (sozialstruktureller Ansatz)
- die Schüler/innen sollen erkennen, dass zwischen bestimmten Milieuzugehörigkeiten und Wahlpräferenzen Korrelationen hergestellt werden können (Milieutheorie)
- die Schüler/innen sollen erkennen, dass durch Wahlverhaltenstheorien (vermeintliche) Kausalzusammenhänge zwischen der Verfasstheit eines Individuums und seiner Wahl hergestellt werden können (Interessentheorie
- außerdem soll den Schüler/innen der beschränkte Erklärungsradius der einzelnen Wahlverhaltenstheorien deutlich werden
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Arbeit zitieren:
Pia-Johanna Schweizer, Christian Schön, 2005, Wahlverhalten einfach erklärt?, München, GRIN Verlag GmbH
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