Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 2
2. KRITIK AN BESTEHENDEN ANSATZWEISEN ZUR
ABTREIBUNGSPROBLEMATIK 3
2.1 DAS ZWEI-EBENE-NMODELL 3
2.2 DIE RECHTE DER MUTTER ODER DIE DES FÖTUS? 3
2.3 IST DER FÖTUS EINE PERSON? 4
3. THEORIEN ZUR BEANTWORTUNG DER ZENTRALEN FRAGE. 5
3.1 DIE GOLDENE REGEL 5
3.2 DAS POTENTIALITÄTSPRINZIP 6
4. DIE UNTERSCHEIDUNG ZWISCHEN DEM AKT DES TUNS UND DEM AKT DES
UNTERLASSENS. 7
5. DIE INTERESSEN EINES SPÄTEREN KINDES 8
6. SCHLUSSBEMERKUNG. 9
7. LITERATURVERZEICHNIS 10
1. Einleitung
Ein Schwangerschaftsabbruch ist die Tötung eines Lebewesens, das sich in naher Zukunft in einen Menschen bzw. eine Person entwickeln würde. Darüber zumindest herrscht Einigkeit. Ist das Töten eines solchen Lebewesens jedoch gerechtfertigt? Diese Frage wird häufig versucht dahingehend zu beantworten, dass folgende Teilfragen gestellt und beantwortet werden:
Ab wann ist der Fötus eine Person? Wie sieht es mit den Rechten des Fötus aus, und denen der Mutter? Wie sind diese Rechte gewichtet? Was ist mit Interessen anderer, nicht direkt beteiligter Personen? Und was ist mit den Interessen eines evtl. nächsten Kindes?
Ein Konsens herrscht keineswegs über die Beantwortung dieser Fragen. Während die katholische Kirche sich vehement gegen eine Abtreibung in jedem Fall ausspricht, mit der Begründung, der Abbruch einer Schwangerschaft sei zu jedem Zeitpunkt Mord, ist z.B. eine feministische Position, wie die von Judith Jarvis Thomson, für eine Abtreibung, wenn gute Gründe 1 vorliegen und begründet dies damit, „[…] daß [sic] die Frau über ein Entscheidungsrecht verfügt, was in und mit ihrem Körper geschieht“. 2
Diese Positionen zur Abtreibung stehen in einem offensichtlichen Widerspruch zueinander und machen es uns deshalb schwer, darüber ein moralisches Urteil fällen zu können.
Der Moralphilosoph Richard Mervyn Hare entwickelte aus diesem Grund eine ethische Theorie 3 , um eine Methode zu haben, gute von schlechten Argumenten unterscheiden zu können. Im Folgenden bezieht sich Hare jedoch auf eine allgemeinere Theorie: die Goldene Regel, die als Grundlage zu seiner Argumentation dienen soll.
1 Ein guter Grund für eine Abtreibung wäre beispielsweise bei einer Vergewaltigung einer
vierzehnjährigen Schülerin, während eine Abtreibung indiskutabel wäre, wenn sich z.B. eine Frau im
siebten Monat befände, und nur abtreiben will, um ihren Urlaub nicht verschieben zu müssen. Vgl.
Thomson (1990: 128).
2 Thomson (1990: 115).
3 Hare entwickelte in einer Reihe von Werken eine eigene Moraltheorie: den universellen
Präskriptivismus, der hier im Verlauf zwar mitberücksichtigt wird, jedoch nicht als Grundlage für seine
Position zur Abtreibung dienen soll. Vgl. Hare (1974: 198-216).
2
2. Kritik an bestehenden Ansatzweisen zur Abtreibungsproblematik 2.1 Das Zwei-Ebenen-Modell
Wie die dargestellten Positionen bereits zeigen, herrscht kein Konsens darüber, ob Abtreibung generell verboten bzw. erlaubt sein soll, oder ob man in bestimmten Situationen Ausnahmen zulassen sollte. Das Problem besteht darin, dass jeder Mensch in einer bestimmten Denkweise erzogen wurde, die sehr verschieden von anderen Menschen sein kann. Diese anerzogene Denkweise bezeichnet Hare als unsere Intuitionen, die uns im Alltagsleben meistens das Richtige tun lassen, aber gerade bei einer solchen Debatte wie bei der Abtreibungsproblematik können sie uns nicht weiter helfen. Deshalb gibt es neben den Intuitionen noch eine zweite Ebene moralischen Denkens: die kritische Ebene. Während die erste Ebene (also unsere Intuitionen) die Anwendung erlernter Prinzipien ist, die ziemlich allgemein und einfach sind, ist die zweite Ebene die Kritik und mögliche Modifikation dieser allgemeinen Prinzipien auf einzelne Fälle angewendet. 4
Und somit handelt es sich bei der Abtreibungsproblematik „[…] nicht um die Frage, welches unsere Intuitionen sind, sondern wie sie sein sollten - eine Frage, die auf nützliche Weise veranschaulicht werden kann, indem wir fragen: ››Welche Überzeugung zur Abtreibung sollten wir unseren Kindern vermitteln?‹‹“ 5
2.2 Die Rechte der Mutter oder die des Fötus?
Ein Ansatz zur Abtreibungsfrage befasst sich mit den möglichen Rechten der Mutter oder denen des Fötus. Es wird hierbei häufig das Lebensrecht des Fötus dem Besitzrecht der Mutter über ihren Körper gegenübergestellt. Konservative Positionen wiegen hierbei das Lebensrecht stärker, während eine feministische Position vielmehr Gewicht auf das Besitzrecht einer Frau legt. Hier entsteht aber das Problem: Woher soll man wissen, welches Recht vorzuziehen ist, wenn man zwei miteinander unvereinbare Recht hat? Hare erkennt, dass es bisher kein geeignetes Verfahren gibt, um über Rechte schlüssig argumentieren zu können und nennt sie „das Lieblingsrevier der Intuitionisten“. 6
4 Vgl. Hare (1990a: 146-147)
5 Hare (1990a: 147)
6 Vgl. Hare (1990a: 133)
3
Arbeit zitieren:
Tanja Butschek, 2008, Hares Ansatz zur Abtreibungsdebatte als Problem der angewandten Ethik, München, GRIN Verlag GmbH
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