Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2.1. Die Anfänge des portugiesischen Kolonialreiches 4
2.2. Verlauf der Kolonialzeit in Mosambik 4
2.3. Der Befreiungskampf gegen Portugal 5
2.4. Das sozialistische Mosambik und der Bürgerkrieg 6
3. Einflüsse auf die Entwicklungen in Mosambik 8
3.1. Einfluss der Nachbarstaaten 8
3.2. Der Ost-West-Konflikt 10
3.3. Einfluss der Kirchen in Mosambik 12
4. Schlussbemerkungen 14
5. Literatur 15
2
1. Einleitung
Die Dekolonisierung des afrikanischen Kontinents gehört zu einer der großen historischen Entwicklungslinien des 20. Jahrhunderts und stellt mit seinen Folgeproblemen auch weiterhin enorme Herausforderungen für die Akteure des 21. Jahrhunderts dar. Die Grenzen afrikanischer Staaten, die in europäischen Sälen willkürlich auf Landkarten gezogen wurden, sollen heute Nationen beinhalten. Wie aber können solche Nationen mit einer einheitlichen Identität, Kultur und Wertvorstellungen entstehen? - Zumal in einem Gebiet, welches sich über Jahrtausende den Europäern fremde Gruppen und Stämme miteinander geteilt oder gegenseitig abgerungen haben, eben ohne auf feste räumliche Grenzen zu stoßen. In dieser Arbeit soll der Staat Mosambik als Beispiel für eine afrikanische Dekolonisationsgeschichte und ihre Möglichkeiten dienen, wobei gezeigt werden soll, welche Einflüsse es auf die mosambikanischen Befreiungsbewegungen sowie auf die Formierung einer
mosambikanischen Identität gegeben hat. Identität wird hierbei gedeutet als das Selbstverständnis einer Gruppe, welches dauerhaft innere Einheit und Stabilität garantieren kann, wobei diese Gleichheit und Kontinuität von der Gruppe selbst wie auch von anderen erkannt wird. 1
Dazu gibt es im ersten Teil einen kurzen Abriss über die mosambikanische Kolonialgeschichte und die Auseinandersetzungen der beiden gegnerischen Parteien. Im zweiten Teil werden verschiedene Einflussnehmer vorgestellt, darunter Nachbarstaaten Mosambiks, Akteure des Ost-West-Konflikts sowie die Kirchen, und es wird aufgezeigt, inwieweit diese die mosambikanische Identitätsfindung beeinflussten. In der historischen Forschung wurde Mosambik bislang nur unzureichend behandelt und als Untersuchungsgegenstand zugunsten bekannterer afrikanischer Staaten vernachlässigt. 2 Zwei Faktoren erschweren zudem die Beschäftigung mit Literatur über Mosambik: Zum einen ist es für Sprachunkundige schwierig, sich mit der wenn auch knappen portugiesischen Literatur auseinanderzusetzen. Zum anderen gab es wegen der sozialistischen Ausrichtung Mosambiks in der DDR ein Interesse an Lehrbüchern über den „Bruderstaat“, weswegen es einige deutschsprachige Titel gibt, die dementsprechend ideologisch eingefärbt sind.
Obwohl es in dieser Arbeit um die Dekolonisationsgeschichte Mosambiks gehen soll, welche offiziell mit der Unabhängigkeit 1975 abgeschlossen war, wird auch der Bürgerkrieg der darauffolgenden Jahre thematisiert. Dieser postkoloniale Konflikt ist eng mit der
1 Vgl.: Nohlen, Dieter/Schultze, Olaf: Lexikon der Politikwissenschaft, Bd. 1; München 2 2004 S. 340 Sp. 2.
2 Dieser Meinung ist auch Carrie Manning: The Politics of Peace in Mozambique. Post-Conflict Democratization 1992-2000; London u.a. 2002.
3
Kolonialgeschichte Mosambiks verwoben und eine Dekolonisationsgeschichte wäre nicht vollständig, würden diese Anstrengungen zur tatsächlichen Befreiung des Landes von äußeren Zwängen ausgespart.
2.1. Anfänge des portugiesischen Kolonialreichs
Auf der Suche nach neuen Wegen im Gewürzhandel mit Indien entdeckte Vasco da Gama 1498 die mosambikanische Küste als Schlüssel zum Indischen Ozean für Europa. Die dort bereits seit mehreren Jahrhunderten ansässige arabische Konkurrenz wurde gewaltsam von den Portugiesen vertrieben und Anfang des 16. Jahrhunderts etablierten sie dort ein Stützpunktesystem für ihre Handelsflotte. Zunächst ging es bei diesen Eroberungen lediglich um die Herrschaft über Märkte und nicht über Länder, daher verzichteten die Portugiesen auf umfangreichen Territorialbesitz im afrikanischen Landesinneren. 3 Mit dem Wettlauf um Afrika Ende des 19. Jahrhunderts war Portugal gezwungen, seine Besitzansprüche ins Landesinnere auszuweiten, wollte es seine Kolonien nicht der europäischen Konkurrenz überlassen. Auch die rasanten industriellen Entwicklungen der Zeit verlangten nach einem politischen System vor Ort. Somit wurden die kolonialen Strukturen eingerichtet, in denen sich Mosambik im 20. Jahrhundert entwickeln sollte. 4
2.2. Verlauf der Kolonialzeit in Mosambik
Wie auch in anderen Kolonien war die portugiesische Kolonialherrschaft in Mosambik von der alltäglichen Demonstration der Überlegenheit des weißen Kolonialherrschers geprägt. Im Umgang mit den Einheimischen kam es Portugal vor allem darauf an, die Mosambikaner zu „zivilisieren“, was gleichbedeutend war mit dem Anspruch, sie mögen arbeiten und Steuern zahlen. Die dabei Erfolgreichen wurden als „Assimilados“ bezeichnet. Zugleich wurde die rechtliche oder soziale Gleichstellung der Mosambikaner oder sogar eine Vermischung der unterschiedlichen „Rassen“ streng abgelehnt. 5 Neben dieser gezielten Desintegration war eines der Grundprinzipien der portugiesischen Kolonialherrschaft, Mosambik und seine Einwohner nach außen möglichst abzuschotten und ihnen auch im Inneren Ausdrucksmöglichkeiten zu nehmen. Dies wurde unter anderem realisiert durch möglichst
3 Reinhard, Wolfgang: Kleine Geschichte des Kolonialismus; Stuttgart 2 2008 S. 28f., S. 32.
4 Newitt, Malyn: A History of Mozambique; Bloomingtion 1995 S. 318.
5 Penvenne, Jeanne-Marie: João Dos Santos Albasini (1876-1922): The contradictions of politics and identity in colonial Mozambique; in: Journal of African History Vol. 37 (3) 1996 S. 459.
4
niedrige Alphabetisierungsraten in der mosambikanischen Bevölkerung und das Fehlen von Gewerkschaften oder ähnlichen Organisationen. 6 Diese Abschottungsversuche gelangen aber nicht vollständig, insbesondere die mosambikanischen Arbeitsmigranten in Rhodesien sorgten für eine Verbindung der Daheimgebliebenen zum Ausland und somit auch zu Informationen über die weltweiten Entwicklungen. 7
Bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die kolonialen Zustände in Mosambik weitgehend unverändert. Politische Umstürze im Mutterland Portugal führten 1926 dazu, dass sich in den Kolonien neue Möglichkeiten ergaben, insbesondere was die politische Teilhabe der Einwohner betraf. Diese Entwicklungen weisen aber nicht auf eine schrittweise Liberalisierung in Mosambik hin. Vielmehr verstärkte das autoritäre Regime in Portugal nach dem Zweiten Weltkrieg seine Bemühungen um eine Entwicklungspolitik in Mosambik, die primär auf den portugiesischen Nutzen ausgerichtet war. 8 Dem Geist der Zeit, Kolonien langsam in ihre Unabhängigkeit zu entlassen, entzog sich Portugal zunächst durch einen Trick: Durch die Umbenennung seiner Kolonien in „Überseegebiete“ konnte Portugal über längere Zeit sich selbst und anderen Staaten gegenüber behaupten, die Unabhängigkeitsbewegungen anderer Kolonien tangiere portugiesische Interessen nicht, da die eigenen Auslandsbesitze schon rein begrifflich zum Mutterland gehörten und nicht etwa ein Fremdkörper seien. 9
2.3. Der Befreiungskampf gegen Portugal
Im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten erlangte Mosambik erst verspätet die Unabhängigkeit. Es fehlte an modernen afrikanischen Eliten und von den großen Bewegungen der Zeit wurde das Land kaum berührt, zudem wollte das ökonomisch unterentwickelte Portugal seine Kolonien aus Profitgründen nicht verlieren. 10 Ein beständiger Widerstand gegen die Kolonialherrschaft formierte sich konkret erst in den 1960er Jahren und vor allem durch Hilfe von außen. Unter Anregung des tangajikanischen Präsidenten Julius Nyerere wurde 1962 die sozialistisch geprägte Widerstandsbewegung „Frente de libertação de Moçambique“ (FRELIMO) unter dem Anführer Eduardo Mondlane gegründet. Die sich nun gegenüberstehenden Parteien -Portugal sowie die
6 Newitt S. 520.
7 Siehe auch Kapitel 3.1.
8 Förderungen im Agrarsektor (Anbau von Baumwolle) und im Bergbau Mosambiks sollten dem wirtschaftlich stark angeschlagenen Portugal helfen. Vgl. Reinhard 2008, S. 362; Newitt S. 517; Penvenne S. 463.
9 Newitt S. 517, Reinhard 2008 S. 362.
10 Reinhard Wolfgang: Geschichte der europäischen Expansion. Band 4: Dritte Welt Afrika; Stuttgart u.a. 1990 S. 158.
5
Arbeit zitieren:
Janina Kraus, 2008, Die Dekolonisation Mosambiks und die Suche nach einer mosambikanischen Identität, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Janina Kraus hat den Text Die Dekolonisation Mosambiks und die Suche nach einer mosambikanischen Identität veröffentlicht
Janina Kraus hat einen neuen Text hochgeladen
Essstörungen und die Suche nach Identität
Ursachen, Entwicklungen und Be...
Ingrid Barb-Priebe, Elke Schulz, Ingeborg Stahr
Kreative Medien und die Suche nach Identität
Methoden der Integrativen Ther...
Helga Nitsch-Berg, Hiltraud Kühn
Orientierung & Identität | Orientation and Identity
Porträts internationaler Leits...
Dieter Mayer, Erwin Bauer
Auf der Suche nach dem verlorenen Epos. À la recherche de l'épopée per...
Ein populäres Genre des 19. Ja...
Charlotte Kraus, Thomas Mohnike
Staatensystem und Geschichtsschreibung
Ausgewählte Aufsätze zu Humani...
Ulrich Muhlack, Notker Hammerstein, Gerrit Walther
Der espace autobiographique und die Verhandlung kultureller Identität
Ein pragmatischer Ort der Auto...
Magdalena Silvia Mancas, Dagmar Schmelzer
0 Kommentare