I. Gliederung
II. Abbildungsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
1.1 Zielsetzung dieser Arbeit 3
1.2 Aufbau der Arbeit 4
2. Kulturwandel und Akkulturation 5
2.1 Der Kulturbegriff 5
2.2 Kulturwandel 7
2.3 Akkulturation 8
3. Der internationale Tourismus 11
3.1 Begriffsdefinition des Phänomens Tourismus 11
3.2 Die Entwicklung des internationalen Tourismus 12
3.3 Einflussfaktoren durch die touristischen Angebote in Peru 14
3.4 Die Motive und Motivation der Touristen 15
3.5 Die Tourismusformen 17
4. Auswirkungen des internationalen Tourismus auf die Zielregion 19
4.1 Ökologische Dimension 20
4.2 Ökonomische Dimension 22
4.3 Soziokulturelle Dimension 23
4.4 Resümee 25
5. Der Tourismus in Peru am Beispiel der Region Cuzco und dem Santuario
Historico Machu Pichu 26
5.1 Der historische, politische und gesellschaftliche Hintergrund von Peru 26
5.2 Die tourismuspolitischen Strukturen 28
5.3 Das touristische Potential in Peru 31
5.4 Das Welt- und Kulturerbe Satuario Historico Machu Pichu - SHMP 32
5.5 Sehenswürdigkeiten 34
5.6 Steuerung und Kontrolle 36
6. Der Internationale Tourismus vs. Nachhaltigkeit 37
6.1 Die Akkulturation in diesem Prozess 40
7. Fazit 41
8. Literaturverzeichnis 45
1
II. Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Effekte im Akkulturationsprozess
Abb. 2 Statistik des internationalen Tourismus
Abb. 3 Darstellung von Drifter und Explorer
Abb. 4 Die Tourimusarten und -formen
Abb. 5 Die suprationalen Organisationen
Abb. 6 Der Santuario de Machu Picchu
Abb. 7 Landkarte des Biosphärenreservat
Abb. 8 Weltkultur- und Weltnaturerbe Santurio Machu Picchu in Peru
Abb. 9 Machu Pichu und die Politiker
Abb. 10 Das Ritual von Alejandro Toledo
Abb. 11 Vergleich der Anbieter zwischen Deutschland und Peru
Abb. 12 Grafik zur Nachhaltigkeit vs. Tourismus
Abb. 13 Maßnahmen und Inhalt der nachhaltigen Entwicklung
2
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung dieser Arbeit
Das Thema dieser Bachelorarbeit handelt vom internationalen Tourismus in Entwicklungsländern, von der Entwicklung sozialer Strukturen und von Auswirkungen des Tourismus durch diesen Prozess in Peru. Im allgemeinen Verständnis ist damit die Entwicklung von gesellschaftlichen Strukturen innerhalb der Dimensionen gemeint. Die Sozialwissenschaft hat sich vor allem im 19. Jahrhundert mit dem Prozess der Entwicklung von Gesellschaften beschäftigt, wobei sich diese Wissenschaft im 20. Jahrhundert den Strukturen der modernen Gesellschaft zuwandte. Eine mangelnde Kommunikation zwischen der Stammdisziplin und der Entwicklungssoziologie ist nach dem zweiten Weltkrieg ein Teil in der Entwicklungsdebatte geworden. 1
Diese wissenschaftliche Auseinandersetzung über die Ursachen, den Prozess und die Ziele der gesellschaftlichen Entwicklung sollte dazu beitragen, die Konzepte und Strategien für die Entwicklung der Gesellschaften in der dritten Welt zu erarbeiten. Zeitgleich zu dieser Entwicklung in den Entwicklungsländern entstand in Europa und Nordamerika das zentrale Phänomen des internationalen Tourismus in der modernen industrialisierten Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der Entwicklung ist der Tourismus von Beginn an als ideales ökonomisches Instrument identifiziert worden, um den Modernisierungsprozess in den Entwicklungsländern zu fördern. Gleichzeitig traten in der Auseinandersetzung um die Wirkungen entwicklungshemmende Ansichten durch die Tourismusindikation in den Vordergrund. Die Differenzen hinsichtlich der Entwicklung und den Auswirkungen des internationalen Tourismus in Peru werden in dieser Arbeit dargestellt. Da in Peru der internationale Tourismus verstärkt als Instrument zur Förderung der ökonomischen und ländlichen Entwicklung genutzt wird, versteht sich diese Bachelorarbeit in erster Linie als Beitrag zum Tourismus in Peru. Daten aus dem Internet und Vorträgen werden durch Sekundäranalysen von wissenschaftlicher Literatur, Studien und Statistiken sowie der Auswertung von Berichten ergänzt.
Die Fragestellungen in dieser Bachelorarbeit ergeben sich aus dem Thema und selektieren sich in drei Ebenen. In der deskriptiven Ebene stellt sich die Frage, welche Entwicklungsprozesse in Peru zu beobachten sind. Suplementär der wissenschaftlichen Literatur ist in der deskriptiv - analytischen Ebene die Indikation des Tourismus in Peru auf diese Entwicklungsprozesse zu beziehen. In der analytischen Ebene, die aufgrund der lokalen Untersuchungsdimension nicht gegeben ist, sind die Auswirkungen des Tourismus mit dem kulturellen Wandel und der Akkulturation zu assoziieren und Fragen zu beantworten, inwieweit diese die Entwicklung in den differenzierten Dimensionen fördert oder
1 vgl. LÜHR, V. & SCHULZ, M. (1997): Entwicklung - Theorie- Empirie- Strategie, S. 7ff.
3
auch hemmt und gegebenenfalls auch Fehlentwicklungen in diesem Prozess verstärkt. Vielmehr wird hier ein Ansatz aufgezeigt.
In dieser Arbeit soll dargestellt werden, inwieweit das Entwicklungsland Peru durch den internationalen Tourismus gefördert wird oder ob Peru doch vielmehr auf den Fremdenverkehr angewiesen ist und das Land durch die Stellung der Industriestaaten in diesem Prozess ausgenutzt wird. Des Weiteren soll am Beispiel der Region Cuzco aufgezeigt werden, inwieweit der internationale Tourismus durch seine Belastungen in der gegenwärtigen Zeit gleichzeitig eine Chance und ein Spannungsverhältnis im Prozess der nachhaltigen Entwicklung darstellt und in diesem Prozess zur Bewahrung der Ressourcen dienen soll.
Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der Vergleichsdaten und dem vorhandenen Datenmaterial in den zeitlichen - räumlichen Dimensionen von Deutschland aus eine analytische Funktion nur im Ansatz aufgezeigt werden kann.
1.2 Aufbau der Arbeit
Im zweiten Kapitel der Arbeit erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Kulturwandel, speziell der Akkulturation. Die Akkulturation zeigt in diesem Kontext die allgemeinen theoretischen Hintergründe durch den tourismusinduzierten Wandel. Die Akkulturation ist mit einbezogen worden, da die Kultur bisher ein Randthema in der Auseinandersetzung in Bezug auf die Entwicklung blieb und der Tourismus in der gegenwärtigen Zeit ein kulturelles Phänomen darstellt.
Im darauf folgenden Kapitel soll das Phänomen des internationalen Tourismus erläutert und definiert werden, um anschließend die Entstehung des Tourismus mit der gesellschaftlichen Entwicklung aufzuzeigen und diese mit der Modernisierung in den Industriestaaten in Verbindung zu bringen. Aufgrund der Komplexität des internationalen Tourismus und der gesellschaftlichen Erscheinung werden des Weiteren die Tourismusformen und -arten erläutert, die sich im Laufe der Entwicklung in diesem Prozess herausgebildet haben. Im vierten Kapitel erfolgt eine Darstellung der Dimensionen, die in der Wissenschaft in Bezug auf die Auswirkungen des internationalen Tourismus auf die Entwicklung in den Entwicklungsländern diskutiert werden. Primär ist es hier von Bedeutung, die Dimensionen zu charakterisieren, um eine Interpretation der Entwicklungsprozesse zu ermöglichen. In diesem Kontext bedarf es jedoch in dieser Komplexität einer Untersuchungsdimension vor Ort in Peru. Aufgrund der Situation und dieser Gegebenheiten wird dieses Kapitel als Hintergrund in dieser Komplexität in Bezug auf die Dimensionen in Entwicklungsländern aufgezeigt. Dieser Abschnitt soll vielmehr einen theoretischen Bezugsrahmen mit dem Hintergrund der Akkulturation darstellen, um die Auswirkungen durch den internationalen
4
Tourismus in dieser Komplexität in den ökonomischen, ökologischen und sozial-kulturellen Dimensionen einordnen zu können, die zusammengefasst werden und in diesem Kontext eine allgemeine Schlussfolgerung aufzeigen.
Im fünften Kapitel soll der internationale Tourismus in Peru am Beispiel der Region Cuzco und dem “ Santuario Machu Pichu “ aufgezeigt werden. Primär werden hier im Allgemeinen die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe von Peru dargestellt. Darauf folgend werden die tourismuspolitischen Strukturen des Landes erläutert und aufgezeigt, dass Peru den internationalen Tourismus nicht alleine steuert, sondern vielmehr internationale Kooperationen und Allianzen durch die operierenden Organisationen in diesem Prozess mitwirken. Das touristische Potential von Peru und die Besonderheiten werden des Weiteren am Status des Welt- und Kulturerbe der UNESCO aufgezeigt. Sekundär soll in diesem Kapitel das touristische Angebot und dessen Repräsentation aufgezeigt werden und die Angebote in der internationalen Medienpolitik in der Öffentlichkeit dargestellt werden, um die touristische Attraktivität des Landes zu steigern und dies gleichzeitig zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beiträgt.
Im sechsten Kapitel wird das Spannungsverhältnis des internationalen Tourismus der nachhaltigen Entwicklung gegenübergestellt und in diesem Kontext die Ansichten in dieser kontradiktorischen Entwicklung aufgezeigt und wie sie sich in dieser Komplexität gegenseitig beeinflussen. Darauf folgend soll eine Interpretation der Akkulturation in diesem Prozess aufgezeigt werden und inwieweit die moderne Industriegesellschaft die indigenen Kulturen in diesem fördert oder auch hemmt und diese durch die Expansion der Medien beeinflusst werden.
Im letzten Kapitel folgt eine Zusammenfassung dieser Arbeit. Hierbei sollen die Gesichtspunkte des internationalen Tourismus herausgearbeitet werden und eine begründete Einschätzung dieser Thematik gemacht werden, die jedoch nur ansatzweise durch das vorhandene Datenmaterial gegeben werden kann. Darauf folgend werden die zentralen Ergebnisse mit den Auswirkungen in der Entwicklung durch den Tourismus in Zusammenhang gebracht.
2. Kulturwandel und Akkulturation
2.1 Der Kulturbegriff
Die Kultur ist ein Subsystem der Gesellschaft, das sich im Zuge der Säkularisierung, Differenzierungs- und Rationalisierungsprozessen in einem stetigen Entwicklungsprozess befindet. 2 Hierbei ist Kultur auf Normen- und Wertsysteme reduziert und die
2 vgl. LÜEM, Thomas (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S 35 f.
5
Unterentwicklung ist als Entwicklungsstufe der Kultur aufzufassen. Da der Tourismus stets einen kulturellen Wandel bewirkt und somit die Rahmenbedingung der gesellschaftlichen Entwicklung verändert, soll hier Kulturwandel im Allgemeinen und die Akkulturation in diesem Prozess erläutert werden. In der Literatur zu den Auswirkungen des Tourismus auf die Kultur und den Wandel wurden in der Wissenschaft primär aus der Kulturanthropologie weitere Begrifflichkeiten der Kultur verwendet, in denen die Gesellschaft, verstanden als soziale Struktur, nur einen Teil der Kultur darstellt. 3 Diesen Aspekt zu diskutieren würde jedoch den Rahmen der Arbeit sprengen. 4
Aus diesem Grund werden die Merkmale der Kultur erläutert, um diesen Begriff für diese Arbeit zu definieren.
Ganz allgemein bezeichnet Max WEBER (1973 ) die Kultur als “ Entzauberung der Welt“. Sie “bedeutet also nicht eine zunehmende allgemeine Kenntnis der Lebensbedingungen, unter denen man steht, sie bedeutet etwas anderes: das Wissen davon oder den Glauben daran, dass man, wenn man nur wollte, es jederzeit erfahren könnte, es also prinzipiell keine geheimnisvollen, unberechenbaren Mächte gäbe, die da hineinspielen, dass man vielmehr die Dinge - im Prinzip - durch Berechnen beherrschen könne“ (WEBER 1964:
317 / GOETZE 1983: 21, zit. in LÜEM 1985: 37).
MALETZKE 5 beschreibt Kultur als die Art und Weise, wie die Menschen leben und was sie aus sich und ihrer Welt machen. Das „Wie“ bezieht sich in diesem Kontext auf die sozialen Beziehungen und Ausdrucksformen, die innerhalb der Kultur durch kulturelle Regeln bestimmt werden und somit in dieser Komplexität das Rationalitätsideal innerhalb der Kultur aufzeigen. Das „Was“ bezieht sich auf die immaterielle Seite der Kultur in Form von Werten, Konzepten, Ideen und Taten sowie den Ausdruck ihrer Welt, also der subjektiven Kultur 6 und die Beziehung zur Umwelt 7 , der objektiven Kultur, die einem ständigen Prozess der Anpassung unterliegen. Die Tradition wird in dieser Interpretation nicht explizit angesprochen, obwohl sie im Prozess des Kulturwandels eine bedeutende Rolle einnimmt. Kultur ist aber in der zeitlichen und räumlichen Dimension mit einem bestimmten Raum verbunden, auch wenn dessen Grenzen nur schwer auszumachen sind, da Kultur ein immaterielles Phänomen darstellt, das sich lediglich in den materiellen messbaren Erscheinungen äußert. Innerhalb des lokalen Raumes wird die Kultur von Generation zu Generation weitergegeben, wobei sie einem ständigen Differenzierungs- und Entwicklungsprozess unterliegt. 8
3 ebd., S. 32 f.
4 Zur weiteren Auseinandersetzung der Kultur und dem Kulturwandel in Assoziation mit dem Tourismus: LÜEM, Thomas 1985, THIEM, Marion 1984
5 vgl. MALETZKE, Gerhard (1996): Interkulturelle Kommunikation, S. 16 f.
6 Mit den Begrifflichkeiten der subjektiven und objektiven Kultur bezeichnet SIMMEL 1957 die “Entzauberung der Welt“ von Max WEBER.
7 Mit Umwelt ist hier auch die ökonomische und politische Organisation, Religion und Technologie gemeint.
8 vgl. LÜEM, Thomas (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 31 f.
6
2.2 Kulturwandel
Da sich die Kulturen durch den Prozess der Anpassung in einem ständigen Wandel befinden, differenziert LÜEM nach den Ansatzpunkten die Veränderung in den exogenen und endogenen Kulturwandel. 9
Unter einem endogen verursachten Wandel werden in einem Kulturbereich Innovationen verstanden, die nicht auf Einfluss von außen reagieren, sondern vielmehr von den Kulturträgern initiiert wurden. Andererseits beruht der exogene Wandel auf Kulturkontakten mit anderen Kulturen, in denen einzelne Elemente der anderen Kultur übernommen werden und diese sich auf andere Kulturbereiche interdependent auswirken. Es wird jedoch erst von einem Kulturwandel gesprochen, wenn bestimmte Kulturmuster von einer Mehrheit der Mitglieder übernommen werden. LÜEM 10 meint, dass in allen Kulturen der exogene Kulturwandel einen höheren Stellenwert hat, da die Entwicklung der Kultur beschleunigt wird, indem die Aufgaben der eigenen Innovation in diesem Bereich abnehmen werden. In diesem Kontext sind in den meisten Kulturen nur wenige Aspekte auf eigene Neuerungen und Erfindungen zurückzuführen. Hierbei entsteht die Paradoxie und führt zur ambivalenten Betrachtung, was den nacheinander zu durchlaufenden Kulturstufen widerspricht. Nach PETRI 11 hat die lokale Partizipation in den peripheren Gebieten einen bedeutenden Einfluss auf die Art des kulturellen Wandels in der Tourismusentwicklung. Gleichzeitig soll diese Zentralisierung zu einer Minderung der räumlichen Disparitäten beitragen. Hier ist jedoch zwischen der organischen und induzierten Entwicklung der Branche zu unterscheiden. Die organische Entwicklung wird von den Einheimischen, der lokalen Bevölkerung, kontrolliert. Bei der induzierten Entwicklung ist primär auf die Initiative von Unternehmen in der Entwicklung außerhalb der Region auszugehen, in der die Einheimischen weniger Einflussmöglichkeiten besitzen. In diesem Kontext ist der kulturelle Wandel exogen motiviert. Dieser kulturelle Wandel hängt meist von der Machtverteilung innerhalb des Tourismus und den räumlichen Disparitäten ab, die jedoch meist zugunsten der Touristen ausfällt. Wenn die Tourismusentwicklung jedoch noch zusätzlich von den nationalen und internationalen Metropolen in den räumlichen Disparitäten induziert wird, orientiert sich die lokale Bevölkerung verstärkt an den fremden Werten. 12 Die Differenzierung zwischen dem ständig ablaufenden und dem durch den Tourismus verursachten Kulturwandel sieht PETRI an den beteiligten und auszulösenden Akteuren. Hierbei werden auch Randfiguren der Gesellschaft verstanden, welche nicht so stark in die kulturellen Werte- und Normensysteme eingebunden sind. In diesem Entwicklungsprozess
9 ebd., S. 46 f.
10 vgl. LÜEM, Thomas (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 35 f.
11 vgl. PETRI, Otto (1986): Der internationale Tourismus als Entwicklungsfaktor in den Ländern der Dritten Welt, S. 135 f.
12 ebd., S. 137 ff.
7
werden Traditionen abgeschafft, da diese mit der Entwicklung nicht vereinbar sind. Jedoch ist hier auch zu differenzieren, dass der Tourismus zu einer stärkeren Beachtung der Kultur und der Wiederbelebung einheimischer traditioneller Praktiken in der einheimischen Bevölkerung geführt haben. FLITNER 13 hebt hervor, dass der Tourismus Tradition erhaltende Wirkungen besitzen kann, wobei die zerstörende Wirkung des Tourismus auf die Kultur nicht unproblematisch ist, da diese nach SOTELO 14 eine eurozentrische Denkfigur aus der Zeit der europäischen Expansion mit heranträgt. Die Zuschreibung von Tradition, natürlicher Lebensweise oder authentischen Kulturen, welche von den modernen Kulturen Europas zerstört werden, involviert eine Erniedrigung zu verletzlichen und passiven
15 “In der Bewunderung eines Naturvolkes ist die Verachtung schon mitgedacht.“ (LÜEM Gesellschaften.
1985: 87).
2.3 Akkulturation
Nach der Darstellung differenzierter Bedingungen und Formen des Kulturwandels in Assoziation mit dem Tourismus, soll nun genauer auf den Prozess des Wandels eingegangen werden, die Akkulturation. Der Begriff der Akkulturation geht auf Richard THURNWALD zurück, der im Jahr 1932 diesen als einen Anpassungsprozess definierte und damit in den Geisteswissenschaften ein Phänomen auslöste. Viele Berichte zu diesem Thema beziehen sich auch auf eine Bestimmung von LINCOLN, REDFIELD und
HERSKOVITS im “Memorandum for the Study of Acculturation: „Akkulturation umfasst jene Phänomene, die sich ergeben, wenn Gruppen von Individuen mit unterschiedlichen Kulturen in andauernden, unmittelbaren Kontakt gelangen, mit darauf folgenden Veränderungen in den ursprünglichen Kulturmustern der einen oder zu unterscheiden, von dem sie nur ein Aspekt ist, und von Assimilation die manchmal eine Phase der Akkulturation ist.“ (LÜEM 1985: 49)
Bei der Akkulturation handelt es sich immer um einen exogenen Kulturwandel der durch “ein länger andauerndes Zusammenwirken“ (WAHRLICH 1984: 49) der beteiligten Kulturen hervorgerufen wird. Teilweise wird der Begriff auf Phänomene eingeschränkt, die zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen auftreten, bei denen eine gegenüber der anderen dominant ist, oder in erster Linie sich auf den Kulturwandel durch das Einwirken der westlichen Welt auf die Entwicklungsländer bezieht. 16
Dieses Verständnis der Akkulturation liegt auch dieser Arbeit zugrunde, da der Tourismus in Entwicklungsländern als komplexes Phänomen einen Kulturkontakt darstellt.
13 vgl. FLITNER, Michael (1997): Kultur kaputt. Variationen einer Denkfigur der Tourismuskritik, S. 87 ff.
14 vgl. SOTELO, Ignacio (1973): Soziologie Lateinamerikas, S. 17 f.
15 In diesem Ansatzpunkt ist es Fakt, dass die industrielle gegenüber der vorindustriellen überlegen ist. vgl. TIBI nach LÜEM (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 52 f.
16 vgl. LÜEM (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 52 f.
8
MAURER 17 differenziert zwischen aktiver und passiver Akkulturation. Bei der Passiven bedeutet dies die Aufnahme von fremden Kulturelementen unter Beibehaltung der fundamentalen Normen- und Wertstrukturen. Bei der Aktiven wird ein komplett neues System übernommen, welches das Alte ersetzt.
Die passive oder aktive Form der Akkulturation und die Stärke des Kulturwandels werden von den Bedingungen des Akkulturationsprozesses bestimmt.
Hierzu zählt LÜEM 18 die Kontaktart und die Kontaktsituation. Hierbei werden der Ort des Kontaktes, die Beziehung zur Umwelt und Kultur, die ökologische Umwelt und die Merkmale der intendierten Bevölkerung mit der ökonomischen Struktur verstanden, was direkten Einfluss auf die Intensität der Kontakte hat. Wenn die übernommenen sozialen Rollen in Assoziation mit den Motiven der beteiligten Kulturträger zu betrachten ist, dann stellt diese die Kontaktart dar. Jedoch wird bei einer Betrachtung der Bedingungen im Ferntourismus 19 ersichtlich, dass nur bestimmte Teile der beteiligten Kulturen interagieren. THIEM 20 erläutert die interkulturelle Interaktion im Ferntourismus in einem Kulturen-Schema, das sich aus vier Teilen zusammensetzt. Nach diesem treten im Tourismus nicht einfach die Kulturen der Herkunftsstaaten und der Zielregion in Kontakt. Das Schema beinhaltet vielmehr eine Ferienkultur, die sich aus den Kulturen der Industriestaaten entwickelt hat. Hierbei trifft diese auf eine Dienstleistungskultur der Einheimischen, die von dem Tourismus betroffen und gleichzeitig auch von diesem abhängig sind. Die besonderen Rollen der Touristen auf der Reise, jedoch auch das Verhalten der Einheimischen versuchen aus ökonomischen Gründen, die stereotypen Wünsche und die Vorstellungen der Gäste zu erfüllen. Demzufolge wird für die Reisenden im Vordergrund die einheimische Kultur inszeniert, was jedoch im Hintergrund sehr stark organisiert und vorbereitet wird. Durch die Expansion des Tourismus werden die Hintergründe von dem Vordergrund beeinflusst. In diesem Kontext ist die Dienstleistung der Eingang in die ursprüngliche Kultur in einer Region. 21
Der Hintergrund ist eine Zone der Authentizität und Touristen versuchen in diese Zone einzudringen. Durch die Unterscheidung und die Differenzierung zwischen dem Vorder- und Hintergrund werden indigene Kulturen bewahrt. 22
Der Akkulturationsprozess wird durch die bewusste und unbewusste Demonstration der kulturellen Unterschiede von Seiten der Touristen initiiert. Es zeigt sich im Rollenverhalten der Reisenden als Träger ihrer Ferienkultur. Das Konsumverhalten verstärkt den Abstand
17 vgl. MAURER, Mechthild (1992): Tourismus und dritte Welt, S. 88
18 vgl. LÜEM, Thomas (1985): Sozio-kulturelle Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern, S. 52 ff.
19 Ferntourimus meint synonym den internationalen Tourismus und Fremdenverkehr.
20 vgl. THIEM, Marion (1994): Tourismus und kulturelle Identität, S. 37 ff.
21 vgl. LUGER, Kurt (2008): Kommunikation im Tourismus, S. 10 f.
22 vgl. COHEN, Erik (1995) Contempary tourism - trends and challenges, S. 17 f.
9
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Savas Mutlukal, 2008, Der Tourismus in Peru, Munich, GRIN Publishing GmbH
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