Gliederung
1 Einleitung und Fragestellung 3
1.1 Umgang mit dem Thema Sterben und Tod in unserer Gesellschaft 4
1.2 Das Krankenhaus als einer der häufigsten Sterbeorte von Krebskranken und
der Umgang mit den Patienten 5
2 Exkurs: Was steckt hinter dem Krankheitsbegriff „Krebs“? 7
3 Vom Beginn einer Krebserkrankung 8
3.1 Exkurs: Vermittlungsformen der Diagnose. 8
3.1.1 Umgang der Ärzte mit dem Thema und ethische Vermittlungsrichtlinien 9
3.1.2 Wünsche und Reaktionen auf die Nachricht. 10
4 Exkurs: Der Umgang des pflegenden Personals mit Krebserkrankten 10
5 Der Sterbeprozess tödlich krebserkrankter Menschen 11
5.1 Körperliche Beschwerden, die auf die Psyche einwirken können 12
5.2 Psychische Probleme während des Sterbeprozesses 13
5.2.1 Vier wesentliche Verlusterlebnisse von Krebskranken Menschen. 13
5.2.2 Die Bedeutung der Angst für sterbende Krebspatienten 14
5.2.3 Das ganzheitliche Sterbephasenmodell nach Kübler-Ross 16
5.2.4 Kritik und weitere (Er-) Klärung zum Modell von Kübler-Ross. 19
5.2.5 Krankheitsverarbeitung/Krankheitsbewältigung. 19
5.3 Psychosoziale Aspekte von krebskranken Menschen. 21
5.4 Position von Angehörigen im Sterbeprozess und des Endstadiums von
krebskranken Menschen 21
5.5 Möglichkeiten und Grenzen der Sozialen Arbeit zur Verbesserung der Situation
krebskranker Menschen. 23
6 Schlussfolgerungen 24
7 Zusammenfassung 25
8 Quellenverzeichnis 27
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Anmerkung: In der Bezeichnung von Personen habe ich meist die pluralisierte Form verwendet, damit soll eine Identifizierung für beide Geschlechter erleichtert werden. Um generell nicht zu vergessen, um wen es sich handelt, ist weit vor
Bezeichnungen wie: der Patient, die Patientin oder die Klientin, der Klient, auch wenn es in „professionalisierten“ Zeiten nicht mehr so üblich ist, mein absoluter Favorit die Bezeichnung „Mensch“.
1 Einleitung und Fragestellung
Die Thematik von Tod und dem Sterben wird, wie häufig vielerorts zu lesen ist, in der Gesellschaft Deutschlands gerne klein gehalten und verdrängt (humanistischer Pressedienst 2008). Entgegen dieser landläufigen Meinung schreibt Göckenjan (2008, APuZ 4), dass Sterben und Tod heute einfach mehr als früher private Ereignisse sind, die nach Anstandsregeln von Privatheit kommuniziert werden und somit keinerlei öffentlichen Pflichten unterliegen.
Welche Ansicht nun die richtige ist oder eher zutrifft sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass die negative Konnotation des Begriffs Tod und der Gedanke an die Endlichkeit und das Sterben eines jeden Lebens sowie die enorme Verletzlichkeit des menschlichen Körpers vielen Menschen Angst macht (Hahn, Hoffmann zit. n. Göckenjan 2008 APuZ 4). So werden sie dazu angetrieben, nur im äußerst notwendigen Falle sich mit diesem Thema zu beschäftigen. So zum Beispiel, wenn sie selber oder ein Familienmitglied von einer unheilbaren tödlichen Krankheit betroffen ist. Dieser in der westlichen Welt noch heute sehr verbreitete verkrampfte Umgang mit Tod und Sterben macht es gerade Professionellen nicht leichter, den unheilbar kranken Patienten als menschliches Wesen zu betrachten, ihn in die Behandlung und die Vermittlung der nötigen Schritte mit einzubeziehen und mögliche Ressourcen seines sozialen Umfeldes zu involvieren (Kübler-Ross 1974, S. 7). Gerade bei einer der häufigsten Todesursachen, dem „Krebs“, der in verschiedenster Form auftreten kann, ist das Wissen in der Gesellschaft darüber meist nicht ausreichend (ARD 2006). So dass bei der Diagnose dieser schwerwiegenden Erkrankung die Patienten und Angehörigen dem klinischen System meistens unwissend ausgeliefert sind. Gerade dies gab mir den Anlass, darüber zu schreiben,
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welcher Art häufige psychische und psychosoziale Probleme bei Krebspatienten sind, und es veranlasste mich zu der Fragestellung: Was sind die häufigsten psychischen und psychosozialen Probleme von Krebspatienten im Sterbeprozess? Und am Rande dessen, wie kann eine dies berücksichtigende Behandlung aussehen und ein professioneller Umgang von Sozialarbeitern mit Krebspatienten positiv gestaltet werden?
Schon 1974 schrieb Frau Dr. Elisabeth Kübler-Ross (S. 9), dass neben den lebensbedrohlichen Situationen von Krankheiten vor allem psychosomatische Störungen und seelische Probleme eine professionelle Intervention nötig machen. Ich denke, dass diese Aussage auch im 21. Jahrhundert kein bisschen an Gültigkeit verloren hat und gerade für die Professionen im Gesundheitswesen, insbesondere auch der Sozialen Arbeit, eine Chance darstellt, wesentliche positive Veränderungen im Umgang mit schwer erkrankten Menschen und deren Angehörigen zu erreichen.
1.1 Umgang mit dem Thema Sterben und Tod in unserer
Gesellschaft
Wie schon Mitte des 18. Jahrhunderts, distanziert sich auch heute noch die Gemeinschaft der Lebenden von der Gemeinschaft der Toten (Erben 2001, S. 16). Eine Entfremdung ergibt sich durch die Professionalisierung des Sterbens durch Institutionen. Wurde früher in der Familie gestorben, Abschied vom Toten genommen und jedwede Tätigkeit um den Sterbeprozess von der Familie übernommen, ist es heute aufgrund von Isolierungstendenzen meist die Aufgabe von Krankenhäusern und Bestattungsinstituten, dies zu übernehmen (ebd., S. 18f). Ein weiterer Nebeneffekt dadurch ist, wie bereits erwähnt, dass anonym gestorben wird (ebd.). Ein bewusster Umgang mit menschlichen Grenzen ist in der modernen Gesellschaft nicht gewünscht, eher stehen Leistungsfähigkeit, Fortschritt und Machbarkeit im Vordergrund (ebd., S.22). Dadurch ist der Blick auf die Natürlichkeit des Sterbens und des eigenen Todes verstellt (ebd., S. 20). Auch Kübler-Ross (1974, S. 16) stellt fest, dass neben dem körperlichen gleichwertig auch ein seelisches Gefühlsleben existiert, welches für eine ganzheitliche Behandlung und ein so weit wie möglich leidensgemindertes Versterben genauso Beachtung finden muss. Denn im Laufe von
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Jahrhunderten haben sich zwar Behandlungsmöglichkeiten geändert sowie der Umgang mit sterbenden Menschen, aber nicht die Bedürfnisse und die Gefühlswelten selbiger (ebd.).
1.2 Das Krankenhaus als einer der häufigsten Sterbeorte von
Krebskranken und der Umgang mit den Patienten
Dem Wunsch eines humanen und würdigen Sterbens, in Form von gutem begleiteten Sterben und den Gedanken einer ganzheitlichen Behandlung mit Beachtung der psychischen und psychosozialen Bedürfnisse von Sterbenden für den u. a. Frau Kübler-Ross den Grundstein legte, kommen heute auch darauf beruhende Entwicklungen wie z. B.: ambulante palliativmedizinische Versorgungsstrukturen und Hospizeinrichtungen in Deutschland am nächsten (Göckenjan 2008 APuZ 4). Unter den Fremdworten: Palliativ (= schmerzlindernd) und Hospiz (= Einrichtung zur Betreuung Schwerkranker), ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, „Unheilbar kranke Menschen psychosozial zu unterstützen und ihre körperlichen Beschwerden zu lindern“ (Krebshilfe 2008). Trotz verstärkter Bemühungen für den Ausbau und die Verbesserung hospizlicher und palliativer Versorgung, besteht seit Jahren ein Konsens über das Fehlen einer flächendeckenden und umfassenden Palliativversorgung für Patienten am Lebensende in Deutschland (onkologietelegramm 2008). Somit finden die meisten Menschen, mit Krebserkrankungen, vor allem wegen struktureller Probleme und wegen Komplikationen, die im Endstadium einer Krebserkrankung auftreten können, ihr Ende in der Normalstation eines Krankenhauses (Schindler 2005).
Zu den Möglichkeiten eines würdevollen Sterbens im Krankenhaus geht aus dem Bericht des Magazins „Ethik in der Medizin des Springer Verlages (1997, S. 218), hervor, dass selbst Krankenhausbeschäftigte nicht davon überzeugt sind, „dass ein würdevolles Sterben im Krankenhaus möglich sei“.
Ist erstmal eine Krebserkrankung entdeckt, kann es mitunter sehr schnell gehen. Die Maschinerie des Gesundheits- bzw. Sterbesystems ist in dieser Hinsicht perfekt organisiert, was die einzelnen Abläufe der Diagnostik und Logistik bis hin zum Sterbebett angeht. Was meist auf dieser Strecke zurückbleibt, ist eine
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menschenwürdige Behandlung und Mitgefühl. Dabei wird von den Patienten zu allererst schon die Fahrt ins Krankenhaus mit der Ambulanz und Sirene mitunter als erschreckende alarmierende Einleitung eines langen Leidenswegs empfunden, der einen seelischen Ausnahmezustand oder eine traumatische Schocksituation hervorrufen kann (Kübler-Ross 1974, S. 15).
Die ersten Behandlungsmaßnahmen haben meist krassen Vorrang und es gilt keine Sekunde zu verlieren, bevor das menschliche Wesen entdeckt wird und dessen Gefühle und Bedürfnisse (ebd.). Hier kommt es z. B. aufgrund der vorherrschenden Behandlungsroutine etc. schnell dazu, dass der Mensch nur noch als Gegenstand gesehen wird, dessen Defekt (Krebserkrankung) es zu beheben gilt (Ebd.). Dabei könnten beide Seiten immens davon profitieren, wenn, bevor alle weiteren Maßnahmen zur Behandlung einer Krebserkrankung nur von medizinischer Seite einseitig eingeleitet werden, noch vor Ort, beim Zuhause der Patienten, eine Abstimmung und Einverständniserklärung mit den Patienten durchgeführt wird (ebd.). Diese muss nicht lange dauern, kann aber entscheidende Ängste der Patienten abbauen und ihnen ein Mitspracherecht sowie psychische Vorbereitung auf die folgenden Ereignisse ermöglichen, die für eine optimale Mitarbeit im Krankheitsprozess unabdingbar sind (ebd.).
Beim Aufenthalt im Krankenhaus gibt es dann jedoch nur noch wenige Anlaufstellen für die Patienten, um ein tiefer gehendes Gespräch über die eigene Situation zu führen (ebd., S.122). Dies kann z. B. an der eigenen Abwehrhaltung des medizinischen Personals liegen, um selber mit den eigenen Ängsten umzugehen, oder es liegt an ganz anders gelagerten Umständen (ebd., S.16). Wichtig ist es aber für die gefühlsmäßige Lage des Patienten und einer zumindest annähernden menschlichen Behandlung, ihm eine Möglichkeit einzuräumen und ihm zu verstehen zu geben, dass ihm jemand zuhört und dass jemand da ist, wenn er sprechen möchte (ebd., S. 123).
So sind gerade bei Krebserkrankungen mitunter spezifische Ängste vorhanden, die im Kommunikationsprozess abgebaut oder gemildert werden können. Ein Aspekt in dieser Hinsicht ist z. B., dass beim Krankheitsbild Krebs ein besonders schleichender und schmerzhafter Krankheitsprozess befürchtet wird (ebd., S. 147).
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Wird also zu Anfang einer Krebserkrankung von allen Beteiligten mehr Ruhe bewahrt und eine ganzheitlich menschliche Betrachtungs- und Behandlungsweise angestrebt, lassen sich die fehlenden Minuten und Sekunden bei der Fahrt und Aufnahme ins Krankenhaus durchaus ausgleichen (ebd., S. 16).
2 Exkurs: Was steckt hinter dem Krankheitsbegriff „Krebs“?
„Krebs“ ist ein Oberbegriff für mehr als 200 verschiedene Krankheitsbilder (Krebsarten), die unter diese Kategorie fallen (Broschüre Roche in der Onkologie 2005, S. 3). Es handelt sich dabei um eine chronische Erkrankung, die in Deutschland die zweithäufigste Todesursache neben Herz-Kreislauf Erkrankungen darstellt (bpb 2002). Bei Männern ist der Prostatakrebs (Prostatakarzinom) und bei Frauen der Brustkrebs (Mammakarzinom) die am weitesten verbreitete Krebsart in Deutschland (ebd., S. 4). Die Schwierigkeit der effektiven Behandlung eines Krebsleidens liegt meist darin, dass Krebszellen unkontrolliert und zerstörerisch im umgebenden Körpergewebe einwachsen, Metastasen bilden und wuchern (Erben 2001, S. 33). Hat die Krebserkrankung ein bestimmtes Stadium erreicht, ist sie nicht mehr gänzlich heilbar (ebd.). In diesen Fällen kann von den Ärzten nur noch palliativ, also schmerzlindernd behandelt werden (ebd.). Dabei können die verschiedensten Therapien zur Anwendung kommen (ebd.). So z. B. lokale Behandlungsmaßnahmen, medikamentöse- oder multimodale Therapien (ebd.). Die meisten Behandlungen sind mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden, so dass bei jedem Eingriff wohl abgewägt werden muss, ob dieser dem Patienten zumutbar ist und sich im Endeffekt nach Aufrechnung der Nebenwirkungen noch lohnt (ebd.). Die Art der Krebserkrankung und welche Organe aus Folgen selbiger ihre Funktion verloren haben, ist letztendlich für den Tod des Krebspatienten verantwortlich (ebd.). Eine weitere Unterteilung liefert der Ansatz der Schulmedizin, welche die Ursache der Krebserkrankung in der DNA (Desoxyribonukleinsäure) der Tumorzelle (der entarteten Zelle) sucht (Schalhammer 1997, S. 17). Dabei werden die einzelnen Tumorarten schulmedizinisch folgendermaßen untergliedert: Karzinom (CA) - das sind alle Tumore, die sich in Organen und Bindegeweben ansiedeln, so z. B. das Mammakarzinom (Brustkrebs), Magenkarzinom oder Colonkarzinom (Darmkrebs) (ebd., S. 19).
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Arbeit zitieren:
Tom Reimer, 2008, Psychische und Psychosoziale Probleme im Sterbeprozess bei Krebspatienten, München, GRIN Verlag GmbH
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