Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Vorwort 1
Einleitung 3
I Aufbau der Arbeit 6
A Theoretischer Teil 7
1. Begriffe 8
1.1. Begriff „Gentechnologie“ 8
1.1.1. Entstehungsgeschichte 8
1.1.2. Die Sequenzierung des menschlichen Genoms 10
1.1.3. Gentechnik in der Humanmedizin 11
1.1.4. Gentechnik in der Landwirtschaft 13
1.1.5. Gentechnologie in der Lebensmittelindustrie 17
1.2. Begriff „Religiosität“ 19
1.2.1. Religiosität in der Evolutionswissenschaft 20
1.2.2. Religiosität in der Theologie 20
1.2.3. Religiosität in der Religionswissenschaft 21
1.2.4. Ist Religiosität messbar 22
1.2.5. Religiosität und Gentechnologie 25
1.3. Begriff Einstellung im Allgemeinen 26
1.3.1. Einstellung zur Technik 28
2. Das Christentum und Gentechnologie 31
2.1. Römisch-Katholische Kirche 32
2.2. Evangelisch-Reformierte Kirche 33
2.3. Mormonen 34
3. Die Schöpfung im Christentum 36
II
3.1. Erste Schöpfungsgeschichte: Genesis 37
3.2. Die zweite Geschichte 37
3.3. Christliche Religion und Gentechnologie 38
3.4. Skala „Degrees of Belief in God“ nach Maiello (2005) 41
3.5. „Religious Fundamentalism“ nach Martin und Westie (1959) 43
3.6. Einstellung Jugendlicher zur Gentechnologie nach Keck (2000) 44
3.6.1. Faktorenanalyse der Einstellungsskala zur Gentechnologie 47
3.7. Religiöses Urteil nach Oser Gmünder (1988) 54
3.7.1. Stufenabfolge nach Oser Gmünder 54
3.7.2. Merkmale dieser Stufen 55
3.7.3. Kritische Bemerkungen zum Ansatz von Oser Gmünder 57
3.7.4. Das religiöse Urteil in Zusammenhang mit der Religiositätsskala59
B Empirischer Teil 62
4. Quantitative Erhebung 62
4.1. Dimensionen 63
4.1.1. Gentechnologie in der Landwirtschaft 63
4.1.2. Gentechnik im Lebensmittelbereich 65
4.1.3. Gentechnologie im Humanmedizinischen Bereich 68
4.2. Sample 69
4.3. Hypothesen 69
4.4. Durchführung 73
4.5. Methode 74
5. Resultate 75
5.1. Hypothese 1 75
5.2. Hypothese 2a 77
5.3. Hypothese 2b 80
5.4. Hypothese 3 82
Hypothese 4 85
III
5.5. Hypothese 5 87
6. Zusammenfassung der Ergebnisse 88
7. Diskussion der Ergebnisse 90
Kritik und Ausblick 96
Anhang 98
Literaturverzeichnis 103
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Doppelhelix 10
Abb 2: Schema zum Gentransfer mit Agrobacterium tumenfaciens 14
Abb 3: Anstieg der Anbaufläche von gentechnisch verändertem Mais von 1996 2007
(ISAAA 2007) 17
Abb 4: Ausprägung menschlicher Religiosität: Drei-Komponenten Modell (Hemel
1986)............................................................................................................................. 22
Abb 5: „Religious Fundamentalism Scala“ von Martin und Westie (1959) 44
Abb 6: Strukturmodell der Einstellungsbildung zur Gentechnologie 45
Abb 7: Scree-Plot der Faktorenextraktion der Einstellungsskala 49
Abb 8: Unterschiede der Entwicklung nach Piaget Kohlberg und Oser 57
Abb 9: Zusammenhang: Glaubensintensität und Stufen des religiösen Urteils 60
Tabellenverzeichnis
Tab 1: Was verbinden Sie mit Gentechnologie 4
Tab 2: Fluch oder Segen der Gentechnologie 5
Tab 3: Überblick über die Skalen zur Erfassung von Glauben (Maiello 2007 S 32) 24
Tab 4: Beurteilungen von Anwendungen der Gentechnik 29
Tab 5: Psychometrische Eigenschaften der revidierten DBG-Skala (DBGR) 42
Tab 6: KMO-Koeffizient der Einstellungsskala 47
Tab 7: Rotierte Komponenten Matrix der Einstellungsskala 48
Tab 8: Faktor 1: Veränderung von Lebensmittel Getreide und Nutztiere 50
Tab 9: Faktor 2: Humanmedizin und Forschung 51
Tab 10: Reliabilitätsstatistik des Faktors „Veränderung von Lebensmittel Getreide und
Nutztiere“ 51
Tab 11: Item-Total Statistik des Faktors „Veränderung von Lebensmittel Getreide und
Nutztiere“ 52
Tab 12: Reliabilitätsstatistik von Faktor „Humanmedizin und Forschung“ 52
Tab 13: Item-Total Statistik des Faktors „Humanmedizin und Forschung“ 53
Tab 14: Vergleich der Reliabilitätsanalyse von Maiello und eigner Erhebung 75
Tab 15: Pearson Korrelation zwischen Religiosität und Einstellung 76
Tab 16 :Ergebnisse der Varianzanalyse für Faktor 1 mit DBG 77
Tab 17: F-Wert des Faktors 1 mit DBG 77
Tab 18: Mittelwertvergleich zwischen Rel Gruppen und Veränderung von LM 78
Tab 19: Korrelation zwischen Religiosität und Faktor „Veränderung von Lebensmitteln
Getreide und Nutztieren“ 78
Tab 20 : Ergebnisse der Varianzanalyse des Faktors 2 mit DBG 80
Tab 21: F-Wert des Faktors 2 mit DBG 80
Tab 22: Post Hoc Test 81
Tab 23: Korrelation zwischen der Religiosität und den Akzeptanz zu gentechnisch
hergestellten Medikamenten zur Heilung schwerer Krankheiten 81
Tab 24: Ergebnisse der Varianzanalyse Wissen und Einstellung 82
VI
Tab 25: F-Wert der Einstellung allgemein und dem Wissen 82
Tab 27: Pearson Korrelation zwischen dem Wissen und der Einstellung zur
Gentechnologie 84
Tab 28: Kreuztabelle zwischen Religiosität und religiöser Stufe 86
Tab 29: Spearman-Korrelation zwischen der Intensität der Religiosität und der
religiösen Stufe 86
Tab 30: Vergleich der Mittelwerte der beiden Faktoren anhand eines T-Tests 87
Tab 31: Kaiser-Meyer Olkin Test des Faktors 1 98
Tab 32: Kaiser-Meyer Olkin Test des Faktors 2 98
Tab 33: Komponenten Matrix der beiden Faktoren 1 und 2 99
Tab 34: Post Hoc Test zur Hypothese 2a 100
Tab 35: Post Hoc Test 101
VII
Vorwort Diese Arbeit kann als Beitrag zum Forschungsprojekt „Gentechnologie und Moral im Schulunterricht“ angesehen werden, welches im Bereich Erziehungswissenschaften an der Universität Fribourg unter der Leitung von Prof. F. Oser durchgeführt wird.
Bedanken möchte ich mich in diesem Fall bei:
Prof. Dr. F. Oser,
ohne den es diese Arbeit nicht gäbe. Er hat mich überhaupt auf die Idee gebracht, an diesem Forschungsprojekt mitzuwirken und stand auch später bei all meinen Fragen und Anliegen stets zur Seite und gab mir immer neue Denkanstösse.
Dr. C. Maiello,
der mit seiner Skala „Degrees of Belief in God“ einen wesentlichen Beitrag geleistet hat. Auch konnte er mir bei allen Statistikfragen stets kompetent Auskunft geben.
Sarah Heinzer,
auch sie konnte mir, mit viel Geduld, bei statistischen Schwierigkeiten weiterhelfen.
Allen Lehrpersonen und SchülerInnen
welche bereit waren, mit ihrer Klasse an der Erhebung teilzunehmen, und welche alle meine Fragebögen geduldig ausgefüllt haben.
Der ganzen Forschungsgruppe,
welche mich auf viele neuen Ideen und Gedanken brachte.
Meinem Freund Nicola,
für die moralische und emotionale Unterstützung, manch anregende Diskussion und kritische Einwände sowie für das genaue Durchlesen der Arbeit.
Nicht zuletzt meiner Familie,
die sich immer hinter mich stellte und meine Arbeit auch kritisch durchgelesen hat.
„Es sind von Natur alle Menschen nichtig, …die an den sichtbaren Gütern den, der wirklich Gott ist, nicht zu erkennen vermögen und die, obwohl sie auf seine Werke achten, nicht begreifen, wer der Meister ist.
…Denn es wird an der Grösse und Schönheit der Geschöpfe ihr Schöpfer wie in
Zusammenfassung
Gentechnologie ist ein Thema, welches mittlerweile nicht nur die Wissenschaft beschäftigt, sondern die breite Öffentlichkeit täglich aufs Neue zum Staunen bringt. Dies nicht immer nur mit angenehmen Berichten, sondern vermehrt auch mit Angst erregenden Gedanken und Visionen. Ethiker, Theologen, Biologen, Agrarwissenschaftler und viele mehr beteiligen sich an den heissen Debatten, bei welchen noch lange keinen Konsens in Sicht ist.
In dieser quantitativen Untersuchung wurde die Thematik aus dem Blickwinkel der Religiosität betrachtet. Es wurden Jugendliche aus den Schweizer Kantonen Bern, Zürich und Luzern mittels Fragebogen zu den Themen „Religiosität“ und „Gentechnologie“ befragt. Die zentrale Fragestellung lautete: Hat die Intensität der Religiosität eine Einfluss auf die Einstellung zur Gentechnologie?
Die bedeutsamsten Ergebnisse gleich vorweg: die Intensität der Religiosität korreliert negativ mit der Einstellung zur Gentechnologie. Je intensiver die Religiosität, desto eher zeigen die Jugendlichen eine negative Einstellung gegenüber Gentechnologie. Weiter konnte gezeigt werden, dass Jugendliche nicht pauschal negativ der Gentechnologie gegenüber eingestellt sind, sondern zwei unterschiedliche Gruppen zu erkennen sind. So wird Gentechnik zur Herstellung von Medikamenten und zur Heilung schwere Krankheiten positiver bewertet, als der Einsatz gentechnischer Methoden zur Veränderung von Nahrungsmitteln oder Optimierung von Pflanzen und Zuchttieren.
2
Einleitung
Der Begriffe „Gentechnologie“ vermag es, seit seiner Entstehung in den siebziger Jahren bis heute, heftige und kontroverse Diskussionen auszulösen. Erste Fragen tauchten im Rahmen der Reproduktionsmedizin und der Laborsicherheit auf. Heute macht man sich vermehrt Gedanken über die Anwendung in der Landwirtschaft sowie in der Lebensmittelindustrie. Aber auch in der Humanmedizin werden fast täglich neue Entdeckungen gemacht, welchen man nicht immer mit gutem Gewissen zustimmen kann. Schlagwörter wie Retortenbabies, Samenbanken, Embryonenagenturen und andere bedrohliche Szenarien prophezeiter Genkatastrophen (Schockenhoff, 1991, S. 11) jagen dem Laien Angst und Schrecken ein. Aber es sind doch nur Stichworte, Momentaufnahmen komplexer Prozesse, welche die Sicht der Bevölkerung einschränken und es für sie zunehmend schwieriger macht, Meinungen und Beiträge der Medien, Wissenschaftlern und Interessengemeinschaften zu überblicken und sich ein eigenes Bild und eine eigene Meinung zu verschaffen. Pro und Kontra treffen aufeinander, ohne dass am Ende eine differenzierte Auseinandersetzung gelingt. Ist es für die Einen der medizinische Fortschritt gegen schwere, unheilbare Krankheiten oder die Sicherstellung von Nahrung in der dritten Welt, so stellt es für die Anderen den Eingriff in Gottes Schöpfung dar und wird dementsprechend kritisiert. Über das breite Spektrum der gentechnischen Anwendungsmöglichkeiten wird der Einsatz gentechnischer Substanzen im medizinischen Bereich von der Bevölkerung positiver bewertet als in anderen Sektoren wie zum Beispiel der Nahrungsmittelindustrie (vgl. Hampel & Pfenning, 1998). Wenn es um die eigene Gesundheit geht, ist der Mensch eher in der Lage, seine Einstellung zu ändern. Wohingegen beim Umgang und Verzehr von Lebensmitteln auf Qualität und lange Tradition zurückgegriffen wird. Für die neuen, „gentechnischen“ Produkte haben wir noch keine Erfahrungswerte, auf welche wir uns verlassen können. Dies erzeugt Unbehangen und Verunsicherung.
Genau solchen Reaktionen und Gefühlen, welche der Begriff „Gentechnologie“ in der Bevölkerung auslöst, muss nachgegangen werden, deren Entstehung und Ursachen genauer erforscht werden. Nur so kann man das Risiko von Fehlschlüssen und voreiligen Urteilen reduzieren, nicht zuletzt weil die Akzeptanz moderner Techniken, so auch die Gentechnologie, einen wichtigen Einfluss auf die soziale Diffusion und die wirtschaftliche Durchsetzung hat.
Umfragen mit ähnlichem Hintergrund wurden bereits einige im deutschsprachigen Raum durchgeführt (vgl. Keck 1998, Klusmann 1999, Meixner 2004 u.a.).
3
Im Rahmen des Nationalfondsprojekts NFP59, welches im November 2007 an der Universität Freiburg i.Ue. startete und sich der Thematik „Biotechnologie und Ethik im Schulunterricht“ widmet, legt diese Arbeit den Schwerpunkt auf die Religiosität von Jugendlichen. Inwieweit korreliert die Einstellung zur Gentechnologie mit der Religiosität der Gymnasiasten und Gymnasiastinnen 1 ? Es ist von Interesse herauszufinden, ob sich die Akzeptanz bzw. Einstellung, Gentechnik in der Landwirtschaft und zur Nahrungsmittelherstellung oder in der Humanmedizin und Forschung anzuwenden, je nach Intensität der Religiosität unterscheidet.
Als kleine Vorwegnahme wird in der untenstehenden Tabelle 1 aufgezeigt, was die Jugendlichen mit dem Begriff „Gentechnologie“ in Verbindung setzen. Die Frage lautete: „Was verbinden Sie mit dem Wort „Gentechnologie“? Bitte nennen Sie einige Stichworte.“ Es wurden dann Kategorien gebildete und die Antworten ausgezählt.
Tab. 1: Was verbinden Sie mit Gentechnologie?
Es fällt auf, dass viele Jugendliche den Faktor des Eingriffs in die Natur bzw. der Schöpfung mit dem Begriff „Gentechnologie“ verbinden. Positive Aspekte wurden eher selten genannt. Weiter wurden sehr selten genannt: Geldmacherei (4), Resistenzgefahr (3), Ethik (1), Patente (1), Medien (1), Ungerechte Güterverteilung (1). Schon aus diesen Stichworten kann man erkennen, dass die Jugendlichen
1 Im weiteren Verlauf wird der Übersichtlichkeit wegen nur noch die männliche Bezeichnung verwendet, wobei auch die weibliche Form gemeint ist.
4
mit dem Begriff „Gentechnologie“ eher Ängste und Risiken in Verbindung bringen. Im Verlauf dieser Arbeit wird dann auch versucht herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen dieser eher negativen Einstellung und dem bereits vorhandenen Wissen über diese neue Technologie gibt.
Ebenfalls als Einstieg in die Thematik wurden die Jugendlichen gefragt, ob sie Gentechnologie eher als „Fluch“, als „Segen“ oder „weder noch“ sehen. Bei dieser Frage wurde die Religiosität noch nicht mit berücksichtigt.
Auffällig in Tabelle 2 ist, dass mehr als die Hälfte aller Jugendlichen (62,1%) Gentechnologie weder als Fluch noch als Segen für die Menschheit betrachten. Wie dieses Resultat zustande gekommen ist, könnte mehrere Gründe haben. Die Tendenz zur Mitte könnte eine mögliche Erklärung dafür sein. Aber auch das Interesse der Jugendlichen könnte hier eine zentrale Rolle spielen.
5
I. Aufbau der Arbeit
In dieser Arbeit wird in einem theoretischen Teil näher auf die für den Aufbau zentralen Begriffe Gentechnologie, Religiosität und Einstellung eingegangen. Anschliessend wird die christliche Religion mit einigen wichtigen Untergruppen näher beschrieben. Wichtig für das weitere Verständnis sind auch einige Bibelstellen aus dem Buch Moses welche in der Gentechnikdebatte immer wieder für Aufregung sorgen, wenn es um den Schöpfungsgedanken geht.
Als Einstieg werden die wichtigsten Eckpfeiler des Christentums aufgezeigt. Begriffe wie „Gott“, „Schöpfer“ und „Schöpfungsgeschichte“ werden genauer betrachtet.
Im Rahmen dieser Arbeit wird nur sehr oberflächlich auf die Geschichte der Religion und der Gentechnologie als Wissenschaft eingegangen, da die Autorin keine vertieften Kenntnisse der Religionswissenschaft und Biologie besitzt und so auf Literatur zurückgreifen musste. Anzumerken ist ausserdem, dass diese Einführung als Verständnishilfe zu sehen und keinesfalls abschliessend ist. Die dargelegte Arbeit befasst sich nicht in erster Linie mit der Religion an sich, sondern vergleicht die Einstellungen der Jugendlichen mit deren Religiosität.
In einem weiteren Teil wird es um Begriffsbestimmungen und Definitionen gehen. Was wird unter einer Einstellung verstanden und wie kann man sie messen? Was bedeutet „Technik“? Ist es ein neuer Begriff des 19. Jh. oder gab es schon frühere Überlieferungen?
Der wichtigste Teil der Arbeit bildet aber die Erhebung selber. Mittels Fragebogen (welcher weiter unten im Detail erklärt wird und auch im Anhang angefügt ist) wurden Jugendliche aus Gymnasien der Kantone Bern, Zürich und Luzern sowie Jugendgruppen befragt. Die Fragen beziehen sich auf die Intensität der Religiosität sowie auch auf die Einstellung zur Technik im Allgemeinen und der Gentechnologie im Speziellen.
In einem letzten Teil werden dann die Hypothesen anhand der Ergebnisse überprüft und diskutiert.
Es wird abschliessend einen kritischen Rückblick versucht, sowie Ausblicke und noch offene Fragen diskutiert.
6
A Theoretischer Teil
In diesem Abschnitt werden nun wichtige Begriffe wie, Gentechnologie, Religiosität und Einstellung genauer erklärt.
Anschliessend wird auf das Christentum und dessen wichtigen religiösen Inhalte und Ansichten, sowie einige Stellen aus der Bibelgenauer eingegangen. Die Entstehungsgeschichte wird nicht ins Detail ausgeführt, es soll bloss als Basis dem weiteren Verständnis dienen. Ziel ist es jedoch, alles unter dem Gesichtspunkt der Gentechnik zu betrachten.
Es wird gezeigt, inwieweit bereits die heilige Schrift Ansätze zum Verständnis der Technologie und Wissenschaft, bzw. deren Anwendung hatte. Ebenfalls zentral für diese Arbeit ist der Schöpfungsgedanke. Wie wird er in der Bibel vermittelt? Welche Abweichungen gibt es? Kann man vielleicht in der Bibel Anhaltspunkte bezüglich Gentechnologie finden? Oder anders gesagt: Findet man Aussagen, welche die Gentechnologie, als Eingriff in die Schöpfung, ablehnen? All diese Fragen müssen im Vorfeld aufgegriffen werden, um dann später die Antworten der Schüler zu verstehen und miteinander zu vergleichen.
Als erstes wird nun den Begrifflichkeiten mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
7
„Die Wissenschaft hat keine moralische Dimension. Sie ist wie ein Messer. Wenn man sie einem Chirurgen und einem Mörder gibt, gebraucht es jeder auf seine
1. Begriffe
1.1. Begriff „Gentechnologie“
Gentechnologie ist eine sehr umstrittene Technologie. Schon seit Jahren führen Wissenschaftler, Ethikfachleute und Politiker Diskussionen, haben aber bis heute keinen Konsens erreicht. Auch für die breite Öffentlichkeit wird es nicht einfacher sich unabhängig zu informieren. Im Gegenteil: Es wird immer schwieriger, sich in der Flut von Informationen zurechtzufinden und sich so ein eigenes moralisches, ethisch vertretbares Urteil zu bilden 2 .
In diesem Kapitel wird auf Gentechnologie als Technik eingegangen. Es werden die Gebiete „Humanmedizin“, „Landwirtschaft“, „Lebensmittelindustrie“ genauer beleuchtet, da es für den weiteren Verlauf, insbesondere für das Verständnis der Dimensionen des Fragebogens, hilfreich ist.
1.1.1. Entstehungsgeschichte
Da es sich bei der Gentechnologie um eine sehr komplexe und weitgreifende Wissenschaft handelt, ist es umso schwieriger einen kurzen und klaren Überblick zu geben. Schaut man in Meyers Lexikon 3 , wird Gentechnologie als „Teilgebiet der Biotechnologie angesehen, das sowohl die theoretischen wie auch die praktischen Methoden umfasst, durch welche die Gene und deren Regulatoren isoliert, analysiert, verändert und wieder in Organismen eingebaut werden“.
Der Begriff „Gentechnik“ als solcher ist jedoch viel umfangreicher. Er beinhaltet alle Veränderungen an den Genen von Organismen mit dem Ziel, sie neue Substanzen produzieren zu lassen oder funktionell zu verändern. Wie wir im Weite-
2 EineStudie des Nationalfonds, NFP59 untersucht genau diese Problematik. Sie setzt bei den Jugendlichen in Gymnasien an. Ziel ist es, anhand verschiedener Dilemmata die Schüler zu befähigen, sich ein eigenes, unabhängiges moralisches Urteil zu bilden.
3 Meyers online Lexikon, http://lexikon.meyers.de/meyers/Gentechnik.
8
ren sehen werden, handelt es sich bei der Gentechnik nicht um eine ausgeklügelte menschliche Erfindung - vielmehr imitiert der Mensch Prozesse, welche ihm die Natur vorführt (vgl. hierzu Kapitel 1.1.4, Bacillus thuringiensis).
Die Anfänge der modernen Gentechnologie reichen bis ins Jahr 1865 zurück, nämlich zum österreichischen Mönch und Botaniker Johann Georg Mendel (1822-1884). Er untersuchte die Gartenerbse und wie sich Merkmale auf die nächste Generation übertragen. Dabei gelang es ihm, durch Kreuzungsversuche die Regeln der Vererbung zu beschreiben, welche noch heute als Mendelsche Regeln 4 bekannt sind. Er zeigte, dass sich die genetische Gesamtinformation eines Lebewesens aus mehreren einzelnen Genen zusammensetzt. Fast zeitgleich mit Mendel forschte Charles Darwin (1809-1882), englischer Wissenschaftler, an zahlreichen Fossilien und lebenden Tieren. Er war beeindruckt, wie stark die natürlichen Kräfte auf die Veränderung des Lebens einwirkten. Zum Beispiel entdeckte er, dass die Menschen, wenn sie sich übermässig vermehrten meist von einer Dürre oder Hungersnot wieder reduziert wurden. Diese Erkenntnisse wandte er auf das Tier- und Pflanzenreich an. Diejenigen Arten, welche auch unter schwierigsten Umständen überlebten, konnten sich weiter vermehren und so ihre Gattung erhalten. Alle anderen starben aus. Mit dieser Annahme war Darwin der Begründer der modernen Evolutionstheorie. Obwohl Darwin und Mendel zur gleichen Zeit in ähnlichen Gebieten forschten haben sie sich nie kennengelernt und doch haben beide Forscher mit ihren Entdeckungen zum vermutlich tiefgreifendsten Wandel unserer Weltansicht beigetragen.
In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckten auch industrielle Grossunternehmen wie die amerikanische Rockefeller Stiftung 5 sowie später auch der deutsche VW-Konzern den neuen Wissenschaftszweig. Sie unterstützen die Forschung finanziell und erhofften auch eigene Nutzen daraus ziehen zu können. Im Jahre 1953 kam bereits der erste Erfolg: M. Wilkinson, F. Crick und J. Watson entdeckten das Doppel-Helix Modell der DNA (Desoxyribonukleinsäure, vgl. Abb. 1), für welches sie im Jahre 1962 mit dem Nobelpreis geehrt wurden.
4 Die drei Mendelschen Regeln: 1.Uniformitäts- oder Reziprozitätsregel, 2.Spaltungsregel 3.Regel von der Neukombination der Anlagen.
5 Eine von Milliardär John D. Rockefeller gegründete Organisation mit dem Zweck, das „Wohl der Menschheit auf der ganzen Welt“ zu fördern.
9
6 Abb. 1: Doppelhelix
Nur sechs Jahre später, 1968, erhielten die Forscher W. Nirenberg, H.G. Khorana und R. W. Holley den Nobelpreis für die Interpretation des genetischen Codes und dessen Funktion bei der Proteinsynthese. 1970 klonte man bereits die ersten Frösche. Dabei wurde unter Laborbedingungen genetisch identische Froschembryonen erzeugt. Dies hatte nicht mehr viel mit dem herkömmlichen Wissenschaftsgebiet der Biologie zu tun. Das Jahr 1977 wird als die eigentliche Ge-burtsstunde der Biotechnologie festgelegt, denn damals gelang es erstmals ein menschlichen Gens zu klonen, sowie die gentechnische Herstellung von Somatostatin (ein menschliches Hormon). Hinter diesem Durchbruch stand der 1976 gegründete Biotech-Konzern „Gentech Inc.“, der auch das erste gentechnisch hergestellte Medikament, das Insulin auf den Markt brachte.
Für weltweites Aufsehen sorgte 1998 das geklonte Schaf „Dolly“. Zum ersten Mal war es Wissenschaftlern gelungen, aus der Zelle eines ausgewachsenen Schafes ein genetisch identisches Schaf zu kreieren. Ab diesem Zeitpunkt nahmen auch die Negativnachrichten in den Medien rasant zu. Gegner sahen in diesem Entwicklungsschritt vor allem eine Gefahr: Das Klonen der Menschen
1.1.2. Die Sequenzierung des menschlichen Genoms
Bereits vor dem Klonschaf „Dolly“, nämlich in den 80er Jahren, forderte der Wissenschaftler und Virologe Renato Dulbecco eine genaue Analyse des menschlichen Genoms. Sein Ziel war es, damit mögliche Krankheitsursachen, insbesondere Krebs, aufklären zu können (zur Hausen, 2002, S. 36ff). Die Erforschung des menschlichen Genoms wurde im „Human Genome Project (HGP)“ über 13 Jahre hinweg von Wissenschaftlern und Forschern in den USA und England vorangetrieben. Im Jahre 2003 kam der Durchbruch, alle 20’000-25’000 menschli-
6 Illustrationvon Hanspeter Graf für Tagesanzeiger Zürich.
10
chen Genen sowie die Sequenzen der 3 Billionen Basenpaare, welche die menschliche DNA bilden, konnten identifiziert werden (vgl. auch Human Genom Project Information 7 ). Nachdem also fünf Jahre früher als erwartet, das Grossprojekt zu einem vorläufigen Abschluss kam, fehlten trotzdem noch Informationen, welche weiterhin Forscher aus der ganzen Welt beschäftigen.
Im Vordergrund der aufwendigen Analyse stand immer der medizinische Faktor. Man erhoffte sich, nicht nur die unzähligen Krebsarten, sondern auch erblich er-worbene und chronische Krankheiten des Zentralnervensystems (z. Bsp. die Alzheimer’sche Erkrankung) sowie Autoimmunerkrankungen (Krankheiten, deren Ursache eine überschiessende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe ist) besser zu verstehen und dadurch bessere Therapieformen entwickeln zu können. Mit diesen medizinischen Absichten wurde eine weltweite Debatte ausgelöst, welche sich besonders mit den ethischen Bedenken und den möglichen Negativfolgen befasst (vgl. zur Hausen, 2002, S. 36). Nicht nur Ethiker befassten sich mit diesem Thema, sondern auch aus ökologischen und religiösen Kreisen wurden immer häufiger Stimmen laut, welche sich vehement gegen den Einsatz von gentechnischen Methoden wehrten. Sie wollten ein Verbot oder zumindest ein Moratorium. Vor allem für die Wissenschaft in Deutschland hatte dies gravierende Konsequenzen, welche dadurch erst viel später mit der Genomforschung beginnen konnten.
In den nächsten zwei Kapiteln wird anhand je eines Beispiels, dem Insulin in der Humanmedizin und dem Bt-Mais in der Landwirtschaft, aufgezeigt, wie vielfältig Gentechnologie angewendet wird.
1.1.3. Gentechnik in der Humanmedizin
Wie zu Beginn erwähnt, diente die Sequenzierung des menschlichen Genoms in erster Linie medizinischen bzw. diagnostischen Zwecken. Lange bevor man sich jedoch die Gentechnologie für medizinische Zwecke beim Menschen zu Nutze machte, waren in der Landwirtschaft, bei den Pflanzen Nutztieren bereits unterschiedliche gentechnische Verfahren bekannt. Beispielsweise bei der klassischen Züchtung, welche darauf abzielt, möglichst nur das gewünschte Erbgut bestimmter Lebewesen an die nächste Generation weiterzugeben. Man kann hier zwei
7 http://www.ornl.gov/sci/techresources/Human_Genome/home.shtml
11
Arten von Züchtung unterscheiden: Der somatische Eingriff, bei dem nur ein einzelnes Lebewesen betroffen ist, und die Manipulation der Keimbahn welche sich auch auf die Nachkommenschaft auswirkt. In der Landwirtschaft, seien es nun Pflanzen oder Tiere, spricht man also nicht direkt von therapieren sondern von optimieren. Man optimiert eine Pflanze oder ein anderes Lebewesen auf die Art und Weise, dass es am meisten Ertrag abwirft, oder am wenigsten Düngemittel braucht (sog. Schädlingsresistenz).
Zudem kann man indirekt durch gentechnische Eingriffe an Tieren oder Pflanzen auch für die Menschen therapeutischen Nutzen erzielen. Ein bekanntes Beispiel, die Produktion von Insulin, sei hier kurz erwähnt. Seit 1916 gewann man Insulin aus Kälber- bzw. Schweinepankreasgewebe. Im Jahre 1963 gelang es Helmut Zahn (1916-2004) als Erster die chemische Synthese von Insulin. Dann, zwanzig Jahre später, entdeckte man das gentechnische Verfahren zur Herstellung des lebenswichtigen Hormons 8 . Dieses Beispiel zeigt, dass man mit Hilfe gentechnischer Verfahren mit weniger Aufwand Leben retten kann.
Wie bereits erwähnt wurde, sind im Zusammenhang mit Gentechnologie im medizinischen Bereich auch immer negative Zeitungsberichte zu lesen. Erst vor wenigen Wochen hat eine Schlagzeilen die Bevölkerung erschreckt: „London erlaubt Forschung mit Mensch-Tier-Embryonen – Eltern dürfen ‚rettende Geschwister’ schaffen“ konnte man am 20. Mai 2008 in der NZZ lesen. Der Blick formulierte am 21.5.2008 die gleiche Botschaft noch einmal anders: „Züchten Forscher jetzt Monster?“ Solche polarisierenden Nachrichten hinterlassen bei der breiten Öffentlichkeit kein positives Bild. Was auffällt ist, dass die Schlagzeilen immer die Gentechnologie am Menschen selber ins Zentrum stellen, also wie die Gentechnologie den Menschen verändert. Worüber viel weniger berichtet wird ist die Er-forschung neuer Wirkstoffe. So hat Hampel und Pfenning (2001) in ihrer Untersuchung „Gentechnik in der Öffentlichkeit, Wahrnehmung und Bewertung einer umstrittenen Technologie“ herausgefunden, dass die Mehrheit positive gegenüber Gentechnologie zur Herstellung von Medikamenten eingestellt ist, Eingriffe direkt am Menschen oder Embryo werden hingegen eher negativ bewertet (vgl. Hampel & Pfenning, 2001)
8 Ein sog. Peptidhormon, welches in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird (vgl. Diabetesinfo auf: http://www.diabetesinfo.de/grundlagen/insulin.php)
12
1.1.4. Gentechnik in der Landwirtschaft
Ein anderes sehr wichtiges Beispiel der Anwendung der Gentechnik ist in der Landwirtschaft zu finden.
Das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis zeigt, dass sich gentechnische Veränderungen (oder auch Mutationen) auch auf natürlich Weise und dies schon seit Jahrhunderten vollziehen. Unter natürlichen Bedingungen dringt dieses Bakterium in eine mechanisch verletzte Steckrübe ein und gelangt so über die Rübenzelle in deren Zellkern bis zur Erbinformation, welche in der DNS abgespeichert ist. Einmal dort angelangt, manipuliert das Bakterium die DNS Sequenz 9 ganz spezifisch. Das bedeutet für die Rübenzelle, dass sie nun nicht mehr ihr eigenes Programm durchläuft, sondern ein verändertes. Das Bakterium hat sie dahingehend verändert, dass die Rübenzelle nun für den „Lebensunterhalt“ des Bakteriums arbeite. Man kann also sagen, dass dieses Agrobakterium als Gentechniker fungiert.
Dieser eben beschriebene in der Natur vorkommende Prozess hat der Mensch „kopiert“ und zu seinem Nutzen weiterentwickelt. Ein aktuelles Beispiel ist der Bt-Mais, welcher ein Protein aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (Bt) enthält. Dieses Protein, welches ein natürliches Gift gegen Schädlinge produziert, führt dazu, dass der Bt-Mais sein eigenes Insektenvernichtungsmittel produziert. Meist unbekannt ist, dass es in der Landwirtschaft (inklusive den Biobauern) schon seit Jahrzehnten als Düngemittel gegen Schädlinge gespritzt wird (vgl. Informationsblatt zum Gentechmais, Bt-11, ETH Zürich, 11.4.2008 10 ). Zur Veranschaulichung ist in Abbildung 2 schematisch dargestellt, wie man einen Gentransfer bei Pflanzen durchführt.
9 Dies geschieht mittels „molekularen Scheren“, welche die DNS der Rübenzelle an einer bestimmten Stelle durchtrennten, Teile herausschneiden und dann die neue bakterielle Erbinformation mit „molekularen Klebstoff“ einfügen.
10 Downloaded: http://www.agbios.com
13
Das Gift des Bacillus thuringiensis wirkt nur bei ganz bestimmten Insekten, beim Maiszünsler und dem Maisstengelbohrer, und ist für den Menschen ungefährlich 12 .
Der Bt-Mais ist ebenfalls herbizidtolerant, d.h. er ist unempfindlich gegenüber einem bestimmten Unkrautvernichtungsmittel, in diesem Fall gegen Herbizide der Klasse der Glufosinate. Tierschützer befürchten noch immer, dass dieses Bt-Toxin in den Pollen der Maispflanze exprimiert wird, und so nützliche Insekten wie den Monarchsschmetterling vernichten würde. Dies kann nicht bestätigt werden, denn dieses Gift wird nicht in die Pollen exprimiert. Man könnte also sagen, dass diese Schmetterlinge auf einem Maisfeld mit Bt-Mais besser geschützt sind, als auf einem Feld mit konventionellem Mais, welches mit dem Gift bespritzt wird (vgl. Informationsblatt zum Gentechnmais (Bt 11), ETH Zürich, 11.4.2008).
Bt-Mais ist ein Produkt der Firma „Syngenta Seeds“ und war einer der ersten genetisch veränderten Organismen, welche wirtschaftlich im grossen Stil angebaut und auch als Nahrungsmittel zugelassen wurden. Dies gilt für die USA, den Philippinen, Argentinien, Kanada, Japan, Südafrika sowie Uruguay. In der
11 Bayrisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten, April 2001 (http://www.lfl.bayern.de/ipz/biotechnologie/03678/?context=/landwirtschaft/bio_gentechnologie/).
12 Dieses Bt-Bakterium wird aber nicht nur in die Maispflanze transferiert, sondern auch in die Bauwollpflanze, da diese oft vom Baumwollkapselwurm befallen wird und in die Kartoffel, welche dem Kartoffelkäfer zum Opfer fällt.
14
Schweiz hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) im Jahre 1998 den (gentechnisch veränderten) Bt-11 Mais für die Verwendung in Lebensmittel und Futtermittel bewilligt (Bundesamt für Ge-sundheit und Landwirtschaft, 14.10.1998 13 ). Auch das Gentechnikgesetz (GTG 14 ) sieht kein allgemeines Verbot vor. Vielmehr will es einen Missbrauch der Gentechnologie verhindern und dem Wohl der Menschheit und der Tiere bei der Anwendung der Gentechnologie dienen (vgl. GTG Art. 1 Abs. 1 und 2). Artikel 11 des GTG beschreibt, dass nur Personen, die eine vom Bundesrat verordnete Bewilligung haben gentechnisch veränderte Organismen in den Verkehr bringen dürfen. Obwohl die Verwendung des Bt-Mais vom Bund bewilligt wurde, ist in der Schweiz noch kein Bt-Mais angepflanzt worden, bzw. als Bestandteil von Lebensmitteln erhältlich. Wahrscheinlich vermag die negative Haltung der Bevölkerung die Wirtschaft zu bremsen. Verkaufsstellen befürchten, den Mais, bzw. den Produkten die Bt-Mais enthalten, nicht zu verkaufen. Auch die Bauern sind skeptisch und befürchten eine Kontamination ihrer Maisfelder, wenn in der Nähe ein Bt-Mais ausgesät wird. Es stellt sich demnach die Frage, welche räumlichen Abstände eine Koexistenz zulassen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat ein neues Gentechnikgesetz verabschiedet, welches auch den räumlichen Abstand zwischen den einzelnen Anbaufeldern regelt. So müssen Landwirte, welche genveränderten Mais anbauen, einen Mindestabstand von 150 Metern zu konventionellen Feldern einhalten. In anderen Ländern, wo bereits seit langem Bt-Mais angebaut wird, hat man diesen in die bevorzugten Maissorten eingekreuzt, was die Berücksichtigung lokaler Mais-Präferenzen unterstützt.
1.1.4.1 Vor– und Nachteile des Bt Mais
Da der Mais herbizidresistent ist, müssen in diesen Regionen weniger Spritzmittel eingesetzt werden, was eine nachhaltigere Bodenbewirtschaftung erlaubt. Dies führt zu mehr Bodenleben und weniger Bodenerosion und Treibhausgasemissionen, da der Maschineneinsatz verringert und weniger gepflügt wird. Um sich die Einsparung von Treibhausgasemissionen besser vorstellen zu können, haben Brooks und Barfoot (2006) einen Artikel über die globale Bedeutung von
13 Download: http://www.bag.admin.ch/dokumentation/medieninformationen/01217/index.html?lang=de&msgid=4445.
14 Bundesgesetz über die Gentechnik im Ausserhumanbereich vom 21.März 2003.
15
biotechnologischem Mais auf die Sozio-Ökonomie und das Umfeld herausgegeben, welcher der signifikante Rückgang des Treibhausgases im Jahre 2005 beschreibt. In Zahlen würde dies bedeuten, dass man, um denselben Effekt zu erzielen, 4 Millionen Autos von der Strasse hätte nehmen müssen (Brooks & Barfoot, 2006, S. 139).
Auch die Gesundheits- und Umweltrisiken wurden in zahlreichen Untersuchungen getestet. Es konnten keine neuen Risiken entdeckt werden, welche man nicht schon aus der konventionellen Landwirtschaft kennt. Der vor kurzem veröffentlichte Bericht der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) zeigt eine Sammlung von allen Publikationen, welche sich mit den Risiken von schädlingsresistenten transgenen Bt-Pflanzen beschäftigen. Auch da konnten nirgends neue Risiken festgemacht werden (vgl. Organisation de Coopération et de Développement Economiques, 2007).
1.1.4.2 Anbaustatistik von Bt-Mais
Wie schon erwähnt, war Bt-Mais der erste gentechnisch veränderte Organismus, welcher grossflächig angepflanzt wurde. Was in den USA begonnen hat und in Europa stets abgelehnt und gefürchtet wurde, ist nicht mehr aufzuhalten. Der Gen-Mais setzt seinen Siegeszug auch in Europa fort. Europäische Bauern haben in den letzten 12 Jahren vermehrt gentechnisch veränderten Mais angepflanzt. Dies zeigt eine Untersuchung der EuropaBio 15 . In Abbildung 3 kann man sehen, wie schnell die Anbauflächerate in den Jahren angestiegen ist.
15 EuropaBio und die US-Organisation ISAAA liefern die einzig verlässlichen Studien zu diesem Thema, vgl.: ISAAA Brief 37, 2007: Global Status of Commercialized Biotech/GM Crops (http://www.isaaa.org/resources/publications/briefs/37/executivesummary/default.html).
16
Abb. 3: Anstieg der Anbaufläche von gentechnisch verändertem Mais von 1996-2007 (ISAAA,
2007).
In Europa ist die Anbaufläche von Gen-Saaten im Jahre 2007 gegenüber 2006 um 77 Prozent auf 110'000 Hektar angestiegen. Europäisch gesehen liegt Spanien mit 75'000 Hektar an der Spitze, gefolgt von Frankreich, Tschechien, Portugal, Deutschland, der Slowakei, Rumänien und Polen. Als Grund für den raschen Anstieg wird der Maiszünsler genannt, welcher sich in den europäischen Gebieten rasant ausbreitete.
Weltweit ist es mittlerweile so, dass gentechnisch veränderte Pflanzen (Mais, Soja und Baumwolle) auf einer Fläche von über 50 Mio. ha angepflanzt und geerntet werden 16 .
1.1.5. Gentechnologie in der Lebensmittelindustrie
Die Zulassung gentechnisch Veränderter Produkte, wie der oben beschriebene Bt-Mais, hat zu heftigen Diskussionen über deren Verwendung in der Nahrungsmittelproduktion geführt (sog. Grüne Gentechnik).
16 Vgl. ebd.
17
Befürworter glauben, dadurch auch die weltweite Nahrungsmittelkrise besser in den Griff zu bekommen. So sind einige Politiker in Deutschland der Meinung, dass mit Hilfe der Gentechnik das Angebot an Nahrung rasch gesteigert werden könne. Aber mit solch offenen Bekenntnissen zur Biotechnologie stossen sie auch bei grossen Biotech-Firmen wie Syngenta auf Kritik. Michael Mack, Vor-standsvorsitzender von Syngenta, ist der Meinung, „dass die Gentechnik-Industrie die aktuelle Krise nicht missbrauchen solle, um ihre Ziele durchzusetzen 17 “. Gegner der Grünen Gentechnik aber sorgen sich um die Gesundheit. Sie befürchten Umweltschäden und eine wachsende Abhängigkeit der Dritt-Weltländer von grossen Saatgutkonzernen.
Die Haltung der Verbraucher ist im europäischen Raum noch sehr skeptisch, wenn nicht sogar ablehnend (vgl. Hampel & Pfenning). Aber auch die Lebensmittelhersteller sind (noch) nicht bereit, gentechnisch veränderte Lebensmittel herzustellen und zu verkaufen. Im europäischen Raum kann also noch nicht von „Grüner Gentechnologie“ im Lebensmittelsektor gesprochen werden. Zuerst müssen die möglichen Risiken für Gesundheit und Umwelt genauer untersucht und publiziert werden. Bis es jedoch soweit ist, gilt herauszufinden, welche Gründe für diese ablehnende Haltung sprechen. Einige Punkte sind nun kurz erwähnt (vgl. hierzu: Positionspapier der Gewerkschaft Nahrung–Genuss–Gaststätten zur Gentechnik im Lebensmittel- und Agrarsektor, 2005, S. 2):
• bis jetzt herrscht in Europa ein ganzjähriges, reichhaltiges Angebot an Lebensmitteln hoher Qualität und zu relativ niedrigen Preisen. Produktionssteigernde Agrartechnologien werden darum als weitgehend überflüssig wahrgenommen.
• Transgene Nahrungsmittel wecken Assoziationen zu Lebensmittelskandalen (z.B: BSE).
• Die Angst, plötzlich keine nicht modifizierten Nahrungsmittel kaufen zu können und so die Wahlfreiheit zu verlieren, ist vorhanden.
• Viele sind der Meinung, dass sich neue Eigenschaften und Nutzen transgener Produkte auch auf andere Art und Weise erreichen lassen.
Diese Liste ist nicht vollständig. Sie solle als Denkanstoss für das Weiterlesen anregen.
17 zitiert auf: http://genfood.wordpress.com/2008/04/23/gentechnik-macht-nicht-satt/.
18
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Doktorandin Catherine Näpflin , 2008, Die Einstellung Jugendlicher zur Gentechnologie aus Sicht der Religiosität, Munich, GRIN Publishing GmbH
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